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Anwendungsbereiche von »Therapeutic Touch« im klinischen Bereich. Übersicht und Effektivität der Methode

Akademische Arbeit 2013 63 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Anwendungsbereiche von »Therapeutic Touch« im klinischen Bereich
1.1 Anwendung von »Therapeutic Touch« im Palliativbereich
1.2 Anwendung von »Therapeutic Touch« im chirurgischen Bereich
1.3 »Therapeutic Touch« im Bereich von Verbrennungsstationen bzw. Verbrennungskliniken
1.4 »Therapeutic Touch« im diagnostischen Bereich
1.5 »Therapeutic Touch« im Bereich der Neonatologie
1.6 »Therapeutic Touch« als Anwendung im psychiatrischen Bereich

2. Effektivität von »Therapeutic Touch« innerhalb der klinischen Bereiche
2.1 Reduzierung von akuten und chronischen Schmerzen
2.2 Reduzierung von Angst
2.3 Verbesserung des Wohlbefindens
2.4 Effektivität und Sicherheit von »Therapeutic Touch« anhand der Messung von Vitalwerten wie Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Körpertemperatur
2.5 Beschleunigung der Wundheilung

3. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

4. Anhang (Tabellen)

1. Anwendungsbereiche von »Therapeutic Touch« im klinischen Bereich

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Anwendungsbereichen von »Therapeutic Touch« in unterschiedlichen klinischen Bereichen und geht hierbei jeweils auf die Effektivität der Methode ein Aufgrund der Literaturrecherche konnten die folgenden Anwendungsgebiete von »Therapeutic Touch« im klinischen Bereich identifiziert werden: Palliativmedizin (Aghabati, Mohammadi & Esmaiel 2008; Giasson & Bouchard 1998), im Bereich der Chirurgie (McCormack 2009; Heidt 1981a; Quinn 1984, 1989a; Smith, Reeder, Daniel, Baramee & Hagman 2003; Zare, Shahsavari & Moeini 2010), auf Verbrennungsstationen bzw. in Verbrennungskliniken (Busch et al., 2012; Turner, Clark, Gauthier & Williams 1998), im diagnostischen Bereich (Smith Frank et al., 2007), in der Neonatologie (Whitley & Rich 2008) und im psychiatrischen Bereich (Larden, Palmer & Janssen 2004).

Eine detaillierte Darstellung der klinischen Anwendungsbereiche von »Therapeutic Touch« findet sich zudem in Tabelle 1 im Anhang der Arbeit. In diesem Kapitel wird auf das Studiendesign und die Anwendungsbereiche eingegangen, die Ergebnisse werden gesondert bezogen auf die jeweiligen Anwendungsbereiche zusammenfassend in Kapitel 2 dargestellt.

1.1 Anwendung von »Therapeutic Touch« im Palliativbereich

Die von Aghabati, Mohammadi & Esmaiel (2008) durchgeführte klinische Interventionsstudie hatte zum Ziel, die Effektivität von »Therapeutic Touch« hinsichtlich Schmerz und Müdigkeit bei Patienten zu messen, die sich einer Chemotherapie unterziehen und an den Nebenwirkungen dieser leiden. Die 90 Studienteilnehmer wurden von drei sogenannten >Special Care Units< ausgewählt und zufällig einer von drei Gruppen zugeteilt - jeweils 30 Patienten der Interventionsgruppe, der Placebogruppe oder der Kontrollgruppe. Als Einschlusskriterien der Studie galten: Die Patienten haben die Diagnose eines Karzinoms, sind bei normalem Bewusstsein, zwischen 15 und 65 Jahre alt und werden sich aufgrund der Chemotherapie mindestens fünf Tage in stationärer Behandlung befinden. Ausgeschlossen wurden die Patienten, die bereits an einer Erkrankung litten, die zu Schmerzen führt, wie bspw. einer rheumatoiden Arthritis oder einem Osteosarkom. Die TT-Behandlung dauerte pro Patient insgesamt einmal täglich 30 Minuten und wurde während des fünftägigen stationären Aufenthaltes an jedem Tag zwischen 10.00h und 10.30h durchgeführt. Da bis zu dem Zeitpunkt der Durchführung der Studie nach Angaben der Autoren keine Forschung zur klaren Empfehlung der Länge der TT-Behandlung stattgefunden hatte, wurde diese nach Absprache mit dem TT-Spezialisten, begründet mit seiner Expertise bezüglich Karzinompatienten, festgelegt. Berücksichtigt wurde zudem der psychologische und physische Zustand der Teilnehmer. Die TT-Intervention bestand aus der Zentrierung, der Beurteilung, der Anwendung von »Therapeutic Touch«. Diese umschließt das Lenken und Modulieren menschlicher Energien und der Veränderung der Muster im menschlichen Energiefeld, der Wiederbeurteilung des Energiefeldes des Patienten und die wiederholte Anwendung von »Therapeutic Touch«, wenn dies angezeigt war. Die Placebo-Intervention bestand ausschließlich in der Nachahmung der therapeutischen Behandlung. Die Kontrollgruppe erhielt nur die routinemäßige Versorgung der Station. Aufgrund des kulturellen Kontextes wurden nur weibliche Teilnehmer ausgewählt, da es sich beim TT- Therapeuten um eine Frau handelte (Aghabati, Mohammadi & Esmaiel 2008, S. 375-381).

Giasson & Bouchard (1998) untersuchten in ihrer klinischen Studie die Effektivität von »Therapeutic Touch« bei Krebspatienten im Terminalstadium, die überwiegend an einem Lungenkarzinom litten. Dabei wurde »Therapeutic Touch« ohne direkte Berührung des Patienten durchgeführt. Von den insgesamt 20 Studienteilnehmern wurden zufällig jeweils 10 Patienten der Interventionsgruppe und 10 Patienten der Kontrollgruppe zugewiesen. Als Einschlusskriterien galten Personen zwischen 18 und 70 Jahren, die französisch sprachen und keine Symptome von Verwirrung aufwiesen. Die »Noncontact Therapeutic Touch (NCTT)- Behandlung« in dieser Studie wurde von einer Pflegefachkraft durchgeführt, die den fünf Schritten der »Nurse Healers Professional Association« folgte: Zentrieren, die Bewertung (assessment) von Asymmetrien und Ungleichheiten im Energiefeld und das Glattstreichen des Energiefeldes, die Modulation des Energiefeldes und die abschließende Evaluation der Behandlung. Das Studiendesign sah vor, dass die Interventionsgruppe insgesamt an drei Tagen eine TT-Behandlung ohne direkte Berührung erhielt. Die Kontrollgruppe unterzog sich ausschließlich einer Ruhepause. Beiden Gruppen wurde die gleiche Zeiteinheit für die TT Behandlung bzw. die Ruhepause zu teil, zwischen 15 und 20 Minuten, die auch ungefähr zur gleichen Zeit durchgeführt wurden, immer eine Stunde nach Gabe eines verschriebenen Analgetikums (Giasson & Bouchard 1998, S. 383-398).

1.2 Anwendung von »Therapeutic Touch« im chirurgischen Bereich

Heidt (1981a) untersuchte in ihrer Studie den Effekt von »Therapeutic Touch« hinsichtlich des Angstniveaus von Patienten, die auf einer kardiovaskulären Station hospitalisiert waren. Gründe der Hospitalisierung waren Arrhythmien, Herzoperationen, Myokardinfarkte, Angina Pectoris sowie kardiologische Tests und kardiologische Beobachtung. Die 90 Teilnehmer dieser Studie wurden in drei Gruppen mit jeweils 30 Teilnehmern zufällig eingeteilt – einer Interventionsgruppe, die eine TT-Behandlung erhielt, einer »Casual Touch-Intervention« sowie »No Touch« als Intervention. Die Teilnehmer der Studie hatten ein durchschnittliches Alter von 60 Jahren, das tatsächliche Alter der Personen streute von 25 bis 65 Jahren. Als Einschlusskriterien der Interventionsstudien galten, dass die Patienten zwischen 21 und 65 Jahre alt sein mussten und dazu in der Lage waren, die englische Version des »Self Evaluation Questionnaire« auszufüllen. Festgelegt wurden als Hypothesen der Studie, dass (1) Therapeutic Touch einen Effekt auf das Angstniveau dieser hospitalisierten Patienten hat, (2) die Patienten, die eine TT-Intervention erhalten, eine Reduktion des Angst-Scores im Post­Test zeigen und (3) die Reduktion der Angst in der Gruppe, die »Therapeutic Touch« erhält, größer ist als in den beiden anderen Gruppen. Pflegefachkräfte, die in »Therapeutic Touch« geschult waren, führten die folgenden Behandlungsschritte nach der Krieger-Kunz Methode aus: Mentale Intention der therapeutischen Assistenz, Zentrierung, Einstimmung auf die energetische Kondition des Patienten, konzentrierte Aufmerksamkeit auf spezifische Richtung dieser Energien und abschließend das Dirigieren dieser Energie zum Patienten, durch das Platzieren der Hände auf den Bereich des Solarplexus. Die Gesamtzeit dieser TT-Intervention dauerte ungefähr 5 Minuten pro Patient. Der »Casual Touch« Gruppe wurde von einer Pflegefachkraft der apikale und radiale Puls sowie die Pulse beider Füße gemessen und bei der »No Touch« Gruppe saß die Pflegefachkraft neben dem Patienten und sprach mit diesem, ohne ihn zu berühren (Heidt 1981a, S. 32-37).

Quinn (1984) untersuchte auf einer kardiovaskulären Station den Effekt von »Therapeutic Touch« als Austausch von Energie bei 60 Teilnehmern, die in die beiden Gruppen »Noncontact Therapeutic Touch (NCTT)« und »Noncontact (NC)« mit jeweils 30 Patienten unterteilt wurden. Die NCTT-Gruppe erhielt eine TT-Behandlung ohne direkte Berührung des Patienten und in der NC-Gruppe wurde die TT-Behandlung ausschließlich gemimt. Die Hypothese dieser Interventionsstudie lautete, dass es zu einer größeren Reduzierung des Angstscores bei den Patienten kommt, die mit NCTT behandelt werden als bei denjenigen, die eine Scheinbehandlung von »Therapeutic Touch« erhalten. Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer lag bei 60 Jahren, die Bandbreite der 37 Männer und 23 Frauen zwischen 36 und 81 Jahren. Bei der TT-Behandlung ohne direkte Berührung des Patienten führte die Pflegefachkraft die folgenden Anwendungsstufen von »Therapeutic Touch« aus: die Zentrierung des Behandelnden, das Assessment, die Umleitung und Konzentration auf die spezifische Direktion extensiver Energien und die abschließende Direktion von Energie zum Patienten im Bereich des Solarplexus. Die Gesamtzeit der Intervention betrug 5 Minuten. Die NC-Intervention, die von drei Pflegefachkräften durchgeführt wurde, die keine Schulung in TT hatten und diese Intervention ausschließlich mimten, dauerte ebenfalls 5 Minuten. Als theoretischer Rahmen dieser Studie diente die »Theorie des einheitlichen Menschen« nach Martha Rogers (Quinn 1984, S. 42-49).

In einer weiteren klinischen Studie untersuchte Quinn (1989a) die Effektivität von »Therapeutic Touch« auf die Angst von Patienten vor einer bevorstehenden Herzoperation. Von den 153 Teilnehmern der Studie waren 38 Frauen und 115 Männer in einem durchschnittlichen Alter von 60 Jahren, die Altersvariabilität reichte von 28 bis 83 Jahren. Als Ausschlusskriterien der Studie galten Personen, die nicht dazu in der Lage waren, die englische Version des »Self-Evaluation Questionnaire« auszufüllen. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe erhielt eine TT-Behandlung ohne direkte körperliche Berührung, wobei der Patient gebeten wurde, der Pflegefachkraft, die die Behandlung durchführte, den Rücken zuzuwenden. Die Pflegefachkraft führte anschließend die folgenden Behandlungsschritte durch: Zentrierung, Einstimmen auf die Kondition des Patienten und der Umverteilung von angehäuften Spannungen bei diesem. Die Konzentration der Pflegenden auf die spezifische Direktion dieser Energie zum Patienten und anschließend die Direktion der Energie zum Patienten im Bereich von dessen Solarplexus für ungefähr 2 Minuten. Die Gesamtzeit der TT-Behandlung dauerte ungefähr 5 Minuten. Die zweite Gruppe erhielt eine mimische TT-Behandlung (Mimic TT), jedoch unternahm die Pflegefachkraft keinen Versuch der Zentrierung, keine Einstimmung auf die Kondition des Patienten und keine Direktion von Energie. Diese Intervention sollte als Kontrolle des Effekts von Person, des Placebo- und Hawthrone-Effekt dienen und dauerte ebenfalls 5 Minuten. Zusätzlich zu diesen beiden Gruppen wurde eine weitere Gruppe eingeschlossen, die keine Behandlung erhielt. Die spezifische Forschungsfrage lautete: Welchen Effekt hat »Therapeutic Touch« ohne Augen- und Gesichtskontakt auf das Angstniveau? Als Hypothesen der Interventionsstudie galten: (1) es wird bei den Patienten, die TT erhalten, eine größere Abnahme des Prä-Behandlungsscores bei der Selbstevaluation, beim Angstscore, beim systolischen Blutdruck und der Herzfrequenz direkt nach der TT-Behandlung gemessen, als bei denjenigen Patienten, die nur eine mimische TT-Behandlung erhalten oder ohne Behandlung versorgt werden, (2) ebenfalls wird bei Patienten mit »Therapeutic Touch« eine Stunde nach der Behandlung eine größere Abnahme des Pre-Behandlungsscores bei der Selbstevaluation der Patienten, beim Angstscore, beim systolischen Blutdruck und der Herzfrequenz gemessen , als bei Patienten in den Gruppen, die mit einer mimischen TT- Behandlung oder ohne Behandlung versorgt werden. Als theoretischer Rahmen dieser Studie diente wie in der vorherigen Studie die Pflegetheorie des einheitlichen Menschen von Martha Rogers (Quinn 1989a, S. 79-87).

Smith, Reeder, Daniel, Baramee & Hagman (2003) untersuchten in ihrer klinischen Interventionsstudie, welchen Effekt »Therapeutic Touch« im Kontext von Knochenmarktransplantationen hat. Die 88 Teilnehmer der Studie unterzogen sich aufgrund diverser Krebsdiagnosen wie Lymphomen, Brustkrebs usw. einer autologen oder allogenen Transplantation von Knochenmark. Die Teilnehmer wurden randomisiert einer der drei Gruppen »Therapeutic Touch (TT)«, »Massage Therapy (MT)« und »Friendly Visit (FV)« zugeteilt. 31 Patienten erhielten TT-Behandlungen, 27 Patienten Massagetherapien und 30 Patienten Friendly Visits eines ehrenamtlichen Mitarbeiters an jedem dritten Tag. Diese Interventionen wurden nach standardisierten Protokollen durchgeführt, jeden dritten Tag, beginnend am Tag der Chemotherapie bis zur Entlassung aus dem Programm. Die Patienten dieser Studie waren Personen zwischen 18 und 70 Jahren, bei einem durchschnittlichen Alter von 46 Jahren. Sie waren in der Lage, Englisch zu sprechen und zu Lesen oder hatten einen Übersetzer verfügbar. Als Ausschlusskriterien galten Merkmale wie: Patienten fühlten sich zu krank, um an der Studie teilnehmen zu können; signifikante religiöse Einstellungen standen im Konflikt mit »Therapeutic Touch« bei den Teilnehmern; die Patienten fühlten sich aufgrund unerwarteter Ereignisse überfordert an der Studie teilzunehmen oder der geäußerte Wunsch der Patienten, mehr Zeit für sich und seine Angehörigen zu haben. Die TT- Intervention wurde von Pflegefachkräften durchgeführt, die als Experten in dieser Praxis gelten. Dieses Kriterium wurde erfüllt, wenn sie das formale Studium der TT-Methode vorweisen konnten, »Therapeutic Touch« für mindestens 1 Jahr praktiziert haben und eine positive Evaluation durch ein Interview und einer Demonstration mit einem der Forscher der Studie aufwiesen, der ebenfalls Expertise in »Therapeutic Touch« besaß. Die Pflegefachkraft führte bei der TT-Behandlung die folgenden Schritte der Kunz-Krieger Methode aus: a) Das Assessment des veränderten Mensch-Umwelt-Feldes, einschließlich der Erkennung von Differenzen und Asymmetrien zwischen dem Kopf und den Füßen des Klienten, b) das Glattstreichen oder Reinigen der Differenzen, die im initialen Assessment vorgefunden wurden, c) das Bewegen oder Modulieren der Differenzen im Feld entsprechend des Assessments, d) die Wiederholung der Phasen, wenn notwendig, um den Fluss und die Bewegung zu fördern, und e) Beurteilung und das gegenseitiges Gefühl des Abschlusses bei Therapeut und Patient als Zeichen der Beendigung der TT-Behandlung. Die Standardbehandlung dauerte 30 Minuten, die Länge wurde aufgezeichnet. Die dreißigminütige »Massage Therapie« wurde von einer Pflegefachkraft durchgeführt, die ein Zertifikat in dieser Methode hatte. Die »Friendly Visits« als Kontrollintervention der Studie mit einer Zeitdauer von 30 Minuten, wurde durch ehrenamtliche Mitarbeiter durchgeführt, die eine Unterhaltung mit den Patienten über diesen Zeitraum beinhaltete. Ziel der Studie war den Effekt und die Differenzen von komplementären Therapien wie »Therapeutic Touch« und Massagetherapie auf die Ergebnisse der benötigten Zeit des Anwachsens eines Knochenmarktransplantats, der Komplikationen und erzielten Vorteile dieser Therapien zu messen und darzustellen. Als Hypothesen galten: (1) Bei Personen, die nach einer Knochenmarktransplantation entweder »Therapeutic Touch« oder eine Massagetherapie erhalten, wachsen die Transplantate schneller an als bei den Personen der Kontrollgruppe. (2) Personen, die entweder »Therapeutic Touch« oder eine Massagetherapie erhalten, werden weniger Komplikationen nach einer Knochenmarktransplantation haben als Personen aus der Kontrollgruppe. (3) Personen, die entweder »Therapeutic Touch« oder Massagetherapie erhalten, werden größere Vorteile von ihrer Therapie (der der Knochenmarktransplantation) verspüren als die Personen der Kontrollgruppe. Den theoretischen Rahmen der Studie bildeten das Modell des einheitlichen Menschen nach Martha Rogers und die »Therapie der Transpersonalen Pflege« nach Watson (Smith, Reeder, Daniel, Baramee & Hagman 2003, S. 40-49).

Zare, Shahsavari & Moeini (2010) untersuchten den Einfluss von »Therapeutic Touch« auf Patienten vor einer koronaren Bypass-Operation. Die 44 Teilnehmer der Interventionsstudie waren in zwei Gruppen mit jeweils 22 Teilnehmern eingeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine TT-Behandlung und die zweite Gruppe stellte die Kontrollgruppe dar. Als Einschlusskriterien der Studie galt, dass die Teilnehmer gewillt waren, an der Studie zu partizipieren, nicht erblindet oder taub waren, bei Bewusstsein waren und nicht an einer aktiven mentalen Erkrankung litten. Herangezogen wurden hierzu ihre medizinischen Diagnosen. Die Forscher benutzen in der Interventionsgruppe die vier Stufen einer TT-Behandlung, die wie folgt durchgeführt wurde: Die Behandlung fand ohne den direkten Kontakt mit der Haut des Patienten, in einer Distanz von 2 bis 6 Zoll statt, Konzentration, Bewertung der Energiebereiche der Patienten, dem Ausgleichen von diesen und schließlich die wiederholte Untersuchung der Energiebereiche des Patienten. Wenn aufgrund der Wiederbeurteilung weitere Interventionen notwendig waren, wurde die Behandlung fortgesetzt, ansonsten beendet. Diese Intervention wurde einmalig durchgeführt und zwar für eine Zeitdauer von 20 Minuten (Zare, Shahsavari & Moeini 2010, S. 37-42). McCormack (2009) untersuchte die Effekte von »Therapeutic Touch« ohne direkten Kontakt bei Patienten nach Hüftprothesen- und Knieprothesenersatz in der Orthopädie. Die 90 Teilnehmer der randomisierten klinischen Interventionsstudie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Eine experimentelle Gruppe mit 30 Teilnehmern, die »Non Contact Therapeutic Touch (NCTT)-Behandlungen« ohne den direkten Hautkontakt mit dem Patienten erhielten, einer Kontrollgruppe mit ebenfalls 30 Teilnehmern, die keine Behandlung erhielten und einer Placebogruppe von ebenfalls 30 Patienten, die die Klänge eines Metronoms erhielten. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer lag bei 73 Jahren. Diese mussten medizinisch stabil sein, kognitiv intakt und sich bereit erklären, an der Studie teilnehmen zu wollen. Die experimentelle Gruppe erhielt eine 10-minütige TT-Behandlung ohne direkten Hautkontakt mit dem Patienten durch einen »Skilled Occuptional Therapy Graduate Student« (Ergotherapiestudent), der vom Projektleiter der Studie geschult worden war. Bei der Behandlung waren seine Hände 2-4 Zoll vom Körper des Patienten entfernt. Der Ergotherapiestudent folgte den vier Stufen der Anwendung von NCTT - der Zentrierung des Behandelnden sowie dem Assessment, dem Glattstreichen und der Modulation des Energiefeldes des Patienten. Das Ziel der Studie war die Darstellung der Effekte von NCTT auf postoperative Schmerzen bei Patienten, die sich nach einem Hüftprothesen- oder Knieprothesenersatz auf einer Akutstation eines Krankenhauses befanden (McCormack 2009, S. 44-56).

1.3 »Therapeutic Touch« im Bereich von Verbrennungsstationen bzw. Verbrennungs­kliniken

Busch et al. (2012) führten in ihrer klinischen Studie eine Evaluation des klinischen Nutzens von »Therapeutic Touch« hinsichtlich der Reduzierung von Angst und Schmerz, sowie einer Senkung des Kortisolspiegels und der Schmerzmedikationen bei Verbrennungspatienten in einem Verbrennungszentrum durch. Die insgesamt 39 Teilnehmer der Interventionsstudie wurden in eine Interventionsgruppe von 17 Teilnehmern, die täglich eine TT-Behandlung erhielt, und in eine »Nursing Presence (NP)« Gruppe von 22 Teilnehmern eingeteilt. Das durchschnittliche Alter der beiden Gruppen lag bei 37 Jahren, mit einer Streuung von 9 bis 77 Jahren. Die Patienten hatten Verbrennungen mit den Graden 1 bis 3, wobei die durchschnittliche Verbrennungsfläche der Patienten bei 9,4% lag und eine Streuung von 1 bis 21% betrug. Als Einschlusskriterien der Studie galten, dass die Teilnehmer ansprechbar waren, Niederländisch verstanden, die voraussichtliche Hospitalisierungsdauer 10 Tage oder mehr betragen würde, dass der Patient älter als 18 Jahre alt sein musste und zudem in der Lage war, einen Fragebogen auszufüllen. Kinder, die in der Studie teilnahmen, mussten älter als drei Jahre sein und wurden zudem nur für die Kortisolmessung innerhalb der Studie eingeschlossen. Als Ausschlusskriterien der Studie galten das Vorliegen einer psychischen Erkrankung, Entwicklungsstörungen sowie endokrine und neurologische Gesundheitsprobleme, die sich in den Krankenakten der Patienten zeigten. Die Teilnehmer beider Gruppen erhielten täglich während der Gesamtdauer von 10 Tagen entweder eine TT- Behandlung oder eine sogenannte »Nursing Presence« Intervention und zwar nach der Medikamentengabe vor dem Verbandwechsel. Beide Interventionen wurden in Übereinstimmung mit der Nursing Interventions Classification (NIC) nach Bullock durchgeführt. Die TT-Behandlungen wurden von insgesamt 14 Pflegefachkräften, die ein dreimonatiges Training in der Krieger-Kunz Methode absolviert hatten und über eine zweijährige Praxis in »Therapeutic Touch« verfügten, durchgeführt. Die TT-Intervention dauerte pro Patient zwischen 5 und 15 Minuten (Busch et al., 2012, S. 439-446).

Turner, Clark, Gauthier & Williams (1998) untersuchten in ihrer Studie auf einer Verbrennungsstation die Auswirkungen von »Therapeutic Touch« im Vergleich zu einer Scheindurchführung von »Therapeutic Touch« (Sham-TT). Die Fragestellung lautete: Inwieweit führt TT zu einer größeren Reduzierung der Schmerzen bei Analgetikumtherapie, einer Reduzierung der Angst und einer Veränderung der T-Lymphozytenkonzentration im Plasma von Verbrennungspatienten. Die 99 Teilnehmer der klinischen Studie waren in eine Interventionsgruppe mit 62 Teilnehmern, die »Therapeutic Touch« erhielten und eine Sham- TT-Gruppe mit 37 Teilnehmern aufgeteilt. Als Selektionskriterien galten: Die Teilnehmer mussten zwischen 15 und 70 Jahre alt sein, aufgrund einer Behandlung von Verbrennung in stationärer Behandlung sein, Englisch sprechen und dazu in der Lage sein, verbal zu kommunizieren. Die Teilnehmer wurden disqualifiziert, wenn mehr als 75% der Gesamtoberfläche verbrannt waren, eine aktive psychische Erkrankung oder eine mentale Retardierung vorlag, wenn erwartet werden konnte, dass der Patient weniger als 9 Tage in stationärer Behandlung sein wird, der Patient nicht in der Lage war, zu hören oder an einer anderen klinischen Studie teilnahm. Die Bandbreite des Alters der Patienten, die an der Studie teilnahmen lag zwischen 15 und 68 Jahren. Beide Gruppen erhielten während 5 separaten Tagen die Behandlungen. Diese wurden gewöhnlich am Nachmittag durchgeführt, da die Verbandwechsel der Verbrennungspatienten zu verschiedenen Zeiten am Morgen durchgeführt wurden. Bei der TT-Behandlung, die von drei erfahrenen TT-Therapeuten, die in der Krieger-Kunz-Methode trainiert waren, durchgeführt wurden, zentrierte sich der Therapeut zu Beginn, führte ein Assessment des Energiefeldes des Patienten durch, wobei seine Hände den Patienten nicht berührten und implementierte dann Techniken wie die Klärung des Energiefeldes, die Direktion und das Ausgleichen des Energieflusses des Patienten basierend auf dem Assessment. Die Behandlungslänge variierte zwischen 5 und 20 Minuten begründet in der subjektiven Beurteilung des Therapeuten. Die Sham-TT- Behandlungen wurden von Forschungsassistenten durchgeführt, die kein Wissen von »Therapeutic Touch« hatten (Turner, Clark, Gauthier & Williams 1998, S. 10-20).

1.4 »Therapeutic Touch« im diagnostischen Bereich

Smith Frank et al. (2007) untersuchten in ihrer klinischen Studie an Frauen, ob eine TT- Behandlung während einer stereotaktischen Brustbiopsie bei einer vermuteten Brustläsion zu einer Reduzierung von Angst und Schmerz bei der Untersuchungsgruppe führt. Von den 82 Teilnehmerinnen der Studie befanden sich 42 Patientinnen in der Interventionsgruppe und 40 Patientinnen in der Kontrollgruppe. Als geeignet zur Teilnahme an der Interventionsstudie galten die Patientinnen, die für eine stereotaktische Brustbiopsie empfohlen worden waren aufgrund einer nichtpalpaplen Läsion, die durch eine Mammographie gefunden worden war. Die TT-Behandlung in der Interventionsgruppe wurde durch einen ausgebildeten TT- Therapeuten durchgeführt, der sich zu Beginn der Behandlung mental vorbereitete und anschließend eine Bewertung des Energiemusters der Patientinnen vornahm, wobei seine Hände über den Körper dieser bewegend ohne die Patientinnen direkt zu Berühren. Ein Schein-Therapeut ahmte die TT-Behandlung in der Kontrollgruppe nach. In beiden Gruppen wurde die Behandlungen für ungefähr 10 Minuten durchgeführt, beginnend vor der stereotaktischen Brustbiopsie und über diese hinausgehend weiterführend (Smith Frank et al., 2007, S. 419-424).

1.5 »Therapeutic Touch« im Bereich der Neonatologie

Als Ziel der klinischen Pilot-Studie gaben Whitley & Rich (2008) an, herausfinden zu wollen, ob es sich bei »Therapeutic Touch« um eine Methode handelt, die sicher in der Anwendung bei Frühgeborenen ist. Sie untersuchten, ob (1) die Stichprobengröße ihrer Studie ausreicht, um eine signifikante Reduktion von Stress durch die Nutzung von »Therapeutic Touch« bei Frühgeborenen bei einem Gestationsalter von 29 Wochen und weniger erzielen zu können und (2), ob Therapien wie »Therapeutic Touch« auch ohne direkten Kontakt den Stress von Frühgeborenen in einem klinisch wichtigen Ausmaß reduzieren können. Die 20 Frühgeborenen teilte man in eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe von jeweils 10 Frühgeborenen ein. Als Einschlusskriterien der Studie galten Frühgeborene unter der 29. Schwangerschaftswoche, berechnet anhand des pränatalen Ultraschalls, mit einem Respirationsscore unter 9, vorausgesetzt die Eltern waren mit der Teilnahme einverstanden und erwartet wurde, dass die Frühgeborenen 3 Tage auf der intensivmedizinischen Neonatologie verbringen würden. Das Assessement für die Eignung an dieser Studie wurde am siebten Lebenstag bei den Frühgeborenen durchgeführt. Als Ausschlusskriterien galten schwerwiegende, kongenitale Anomalien, frühe schwere, intraventrikuläre Hämorrhagien oder andere Typen von Hirnverletzungen. Desweiteren galten Instabilitäten basierend auf einem Respirationsscore größer als 9 und der Erhalt von Schmerzmedikamenten vor und während der Zeit der Studienperiode als Ausschlusskriterien. Ausgeschlossen wurden ebenfalls Frühgeborene, die außerhalb des »University Medical Centers« zu Welt kamen, , um die Variabilität vorheriger Pflegepraktiken anderer Institutionen ausschließen zu können. Die an der Studie teilnehmenden Frühgeborenen erhielten entweder eine TT-Behandlung oder eine »No Therapeutic Touch-Intervention« für 5 Minuten an drei aufeinanderfolgenden Tagen zur gleichen Tageszeit. Während der TT-Behandlung befanden sich die Frühgeborenen in ihren Inkubatoren auf der rechten Seite liegend. Der TT-Therapeut führte die folgenden Behandlungsschritte aus: Das Zentrieren im Sinne eines Relaxationsprozesses, das Assessment des Energiefeldes des Frühgeborenen, indem die Hand der Therapeuten sich über den Körper des unreifen Kindes bewegt, ungefähr 4 Zoll über dem Körper, das Glattstreichen des Energiefeldes des Frühgeborenen mit jeweils zwei Fingern jeder Hand mit kleinen langsamen und zarten Bewegungen vom Kopf des Frühgeborenen zu dessen Füßen zur Klärung des Energiefeldes. Zwei Finger jeder Hand wurden dann genutzt, um jedwede Differenzen im Energiefluss zu balancieren und die Gleichmäßigkeit des Energieflusses vom Kopf der Frühgeborenen zu deren Füßen sicherzustellen. Visualisierungstechniken wurden ebenfalls benutzt, um den Frühgeborenen bei der Balancierung des Energiefeldes zu assistieren. Abschließend wurde das Energiefeld erneut beurteilt und die Behandlung beendet. Die Behandlung wurde aufgrund der Sensibilität dieser unreifen Neugeborenen nach Angaben der Autoren in persönlicher Absprache mit Dolores Krieger in Zeit und Intensität der TT- Behandlung modifiziert (Whitley & Rich 2008, S. 315-333).

1.6 »Therapeutic Touch« als Anwendung im psychiatrischen Bereich

Larden, Palmer & Janssen (2004) führten eine klinische Studie zur Darstellung der Effektivität von »Therapeutic Touch« bei Schwangeren mit einer chemischen Substanzabhängigkeit durch. Die insgesamt 54 Teilnehmerinnen waren in drei Gruppen aufgeteilt, eine Interventionsgruppe mit 20 Teilnehmerinnen, die »Therapeutic Touch« erhielten, eine Kontrollgruppe mit 16 Teilnehmerinnen, die Aktivitäten wie Unterhaltungen, Malen etc. mit Pflegekräften hatten und eine Standardgruppe mit 20 Teilnehmerinnen, die ausschließlich die Standardpflege erhielten. In der Interventionsgruppe wurde »Therapeutic Touch« von jeweils einer der sechs Pflegefachkräfte in standardisierter Form, übereinstimmend mit der Technik Kriegers durchgeführt. Jede Pflegefachkraft hatte ein formales Training in dieser Technik und hatte als TT-Therapeut für mindestens 2 Jahre praktiziert. Die Behandlungen wurden täglich während 7 Tagen mit einer Dauer von 20 Minuten durchgeführt. Die gleichen Pflegefachkräfte, die die TT-Behandlungen durchgeführt hatten, verbrachten täglich 20 Minuten in der Kontrollgruppe. Diese 20 Minuten beinhalteten Gespräche mit den Teilnehmerinnen, Kartenspielen, miteinander puzzeln oder malen. In der Gruppe »Standard Care« erhielten die Patienten die >normale< Pflege, wobei der Kontakt zur >Study Nurse< limitiert war auf das tägliche Sammeln von Daten (Larden, Palmer & Janssen 2004, S. 320-332).5 Effektivität von »Therapeutic Touch« innerhalb der klinischen Bereiche

2. Effektivität von »Therapeutic Touch« innerhalb der klinischen Bereiche

Anhand der Literaturrecherche zeigt sich die Effektivität von »Therapeutic Touch« als unterstützende, energetische Pflegeintervention im diagnostischen, palliativen- und im chirurgischen Bereich, im Einsatz auf Verbrennungsstationen bzw. in Verbrennungskliniken, im Bereich der Neonatologie und der Psychiatrie. Gegenstand dieses Kapitels ist der »patient outcome« von »Therapeutic Touch«, daher liegt der Fokus auf den nachfolgenden Ergebnisse: Gezeigt wurden Reduzierung von akuten und chronischen Schmerzen (Aghabati, Mohammadi & Esmaiel 2008; Busch et al., 2012; McCormack 2009; Smith Frank et al., 2007; Turner, Clark, Gauthier & Williams 1998), Reduzierung von Angst (Heidt 1981a; Larden, Palmer & Janssen 2004; Quinn 1984, 1989a), Verbesserung des Wohlbefindens (Giasson & Bouchard 1998), Beschleunigung der Wundheilung (Smith, Reeder, Daniel, Baramee & Hagman 2003) sowie die Einflussnahme auf Vitalwerte wie Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Körpertemperatur und der sich daraus ergebenden Sicherheit der Methode, i.S. Patienten werden nicht negativ in ihren Vitalwerten beeinflusst (Whitley & Rich 2008; Zare, Shahsavari & Moeini 2010).

Eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse findet sich im Anhang der Arbeit in Tabelle 2.

2.1 Reduzierung von akuten und chronischen Schmerzen

In der Studie von Aghabati, Mohammadi & Esmaiel (2008) zeigte sich bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterzogen durch die Anwendung von »Therapeutic Touch« eine signifikante Reduzierung von Schmerzen und Müdigkeit, gegenüber den Patienten, die ausschließlich eine Standardpflege erhielten. Die Placebogruppe indiziert zudem einen abnehmenden Trend des Schmerz- und Müdigkeitscores im Vergleich zur Kontrollgruppe. Diese Parameter >Schmerz< und >Müdigkeit< wurden nach jeder Intervention während fünf Tagen erhoben. Als Messinstrumente galten die »Visual Analogue Scale (VAS)« und die »Rhoten Fatigue Scale (RFS)«. Nach Angaben der Autoren zeigt sich ein herausstechender linearer Trend eines abnehmenden Schmerz- und Müdigkeitscores beim Vergleich der Interventions- und Kontrollgruppe. Diese Unterschiede weisen auf einen positiven Effekt von »Therapeutic Touch« auf Schmerz und Müdigkeit bei Karzinompatienten hin. Der Trend von abnehmendem Schmerz und Müdigkeit innerhalb der Placebogruppe zeigt zudem einen Placeboeffekt auf (Aghabati, Mohammadi & Esmaiel 2008, S. 375-381).

In der Studie von Busch et al. (2012) hinsichtlich Schmerz wurden keine Unterschiede gefunden zwischen Patienten mit Standardversorgung und zusätzlicher TT-Behandlung im Vergleich zu denen, die die Pflegeintervention »Nursing Presence (NP)« erhielten. Nach Ansicht der Autoren kann dies durch die kleine Stichprobengröße bedingt sein, die sich einerseits aufgrund der Verlustquote von 51% und andererseits durch die eingeschränkte Anwendung von »Therapeutic Touch« ergeben hat. Dadurch wurde das Auffinden möglicher existierender Unterschiede erschwert. Es wurden keine signifikanten Differenzen zwischen den Interventionsgruppen hinsichtlich Angst, Schmerz und Juckreiz gefunden. Diese Parameter wurden anhand der »Burn Specific Pain Anxiety Scale (BSPAS)«, dem »Visual Analog Thermometer (VAT)« und dem Kortisolspiegel im Speichel gemessen. Am zweiten Tag der Behandlung wies die TT-Gruppe einen statistisch signifikant höheren Kortisolspiegel im Vergleich zur NP-Gruppe auf, der vor dem Verbandwechsel gemessen wurde. An den Meßzeitpunkten von Tag 1 und vor allem am Tag 2 erhielten mehr Patienten in der NP- Gruppe Morphin als in der TT-Gruppe. Bei der Auswertung der Meßzeitpunkte aller Tage als Summenscore wurden keine signifikanten Unterschiede gefunden. Patienten, die TT erhielten, schienen mehr Schmerzen und Juckreiz zu erleben als Patienten in der NP-Gruppe, auch wenn dieser Effekt nicht signifikant war. Die Schmerzwerte während der Behandlungszeit zeigten eine abnehmende Tendenz in der TT-Gruppe im Vergleich zur NP-Gruppe. Die Juckreizwertanalysen zeigen einen Anstieg an Juckreiz in der TT-Gruppe fünf Tage nach der Behandlung. Die Wirksamkeit beider Interventionen bezogen auf das Speichelkortisol scheint für beide Gruppen gleich. Um die limitierenden Faktoren der Interventionsstudie zu verstehen, wurden unter anderem sogenannte »Post-hoc Interviews« mit sechs zufällig ausgewählten Pflegekräften geführt, die die TT-Behandlungen durchgeführt hatten. Diese wurden bezüglich der Datenerfassung, und -lieferung sowie nach ihrer Anwendung von »Therapeutic Touch« befragt. Keine der befragten Pflegefachkräfte äußerte Zweifel an der Wirksamkeit von »Therapeutic Touch«, jedoch die Hälfte der Befragten äußerte Umstände, die sie als nicht tragbar für eine angemessene TT-Behandlung erlebten und als hemmende Faktoren einstuften: eine belebte Abteilung, zuschauende Kollegen, sowie Patienten mit »Therapeutic Touch« behandeln zu müssen, zu der keine Pflegerin-Patienten-Beziehung bestand, da sie nicht zu ihrer Klientel gehörten. Dadurch fühlten sich die Pflegekräfte eingeschränkt, »Therapeutic Touch« mit der notwendigen Aufmerksamkeit den Patienten zukommen zu lassen bzw. dadurch konnten sie die Behandlung weniger intensiv als üblich anbieten (Busch et al., 2012, S. 439-446).

McCormack (2009) zeigte in seiner Studie die Effektivität von »Therapeutic Touch« ohne direkte Berührung (NCTT) hinsichtlich postoperativer Schmerzen bei Patienten, die sich nach einem Hüftprothesen- oder Knieprothesenersatz auf einer Akutstation eines Krankenhauses befanden: 22 von 30 Patienten (73%) in der experimentellen Gruppe mit NCTT wiesen eine statistisch signifikante Abnahme der Schmerzintensität von prä-Test zu post-Test (t [7] = 7.24, p < 0.01) auf und waren nach der Anwendung von NCTT besser als vor der Behandlung in der Lage, am Berufsleben teilzunehmen. Die »Memorial Pain Assessment Card (MPAC)« zur Beurteilung des Schmerzes, die »Tellegen Absorption Scale (TAS)« und die »Health Attribution Scale (HAT)« kamen als Messinstrumente zur Anwendung in der Studie. Zusätzlich wurden die Pulsrate und die Pupillengröße wiederholt gemessen. Diese beiden Messgrößen zeigten nach der Anwendung von NCTT keine statistisch signifikante Veränderung. Obwohl die Teilnehmer in der Placebogruppe leicht geringere prä-Test-Werte in der Schmerzintensität zeigten, wiesen ihre post-Test Werte eine leicht höhere Schmerzintensität entweder aus Zufall oder aufgrund des Metronoms auf. Die Kontrollgruppe zeigte ebenfalls eine erhöhte Schmerzintensität, die aber geringer ausfiel als bei der Placebogruppe. Zwischen den Gruppen konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede nachgewiesen werden bezogen auf die Stimmung, Pupillengröße und Pulsrate von prä- zur post-Test Messung. Zu den Grenzen der Studie gibt der Autor zu bedenken, dass Stimmungswechsel bei Patienten nach einer Operation üblicherweise auftreten. Es scheint zudem, dass eine negative Reaktion auf den Taktmesser vorgelegen hat und dadurch die Schmerzintensität bei der Placebogruppe verstärkt wurde. McCormack schließt aus den Ergebnissen, dass NCTT in Verbindung mit der Gabe von Schmerzmedikationen angewendet werden kann, um Schmerz zu reduzieren und die Teilnahme an funktionellen Alltagsaktivitäten zu verbessern. Der Autor gibt als weitere limitierende Faktoren seiner Studie an, dass die »Tellegen Absorption Scale (TAS)« möglicherweise als nicht sensibel genug gilt, um die physiologische Reaktion auf NCTT messen zu können und daher technische Ausstattungen, wie sie in der Intensivstation genutzt werden, bessere Messungen ermöglicht hätten. Den Klienten wurde meist Vicodin als Schmerzmedikament verabreicht, das als synthetisches Opioid aufgrund seiner chemischen Eigenschaften die Stimmung verändern kann. Hierauf ist wahrscheinlich bei vielen Teilnehmern die gemessene gehobene Stimmung zurückzuführen. Als weitere Einschränkungen der Studie nennt McCormack die Tatsache, dass der Student, der die NCTT-Behandlung durchführte, nicht formal trainiert wurde und keine Zertifizierung bei einer anerkannten Zertifizierungsbehörde besaß. Bessere Messungen der Lebensqualität hätten zudem erworben werden können durch Messungen nach der Entlassung der Patienten (McCormack 2009, S. 44-56).

Smith Frank et al. (2007) konnten in ihrer Interventionsstudie hinsichtlich des Effektes der Schmerz- und Angstreduktion von TT-Behandlung während einer stereotaktischen Brustbiopsie bei einer vermuteten Brustläsion keine signifikanten Unterschiede zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe feststellen. Eingeschlossen wurden hier Alter, Ethnizität, Bildungsstand und andere demographische Daten. Während Biopsien der linken Brust in der Kontrollgruppe überwogen (48% vs. 58 %; P=0.09), hatten TT-Patienten häufiger obere Brustverletzungen (57% vs. 53%; P=0.022). Bezüglich Schmerz (P=0.95), Angst, Sorge (P=0.66) und physiologischer Parameter nach der Brustbiopsie konnten ebenfalls keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen aufgezeigt werden. Dies galt auch hinsichtlich der Veränderung dieser verschiedenen psychologischen und physiologischen Variablen vor und nach Brustbiopsie. Auch die Analyse von möglichen Störfaktoren konnte das Ergebnis nicht beeinflussen. Smith Frank et al. (2007) konnten alles in allem also keinen Effekt von »Therapeutic Touch« bezüglich Schmerz oder anderer Parameter, wie Angst oder Symptome von Nervosität, die der Patient vor der Prozedur hatte, feststellen. Die Autoren schließen daraus zudem, dass »Therapeutic Touch« nicht als Routineanwendung in diesem klinischen Setting empfohlen werden kann. Auch aufgrund der geringen Unterschiede zwischen den Studienarmen sprechen die Autoren die Empfehlung aus, keine weitere Untersuchung in diesem Bereich mehr durchzuführen (Smith Frank et al., 2007, S. 419-424). Diese Studie unterscheidet sich von anderen TT-Schmerzstudien dahingehend, dass die Intervention TT bei akutem Schmerzauftreten durchgeführt wurde, hier während der Anwendung einer Lokalanästhesie und Einführung einer Stanzbiopsie-Nadel. In anderen Studien hingegen wurden Patienten mit akut oder chronisch etabliertem Schmerz betrachtet.

In der Studie von Turner, Clark, Gauthier & Williams (1998) zeigten die Patienten auf einer Verbrennungsstation, die »Therapeutic Touch« als komplementäre Pflegeintervention erhielten eine signifikant größere Schmerzreduktion auf dem »McGill Pain Questionnaire Pain Rating Index« sowie eine stärkere Reduzierung der Angst auf der »Visual Analogue Scale for Anxiety« als die Patienten, die im vorgetäuschten TT-Arm waren und die Kontrollgruppe bildeten. Zusätzlich wurde Hintergrundmusik in beiden Gruppen laufen gelassen. Die »Lymphocyte Subset-Analyse« des Blutes zeigte bei 11 Patienten der TT- Gruppe eine Herabsetzung der CD8+-Lymphozyten-Konzentration. Bezüglich des Medikamentenverbrauchs konnten keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen denGruppen festgestellt werden. Die positiven Ergebnisse der Studie unterstützen nach Angaben der Autoren die wachsende Zahl an Forschungsergebnissen für die Wirksamkeit von »Therapeutic Touch« in ameliorativer Schmerzwahrnehmung und Angstreduzierung. Festgestellt wurde eine signifikante Schmerzreduktion bei behandelten TT-Personen verglichen mit der Gruppe, die eine Scheinbehandlung erhielt, bezogen auf die PRI Werte (P = .004). Der bereinigte Mittelwert bezüglich der Anzahl der gewählten Worte (NWC = number of words chosen) war 13.3 für die TT-Gruppe und 16.3 für die Kontrollgruppe. Die Gruppe, die TT erhielt, berichtete von weniger Schmerzen (10,7 %) nach der Behandlung als die Kontrollgruppe. Obwohl es einen Unterschied zwischen den Werten der Behandlungsgruppe gab, war dieser nicht signifikant (P = .06). Die größere Schmerzreduktion in der Behandlungsgruppe ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass eine Kombination von Analgetika und TT-Behandlung eine vollständige Schmerzbefreiung zur Folge hatte. Eine Verfälschung der Ergebnisse durch zusätzliche Darbietung von Hintergrundmusik während der TT-Behandlung und der Scheinbehandlung können die Ergebnisse beeinflusst haben. Empfohlen wird ein größerer Aufwand bezüglich des Studiendesigns in der zukünftigen TT- Forschung, um zugrundeliegende Wirkmechanismen und Wirkungsweisen von TT erklären zu können. Dieses Wissen würde wertvolle Information liefern hinsichtlich der Bedingungen unter denen »Therapeutic Touch« am wahrscheinlichsten wirksam ist. Weitere Informationen wären auch hinsichtlich des bestmöglichen spezifischen TT-Anwendungs-Protokolls für hospitalisierte Patienten mit schweren Verbrennungen notwendig. Eine Wiederholung dieser Studie sollte eine Behandlungs- sowie eine Kontrollgruppe einbeziehen, aber auf die Hintergrundmusik verzichten, um genauere Messungen in Bezug auf die Wirksamkeit von »Therapeutic Touch« feststellen zu können. Nützlich wäre zudem eine Studie hinsichtlich des Langzeiteffektes von »Therapeutic Touch«, die nach der Verabreichung von »Therapeutic Touch« nach einer schweren Verbrennung im Anschluss an die akute Phase eine physische und psychologische Gesundung berücksichtigt (Turner, Clark, Gauthier & Williams 1997, S. 10-20).

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Details

Seiten
63
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656891048
ISBN (Buch)
9783656906346
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288924
Institution / Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena – Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena
Note
1,0
Schlagworte
anwendungsbereiche touch« bereich übersicht effektivität methode

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Titel: Anwendungsbereiche von »Therapeutic Touch« im klinischen Bereich. Übersicht und Effektivität der Methode