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Buchmäßige und reale Bilanzpolitik

Eine vergleichende Analyse

Bachelorarbeit 2013 39 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen der Bilanzpolitik
2.1 Begriff der Bilanzpolitik
2.2 Bilanzpolitische Instrumentarien
2.2.1 Buchmäßige Bilanzpolitik
2.2.2 Reale Bilanzpolitik
2.3 Bilanzpolitische Ziele

3. Buchmäßige und reale Bilanzpolitik im Vergleich
3.1 Anreize zum Einsatz von bilanzpolitischen Maßnahmen
3.1.1 Anreize zum Einsatz von bilanzpolitischen Maßnahmen im Rahmen der Kommunikation mit dem Kapitalmarkt
3.1.2 Anreize zum Einsatz von bilanzpolitischen Maßnahmen aus juristischen Anlässen
3.2 Zusammenhang zwischen der buchmäßigen und der realen Bilanzpolitik
3.2.1 Zeitlicher Zusammenhang
3.2.2 Kostenbedingter Zusammenhang
3.3 Veränderungen in der Anwendung von bilanzpolitischen Maßnahmen in der Praxis nach den Enron- und Worldcom- Bilanzskandalen

4. Fazit

Verzeichnis der Rechtsnormen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Bilanzpolitische Maßnahmen.

Abb. 2: Einordnung der Bilanzpolitik in die Zielsystematik eines Unternehmens.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die vom International Accounting Standards Board (IASB) herausgegebenen International Financial Reporting Standards (IFRS) gewinnen über die Entwicklung des deutschen Rechnungslegungsrechts auch für Deutschland seit Jahren immer mehr an Bedeutung.[1] Zudem stößt man in der Wirtschaftspresse andauernd auf aussagekräftige Schlagzeilen wie „Banken – Knallfrösche in der Bilanz“[2], „Bilanzskandale – Ansicht eines Wirtschaftsprüfers“[3], „Buchungskniffe – Wie Konzerne bei den Zahlen tricksen“[4], „11 Wall Street: Aus Minus mach Plus“.[5] Sie alle haben eine Gemeinsamkeit – Ihr Inhalt spiegelt einen Sachverhalt wider, der unmittelbar mit der Gestaltung und Aufstellung von Bilanzen im Rahmen der unternehmerischen Bilanzpolitik zusammenhängt und große Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht. Ermöglicht wird die Bilanzpolitik durch die gesetzlichen Vorschriften zur Aufstellung des Jahresabschlusses, die einen Entscheidungsspielraum belassen, der von der Unternehmensleitung im Sinne bilanzpolitischer Zielsetzungen genutzt werden kann.[6]

Ziel der vorliegenden Arbeit stellt somit eine Betrachtung der beiden Strategien – der realen und der buchmäßigen Bilanzpolitik - dar, die das IASB für Unternehmen, die freiwillig oder verpflichtend nach diesen Regelungen Rechnung legen, eröffnet. Im Weiteren wird sowohl eine Analyse der dafür existierenden Anreize als auch die Untersuchung des zwischen ihnen vorhandenen Zusammenhangs durchgeführt. Die in dieser Schrift vorgenommene Untersuchung beschränkt sich ausdrücklich nur auf die gesetzlich zulässigen Maßnahmen und zieht gesetzeswidrige Jahresabschlussmanipulationen nicht in Betracht.

2. Theoretische Grundlagen der Bilanzpolitik

Im folgenden Kapitel erfolgt eine Abgrenzung der für die vorliegende Themenstellung relevanten Begriffe: Bilanzpolitik und die damit einhergehenden Aufgaben, Vorgehensweisen und Ziele. Darüber hinaus werden die beiden Ausprägungen der bilanzpolitischen Maßnahmen, reale und buchmäßige Bilanzpolitik, definiert und erläutert.

2.1 Begriff der Bilanzpolitik

Jahresabschlüsse bilden das reale betriebliche Geschehen ab. Die Realität kann hierbei je nach Art der Abbildung unterschiedlich dargestellt werden.[7] Ob die Bilanzen das reale betriebliche Geschehen tatsächlich abbilden und damit ihre Informationsaufgabe sachgerecht erfüllen, wird bezweifelt. Die Bilanz vermittle in vielen Fällen kein den wirklichen Gegebenheiten entsprechendes Bild der Vermögens- und Ertragslage des Unternehmens und wird zum Teil als eine Welt der Vorstellung, nicht aber als eine Welt der Tatsachen, bezeichnet. In der Tat zeigen sich bei der Vorbereitung und Erstellung des Jahresabschlusses, hinsichtlich der zu erfassenden, auszuweisenden, zu bewertenden und zu erläuternden Vorgänge, vielfache Handlungsalternativen. Der Abschlussersteller muss sich folglich zwischen mehreren zulässigen Alternativen entscheiden, wobei sich dieser der Wahlmöglichkeiten aufgrund ihrer Vielfältigkeit manchmal gar nicht bewusst sein kann. Die Wahlmöglichkeiten lassen sich aber auch zielgerichtet ausnutzen, wodurch sich Vorteile für das Unternehmen ergeben können.[8] Somit wird unter dem Begriff der Bilanzpolitik das zielbewusste Ergreifen von gesetzlich zulässigen Maßnahmen, die sich auf den Jahresabschluss auswirken, um damit Bilanzadressaten oder Rechtsfolgen zu beeinflussen und bestimmte finanzpolitische oder publizitätspolitische Ziele der Betriebspolitik zu erreichen, verstanden.[9] In der betriebswirtschaftlichen Literatur finden sich für den Begriff der Bilanzpolitik u.a. Bezeichnungen wie „Jahresabschlusspolitik“,[10] „Rechnungslegungspolitik“[11] oder die anglo-amerikanischen bzw. die anglo-sächsischen Äquivalente „creative accounting“, „window-dressing“ oder „earnings management“.[12] Weitestgehend sind diese Bezeichnungen trotz ihrer Vielfalt inhaltsgleich. Im Sinne der sprachlichen Vereinheitlichung wird im weiteren Verlauf der Arbeit ausschließlich der Begriff Bilanzpolitik verwendet.

Häufig wird der Begriff Bilanzpolitik allerdings mit einem negativen Beigeschmack genutzt, weil die Hintergehung von Vertragspartnern innerhalb der vertraglichen Grenzen oder die mögliche Täuschung von Bilanzadressaten durch die Unternehmensleitung im Vordergrund stehen kann. Die Grenze zwischen legalen und illegalen bilanzpolitischen Maßnahmen ist meist schwer zu erkennen. In vielen Graubereichen ist es oft Ansichtssache, ob eine Vorgehensweise legitim ist. Zudem hängen die tatsächlichen Grenzen zumeist von der Auffassung des Wirtschaftsprüfers ab.[13] Im Falle einer absichtlichen Täuschung wird von einer Bilanzmanipulation gesprochen. Diese umfasst illegale Maßnahmen (hauptsächlich in Form von Scheingeschäften), die dem Zweck dienen, den Jahresabschluss so zu gestalten, damit propagierte Ziele z.B. zu Umsatz und Ergebnis von einem unter Erfolgsdruck stehenden Management unter allen Umständen erreicht werden.[14] An dieser Stelle sei nochmals betont, dass Bilanzmanipulationen (auch bekannt als „Fraud“[15] ) im Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht den Schwerpunkt der Analyse bilden und von der Bilanzpolitik abgegrenzt werden.

Da die Rechts- und Vertragsfolgen oft nicht eindeutig formuliert sind, lassen sich die bilanzpolitischen Spielräume nicht verhindern. Diese entstehen aus bestimmten Regeln und Gesetzen, die häufig einen Kompromiss zwischen mehreren Zwecken darstellen. Oft werden diese Regeln und Gesetze jedoch nicht dem intendierten Zweck entsprechend ausgenutzt, sodass dadurch eine negative Einstellung gegenüber der Bilanzpolitik entsteht. Solange die Gesetzeslage jedoch solche Spielräume zulässt und diese weiterhin zum Teil zweckfremd genutzt werden, kann sich die Bilanzpolitik der negativen Einstellung ihr gegenüber nicht entledigen.[16]

Da die Erstellung des Jahresabschlusses eine originäre Aufgabe der Unternehmensleitung ist, gehört auch die Bilanzpolitik zu deren Aufgaben. Sie stellt damit einen Teil der Unternehmenspolitik der Geschäftsführung dar und muss mit deren übergeordneten Zielen in Übereinstimmung stehen.[17] Zu betonen ist, dass in der Literatur weitgehend Übereinstimmung darüber herrscht, dass nicht nur die Gestaltung der Bilanz, sondern des gesamten Jahresabschlusses, also ebenfalls der Gewinn- und Verlustrechnung sowie des Geschäftsberichts als Aufgabe der Bilanzpolitik anzusehen ist. Der hierfür angemessenere Begriff der Rechnungspolitik hat sich im Sprachgebrauch jedoch nicht durchgesetzt.[18]

2.2 Bilanzpolitische Instrumentarien

Traditionell umfasst Bilanzpolitik nur Maßnahmen, die das reale betriebliche Geschehen unberührt lassen. Somit wird Bilanzpolitik in diesem engeren Sinne erst nach dem Abschlussstichtag durch Gestaltung der Abbildung realen betrieblichen Geschehens im Rahmen des Jahresabschlusses durchgeführt. Diese Art von Bilanzpolitik wird als buchmäßige Bilanzpolitik bezeichnet. Neben dieser Bilanzpolitik im engeren Sinne (i.e.S.) haben in den letzten Jahrzehnten Sachverhaltsgestaltungen stark an Bedeutung gewonnen. Zusammen mit der buchmäßigen Bilanzpolitik bilden sie die Bilanzpolitik im weiteren Sinne (i.w.S.). Diese beinhaltet also auch Sachverhaltsgestaltungen vor dem Abschlussstichtag, die dazu dienen, das Bild des Jahresabschlusses bzw. der Bilanz zu beeinflussen.[19]

Die Bilanzpolitik im engeren Sinne lässt sich weiter unterteilen in die materielle und formelle Bilanzpolitik.[20] Die nachstehende Abbildung gibt einen Überblick über die Systematik der bilanzpolitischen Maßnahmen.

Abb. 1: Bilanzpolitische Maßnahmen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Wagenhofer und Ewert (2007), S. 239.

2.2.1 Buchmäßige Bilanzpolitik

Die buchmäßige Bilanzpolitik (auch bekannt als accrual-based earnings management[21] ) betrifft die buchmäßige Darstellung von bereits erfolgten Geschäftsvorfällen im Jahresabschluss. Die erforderliche Voraussetzung dafür ist die Existenz von Geschäftsvorfällen während des Berichtszeitraums, für die Abbildungsspielräume im Jahresabschluss bestehen. Die hierunter fallenden Maßnahmen werden des Öfteren als Maßnahmen nach dem Bilanzstichtag angeführt, obwohl sie zum Teil bereits während des Geschäftsjahres, beispielsweise bei der Erstellung der Quartals- und Halbjahresabschlüsse, durchgeführt werden können. Besonders oft geschieht es in Zeiten des sogenannten „fast close“, bei dem es um eine möglichst rasche Aufstellung des Abschlusses nach dem Bilanzstichtag geht.[22]

Die Maßnahmen, die bei der Jahresabschlusserstellung ergriffen werden können, zielen einerseits auf die Beeinflussung der Höhe des ausgewiesenen Jahresergebnisses (materielle Bilanzpolitik) ab und andererseits stehen Gliederung und Erläuterungen im Mittelpunkt der Einflussnahme (formelle Bilanzpolitik).[23] Im Folgenden werden die beiden Vorgehensweisen näher erläutert.

2.2.1.1 Materielle Bilanzpolitik

Um einen Einfluss auf die Höhe des im Jahresabschluss ausgewiesenen Jahresergebnisses auszuüben, bieten sich viele Spielräume an, in dessen Rahmen die Bilanzierung und Bewertung von Geschäftsvorfällen zielgerichtet gewählt wird.[24] Aufgrund der realen Vielfalt an betrieblichen Tatbeständen können lediglich Rahmenvorschriften für die Bewertung der Aktiva und Passiva vom Gesetzgeber erlassen werden. Diese Rahmenvorschriften müssen der Unternehmensleitung entsprechende Freiräume lassen, damit diese im konkreten Einzelfall zu einem – auch aus Sicht des Gesetzgebers – zweckadäquaten Wertansatz gelangen kann.[25] Daher enthalten die gesetzlichen Regelungen zahlreiche Wahlrechte und Ermessensspielräume, wobei diese von den im Rahmen der Bilanzierung und Bewertung gegebenen Gestaltungsmöglichkeiten zu unterscheiden sind.[26]

Wahlrechte

Es handelt sich um ein Wahlrecht, wenn die Erfassung eines Sachverhalts im Jahresabschluss nach mindestens zwei konkreten, sich ausschließenden Alternativen möglich ist und der Abschlussersteller frei zwischen den Alternativen entscheiden kann. Ein solches Wahlrecht kann entweder offen (explizit), z.B. in einem Standard, oder faktisch (implizit), wenn die Regulierung nicht angemessen spezifiziert ist, erfolgen.[27] Von einem expliziten Wahlrecht spricht man, wenn im Standard an einen genau definierten Sachverhalt zwei oder mehr eindeutig bestimmte, sich gegenseitig ausschließende Rechtsfolgen anknüpfen und sich der Bilanzersteller für eine dieser Rechtsfolgen entscheiden muss. Hierunter fallen grundsätzlich die Aktivierungs- und Passivierungswahlrechte – also die Ansatzwahlrechte – sowie die Bewertungs- und Ausweiswahlrechte, gleichwohl die IAS/IFRS keine expliziten Ansatzwahlrechte beinhalten und die Reduzierung von expliziten Wahlrechten zum Zweck der Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse anstreben.[28]

Bedeutende explizite Bewertungswahlrechte nach IAS/IFRS sind z.B.:

die Wahl zwischen dem Neubewertungs- und Anschaffungskostenmodell bei immateriellen Vermögenswerten, welche auf aktiven Märkten gehandelt werden (gem. IAS 38.75 i.V.m. IAS 38.8), und bei Sachanlagen (gem. IAS 16.29-16.79),

die Wahl zwischen dem Neubewertungs- und Anschaffungskostenmodell bei als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien (gem. IAS 40.35).[29]

Explizite Ausweiswahlrechte nach IAS/IFRS sind beispielsweise:

die Darstellung der Gewinn- und Verlustrechnung nach Umsatz- oder Gesamtkostenverfahren (gem. IAS 1.88),

die mögliche Verrechnung erfolgsbezogener Zuwendungen der öffentlichen Hand mit Aufwendungen (gem. IAS 20.29).[30]

Ein implizites Wahlrecht besteht hingegen, wenn das Vorgehen bezüglich Ansatz, Bewertung und/oder Ausweis der in Rede stehenden Sachverhalte nicht oder nicht eindeutig kodifiziert ist. Insbesondere für die IAS/IFRS-Rechnungslegung besteht, im Hinblick auf die nunmehr zu betrachtenden impliziten Wahlrechte, ein sehr breites Spektrum an bilanzpolitischen Gestaltungsmöglichkeiten.[31]

Als bedeutende implizite Ansatzwahlrechte nach IAS/IFRS gelten z.B.:

die Möglichkeit, nicht entscheidungsrelevante Positionen aufgrund des Wahrscheinlichkeitspostulats gem. IAS 1.29 sofort erfolgswirksam zu verbuchen,

die Beeinflussung des Ansatzes von immateriellen Vermögenswerten, insbesondere von Entwicklungsaufwendungen (versus Forschungsaufwendungen), in Abhängigkeit der erforderlichen Ansatzkriterien und der damit verbundenen Nachweise.[32]

Zu den wichtigen impliziten Ausweiswahlrechten zählen u.a.:

die Gliederungen von Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnungen,

die Ausführlichkeit der Pflichtangaben im Anhang und die Erweiterung des Anhangs um Zusatzinformationen.[33]

Und zu den wesentlichen impliziten Bewertungswahlrechten gehören z.B.:

die Bestimmung des Abschreibungsbeginns und der Abschreibungsdauer sowie die Wahl der Abschreibungsmethode von Vermögenswerten des Anlagevermögens,

die Durchführung von Pauschalwertberichtigungen ähnlichen Forderungsabschreibungen, wenn die korrespondierenden Forderungen gem. IAS 39.64 zu einem Portfolio zusammengefasst werden können.[34]

Ermessensspielräume

Bei einem Ermessensspielraum besteht im Gegensatz zu einem Wahlrecht keine Wahlmöglichkeit. Die Bilanzierung basiert indes auf einer Beurteilung des wirtschaftlichen Sachverhalts durch das Unternehmen. Das Bestehen von Ermessensspielräumen offenbart sich meist durch Verwendung unbestimmter Rechtsbegriffe in den Rechnungslegungsregelungen.[35] Beispielsweise wird in den IAS/IFRS ein erheblicher Ermessensspielraum durch vielfältige Schätzungsregeln und –notwendigkeiten geschaffen, weshalb die ggf. erforderliche Änderung einer Schätzung in IAS 8.32-8.40 gesondert behandelt wird. Schätzungen werden in zahlreichen Standards angesprochen, wobei grundsätzliche Aussagen dazu der IAS 8.32 bietet. Danach können als Ergebnis der mit Geschäftstätigkeiten verbundenen Ungewissheiten viele Posten in den Abschlüssen nur geschätzt werden und bedürfen keiner präzisen Bewertung. Als konkretes Beispiel kann an dieser Stelle die Schätzung des zukünftigen Gesamterfolgs angeführt werden.[36]

2.2.1.2 Formelle Bilanzpolitik

Durch den Einsatz der formellen Bilanzpolitik wird der Ausweis der Geschäftsvorfälle in der Bilanz bzw. der Gewinn- und Verlustrechnung oder die Darstellung und Erläuterung im Anhang beeinflusst. Dabei werden die Posten des Jahresabschlusses den Zielen entsprechend präsentiert, ohne dass ein materieller Einfluss ausgeübt wird.[37] Beim Aufbau und der Gliederung des Jahresabschlusses ist die Zuordnung von Positionen ausschlaggebend für die Klarheit und Übersichtlichkeit.[38] Für die IAS/IFRS-Bilanz ist abgesehen von einigen Pflichtangaben keine detaillierte Gliederung vorgeschrieben.[39] Somit eröffnet sich ein gewisser bilanzpolitischer Spielraum, da beispielsweise Einzelposten in der Bilanz sinnvoll zusammengefasst werden können.[40] Des Weiteren ergeben sich Spielräume für die Gestaltung des Anhangs z.B. gem. den Vorschriften des IASB, die zum einen die Änderung der Reihenfolge bestimmter Posten regeln und zum anderen eine Kombination von Informationen über die im Gewinn oder Verlust berücksichtigten Änderungen des beizulegenden Zeitwerts mit Informationen über Fälligkeitstermine von Finanzinstrumenten gestatten.[41]

2.2.2 Reale Bilanzpolitik

Die reale Bilanzpolitik umfasst alle von der Geschäftsführung eines Unternehmens absichtlich vorgenommenen geschäftspolitischen Maßnahmen, die in Form von Sachverhaltsgestaltungen innerhalb der Abrechnungsperiode umgesetzt werden, um das in dem Jahresabschluss ausgewiesene Jahresergebnis zielgerichtet zu beeinflussen.[42] Um dies zu erreichen, kann sich das Management für kurzfristig wirksame Maßnahmen oder längerfristige Maßnahmen entscheiden. Klassische Beispiele für kurzfristig wirksame Maßnahmen sind das Erhöhen oder Reduzieren von Auszahlungen für Forschung und Entwicklung, Werbung oder Weiterbildung.[43] Darüber hinaus kann durch eine vor dem Jahresabschlussstichtag angesiedelte Veräußerung eines Vermögensgegenstands, dessen aktueller Marktwert höher ist als die Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder als der aufgrund planmäßiger oder außerplanmäßiger Abschreibungen unter den historischen Anschaffungs- oder Herstellungskosten liegende letztjährige Bilanzansatz, der Jahresüberschuss erhöht werden.[44] Außerdem sind Käufe bzw. Verkäufe von Vorratsbeständen und Wertpapieren denkbar.[45]

Bei längerfristigen Maßnahmen geht es dahingegen häufig um unterschiedliche vertragliche Gestaltungen von gleichen wirtschaftlichen Sachverhalten, die unterschiedliche bilanzielle Auswirkungen haben. Als Beispiel dafür kann das sogenannte „Sale und Lease Back“, bei dem ein Anlagengegenstand veräußert und gleichzeitig zurückgeleast wird, angeführt werden. Wenn es sich bei dem Leasingvertrag um ein Operate Leasing handelt, wird der Gegenstand gewinnwirksam ausgebucht. Beim Vorliegen eines Finanzierungsleasings wird dagegen der Vermögensgegenstand weiterhin aktiviert, indes ändert sich jedoch sein Wertansatz. Damit können stille Reserven realisiert werden, obwohl sich an der wirtschaftlichen Situation nichts geändert hat.[46]

2.3 Bilanzpolitische Ziele

Mit dem Begriff „Politik“ verbindet man Vorstellungen über Ziele, Grundsätze, Mittel und Methoden bezüglich eines abgegrenzten Sachverhalts. Eine wesentliche Bedeutung kommt dabei den Zielen zu. Bilanzpolitik muss stets vor dem Hintergrund der unternehmerischen Zielsetzung als ein Bestandteil der Unternehmensstrategie betrachtet werden. Die Ziele der Bilanzpolitik liegen somit in der Unterstützung der Unternehmensstrategie. Sie muss sich daher mit ihren Mitteln an die Ziele der Unternehmenspolitik anpassen.[47] Diese werden dabei entweder von außen durch Shareholder und Stakeholder bestimmt oder innerhalb des Unternehmens festgelegt. In beiden Fällen kommt es jedoch im Wesentlichen auf die Befriedigung der Ansprüche und Anforderungen der berechtigten externen Personengruppen – der Shareholder und Stakeholder – an. Einen der Ansprüche bildet das Recht auf umfassende Informationen über die Tätigkeiten des Unternehmens. Der Jahresabschluss liefert einen wesentlichen Teil dieser Informationen und bildet somit, samt der mit ihm verbundenen Bilanzpolitik, einen Teil der Informationspolitik.[48]

Unterdessen ist es eine bedeutende Aufgabe der Geschäftsleitung alle Teilpolitiken des Unternehmens miteinander zu koordinieren. Dazu werden Informationen über die Auswirkungen z.B. der Bilanzpolitik auf die Steuerpolitik benötigt.[49] Die nachfolgende Darstellung dient zur Veranschaulichung der Einordnung der Bilanzpolitik in die Zielsystematik eines Unternehmens:

[...]


[1] Vgl. Krawitz (1997).

[2] Wiebe (2007).

[3] Molitor (2002).

[4] Fockenbrock et al. (2010).

[5] Volkery (2001).

[6] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 237.

[7] Vgl. Bitz et al. (2011), S. 677.

[8] Vgl. Pfleger (1991), S. 21.

[9] Vgl. Bertelsmann Lexikon-Institut (1992), S. 113; Vgl. Dichtl und Issing (1994), S. 310-311; Vgl. Pepels und Weigert (1999), S. 107-108.

[10] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 237.

[11] Vgl. Freidank und Velte (2007), S. 11.

[12] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 237.

[13] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 238.

[14] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon: Bilanzmanipulation, (2012).

[15] Vgl. Weirich et al. (2010), S. 198; Vgl. Bologna und Lindquist (1995), S. 4.

[16] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 238.

[17] Vgl. Bitz et al. (2011), S. 678.

[18] Vgl. Packmohr (1984), S. 1.

[19] Vgl. Bitz et al. (2011), S. 678-679.

[20] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 239.

[21] Vgl. Zang (2012), S. 676.

[22] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 241.

[23] Vgl. Peemöller (2001), S. 174.

[24] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 242.

[25] Vgl. Bieg und Kußmaul (2006), S. 259.

[26] Vgl. Pfleger (1991), S. 33.

[27] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 242.

[28] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-45.

[29] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-45.

[30] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-45.

[31] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-45.

[32] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-46.

[33] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-46.

[34] Vgl. Brösel und Zwirner (2009), S. 44-46.

[35] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 242.

[36] Vgl. Tanski (2004), S. 1847.

[37] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 241-242.

[38] Vgl. Müller und Wulf (2001), S. 2211.

[39] Vgl. IAS 1.54.

[40] Vgl. Müller und Wulf (2001), S. 2211.

[41] Vgl. IAS 1.112-1.116.

[42] Vgl. Zang (2012), S. 676.

[43] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 240.

[44] Vgl. Bieg und Kußmaul (2006), S. 239.

[45] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 240.

[46] Vgl. Wagenhofer und Ewert (2007), S. 240.

[47] Vgl. Peemöller (2001), S. 172.

[48] Vgl. Tanski (2006), S. 3.

[49] Vgl. Peemöller (2001), S. 172.

Details

Seiten
39
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656893844
ISBN (Buch)
9783656893851
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289028
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
Bilanzpolitik

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Titel: Buchmäßige und reale Bilanzpolitik