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Aconitum napellus (Ranunculaceae) im Jamtal (Tirol, Österreich)

Bachelorarbeit 2009 19 Seiten

Biologie - Botanik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Botanische Bestimmung

3 Verbreitung

4 Erläuterungen zum Jamtal

5 Standortbestimmung

6 Auswertung

7 Medizinische Nutzung

8 Giftigkeit

9 Hinweise auf Gefährdung

10 Zusammenfassung

11 Literatur

1 Einleitung

Eisenhut (Aconitum) wurde als die giftigste einheimische Pflanze nachweislich seit dem Altertum zum Vergiften von Mensch und Tier verwendet (Friedrich 2002, Kiehn et al. 1996). So fand der römische Kaiser Claudius im Jahre 54 n.Chr. den Tod durch ein mit Eisenhut vergiftetes Mahl. Die Germanen verwendeten ihn als Ködergift gegen Wölfe. Große Bedeutung hatte der Eisenhut auch als Lieferant für Waffen- und Pfeilgift. In Nordostasien wurde Aconitum maximum für diesen Zweck verwendet und zur Jagd auf Wölfe, Seeotter, Bären und sogar Wale eingesetzt. In Indien wurde Aconitum ferox zur Jagd auf Panther und Tiger verwendet. Im Mittelalter wurden Pflanzenteile und Säfte von Aconitum napellus in Europa erstmals auch für medizinische und hygienische Zwecke verwendet. So behandelte man Pestbeulen und Läuse mit dem blauen Eisenhut und vergiftete damit nicht selten den Patienten. Die Pflanze fand nun jedoch auch Anwendung in Hexensalben, worin sie in Kombination mit Nachtschattengewächsen (Solanaceae) wie Bilsenkraut (Hyoscyamus) oder Tollkirsche (Atropa) durch das kribbeln auf der Haut die Illusion von wachsenden Federn oder Fell und damit Träume vom Fliegen, von Verwandlungen in Tiere oder mit erotischem Inhalt verursachen sollte. Mitte des 16. Jahrhunderts fand der Eisenhut bei den Mauren als Schießkraut bezeichnet den Einzug in die Kriegsführung (Friedrich 2002, Kiehn et al. 1996). Heute begeistert er Wanderer mit seiner Schönheit und findet Anwendung in der Homöopathie.

2 Botanische Bestimmung

Aconitum napellus (Blauer Eisenhut) gehört zum Stamm der Magnoliophyta, Klasse der Magnoliopsida, Ordnung der Ranunculales, Familie Ranunculaceae und ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die zwischen 30 und 200 (-250)cm hoch werden kann. Typisch ist die rübenförmige, fleischige Innovationsknolle. Die Stengelblätter sind in ihrer Zerteilung sehr variabel und meist ohne deutliche Netznervatur. Der Blütenstand ist einfach oder mit Seitentrauben, wobei die Endtraube eventuelle Seitentrauben deutlich überragt. Die Vorblätter sind 1–8 (15)mm lang, dreieckig, linealisch bis lanzettlich, allseits krummhaarig und sitzen meist kurz unter dem aufrecht abstehenden, dicht krummhaarigen Blütenstiel. Der Helm ist stets breiter als hoch und die äußeren Blütenblätter sind meist tiefblau bis dunkelviolett, selten rötlich-violett, lila oder weiß-violett gescheckt, außen dicht krummhaarig, innen gewimpert (Starmühler 2008).

3 Verbreitung

Die Gattung Aconitum ist auf der ganzen nördlichen Halbkugel verbreitet, beschränkt sich jedoch auf die Gebiete, in denen die Hummelgattung Bombus vorkommt, dem wichtigsten Bestäuber der Aconitum Blüten (Hegi 1975).

In den Abbildungen 1 und 2 sieht man eine Hummel bei der Bestäubung von Aconitum napellus im Jamtal.

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Abb. 1: Hummel bei der Bestäubung von Aconitum napellus im unteren Jamtal, Tirol, Österreich 25.08.2008, im Hintergrund: Senecio fuchsii (gelb) (Foto: H. Bechtold, bearbeitet).

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Abb. 2: Hummel bei der Bestäubung von Aconitum napellus im oberen Jamtal, Tirol, Österreich 25.08.2008, links: Carduus defloratus, rechts: Adenostyles alliariae (Foto: H. Bechtold, bearbeitet).

Der blaue Eisenhut kommt dabei vor allem in subalpinen Hochstaudenfluren oder auch in montanen Erlenauenwäldern oder Weidenbüschen vor. Häufig findet man ihn an Bächen, Quellen, Viehlägern oder in kleinen Felsspalten, er bevorzugt dabei kühlen, feuchten, nährstoff- und basenreichen Boden. Im subalpinen Bereich ist er in Adenostylion- oder Rumicion alpini-Gesellschaften anzutreffen, im montanen Bereich im Alno-Padion, Berberidion, Salicion elaeagni oder Filipendulion (Hegi 1975).

Die europaweite Verbreitung des blauen Eisenhuts ist in Abb.3. dargestellt.

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Abb. 3: Übersicht (nach Hegi 1975) über die Verbreitung von Aconitum napellus L. subsp. napellus (1), subsp. neomontanum (WULF.) GÁYER (2), subsp. vulgare ROUY et FOUC (3), subsp. hians (RCHB.) GÁYER (4), subsp. tauricum (WULF.) GÁYER (5), und A. angustifolium BERNH. Ex RCHB. (6) in Europa (n. SEITZ 1969). Die rot markierte Fläche zeigt die ungefähre Position des Jamtals.

Das Jamtal lieg an der Grenze zwischen den Verbreitungsgebieten der Subspezies neomontanum (2) und vulgare (3), da die Karte jedoch den Stand von 1969 widerspiegelt, könnte unter Umständen auch die Subspezies tauricum (5) inzwischen bis ins Jamtal vorgedrungen sein. Während nach Hegi (1975) bei subsp. neomontanum die Blattabschnitte der Stengelblätter meist breiter als 3mm sind und der Blütenstand breit ausladende Seitenäste entwickelt, hat subsp. vulgare mit 1-2mm schmälere Blattabschnitte und einen unverzweigteren Blütenstand. Subsp. tauricum zeichnet sich durch einen kahlen oder spärlich behaarten Blütenstand und außen unbehaarte Helme, sowie einen meist unverzweigten Blütenstand aus (Hegi 1975).

4 Erläuterungen zum Jamtal

Das Jamtal liegt im Silvrettakristallin, südlich der Gemeinde Galtür in Tirol, Österreich, nahe an der Grenze zur Schweiz. Eine tektonische Übersicht ist in Abb.4 dargestellt.

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Abb. 4: Tektonische Übersicht des Jamtals in Tirol, Österreich, nach Fuchs (1990; bearbeitet), grün: Amphibolit-Paragneis-Komplex, lila: Ortho und Mischgneis, gelb: Fimberzone, blau: Rozschiefer, tonig quarzitisch-kalkiger Phyllit. Das Jamtal und damit das kartierte Gebiet (rot umrandet) verlaufen entlang des Jambachs.

Auf Höhe der Scheibenalm und nördlich der Schnapfenalm überdeckt Amphibolit den sonst vorherrschenden Para- und Orthogneis, mit dem auch komplizierte Vermischungen stattfinden (Fuchs 1982). Die geologischen Begebenheiten zeigt Abb.5.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb .5: Geologische Karte des Jamtals, nach Fuchs (1990; bearbeitet). Die weißen Flächen westlich des Jambachs sind Schuttkegel und Hangschuttgebiete, die östlich des Jambachs bestehen aus Quellkegeln, die hellgelben Flächen sind Moränen und Verbauungssedimente, die kleinen gelben Flächen bunte Bündner Schiefer. Die ungefähr kartierte Fläche ist rot umrandet.

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656882930
ISBN (Buch)
9783656882947
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v287894
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für Botanik
Note
1.0
Schlagworte
aconitum jamtal tirol österreich

Autor

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Titel: Aconitum napellus (Ranunculaceae) im Jamtal (Tirol, Österreich)