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Die leibliche Auferstehung Jesu

Wirklichkeit und Bedeutung für den christlichen Glauben

Studienarbeit 2015 20 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. EINLEITUNG

2. DIE AUFERSTEHUNG - EINE TATSACHE?!
2.1 Kritik an der historischen, leiblichen Auferstehung Jesu
2.1.1 Die Theorie von der Ohnmacht
2.1.2 Die Theorie vom Diebstahl
2.1.3 Die Theorie vom falschen Grab
2.1.4 Die Auferstehung ins Kerygma
2.2 Das Zeugnis der Schrift
2.2.1 Einige Erwägungen zu 1. Korinther 15,1-28
2.2.2 Ergebnisse zum Schriftbefund

3. DIE AUFERSTEHUNG - HOFFNUNG FÜR DIE GLÄUBIGEN!
3.1 Gegenwärtige Auswirkungen der Auferstehung
3.2 Eschatologische Auswirkungen der Auferstehung

4. FAZIT

5. BIBLIOGRAPHIE

1. EINLEITUNG

Die Wirklichkeit der leiblichen Auferstehung Jesu bildet eine zentrale Frage im christli- chen Glauben. Dieser und somit auch die ganze biblische Lehre steht und fällt damit, ob das Ereignis der Auferstehung glaubhaft ist.1 Schon Paulus bringt dies zum Ausdruck, wenn er in 1. Korinther 15,14 schreibt: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ Von der Beantwortung der existentiellen Frage nach der Wirklichkeit der leiblichen Auferstehung hängt ab, was der Trost im Leben und Sterben der Christen ist und ob dieser Trost begründet, oder nur eine ohnmächtige Vertröstung ist.2

Die Frage nach der Wirklichkeit dieses Ereignisses scheidet die Geister. Inner- halb der Theologie gibt es viele unterschiedliche Meinungen dazu. In der vorliegenden Arbeit will der Autor zunächst aufzeigen, wieso man in der christlichen Theologie von der historischen Wirklichkeit der leiblichen Auferstehung Jesu ausgehen kann.3 In der Folge davon soll aufgezeigt werden, welche dogmatische und eschatologische Bedeu- tung die Auferstehung Jesu für die Gläubigen hat. Am Schluss kommt der Autor zu ei- nem persönlichen Fazit. Als Grundlage der Arbeit steht das Wort Gottes, das von Gott inspiriert und unfehlbar und ist.4

Der Autor will mit dieser Arbeit bezwecken, dass die Leser einen vertieften Glauben an die leibliche Auferstehung Jesu und somit einen vertieften Glauben an Jesus Christus selbst gewinnen. Sie sollen sehen, welche Brisanz dieses Thema für das christliche Dogma hat. Außerdem sollen die Leser mit, in die Auferstehungshoffnung der Gläubigen, hineingenommen werden.

2. DIE AUFERSTEHUNG - EINE TATSACHE?!

Der deutsche Schriftsteller Heinrich Böll stellte in einem Fernsehinterview die Frage, ob er, wenn er bei der Auferstehung Jesu dabei gewesen wäre, diese fotografieren hätte können.5 Hinter der Frage steht letztlich das ernstzunehmende Anliegen, etwas über die Wirklichkeit der Auferstehung zu erfahren. Dieses Anliegen ist aber keineswegs ein Anliegen der Neuzeit, sondern beschäftigte schon die Schreiber der Bibel. Neben den vier Tatsachenberichten der Evangelisten setzt Paulus in seinen Briefen, besonders aber im 1. Korinther 15, die leibliche Auferstehung Jesu als Grundlage für die Erlösung und die zukünftige Hoffnung der Menschheit voraus.

2.1 Kritik an der historischen, leiblichen Auferstehung Jesu

Auch wenn es nicht das Ziel dieser Arbeit ist Kritik der leiblichen Auferstehung Jesu zu üben, so muss doch kurz auf die Argumente der Kritiker eingegangen werden. Die historisch-kritische Forschung stellt insbesondere die neutestamentlichen Quelltexte Infrage. Es wird von Missverständnissen, Fehlern und Täuschungen in den Quellen aus- gegangen. Jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Zeitzeugen, die die Be- richte schrieben, im Vorfeld mit großer Sorgfalt recherchiert haben (Lk 1,3).6 Außer- dem sind die Quelltexte, auch wenn es heute keinen Urtext mehr gibt, so gesichert, dass es angebracht ist, den vorhandenen Quellen Vertrauen zu schenken.7 Bereits die Methode und Vorgehensweise der betriebenen Kritik an der Aufer- stehung kann hinterfragt werden, da sie versucht, das übernatürliche Ereignis der Aufer- stehung, logisch zu erklären. Die Auferstehung wirkt Unwahrscheinlich, weil sie Un- gewöhnlich ist. Nur das soll angeblich Tatsache sein, was wissenschaftlich erklärt werden kann.8

Weil die Auferstehung jedoch so außergewöhnlich und unwahrscheinlich erscheint, wurden im Laufe der Zeit verschiedene Theorien aufgestellt, die die leibliche Auferstehung Jesu zu widerlegen versuchen.

2.1.1 Die Theorie von der Ohnmacht

Jesus sei gar nicht am Kreuz gestorben, sondern nur ohnmächtig geworden. Er wurde lebendig ins Grab gelegt, sodass ihn die kühle Luft des Grabes wiederbelebte.9

2.1.2 Die Theorie vom Diebstahl

Die Jünger Jesu hätten seinen Leib bei Nacht aus dem Grab geholt. Diese Theorie wurde bereits von den Hohepriestern und Ältesten zur Zeit Jesu aufgestellt (Mt 28,11-15) und hat bis heute seine Vertreter gefunden.10

2.1.3 Die Theorie vom falschen Grab

Die Frauen hätten sich geirrt und seinen so am Sonntagmorgen zum falschen Grab gekommen. Ein junger Mann sagte ihnen dass Jesus nicht hier ist und wollte sie zum anderen Grab führen. Die Frauen waren jedoch so erschrocken dass sie flohen.11

2.1.4 Die Auferstehung ins Kerygma

Die wohl radikalste und zugleich am weitesten verbreitete Theorie geht davon aus, dass die Erscheinungen, von denen in der Bibel berichtet wird, lediglich Sinnestäuschungen waren. Weil man Wunder in der Bibel nicht als solche anerkennen wollte, legte Strauß bereits 1835 die Wurzel für diese Annahme.12 Durch Bultmann und Lüdemann wurde, besonders im letzten halben Jahrhundert leibliche Auferstehung als reiner Mythos abge- tan.13 So Lüdemann: „… konkret gesprochen war das Grab nicht leer, sondern voll […] und der Leichnam Jesu ist jedenfalls nicht entwichen, sondern verwest.“14 Die Erscheinungen Jesu bei den Frauen, den Jüngern, den 500 Männern, Jakobus und allen Aposteln gleiche der Erscheinung des Saulus auf dem Weg nach Damaskus (Apg 9,3-9).15 Am Beispiel des Petrus komme zum Ausdruck, wie ihn die Dramatik der Karfreitags - und Verleugnungssituation niederdrückte. An Ostern dann sei ihm in seiner deprimierten Situation das Vergebungswort Jesu neu begegnet und habe ihn froh gemacht. Jesus ist ihm „erschienen“. Diese Erscheinung sei ebenso wenig leiblich zu verstehen, wie die bei Paulus. Den anderen Jüngern ging es ähnlich.

Aufgrund dieser Erscheinungen sei die Auferstehung Jesu verkündigt worden. Jesus sei also ins Kerygma, bzw. in die Verkündigung hinein auferstanden.16

2.2 Das Zeugnis der Schrift

Bereits im AT wird die leibliche Auferstehung des Messias vorhergesagt (z.B. Ps 2,7; 16,10; Jes 53,10b).17

Jesus selbst weist in seinen Reden immer wieder deutlich auf seine Auferstehung hin: In den Leidensankündigungen (Mt 16,21; Mt 17,23; Mt 20,19), im Gleichnis vom Tempel des Leibes Christi (Joh 2,18ff), am Zeichen des Propheten Jona (Mt 12,38ff), auf dem Rückweg vom Berg der Verklärung (Mt 17,9; Mk 9,9) und in der Ankündigung der Verleugnung durch Petrus (Mt 26,31; Mk 14,28).18

In allen vier Evangelien sind Tatsachenberichte von der Auferstehung Jesu zu finden (Mt 28,1-7; Mk 16,1-8; Lk 24,1-12; Joh 20,1-10), wobei jeder Evangelist einen andern Schwerpunkt setzt und somit seinem Bericht eine etwas andere Note verleiht. Die scheinbaren Widersprüche der verschiedenen Berichte sind von der Freiheit der Schreiber herzuleiten, die damit bestimmte Schwerpunkte ins Blickfeld rücken und so- mit zusammen eine Gesamtschau des Ereignisses bilden.19 Dies macht die Auferstehung insofern glaubhaft, als sie nicht nur die Idee oder Einbildung eines Evangelisten war und von anderen einfach übernommen wurde. So kommt Thiede zu dem Schluss: „Dass sich die Evangelien in Nuancen unterscheiden ist also eines der stärksten Argumente für die Historizität des Geschehens, das den Berichten zu Grunde liegt.“20 Dies gilt auch für die verschiedenen, sich ergänzenden Begegnungen des Auferstandenen mit seinen Jün- gern (Mt 28,9-10.16-20; Mk 16,9.12.14-19; Lk 24,13-31.36-51; Joh 20,14-17.19-23.26- 29; 21,1-22; Apg 1,4-9). Wright zeigt auf, dass für die frühe Kirche das leere Grab am dritten Tag nach seiner Hinrichtung und seine Erscheinungen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten bei seinen Nachfolgern und Nichtnachfolgern überzeugend ge- nug war, dass Jesus weder ein Gespenst noch eine Halluzination war, sondern wahrhaf- tig und körperlich von den Toten auferstanden ist.21

In den Briefen des NT ist die Auferstehung Jesu die Grundlage der gesamten Lehre und findet immer wieder ihre Erwähnung (z.B. Röm 4,24; 5,10; 6,4; 8,11; 10,9; 14,9; 1Kor 6,14; 2Kor 4,10; 5,15; Gal 1,1; Eph 1,20; 2,6; Kol 2,12; 3,1; 1Thess 1,10; 2Tim 2,8; 1Petr 1,3.21).22

[...]


1 Vgl. Wilbur Moorehaed Smith, Therefore Stand (Grand Rapids: Kregel Publications, 1981), 385. Karl Barth weist darauf hin, dass der Tod und die Auferstehung von Jesus das Zentrum desselben und somit der christlichen Lehre sind. Das Zeugnis der Apostel und Evangelisten weist von allen Seiten, sichtbar und unsichtbar, auf dieses Zentrum hin. Karl Barth, Credo: die Hauptprobleme der Dogmatik, dargestellt im Anschluß an das Apostolische Glaubensbekenntnis (München: Christian Kaiser Verlag, 1936), 75.

2 Hans-Christian Kammler, „Die Wirklichkeit und Bedeutung der Auferstehung Jesu,“ Theologische Beiträge 6:11 (2011): 283-296, 283.

3 Da eine vertiefte Betrachtung aller Bibelstellen über die Auferstehung den Rahmen dieser Ar- beit sprengen würde, werden die exegetischen Überlegungen auf die zentrale Stelle in 1. Korinther 15,1- 28 beschränkt.

4 Weiterführend zur Unfehlbarkeit und Inspiration der Bibel: Helge Stadelmann, Evangelikales Schriftverständnis: Die Bibel verstehen - Der Bibel vertrauen (Hammerbrü>

5 Heinzpeter Hempelmann, Die Auferstehung Jesu Christi - eine historische Tatsache?: Argumente für den Osterglauben (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 1982), 11.

6 Einiges weist darauf hin, dass es in der frühen Christenheit noch weitaus mehr Berichte über die Auferstehung Jesu im Umlauf waren, als diese, die im NT schriftlich festgehalten wurden. Hinweise dazu liefern der Prolog des Lukasevangeliums (Lk 1-3), der Prolog der Apostelgeschichte (Apg 1,3) und die Hinweise von Johannes, nach denen Jesus noch viele Zeichen tat vor seiner Himmelfahrt (Joh 20,30; 21,25). Edmund Schlink, Ökumenische Dogmatik, 2.Auflage (Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1985), 355; im Folgenden zitiert als: Schlink, Dogmatik.

7 Vgl. Donald A. Carson und Douglas J. Moo, Einleitung in das neue Testament (Gießen: Brunnen Verlag, 2010), 22-31. Weiterführend zur Quellenlage des NT: Gerhard Hörster, Theologie des neuen Testaments (Wuppertal: R. Brockhaus Verlag, 2004), 31-32.

8 Hans-Joachim Eckstein, Zur Wiederentdeckung der Hoffnung (Holzgerlingen: SCM Hänssler, 2002), 87-88; im Folgenden zitiert als: Eckstein, Hoffnung.

9 Josh Mc Dowell, Die Fakten des Glaubens (Holzgelingen: Hänssler Verlag, 2003), 434. 10 Ebd., 442.

11 Kirsopp Lake, The Historical Evidence for the Resurrection of Jesus Christ (London: Williams & Norgate, 1907), 250.

12 Alister McGrath, Der Weg der christlichen Theologie, 2.Auflage (Gießen: Brunnen Verlag, 1997), 386. Vgl. David Friedrich Strauß, Das Leben Jesu: kritisch bearbeitet, Band 2 (Tübingen: C.F. Osiander, 1835), 689.

13 Jürgen-Burkhard Klautke, „Die Wahrhaftigkeit der Auferstehung Christi,“ Erneuerung und Abwehr 4:2 (2006): 7-19, 10.

14 Gerd Lüdemann, Auferstehung Jesu (Stuttgart: Radius Verlag, 1994),198; im Folgenden zi- tiert als: Lüdemann, Auferstehung. Lüdemann geht sogar so weit, dass er in Betracht zieht, der Leib Jesu sei nie vom Kreuz genommen, sondern dort von den Geiern und Schakalen vom Kreuzesbalken gefressen worden. Gerd Lüdemann, „Der auferstandene Christus: Die Leiche im Keller der Kirche,“ in Die Aufer- stehung Jesu - Fiktion oder Wirklichkeit?, Hg. Carsten Peter Thiede und Gerd Lüdemann (Basel: Brunnen Verlag, 2001), 78.

15 Lüdemann, Auferstehung, 111-114.

16 Heinz-Werner Neudorfer, „Auferstehung,“ GBL, 138-141, 140; im Folgenden zitiert als: Neudorfer, Auferstehung.

17 Dass die Psalm 2,7 nicht die Zeugung durch Maria, sondern die Auferstehung Jesu meint, kommt in der Missionspredigt des Apostel Paulus in Apostelgeschichte 13, 32-33 zum Ausdruck. Erich Mauerhofer, Biblische Dogmatik (Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2011), 512; im Folgenden zitiert als: Mauerhofer, Dogmatik.

18 Ebd., 513-514.

19 Nicholas Thomas Wright, Die Auferstehung des Sohnes Gottes (Marburg an der Lahn: Francke-Buchhandlung, 2014), 821; im Folgenden zitiert als: Wright, Auferstehung. Die Thematik wirft die Frage des synoptischen Problems auf. Tatsache ist jedoch, dass neben den Nuancen die sich unter- scheiden die größten Teile übereinstimmen, was die Zeugen, die in den Evangelien berichten glaubhaft macht. Die vier Zeugnisse ergänzen sich und eine Gesamtschau ist durch das Studium aller vier Evangeli- en möglich. Eta Linnemann, Gibt es ein synoptisches Problem?, 4.Auflage (Nürnberg: Verlag für Theo- logie und Religionswissenschaft, 1999), 177-179. Die synoptische Frage soll in dieser Arbeit jedoch Randthema bleiben und kann in folgender Literatur weiter vertieft werden: Erich Mauerhofer, Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments, 3.Auflage (Nürnberg: Verlag für Theologie und Religionswissen- schaft, 2004), 174-210.

20 Carsten Peter Thiede, „Die Auferstehung ist eine historische Tatsache,“ in Die Auferstehung Jesu - Fiktion oder Wirklichkeit?, Hg. Carsten Peter Thiede und Gerd Lüdemann (Basel: Brunnen Verlag, 2001), 22; in Folgenden zitiert als: Thiede, Auferstehung als Tatsache.

21 Wright, Auferstehung, 824.

22 Allein durch die Fülle an Stellen, wird deutlich, wie elementar dieses Ereignis für das christliche Dogma ist. Die Stellenangaben beanspruchen keine Vollständigkeit.

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656891420
ISBN (Buch)
9783656891437
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288923
Note
83% B
Schlagworte
Auferstehung Jesu Jesus Christus Christologie Wirklichkeit der Auferstehung Auferstehung der Toten Korinther 1. Korinther 15

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Titel: Die leibliche Auferstehung Jesu