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Islamische Identität im Aserbaidschan des 20. Jahrhunderts

Zwischen schiitischer Frömmigkeit, sunnitischen Einflüsterungen aus der Türkei und atheistischer Propaganda der Bolschewiki

Ausarbeitung 2005 6 Seiten

Theologie - Islamische Religionswissenschaft

Leseprobe

Zu I.

Aserbaidschan hat ca. 7,83 Millionen Einwohner[1] (Stand: 2003) und grenzt im Norden an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Osten an das Kaspische Meer, im Süden an den Iran und im Westen an Armenien. Die frühere Teilrepublik der UdSSR ist heute Mitglied der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Das heutige Staatsgebiet des Landes entspricht dem nördlichen Teil der historischen Region Aserbaidschan, deren südlicher Abschnitt eine iranische Provinz bildet. Die Gesamtfläche beträgt ungefähr 86 600 Quadratkilometer[2] (etwa 15 Prozent werden von Armenien kontrolliert) und die Hauptstadt des Landes ist Baku.

Mit 86 Prozent stellen die Aseri (Aserbaidschaner) die stärkste Volksgruppe[3], deren Anteil weiter steigt. Das liegt zum einen an der Flucht zahlreicher Aseri aus Armenien und zum anderen daran, dass viele Russen, Armenier und Einwohner anderer Nationalitäten das Land verlassen. Etwa 4 Prozent der Landesbevölkerung sind Russen[4]. Weitere ethnische Minderheiten sind Tataren, Lesgier, Kurden, Georgier, Ukrainer und Awaren und mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in Städten. Die größte Stadt ist die Hauptstadt Baku mit 1,71 Millionen Einwohnern (1999) und weitere Großstädte sind Giandscha (298 600) und Sumgait (281 600)[5]. Aserbaidschan ist seit 1995 eine Präsidialrepublik und in 54 Distrikte und neun bezirksfreie Städte sowie die Autonome Republik Nachitschevan und das Autonome Gebiet Nagorny-Karabach gegliedert.

Amtssprache in Aserbaidschan ist die Turksprache Aseri (Aserbaidschanisch). Sie wurde bis 1929 in arabischer, danach in lateinischer und ab 1939 in kyrillischer Schrift geschrieben. Seit 1992 gilt wieder die lateinische Schreibweise. Auch Russisch ist verbreitet, aber seine Bedeutung geht zurück.

Die traditionelle Religion ist der Islam. Etwa 90 Prozent der Bewohner sind Muslime (rund zwei Drittel Schiiten, ca. ein Drittel Sunniten).[6] Unter den georgischen, armenischen und slawischen Minderheiten ist das orthodoxe Christentum verbreitet.

Zu II.

Das Gebiet von Aserbaidschan wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von den Medern besiedelt und wurde danach Bestandteil der Reiche der Achämäniden (ca. 700 v. Chr. bis 330 v. Chr.), der Parther (225 v. Chr. bis 227 n. Chr.) und der Sassaniden (227 bis 640 n. Chr.). Dieses Gebiet steht in einem engen religiösen und kulturellen Austausch mit den genannten Reichen. Diese Tendenz setzt sich später als Teil des persischen Großreiches und nach der Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert fort.

Aserbaidschan („Land des Feuers“) und das islamisierte Iran sind dann gemeinsam Bestandteil der arabischen Kalifate und im 11. und 12. Jahrhundert regierten Turkstämme das Gebiet, das im 13. Jahrhundert von den Mongolen eingenommen wurde.

Aserbaidschan und Iran teilen eine gemeinsame Geschichte. Mit den Safawiden (ab 1500 bis 1736) entsteht dann ein eigenständiges Reich, das beide Regionen umfaßt und kulturell miteinander auf das engste verbindet. Im 17. Jahrhundert geriet Aserbaidschan wieder unter die Herrschaft der Perser und erst ab Ende des 18. Jahrhundert gehen dann das nördliche Aserbaidschan (die heutige Republik) und Iran (mit zwei Provinzen, die den Namen Aserbaidschan tragen) politisch und auch kulturell getrennte Wege (so sieht es die aserbaidschanische Geschichtsschreibung seit den 1920er Jahren, also seit der Sowjetzeit, bis heute).

Im weiteren Verlauf der Geschichte musste der nördliche Teil des Gebietes nach zwei Kriegen (1813 und 1828) an Russland abgetreten werden. Der südliche Teil blieb bei Persien und bildet heute die iranische Provinz Aserbaidschan.

Nach der Russischen Revolution von 1918, riefen nationalistische islamische (untürkische) Kräfte die unabhängige Republik Aserbaidschan aus. Nach der Besetzung durch die Rote Armee im Jahr 1920 wurde die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik (ASSR) Aserbaidschan proklamiert, und diese wenig später mit Georgien und Armenien zur Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (SFSR) vereinigt.

Nach deren Auflösung 1936 wurde das Land als Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik Bestandteil der UdSSR. Mit der Erweiterung der neuen Ölfelder in anderen Regionen der UdSSR, insbesondere in Sibirien, ging die Bedeutung der aserbaidschanischen Ölquellen (seit 1870 „Ölboom“) im wirtschaftlichen Leben der Sowjetunion allmählich zurück.

[...]


[1] Microsoft Encarta 2004

[2] Microsoft Encarta 2004

[3] Microsoft Encarta 2004

[4] Microsoft Encarta 2004

[5] Microsoft Encarta 2004

[6] Microsoft Encarta 2004

Details

Seiten
6
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656932956
ISBN (Buch)
9783656932963
Dateigröße
366 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287878
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
Islam Aserbaidschan Schiiten Summiten Türkei Russland Minderheiten

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Titel: Islamische Identität im Aserbaidschan des 20. Jahrhunderts