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Unterrichtsanalyse einer Französischstunde mit Hilfe der Videoanalyse

Forschungsarbeit 2008 24 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

1. Was sind meine Ziele im Sprachenschwerpunkt?

2. Was ist das Ziel dieser Untersuchung?

3. Wie bin ich vorgegangen?
3.1 Der Unterrichtsablauf

4. Was habe ich erfahren?
4.1 Methodenvielfalt
4.1.1 Welche Methoden wurden verwendet?
4.1.2 Analyse der Unterrichtssequenzen
4.2 Schülerbeteiligung
4.2.1 Welche Arten der Schülerbeteiligung lassen sich erkennen?
4.2.2 Wie intensiv wird auf die Angebote sich am Unterricht zu beteiligen eingegangen?
4.3 Strukturierung des Unterrichts:
4.3.1 Wie klar ist der Stundenaufbau?
4.3.2 Äußere Seite – Unterrichtsmanagement:
4.3.3 Innere Seite – didaktisch-methodische Linienführung:
4.3.4 Wie klar ist die Aufgabenstellung?

5. Schlüsse für zukünftiges Handeln

Literaturliste:

Vorwort

Bei einem Vortrag von Dr. Stadelmann habe ich mir folgende Quintessenz bezüglich „Lernen“ mitgenommen:

„Bei jeder Unterrichtsplanung ist es wichtig, dass die Schüler aktiv sind, nicht nur der Lehrer. Jeder Mensch hat eine individuelle Lernbiografie und daher unterschiedliche Zugänge zum Lernen. Vielseitige Tätigkeiten sind daher nötig, damit Lernen bei möglichst vielen Schülern am gleichen Ort und zur gleichen Zeit stattfinden kann. Je aktiver, selbst regulierter, problemorientiert, mit Vorwissen verknüpft, bewusst reflexiver, interaktiver, emotioneller und dialogischer gelernt wird, desto besser wird verstanden.“

Einleitung

Ich bin seit vielen Jahren an der Hauptschule in XY in Oberösterreich Lehrerin für Englisch, Bewegung und Sport und für Geografie. Im Jahre 2001 habe ich zusätzlich die Lehramtsprüfung für Französisch an Hauptschulen absolviert, da ich mich sehr für Sprachen interessiere.

Unsere Hauptschule ist eine Schule für alle und versucht durch interessante Schwerpunktsetzung mit anderen Schulen wettbewerbsfähig zu bleiben. Seit 2000 gibt es die verbindliche Übung Kommunikation, das heißt, in der 2. 3. und 4. Klasse gibt es eine zusätzliche Sprachenstunde. Die Schüler wählen nach einer jeweils dreiwöchigen „Schnupperphase“ zwischen Deutsch, Englisch oder Französisch, ihren Interessen und Begabungen gemäß, für die restlichen Jahre verbindlich eine Sprache aus. Der Unterricht in diesen Fächern ist gänzlich anders zu betrachten, da es keine Benotung gibt und die Ziele und somit auch der Unterricht relativ frei und individuell gestaltbar sind.

Ich habe einige Bücher zum Thema „Was ist guter Unterricht“ gelesen aber letztendlich interessiert mich immer die Frage: Ist mein Unterricht gut? bzw. Warum ist er manchmal gut oder manchmal schlecht? Wie ist das Gefühl „Heute ist es gut gelaufen!“ begründbar?

1. Was sind meine Ziele im Sprachenschwerpunkt?

Sprachförderung ist eine Grundlage von Begabungsförderung, daher möchte ich die Schüler auch zum fremdsprachlichen (lebenslangen) Spracherwerb motivieren, denn Menschen die mehr Sprachen sprechen, haben einen breiteren Zugang zur Welt.

Die Schüler sollen sich im Ausdruck und in der Sprachkompetenz verbessern. Dazu sollen sie Präsentationstechniken erlernen und erproben können. Das soll ihnen Sicherheit im schulischen und beruflichen Auftreten bringen.

Moderner Medieneinsatz (Computer, Videokamera, Beamer, .) bringt Abwechslung in den Unterricht und macht die Schüler gleichzeitig vertraut mit der Handhabung der Geräte.

Sprachen bringen mehr Aufgeschlossenheit anderen Menschen gegenüber, denn Sprachen öffnen die Türen zur Welt. Der Kontakt zu anderen Menschen und deren Kulturen soll durch Brieffreundschaften und Schülerbesuche aus dem Ausland sowie eigenen Auslandsreisen gepflegt und gefestigt werden.

2. Was ist das Ziel dieser Untersuchung?

Diese Stunde wird von den beteiligten Schülern, der Lehrerin und einer Kollegin professionell untersucht hinsichtlich:

- Methodenvielfalt
- Schülerbeteiligung
- Strukturierung des Unterrichtes

Ich habe mich für diese drei Punkte entschieden, da ich für diese eine Wochenstunde immer eine gut strukturierte Planung brauche, die einerseits eine Wiederholung und einen Aufbau, aber andererseits auch eine Verknüpfung und eine Anwendung des Lehrstoffes beinhalten soll. Es ist mir wichtig, dass ich die Französischstunde effektiv und interessant gestalte und die Schüler dadurch zu einer hohen Beteiligung anrege. Das Lernen dieser neuen Sprache passiert fast ausschließlich in der Schule und gänzlich ohne Notendruck. Ihre Leistungen werden in Form von Lernzielen überprüft. Nach drei Jahren können die Schüler einen Sprachenpass erwerben.

3. Wie bin ich vorgegangen?

Für meine Unterrichtsanalyse habe ich die Französischgruppe der 3. Klasse ausgewählt. Es gab mehrere Gründe dafür:

Es ist eine kleine Gruppe von nur 10 Schülern, mit der ich sehr gut arbeiten kann. Eine kleine Gruppe ist für Videoanalysen einfach besser geeignet und ich habe mit diesen Schülern ein sehr gutes Arbeitsbündnis.

Die Schüler haben bereits im Vorjahr gelernt mit der Videokamera zu arbeiten und übernahmen die Filmarbeit selbst.

Sie waren sofort bereit mich zu unterstützen und zeigten wirkliches Interesse sowohl beim Filmen als auch bei der Auswertung. Vier Mädchen erklärten sich gerne bereit abwechselnd das Filmen zu übernehmen.

Nach einer Unterrichtsstunde mit der Videokamera waren wir uns einig, nochmals die Videokamera einzusetzen um den weiteren Verlauf dieses Unterrichtsthemas festzuhalten.

Mein Vertrauen in die Filmarbeit der Schülerinnen war ein hohes und wurde nicht enttäuscht.

Mein Auftrag an sie lautete alles zu filmen was sie interessiert. Besonders interessiert hat sie anschließend die gemeinsame Durchsicht des Videos. Aus dem Gesamtvideo habe ich dann einzelne Unterrichtssequenzen (35 Minuten) für eine DVD ausgewählt.

3.1 Der Unterrichtsablauf

Die Aufnahme zeigt zwei Unterrichtsstunden zum Thema „Habitation“ (Wohnung).

In der vorhergehenden Stunde wurden die regelmäßigen Verben mit der Endung –er geübt.

Zu Beginn der Stunde wiederholen wir daher einige dieser Verben im Frontalunterricht. Ich erinnere an das Wort für wohnen (habiter), welches jedoch den Schülern zu meinem Erstaunen unbekannt war. Ich war mir aber sicher, dieses Wort schon öfter mündlich gebraucht zu haben.

Daher üben wir nochmals gemeinsam die Endungen für alle Personen.

Anschließend arbeiten die Schüler in Vierergruppen und üben diese Zeitwortformen nochmals anhand eines Bingospieles, welches ich vorher auf Französisch erkläre.

Jetzt kann ich überleiten zum eigentlichen Hauptteil der Stunde „Où est-ce que tu habites“?

(Wo wohnst du?) In Form eines Lehrer – SchülerIn und Schüler – Schülerin Gespräches erarbeiten wir verschiedene Möglichkeiten: une maison, un apartement, une ferme, (ein Haus, eine Wohnung, ein Bauernhof). Die Mehrheit der Schüler wohnt in einem Haus, welches in Form eines Gedichtes beschrieben und als Anschauungsmaterial und Merkstoff an die Tafel sowie in das Heft gezeichnet und beschrieben wird.

Attention, attention

Je dessine ma maison

Quatre murs

Deux fenêtres

Un toit pointu

Une grande porte

Toujours ouverte

Pour laisser entrer

Tous mes amis

Zum Erlernen des Gedichtes wähle ich aber wieder den Frontalunterricht. Vom großen Haus zum kleinen Zimmer ist es jetzt nur mehr ein kleiner, aber gleichzeitig schwieriger Schritt. Die Schüler haben hier in diesem Bereich fast kein Vorwissen und es müssen möglichst viele Wörter im Zusammenhang gelernt werden. Die folgende Partnerarbeit mit Lehrerunterstützung und geeignetem Bildmaterial erscheint mir hier eine gute Wahl zu sein. Ein von mir erfundenes Zimmer wird beschrieben und alle Schüler haben Gelegenheit zu sprechen, um die neuen Wörter im Zusammenhang zu üben. Die Beschreibung dieses Zimmers ist das Ende der Unterrichtsstunde und soll die Basis für die Beschreibung des eigenen Zimmers liefern. Die Einzelarbeit wird durch das Wörterbuch, den Sitznachbarn und durch den Lehrer unterstützt.

4. Was habe ich erfahren?

Motivation ist der Schlüssel zum Erfolg. Das gilt ja nicht nur für die Schule, sondern für das ganze Leben. Wie kann man aber Lernprozesse motivierender gestalten, damit sie effektiver sind. Ein möglicher Ansatz ist die Methodenvielfalt.

Hilbert Meyer sagt „Mischwald ist besser als Monokultur“, das heißt aber weiters auch, dass es keine optimale Unterrichtsmethode gibt, die alle Lerninhalte für alle Schüler aller Alterstufen und Schulformen gleichermaßen optimal vermittelt.

Mein erster Analysefokus sind daher die unterschiedlichen Methoden.

4.1 Methodenvielfalt

4.1.1 Welche Methoden wurden verwendet?

Der Unterricht weist Phasen der direkten Instruktion als auch der offenen Lernzeit auf. Die direkte Instruktion durch den Lehrer orientiert sich an der Einführung neuer Lerninhalte, wohingegen die Phasen der offenen Unterrichtszeit für Wiederholen und Üben verwendet wird. Laut Hilbert Meyer sind Lehrer gut beraten, dafür zu sorgen, dass ihre Schüler nach beiden Unterrichtskonzepten lernen können.

Frontalunterricht:

Zu Beginn der Stunde habe ich die Form des Frontalunterrichtes gewählt, da es mir am sinnvollsten erschien, ganz kurz und zeitsparend am Lernstand der letzten Stunde anzuknüpfen und die Grammatik zu wiederholen.

Gruppenarbeit:

Zum Üben der Zeitwortformen habe ich die Kärtchen für das Bingospiel vorbereitet. Die Schüler teilten sich in Vierergruppen auf und konnten so voneinander spielerisch lernen. Sie waren gleichberechtigte Interaktionspartner und arbeiteten nach teilweise bekannten, aber auch neuen Spielregeln.

Lehrer – Schülergespräch und Schüler – Schülergespräch:

Ein wichtiger Aspekt in dieser Stunde ist natürlich auch der Sprechanteil der Schüler. Es ist mir wichtig, dass alle Schüler möglichst oft und ausreichend Gelegenheit zum Sprechen bekommen. Andererseits möchte ich natürlich auch neue Wörter beziehungsweise Sprachstrukturen einführen. Die Methode, die ich hier gewählt habe, wurde durch eine bildhafte Gestaltung und in Gedichtform eingeführt. Die Schüler waren motiviert und hatten einen schnellen und guten Lernerfolg.

Partnerarbeit mit Lehrerunterstützung

Es ist mir wichtig, dass die Schüler voneinander lernen und auch jeder Schüler mit jedem Schüler spricht. Das lässt sich durch wechselnde Teams sehr einfach verwirklichen. Bei ungerader Schülerzahl übernimmt der Lehrer die Schülerrolle und kann so auch leicht Außenseiter oder leistungsschwächere Schüler herausfinden. Diese Schüler „konsumieren“ dann auch oft etwas mehr an Aufmerksamkeit, werden dann aber wieder an andere Partner zugeteilt.

Einzelarbeit - Partnerarbeit

Jeder Schüler soll sein Zimmer beschreiben. Texte sollen grundsätzlich in der Schule geschrieben werden, da ich glaube nur hier in den Denkprozess der Schüler in geeigneter Weise eingreifen zu können, denn bevor die Schüler ihre erworbenen Kenntnisse schriftlich festhalten, entstehen Fragen im Gehirn über die Richtigkeit der Ideen und hier ist meiner Meinung nach die beste Gelegenheit zur Korrektur. Die Partnerarbeit ist hier wiederum zu begrüßen, denn gerade im schriftlichen Bereich können sich die Schüler selbst helfen, beziehungsweise korrigieren und voneinander lernen.

4.1.2 Analyse der Unterrichtssequenzen

Arbeitsblatt zur Videoanalyse: (Schüler und Lehrer)

Was gefällt dir gut?

Was soll geändert werden?

1. Wenn du dich selbst auf dem Video siehst?
2. Wenn du deine(n) Nachbar(i)n auf dem Video siehst?
3. Wenn du deine Gruppe auf dem Video siehst?
4. Wenn du deine Lehrerin auf dem Video siehst?

Gruppenarbeit:

Ich habe das Video gemeinsam mit allen Schülern und einer Kollegin/Freundin betrachtet. Von allen Unterrichtsmethoden wurde eindeutig die Gruppenarbeit, die als sehr lustig und super beschrieben wurde, von den Schülern bevorzugt. Das heißt, sie hatten die Möglichkeit individuell zu lernen, dabei selbsttätig zu sein und nicht vom Lehrer korrigiert zu werden. Sie glauben auch, dass die Gruppenarbeit gut funktioniert hat, und ich die nötigen Erklärungen deutlich gegeben habe. Es wurde aber auch erwähnt, dass Deutsch gesprochen wurde und sich nicht alle Schüler an die Anweisungen gehalten haben.

Meine Kollegin hatte den Eindruck, dass die Schüler bei der Gruppenarbeit sehr schnell verstanden worum es geht, jedoch die Effizienz und das Tempo der Ausführung gesteigert werden könnte. Dies könnte z. B. geschehen, indem man die Arbeitsanleitungen noch genauer gibt und man es zulässt, die Schüler in der Muttersprache spontan reagieren zu lassen.

Mein Eindruck der Gruppenarbeit war etwas anders. Ich war nicht zufrieden mit meinen Erklärungen für die Gruppenarbeit und hatte außerdem den Eindruck, dass die Schüler sehr viel in ihrer Muttersprache kommuniziert haben. Meine ursprüngliche Zielvorstellung war die Verwendung der Fremdsprache als Arbeitssprache.

Es hatte mich bereits während der Stunde gestört und war neben Zeitmangel vielleicht auch ein Grund dafür, warum ich das Spiel nicht bis zum Ende durchführen ließ. Ich hatte den Eindruck, dass die Schüler nicht in dem Ausmaß profitierten wie ich es mir erwartet hatte.

Als Beispiel sei hier die Unterscheidung zwischen dritter Person Einzahl und dritter Person Mehrzahl erwähnt. Diese Unterscheidung bezüglich Endung der Verben wurde von zwei Schülern bis zum Ende der Gruppenarbeit nicht erkannt. Im Video habe ich mich weiters beobachtet wie ich viel zu schnell in den Gruppenprozess eingegriffen habe und den Schülern den nötigen Freiraum zum selbstständigen Überlegen geraubt habe.

Transkript:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nachträglich betrachtet stört es mich jetzt nicht mehr, dass die Schüler während der Gruppenarbeit auch Deutsch gesprochen haben, denn sie haben ja trotzdem alle mitgearbeitet und an Wissen in unterschiedlichem Ausmaß und Bereichen dazu gewonnen. Das kann man an der Anzahl der erworbenen Kärtchen bei dieser Gruppenarbeit erkennen.

Lehrer- Schülergespräch:

Das Lehrer – Schülergespräch wurde in der Phase des Nachsprechens von zwei Schülern als zu lange und zu oft empfunden. Normalerweise sprechen und üben sie gerne miteinander. Es gefällt ihnen, dass ich selbst sehr deutlich spreche und ihnen beim Antworten und Üben Zeit lasse und sie in netter Weise korrigiere. Außerdem empfinden sie das Mitsprechen beim Schreiben als Unterstützung. Sie erkennen aber auch, dass sie selbst sehr unsicher sind in der Aussprache beziehungsweise Grammatik und teilweise zu leise sprechen.

Das ist ein Ergebnis, welches ich nicht erwartet habe, da ich die Phase nicht als zu lange empfunden habe und ich die mündlichen Wiederholungen für nötig halte. Allerdings habe ich erkannt, dass ich besser eine andere Übungsform (ATP) anwenden hätte können. Bei der Videobetrachtung ist es mir aber auch aufgefallen, dass ich selbst Antworten zu schnell gebe, oder den Schülern, die aufzeigen die Antwort vorwegnehme. Das hat mich besonders geärgert.

Transkript:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der kollegialen Betrachtung ist uns aufgefallen, dass ich hier etwas unter Zeitdruck stehe und auch auf die Uhr blicke. Es fehlt weiters die bildhafte Unterstützung gleich zu Beginn der Gedichterarbeitung. Mit einem besseren Einsatz von Bildmaterial hätte ich hier etwas an Zeit einsparen könne.

Partnerarbeit:

Die Partnerarbeit mit Lehrerunterstützung wurde von den Schülern als positiv empfunden. Es hat ihnen gefallen, dass auch ihre Lehrerin „mitspielt“ und alle Schüler mit einbezieht. Zwei verschieden Schüler waren hier meine Partner. Der erste war der Schüler, der meiner Meinung nach am meisten Unterstützung brauchte und der zweite war jener Schüler, der von meinem Partner beim Wechsel abgelöst wurde.

Die Gleichstellung von Schülern und Lehrerin und sich gegenseitig helfen zu können ist ihnen besonders positiv in Erinnerung geblieben.

Meine Freundin hat in dieser Unterrichtsphase die Sicherung des Unterrichtsertrages und meine Korrekturen als positiv vermerkt. Weiters sind ihr besonders der wertschätzende Umgang mit den Schülern und die respektvolle Sprache beiderseits aufgefallen. Die Schüler reden allerdings teilweise sehr zaghaft. Das könnte einerseits an der Videosituation liegen, andererseits aber auch an der Schwierigkeit der Wörter beziehungsweise der Sätze.

Ich finde, dass wir hier als Gruppe sehr produktiv gearbeitet haben. Meine Hilfestellungen habe ich als gut empfunden und mir gefällt besonders die Erklärung des Wortes „fauteuil“ und die Querverbindung zum englischen Wort „armchair“.

Transkript:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4.2 Schülerbeteiligung

4.2.1 Welche Arten der Schülerbeteiligung lassen sich erkennen?

Im gesamten Video lassen sich von allen Schülern Phasen der aktiven und passiven Mitarbeit mit unterschiedlichen Schüleraktivitäten feststellen.

Zuhören:

Neue Wörter werden von der Lehrkraft gesprochen und die Schüler achten auf die richtige Aussprache.

Spiel:

Die regelmäßigen Verben werden mit Hilfe von Kärtchen geübt.

Nachsprechen:

Die Schüler wiederholen neue Wörter.

Nachahmen:

Die Lehrkraft gibt Modellsätze vor, die von den Schülern jeweils individuell an die Situation angepasst werden.

Zeichnen und Beschriften:

Das Haus wird in das Heft gezeichnet und beschriftet. Zwei Schüler beginnen erst nach ein paar Minuten zu zeichnen. Sie haben offensichtlich den Arbeitsauftrag „On dessine une maison“ nicht verstanden und stattdessen zur Tafel geblickt.

Transkript:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auswendig lernen:

Das Gedicht wird von einigen Schülern bereits in dieser Unterrichtsstunde auswendig gelernt. Andere Schüler lernen das Gedicht nur teilweise und arbeiten zu Hause weiter.

Vortragen:

Das Gedicht wird von drei Schülern vorgetragen.

Schreiben:

Das Gedicht und die Beschreibung des eigenen Zimmers wird in das Heft geschrieben.

Rhythmisierung:

Die Erarbeitung der Zimmerbeschreibung erfolgt in Partnerarbeit mit Bewegungsunterstützung. Die Schüler bewegen sich im gleichzeitigen Rhythmus von Bild zu Bild und sagen das jeweilige Wort dazu.

Bilder:

Die Bilder werden mit dem richtigen französischen Wort in Verbindung gebracht.

Beschreiben:

Die Hälfte der Schüler hat ein Foto von ihrem Zimmer mitgebracht und beschreibt es anderen Mitschülern.

Recherche:

Die Wörterbücher werden zum Beschreiben der eigenen Zimmer verwendet.

4.2.2 Wie intensiv wird auf die Angebote sich am Unterricht zu beteiligen eingegangen?

Bereits als ich das Video zum ersten Mal sah war ich begeistert von der Aufmerksamkeit und aktiven Mitarbeit der Gruppe. Die Stimmung in der Gruppe war durchaus positiv und wir haben auch alle konzentriert gearbeitet. Die Gruppe war allerdings fast zu brav, was natürlich auch mit der Videosituation zusammenhängt. Aber auch in anderen Unterrichtsstunden gibt es hinsichtlich Mitarbeit oder Disziplin keinerlei Schwierigkeiten.

Ich habe den Eindruck, dass die Lernangebote gut bis sehr gut angenommen wurden. Die Schüler haben häufig aufgezeigt und sich am Unterricht aktiv beteiligt.

Bei den Schülern kann ich eine mehrheitliche Zufriedenheit mit ihren Leistungen erkennen. Mehr als die Hälfte stellt eine gute Mitarbeit bei sich selbst fest. Das zeigt sich durch gute Aufmerksamkeit, Aufzeigen, Beteiligung an Sprechanlässen und partnerschaftlichem Helfen. Das Resultat ihrer guten Mitarbeit wird für sie durch eine hohe Merkleistung bezüglich neuer Wörter sowie einer Verbesserung in der Betonung und Aussprache erkennbar. Sie bemerken allerdings auch einige Unsicherheiten bezüglich Auftreten, Aussprache und Grammatik. Sie erkennen das an deutschen Fragen und zusätzlichen Rückfragen an den Lehrer oder an die Mitschüler sowie ihren sehr leisen Antworten.

Sie stellen allerdings bei ihren Nachbarn auch fest, dass er/sie nicht so oft aufzeigt und auch nicht nachfragt wenn er/sie etwas nicht versteht. (Kritische Nachbarn!)

Sie erleben sich als hilfsbereite, interessierte Gruppen. Als sie die Mitarbeit der gesamten Gruppe beurteilen, sehen drei Schüler, dass die Mädchen und die Jungen stets getrennt arbeiten und auch getrennt sitzen. Eine Schülerin bringt sogar den Vorschlag die Sitzordnung zu ändern. Ich habe das bereits berücksichtigt und diese mit ihnen gemeinsam geändert.

4.3 Strukturierung des Unterrichts:

4.3.1 Wie klar ist der Stundenaufbau?

Hilbert Meyer sagt: Unterricht ist dann klar strukturiert, wenn das Unterrichtsmanagement funktioniert und wenn sich ein für Lehrer und Schüler gleichermaßen gut erkennbarer „roter Faden“ durch die Stunde zieht.

Er teilt die Klarheit des Unterrichts in zwei Seiten:

4.3.2 Äußere Seite – Unterrichtsmanagement:

Meine Sprachstunde beginnt immer mit demselben Ritual der Begrüßung und die Schüler steigen somit automatisch in ihre „französische Welt“ ein. Die Gruppe kommt zu mir in die Klasse und es ist für sie klar wie der Stundenanfang aussieht. Die äußeren Bedingungen dieses Raumes sind jedoch alles andere als optimal, denn eigentlich ist es der Werkraum für Mädchen und so muss ich vor Stundenbeginn genau planen welches Unterrichtsmaterial ich mitnehmen muss. Das beginnt bei den Wörterbüchern und endet beim CD Spieler. Der Raum ist nicht als Sprachraum gestaltbar, da er von den Mädchen für ihre Werkstücke und Arbeitsgeräte gebraucht wird. Der Raum hat jedoch genügend Kapazität für die relativ kleine Gruppe von nur zehn Schülern, er wirkt allerdings sehr steril und die Anordnung der Tische ist kaum veränderbar. (Zeitmangel, Nähtische)

Ich sehe mich in dieser Stunde als Organisatorin und Managerin, die von den Schülern in ihrer traditionellen Rolle unterstützt wird. Ich gebe den Schülern allerdings wenig Möglichkeit zur Planungsbeteiligung am Unterrichtsgeschehen. Die Zügel habe ich in meiner Hand und lasse den Schülern fast keinen Freiraum.

Die Regeln sind den Schülern bekannt und ich kontrolliere die Einhaltung. Als Beispiel sei die Gruppenarbeit erwähnt, wobei die Schüler in ihrer Muttersprache sprechen und ich sie dabei korrigiere.

4.3.3 Innere Seite – didaktisch-methodische Linienführung:

Zwischen den Zielen, Inhalten und Methoden bestehen Wechselwirkungen. Wenn diese drei Dinge in sich stimmig sind, spricht man von „innerer Zielgerichtetheit“ und es beginnt sich eine Unterrichtsdynamik zu entwickeln.

Step by step - ein Schritt nach dem anderen und der nächste ergibt sich wie von selbst. Nun, so einfach ist das auch wieder nicht, da in einer Unterrichtsstunde ein nächster Schritt viele Auswirkungen in verschiedene Richtungen haben kann.

Hilbert Meyer spricht von verschiedenen „methodischen Linienführungen“.

In dieser Sprachstunde habe ich den Stundenbeginn mit einer hohen Lehrerdominanz (Lenkungslinie) eingeleitet. Es erschien mir als die geeignete zeitsparende Methode zur Wiederholung, um die Schüler auch gleichzeitig und in weiterer Folge zu unserem neuen Thema hinüberzuleiten.

Weiters ist zu beobachten, dass der Unterrichtsaufbau vom Vertrauten zum Fremden führt.

Anfangs wird wiederholt und geübt, dann neue Wörter und Inhalte eingeführt und zu guter Letzt angewendet (Vertrautheitslinie). Diese Linie wird nach der Wiederholungsphase und Übungsphase von der Komplexitätslinie begleitet. Neuer Spracherwerb beginnt normalerweise beim Einfachen und führt erst später zu komplexeren Sprachstrukturen.

Diese drei Linien laufen parallel ab und behindern sich meiner Meinung nach nicht gegenseitig.

Schauen wir jetzt jede dieser Linien bezüglich Ziele, Inhalte und Methode an:

Lenkungslinie:

Das Ziel war die Wiederholung der regelmäßigen Zeitwortformen in den jeweiligen Personen. Hier habe ich anfangs den frontalen Unterrichtsstil gewählt. Es wurden bekannte und unbekannte Zeitwortformen trainiert und dann anschließend im Spiel erprobt. Die Schüler werden hier aktiver und haben nochmals die Gelegenheit zur Übung in einer Gruppe.

Anschließend führe ich im Lehrer – Schülergespräch die neuen Wörter zum Thema Wohnen ein. Vorerst antworten die Schüler auf Lehrerfragen oder trainieren einfach die Aussprache und erlernen dabei neue Wörter, welche sie anschließend in Gedichtform zu Sätzen zusammenfügen und ihrem Sitznachbarn vortragen. Zur Beschreibung des eigenen Zimmers gebe ich zunächst wieder die grundlegenden Wörter vor, die wir in Partnerarbeit üben und dann zu einer modellhaften Zimmerbeschreibung erweitern. Jetzt haben die Schüler die Grundlage um in Einzelarbeit, jedoch mit Lehrerunterstützung oder Partnerunterstützung, das eigene Zimmer beschreiben zu können.

Vertrautheitslinie:

Die Schüler bauen während des gesamten Unterrichts auf bereits bekannte Inhalte auf und werden zum Fremden und Neuen hingeführt. Spracherwerb sollte immer aufbauend erfolgen und den Schülern Möglichkeiten geben bereits vorhandenes Wissen mit neuem Wissen verknüpfen zu können.

Komplexitätslinie:

Eines der Ziele war die wichtigsten Bestandteile eines Hauses kennen zu lernen. Dabei waren es zunächst Verben, dann Nomen und Adjektive, die wir in kurzen Sätzen in Form eines Gedichtes gelernt haben.

Ein weiteres Unterrichtsziel war das eigene Zimmer beschreiben zu können. Hier bauten wir auf dem Vorwissen von Präpositionen, Farben und Adjektiven auf. Einige der dazu nötigen Nomen waren den Schülern bekannt, jedoch bei weitem nicht alle. Die galt es zunächst einzuführen. Hier habe ich mich zur bildhaften Unterstützung und zur Partnerarbeit entschlossen. Als Endziel mussten die Schüler ihr eigenes Zimmer in einem kurzen Text beschreiben und dabei Neues mit altem Wissen verbinden.

4.3.4 Wie klar ist die Aufgabenstellung?

Die Aufgabenklarheit zeigt sich darin, dass die Schüler wissen „was angesagt ist“. Das können sie aber nur, wenn sie den Zusammenhang von Ziel-, Inhalts- und Methodenwahl zumindest ansatzweise verstanden haben. Laut Hilbert Meyer kann die Aufgabenklarheit vor allem dadurch gesichert werden, dass der Lehrer die Schüler an seinen didaktischen Überlegungen teilhaben lässt.

Am Anfang der Stunde sage ich, dass wir die regelmäßigen Zeitwortformen wiederholen. Es ist die grundlegende Grammatik und ich habe für die Gruppe ein Bingospiel mit diesen Zeitwortformen vorbereitet. Die Arbeitsanweisungen in der Fremdsprache waren für die Schüler eindeutig zu schwierig und meine Unzufriedenheit mit der Gruppenarbeit resultiert wahrscheinlich aus diesem Fehler. Ich habe mich auch nicht vergewissert, ob die Schüler die Anweisungen verstanden haben. So verwundert es mich, dass die Gruppenarbeit überhaupt so funktioniert hat. Das kann teilweise sicher auf die Bekanntheit dieses Spiels aus anderen Unterrichtsfächern zurückzuführen sein.

Die Aufgabe ein Haus zu zeichnen habe ich klar formuliert (On dessine une maison). Ebenso die dazu benötigten Materialien (On prend le grand cahier, le crayon et la règle.). Trotzdem haben zwei Schüler den Arbeitsauftrag nicht verstanden und daher erst nach einiger Zeit zu zeichnen begonnen. Als wir das Haus beschriften, frage ich teilweise bei den Schülern nach, ob sie das betreffende Wort wissen. Andere Wörter jedoch schreibe ich einfach ohne nachzufragen hinein. Hier bin ich sicher etwas zu schnell vorgegangen und hätte die Schüler mehr zur Selbsttätigkeit anregen sollen.

5. Schlüsse für zukünftiges Handeln

Sprache hat viel mit Hören und Zuhören zu tun, es zeigt sich jedoch, dass es nur für wenige Schüler, jene die dem auditiven Lerntypen mehr entsprechen, eine geeignete Methode zum Sprachenlernen ist. Das heißt, dass der Sprachanteil des Lehrers möglichst gering bezüglich Zeitdauer gehalten werden muss, damit die Schüler überhaupt aktiv bleiben können.

Ich achte jetzt mehr darauf, meinen Sprachanteil zu reduzieren, dafür aber mehr Freiräume für kontrolliertes und unkontrolliertes Sprechen (alternative Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Audiokassetten) zu geben. Mein Unterricht war eher straff geführt und hatte wenig Handlungsspielraum für die Schüler.

Die Arbeitsanleitungen für die Gruppenarbeit und auch andere Arbeitsanleitungen habe ich in Französisch gegeben. Da eines meiner Unterrichtsziele ja die Verwendung der Fremdsprache auch als Arbeitssprache war. Ich habe allerdings festgestellt, dass das speziell bei zusammenhängenden Erklärungen zu schwierig ist. Das war eine der Ursachen warum ich mit dem Verlauf der Gruppenarbeit unzufrieden war. Weiters habe ich mir für die Erklärung etwas zu wenig Zeit gelassen. Ich habe nur den Beginn erklärt, nicht aber wie das Spiel weitergeht und was die Schüler tun sollen wenn sie fertig sind. Als ich bemerkt habe, dass einiges nicht so gut funktioniert und Fehler gemacht werden, bin ich sehr schnell als regulierendes „Instrument“ dazwischen gegangen, habe die Schüler ausgebessert und dann noch Verbesserungsvorschläge gebracht.

Es ist mir jetzt nicht mehr so wichtig, dass die Schüler ausschließlich Französisch sprechen. Ein gesunder Wechsel zwischen Muttersprache als Arbeitssprache und Fremdsprache als Inhalt ist genauso zielführend oder in manchen Fällen sogar natürlicher. Bei Arbeitsanleitungen habe ich wieder gesehen, dass ich mich rückversichern muss, ob sie bei den Schülern auch so angekommen sind, oder wenn möglich lasse ich gleich einen Schüler die Erklärungen machen. Fehler die gemacht werden versuche ich jetzt als meine Freunde und nicht als meine Feinde anzusehen. Ich bessere nicht sofort aus, sondern lasse sie zuerst einmal zu und die Schüler können selbst regulierend eingreifen. Ich mache sie erst dann auf den Fehler aufmerksam und rege dazu an, den Fehler selbst zu finden und auszubessern.

Ein schwieriger Punkt ist das Time Management bei der Gruppenarbeit. Eine wichtige Erkenntnis: Gruppenarbeit kann einfach etwas länger dauern!

Zeit ist ja immer ein wichtiger Faktor in jeder dieser Sprachstunden, da wir nur eine pro Woche haben. So möchte ich natürlich immer möglichst viel Input geben. Am Stundenanfang habe ich noch ganz bewusst viel Zeit zwischen den Fragen und Antworten gelassen. Das war mir beim ersten Ansehen des Videos fast schon zuviel, weil einfach nichts Sichtbares passiert ist. Doch mit zunehmendem Zeitdruck im Verlauf der Stunde hat sich diese Zeitspanne absolut verkürzt und die Schüler hatten sicher zu wenig Zeit um zu antworten. Ich habe oft den schnellsten Schüler für die Antwort aufgerufen, wobei andere noch nicht einmal zu denken begonnen hatten. Einmal habe ich zwar einen Schüler zur Antwort aufgefordert, aber diese dann selbst gegeben und ihm sozusagen das Wort abgeschnitten. Das hätte ich ohne den Videobeweis nicht für möglich gehalten.

Unter dem Motto: „Weniger ist oft mehr“ möchte ich zukünftig mehr Mut zur Lücke haben.

Aber nicht nur mehr Mut zur Lücke ist nötig um den Stundenablauf effizienter zu gestalten, sondern auch mehr innere Differenzierungsmöglichkeiten, besonders auch im mündlichen Bereich (z.B. durch den Einsatz von MP3 Geräten). Es sind zwar nur zehn Schüler, aber auch in dieser kleinen Gruppe sind die Lerntempi und Lernmethoden sehr unterschiedlich.

Ich versuche jetzt zuerst den Schülern einmal zuzuhören und dann erst selbst zu sprechen.

Das gehört ja mitunter zu den wichtigsten Kommunikationstechniken, ist aber nicht so einfach wie es sich anhört. Denn zwischen ausreden lassen und zuhören ist ein gewaltiger Unterschied. Um mehreren Schülern die Gelegenheit zur Antwort und zum Denken zu geben, habe ich für mich die Regel aufgestellt, dass ich warte, bis sich mindestens die Hälfte der Gruppe durch Aufzeigen zur Beantwortung der Frage meldet.

Bei der Durchsicht des Videos hat sich noch ein zusätzlicher Aspekt - nämlich der Genderaspekt - geradezu in den Vordergrund gedrängt. Zu Beginn meiner Arbeit hatte ich nicht vor auf dieses Thema einzugehen oder besonders darauf zu achten, doch das Video lieferte eine wunderbare Beweisgrundlage für mich und natürlich auch für die Gruppe.

Die geschlechtsspezifische Trennung ist den Schülern selbst bei der Durchsicht des Videos aufgefallen. Der Wunsch zur Veränderung der Sitzordnung wurde hauptsächlich von den Mädchen geäußert, aber von den Burschen dann auch akzeptiert.

Die zehn Schüler kommen aus drei verschiedenen Klassen zusammen. Sie kennen sich großteils untereinander und können auch gut miteinander arbeiten. Sie genießen es aber offensichtlich nach Geschlecht getrennt zu sitzen. Wir haben uns jetzt auf eine flexible Veränderung bezüglich Sitzordnung geeinigt, welche von den Schülern selbst organisiert wird. Ich habe ihnen mein Anliegen, dass jeder Schüler mit jedem Schüler spricht und arbeitet (Partnerarbeit, Gruppenarbeit) erklärt und wir setzen es jetzt gemeinsam bewusst um.

Ich finde, dass der Unterricht methodisch abwechslungsreich ist und sich das Unterrichtsziel mit den Inhalten und Methoden deckt. Laut Hilbert Meyer ist eine Sprunghaftigkeit in der Methodischen Linienführung leistungsmindernd und das ist bereits durch empirische Untersuchungen bewiesen.

Ich habe in dieser Stunde drei verschiedene Linienführungen herausgefunden. Zwei davon sind parallel verlaufen (Vertrautheitslinie und Komplexitätslinie). Die Lenkungslinie zeigt während des Unterrichts einen kurvigen Verlauf. Sie beginnt zunächst hoch, nimmt dann stark ab, holt die Schüler zurück und entlässt sie wieder. Habe ich jetzt durch diese drei verschiedenen Linien zu viel Abwechslung und Unruhe in den Unterricht gebracht oder hat der parallele Verlauf nicht gestört? In diesen Stunden habe ich das Unterrichtsziel erreicht, ich werde mir jedoch in Zukunft die innere Zielgerichtetheit besser überlegen.

Ich habe durch die Videobetrachtung und die anschließende Analyse mit Schülern und meiner Freundin viel über mich und meinen Unterricht gelernt. Ich hatte Unbehagen vor der ersten Betrachtung des Videos, war allerdings dann eher positiv überrascht. Alle Schüler und ich haben erkannt, dass Lehren und Lernen nicht auseinander klaffen darf, sondern dass alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung für das Geschehen übernehmen und in ihrem jeweiligen Aufgabenbereich entsprechend handeln müssen.

Literaturliste:

Hilbert Meyer: Was ist guter Unterricht? Cornelsen Verlag, August 2004

Herbert Altrichter, Peter Posch: Lehrer erforschen ihren Unterricht, Julius Klinkhardt Verlag, dritte Auflage 1998

Manuela Welzel, Helga Stadler: Nimm doch mal die Kamera, Waxmann Verlag, 2005

AG Entwicklung von Professionalität im internationalen Kontext, EPIK des BMBWK: Domänen der Professionalität von LehrerInnen, 2006

Journal für Schulentwicklung: Jg. 8 Heft 1, Videos in der LehrerInnenbildung, Studien Verlag Innsbruck 2002

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (Buch)
9783656886181
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288331
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
Sehr gut
Schlagworte
unterrichtsanalyse französischstunde hilfe videoanalyse

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Titel: Unterrichtsanalyse einer Französischstunde mit Hilfe der Videoanalyse