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Die Grundlagen von Wikis. Funktionsweisen, Normen sowie Stärken und Schwächen

Akademische Arbeit 2007 30 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

1 Grundlagen Wikis
1.1 Definition Wikis
1.2 Geschichte der Wikis
1.3 Charakteristische Funktionen der Wikis
1.3.1 Berarbeitungsmodus
1.3.2 Einfache Verlinkung
1.3.3 Versionsverwaltung
1.3.4 Weitere typische Funktionen
1.4 Technische Funktionsweise
1.5 Soziale Normen in Wikis
1.6 Stärken und Schwächen von Wikis
1.6.1 Stärken
1.6.2 Schwächen

2. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1 Grundlagen Wikis

Die vorliegende Arbeit führt in die Grundlagen von Wikis ein und bildet damit die Basis für weitere Betrachtungen. So soll eine Definition und ein Überblick über die Geschichte von Wikis gegeben werden. Außerdem werden die charakteristischen Funktionen von Wikis sowie deren technische Funktionsweisen und Normen berücksichtigt. Abschließend sollen die Stärken und Schwächen von Wikis gegenübergestellt werden.

1.1 Definition Wikis

Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich bei Wikis um Seitensammlungen im World Wide Web, die von jedem Besucher im Web-Browser bearbeitet werden können. Seiten und ihre Inhalte können neu erstellt, editiert, gelöscht und miteinander verknüpft werden. [LeCu01, S. 14]

Wikis entstanden 1995 als Werkzeug zur Unterstützung von Wissensmanagement, Kooperation und Informationsaustausch über das Internet. Ihr Erfinder Ward Cunningham gab ihnen den Namen WikiWikiWeb. Heute wird Software, die wie das WikiWikiWeb funktioniert, meist kurz "Wiki" genannt. "Wiki" kommt aus dem Hawaiianischen und bedeutet „schnell“. Diese Bezeichnung ist treffend, denn ein Wiki ist einfach und schnell zu bedienen. Die in der Wiki-Terminologie als Topic bezeichneten Seiten eines Wikis lassen sich auf einfache Weise miteinander verknüpfen [TWiki06ag]. Auf Freigabeprozesse wie sie von Content Management Systemen bekannt sind wird dabei bewusst verzichtet. [LeCu01, S. 15]

Wikis sind ein wichtiges Beispiel für Soziale Software. Der Begriff "Soziale Software" fasst Systeme zusammen, die die Kommunikation, Gruppeninteraktion und Zusammenarbeit über soziale Netzwerke unterstützen. Soziale Software unterstützt Menschen sowohl bei der leichten und schnellen Produktion von Inhalten als auch bei ihrem Konsum. Neben Wikis sind unter anderem auch Blogs, Chatrooms und E-Mails dieser Kategorie zuzuordnen. [Gure05]

1.2 Geschichte der Wikis

Das erste Wiki war das Portland Pattern Repository (PPR). 1994 hatte der amerikanische Programmierer Ward Cunningham nach einer effizienten Möglichkeit gesucht, zusammen mit anderen Entwicklern aus aller Welt eine Wissenssammlung und Plattform zum Austausch über Design Patterns, also Software-Entwurfsmuster aufzubauen. Seine Idee war „the simplest online database that could possibly work [1] [LeCu01, S. 15].

Leuf/Cunningham geben für das 1995 als Wissensmanagement-Tool [Wikip06b] in Betrieb genommene Wiki im Jahr 2001 einen Umfang von 13.000 Seiten und ein monatliches Wachstum von etwa 500 Seiten an. In 2006 umfasst das Wiki etwa 32.000 Seiten [PPP06a]. Heute finden sich neben Informationen zu Menschen, Projekten und Softwaremustern [PPP05, PPP06b] auch solche über Wikis selbst. [LeCu01, S.15]

Im Hinblick auf gesellschaftliche Normen und Organisationsformen für Wiki-Communities wurde in diesem ersten wiki-basierten Projekt Pionierarbeit geleistet [Lang05, S.199, PPP06c, PPP06d]. Hier entwickelten sich die ersten gesellschaftlichen Normen und Organisationsformen für Wiki-Communities, die für den Erfolg der in Wikis vollzogenen Selbstorganisationsprozessen wichtig sind[2] [PPP06g].

Durch den Erfolg des Portland Pattern Repository nahmen Bekanntheitsgrad und Beliebtheit der Wikis innerhalb der Entwicklergemeinden zu. Wikis wurden von ihnen als Plattformen genutzt, auf denen Ideen entwickelt und formuliert sowie Informationen geteilt wurden. Im Rahmen dieser ersten Projekte wurde offensichtlich, dass der Erfolg eines Wikis stark vom Zustand der Community, der es dienen soll, abhängt. Das Wiki einer inaktiven Interessengruppe weist zwangsläufig viele unvollständige Seiten und nicht mehr aktuelle Informationen auf. [Klob06, S. 15]

Im Laufe der Zeit führt das Verlangen nach neuen Funktionalitäten zur Entwicklung weiterer Wiki-Klone. Sie wurden zum großen Teil direkt oder indirekt über Zwischenstufen aus Cunninghams „Ur-Wiki“ entwickelt und standen und stehen selbst wieder als freie Software zum Download bereit. Für die Installation, Pflege und Erweiterung dieser frühen Wikis war ein ausgeprägtes technisches Verständnis jedoch Grundvoraussetzung. Die Editier-Funktionalitäten und die Wiki-Syntax[3] waren im Vergleich zu heute rudimentär und setzten, waren Hyperlinks und erweiterte Formatierungen gewünscht, die Kenntnis von Markup-Sprachen wie HTML voraus. Aus diesen Gründen wurden Wikis bis vor einigen Jahren nur von technikaffinen Communities eingesetzt. [Klob06, S. 15]

Im Jahr 2000 gründete Sunir Shah MeatballWiki [Meat06a], dessen Fokus thematisch zunächst auf den gesellschaftlichen Hyptertextmedien wie Wikis lag, mittlerweile von der Community auch für andere Themen genutzt wird. Aufgrund seiner Funktion als "Community über Communities" nahmen viele andere Wiki-Projekte von hier aus ihren Anfang [Wiki06k]. [Klob06, S. 15]

Ein wichtiger Meilenstein für die Bedeutung der Wikis war die Gründung der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia durch Jimmy Wales und Larry Sanger im Januar 2001. Die Wikipedia ging aus der im Jahr zuvor von Wales und Sanger gegründeten Nupedia [Nupe03] hervor und nutzt als Plattform den Wiki-Klon MediaWiki [Mede06]. Zwar war Nupedia ebenfalls eine freie und öffentliche Online-Enzyklopädie, ihr Konzept unterschied sich jedoch grundlegend von dem der Wikipedia. So wurden Artikel von einem kleinen Kreis von Fachautoren verfasst und vor ihrer Veröffentlichung einer genauen Prüfung unterzogen. Das Konzept rigoroser Kontrolle durch qualifizierte Experten [Möll05, S. 174] sollte Artikel von hoher Qualität garantieren. Qualitativ hochwertig waren die Artikel. Langwierige Diskussionen hemmten jedoch die Freigabe und die Erstellung neuer Inhalte [Fieb05, S. 22] und so produzierte Nupedia in den drei Jahren seiner Existenz lediglich dreißig Artikel [Möll05, S. 174]. Wikipedia hingegen übertraf alle Erwartungen. Bereits einen Monat nach Start des Projektes umfasste die englischsprachige Wikipedia etwa 1000 Seiten [Fieb05, S. 23]. Im Mai 2001 wurden verschiedene nicht-englischsprachige Wikis gegründet, unter anderem auch die deutsche Wikipedia[Fieb05, S. 23]. Heute ist Wikipedia mit Abstand das größte und erfolgreichste Wiki-Projekt. Alleine die englischsprachige Wikipedia zählt im Januar 2007 1.568.057 Artikel [Wiki06l], die deutsche Wikipedia immerhin 522.857 Artikel (vergleiche Tabelle 1).

Im Laufe der Jahre wurden viele Wikis entwickelt, deren Benutzerfreundlichkeit im Vergleich zu den ersten Wikis verbessert ist und setzen die technische Hemmschwelle zur Teilnahme an Wiki-Projekten weit herunter. Viele Wikis ermöglichen mittlerweile auf einfache Weise das Editieren und Formatieren ohne Kenntnis von Markup-Sprachen wie HTML. Ermöglicht hat das die Weiterentwicklung der Wiki-Syntax in MediaWiki und anderen Wiki-Klonen: durch einfache und für den Benutzer leicht verständliche Formatierungsanweisungen in der Wiki-Syntax wird der Wiki-Software die gewünschte Formatierung mitgeteilt[4].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Wikipedia-Statistik, Stand: Januar 2007[5]

Quellen: [Wiki06l], Wiki06n

Während Wikipedia andere Enzyklopädien in Bezug auf Anzahl, Umfang und Aktualität der Artikel schlägt [Möll05, S. 183], steht sie auch im Hinblick auf qualitative Aspekte nur gering hinter kostenpflichtigen Angeboten zurück. Im Dezember 2005 veröffentlicht die wissenschaftliche Fachzeitschrift Nature die Ergebnisse einer Untersuchung, in der sie die Qualität der Wikipedia-Artikel unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen mit den entsprechenden Artikeln der renommierten Encyclopaedia Britannica verglich und zu dem Ergebnis kam, dass die Encyclopaedia Britannica der Wikipedia hinsichtlich der Korrektheit und Genauigkeit der Artikel kaum überlegen ist. Kritisiert wurden jedoch der sprachliche Stil und der Aufbau der Artikel [Gile05, Lehn05]. Die Ergebnisse dieser Studie und anderer ähnlicher Studien sind für die Wikipedia auf der einen, aber auch für Wikis als Werkzeug für Online-Kollaboration und selbstorganisierende Gemeinschaften auf der anderen Seite als großer Erfolg zu werten, bescheinigen sie doch das Funktionieren des Wiki-Prinzips.

Im Hinblick auf Aktualität [Möll05, S. 185] und Geschwindigkeit, mit der in der offenen Online-Enzyklopädie Wikipedia Vandalismus beseitigt wird, ist das Wikipedia-Projekt besonders erfolgreich. Das IBM-Forschungsprojekt „History Flow“ kam zu dem Ergebnis, dass Vandalismus in Wikipedia-Artikeln gewöhnlich so schnell repariert wird, dass die meisten Nutzer die Auswirkungen nie sehen werden [Ibm03]. Schütt spricht davon, dass Korrekturen durchschnittlich in weniger als drei Minuten geschehen [Schü05, S. 16].

Aufgrund ihrer zahlreichen Benutzer kommen bei der Wikipedia das Viele-Augen-Prinzip in Verbindung mit dem Wiki-Prinzip der Offenheit zu tragen. Jeder Leser einer Seite wird durch die Verwendung des Wiki-Klons MediaWiki in die Lage versetzt, Artikel zu korrigieren und zu erweitern. Verschiedene Funktionalitäten der Wiki-Software MediaWiki wie zum Beispiel Beobachtungslisten, Diskussionsseiten und dynamische Reports dienen dabei als hilfreiche Werkzeuge.

Zeitgleich zu der positiven Entwicklung, die Wikipedia und MediaWiki widerfuhr, entwickelten sich auch andere Wiki-Klone weiter. Neue Software wurde geschrieben und vorhandene verbessert und erweitert. Während die Benutzersicht durch einfachere Wiki-Syntax starke Vereinfachung erfuhr, nahmen auch die zur Installation vieler Wikis notwenigen Vorkenntnisse ab. [Klob06, S. 16]

Es waren also zwei Entwicklungen, die den Erfolg der Wikis maßgeblich beeinflussten: Die Enzyklopädie Wikipedia verhalf den Wikis zu einem höheren Bekanntheitsgrad. Zwar mag nicht jedem Besucher der Begriff „Wiki“ oder „WikiWikiWeb“ geläufig sein, aber Internetnutzer, die Wikipedia kennen, können auch den Editieren-Link in anderen Wikis besser einordnen. Der zweite Beitrag zur Publikumstauglichkeit der Wikis war die Vereinfachung der Wikis auf Benutzer- und Administratoren-Seite.

Viele Communities setzen mittlerweile erfolgreich Wikis ein. Aber auch Unternehmen wissen die Vorteile von Wikis vermehrt zu schätzen und nutzen sie beispielsweise als Ersatz für statische Intranets, für das Wissensmanagement, als Werkzeug für das Dokumentenmanagement oder als Ersatz für teure Groupware-Lösungen.

Aus diesem Grund haben sich einige kommerzielle Anbieter darauf spezialisiert, diesen Markt zu bedienen und Wikis zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnitten sind. Bekannte Namen im kommerziellen Wiki-Umfeld sind Socialtext[6] und Confluence[7] [Klob06, S. 16]. Jotspot [8] bot bis Oktober 2006 kostenpflichtige vorgefertigte Wiki-Anwendungen an, wurde dann jedoch von Google [9] übernommen. Zum jetzigen Zeitpunkt bietet Jotspot seine Leistungen vorhandenen Kunden kostenlos an, weitere Anmeldungen sind derzeit jedoch nicht möglich. [Jots06]

Doch auch der Open-Source-Gemeinschaft sind die Möglichkeiten, die Wikis den Unternehmen eröffnen und die daraus abgeleiteten Bedürfnisse nicht verschlossen geblieben. Ein prominentes Beispiel für ein auf den Einsatz in Unternehmen zugeschnittenes, frei und quelloffen verfügbares Wiki ist das TWiki.

1.3 Charakteristische Funktionen der Wikis

Die Wiki-Idee von Ward Cunningham wurde im Laufe von vielen Programmierern aufgegriffen und so existieren heute zahlreiche verschiedene Wiki-Klone[10]. Diese unterscheiden sich hinsichtlich ihres Funktionsumfangs, haben jedoch einige wichtige Funktionen gemeinsam. Sie ermöglichen die einfache und schnelle Zusammenarbeit verschiedener Nutzer, die elegante Verknüpfung der Topics untereinander sowie ein Mindestmaß an Sicherheit für die Inhalte durch eine Versionierung aller Wiki-Topics. [GlEb05]

1.3.1 Berarbeitungsmodus

Ein wesentliches Ziel von Wikis ist die einfache Bearbeitungsmöglichkeit von Inhalten. Unerlässliches Merkmal aller Wikis ist daher der "Editieren"-Link oder - Button, der auf allen zum Editieren freigegebenen Wiki-Topics [EbGH05, S. 19], zu finden ist. Er führt zu einem HTML-Formular, mittels dessen der Besucher die Inhalte des Topics editieren kann. Häufig steht eine Wiki-eigene Syntax (Wikitext, Wiki-Syntax oder Wiki-Markup) zur Verfügung, deren Anspruch es ist, schneller erlernbar und einfacher verwendbar als HTML zu sein. Je nach eingesetzter Software und Einstellungen kann auch HTML zur Formatierung verwendet werden[11]. [GlEb05]

Die Wiki-Syntax kann je nach Engine variieren, da es noch keinen allgemein akzeptierten Standard gibt [Wiki06o]. Die Inhalte der Wiki-Seiten werden von der Wiki-Software in der Wiki-Syntax verwaltet und erst zur Laufzeit, d.h. wenn die Seite dargestellt wird, in HTML übersetzt [EbGh05, S. 15]. Aus diesem Grund erschwert das Fehlen eines Standards die Migration von Inhalten in andere Wikis [Völk06, S. 2].

Die verschiedenen Varianten der Wiki-Syntax stammen zumeist von Ward Cunninghams WikiWikiWeb ab, so dass sie sich ähnlich sind und zumindest den Benutzern keine großen Schwierigkeiten bereiten[Lang05, S.50].

Es gibt Bestrebungen, einen gemeinsamen Standard zu erarbeiten [vergleiche z.B. MeatoJa], aber ebenso Stimmen gegen eine Standardisierung [MeatoJb].

Die unten stehenden Tabellen zeigen einige Beispiele der in TWiki verwendeten Wiki-Syntax. Es werden die Wiki-Syntax, der daraus von der Wiki-Software erzeugte HTML-Code sowie die Darstellung im Browser dargestellt.

[...]


[1] Die einfachste Datenbank, die möglicherweise funktionieren könnte.

[2] Siehe Kapitel 1.5

[3] Die Wiki-Syntax ist eine in Wikis zur Verfügung stehende einfache Methode zur Formatierung von Texten.

[4] Beispiele hierzu zeigt Kapitel 1.3.1.

[5] Diese Zahl schließt auch Seiten ein, die keine Artikel sind. Beispiele hierfür sind Spezialseiten mit u.a. administrativen Funktionen, Diskussionsseiten, Umleitungen und Seiten mit Bildbeschreibungen.

[6] http://www.socialtext.com/

[7] http://www.atlassian.com/software/confluence/

[8] http://www.jot.com/

[9] http://www.google.de

[10] In der Wiki-Terminologie handelt es sich bei Klonen um eine Bezeichnung für Programme, die das das Prinzip des ersten von Ward Cunningham entwickelten Wikis angelehnt sind [EbGH05, S. 392].

[11] Beim kooperativen Arbeiten sollte auf die Verwendung von HTML verzichtet werden, um den Quelltext übersichtlicher und (auch für andere) leichter bearbeitbar zu machen [EbGH05, S. 203].

Details

Seiten
30
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656888628
ISBN (Buch)
9783656906001
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288706
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
grundlagen wikis funktionsweisen normen stärken schwächen

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Titel: Die Grundlagen von Wikis. Funktionsweisen, Normen sowie Stärken und Schwächen