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Heideggers topologisches Denken

Essay 2012 9 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

HEIDEGGERS TOPOLOGISCHES DENKEN

Der Beitrag ist über Heideggers Landschaft von einem Bild des Denkens und der Sprache in der Interpretation vom russischen Philosoph Valeriy Podoroga. Heideggers Landschaft ist kein biographischer Ort, sondern ein Ort des Denkens.

Martin Heideggers Denken kann nach Walerij Podoroga als topologisch definiert werden. “Aber das denkende Dichten ist in der Wahrheit die Topologie des Seyns. Sie sagt diesem die Ortschaft seines Wesens”[1]. Aber der Erste, der auf das topologische Denken Heideggers aufmerksam machte, war Otto Pöggeler. Er “hat in seinem Aufsatz Dichtungstheorie und Toposforschung an einen dichtungstheoretischen Topos erinnert”.[2]

Podoroga kommt in seiner Forschung über die Philosophie der Sprache von Martin Heidegger aus der französisch postmodernen Tradition des Verstehens von Heidegger, vor allem, des Derrida und Deleuze. Zum Beispiel, borgt er den Begriff “Deterritorialisierung” von Deleuze. “Deterritorialisierung ist… die Befreiung der Sprache. Schriftsteller bringen die Sprache an ihre Grenzen, suchen ein ‚Außerhalb‘ der Sprache”. [3]

Podoroga schreibt über Heideggers Versuch, die Idee zu “wieder deterritorialisieren”[4] und eine neue Beziehung mit der in der Idee eingehenden Landschaft zu etablieren. Der Gedanke ist der Riss zwischen sichtbaren und unsichtbaren Räumen, zwischen physischen und nicht physischen Landschaften. Die Sprache bewegt sich nach dem Denken.

Im Denken von Heidegger erblüht das Land wie im offenen Raum. Die Landschaft schafft Materie des Denkens, aber der Gedanke hat keine strikte Bindung mit dem physischen Ort, er ist in einem Zustand der absoluten Freiheit. Das Denken stammt aus dem “undenkbaren” Feld [5].

Der Ort als Landschaft erschafft ein Ereignis, und das Ereignis schafft einen Gedanken, “der Gedanke ist aber eingeführt im undenkbaren als seinen Ort” [6]. Die Kategorie von Abwesenheit, die ähnlich der Kategorie vom Nichts ist, hat in der Philosophie von Heidegger den Status des Ursprungs, in dem alles Seiende entsteht. Nur aufgrund der Abwesenheit kann der Mensch deshalb anwesend sein.

Deterritorialisierung des Denkens von Heidegger ist seine Beziehung mit dem “Undenkbaren” oder mit der ursprünglichen Abwesenheit, in der sie erstmalig erscheint. Das Denken kennt sich durch seine Grenze, durch die Grenzsituation, in der es nur möglich ist. Poetische Einsicht und poetisches Wort stehen der gesuchten Grenze des Denkens am nächsten. Aber die Dichtung ist an der Grenze der einen Seite und der philosophische Gedanke ist auf der anderen Seite der Grenze.

Die Grenze ist der Riss, nämlich “der Riss der Einheit von Denken und Dichtung”, den Heidegger macht, um Dichtung und Denken “in Vertiefung der Unterscheidung”[7] zu versöhnen. Der Riss ist auf diese Weise, im Wesentlichen der Ort von Konvergenz, ist der Schnittpunkt, «wo ein Strom von Bildern in einen anderen eingeht“, und er ist ein echter “Ort des Undenkbaren” [8].

Dieser undenkbare Ort ist die Landschaft, welche gedacht werden muss. Die Landschaft bleibt undenkbar bis sie von den Menschen konzipiert wird. In der Landschaft gleichen sich der Gedanke und das poetische Wort an da die Landschaft ein offenes Bild ist, eine Kontur von jenem Ursprung, aus dem sie ihre Existenz bekommt als eine ihrer möglichen Existenzen.

Die Orte sind nur im Raum möglich. Raum ist eine Abstraktion, die sehr schwierig in einer bestimmten Definition zu begreifen ist. Heidegger macht die Analyse um Sprache mit Blick auf die Bedeutung von Raum zu verstehen. Im Werk “Einführung in die Metaphysik” spricht Heidegger über das “seherische Wort” wenn er das Verhältnis von Schein und Sein in der Dichtung überlegt. Aber Wort ist nicht nur seherisch, sondern es ist auch klingend. Im Wort Raum spricht Rӓumen. Heidegger schreibt: “Das Rӓumen erbringt das Freie, das Offene für ein Siedeln und Wohnen des Menschen. Rӓumen ist, in sein Eigenes gedacht, Freigabe von Orten, an denen die Schicksale des wohnenden Menschen sich ins Heile einer Heimat oder ins Unheile der Heimatlosigkeit oder gar in die Gleichgültigkeit gegenüber beiden kehren”[9].


[1] Heidegger M. Aus der Erfahrung des Denkens. Gesamtausgabe. Band 13. Vittorio Klostermann Verlag: Frankfurt am Main. 1983. S. 84.

[2] Poltrum M. Schönheit und Sein bei Heidegger. Passagen Verlag Ges. m. b. H., Wien, 2005. S.54.

[3] Kreuzmair E. Die Mehrheit will das nicht hören. Gilles Deleuze‘ Konzept der littérature mineure // Helikon. A Multidisciplinary Online Journal, 2010 (1). S. 40.

[4] Подорога В. Метафизика ландшафта. Коммуникативные стратегии в философской культуре XIX-XX вв. М: Наука, 1993. C. 233.

[5] Там же. С. 232.

[6] Там же. C. 233.

[7] Там же. С. 236.

[8] Там же. С. 236.

[9] Heidegger M. Aus der Erfahrung des Denkens. Gesamtausgabe. Band 13. Vittorio Klostermann Verlag: Frankfurt am Main. 1983. S. 206.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656892359
ISBN (Buch)
9783656892366
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289010
Note
Schlagworte
Heidegger Podoroga Landschaft Ort Nähe Geviert Dichtung Denken

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Titel: Heideggers topologisches Denken