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Amerikanische Verhaltensweisen und deren Umsetzung im internationalen Gefüge unter dem Einfluss des globalen Terrorismus

Ist das Internationale System unipolar struktuiert?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 24 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel der Hausarbeit

2 Gründe für eine unipolare Weltordnung
2.1 Militärische Macht
2.2 Ökonomische Macht
2.3 „Weiche Macht“

3 Die Verhaltensabsichten der Vereinigen Staaten als Bestätigung der realistischen Sichtweise
3.1 Die nationale Sicherheitsstrategie der USA unter Präsident William J. Clinton (Clinton-Doktrin)
3.2 Die nationale Sicherheitsstrategie der USA unter Präsident George W. Bush (Bush-Doktrin)
3.3 Vergleich der Nationalen Sicherheitsstrategien

4 Erfolge des unilateralen Verhaltens der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus
4.1 Der Irak-Konflikt
4.1.1 Erfolgsanalyse amerikanischer Interventionen
4.1.2 Befriedung und Demokratisierung des Mittleren Ostens
4.2 Die Zerschlagung weltweit agierender terroristischer Organisationen
4.3 Die globale Bekämpfung der Ursache des Terrorismus
4.4 Zusammenfassung

5 Schlußwort

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Beendigung des Kalten Krieges in der letzten Hälfte des 20. Jahrhunderts stellte sich heraus, dass diese Ereignisse die gesamte Konfiguration des internationalen Systems veränderten. Seit dem Ende des Ost-West-Konflikts besteht in der wissenschaftlichen Diskussion eine weitgehende Einigkeit darüber, dass die bipolare Struktur des internationalen Systems nicht mehr existent ist. Wie sieht jedoch das neue System am Anfang des 21. Jahrhunderts aus? Hierüber herrscht im weiten Teilen Uneinigkeit, ob es einen Wandel hin zu einem unipolaren oder zu einem multipolaren System gegeben hat. Bei einer logischen Betrachtung könnte man annehmen, dass der Wandel zu einem unipolaren System geführt hat, gemäß der Rechnung zwei minus eins gleich eins, wobei die Vereinigten Staaten als einzige verbleibende Großmacht aus dem bipolaren System die hegemoniale Stellung übernommen haben.[1] Doch entspricht diese rein logische Betrachtung auch der Realität?

1.2 Ziel der Hausarbeit

Ziel dieser Hausarbeit ist es zu untersuchen, inwieweit das internationale System unipolar strukturiert ist und ob die Vereinigten Staaten darin als Hegemon bezeichnet werden können. Hierzu werden im zweiten Kapital Gründe herausgearbeitet, die das derzeitige System als ein unipolar-strukturiertes System erscheinen lassen, in welchem die USA die zentrale, hegemoniale Stellung im Weltgefüge einnimmt. Als systemtheoretische Grundlage für diese Behauptung dient der (Neo-) Realismus.

Im dritten Abschnitt wird untersucht, ob das Verhalten der USA die (neo-)realistische Sichtweiße bestätigt, d.h. ob ein kontinuierliches, unilaterales Verhaltensmuster in der amerikanischen Sicherheits- und Außenpolitik existiert oder ob eine Diskrepanz zwischen dem außenpolitischen und sicherheitspolitischen Verhalten des vermeintlichen Hegemons und den (neo-) realistischen Annahmen besteht.

Der tatsächliche Erfolg des amerikanischen Verhaltens wird im vierten Kapitel analysiert. Hierbei wird der Erfolg unter zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet. Zum einen wird er anhand der Interessen untersucht, die die Vereinigten Staaten entweder in internationalen Regimen oder außerhalb von internationalen Regimen durchsetzen konnten. Zum anderen wird herausgearbeitet, ob die USA bei der realen Umsetzung ihrer Ziele erfolgreich war. Beide Gesichtspunkte werden unter der Betrachtung des Irak-Konfliktes im Jahr 2003 und des Krieges gegen den internationalen Terrorismus heraus gearbeitet.

Im letzten Abschnitt wird zusammenfassend betrachtet, ob tatsächlich eine Verifizierung der Annahme, das internationale System sei unipolar strukturiert und die Vereinigten Staaten hätten eine hegemoniale Stellung inne, erfolgen kann.

2 Gründe für eine unipolare Weltordnung

Durch den Zerfall der Sowjetunion wurde der Ost-West-Konflikt beendet. Die Vereinigten Staaten gingen als Sieger zwischen den beiden Großmächten des Kalten Krieges hervor. Seit dem herrscht eine rege öffentliche und wissenschaftliche Diskussion darüber, ob die USA, als einzige signifikante Weltmacht, in dem neuen Weltgefüge eine hegemoniale Stellung eingenommen haben oder ob sie lediglich eine Großmacht unter „several major powers of comparable strength“[2] darstellen. Im Folgenden werden die Argumente beschrieben, welche das momentane internationale System aus realistischer Sicht als unipolar erscheinen lassen.

2.1 Militärische Macht

Aus realistischer Sicht ist es das zentrale Ziel eines Staates seine Macht zu erhalten und zu vergrößern.[3] Um die Stellung des Hegemons einnehmen zu können, muss er also u.a. eine militärische Vormachtstellung im internationalen Gefüge inne haben. Die Vereinigten Staaten dominieren deutlich die militärischen Belange im internationalen Gefüge. So lagen die weltweiten Militärausgaben im Jahr 2002 bei circa 900 Milliarden US Dollar, wobei die USA einen Anteil an diesen Militärausgaben von nahezu 40 Prozent hatten.[4] Für das Jahr 2004 bewilligte der amerikanische Kongress einen Verteidigungshaushalt von 400 Milliarden US Dollar. Seit dem Ende des Kalten Krieges wurde ein solch hoher Etat nicht mehr vergeben.[5] Damit wuchsen die Verteidigungsausgaben zwei Jahre in Folge um jeweils über 10 Prozent.

Die militärische Dominanz der USA zeigt sich weiterhin darin, dass sie zwei Drittel der weltweiten Forschungsgelder für militärische Entwicklungen aufgewendet hat und einen enormen technologischen Vorsprung gegenüber den anderen Staaten besitzt. Zum anderen sind amerikanische Streitkräfte weltweit permanent präsent. Die USA arbeitet unter der Prämisse, dass sie gleichzeitig in der Lage sein muss, zwei Kriege in verschiedenen Regionen der Welt zu führen und zu gewinnen. Dies ist ihr insbesondere möglich, da das militärische Gegengewicht der Sowjetunion weggefallen ist.[6] Damit besitzt sie eine einmalige militärische Vormachtstellung.

2.2 Ökonomische Macht

Neben der militärischen Vormachtstellung muss aus realistischer Sicht der Hegemon eine führende ökonomische Macht besitzen, damit sich das internationale System als unipolar darstellt. In der Weltwirtschaft besitzen die Vereinigten Staaten eine herausragende Position. Ausdruck findet diese Vormachtstellung der USA insbesondere dadurch, dass sie ein Drittel des Weltsozialproduktes erwirtschaftet und somit die größte Einzelwirtschaft der Welt darstellt.[7] Zugleich ist sie der weltweit größte Importeur und Exporteur kommerzieller Güter.[8]

Weiterhin ist festzustellen, dass die Vereinigten Staaten auch innerhalb internationaler Wirtschaftsregime eine führende Position inne haben. So besitzen die USA in der WTO einen Stimmenanteil von sechszehn Prozent und verfügen quasi über ein Vetorecht, um Vorschläge zu blockieren[9]. Innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) bestehen ähnliche Stimmenverhältnisse.[10] Aus (neo-)realistischer Sicht ist es nicht verwunderlich, dass die Vereinigten Staaten eine führende Position innerhalb des IWF und der WTO inne haben. Denn unter dieser Betrachtung ist die Entstehung der beiden internationalen Regime nur auf den Willen des Hegemons zurückzuführen. Nur durch seine Macht und sein Befürworten wurden demnach diese Organisationen gegründet. Man spricht daher auch von einer „hegemonial induzierten Kooperation“.[11] Aus realistischer Sicht ist diese starke wirtschaftliche Stellung der USA ein weiteres Indiz für die unipolare Struktur des internationalen Gefüges.

Es wurde deutlich, dass unter (neo-)realistischer Betrachtung die Vereinigten Staaten die führende Position im internationalen System inne haben. Es gibt keine vergleichbare Macht, die ein solches militärisches, technologisches und wirtschaftliches Potential besitzt wie die Vereinigten Staaten. Zusätzlich zur rein (neo-)realistischen Betrachtung, die ausschließlich „hard powers“ zur Analyse hinzuzieht, soll im Kapitel 2.3. kurz auf die Faktoren der „weichen Macht“[12] eingegangen werden.

2.3 „Weiche Macht“

Neben der realistischen Argumentation existieren noch verschiedene andere Gründe, warum die Vereinigten Staaten als Hegemon angesehen werden können. Als Erstes ist die günstige geologische Lage zu nennen, die es ihnen erlaubte „sich frei und kontinuierlich zu einer Weltmacht zu entwickeln“.[13] Denn im Gegensatz zu den europäischen Großmächten des vergangenen Jahrhunderts, bestand für die USA keine unmittelbare Gefahr an ihren Grenzen, da sie durch den atlantischen Ozean geologisch weitgehend isoliert war. Zweitens wurde die amerikanische Kultur, „the american way of life“, nach dem zweiten Weltkrieg sehr stark in den europäischen Raum expandiert. Diese Entwicklung verstärkte sich nach dem Zerfall der sowjetischen Macht. Weiterhin ist die „jahrhundertealte Erfahrung in weltweiter Diplomatie“ heraus zu stellen, die die USA zur Weltmacht befähigt.[14] Die Vereinigten Staaten nehmen auch in der „soft power“-Dimension demnach eine herausragende Stellung ein.

Zusammenfassend ist daher zu sagen, dass die USA sowohl in der „hard power“-Dimension als auch in der „soft power“-Dimension die führende Position im Weltgefüge inne haben.[15]

3 Die Verhaltensabsichten der Vereinigen Staaten als Bestätigung der realistischen Sichtweise

Im voran gegangenen Kapitel wurde deutlich, dass aus realistischer Sichtweise das internationale System unipolar strukturiert ist und in diesem unipolaren System die USA den Hegemon darstellt. Interessant ist nun zu hinterfragen, ob eine Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Verhaltensabsichten der USA und der theoretisch-realistischen Sichtweiße existiert, dass heißt ob die Vereinigten Staaten ein hegemoniales, unilaterales Verhalten auch wirklich anstreben. Diese Analyse erfolgt anhand eines Vergleiches der „National Security Strategy“ (NSS) des Präsidenten William J. Clinton von 1995 und der „National Security Strategy“ des Präsidenten George W. Bush von 2002.

3.1 Die nationale Sicherheitsstrategie der USA unter Präsident William J. Clinton (Clinton-Doktrin)

Es ist festzustellen, dass sich die Vereinigten Staaten auch nach dem Ende des Ost-West Konflikts in einem Sicherheitsdilemma befinden. Anstelle der alten sowjetischen Gefahr stehen nun neue Gefahren, wie zum Beispiel der Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Clinton stellt fest, dass diese neuen Gefahren die Welt in einen chaotischeren Zustand versetzen als die alten Gefahren zuvor.[16] Um ihnen entgegen zu wirken, wird zwar eine größere Kooperation unter den Nationen sowie die Etablierung von internationalen Institutionen angestrebt, parallel hierzu wird jedoch unmißverständlich festgestellt, dass die amerikanische Führung für die Welt enorm wichtig ist. „American leadership in the world has never been more important, for the simple truth about this new world“.[17] Der Führungsanspruch und dessen starke Bedeutung für die Welt wird regelmäßig durch die einzigartige Stärke des amerikanischen Militärs und der amerikanischen Ökonomie begründet.

Aus dem Bewußtsein der militärischen und ökonomischen Stärke Amerikas wird ein Verhaltenskatalog in der NSS erstellt.[18] Die Entscheidung, ob und in welchem Umfang die amerikanischen Streitkräfte eingesetzt werden und vor allem ob vor einer Intervention eine Absprache mit ihren Verbündeten erfolgt, ist demnach von der Bedeutung der jeweiligen Interessen abhängig. Hierbei wird in drei verschiedene Interessenskategorien unterschieden.

[...]


[1] Vgl. Wolforth, William C. 1999: The Stability of a Unipolar World, in: International Security 24: 1, S. 10

[2] Vgl. Huntigton, Samuel P. 1999: The Lonely Superpower, in: Foreign Affairs 78: 2, S. 35-49

[3] Vgl. Schieder, Siegfried / Spindler, Manuela 2003: Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen, S. 46

[4] Vgl. Internationales Konversionszentrum Bonn (BICC) 2003: Conversion Survey 2003, unter: http://www.cic-bonn.org/berichte/bicc2003.html, abgerufen am: 01.03.2004

[5] Vgl. www.netzeitung.de/ausland/240505.html, abgerufen am 01.03.2004

[6] Vgl. Kagan, Robert 2003: Macht und Ohnmacht. Amerika und Europa in der neuen Weltordnung, Berlin, S. 31-32

[7] Vgl. Schubert/Klein 2001: Das Politiklexikon, Bonn, unter: www.bpb.de/popup_lemmata.html?guid=RCGNS8, abgerufen am: 02.03.2004

[8] Vgl. International trade statistics 2003, unter: www.wto.org/english/res_e/statis_e/its2003_e/its03_toc_e.htm, abgerufen am: 02.03.2004

[9] Vgl. Erklärung von Bern. Neues Selbstbewusstsein der Entwicklungsländer nach dem Scheitern von Cancún, unter: www.evb.ch/index.cfm?page_id=2531&archive=none, abgerufen am: 02.03.2004

[10] Vgl. Stimmenverteilung im IWF, unter: www.kulturkritik.net/Statistik/stimmenrechte_iwf.html, abgerufen am: 02.03.2004

[11] „In diesem Fall zwingt ein besonders mächtiger Hegemon andere Staaten zur funktionalen Differenzierung, um die gemeinsame Wohlfahrt zu steigern. Dabei übernimmt der Hegemon einen Großteil der Kosten sowie Schutzfunktionen für die an der Kooperation beteiligten Staaten und bietet ihnen damit Anreize, sich auf die Kooperation einzulassen (in diesem Sinne könnte beispielsweise die Rolle der USA bei der Errichtung der Weltwirtschaftsordnung der Nachkriegszeit, i.e. des GATT, IWF usw. gesehen werden)“., Vgl. Schieder, Siegfried / Spindler, Manuela (Hrsg.) 2003: S. 73

[12] Vgl. Kubbig, Bernd W. / Dembinski, Matthias / Kelle, Alexander 2000: Unilateralismus als alleinige außenpolitische Strategie?, Farnkfurt

[13] Vgl. Hacke, Christian 2002: Zur Weltmacht verdammt, München, S. 616

[14] Vgl. eben genannten

[15] „the United States leads ist competitors by a wide margin in overall military capabilities and the ability to project ist forces globally.[...] It also remains the world´s dominant power economicallyIst corporations remain at the cutting edge of nearly every military and consumer technology. The large size of ist domestic market, ist generous resources endowments, and ist „soft“ power attributes, such as ist ideological and cultural appeal and language, assure that no other power is currently in a position to rival the United States.“ Vg. Kapstein, Ethan B / Mastandumo, Michael 1999: Unipolar Politics. Realism and State Strategies After the Cold War, New York

[16] Vgl. Seal of the President of the Unites States 1995: A National Security Strategy of Engagement and Enlargement, S. 1

[17] Vgl. eben genannten., S. 1 f.

[18] „Deciding when and how to employ U.S. Forces“, Vgl. .eben genannten, S. 12

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638305143
ISBN (Buch)
9783638650014
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v28847
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Politikwissenschaften
Note
2
Schlagworte
Internationale System Eine Analyse Beispiel Verhaltensweisen Gefüge Umsetzung Einfluss Terrorismus Weltpolitik

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