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Der Klimawandel in den Alpen. Auswirkungen und Bedeutung für den Tourismus

Seminararbeit 2012 26 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Vorbemerkung

2. Naturraum Alpen
2.1 Gliederung und Relief der Alpen
2.2 Geologie und Böden der Alpen
2.3 Klima der Alpen

3. Klimawandel und sein Einfluss auf die Alpenregion
3.1 Klimawandel in den Alpen
3.2 Auswirkungen des Klimawandels
3.2.1 Auswirkung auf die Natur
3.2.2 Auswirkungen auf die alpinen Gletscher
3.2.3 Auswirkungen auf den Tourismus

4. Fazit

Quellenverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Europa politisch. Die Grenzen der Alpen wurden rot markiert.

Abb. 2: Geologie der Alpen

Abb. 3: Niederschlagsverteilung im Alpenraum

Abb. 4: Veränderungen im saisonalen Niederschlag in den Alpen

Abb. 5: Temperaturveränderungen in Österreich in °C, 2019-2048 vs. 1961-1990

Abb. 6: Die kumulative Massenbilanz von Hintereisferner und Kesselwandferner in mm Wasseräquivalent.

Abb. 7: Größenvergleiche des Vernagtferners von der Kreuzspitze.

Abb. 8: Tage mit Schneebedeckung in den Perioden 1960/89 und 2070/99 im Vergleich

Abb. 9: Schneekanone.

Abb. 10: Attraktives Skifahren?

1. Vorbemerkung

Dass der Klimawandel derzeit stattfindet, bestreitet wohl niemand mehr. Es ist zu beobachten, dass sich die Wetterextreme in globaler Sicht häufen. Dabei gehören mediale Meldungen über extreme Niederschläge, Stürme oder ausgeprägte Trockenperioden faktisch schon zum Alltagsgeschehen, was auch durch die Sachstandsberichte des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) bestätigt wird (vgl. Mahammadzadeh et al. 2009, S. 9).

Klimaforscher aus aller Welt sagen, derzeit voraus, dass die Atmosphäre durch ihre Erhitzung vermehrt Feuchtigkeit aufnehmen können wird und das Klima der Erde demnach feuchter werden wird. Desweitern wird von Experten prognostiziert das sich die Klimazonen der Erde polwärts verschieben werden. Daraus leiten die Wissenschaftler ab, dass sich gerade für den süddeutschen Raum eine Mediterranisierung des Klimas ergeben könnte (vgl. Hutter /Link 2006, S. 7).

Generell gibt es Gewinner und Verlierer im Kontext der globalen Klimaerwärmung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete im Jahre 2007, ausgehend von einem globalen Oberflächentemperaturanstieg von 4,5 °C bis zum Jahre 2100, dass dies Kosten von insgesamt 170 Milliarden € zur Anpassung an den Klimawandel allein in Deutschland verursachen könnte (vgl. Mahammadzadeh / Biebeler 2009, S. 5).

Demnach scheint es nicht verwunderlich, dass auch Deutschland den durch den vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen der Menschen verursachten Klimawandel versucht einzudämmen. Das Ziel der Deutschen ist es, bis 2020 den Ausstoß der Treibhausgase um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren (vgl. Mahammadzadeh et al. 2009, S. 9).

In der vorliegenden Arbeit soll nun geklärt werde, welche Auswirkungen der Klimawandel auf das Hochgebirge Alpen hat. Auf physisch-geographischer Ebene wird der Fokus auf den Einfluss des Klimawandels auf die Entwicklung der Alpengletscher gelegt, während in anthropogeographischer Hinsicht die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf den in den Alpen sehr bedeutenden Tourismus im Mittelpunkt stehen.

Zunächst soll aber der Alpenraum an sich hinsichtlich seiner reliefartigen, geologischen, pedologischen und klimatischen Gegebenheiten erläutert und auch eingegrenzt werden, bevor mit der Darstellung der Auswirkungen des Klimawandels auf den Alpenraum begonnen wird.

Die Alpen dienen in der Arbeit als Untersuchungsgegenstand, da sie als touristische Destination und im Hinblick auf das naturräumliche Potential innerhalb Europas von herausragender Bedeutung sind.

2. Naturraum Alpen

Bevor auf das eigentliche Thema der Arbeit eingegangen wird, muss die Alpenregion zuerst einmal abgegrenzt werden. Abbildung 1 zeigt eine Karte der gesamten Alpenregion. Es ist deutlich zu sehen, dass sie den Süden Europas gänzlich vom Norden abschneiden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Europa politisch. Die Grenzen der Alpen wurden rot markiert.

(Bildungsserver Hamburg 2010)

Im Folgenden werden die Alpen definiert als

„Teil des jungen alpidischen Faltengebirgsgürtels. Sie markieren als Hochgebirge sowohl klimatisch als auch historisch eine Grenze zwischen Mittel- und Südeuropa. Während sie im Süden zur Poebene scharf begrenzt sind, haben sie im Norden ein relativ breites Vorland, dessen Grenze etwa durch Donau und Aare markiert wird. Für den Alpenraum ist die Verbindung von 4 Massiven sowie aus gefalteten und verschobenen Gesteinsdecken charakteristisch. Erstere sind aus den Schwellen des Geosynklinalmeeres entstanden, letztere aus dessen Trögen. Die Westalpen werden aus Massiven wie dem Montblancmassiv aufgebaut. In der Schweiz bilden sie zwei Zonen, die durch das Längstal der Rhone getrennt sind (u. a. Aaremassiv, Gotthardmassiv). Die Ostalpen bestehen aus drei Gebirgsketten: den Nördlichen Kalkalpen, den Zentralalpen (Tauern) und den Südlichen Kalkalpen; getrennt werden sie jeweils durch Längstäler (Inn, Salzach, Enns, Drau.“(Diercke online 2011).

Laut der Abgrenzung durch die Alpenkonvention umfassen die Alpen eine Fläche von 190.912 km², die von ca. 13 Millionen Menschen bewohnt wird, und erstecken sich über insgesamt acht Staaten: Deutschland, Schweiz, Österreich, Frankreich, Italien, Lichtenstein, Monaco und Slowenien (vgl. Cipra Alpenkonvention 2011).

Um den tatsächlichen Einfluss des Klimawandels auf die Alpen genauer analysieren zu können, muss vorher der Naturraum Alpen untersucht werden. Wie schon erwähnt wurde, sind die Alpen ein Hochgebirge, das die Grenze zwischen Mittel- und Südeuropa markiert. Die Alpen entstanden im Oligozän und Miozän als Folge der langsamen Stauchung und Schließung des Urmeers Tethys durch die Verschiebung Afrikas in Richtung Norden. Im Zuge der Annäherung Afrikas und Eurasiens wurden Schichten von Sandstein, Schieferton, Kalkstein und Dolomit, die sich in dem flachen Tethysmeer abgelagert hatten, zusammengeschoben und angehoben. Durch den hohen Druck wurden Falten von ihrer Unterlage weggerissen und zu schrägen Überschiebungsflächen übereinander geschoben (vgl. Coenraads 2007, S. 240).

Durch Eiszeiten wurde diese Landschaft weiter überformt. Dabei ist für das heutige Bild der Alpen vor allem die Würm-Eiszeit landschaftsprägend, die den Zeitraum von 115.000 bis 10.000 Jahre vor heute einnahm und 20.000 Jahre vor heute ihren Höhepunkt erreichte. Die eiszeitlichen Spuren dieser Kaltzeit wurden nicht von weitern Gletschern ausgeschürft oder von deren Sedimenten überlagert, daher ist diese genaue Datierung möglich. Durch den Einfluss der Vergletscherung, während der Eiszeit, wurden die heutigen Täler ausgebildet, Moränenlandschaften und glaziale Sonderformen, die das heutige Bild der Alpen prägen, entstanden (vgl. Pfiffner 2009, S. 325 ff.).

Dies alles beeinflusst die heutige Zusammensetzung der Landschaften, der Geologie und Böden, des Reliefs und des Klimas in den Alpen. Es ist schwierig all diese naturräumlichen

Eigenschaften der Alpen kurz zusammen zu fassen. Im Folgenden wird ein allgemeiner Überblick gegeben.

2.1 Gliederung und Relief der Alpen

Die Alpen lassen sich auf verschiedene Art und Weise gliedern. Zum einen im Hinblick auf die Nord-Süd-Verteilung, aus der sich im Wesentlichen drei große Teile ergeben. Zum einen gibt es die Zentralalpen, die im Zentrum des Alpengebietes liegen. Daran schließen sich im Norden und im Süden die Kalkalpen. Die dritte Großlandschaft sind die Gebiete zwischen diesen beiden Großteilen, für die es aber keinen einheitlichen Namen gibt (vgl. Hammer 2009, S.6).

Der gesamte Gebirgskörper erstreckt sich von Nizza nach Wien, wobei im Inneren des Alpenbogens die Po-Ebene zu finden ist, welche sich durch ein geringes Relief auszeichnet. Außerhalb des Gebirgsbogens befinden sich schmale, reliefarme Becken, nämlich der Rhone-Bresse-Graben im Südwesten, der Rhein-Graben im Norden und das Becken von Wien im Osten (vgl. Pfiffner 2009, S. 25).

Im Hinblick auf die Längserstreckung der Alpen unterscheidet man zwischen Westalpen, Zentralalpen und Ostalpen. Der Verlauf der Ostalpen ist im Wesentlichen die Ost-West-Richtung, wobei die Ostgrenze etwa auf der Linie St. Margrethen-Chur-Sondrio liegt. Die Zentralalpen zeichnen sich durch ihre ihren Nord-Süd-Verlauf aus, genauso wie die Westalpen. Zusätzlich dazu werden die Alpen auch in tektonische Einheiten unterteilt, wobei sich die Zugehörigkeit durch den Ablagerungsbereich der mesozoischen Sedimente dieser Einheiten definiert. Solche verschiedenen Einheiten tragen beispielsweise die Namen Helvetikum, Penninikum oder Ostalpin (vgl. ebd., S. 25 f.).

2.2 Geologie und Böden der Alpen

Der Bereich, der dem europäischen Kontinentalrand und einem externen Bereich der Alpen zugehörig ist, bezeichnet man als Helvetikum. Dieser Bereich ist im Westen bzw. Osten aufgeschlossen. Der zweite Gesteinsgürtel wird als Penninikum bezeichnet und liegt eher im östlichen bzw. südlichen Bereich der Alpen. Der innerste, gegen die Poebene gerichtete Gesteinsgürtel wird als Ostalpin und Südalpin bezeichnet, wobei dieser Gürtel dem adriatischen Kontinentalrand zugehörig ist. Im Allgemeinen liegt das Penninikum auf dem Helvetikum und das Ostalpin auf dem Penninikum. Das Ostalpin nimmt fast vollständig den östlichen Teil der Alpen ein, während es durch das periadriatische Bruchsystem vom Südalpin und den Dolomiten abgegrenzt wird. Begrenz werden die Alpen durch känozoische Becken, die sich im Norden der Alpen als Molassebecken von Wien bis ins schweizerische Mittelland erstrecken. Im Süden der Alpen schließt sich das Po-Becken an (vgl. Pfiffner 2009, S. 25 ff.).

Die Gesteine in den Zentralalpen, alte Massive, sind zum größten Teil sehr harte Gesteine, beispielsweise kristalline Gesteine, Gneise und Granite. Diese Gesteine zerfallen durch ihre morphologische Härte nur äußerst langsam und bilden somit nur äußerst schleppend einen Boden mit saurer Humusdecke. Menschen bieten sie also nur wenige Nutzungsmöglichkeiten, zur Landwirtschaft sind diese Böden selten geeignet. Zudem sind die Zentralalpen durch ihre Höhe schlecht zu besiedeln (vgl. Bätzing 2005, S. 27).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Geologie der Alpen

(Bätzing 2005, S. 28)

In den sich den Zentralalpen anschließenden Tälern und Grasbergen sind Sedimentgesteine vertreten. Diese treten sowohl als hartes Gestein, Kristalline und Kalke, als auch als weiches Gestein, Bündner Schiefer und Flysch, auf. Die weichen Gesteine weisen eine sehr gute Bodenbildung auf und bilden tiefgründige alkalische Karbonatböden, die sehr gut nutzbar für den Menschen sind. Die leichte Zersetzbarkeit und die Weichheit dieses Gesteins beinhalten jedoch auch Nachteile. Der Boden erodiert schnell und ist so eine Gefahr für den Menschen. Diese inneralpinen Täler sind für anthropogene Nutzung gut geeignet und sind somit Hauptsiedlungsgebiete in den Alpen (vgl. ebd., S. 28).

Die äußeren Kalkalpen, die sich an dieses Gebiet anschließen sind ein Gebiete mit Kalkböden. Diese sind für den Menschen nicht besonders attraktiv, weder für Landwirtschaft noch für Besiedelung. Am Alpenrand herrschen weiche Gesteine und durch Moränenlockermaterial gebildete Gesteine und Böden vor. Diese günstigen Böden und die Tiefe der Gebiete ist wiederum sehr günstig für eine anthropogene Nutzung (vgl. ebd., S. 28 f).

2.3 Klima der Alpen

Die klimatischen Verhältnisse der Alpen sind, aufgrund der weiten Ausdehnung und der großen Höhenunterschiede innerhalb der Region, nur sehr schwierig zu beschreiben.

Im Folgenden stütze ich mich auf den Formenwandel nach Lautensach, den Bätzing in seiner Publikation von 2005 zur Beschreibung des Alpenklimas verwendet. Er beschreibt das Klima durch die Darstellung von vier Formenwandel.

Der hypsometrische Formenwandel zeichnet sich dadurch aus, dass man, je höher man im Alpenraum kommt, desto geringer wird die Durchschnittstemperatur, desto geringer wird die Vegetationszeit und desto höher wird der Niederschlag, der mit steigender Höhe als Schnee fällt. Je höher man kommt, desto intensiver wird auch die Sonneneinstrahlung, was den Temperaturunterschied zwischen Schatten und Licht größer werden lässt (vgl. Bätzing 2005, S. 34).

Der zweite Formenwandel ist der peripher-zentrale Wandel. Die Alpen zwingen durch ihre Höhe Wolkenmassen vom Atlantik oder vom Mittelmeer zum Aufsteigen und Abregnen. Durch diese Eigenschaft ist der Niederschlag in dem gesamten Alpenraum besonders hoch. Im Alpeninnern ist es dagegen trocken mit einer hohen Sonnenscheindauer, da sich die Wolken bis dahin schon abgeregnet haben. Schnee und Waldgrenze liegen hier deutlich höher als in den äußeren Alpenregionen. Das äußere Klima ist also eher maritim, das innere Klima ist eher kontinental geprägt (vgl. ebd., S. 34 f.).

Der dritte ist der planetarische Formenwandel, der den klimatischen Unterschied des warmen Südens und des kalten Nordens beschreibt. Im Süden grenzen die Alpen an ein mediterranes Klima mit Niederschlagsmaximum im Winter, im Norden grenzen sie dagegen an ein kühlgemäßigtes Klima mit ganzjährigen Niederschlägen mit Maximum im Sommer. Dies beeinflusst das Klima in den südlichen und nördlichen Alpen noch zusätzlich (vgl. ebd., S. 35).

Der letzte ist der westöstliche Formenwandel. Die weite West- Ost Erstreckung der Alpen hat zufolge, dass die Alpen auch von dem westlich ozeanisch und nach Osten immer kontinentaler werdenden Klima beeinflusst werden. Dadurch sind die Westalpen feuchter und die Ostalpen kontinentaler. Durch den Einfluss des Mittelmeers im Süden setzt sich diese Kontinentalität erst im äußersten Osten der Alpen durch (vgl. ebd., S. 36).

Die innenalpinen Trockenzonen und die südlichen mediterran beeinflussten Gebiete sind aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung und milden Temperaturen besonders für Landwirtschaft und andere anthropogene Nutzung geeignet. Das Klima der Alpen hängt also von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab, die aufeinandertreffen und miteinander wirken. Dadurch erklärt sich wieso das Klima der Alpen so sensibel auf den Klimawandel reagiert (vgl. ebd., S. 36).

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Details

Seiten
26
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656891970
ISBN (Buch)
9783656891987
Dateigröße
3.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v288957
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geowissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Klimawandel Alpen Klimawandel Alpen

Autor

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Titel: Der Klimawandel in den Alpen. Auswirkungen und Bedeutung für den Tourismus