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Vom literarischen zum filmischen Diskurs: Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" als Beispiel einer Neuschöpfung

Hausarbeit 2003 10 Seiten

Leseprobe

Gliederung

(1) Einleitung

(2) Die Entstehung von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“

(3) Von der literarischen Vorlage zur Verfilmung
(3.1) Adaption
(3.2) Transformation
(3.3) Neuschöpfung

(4) Szenenanalyse

(5) Fazit

(6) Literatur

(1) Einleitung

Kino besteht nicht einfach darin, bloß auf andere Art dasjenige zu sagen, was andere Künste schon haben sagen können, sondern mit seinen spezifischen Mitteln auch etwas Anderes zu sagen. Eric Rohmer[1]

Die vorliegende Hausarbeit ist im Anschluss an die Einführung in das Studium der neueren deutschen Literatur entstanden, in dessen Mittelpunkt sowohl der Roman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin als auch dessen Transformation in eigenständige akustische und visuelle Texte.

Am Beispiel der Fernsehserie „Berlin Alexanderplatz“ von Rainer Werner Fassbinder[2] möchte ich exemplarisch den Übergang vom literarischen zum filmischen Text darstellen, um in einem weiteren Schritt den Begriff „Literaturverfilmung“ zu diskutieren.

Beginnend mit einem Einblick in die Entstehungsgeschichte der Fernsehserie und der Arbeit Fassbinders soll dann kurz der Stand der Forschung dargestellt werden. In diesem Zusammenhang soll der Transformationsprozess erklärt werden.

Die konkrete Umsetzung des vorher erläuterten stelle ich dann anhand der Entlassungsszene aus Fassbinders Verfilmung in Form einer Szenenanalyse dar. Dabei ist näher auf die einzelnen bedeutungstragenden und bedeutungsschaffenden Ebenen einzugehen.

Die Hausarbeit endet dann mit dem Verzeichnis der verwendeten Literatur und einem Szenenprotokoll des verwendeten Filmausschnitts.

(2) Die Entstehung von Fassbinders „Berlin Alexanderplatz“

Rainer Werner Fassbinder (1945 – 1982) begann seine Karriere als Mitarbeiter am Büchner- Theater in München und beim Action Theater, von dem er sich 1968 abwandte und das Antitheater gründete. Seine Arbeit am Theater stellte er mit der Aufgabe der Intendanz im „Theater am Turm“ in Frankfurt am Main ein. Er arbeitete fortan als Filmregisseur und drehte in 13 Jahren über 40 Filme.

Sein internationaler Durchbruch gelang ihm 1978 mit „Die Ehe der Maria Braun“. Dieser Erfolg ermöglichte ihm die Erfüllung eines Traums:

[...] das Protokoll einer Beschäftigung mit dieser ganz speziellen Literatur [Döblins „Berlin Alexanderplatz“] mit meinen filmischen Mitteln letztlich wohl als Experiment zu wagen.[3]

Aufgrund seiner Erfolge begann er 1980 im Auftrag des WDR mit der Verfilmung von Döblins „Berlin Alexanderplatz“. Angelegt als Serie mit 13 Folgen und einem Epilog verschlang die Produktion 13 Mio. DM.[4] Dies entspricht einem Minutenpreis von ca. 13.500,- DM. Dies stellt für einen Fernsehfilm normale Kosten dar, allerdings war FBA aufgrund des Umfangs das bis dato größte Projekt des WDR. Wegen dieser Kosten und des damals gegebenen Anspruchs an das öffentlich- rechtliche Fernsehen war die Verfilmung umstritten, zumal sich die erwarteten Einschaltquoten nicht einstellten.[5] Auch die Interpretation durch Fassbinder blieb wegen der Differenzen zur Döblin- Forschung umstritten.[6] Daher ist im folgenden zu zeigen, wo der Wert der FBA zu suchen ist

(3) Von der literarischen Vorlage zur Verfilmung

In der Forschung sind zwei Positionen zur Bewertung der Adaption literarischer Vorlagen für Literaturverfilmungen vorzufinden. Nach Andreas Rost gibt es zum einen die „strukturelle Transformationsforderung“[7], deren Schwerpunkt auf dem narrativen der Verfilmung und dessen Handlungslogik liegt. Es sollen Äquivalenzen zwischen der literarischen Vorlage und der Verfilmung aufgedeckt werden. Damit soll der Forderung nach Werktreue genüge getan werden, um der Textintention des Autors folgen zu können.

Da diese Vorgehensweise dem Reichtum filmischer Gestaltungsmöglichkeiten keine Rechnung trägt, gibt es zum anderen die „essentielle Transformationsforderung“[8]. Diese sieht den Film als ein neues, eigenes Werk, der demzufolge einen eigenen Diskurs erfordert, da die Mittel der Literaturwissenschaft zur Erklärung nicht ausreichen.

[...]


[1] Nach Rost, S. 318.

[2] Im folgenden mit FBA abgekürzt.

[3] Fassbinder, S. 7.

[4] Vgl. www.3sat.de/specials/33603/HTML.

[5] Vgl. Rost, S. 326.

[6] Vgl. Sander, S. 246- 247.

[7] Vgl. Rost, S. 319.

[8] Ebd.

Details

Seiten
10
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638305129
DOI
10.3239/9783638305129
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2004 (September)
Note
2
Schlagworte
Diskurs Fassbinders Berlin Alexanderplatz Beispiel Neuschöpfung

Autor

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Titel: Vom literarischen zum filmischen Diskurs: Fassbinders "Berlin Alexanderplatz" als Beispiel einer Neuschöpfung