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Geschlechterkonstruktionen im Wandel. Darstellung von Berufsbildern in Schulbüchern

Ein sozialwissenschaftlicher Vergleich unter Zuhilfenahme der qualitativen Inhaltsanalyse

von Katharina Sonnenschein (Autor)

Bachelorarbeit 2013 50 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Das Geschlecht und seine Sozialisation
2.1 Zur Konstruktion des Geschlechts
2.2 Die besondere Bedeutung der Sprache
2.3 Berufliche Geschlechterpositionen im Wandel

3. Theoretische Grundlagen der Arbeit
3.1. Zur Relevanz der Schulbücher
3.2 Schulbuchforschung und Genderthematik

4. Zum methodischen Aufbau der Studie
4.1 Erkenntnisinteresse der Untersuchung
4.2 Begründete Auswahl der Schulbücher
4.3 Die Vergleichsmethode aus sozialwissenschaftlicher Perspektive
4.4 Das Vorgehen der Untersuchung auf Grundlage der qualitativen Inhaltsanalyse
4.5 Begründete Auswahl und Entwicklung von Kategorien

5 Analyse

6 Interpretationen
6.1 Interpretationen zum Sachbuch für den Sachunterricht der Grundschule
6.2 Interpretationen zu Mobile 1/2
6.3 Der kategorienorientierte Vergleich
6.3.1 Konstruktionen von Gender
6.3.2 Sprache
6.3.3 Gender und Berufspositionen

7. Fazit

8. Literatur

1 Einleitung

Dem Geschlecht, als eine unseren gesamten Lebensweg prägende Instanz, bedarf ein essenzielles Interesse an dessen Darstellung und Konstruktion in der heutigen Gesellschaft. Vorwiegend lassen sich derartige Geschlechterkonstruktionen in der beruflichen Dimension einer von der Zweigeschlechtlichkeit geprägten Gesellschaft verorten. Denn trotz der im Grundgesetz geforderten Gleichstellung von Frau und Mann (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung 2012) sind berufliche Ungleichheiten der Geschlechter in Form von Lohndiskriminierungen, geschlechterspezifisch getrennter Arbeitsmarkt sowie weibliche Unterrepräsentation in Führungspositionen weiterhin vorherrschend (vgl. Tanzberger/Schneider 2007: 7; Statistisches Bundesamt 2005: 67-75). Gründe für diese geschlechterabhängige Zuteilung sind u. a. Geschlechterbarrieren wie:

- „Geschlechterstereotype im Denken und Handeln,
- geschlechtsspezifische Zuordnung und das Sozialprestige von Berufen,
- mangelnde Motivation, Ermutigung, Beratung und Unterstützung,
- mangelndes Angebot von Ausbildungsstellen,
- Personalrekrutierungspraktiken von Betrieben,
- [sowie eine männlich] dominierte Kultur in Unternehmen“ (Schemme 2006: 19).

Vorstellungen jener konstruierten Wirklichkeit von Geschlecht haben u. a. angesichts elterlicher und schulischer Erziehung, real und medial vorgelebter Rollenzuschreibungen und allgegenwärtiger Werbeindustrie bereits im Kindesalter eine wesentliche Rolle inne. Neben diesen Einfluss nehmenden Faktoren ist auch das auf den jeweiligen Richtlinien eines Bundeslandes basierende Schulbuch zu verorten, welches grundlegende Veränderungen seit den 70er Jahren erfahren hat (vgl. Weinbrenner 1995: 33, 42).

Allen genannten Objekten ist eine Aufrechterhaltung stereotypischer Geschlechterbilder durch die auf Mustern von Männlichkeit und Weiblichkeit beruhende Präsentation der gesellschaftlichen Konstruktionen gemeinsam. Diese teilweise subtilen Darbietungen haben Auswirkungen auf die jeweilige Ausbildungs- und Berufswahl, den Werdegang, das Privatleben sowie auf das eigene Denken und Handeln (vgl. Tanzberger/Schneider 2007: 7, 20). In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass derartige „Zuordnung der Berufe zu den Geschlechtern und auch ihr Status in der Gesellschaft […] keineswegs statisch, sondern veränderbar“ sind (Markom/Weinhäupl 2007: 222).

Die bedeutsame Wirkung des Geschlechts für die gesellschaftlichen Verhältnisse begründet die Auswahl der Thematik der vorliegenden Bachelorarbeit. Unter Berücksichtigung der vorgestellten Komponenten Geschlecht, Beruf und Schulbuch wird nachfolgend meine empirische sozialwissenschaftliche Untersuchung zum

Wandel der Geschlechterkonstruktionen

am Beispiel der Darstellung von Berufsbildern in Schulbüchern

dargelegt. Unter Einbezug der Ergebnisse vergangener Schulbuchanalysen versucht diese Arbeit, die fundamentalen Entwicklungen und weiterhin vorhandenen Defizite der beruflichen Darbietung der Geschlechter herauszuarbeiten und zu bewerten.

Dazu werden zwei Schulbücher für den nordrhein-westfälischen Sachunterricht herangezogen, die im Abstand von 33 Jahren veröffentlicht wurden. Mittels einer kategorialen Analyse basierend auf der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse werden die Inhalte ausgesuchter Schulbuchseiten in beiden Exemplaren nach möglichen stereotypen, klischeehaften und einseitigen Darstellungen untersucht.

Die nachstehende Ausarbeitung meiner Schulbuchanalyse gliedert sich in theoretische, methodische und empirische Abschnitte. Den einleitenden Worten folgend, wird das zweite Kapitel („Das Geschlecht und seine Sozialisation“) mit der Erläuterung der Definition von Geschlecht eröffnet. Hierbei wird die Konstruktion des Geschlechts unter Berücksichtigung des historischen Ursprungs des Gender-Begriffes thematisiert. In diesem Zusammenhang ist die Darlegung der Relevanz der Sprache unerlässlich. Daran anschließend findet sich ein kurzer Überblick über den beruflichen Wandel der Geschlechter.

Die theoretischen Grundlagen der Arbeit basieren auf Inhalten des Schulbuches. Welche Aufgaben dieses bildende Medium inne hat und welche Bedeutung diesem zugeschrieben wird, soll in Kapitel 3.1 dargelegt werden. Die darauf folgende exemplarische Auflistung dreier Schulbuchanalysen dient der Anbindung meiner Arbeit an den aktuellen Forschungsstand.

Vor diesem Hintergrund werden im vierten Kapitel die methodischen Grundlagen der Arbeit formuliert. Das der Untersuchung zugrunde liegende Erkenntnisinteresse, sowie die begründete Auswahl und Vorstellung der beiden Schulbücher werden zu Beginn dieses Kapitels angeführt. Die nachstehende Zusammenfassung der Vergleichsmethode dient als Grundlage für den in Kapitel 6.3 abgebildeten Schulbuchvergleich. Weiterhin wird das auf der qualitativen Inhaltsanalyse beruhende Vorgehen der Untersuchung erläutert, bevor die begründete Auswahl und Entwicklung der drei Kategorien (Konstruktion von Gender, Sprache und Gender und Berufspositionen) Erwähnung findet.

Im fünften Kapitel werden die zu untersuchenden Schulbücher anhand der zuvor dargestellten Kategorien analysiert. Eine tabellarische Anordnung dient dabei der Gegenüberstellung der aus den beiden Büchern stammenden Befunde.

Interpretationen und erste Bewertungen dieser Befunde halten im vorletzten Kapitel Einzug. Um einen möglichst „hohen Objektivitätsgrad“ zu gewahren (Meyers 1976: 52), werden hierbei die einzelnen Schulbücher erst separat voneinander interpretiert, bevor sie in einem nächsten Schritt miteinander verglichen werden. Diesem Vergleich liegt ein erneuter Bezug zu den entwickelten Kategorien zugrunde.

Abgeschlossen wird die vorliegende Arbeit mit einem Fazit, in dem Rückgriffe auf die in Kapitel 3.2 vorgestellten Studien sowie Empfehlungen zu finden sind.

2. Das Geschlecht und seine Sozialisation

Im nachstehenden Kapitel finden sich Ausführungen zum Geschlecht, seiner Konstruktion, Sozialisation sowie seiner Rolle in der Gesellschaft. Hierbei wird vermehrt Bezug auf die berufliche Dimension der Geschlechter genommen.

2.1 Zur Konstruktion des Geschlechts

Werdende Eltern fiebern dem Tag der Ultraschalluntersuchung, bei der sie das Geschlecht ihres Kindes erfahren oder besser gesagt „erschaffen“ werden, mit Aufregung und Freude entgegen. Der Ausruf „Es wird ein Mädchen!“, „Es wird ein Junge!“ dient der Zuteilung eines ungeborenen Kindes zu einem bestimmten Geschlecht und der damit zusammenhängenden folgenreichen Einführung in die Welt der Zweigeschlechtlichkeit. Diese spätestens bei der Geburt des Babys festgelegte geschlechtliche Zuschreibung gründet sich auf die äußerlichen Geschlechtsmerkmale, die eine Folge des genetischen bzw. chromosomalen Geschlechts (XX oder XY) sind. Die Bestimmung des Geschlechts ist (in den meisten Fällen) eine lebenslänglich andauernde und geht einher mit geschlechtsspezifischen Erwartungen und Verhaltensperspektiven (vgl. Trautner 2008: 625 & 633).

In diesem Sinne besteht bereits seit den 70er Jahren eine Unterscheidung zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht, die damals von den feministischen Sozialwissenschaften eingeführt wurde und zu einer Entkräftung eines rein biologischen Geschlechterunterschieds führte. Das biologische Geschlecht („Sex“) galt viele Jahre als eindeutig und unveränderbar. Doch moderne Wissenschaft und Medizin können diese Annahme heutzutage außer Kraft setzen (siehe Geschlechtsumwandlungen). Im Beispiel oben definieren die genetischen und äußeren Geschlechtsmerkmale das biologische Geschlecht.

Das soziale bzw. soziokulturelle Geschlecht („Gender“) ist das Ergebnis von sozialen, kulturellen, gesellschaftlichen und historischen Entwicklungen (vgl. Markom/Weinhäupl 2007: 199). Damit kann Gender als „eine zeitgebundene soziokulturelle Konstruktion von sexueller Identität [beschrieben werden, deren] Einordnung […] stark von der jeweiligen Gesellschaft abhängig [ist]“ (Ebd.). In Anlehnung an die sozialkonstruktivistischen Erklärungsansätze ist das vermeintlich „natürliche“ Geschlecht somit „nicht einfach gegeben […], sondern [wird] in täglicher Interaktion hergestellt […]“ (Kampshoff 2007: 27).

An Frauen und Männer werden dabei bestimmte Eigenschaften, Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Rechte und Erwartungen herangetragen, die die übereinstimmende Gesellschaft aufgrund von Normen, stereotypischen Vorstellungen und Verhaltenstypisierungen den jeweiligen Geschlechtern zugeordnet hat. Hierdurch entstehen geschlechtsspezifische Rollen und gesellschaftsabhängige historisch gewachsene Bilder vom richtigen „Frau-Sein“ und „Mann-Sein“, die von den jeweiligen Geschlechtern verinnerlicht, praktiziert und präsentiert werden sollen (vgl. Tanzberger/Schneider 2007: 16; Hilgers 1994: 22). Somit wird „Geschlecht […] zum Einen als subjektive Praxis symbolischer Interpretations- und Handlungsprozesse betrachtet, die das geschlechtliche Selbstkonzept strukturieren und zum Anderen als Summe gesellschaftlicher Wissensimperative angesehen“ (Jäckle 2009: 133). Diese Prozesse führen zu einer „permanent wiederholten Herstellung von Geschlecht“ (Tanzberger/Schneider 2007: 16).

Die geschlechtsspezifische Konstruktion und Sozialisation der Menschen führte vor (allem in der Vergangenheit) zur Benachteiligung und Unterdrückung der Frau. Die weibliche Biologie (Schwangerschaft, Stillen etc.) wurde und wird dabei zur Rechtfertigung dieser Unterdrückung herangezogen (vgl. Markom/Weinhäupl 2007: 215).

2.2 Die besondere Bedeutung der Sprache

Bei der Konstruktion von Geschlecht und Geschlechtsidentitäten ist die Sprache von besonderer Bedeutung. In Anlehnung an den ursprünglich aus der Sprechakttheorie stammenden Begriff der Performanz kann Sprache als eine Art Mechanismus gedeutet werden, der das erzeugt, was er zuvor bezeichnet hat. Mit anderen Worten, führt das konkrete „in Worte fassen“ einer Handlung oder Gegebenheit dazu, dass diese Handlung Realität wird bzw. Realität erschafft (vgl. Jäckle 2009: 138). „In diesem Sinne macht jede performative Einordnung und Festlegung geschlechtlicher Attribute aus Geschlechtern gesellschaftlich bestimmte Männer und Frauen, indem die Sprache […] das hervorruft, was sie benennt“ (Ebd.). Dabei darf ein einmaliger sprachlicher Akt nicht mit einer performativen Handlung gleichgesetzt werden. Erst durch das fortwährende Wiederholen von Sprechakten, die „die Bedeutung tragen, die eine spezifisch kulturelle Interpretation transportieren und vermitteln“, wird Realität erzeugt (Ebd.: 138f).

Als konkretes Beispiel für den Performanzbegriff kann die oben beschriebene Situation der Geschlechtsbestimmung im Mutterleib angeführt werden. Das biologische Geschlecht ist zwar durch die geschlechtsspezifischen körperlichen Merkmale von der Natur vorgegeben, doch die Zuteilung zum sozialen Geschlecht erfolgt erst durch den Ausruf „Es wird ein Mädchen!“ bzw. „Es wird ein Junge!“ Dieser Moment wird das Leben des Kindes nach der Geburt, aber auch das Leben der Eltern maßgeblich bestimmen. Gemeint ist damit nicht nur die „rosa“ oder „blaue“ Einrichtung des Kinderzimmers. Schon jetzt werden erste Überlegungen der Eltern zu späteren Eigenschaften, Hobbys, Berufen oder Ähnlichem folgen, die lediglich auf dem Geschlecht des Kindes basieren. Das Kind hingegen wird damit in die Welt des „binären Geschlechtercodes“ eingeführt (Ebd.: 139). Seine Identität wird durch die Wiederholung von gesellschaftlich vorherrschenden Normen, die es zugleich verinnerlichen soll, erschaffen (vgl. ebd.).

2.3 Berufliche Geschlechterpositionen im Wandel

Die Stellung der Geschlechter im Berufleben hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Im Rahmen dieser Arbeit ist eine differenzierte Erläuterung dieser Entwicklung, ebenso wie eine Darstellung der Frauenbewegungen nicht vorgesehen. Dieses Kapitel beschränkt sich lediglich auf einen kurzen Überblick des beruflichen Wandels der Geschlechter. Dabei stehen vor allem die Zeiträume vor dem Erscheinungsdatum der beiden zu analysierenden Schulbücher im Vordergrund, da sie die zu der Zeit der Entstehung der Bücher aktuelle gesellschaftliche Situation veranschaulichen. Die Ergebnisse des Mikrozensus dienen hierbei als Grundlage.

In den letzten vierzig Jahren konnte eine erhebliche Annäherung der Geschlechter bezüglich der Erwerbsbeteiligung vermerkt werden. 1974 lag die Erwerbsbeteiligung der Frauen bei durchschnittlich 31,1 %, die der Männer war mit 57,9 % fast doppelt so hoch (vgl. Statistisches Bundesamt 1983: 65). In den Ergebnissen des Mikrozensus von 2009 lässt sich eine Zunahme der Erwerbsbeteiligung der Frauen auf 45,7% verorten. Die Erwerbsquote der Männer war mit 56,8% „leicht rückläufig“ (Statistisches Bundesamt 2011: 101).

In den nachfolgenden Tabellen finden sich männliche und weibliche Erwerbstätige sortiert nach bestimmten Berufsgruppen. Diese Auflistungen verdeutlichen die vom jeweiligen Geschlecht stärker besetzten Berufe. Tabelle 1 liegen die Daten vom Mikrozensus 1980 zugrunde und sind geordnet nach der höchsten Differenz zwischen den beiden Geschlechtern. Bei den Bezeichnungen der Berufsgruppen im Original wurde hauptsächlich das generische Maskulinum verwendet oder nur die weibliche Form (z.B. „Kindergärtnerinnen“) angegeben. In der hier dargestellten Tabelle habe ich dies geändert, so dass beide Geschlechter durch die Berufsbezeichnungen gemeint sind.

Ein vermehrtes Auftreten von Männern in Führungs- und Entscheidungspositionen als auch in technischen Berufen ist der Tabelle zu entnehmen, ebenso wie das zunehmende Besetzen der Frauen von pflegenden und dienenden Tätigkeiten. Einfache mechanische Arbeiten genauso wie Berufsgruppen, die etwas mit dem Erscheinungsbild, der Erziehung, der Reinigung oder der Handarbeit zu tun haben, sind durch einen hohen Frauenanteil gekennzeichnet (vgl. auch Markom/Weinhäupl 2007: 222).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Erwerbstätige in ausgewählten Berufsgruppen 1000

(Daten: Mikrozensus 1980. Quelle: Statistisches Bundesamt 1983: 75)

Fast dreißig Jahre später sind Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert, so die Ergebnisse des Mikrozensus 2004 (vgl. Statistisches Bundesamt 2005: 67-75). Diese Bilanz spiegelt sich auch in der nachfolgenden Tabelle wieder, die die von erwerbstätigen Frauen und Männern am stärksten besetzten Berufsgruppen 2009 präsentiert. Die Tabelle zeigt, dass 2009 535000 Männer eine Führungsposition innehaben. Das stellt die zweitstärkste von Männern besetzte Berufsgruppe dar. In der Auflistung der von Frauen am stärksten besetzten Berufe sind Führungspositionen nicht aufgeführt.

Die Tabellen veranschaulichen zudem, dass Frauen nach wie vor zu einem Großteil erziehende und pflegende Berufe bekleiden. Weiterhin finden sich zahlreiche Büro- und Verwaltungsarbeiten (u.a. stärkste besetzte Berufsgruppe), sowie Berufe mit Verkaufstätigkeiten. Bei den Männern stellen die Berufskraftfahrer die am stärksten besetzte Berufsgruppe dar. Neben Berufsgruppen wie Soldaten/Grenzschutz/Polizeibedienstete, Kraftfahrzeug- & Zweiradmechaniker oder Elektriker/Elektroinstallateure sind auch bei den Männern Büro- und Verwaltungsarbeiten beliebt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Erwerbstätige Frauen und Männer in den zehn am stärksten besetzten Berufsgruppen 2009

(Daten: Mikrozensus. Quelle: Statistisches Bundesamt Datenreport 2011: 104)

3. Theoretische Grundlagen der Arbeit

Dieses Kapitel thematisiert die Aufgaben und den Sinn von Schulbüchern und Schulbuchforschung. Daran anschließend werden Studien, die Ähnlichkeiten mit dem Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit aufweisen, kurz erläutert.

3.1. Zur Relevanz der Schulbücher

Deutsch, Mathematik, Englisch oder Sachunterricht, fast jedes Schulfach an deutschen Schulen wird von einem fachspezifischen mit dem Lehrplan konformen Schulbuch begleitet. Die speziell für den Unterricht gefertigten Lehr-, Lern- und Arbeitsmittel sollen den Schülerinnen und Schülern sachgerechte und didaktisch-methodisch aufbereitete Inhalte eines Lernbereiches präsentieren. Das Schulbuch als konstanter Unterrichtsbegleiter eignet sich dabei für die verschiedensten Phasen des schulischen Lehr- Lern- Prozesses, dem Motivieren, dem Informieren, dem (Ein-)Üben, dem Anwenden sowie für die abschließende Lernkontrolle (vgl. Sandfuchs 2010: 19). Die Schwierigkeit bei Schulbüchern liegt in der Selektion und Reduktion der umfangreichen Wirklichkeit sowie dem Aufzeigen der Beziehungen zwischen abstrakt gesellschaftlicher Realität und den konkreten Lebenserfahrungen der Schülerinnen und Schüler (vgl. Rauch/Wurster 1997: 26; Weiss 2007: IX).

Neben Dokumenten zur Unterstützung des Lehrens und Lernens zählen Schulbücher zu den „Regelungen, mit denen Gesellschaften festlegen, welche ihrer Wissensvorräte sie an die nachkommende Generation überliefern wollen“ (Flechsig 1997: V). Der in den Lehrplänen verschriftlichte und vor allem über Schulbücher der Grundschule vermittelte Wissensbestand bildet somit soziale, politische und kulturelle Vorstellungen sowie Bewusstseinslagen einer Gesellschaft in einem bestimmten Zeitabschnitt bzw. einer Epoche ab (vgl. ebd.; Markom/Weinhäupl 2007: 4), die am Ende der Schulzeit allen Schülerinnen und Schülern gemeinsam sein soll.

Die der Schulbuchentwicklung zugrunde liegenden Lehrpläne, ebenso wie Schulbücher selbst, sind nach Peter Weinbrenner demnach als „Dokumente der Zeitgeschichte und damit [auch als] gesellschaftliche Produkte [zu verstehen]. Sie atmen den Geist der Epoche und sind Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Verfassung und Bewusstseinslage“ (Weinbrenner 1995: 40). Diese subjektiven Produkte gesellschaftlicher Prozesse, die u. a. auch Wertvorstellungen, Normen und Stereotype beinhalten, nehmen erheblichen „Einfluss auf die Fremd- und Selbstbilder der verschiedenen Gruppen und Individuen einer Gesellschaft“ und prägen somit das Denken und Handeln von Schülerinnen und Schülern (Markom/Weinhäupl 2007: 4). Damit stellt das Schulbuch ein „beachtenswertes Informations- und Kommunikationsmittel“ (Schallenberger 1976: 3) mit einem hohen Machtpotenzial dar.

In keinem anderen Schulfach werden derart zahlreiche soziale, politische und kulturelle Vorstellungen der Gesellschaft vermittelt, wie im Sachunterricht. Er unterstützt den „Prozess der handelnden Erfahrung, sinnlichen Erfassung und geistigen Verarbeitung [der] Welt […] unter besonderer Berücksichtigung der Interessen, Lebenssituation und Fragen der Kinder und mit dem Ziel einer kategorialen Bildung und ethisch orientierten Erziehung“ (Rauch/Wurster 1997: 12). Der bereits thematisierte Einfluss der Schulbücher auf die Einstellungen und Wertehaltungen der Schülerinnen und Schüler (s.o.; vgl. Rauch/Wurster 1997: 34) lässt sich demnach vor allem im Sachunterricht der Grundschule und den dafür verwendeten Büchern verorten. Durch Texte und in den ersten Jahren vor allem durch Bilder findet unter Berücksichtigung der vor- und außerschulischen Erfahrungen der Kinder (vgl. Glumpler 1992: 187) eine bewusste und zum Teil auch unbewusste Vermittlung von gesellschaftlichen Vorstellungen und Überzeugungen statt. Die vorliegende Arbeit will in diesem Zusammenhang insbesondere die geschlechterbezogenen Aspekte in Bezug auf Klischees, Vorurteile und Stereotypen untersuchen.

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Details

Seiten
50
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656879336
ISBN (Buch)
9783656879343
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287569
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,7
Schlagworte
Geschlechterkonstruktionen qualitative Inhaltsanalyse Berufsbilder Schulbuchanalyse Schulbuchforschung berufliche Geschlechterpositionen Geschlechterdarstellung

Autor

  • Katharina Sonnenschein (Autor)

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Titel: Geschlechterkonstruktionen im Wandel. Darstellung von Berufsbildern in Schulbüchern