Lade Inhalt...

Weblogs und Journalismus. Konkurrenz oder sinnvolle Ergänzung?

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wer macht die Medien?

2. Was sind eigentlich Weblogs? Eine begriffliche Herausforderung..

3. Journalismus: eine „wahre“ Definition ist vergeblich und irreführend

4. Journalismus und Weblogs - Konkurrenz oder Erganzung?.

5. Weblogs und die vermeintliche Zukunft des Journalismus - ein Faz

Literaturverzeichnis

1. Wer macht die Medien?

In Zeiten, in denen das Internet noch nicht existierte, war es relativ leicht eine Antwort auf die Frage „Wer macht die Medien?“ zu finden: grob zusammengefasst eben ausgebildete Journalisten, die in den verschiedenen Bereichen Print-, Hörfunk- und Fernsehjournalismus arbeiteten. Die Industrialisierung brachte eine Professionalisierung des Journalistenberufes mit sich, die in kanonisierten Lehr- und Ausbildungsformen gipfelte. Heutzutage lässt sich die Frage „Wer macht die Medien?“ nicht mehr so leicht beantworten.

Seit dem Aufkommen des Internets lässt sich nämlich diese Frage immer wieder neu stellen und das Mitmachnetz1, das seit den 1990er Jahren existiert, brachte das bis dato bestehende Mediensystem kräftig durcheinander. Technisch immer leichter zugängliche Publikationsmöglichkeiten des Internets definierten die Öffentlichkeit neu. Neben den professionell ausgebildeten Journalisten melden sich mit dem Aufkommen des Internets Bürgerinnen und Bürger online direkt zu Wort. Praktisch jeder User des Internets hat die Möglichkeit, selbst zum Autor zu werden und ein großes Publikum zu erreichen. Gerade die Möglichkeiten des Bloggens2 verstärken diesen Trend. Bürgerinnen und Bürger recherchieren selbst, lesen selbst die Pressemitteilungen online nach und produzieren neue Webinhalte.3

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger betätigen sich seit der beachtlichen Verbreitung von neuen, interaktiven Medien immer mehr als Journalisten.4 Sehr viele Menschen führen ein Weblog, um ihre persönlichen und beruflichen Ergebnisse, Gedanken und Empfehlungen in den Weiten des Internets zu hinterfragen und für andere zugänglich zu machen. Jedoch vor allem viele etablierte Printjournalisten verfolgen die Entwicklung des partizipativen Journalismus mit Sorge. Erstens, weil sie sich Sorgen um die Qualität des Journalismus5 machen. Und zweitens, weil sie sich Sorgen um ihre eigene Position machen, die sich durch die rasante Technik des Internets über kurz oder lang verändern wird. Jedoch muss man bereits an dieser Stelle festhalten, dass verschiedene Belege darauf hindeuten, dass nur eine Minderheit von Bloggern den Anspruch verfolgt, Themen von gesellschaftlicher Relevanz in ihren Weblogs zu behandeln oder sich gar als professionelle Journalisten verstehen. Jedoch besteht eine breite Diskussion darüber, wie Weblogs den etablierten Journalismus und bestehende Öffentlichkeiten verändert.6 Festhalten lässt sich jetzt schon, dass zwischen Journalismus und Weblogs kein klarer Gegensatz besteht, der zu einer Ablösung des ersteren durch letzteren führen könnte, sondern sich vielmehr in den Praktiken Überlappungen feststellen lassen, die eher zu wechselseitigen Ergänzung journalistischer und weblogbasierter Öffentlichkeiten führen.7

Die vorliegende Arbeit versucht anhand kommunikationswissenschaftlicher Forschungsbeiträge der letzten Jahre der Frage nachzugehen, inwieweit die „Blogosphäre“ teilweise an die Stelle des Journalismus treten könnte und wie sich Journalismus und BürgerInnenjournalismus (d.h. Weblogs) ergänzt. Und außerdem stellt die vorliegende Arbeit die Frage, ob BürgerInnenjournalismus bzw. Bloggen als Profession oder als bloße Partizipation zu verstehen ist? Für ein grundlegendes Verständnis erklärt und stellt die vorliegende Arbeit die Begriffe Weblogs und Journalismus gegenüber. Die Kriterien, die auf professionellen Journalismus zutreffen, sollen im Anschluss auf Weblogs angewendet werden.

2. Was sind eigentlich Weblogs? Eine begriffliche Herausforderung

Immer öfter taucht im Zusammenhang mit Online Journalismus der Begriff „Weblog“ auf. Im Verlauf weniger Jahre konnten sich Blogs als Medienformat im Internet etablieren. Was bedeutet aber eigentlich jener schwer zu definierende Begriff?8 Weblog oder Blog9 meint im ursprünglichen Sinn ein Web-Log, das sich aus den Wörtern „Web“ für Internet und „Log“ für Logbuch zusammensetzt.10 Erstmals wurde der Begriff im Jahr 1997 von Jørn Barger für seine kommentierte Linksammlung „Robot Wisdom“ verwendet.11 Eine allgemeingültige Definition für das Phänomen (zuletzt aufgerufen am 29.12.2014 (11:08 Uhr)

„Weblog“ existiert bis heute nicht. Es existieren einfach zu viele unterschiedliche Blogs.12 Das Weblog ist ein Format, das wie andere Internetformate im Hinblick auf Identität und Qualität nur relativ vage bestimmt ist.

Der Grad der Konsentierung, Formalisierung und Normierung ist hier eher gering.13 In formaler Hinsicht gilt folgendes Kriterium für Blogs: chronologisches Posting, wobei der aktuellste Beitrag an oberster Stelle steht: „(...) frequently updates Web site, with posts arranged in reverse chronological order, so newest entries are always on top.“14 Matthias Armborst beschreibt Weblogs sehr allgemein als häufig aktualisierte Homepage.15 Laut Jan Schmidt handelt es bei Blogs um regelmäßig aktualisierte Webseiten, die bestimmte Inhalte (zumeist Texte beliebiger Länge, aber auch Bilder oder andere multimediale Inhalte) in umgekehrt chronologischer Reihenfolge darstellen. Die Beiträge sind einzeln über URLs adressierbar und bieten in der Regel die Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen.16 Dadurch sowie durch Verweise auf andere Weblogs, denen interessante Informationen entnommen wurden oder zu deren Autoren ein persönlicher Kontakt besteht, bilden sich Netzwerke17 von untereinander verbundenen Texten und Webseiten heraus.18 Neuberger definiert Weblogs folgendermaßen: „ Ein Weblog ist ein Angebot, in dem in regelma ß igen, meist kurzen Abstanden, Beitrage (Postings) eingestellt werden, die in chronologisch absteigender Form angeordnet sind. Die Nutzer eines Weblogs haben meist die Moglichkeit, Postings zu kommentieren. Weitere Merkmale sind in der Regel ‚ Permalinks ‘ uber die ein Beitrag verlinkt werden kann, sowie eine ‚ Blogroll ‘ , eine Spalte mit Links zu anderen Weblogs. “ 19 Auch auf der technischen Seiten von Blogs lässt sich keine einheitliche Linie feststellen: „ (...) einfache Publizieren, Kommentarfunktion, Trackback, Pings 20, RSS-Feeds sind die wesentlichsten Neuentwicklungen “ für Erik Möller.21 Festhalten lässt sich, dass das einzige und Medien, Graz 2005, S. 20.

Kriterium, dass auf alle möglichen Blogs zutrifft, darin besteht, dass Blogs chronologische Beiträge beinhalten, wobei der aktuellste Beitrag an oberster Stelle steht. In dieser Tatsache unterscheiden sich Blogs aber auch nicht von einigen anderen journalistischen Online-Medien22. Je nach Schärfe der Definition gilt schon die erste Seite im Netz als Weblog.23 Eine exakte wissenschaftliche Begriffsdefinition von „Weblogs“ bzw. Blogs ist allumfassend nicht möglich. Außerdem lässt sich festhalten, dass der Großteil der „Blogosphäre“ publizistische Laien sind, jedoch der Anteil derer mit journalistischer Vorerfahrung bei spezialisierten und vielgelesenen Weblogs auffällig hoch ist.24

3. Journalismus: eine „wahre“ Definition ist vergeblich und irreführend

Im 19. Jahrhundert hat sich der Journalismus von einer Nebentätigkeit politisch interessierter Bürger zu einem Ganztagsberuf mit einem klaren Profil entwickelt , das im 21. Jahrhundert durch die Aktivitäten von journalistischen Amateuren im Internet unschärfer geworden ist.25 Um Weblogs in Verbindung mit Journalismus zu bringen, muss die Frage beantwortet werden, was unter Journalismus verstanden wird. Allgemein wird damit die Tätigkeit von Personen bezeichnet, die man als Journalisten kategorisiert. Doch diese Definition ist irreführend, da Journalisten immer mehr im Rahmen ihrer Berufsausübung Aufgaben übernehmen, die eher der PR, dem Marketing oder der Werbung zuzuordnen sind.26 Wer als Journalist zählen soll, haben die Berufsvertreter selbst festgelegt. Der Deutsche Journalisten-Verband hat ein umfassendes Berufsbild ausgearbeitet und beschlossen, in dem sowohl das Gemeinsame als auch die vielen Facetten des Berufs beschrieben werden: „Journalistin / Journalist ist, wer (…) hauptberuflich an der der Erarbeitung bzw. Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Medien mittels Wort, Bild, Ton oder Kombinationen dieser Darstellungsmittel beteiligt ist (...).“27

[...]


1 „Mitmachnetz“ soll die passive und aktive Seite des Internet verdeutlichen. Der User kann sowohl Inhalte konsumieren, als auch produzieren. „Seit den 1990er Jahren wird der Siegeszug interaktiver Medien beschworen, die dem Publikum einen Feedback-Kanal ohne Medienwechsel und damit einen direkten und ungefilterten Zugang zu Journalisten ermöglicht. Beschränkte sich das bereits von Maletzke 1963 beschriebene „Bild vom Rezipienten beim Kommunikator“ früher auf Leserbriefe und Ergebnisse der Publikumsforschung, wurde nun die Emanzipation des vormals stummen und passiven Massenpublikums gefeiert.“ Dass nun aber im sog. ‚Social Web’ bzw. im ‚Web 2.0’ die Rezipienten nicht nur vereinzelt ihre Meinungen und Interessen gegenüber Journalisten äußern, sondern gleichsam ihr eigenes Programm veranstalten - und das im großen Stil - ist neu.“ Vgl. Schweiger, W., Quandt, T.: Einführung: Journalismus online - Partizipation oder Profession, in: Journalismus online - Partizipation oder Profession, Wiesbaden 2008, S. 11.

2 Was sich hinter dem Begriff „Weblog“ grundsätzlich verbirgt, erläutert die vorliegende Arbeit in einem eigenen Gliederungspunkt.

3 In diesem Zusammenhang muss man an die Erfolgsgeschichte „Wikipedia“ denken.

4 Vgl. Hooffacker, G. (Hg.): Wer macht die Medien - Back to the Roots of Journalism - Online- Journalismus zwischen Bürgerbeteiligung und Professionalisierung, München 2008, S. 7-8.

5 Unter www.initiative-qualitaet.de spricht sich die „Initiative Qualität im Journalismus“ des Deutschen Journalisten- Verbands unter anderem auch gegen Bürgerjournalismus, wie er in Weblogs betrieben wird, aus.

6 In diesem Zusammenhang ist immer wieder die Rede von „participatory journalism“, „grassroots journalism“ oder „mass amateurization of publishing“.

7 Schmidt, J.: Weblogs - Eine kommunikationssoziologische Studie, Konstanz 2006, S. 120.

8 Die ausführliche Geschichte des Begriffs „Weblogs“ kann bei Armbrost nachgelesen werden. Die vorliegende Arbeit möchte nur auf das grundlegende Problem der Begriffsdefinition von Weblogs aufmerksam machen. Siehe Armborst, M.: Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde: Was Journalisten über Weblogs und ihre Macher wissen sollten. Münster 2006, S. 9-12.

9 Die Kurzform „Blog“ hat sich mittlerweile im Alltagsgebrauch durchgesetzt.

10 Tremayne, M.: Blogging, Citizenschip and the Future of Media, New York 2007, S.7.

11 Zerfaß, A., Boelter, D.: Die neuen Meinungsmacher. Weblogs als Herausforderung für Kampagnen, Marketing, PR

12 Modeblogs, Lifestyleblogs, Reiseblogs, Litblogs, Watchblogs und viele mehr. Die Gemeinsamkeiten dieser Publikationsformen lassen sich kaum mehr feststellen.

13 verglichen mit den Formaten in Rundfunk und Presse) Brandl, A.: Webangebote und ihre Klassifikation. Typische Merkmale aus Experten- und Rezipientenperspektive. München 2002, S. 14-38.

14 Blood, R.: Weblogs and Journalism - Do they Connect? In: Nieman Reports Fall 2003, S. 61.

15 Armborst, M.: Kopfjäger im Internet oder publizistische Avantgarde?, S. 35.

16 Die Notwendigkeit einer Kommentarfunktion für die Klassifizierung als Blog wird im Alltag vorausgesetzt. Jedoch verzichten auch zahlreiche sogenannte A-Blogs auf die Möglichkeit des Kommentierens. Daher dient die Kommentarfunktion nur bedingt als Definitionskriterium für Blogs.

17 Die Gesamtheit aller Weblogs wird als „Blogosphäre“ bezeichnet.

18 Vgl. Schmidt, J.: Weblogs, S. 13.

19 Neuberger, C., Nuernbergk, C., Rischke, M.: Journalismus - neu vermessen: Die Grundgesamtheit journalistischer Internetangebote - Methode und Ergebnisse. In: C. Neuberger, C. Nuernbergk & M. Rischke (Hg.), Journalismus im Internet: Profession - Partizipation - Technisierung, Wiesbaden 2009, S. 205.

20 Pings und Trackbacks zeigen dem Leser eines Blog-Beitrages an, in welchen anderen Blogs auf den vorliegenden Beitrag Bezug genommen wird.

21 Möller, E.: Mediale Gegenöffentlichkeiten. Wie Weblogs, Wikis und freie Software neue Medienwelten erschließen. In: Netzwerk Recherche (Hg.): Online- Journalismus. Chancen, Risiken und Nebenwirkungen der Online-Kommunikation. Wiesbaden 2005, S. 28.

22 Man denke an Spiegel Online, www.sueddeutsche.de oder www.taz.de

23 Möller, E.: Mediale Gegenöffentlichkeiten, Wiesbaden 2005, S. 28.

24 Neuberger, C.: Formate der aktuellen Internetöffentlichkeit. Über das Verhältnis von Weblogs, Peer-to-Peer- Angeboten und Portalen zum Journalismus - Ergebnisse einer explorativen Anbieterbefragung. In: Medien und Kommunikationswissenschaft, 2005, S. 88.

25 Dieser zentralen Frage geht die vorliegenden Arbeit in einem weiteren Gliederungspunkt nach. Sind Blogger bzw.

BürgerInnen Journalisten eine Ergänzung zum „traditionellem“ Journalismus? Vgl. Kepplinger, H.: Journalismus als Beruf, Wiesbaden 2011, S. 7.

26 Weischenberg, S.: Journalismus in Deutschland 2005. Zentrale Befunde der aktuellen Repräsentativbefragung deutscher Journalisten. In: Media Perspektiven 7/2006, S. 346.

27 www.djv.de (zuletzt aufgerufen am 31.12.2014, 10:20 Uhr).

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656887850
ISBN (Buch)
9783656887867
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288436
Institution / Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt – Medien- und Kommunikationswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
weblogs journalismus konkurrenz ergänzung

Autor

Zurück

Titel: Weblogs und Journalismus. Konkurrenz oder sinnvolle Ergänzung?