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Psychisch kranke Eltern. Konsequenzen, Risiken und Präventionsmaßnahmen für betroffene Kinder

Hausarbeit 2014 19 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Wie viele Kinder sind betroffen?

3. Das Krankheitsbild der Depression
3.1 Die Symptome
3.2 Die Ursachen

4. Die Auswirkungen auf das Familienleben
4.1 Die Unwissenheit der Kinder
4.2 Der Klinikaufenthalt

5. Die Gefühlswelten der Kinder
5.1 Die Erkrankung aus Sicht jüngerer Kinder
5.2 Die Erkrankung aus Sicht heranwachsender Kinder
5.3 Die Verschwiegenheit und ihre Folgen

6. Risiken und präventive Förderungsmaßnahmen
6.1 Stärkung des Kindes
6.2 Die Beratungsstelle AURYN
6.2.1 Gruppenangebote für Kinder und Jugendliche
6.2.2 Gruppenangebote für betroffene Eltern
6.2.3 Einzelangebote
6.2.4 Familienangebote

7. Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wenn von Angehörigen psychisch Kranker die Rede ist, denken wir meist an Eltern, gelegentlich an Partner und Geschwister, selten an Kinder der Betroffenen. Aber psychisch Kranke haben Kinder und diese Kinder sind, (…), von der psychischen Erkrankung ihrer Mutter oder ihres Vaters in einschneidender Weise mit betroffen. Während es den Eltern und Partnern mittlerweile gelungen ist, sich Gehör zu verschaffen, ist es um die Kinder und ihr Schicksal als Angehörige lange Zeit still geblieben“ (Lenz 2005, S. 73).

Doch im Laufe der letzten Jahre wurden auch besonders Kinder psychisch kranker Eltern in der psychiatrischen und psychosozialen Forschung stärker mit einbezogen. Dabei ist durch eine Reihe von Studien nachgewiesen worden, dass insbesondere bei diesen ein deutlich erhöhtes Risiko besteht, im Laufe ihrer Entwicklung mit Verhaltensauffälligkeiten zu reagieren oder selbst an einer psychischen Störung zu erkranken (vgl. ebd.). Die Auffälligkeiten der Kinder wurden vor allem in der sozial-emotionalen und seltener in der kognitiven Entwicklung deutlich. Primär waren dabei sowohl depressive als auch aggressive, dissoziale und hyperkinetische Störungen, wie z. B. Hyperaktivität, Impulsivität sowie Aufmerksamkeitsstörungen zu erkennen (vgl. ebd., S. 13). Demnach leiden nicht nur betroffene Elternteile unter ihrer Krankheit, sondern auch deren Kinder erleben diese als große emotionale Belastung. Eine psychische Erkrankung eines Elternteils wirkt sich störend auf das gesamte Familiensystem aus.

Das Verhalten eines psychisch erkrankten Elternteils verändert sich und es entstehen vermehrt Konflikte innerhalb der Familie. Es treten z. B. immer öfter Ehekrisen zwischen Mutter und Vater auf, die es augenscheinlich vorher nicht, oder nur selten gegeben hat. Die Angst vor einer Trennung der Eltern bewirkt bei den Kindern oft Unmut und Verzweiflung. Darüber hinaus ist die Mutter oder der Vater in einer akuten Krankheitsphase kaum mehr imstande, seinen elterlichen Aufgaben nachzukommen. Dem gesunden Elternteil ist es meist durch die daraus entstehende Mehrbelastung im Alltag nicht mehr möglich, dem Kind eine emotional ausreichende Versorgung zu bieten. Besonders wenn die Mutter betroffen ist, führt dies im Falle einer Klinikeinweisung bei den Kindern zunächst, neben der Angst um ihre wichtigste Bezugsperson, außerdem zu einschneidenden Veränderungen in ihrem familiären Umfeld. Daraus resultieren bei den betroffenen Kindern häufig Gefühle der Einsamkeit und eigene Wünsche und Bedürfnisse werden oftmals in den Hintergrund gestellt (vgl. ebd., S 86 ff.).

Diese Arbeit wird sich im Einzelnen auf das in Deutschland weitverbreitete Krankheitsbild der Depression konzentrieren.

Aufgrund umfassender Forschungsergebnisse über Mütter mit Depressionen werden in den folgenden Kapiteln primär die Konsequenzen und Behandlungsmöglichkeiten für Kinder psychisch bzw. depressiv kranker Mütter aufgezeigt.

1.1 Ziel der Arbeit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit besteht darin, zum einen das Krankheitsbild und die Formen einer Depression im Wesentlichen darzustellen, um aufbauend darauf die Konsequenzen sowie entsprechende Präventionsmaßnahmen für Kinder psychisch kranker Eltern aufzuzeigen.

1.2 Aufbau der Arbeit

In Kapitel 1 werden Hintergrund, Ziel und Aufbau der Arbeit dargestellt.

Kapitel 2 zeigt Untersuchungen zufolge auf, wie viele Kinder von psychischen Erkrankungen ihrer Eltern betroffen sind.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich im Wesentlichen mit dem Krankheitsbild der Depression, ihren Symptomen und Ursachen.

Kapitel 4 beschreibt die Auswirkungen auf das Familienleben psychisch kranker Eltern und nimmt dabei besonderen Bezug auf einen möglichen Klinikaufenthalt der Mutter.

In Kapitel 5 wird insbesondere das Erleben jüngerer und heranwachsender Kinder bezüglich der veränderten familiären Lebenssituation unterschieden.

Das sechste Kapitel zeigt Risiken und präventive Förderungsmaßnahmen für Kinder psychisch kranker Eltern, im Rahmen von Hilfsangeboten der Leipziger Beratungsstelle AURYN auf.

Daran schließt sich in Kapitel 7 eine Schlussbemerkung an.

2. Wie viele Kinder sind betroffen?

Studien zufolge haben psychisch erkrankte Menschen, im Vergleich zu psychisch gesunden Menschen, durchschnittlich genauso häufig Kinder. Amerikanische Untersuchungen haben ergeben, dass über 50% der Frauen mit schweren psychischen Erkrankungen Kinder haben. Darunter sind 10-20% Mütter, die noch minderjährige Kinder versorgen müssen. Diverse europäische Studien belegen, dass 10-20% der stationär behandelten Patienten minderjährige Kinder haben, für die sie Sorge tragen. Laut einer Schweizer Studie leben in der Bundesrepublik Deutschland zu einem beliebigen Zeitpunkt etwa 250.000 Kinder mit einem Elternteil, der sich aufgrund einer psychischen Erkrankung in psychiatrisch-psychosozialer Beratung bzw. Behandlung befindet. Ausgegangen von stationären Versorgungsdaten (56.000 Psychiatrie-Betten in psychiatrischen Abteilungen deutschlandweit), kommt man zu dem Ergebnis, dass etwa 175.000 Kinder erleben, dass ein Elternteil aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung stationär behandelt werden muss.

Geht man davon aus, dass zwar einzelne Werte je nach Berechnung unterschiedlich sind, kann man dennoch behaupten, dass eine Vielzahl an Kindern von psychisch kranken Elternteilen betreut und erzogen wird. Trotz dessen fühlen sich einige Kinder mit ihrem Schicksal und ihrer schwierigen Lebenssituation alleine gelassen. Jedoch wäre ihnen schon damit geholfen, wenn sie rechtzeitig über die zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten, speziell für Kinder psychisch kranker Eltern, informiert würden (vgl. Mattejat 2008, S. 74 f.).

Zu psychischen Erkrankungen zählen u. a. die Depression, die bipolare Störung, Angststörungen sowie die Schizophrenie. Um nun spezifische Merkmale einer der weit verbreitetsten psychischen Krankheiten herauszuarbeiten sowie deren Auswirkungen auf Kinder betroffener Eltern aufzuzeigen, soll im nächsten Kapitel das Krankheitsbild der Depression ausführlicher dargestellt werden.

3. Das Krankheitsbild der Depression

Depression ist eine lebenslange Erkrankung und verläuft meist in Phasen, die über Monate, in manchen Fällen sogar über Jahre anhalten können. Dabei werden systematisch in Abhängigkeit von Anzahl, Dauer und Intensität des Auftretens der Symptome, verschiedene Arten depressiver Erkrankungen unterschieden. Die folgenden drei Depressions-Episoden gehören zu den wichtigsten Diagnosen in diesem Krankheitsbild:

Eine unipolare Depression beispielsweise zeichnet sich durch immer wiederkehrende depressive Episoden aus. Diese können einige Wochen, bei einer nicht-konsequenten Behandlung auch über Monate andauern.

Von bipolaren affektiven Störungen spricht man, wenn neben depressiven- auch manische Episoden entstehen. Diese sind u. a. gekennzeichnet durch gesteigerte Aktivitäten, einen ungewöhnlich starken Rededrang, Ideenfluss, fehlendes Schlafbedürfnis oder Kaufrausch. Außerdem werden in dieser Episode begonnene Aktivitäten oft nicht zu Ende geführt.

Eine sogenannte Dysthymie bezeichnet eine meist leichter ausgeprägte, dafür chronisch anhaltende Form der depressiven Störung. Diese beginnt häufig schon im frühen Erwachsenenalter.

Besonders bei lang anhaltenden depressiven Phasen laufen der Patient und dessen Angehörige Gefahr, auftretende Beschwerden nicht mehr als Ausdruck der Depression anzusehen. Aufgrund eines Gewöhnungsprozesses während andauernder Depressions-Episoden werden Symptome dann oft nur noch der Persönlichkeit oder den ungünstigen Lebensumständen des Betroffenen zugeschrieben (vgl. Stiftung Deutsche Depressionshilfe).

Die Depression gilt inzwischen als „Volkskrankheit“ und ist die häufigste psychische Erkrankung überhaupt. Bei Frauen wird diese Erkrankung etwa doppelt so häufig diagnostiziert als bei Männern. Dies ist zum einen dadurch begründet, dass Frauen genetisch bedingt eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an einer Depression zu erkranken. Zum anderen gehen sie häufiger, im Gegensatz zu Männern, offen mit ihrer Krankheit um und sind eher bereit sich ärztlich behandeln zu lassen. Dies schlägt sich zuletzt auch in den Statistiken nieder (vgl. Amrhein 2014).

3.1 Die Symptome

Depressiv erkrankte Personen können sowohl körperliche Veränderungen als auch ein für Angehörige ungewohntes Erleben und Verhalten aufweisen. Diese rufen insbesondere bei deren Kindern häufig Ängste und Verunsicherung hervor. Im Laufe des Tages beginnt die Mutter z. B. plötzlich an zu weinen, versucht es jedoch zu verbergen, um ihre Kinder nicht zu beunruhigen. Dabei spürt bereits ein Säugling die Traurigkeit der Mutter und leidet mit.

Ein verändertes Erleben zeichnet sich bei den Erkrankten oft durch Gefühle der Hoffnungslosigkeit aus. Im Rahmen einer depressiven Erkrankung beherrschen Hilflosigkeit, Verzweiflung und Trauer sowie negative bis hin zu suizidalen Denkmustern den Alltag. Betroffene entwickeln eine pessimistische Einstellung zu ihrer inneren und äußeren Persönlichkeit, zweifeln an ihren eigenen Fähigkeiten und üben permanent Kritik an sich selbst aus. Erkrankte sind zudem nur schwer davon zu überzeugen, dass sie sich in einer depressiven Episode befinden, welche in der Regel gut zu behandeln ist.

Aus einer Depression resultiert in den meisten Fällen zudem ein verändertes Verhalten bei den Betroffenen. Dies zeigt sich etwa durch das Vermeiden sozialer Kontakte, den Rückzug aus Familie und Umfeld sowie das Einstellen von Hobbys. Des Weiteren ist es den Erkrankten oft nicht mehr möglich, ihrer Arbeit nachzugehen. Die Mimik und Gestik ist bei vielen Patienten wie erstarrt, ihre Stimme nur noch leise und monoton wahrnehmbar. Menschen mit Depressionen bewegen sich meist nur wenig, sitzen viel oder verlassen nur selten das Bett. Sie sind häufig in Gedanken versunken und erleben ihre Außenwelt oft nur noch scheinbar. Jede Aktivität bedeutet für die Betroffenen eine hohe Anstrengung und sie können ihrem Kind dadurch kaum einen dynamischen, erlebnisreichen Alltag bieten. Im Laufe der Zeit verlieren depressiv kranke Menschen die Kraft für emotionale und pflegerische Reaktionen im Umgang mit ihrem Kind. Nicht selten entwickeln besonders depressiv kranke Mütter unterdessen eine empfindliche Überängstlichkeit hinsichtlich ihrer Kinder und erlauben ihnen oft nicht mal mehr den alleinigen Gang auf den Spielplatz. Die Teilnahmslosigkeit im Alltag und die gleichzeitig übertriebene Furcht vor vermeintlichen Gefahren führen bei Kindern psychisch erkrankter Mütter oftmals zu Unverständnis und Verwirrung.

Des Weiteren sind körperliche Beschwerden, wie z. B. Appetitstörung, Gewichtsverlust oder -zunahme, Schlaflosigkeit oder schnelle Ermüdung, Energieverlust, Konzentrationsschwächen und auch Schmerzen mögliche Begleiterscheinungen einer depressiven Störung (vgl. ebd. und Pretis; Dimova 2004, S. 82 ff.).

3.2 Die Ursachen

Die genauen Ursachen der Depression sind noch weitestgehend unbekannt sie wird jedoch generell durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren ausgelöst. Dabei spielen einerseits biologische, andererseits aber auch psychische und psychosoziale Aspekte eine große Rolle. Ist eine Person bereits durch psychisch erkrankte Eltern vorbelastet, können negative Lebensereignisse schon den Auslöser für eine depressive Störung bedeuten (vgl. Pretis; Dimova 2004, S. 85 und Pro Psychotherapie e. V. 2013).

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Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656882725
ISBN (Buch)
9783656882732
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288085
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Sozial- und Kulturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
kinder eltern konsequenzen risiken präventionsmaßnahmen betroffene

Autor

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Titel: Psychisch kranke Eltern. Konsequenzen, Risiken und Präventionsmaßnahmen für betroffene Kinder