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Mediation an Schulen. Kommunikationsmodelle, Konflikte und Konfliktlösung

Hausarbeit 2015 20 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Ausgangslage, Zielsetzung, und Motivation der Arbeit
1.1. Ausgangslage
1.2. Zielsetzung
1.3. Motivation

2. Kommunikationsmodelle
2.1 Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun
2.2 Transaktionsanalyse nach Eric Berne
2.3. Transaktionen

3. Konflikte
3.1 Konflikte an Schulen
3.1.1 Konfliktreaktionen (Abwehrmechanismen)
3.1.2 Aggression
3.1.3 Verdrängung - unbewusste Aufgabe des Ziels/ Interesse
3.1.4 Rationalisierung (Abwertung)
3.1.5 Verschiebung
3.1.6 Sublimierung

4. Konfliktlösung
4.1 Klassische Mediationstechnik
4.1.1 Aktives Zuhören
4.1.2. Spiegeln
4.1.3. Zuhören
4.1.4. Nachfragen
4.1.5 Zusammenfassen
4.2 Mediation an der Schule

5. Fazit

6. Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Ausgangslage, Zielsetzung, und Motivation der Arbeit

1.1. Ausgangslage

Kommunikation ist integraler Bestandteil jeglichen Zusammenlebens. Kommunikationsmodelle untersuchen hauptsächlich Kommunikationsstrukturen und schlussfolgern auf die Ursachen von Konflikten. Da Konflikte häufig als Kampfsituationen wahrgenommen werden, entfaltet sich leicht eine innere Konfliktdynamik, die eine friedliche, konstruktive und gewaltfreie Regelung nicht mehr möglich macht. Dabei ist es die Einstellung, dass der eigene Gewinn nur durch den Verlust des Gegners zu erzielen sei.[1] Im sozialen Zusammenleben, insbesondere in der Arbeitswelt und in der Schule wird ein Hauptaugenmerk auf die Suche nach Lösungsstrategien gelegt.

1.2. Zielsetzung

Hauptziel dieser Hausarbeit ist es, beginnend mit der Grundlagenerarbeitung anhand von Kommunikationsmodellen nach Schulz von Thun und Berne, Ursachen von Konflikten auf der Kommunikationsebene aufzuzeigen. Weiterführend werden spezielle Konfliktursachen an Schulen aufgezeigt. Automatismen der Psyche, bei der Konfliktbewältigung, sogenannte Abwehrmechanismen, werden beschrieben. Mögliche Konfliktlösungsansätze, wie Mediationsverfahren und deren Durchführung werden ausführlich erläutert. Bei der Mediation wird besonderer Wert auf die Vorgehensweise im Schulalltag gelegt.

1.3. Motivation

Als praktizierender Heilpraktiker für Psychotherapie und Lehrkraft an einer beruflichen Ergänzungsschule hat der Verfasser selbst Erfahrung und Interesse an der Thematik dieser Arbeit. Die Affinität zu Vorgängen der menschlichen Psyche und die abgeschlossene Mediatorenausbildung bestärken zusätzlich das Vorhaben. Letztendlich stellen auch der Abbau von Vorurteilen gegenüber dem Thema „Konflikte“, die Sammlung von Kenntnissen und die Erarbeitung innovativer Ansätze einen Ansporn für die Erstellung dieser Arbeit dar.

2. Kommunikationsmodelle

2.1 Kommunikationsquadrat von Friedemann Schulz von Thun

Das Kommunikationsquadrat ist das bekannteste Modell von Friedemann Schulz von Thun und inzwischen auch über die Grenzen Deutschlands hinaus verbreitet. Bekannt wurde dieses Modell auch als “Vier-Ohren-Modell” oder “Nachrichtenquadrat”. Menschliche Kommunikation basiert auf nach Schulz von Thun auf einen Vierfachphänomen. Jede getroffene Äußerung enthält vier Botschaften (Informationen) gleichzeitig. Die Sachinformation gibt an, worüber die Kommunikation stattfindet. Gleichwohl wird die persönliche Stellung des Kommunizierenden seinem Gegenüber in Form des Beziehungshinweises erkennbar. Abschließend enthält jede Kommunikation auch einen Apell, der zum Ausdruck gibt, welches Ziel mit der getroffenen Aussage verfolgt wird.[2]

Ausgehend von dieser Erkenntnis hat Schulz von Thun 1981 die vier Seiten einer Äußerung als Quadrat dargestellt (Abb. 1). Die Äußerung entstammt dabei den “vier Schnäbeln” des Senders und trifft auf die “vier Ohren” des Empfängers. Sowohl Sender als auch Empfänger sind für die Qualität der Kommunikation verantwortlich, wobei die unmissverständliche Kommunikation der Idealfall ist und nicht die Regel.[3]

Abbildung 1: Kommunikationsquadrat

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Betrachtung der Kommunikation steht die Sachinformation im Vordergrund. Hauptaugenmerk sind Daten, Fakten und Sachverhalte. Dabei gelten drei Kriterien: wahr oder unwahr (zutreffend/nicht zutreffend) relevant oder irrelevant (sind die aufgeführten Sachverhalte für das anstehende Thema von Belang/nicht von Belang?) hinlänglich oder unzureichend (sind die angeführten Sachhinweise für das Thema ausreichend, oder muss vieles andere zusätzlich bedacht werden?)[4]

Die Herausforderung für den Sender besteht auf der Sachebene darin, die Sachverhalte klar und verständlich auszudrücken. Der Empfänger kann auf dem Sachohr entsprechend der drei Kriterien reagieren. Im Grundsatz gilt, dass jede Äußerung, gewollt oder unfreiwillig, eine Information der Persönlichkeit – der Gefühle, Werte, Eigenarten und Bedürfnisse des Senders. Dies kann explizit (“Ich-Botschaft”) oder implizit geschehen. Während der Sender mit dem Selbstkundgabe-Schnabel implizit oder explizit, bewusst oder unbewusst, Informationen über sich preis gibt, nimmt der Empfänger diese mit dem Selbstkundgabe-Ohr auf: Was ist das für einer? Wie ist er gestimmt? Was ist mit ihm?[5]

Auf der Beziehungsseite gebe lässt sich erkennen, wie der Sender zum Anderen steht und was er von dessen Person. Diese Beziehungshinweise werden durch Formulierung, Tonfall, Mimik und Gestik vermittelt. Der Sender transportiert diese Hinweise implizit oder explizit. Der Empfänger fühlt sich durch die auf dem Beziehungsohr eingehenden Informationen wertgeschätzt oder abgelehnt, missachtet oder geachtet, respektiert oder gedemütigt.[6]

Die Einflussnahme auf den Empfänger geschieht auf der Appellseite. Wenn jemand das Wort ergreift, möchte er in aller Regel etwas erreichen. Er äußert Wünsche, Appelle, Ratschläge oder Handlungsanweisungen. Die Appelle werden offen oder verdeckt gesandt. Mit dem Appell-Ohr fragt sich der Empfänger: Was soll ich jetzt (nicht) machen, denken oder fühlen?[7]

2.2 Transaktionsanalyse nach Eric Berne

Die Transaktionsanalyse (TA) wurde Mitte der fünfziger Jahre in den USA von dem Wissenschaftler Eric Berne (1910-1970) entwickelt. Ziel dieser Vorgehensweise war ein Verfahren, mit dessen Hilfe Konflikte schnell und pragmatisch gelöst werden können. Die Grundannahme bei der TA ist, dass Berater und Klient gemeinsam ein Ziel bestimmen, für dessen Erreichen sie gemeinsam verantwortlich sind. Entscheidend für den Erfolg ist die Voraussetzung, dass die Methoden der TA offenliegen und es keine Geheimsprache, kein Geheimwissen gibt, alles muss auch für Laien verständlich sein. Die Methoden und Konzepte der TA sind immer noch sehr populär in zahlreichen Coaching-Situationen: in Beratung, Seelsorge, Erziehung, Erwachsenenbildung und Organisationsentwicklung.[8]

Als Grundlage für die Transaktionsanalyse dient das Ich-Zustands-Modell. Jeder Mensch trägt verschiedene Verhaltensmuster in sich. Diese differenzierten Verhaltensmöglichkeiten und ihre jeweiligen Gefühle, Gedanken und Aktionen wurden nach Berne nach dem Kriterium, verhalten wir uns gerade kindhaft, erwachsen oder elternhaft, zugeordnet. Ein solches Verhaltenspaket mit seinen dazugehörigen Gedanken, Gefühlen und Aktionen nannte er Ich-Zustand. (Abb. 2).[9]

Abbildung 2: ICH Zustände

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Transaktionen

Transaktionen im Sinne der TA sind alle sichtbaren Zeichen sozialen Austausches. Sie bestehen aus verbalen und nonverbalen Anteilen. Die Auswertung dieser Transaktionen gibt Hinweise auf die Energiebesetzung der Ich-Zustände. Aus einem bestimmten Ich-Zustand heraus wird eine Transaktion ausgesendet, die darauf ausgerichtet ist, von einem bestimmten Ich-Zustand der anderen Person aufgenommen zu werden. Transaktionsarten werden unterschieden, abhängig, ob die Reaktion vom erwarteten Ich-Zustand zurückgeht oder nicht.[10]

Transaktionen sind komplementär, wenn der Empfänger aus dem Ich-Zustand heraus reagiert, den der Absender „anvisiert“ hat – die Transaktionen verlaufen parallel, unkompliziert und sind von unbegrenzter Dauer.[11] Abbildung 3: Komplementär

Wenn die Zielperson nicht aus demselben Ich-Zustand heraus antwortet, in dem sie „angesprochen“ wurde, spricht man von einer gekreuzten Transaktion. Die ergebnisorientierte Kommunikation wird durch eine gekreuzte Transaktion unterbrochen.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Komplementär

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Kreuzkommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: verdeckte Transaktion

Bei verdeckten Transaktionen sind meist mehrere Ich-Zustände von zwei Menschen involviert. Es wird eine Botschaft offen, die andere verdeckt gesendet. Die offene Botschaft stellt den Inhaltsaspekt dar, die verdeckte den Beziehungsaspekt der Mitteilung. Die Kommunikation wird eher von der verdeckten Botschaft bestimmt, als von der offenen.[13] Abbildung 5: verdeckte Transaktion

3. Konflikte

Konflikte sind Bestandteil unserer Gesellschaft. Sie gehören zur menschlichen Existenz und sie sind alltäglich. Gegensätze kennzeichnen die Natur und sind integraler Bestandteil unserer natürlichen und der sozialen Welt. Zumal in einer Welt unterschiedlichster Bedürfnisse der Menschen, überwältigender, aber unvollkommener Informationen, knapper Ressourcen und komplexer flexibler Arbeitsorganisationen sind Konflikte etwas völlig Normales. Versucht man den Begriff Konflikt jedoch eindeutig zu definieren ist durch die multidisziplinäre und theorieübergreifende Konfliktforschung in verschiedene wissenschaftliche Disziplinen (Politikwissenschaften, Soziologie, Psychologie, ...) keine einheitliche Definition des Konfliktbegriffs auszumachen.

In der Psychologie, aber auch in den Sozialwissenschaften allgemein, spricht von einem Konflikt dann, wenn zwei Elemente gleichzeitig gegensätzlich oder unvereinbar sind.[14] Ein Konflikt kann sich auf eine einzelne Personen beschränken (intrapersonell), aber auch mehrere Menschen (interpersonell) oder ganze Organisationssystem (organisatorische) umfassen. Konflikte sind Störungen, die den Handlungsablauf unterbrechen und belastend wirken. Konflikte haben die Tendenz zu eskalieren, d.h., sie weiten sich aus und nehmen an Intensität zu. Konflikte werden als Störung des "normalen" Lebens empfunden und halten von einem gewohnten Handlungsablauf ab.

3.1 Konflikte an Schulen

Auch in der Schule sind Motive und Interessen der Beteiligten differenziert zu betrachten. Zwischen Lehrer und Schülern, deren Familien, aber auch im Umgang mit der Schulleitung, der Schulbehörde so- wie unter den Lehrern besteht ein reichhaltiges Konfliktpotential.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Konflikte in Schulen

3.1.1 Konfliktreaktionen (Abwehrmechanismen)

Bei einer Niederlage im Sozialkonflikt oder bei Zweifeln an der Entscheidung im Motivkonflikt kommt es zu einer Frustration durch die verhinderte Bedürfnisbefriedigung. Diese führ dazu, dass das Selbstwertgefühl (Ego) leidet.

Menschen streben in dieser Situation nach einer Steigerung des Selbstwertgefühls. Dieses Verhalten mit dem Konflikt umzugehen wird durch verschiedene Verhaltens- weisen (Abwehrmechanismen)[15] erreicht. Diese werden von der Psyche gesteuert und laufen zum Teil unbewusst ab. Nachstehend ist eine Auswahl der wichtigsten Strategien beschrieben.

[...]


[1] Glasel, F. (2011) Konfliktmanagement. Diagnose und Behandlung von Konflikten in Organisationen (Organisationsentwicklung in der Praxis, Band 2). 10. Auflage. Bern

[2] Schulz von Thun, F. (1989). Miteinander Reden 1. Störungen und Klärungen – Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Hamburg. S. 23-81.

[3] Ebd.

[4] Vgl. Faller, H. & Lang, H. (2006). Medizinische Psychologie und Soziologie (2. Aufl.) Berlin.S. 164-166, 169-171).

[5] Vgl. Schulz von Thun, F. (1989). Miteinander Reden 1. Störungen und Klärungen – Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Hamburg. S. 23-81.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Berne, E. (2005). Transaktionsanalyse der Intuition. Ein Beitrag zur Ich-Psychologie. Paderborn

[9] Vgl. Hennig, G., Pelz, G. (2007): Transaktionsanalyse. Lehrbuch für Therapie und Beratung. Paderborn

[10] Bandler, R. (2007). Veränderung des subjektiven Erlebens. Fortgeschrittene Methoden des NLP. Paderborn

[11] Schlegel, L. (1995). Die Transaktionale Analyse. Stuttgart

[12] Ebd.

[13] Ebd.

[14] Vgl. Galtung, J. (1982). Strukturelle Gewalt. Beiträge zur Friedens- und Konfliktforschung. Reinbek bei Hamburg. S.235.

[15] Vgl. Freud, S. (1894).Die Abwehr-Neuropsychosen, Versuch einer psychologischen Theorie. In: Gesammelte Werke, Band I.

Zusammenfassung

Kommunikation ist integraler Bestandteil jeglichen Zusammenlebens. Kommunikationsmodelle untersuchen hauptsächlich Kommunikationsstrukturen und schlussfolgern auf die Ursachen von Konflikten. Da Konflikte häufig als Kampfsituationen wahrgenommen werden, entfaltet sich leicht eine innere Konfliktdynamik, die eine friedliche, konstruktive und gewaltfreie Regelung nicht mehr möglich macht. Dabei ist es die Einstellung, dass der eigene Gewinn nur durch den Verlust des Gegners zu erzielen sei. Im sozialen Zusammenleben, insbesondere in der Arbeitswelt und in der Schule wird ein Hauptaugenmerk auf die Suche nach Lösungsstrategien gelegt.

Hauptziel dieser Hausarbeit ist es, beginnend mit der Grundlagenerarbeitung anhand von Kommunikationsmodellen nach Schulz von Thun und Berne, Ursachen von Konflikten auf der Kommunikationsebene aufzuzeigen. Weiterführend werden spezielle Konfliktursachen an Schulen aufgezeigt. Automatismen der Psyche, bei der Konfliktbewältigung, sogenannte Abwehrmechanismen, werden beschrieben. Mögliche Konfliktlösungsansätze, wie Mediationsverfahren und deren Durchführung werden ausführlich erläutert. Bei der Mediation wird besonderer Wert auf die Vorgehensweise im Schulalltag gelegt.

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656891208
ISBN (Buch)
9783656891215
Dateigröße
866 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Rehabilitationswissenschaften
Erscheinungsdatum
2015 (Februar)
Schlagworte
mediation schulen kommunikationsmodelle konflikte konfliktlösung

Autor

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Titel: Mediation an Schulen. Kommunikationsmodelle, Konflikte und Konfliktlösung