Lade Inhalt...

Unterrichtsentwurf für den Hochsprung (Klasse 9)

Unterrichtsentwurf 2013 11 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Thema des Unterrichtsvorhabens:

„Hochsprungwettkämpfe absolut und relativ“ – Die Bedeutung der motorischen Leistung sowie ihrer absoluten und relativen Messung und Bewertung am Beispiel Hochsprung.

Thema der Unterrichtsstunde:

(5. Std. in der Reihe)

„Höhe ist nicht alles!“ Individuelles Erproben, Auswerten und Vergleichen relativer Leistungsmessung beim Hochsprung unter besonderer Berücksichtigung von Körpergröße und Sprungkraft, um Relativität von Leistung erfahrbar zu machen.

Thema der vorhergehenden Stunde:

„Top of the Flops“ – Bearbeitung einer methodischen Reihe zum Fosbury-Flop, um in einem Wettkampf die individuelle Maximalhöhe zu erreichen.

Thema der nächsten Stunde:

Entwickeln, Erproben und Auswerten eigener relativer Wettkampfformen im Hochsprung und Auswahl eines Sprungwettbewerbes zur Durchführung in der Klasse.

Zentrales Stundenziel:

Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Urteilskompetenz, indem sie individuell zwei Formen der relativen Leistungsmessung kennenlernen, erproben und mit der absoluten Leistungsmessung der letzten Stunde vergleichen und abschließend bewerten.

Pädagogische Perspektiven und Inhaltsbereiche:

Leitende Pädagogische Perspektiven:

Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen (D)

Wahrnehmungsfähigkeit verbessern und Bewegungserfahrungen erweitern (A)

Leitender Inhaltsbereich:

Laufen, Springen, Werfen – Leichtathletik (3) Weiterer Inhaltsbereich: Wissen erwerben und Sport begreifen (10)

Teillernziele:

- Motorische Lernziele (MotLZ): - Die Schülerinnen und Schüler verbessern ihre motorischen Fertigkeiten im Hochsprung, indem sie an den beiden Stationen ihre Technik festigen und ihr Bewegungsrepertoire vergrößern. (1) - Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre motorische Selbstwahrnehmung, indem sie an den beiden Stationen ihre Leistungsfähigkeit einschätzen und gezielt individuell optimieren. (2)

- Kognitive Lernziele (KLZ):

- Die Schülerinnen und Schüler festigen ihre Beobachtungs-/Urteilskompetenz, indem sie die eigene und fremde Sprungleistung besser verstehen, einschätzen und bewerten können. (1)
- Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Sachkompetenz, indem sie erkennen, dass für die Leistungsmessung feste Kriterien benötigt werden. (2)
- Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Sachkompetenz, indem sie herausarbeiten, dass die Komponenten Körpergröße und Sprungkraft großen Einfluss auf die Leistung in den beiden relativen Wettkämpfen haben. (3)

- Sozial-affektive Lernziele (S-ALZ):

- Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Wahrnehmungskompetenz, indem sie durch die Unterscheidung von absoluter und relativer Leistungsmessung die Leistung anderer anerkennen und wertschätzen. (1)

Lerngruppenanalyse

In der von Frau M. unterrichteten Klasse 9A hospitiere ich seit einigen Wochen und unterrichte seit zwei Doppelstunden. Das Unterrichtsvorhaben „Hochsprungwettkämpfe absolut und relativ“ unter der pädagogischen Perspektive (D) „Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen“ soll den Schülerinnen und Schülern am Beispiel der Leichtathletikdisziplin Hochsprung Leistungssituationen näher bringen. Dabei sind die Berücksichtigung individueller Voraussetzungen und der individuelle Leistungsfortschritt von größerer Bedeutung als die Orientierung an absoluten Leistungsnormen.[1] Ausgehend von der herkömmlichen absoluten Leistungsmessung sollen in diesem Unterrichtsvorhaben Möglichkeiten relativer Leistungsmessung kennengelernt, entwickelt und ausprobiert werden.[2] Die Vorkenntnisse der Klasse würde ich im Inhaltsfeld 3 (Laufen, Werfen, Springen – Leichtathletik), im Bezug auf Hochsprung, als sehr homogen einschätzen, da es nur eine Schülerin ohne Vorerfahrung im Bereich Hochsprung gab. Die Leistungen allerdings differieren verständlicherweise auf Grund von unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen individuell sehr stark. Mit den Lernenden wurden gemeinsam die Voraussetzungen für die heutige Stunde geschaffen. In einer Einführungsstunde wurden nach intensiver Thematisierung der Landung erste Sprungerfahrungen gesammelt. Die Landung wurde gezielt vorher behandelt, da nicht verantwortet werden kann die Lernenden selbst das Springen, ohne vorherige Ausbildung in der Landung, erproben zu lassen. Die Schülerinnen und Schüler kennen somit die Technik der Landung und können angstfrei rückwärts über die Latte oder die Schnur springen.[3] Der Auf- und Abbau der Hochsprungstationen ist ihnen ebenso bekannt wie Komponenten einer komplexen Hochsprungleistung. Die beiden heute zu behandelnden relativen Verfahren zur Leistungsmessung sind der Lerngruppe unbekannt. Kognitive Phasen kennt die Lerngruppe sowohl aus dem Unterricht von Frau M. als auch aus dem aktuellen Unterrichtsvorhaben und sie beteiligt sich rege daran.

Didaktisch-methodischer Kommentar

Zu der in den Richtlinien vorgesehenen Obligatorik für das Fach Sport gehört die Beschäftigung mit dem Inhaltsbereich 3 „Laufen, Springen, Werfen – Leichtathletik“.[4] Das Unterrichtsvorhaben „Hochsprungwettkämpfe absolut und relativ“ steht dabei unter der Pädagogischen Perspektive D: „Das Leisten erfahren, verstehen und einschätzen“.[5] Die Schwerpunkte liegen in dieser Stunde im Kennenlernen und Erproben von relativen Leistungsmessungen und deren Vergleich mit der absoluten Leistungsmessung aus der Vorstunde. Dabei sollen die Lernenden den Einfluss der Faktoren Körpergröße und Sprungkraft auf die Leistungsmessung und dadurch die Relativität eigener und fremder motorischer Leistung erfahren und erkennen. Die Fähigkeit, eigene und fremde Leistungen besser einordnen und verstehen zu können, soll die sozialen Erfahrungen der Lernenden fördern. Der Gedanke des Leistungsvergleichs ist bei vielen Lernenden unablässig vorhanden und gehört zum Sport dazu, hat aber gerade in der Leichtathletik den Nachteil, dass er oft nur für die motorisch starken Schülerinnen und Schüler interessant ist. In diesem Unterrichtsvorhaben soll durch das Aufgreifen des Wettkampfgedankens die Chance genutzt werden konstruktiv und pädagogisch auf den Leistungsbegriff der Schülerinnen und Schüler einzuwirken. Sie sollen erfahren, dass durch ein absolutes Bewertungssystem für einige Mitschüler die Gefahr besteht andauernd zu den Schwachen und zu den Verlierern bei Wettkämpfen zu gehören, weil gerade eine geringe Körpergröße und ein hohes Körpergewicht auch bei bester Technik keine Höchstleistungen zulassen. Daher sollen die Lernenden erkennen, dass ein kritisches Hinterfragen der absoluten Leistungsmessung im Sportunterricht notwendig ist. Die Begeisterung vieler Lernender für die klassische Leichtathletik hält sich in Grenzen. Durch relative Wettkampfformen kann ein positives Verhältnis zur Leichtathletik und zum Sportunterricht im Allgemeinen gefördert und die Leistungsbereitschaft der Lerngruppe gesteigert werden. Wenn nicht immer dieselben Schülerinnen und Schüler bei Wettkämpfen auf den hinteren Rängen landen sollen, können solche neuen Wettkampfideen für mehr Spannung und Abwechslung sorgen. Außerdem können, die für den Hochsprung körperlich „weniger geeigneten“, Schülerinnen und Schüler durch mehr Chancengerechtigkeit bei diesen relativen Formen des Wettbewerbs besser motiviert werden diese und andere leichtathletische Disziplinen, auch im Wettkampf, als interessant und Freude bringend zu empfinden.

Es wird in dieser Stunde bewusst darauf verzichtet die Lernenden in Gruppen selbstständig relative Wettkampfformen im Hochsprung entwickeln zu lassen, da sie heute zunächst zwei Möglichkeiten dieser Kategorie kennenlernen sollen. Auf der Basis der Ergebnisse dieser Unterrichtsstunde sollen die Schülerinnen und Schüler in der nächsten Stunde weitere leistungstragende bzw. leistungsbeeinflussende Faktoren für den Hochsprung wie Gewicht, Anlaufform und -geschwindigkeit oder Sprungtechnik in der selbstständigen Erarbeitung von relativen Wettbewerben berücksichtigen.

Der Gegenstand Hochsprung ist für dieses Unterrichtsvorhaben besonders geeignet, weil er sehr konkret und anschaulich unterschiedliche körperliche und motorische Voraussetzungen und deren Einfluss auf die Sprunghöhe, also die absolute Leistung, sichtbar werden lässt. Die heutige Unterrichtsstunde steht in engem Zusammenhang mit der vorangegangenen Unterrichtsstunde. In dieser wurde mit der Lerngruppe der Fosbury-Flop erarbeitet, welchen sie heute an einer Station einsetzen kann. Ebenso kann an das Wettkampfergebnis der letzten Stunde in der Reflektion der heutigen Stunde angeknüpft werden, um die Ergebnisse miteinander in Beziehung zu setzen.

Das gesamte Unterrichtsvorhaben wurde, wie bereits in der Lerngruppenanalyse erwähnt nach der Zergliederungsmethode gestaltet, um für den Hochsprung sichere Voraussetzungen zu schaffen.[6] Ein zusätzliches Argument ist meiner Ansicht nach, dass eine befriedigende Leistung erst mit der grundlegenden Beherrschung der Technik möglich wird, sodass dem Erlernen der Technik zunächst ausreichend Platz gegeben werden muss. Prinzipiell denkbar wäre auch hier eine ganzheitliche Vermittlung, was mir allerdings im Bereich Hochsprung mit seinen doch vorhandenen Gefahren wenig sinnvoll erscheint.

Das methodische Vorgehen dieses Unterrichtsvorhabens ist deshalb prinzipiell deduktiv angelegt wobei der Lehrer die Rolle des Unterweisers einnimmt. In der heutigen Stunde verändert sich dies auf Grund der Zielformulierung etwas, da heute nach der Erwärmung eine Bewegungslandschaft zur Verfügung gestellt wird, wobei der Lehrer als Betreuer fungiert.[7]

Der Stundeneinstieg wird vor der gemeinsamen Erwärmung problemorientiert durch einen visuellen Impuls eingeleitet. Eine Karikatur[8] verdeutlicht die Problematik der traditionellen Leistungsmessung im Hochsprung des Sportunterrichts. Die Lernenden werden durch diesen Impuls auf die spezifische Thematik der Unterrichtsstunde hingelenkt und ihr emotionales Interesse daran wird verstärkt. So wird der Lerngruppe die Erfahrung mit der absoluten Leistungsmessung in Erinnerung gerufen und, ausgelöst durch die Karikatur, die Problematik dieser Bewertung deutlich. Anschließend sollen die Lernenden die Platzierung einer Gruppe aus der letzten Stunde aufgrund der genannten Leistungsfaktoren reflektieren. Es stellt sich die Frage nach einer alternativen/relativen Leistungsmessung. Die Lernenden sollen in der Problematisierungsphase, anhand der Karikatur ihnen bekannte leistungsbeeinflussende Komponenten im Hochsprung erkennen und benennen wie Körpergröße, Gewicht, Erfahrung, allgemeine Sportlichkeit, Schnelligkeit, Technik, Sprungkraft usw.

Die Gruppeneinteilung für die Ergebnissicherung erfolgte bereits im absoluten Wettkampf seitens der Lehrkraft, um eine leistungsheterogene Gruppe zu ermöglichen, weil schon in der Gruppe die Unterschiede deutlich und von den Lernenden erarbeitet werden sollen, die sich aus den körperlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler ergeben. Es wurde aus Gründen der Binnendifferenzierung bewusst an den Stationen auf die zwingende Überquerung einer Hochsprunglatte verzichtet und eine Easy-Flop Hochsprunglatte als Alternative bereitgelegt, um Hemmungen und Ängste bei den Lernenden zu vermeiden und das Verletzungsrisiko zu minimieren. Hier handelt es sich um eine Differenzierung durch Geräteanforderungen.[9] Alle Lernenden erhalten die gleiche Chance, auf der Grundlage ihrer individuellen Voraussetzungen differente Bewegungslösungen in die Thematik einzubringen.[10] Die Auswahl der Anlaufform, des Absprungs (einbeinig oder beidbeinig) und der Überquerungstechnik ist den Lernenden überlassen. Bereits in der letzten Stunde wurde die Flop-Technik erarbeitet, um die maximale Sprunghöhe zu erreichen. Diese Technik werden die meisten Lernenden einsetzen.

[...]


[1] Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I – Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen. Sport. Düsseldorf 2001, S.81-85.

[2] vgl. ebd. S. 87.

[3] Beckmann, H.: Hoch springen – warum eigentlich rückwärts? Hochsprungtechniken erproben und begreifen, in: Sportpädagogik (1) 2006, S. 41-45.

[4] vgl. Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Gymnasium/Gesamtschule in NRW. Sport, Frechen 2001, S. 43.

[5] vgl. ebd. S. 37.

[6] Schaller, H.-J.: Die großen Spiele, Aachen 1994, S. 39.

[7] Vgl. beide methodischen Vorgehensweisen sind bei Kretschmer zu finden: Kretschmer, J. Betreuen und Unterweisen. In: Didaktik des Schulsports, Schorndorf 2000, S. 121-143.

[8] Traxler, H.: Chancengleichheit. In: http://www.foerderlehrer.info/bilder/kar.jpg (28.04.2012)

[9] Stemper, T.: Differenzierung des Sportunterrichts. In: Sportunterricht, 31. Jg. (1982), 8, S. 286 f.

[10] Laging, R. Differenzieren im Sportunterricht. In: Sportpädagogik (2004), 2, S. 4-9.

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656900900
ISBN (Buch)
9783656900917
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288193
Institution / Hochschule
Seminar für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen Bonn
Note
1,3
Schlagworte
unterrichtsentwurf hochsprung klasse

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Unterrichtsentwurf für den Hochsprung (Klasse 9)