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Eucharistie. Theologie und Gestalt

Hausarbeit 2015 24 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Inhalt und Ablauf der Heiligen Messe
3.1 Die Eröffnung
3.2 Der Wortgottesdienst
3.3 Die Eucharistiefeier
3.4 Die Entlassung

4. Die biblischen Wurzeln der Eucharistiefeier
4.1 Das Mahl im alttestamentlichen Israel
4.2 Mahlgemeinschaft mit Jesus
4.3 Zusammenfassung

5. Eucharistie in der scholastischen Theologie des Mittelalters

6. Die Transubstantiationslehre

7. Heutige Annäherung und theologische Klärung

8. Anamnetisch- epikleptische Grundstruktur

9. Didaktische Planung

10. Vorstellen des Kriterienkatalogs

11. Reflexion des Gesamtrahmens des Seminars

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der katholischen Messe geht es vielen Menschen wie mit einem anspruchsvollen Kunstwerk im Museum: Es ist klar, dass man vor einem bedeutenden kulturellen Schatz steht, aber was fehlt, ist eine Vermittlung. Dementsprechend würden viele Christen die Eucharistie kaum als „Quelle und Höhepunkt (fons et culmen) [ihres] (…) ganzen christlichen Lebens“[1], wie dies treffend das II. Vatikanum beschreibt, bezeichnen. Einen Zugang zur Eucharistiefeier zu eröffnen ist somit Anliegen dieser Seminararbeit.

Im ersten Schritt wird der Begriff der Begriff der Eucharistie vorab versucht zu klären, welcher als Bezugsrahmen für das Verständnis der weiteren Kapitel hilfreich erscheint. Es folgt der liturgische Ablauf der Heiligen Messe von den Eröffnungsriten bis zum Abschlussritus, so wie dieser im Rahmen des II. Vatikanischen Konzils festgelegt wurde. Die Kommentierung bringt die zahlreichen liturgischen Einzelheiten sowie die einhergehenden theologischen Hintergründe in eine zusammenhängende Form. Dieser liturgische Einstieg soll den Impuls für ein tieferes Verständnis der Messfeier der Kirche darstellen.

Der nächste große Punkt widmet sich der Herausarbeitung des Sinngehalts der Eucharistie. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die biblischen Wurzeln der Eucharistie, so wie dieser in den Kapitel 4.1 und 4.2 – von der Bedeutung des Mahls im alttestamentlichen Israel bis zur Mahlgemeinschaft mit Jesu- erfolgt, unabdinglich. Vor einer abschließenden Betrachtung wird ebenso die mittelalterliche Sichtweise auf die Eucharistiefeier im dritten Punkt aufgegriffen. Dabei stellt sich das Mittelalter als eine Zeit vielfacher Umbrüche auch für die Entwicklung der Eucharistie heraus. Erst das letzte Kapitel des theoretischen Parts stellt den Antwortversuch auf den Sinngehalt der Eucharistie dar, verbunden mit unserer heutigen Sichtweise auf die eucharistische Feier. Die Antworten auf die Frage nach dem eigentlichen Sinn und der wahren Bedeutung der Eucharistiefeier erscheinen in Anbetracht der Literaturlage dabei sehr vielfältig, sollen im angemessenen Rahmen dieser Seminararbeit aber nur kurz angerissen werden.

In Bezug auf das Referat, das dieser Hausarbeit vorausgegangen ist, widmet sich das nächste Kapitel unseren entworfenen Kriterienkatalog: Anhand von zwei ausgewählten religiösen Kinderbüchern soll dieser kurz vorgestellt und die Bücher kritisch beleuchtet werden.

Der letzte Teil der Arbeit übersteigt das Bisherige explizit auf die Ebene der systematischen Reflexion des Gesamtrahmens des Seminars.

2. Begriffsklärung

Das Wort ‚Eucharistie‘ kann von dem griechischen Begriff ‚eucharistein‘ (= sich wohlbeschenkt verhalten, dankbar sein) abgeleitet werden.[2] Ausgehend davon steht im Mittelpunkt der Eucharistie in ihrem ursprünglichen Sinn der Dank:[3] Im Zeichen der Mahlgemeinschaft feiert die Gemeinde dankend das Gedächtnis der Heilsgeschichte, die Sendung Jesu Christi, dessen Leben, Tod und Auferweckung, und nimmt in dieser Erinnerung das Heilsgeschehen als gegenwärtig wahr.[4] So glaubt die römisch- katholische Kirche an die tatsächliche Gegenwart Jesu in den verwandelten Gaben von Brot und Wein und an das gemeinschaftsbildende Wirken des Heiligen Geistes in dieser Feier in der Gestalt eines gemeinsamen Feierns und Mahlhaltens.[5]

3. Inhalt und Ablauf der Heiligen Messe

Die Eucharistiefeier ist ein einheitliches Geschehen; jeder Teil hat in diesem Ganzen seine ganz besondere Bedeutung. Ein kurzer Überblick über die Gestaltungselemente des Gottesdienstes, sowie über deren Bedeutung wird in der folgenden Zusammenstellung gegeben.

Grundsätzlich kann die Heilige Messe in vier große Teile eingeteilt werden: in die Eröffnung, den Wortgottesdienst, den Opfergottesdienst und die Entlassung.

3.1 Die Eröffnung

Allgemein dient die Eröffnung als Vorbereitung auf die Gottesbegegnung im Wort (Wortgottesdienst) und im Mahl (Eucharistiefeier).

Zu Beginn der Heiligen Messe zieht der Priester zusammen mit den Messdienern ein; musikalisch umrandet wird dieser Einzug durch ein Eröffnungslied.[6] Mit einem Kreuzzeichen und dem liturgischen Gruß ‚Der Herr sei mit euch‘ wird die Feier anschließend eröffnet. An dieser Stelle kann der Priester noch einige einleitende Worte dem folgenden Gottesdienst voranstellen. Nach einer kurzen Einführung folgt die Einladung zum Schuldbekenntnis durch den Priester: Die ganze Gemeinde bekennt vor Gott und allen Brüdern und Schwestern ihre Sünden, die sie in Gedanken, Worten und Werken, aber auch durch Unterlassungen begangen hat. Anschließend ruft der Priester das Erbarmen Gottes an. Erst durch diese Bitte um die Vergebung der Sünden können wir der gnadenvollen Begegnung mit Gott entgegensehen. Es folgt der Kyrie- Ruf, gesungen oder gesprochen, zur Huldigung des gegenwärtigen Herrn Jesus Christus.[7] Nach dem Kyrie- Ruf stimmt der Priester an allen Sonntagen und Festen außerhalb der Advents- und Fastenzeit das Gloria zur Ehre Gottes an. In der Regel wird dieses gesungen, alternativ kann es aber auch gebetet werden.[8] Entsprechend der Intention des Gottesdienstes spricht der Priester im Namen der Gemeinde ein Gebet, das genau für diesen Tag vorgesehen ist (ð Tagesgebet). Mit diesem Gebet wird der Eröffnungsteil der Messe abgeschlossen.[9]

3.2 Der Wortgottesdienst

Wie bereits der Name ‚Wortgottesdienst‘ erahnen lässt, wird dieser Teil der Heiligen Messe von dem Wort Gottes und von den Worten und Gebeten des Priesters und der Gemeinde bestimmt.

Zum Wortgottesdienst gehören zwei Lesungen: die erste Lesung aus dem Alten Testament und die zweite Lesung aus dem Neuen Testament, die von einem Lektor am Ambo vorgetragen werden. Die Lesungstexte folgen einem Zyklus von 3 Jahren (Lesejahre A, B und C) und stehen im inhaltlichen Bezug zum Evangelium. Zwischen den beiden Lesungen erfolgt ein Antwortgesang, der die biblische Botschaft aufgreift und weiter vertieft. In besonderer Weise eignet sich dazu ein Psalm, der für den jeweiligen Tag festgelegt ist und im Wechsel mit der Gemeinde gesungen oder gebetet wird. Den Höhepunkt der Wortgottesfeier bildet die Verkündigung des Evangeliums, die ausschließlich den Priester vorbehalten ist. Bevor wir dieses vernehmen, singen wir den Halleluja- Ruf - ein feierlicher Lobgesang - zur Vorbereitung auf das Hören der Frohen Botschaft (Evangelium). In der Österlichen Bußzeit wird auf das Halleluja verzichtet; es erklingt erst wieder feierlich in der Osternacht. An die Verkündigung des Evangeliums schließt sich die Predigt an. Innerhalb dieser soll das Evangelium ausgelegt werden, um es für die heutige Zeit verständlich und gleichzeitig für den Alltag umsetzbar zu machen. Auf das Wort Gottes, das wir gehört haben, antworten wir an allen Sonn- und Festtagen mit dem Glaubensbekenntnis: Im Credo ruft sich die Gemeinde die wesentlichen Glaubenswahrheiten in Erinnerung und bekennt somit ihren Glauben. Den Abschluss des Wortgottesdienstes bilden die Fürbitten: Innerhalb dieser tragen wir die Anliegen und Nöte der Menschen vor Gott. So weitet sich die Gottesdienstgemeinde im Gebet und öffnet sich für die ganze Welt. Beispielsweise beten wir für Notleidende, für Regierende, für Verantwortungsträger in Kirche und Gesellschaft, für Trauernde und Verstorbene. Die Fürbitten sind somit als Gebet der Gemeinde zu verstehen und werden stellvertretend für die Gemeinde vom Lektor vorgetragen. Eingeleitet und geschlossen werden die Fürbitten durch den Priester.[10]

3.3 Die Eucharistiefeier

Nach dem Wortgottesdienst beginnt der eucharistische Teil der Heiligen Messe. Stellvertretend für alle bringen die Ministranten zu Beginn der Eucharistiefeier die Gaben zum Altar. Der Priester spricht - in der Regel leise - das Dankgebet über die Gaben und wäscht sich anschließend die Hände, um die Herzensreinheit zu symbolisieren, die für alle Mitfeiernden der Eucharistie notwendig ist. Die Gemeinde kann Begleitgesänge zur Gabenbereitung singen und trägt mit der Gabe der Kollekte dazu bei, dass sich mit Brot und Wein auch die Verhältnisse in der Welt verwandeln und verändern können. So hat die Gabenbereitung auch einen stark sozialen und diakonischen Charakter. Mit dem Gabengebet des Priesters, eingeleitet durch „Lasset uns beten“ schließt die Gabenbereitung ab.[11]

Anschließend folgt das Kerngebet der eucharistischen Feier, das Hochgebet, das in sich anamnetisch- epikleptisch aufgebaut ist, sich also preisend und bittend an Gott als den gestern, heute und morgen Agierenden wendet. Eröffnet wird das Hochgebet durch die Präfation (Einleitungsgebet), welches je nach Festen und Festzeiten variiert, gesungen oder gesprochen werden kann. Innerhalb diesen wird die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen oder ganz konkret das Festgeheimnis des Tages beleuchtet. Die Präfation mündet unmittelbar in die Akklamation des Sanctus, die in der römischen Liturgie nunmehr grundsätzlich von der ganzen Versammlung zu vollziehen ist: Das Sanctus (‚Heilig‘) lässt die Gemeinde einstimmen in den Lobgesang der Engel im Himmel. Im Postsanctus greift der Priester die Verherrlichung aus der Sanctus-Akklamation auf, setzt den anamnetischen Teil je nach Hochgebetstext mehr oder weniger ausführlich fort und leitet über zur (Wandlungs-)Epiklese. In der Epiklese bittet die Kirche um die Heiligung der Gaben von Brot und Wein durch die Gabe des, damit die von Menschen dargebrachten Gaben konsekriert, das heißt, Leib und Blut Christi werden. Der Einsetzungsbericht setzt den - durch die Wandlungsepiklese unterbrochenen - anamnetischen Teil fort und nimmt direkten Bezug auf das letzte Abendmahl Jesu mit den Seinen. Mit dem großen Lobpreis (Doxologie), zu dem die Gaben erhoben werden („Durch Christus und mit ihm und in ihm ist dir Gott allmächtiger Vater in der Einheit des Heiliges Geistes alle Herrlichkeit und Ehre jetzt und in Ewigkeit“) schließt das Eucharistische Hochgebet ab.[12]

Nach dem Hochgebet steht die Gemeinde zum gemeinsamen Vater Unser auf und spricht oder singt das große Gebet. Ein weiterer Ritus, der dem eucharistischen Mahl vorausgeht, ist die Bitte um die Teilhabe am eschatologischen Frieden des Herrn sowie dessen Zuspruch an die ganze Versammlung mit dem möglichen wechselseitigen Austausch einer Geste des Friedens. Nach dem Friedensgruß schließt sich das Agnus Dei (‚Lamm Gottes‘) an. In diesem gemeinsamen Gebet bzw. Lied stellen wir uns Christus vor Augen, dessen Tod am Kreuz als Opfertod verstanden wird. Er ist das schuldlose Opferlamm, das die Sünde hinweg nimmt und das als Osterlamm alle Opfer der Menschen ablöst und vollendet. In der Kommunionfeier, die mit einem gemeinschaftlichen, aber doch persönlichen Gebet aus der Heiligen Schrift („Herr ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“) beginnt, sind wir eingeladen, Christus in den eucharistischen Gaben in uns aufzunehmen, um so selbst zum Leib Christi zu werden. Bei der Kommunionspendung antworten wir mit ‚Amen‘, um unseren Glauben an die Gegenwart Gottes in der Eucharistie zu bekunden. Die Kommunionfeier endet mit einem stillen Dankgebet der Gemeinde, oder auch mit einem gemeinsamen Danklied oder –text. Das Schlussgebet bzw. Schlusslied der Hl. Messe drückt den Dank für die empfangene Gabe für alle gemeinsam aus. Dazu steht die Gemeinde auf.[13]

3.4 Die Entlassung

Nach der Kommunion folgt der Abschluss der Heiligen Messe. An bestimmten Tagen oder bei besonderen Anlässen kann ein Gebet über das Volk erfolgen. Danach können gegebenenfalls noch verschiedenen Vermeldungen erfolgen, u.a. über anstehende Ereignisse in der jeweiligen Pfarrgemeinde. Zum Schluss spendet der Priester den Segen und entlässt die Gemeinde.[14]

4. Die biblischen Wurzeln der Eucharistiefeier

Nachdem im Zentrum des vorausgegangenen Kapitels die Feiergestalt der Eucharistie stand, soll im Folgenden geklärt werden, welche biblischen Wurzeln der Eucharistie- Feier allgemein zu Grunde liegen. Dieser Schritt ist für das tiefere Verständnis der Eucharistie von großer Bedeutung. Bei der Suche nach den biblischen Grundlagen stellt man schnell fest, dass die alttestamentlichen Texte dabei eher ‚stiefmütterlich‘ behandelt werden: Viele Bücher greifen ausschließlich auf das Letzte Abendmahl zurück und blenden die alttestamentlichen Erzählungen dabei völlig aus. Da aber das Neue Testament nur im Einklang mit dem Alten Testament zu verstehen ist, wäre es demnach auch eine Verkürzung der Perspektive auf ersteres zu verzichten. Die folgenden Ausführungen stellen den Versuch dar, die Bedeutung des Mahls aus biblischer Sicht darzulegen, beginnend mit Blick auf das alttestamentliche Israel. Dabei werden exemplarisch Bibelstellen aufgegriffen, die den Bedeutungsreichtum des Mahls verdeutlichen sollen. Nur so viel sei vorab erwähnt: Das gemeinsame Essen und Trinken soll weniger der bloßen Befriedigung von Grundbedürfnissen dienen, sondern ist weitaus tiefgründiger zu verstehen.[15]

4.1 Das Mahl im alttestamentlichen Israel

Festliche und bisweilen recht umfangreiche Mahlzeiten fanden bei wichtigen Ereignissen im Leben eines Menschen statt. Anlässe waren z.B. die Entwöhnungsfeier (vgl. Gen 21,8), der Geburtstag (vgl. Gen 40,20; Hi 1,4f), die Eheschließung (vgl. Gen 29,22; Ri 14,10.12.17). Auch wenn jemand verstorben war, wurden seinen Angehörigen Speise und Trank gereicht, um sie zu trösten (vgl. Jer 16,7; Ez 24,17.22).[16]

Darüber hinaus geht aus den Quellen hervor, dass das Mahl im alttestamentlichen Israel Inbegriff von Solidarität mit Schwachen und Gastfreundschaft gegenüber war (vgl. Tob, 7,7f.).[17] Speziell im orientalischen Raum wird diesem Bedeutungsaspekt des Mahls ein hoher Stellenwert zugemessen.

Auch zur Bestätigung und Bekräftigung von Verträgen oder Beschlüssen, privater sowie staatlicher Natur, diente das gemeinsame Einnehmen einer Mahlzeit (Gen 26.26-31 sowie 31, 53f.).

Über den Vertragsabschluss hinaus bedeutet Miteinander- Essen und –Trinken soziales Einverständnis. Essen und Trinken ist gemeinschaftsstiftend, Zeichen der Einigkeit, der Zugehörigkeit, Symbol des Vertrauens (vgl. 2Sam 13,27-29; Ps 41,10; Dan 11,26; Ob 7; Sir 20,17).

Doch nicht nur als Ausweis zwischenmenschlicher Beziehungen dient das gemeinsame Mahl, sondern auch als Ausdruck der Gottesbeziehung: Gottes Verbundenheit mit Israel wird durch das Mahl bezeugt, wie Ex 18,11f und Dtn 12,7 beweisen. Ein weiteres Beispiel ist ebenso das Bundesmahl, welches zur Bekräftigung eines Bundesschlusses dient (Ex 24).

Die aufgezeigten Beispiele verdeutlichen, dass auch im alttestamentlichen Israel Essen und Trinken mehr als nur Mittel zur Befriedigung physiologischer Bedürfnisse darstellen. Über diese elementare Funktion hinaus war das gemeinsame Mahl sowohl Ausdruck der Verbindung der Menschen Israels untereinander, als auch der Verbindung Israels mit Gott. Demnach ist das Mahl als realisierendes Zeichen von Gemeinschaft zu verstehen. [18]

4.2 Mahlgemeinschaft mit Jesus

Ein zentrales Motiv in der Verkündigung Jesu ist das ‚Mahl‘, welches in seinen Gleichnissen und Reden immer wieder auftaucht (Mt 22,1-14): Sinnbildlich steht das Mahl für das anbrechende Reich Gottes verbunden mit dem Hinweis, dass alle dazu geladen sind.[19]

Dies spiegelt sich auch in Jesu Handeln wieder: Jesus hat nicht nur mit seinen Jüngern, sondern ebenso mit Ausgestoßenen und notorischen Sündern Tischgemeinschaft gehalten. Die Gastmähler waren somit ein konkretes Zeichen für Jesu Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft und sichtbarer Ausdruck seiner Zuwendung zu allen Menschen. Seine Mahlgemeinschaften standen insofern im Lichte des Mahles der Heilszeit und erhielten von daher ihre besondere Prägung. [20]

Jesu Sendung war es, mit seiner Existenz und seinem Wort die bedingungslose Zuwendung Gottes zu bezeugen und so die Gottesherrschaft anfanghaft Wirklichkeit werden zu lassen. Jede der in den Evangelien berichteten Tischgemeinschaften war schon ein realisierendes Zeichen dieser Sendung. Sie ließen etwas von der eschatologischen Freude ahnen und wurden zum Anlass für gefährliche Auseinandersetzungen. Das letzte dieser Mahlgemeinschaften mit Jesu hebt sich in seiner Bedeutung von der zeichenhaften Mahlgemeinschaft Jesu mit den Sündern und dem Mahlhalten in den Gleichnissen noch einmal ab. Es bekommt sein besonderes Gewicht durch die Nähe des Todes:[21] Weil die Widerstände stärker werden und Jesus konsequent seinen Weg geht, führt seine Sendung in den Untergang. Die Mahlgemeinschaft mit dem Verräter Judas ist das stärkste Symbol für den Zusammenhang von Zuwendung und Auslieferung, von Mahl und Lebenshingabe. Durch den bevorstehenden Verrat und die drohende Hinrichtung erhält das Letzte Abendmahl somit seine besondere Dichte.[22]

[...]


[1] LUMEN GENTIUM 11.

[2] Vgl. VORGRIMLER 173.

[3] STINGLHAMMER/ BÜRGERMEISTER 70.

[4] Vgl. VORGRIMLER 151ff.

[5] Vgl. STUFLESSER/ WINTER 81.

[6] Vgl. BERGER 190.

[7] Vgl. BERGER 191.

[8] Vgl. ebd. 192.

[9] Vgl. SCHUMACHER 31ff.

[10] Vgl. SCHUMACHER 43ff.

[11] Vgl. BERGER 133ff.; Vgl. auch SCHUMACHER 57ff.

[12] Vgl. BERGER 48f., Vgl. auch SCHUMACHER 63ff.

[13] Vgl. SCHUMACHER 83ff.

[14] Vgl. BERGER 198ff., sowie auch SCHUMACHER 83ff.

[15] Vgl. NOCKE 269.

[16] Vgl. ebd. 125f.

[17] Vgl. ebd. 125.

[18] Vgl. SCHÜTZEICHEL 218-220., Vgl. auch NOCKE 2002, 125.

[19] Vgl. FABER 98f.

[20] Vgl.. SCHÜTZEICHEL 222-225., Vgl. auch FABER 99.

[21] Vgl. VORGRIMLER 158.

[22] Vgl. NOCKE 273., Vgl. auch NOCKE 2002, 126.

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656879008
ISBN (Buch)
9783656879015
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287702
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,0
Schlagworte
eucharistie theologie gestalt

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