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Journalismus-Ethik. Ein internationaler Vergleich von rechtlichen Regulierungen und regulativen Institutionen der Ehrenkodizes

Hausarbeit 2013 25 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienethik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Basis: Was ist Journalistische Ethik
2.1. Ansätze der Journalismus-Ethik
2.2. Historische Entwicklung Journalistischer Ethik
2.3. Relevanz Journalistischer Ethik
2.4. Die Rolle der Ethikkodizes

3. Forschungsfragen

4. Länderspezifische Umsetzung Journalistischer Ethik
4.1. Journalistische Ethik in Deutschland
4.1.1. Rechtliche Regulierung
4.1.2. Regulative Institutionen
4.1.3. Ethikkodizes
4.2. Journalistische Ethik in Frankreich
4.2.1. Rechtliche Regulierung
4.2.2. Regulative Institutionen
4.2.3. Ethikkodizes
4.3. Journalistische Ethik in Großbritannien
4.3.1. Rechtliche Regulierung
4.3.2. Regulative Institutionen
4.3.3. Ethikkodizes

5. Ländervergleich

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

Es gab sie in der Vergangenheit und wird sie wahrscheinlich auch in Zukunft noch geben: heftig umstrittene Grenzfälle journalistischer Berichterstattung wie beispielsweise im Zuge der ÄBarschel- Affäre“ oder während des Geiseldramas von Gladbeck und Bremen, beides Exempel für ein Überschreiten ethischer Grundsätze durch Journalisten. Man könnte eine lange Liste von Versäumnissen und Fehlleistungen - keineswegs nur in Deutschland - aufzählen, und häufig entzünden solcherlei Vorfälle aufgeregte Debatten um die journalistische Ethik. Ein Trugschluss wäre es jedoch, hierbei die alleinige Verantwortung für Verfehlungen dem einzelnen Journalisten und somit den individualethischen Maximen zuzuschreiben. Sicherlich ist das persönliche Gewissen ein wichtiger Faktor, wenn vor Ort gehandelt und eine Entscheidung getroffen wird, wie zum Beispiel ob man in ein verschlossenes Hotelzimmer eindringt und einen Menschen fotografiert, bevor man Erste Hilfe leistet oder ob man in den Verlauf einer Geiselnahme eingreift. Allerdings ist das individuelle Handeln eingebettet in ein Netz aus professionsethischen Maßstäben und Normen wie z.B. dem deutschen Pressekodex sowie institutionellen und systemischen Rahmenbedingungen durch Gesetzgeber und Medienunternehmern. Das Zusammenspiel zwischen gesetzlichen Vorgaben und journalistischer Ethik beschreibt Rüdiger Funiok (2002) folgendermaßen:

ÄEthik ist eine 'innere Steuerungsressource'. Das Recht stellt mit seinem Zwangscharakter demgegenüber eine äußere Steuerungsmöglichkeit dar. Es wäre um die Moral im Medienbereich sicher noch schlechter bestellt, wenn es die Sanktionsmöglichkeit des Rechts nicht gäbe und alles der Freiwilligkeit überlassen bliebe. Es braucht beide Steuerungen, soll ein gesellschaftlich so bedeutsamer Sektor wie der Medienbereich nicht aus dem Ruder laufen.“ (Funiok, 2002)

In der vorliegenden Arbeit, die im Rahmen des Seminars ÄRationalität und Ethik im Journalismus“ am Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg Universität Mainz unter der Leitung von Dr. Nikolaus Jackob entstanden ist, wird die Rolle von Ethikkodizes im internationalen Vergleich von Deutschland, Frankreich und Großbritannien analysiert. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Einbettung der Ethikkodizes in den Bezugsrahmen gesetzlicher Bestimmungen und (Selbst-)Kontrollinstanzen gelegt. Hierfür wird zuerst die theoretische Basis gelegt, indem in Kapitel 2 definiert wird, was Journalismus-Ethik umfasst, wie sie entstanden ist und welche Bedeutung sie für den Journalismus hat. Weiterhin wird die Relevanz von Ethikkodizes dargelegt und in Kapitel 3 die grundlegenden Fragen für die Arbeit definiert. In Kapitel 4 folgt schließlich eine länderspezifische Betrachtung der journalistischen Ethik in Bezug auf die rechtliche Regulierung, die vorhandenen regulativen Institutionen und schließlich die Ethikkodizes in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Anschließend wird der Vergleich dieser Ethikstrukturen in Kapitel 5 vorgenommen wobei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufgezeigt werden. Im anschließenden Fazit (Kapitel 6) wird ein Resümee aus dem Ländervergleich gezogen und dargelegt, wie der primär deskriptive Überblick dieser Arbeit im Kontext der Journalismus-Ethik einzuordnen ist.

2. Theoretische Basis: Was ist Journalistische Ethik

2.1. Ansätze der Journalismus-Ethik

Als Journalist ist man einem stetigen Spannungsfeld aus ökonomischen Zwängen der journalistischen Praxis und normativen Ansprüchen an die journalistische Qualität ausgeliefert (Schicha, 2003). Die moralischen Grundsätze der Journalismus-Ethik dienen dabei als ideale Leitbilder, an denen sich Journalisten orientieren können. Grundsätzlich ist ‚Ethik‘ - als Teildisziplin der praktischen Philosophie (Thomas, 1998) - definiert als ÄWissenschaft vom moralischen Handeln“ (Pieper, 1994, S.13). Laut Thomas (1998) untersucht sie die Struktur moralisch richtigen Handelns mit dem Ziel, zu definieren, welche Parameter erfüllt sein müssen, damit eine Handlung als moralisch eingestuft werden kann. Zu diesem Zweck werden Verhaltensmuster und Grundeinstellungen auf ihren moralischen Gehalt reflexiv analysiert, mögliche Problemstellungen oder Zwiespalte erfasst und Lösungswege entwickelt. Schließlich werden diese Lösungsvorschläge auf ihre moralischen Konsequenzen hin überprüft.

Auch die journalistischen Ethik verfolgt diese Zielstellung: ÄEthik im Journalismus fragt nach den Prinzipien guten journalistischen Handelns und ihren Begründungen“ (Thomas, 2004, S. 405). Wichtig ist es, hierbei zu differenzieren, dass die Ethik der Journalisten nicht mit Moral an sich gleichzusetzen ist (Thomas, 1998). Vielmehr ist Moral als das zu verstehen, was man in alltäglichen Entscheidungssituationen anwendet, wohingegen journalistische Ethik die theoretische Grundlage zur alltäglichen journalistischen Moral darstellt. Auf welche Situationen bezieht sich nun also die journalistische Ethik konkret? Thomas (1998) deklariert, dies sei immer dann der Fall, wenn es um die Handlungen von Journalisten, die Qualität journalistischer Produkte, Fehlleistungen und Konfliktfelder im Journalismus und um die Begründung von Werteurteilen und deren theoretische Fundierung geht.

Genaugenommen handelt es sich bei der journalistischen Ethik um eine ÄBereichsspezifische Ausdifferenzierung der Medienethik“ (Brosda, 2010, S.259), welche wiederum ein Feld der Allgemeinen Ethik darstellt. Jedoch ist zumeist eigentlich Journalismus-Ethik gemeint, wenn Medienethik thematisiert wird (Brosda, 2010). Davon geht ebenso Christian Schicha (2003) aus, welcher vier verschiedene Ansätze der ‚Medienethik‘ unterscheidet:

1. Individualethik
2. Professionsethik
3. System-/Institutionsethik
4. Publikumsethik.

Im Folgenden wird jeweils lediglich ein grober Überblick über die verschiedenen Ansätze gegeben, da eine detaillierte Darstellung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. In der Individualethik sieht Schicha (2003) die Rollenverantwortung des Individuums ‚Journalist‘ für sein journalistisches Schaffen verankert. Kern dieses Ansatzes bilden konkrete Ämoralische Verhaltensregeln für den einzelnen Journalisten“ (Schicha, 2003, S. 4). Dabei bildet sich das berufliche ÄGewissen“ aus der Sozialisation, den Fähigkeiten, der Erfahrung und der Motivation der Journalisten. Diese ideellen Richtlinien für journalistisches Handeln stehen in engen Zusammenhang mit der Institutions- und Unternehmensethik. Hierbei werden im Gegensatz zu den individualethischen Maximen Medienunternehmen in die Verantwortung genommen, einen Rahmen für sozialverantwortliche journalistische Arbeit zu schaffen. Diese Verantwortung schlägt sich zum einen in formellen (z. B. Redaktionsstatuten, Codes of Conduct) und zum anderen in informellen Regeln nieder. Ethische Kriterien sind dabei auch ein Mittel der Qualitätssicherung. Ein weiterer Ansatz nimmt eine völlig andere Perspektive ein: die Publikumsethik bezieht sich auf die Konsumenten journalistischer Produkte, die mit ihrem Rezeptionsverhalten die Medienberichterstattung beeinflussen sollen. Sie tragen insoweit Verantwortung, als dass sie in der moralischen Pflicht stehen, die Medien kritisch zu beobachten, um gegebenenfalls mit Boykott oder Verzicht auf das Qualitätsniveau journalistischer Produkte einwirken zu können. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt jedoch auf einem weiterem Ansatz Schichas: der Professionsethik. Laut Schicha (2003) sollen Ä[professionsethische Maßstäbe] dafür sorgen, dass das berufliche Verhalten im Kontext der Medienberichterstattung Äberechenbar“ ist“ (Schicha, 2003, S.5). Um diese Kalkulierbarkeit des beruflichen Verhaltens zu ermöglichen, schreiben die Berufsverbände ideale Verhaltensrichtlinien in sogenannten Ethik-Kodizes nieder - wodurch die Handlungen der einzelnen Journalisten mehr oder minder vorhersehbar und ebenso ethisch bewertbar werden. Pürer (1992) verordnet diese professionsethischen Maßstäbe hingegen eher innerhalb der Individualethik und unterscheidet daher nur drei Theorieansätze für die Ethik des Journalismus (einen kurzen Überblick über Pürers Einteilung zeigt Tabelle 1).

Ethik in Journalismus und Massenmedienkommunikation

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Drei Ansätze der Journalistischen Ethik in Anlehnung an Pürer (1992).

Das Individuum richtet seine journalistische Tätigkeit an den professionellen Normen aus, sie stellen für ihn die Äpersönliche berufsethische Fundierung“ (Pürer, 1992, S. 310) jedes einzelnen Journalisten dar.

Ruß-Mohl und Seewald (1992) zeigen darüber hinaus alle Elemente der übergreifenden, ethischen Infrastruktur des Journalismus auf, welche dazu beitragen, dass die Berufsnormen bei den Journalistenverankert werden und dass Regelverstöße, die nicht durch das Äschlechte Gewissen“ des einzelnen Journalisten verhindert werden, auch geahndet werden:

- Institutionalisierte Selbstkontroll-Systeme (Presserat, Ombudsleute in Medienbetrieben)  Einrichtungen der Journalisten-Aus- und Weiterbildung
- mit Medienberichterstattung befasster Journalismus „Medienjournalismus“
- Bürgergruppen/initiativen in kritischer Auseinandersetzung mit Journalismus/Medien z.B. bildblog.de (Deutschland) oder die Voice of Listeners (Großbritannien)
- Wissenschaftliche Betrachtungen (Publizistik)

Hallers (1992) stellt diese Infrastruktur und die sich daraus ergebenden, teils gegenläufig wirkenden Einflusskräfte auf die journalistische Ethik bildhaft in seiner Beschreibung des Matroschka-Syndroms der Journalisten dar: im Zentrum des Dilemmas stehen - wie im Kern einer Matroschka-Puppe - die journalistischen Handlungsnormen. Diese Professionalitätskriterien der Journalisten sind eng verknüpft mit deren Ausbildung, denn hier werden sie den Journalisten vermittelt. Zudem werden sie überlagert von den Organisationsnormen des Redaktionsbetriebs, in dem der jeweilige Journalist tätig ist. Diese wiederum unterstehen der Redaktionsleitung, welche dem Intendanten oder Verleger unterstehen, welche zwangsläufig den ökonomischen Zwängen des Marktes unterworfen sind. Außerdem kann es durchaus vorkommen, dass Parteipolitiker versuchen, journalistische Abläufe zu ihren Gunsten zu beeinflussen, wie zum Beispiel im Fall des Anrufs des CSU-Sprechers Hans-Michael Strepp beim ZDF mit dem Ziel, die Berichterstattung über den Parteitag der bayerischen SPD einzudämmen. Haller betont hierbei, dass die gesellschaftlich definierten Funktionsnormen und die Funktionswirklichkeit des Journalismus weit auseinander klaffen. Im Folgenden wird nun kurz darauf eingegangen, wie sich dieses ausgeprägte Netzwerk journalistischer Ethik entwickeln konnte.

2.2. Historische Entwicklung Journalistischer Ethik

Als Vorreiter der Entwicklung nennt Thomas (1998) die USA, da sich dort der Journalismus als Profession am schnellsten ausgeformt hatte und sich in diesem Zug auch die Beschäftigung mit dem moralischen Tun am ehesten einstellte. Der erste formale Ethik-Kodex wurde 1910 in Kansas entwickelt (Thomas, 1998). Dieser Ehrenkodex eines Verlegerverbandes umfasste sechs Punkte, darunter Verantwortung (für die journalistische Macht), Pressefreiheit, Unabhängigkeit (Trennung von Werbung und Nachrichten, keine Promotion für private Interessen), Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Genauigkeit, Objektivität (klare Trennung von Meinung und Informationen), Fairness (Richtigstellung von eigenen Fehlern usw.) und Anstand (keine detaillierte Darstellung von Kriminalität und Laster) (Codes of Ethic Collection, 2011). Parallel dazu etablierte sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Medienethik. Professions-Verbände entstanden und erste Fachjournale wurden publiziert (z.B. Journal of Mass Media Ethics). Einen Meilenstein der Entwicklung bildete die Hutchins Commission - oder auch Commission on Freedom of the Press - imJahr 1947 (Thomas, 1998). Einberufen wurde sie während des 2. Weltkrieges durch Henry Luce1.

Robert Hutchins, der Präsident der University of Chicago, sollte eine Kommission zusammen stellen, die die Funktion der Medien in einer modernen Demokratie definieren sollten. Die Kommission kam zu dem Schluss, dass der Legitimationsgrund des Journalismus in seiner Verantwortlichkeit gegenüber der menschlichen Gesellschaft liege. Daher handle ein Journalist dann ethisch, wenn er dies im Dienste der Menschheit tut und nicht nur, um den Werdegang seiner Karriere zu fördern. Diese Schlussfolgerung nahm erstmals den Journalist als Akteur sozial und moralisch in die Pflicht (Boventer, 1983). Boventer (1983) umschreibt diese Entwicklung folgendermaßen: ÄDamit wurde eine Phase, in der unvoreingenommene Tatsachenberichterstattung der Inbegriff journalistischer Moralität war, durch eine soziale und moralische Inpflichtnahme des Journalismus abgelöst“ (Boventer, 1983, S. 27).

In Deutschland nahm die ethische Debatte erst recht spät - in den 80er Jahren - Fahrt auf, als sich immer mehr Skandalfälle, wie die Affäre um die angeblichen Tagebücher Adolf Hitlers als Story im Stern (1983), die fragwürdige Fotodokumentation und Publikation des Tods Uwe Barschels im Spiegel (1987) oder die unreflektierte Tagesschau-Berichterstattung über den Flugzeugabsturz in Rammstein (1988) häuften (Thomas, 1998). Man begann sich ernsthaft um die Ethik des Journalismus zu sorgen und der Ruf nach journalistischer Ethik wurde lauter (Haller, 1992). Thomaß (2000) konstatiert den Hauptkonflikt der weitverzweigten deutschen Diskussion zwischen den normativ-ontologischen (Boventer, 1988; Binkowski, 1981) und den empirisch-analytischen Ansätzen (Rühl/Saxer, 1981; Gottschlich, 1980). Hierbei stehen sich zwei recht konträre Betrachtungsweisen gegenüber: die systemische Argumentation geht davon aus, dass die Ausdifferenzierung des Mediensystems im Widerspruch dazu steht, dem Journalisten zu viel individuelle Verantwortung aufzuerlegen, da Äindividuelle Wertevorstellungen, Gesinnungen und Willensentscheidungen im Journalismus gegenüber organisatorischen Arbeits- und Berufsprämissen zurückgetreten [sind]“ (Rühl, 1996, S.93). Hingegen fordern Vertreter der normativ-ontologischen Linie Ä[v]on Tugenden, von Verantwortung, von Schuld und Gewissen muß gesprochen werden“ (Boventer, 1996, S.60) - und zielen damit auf die moralische Inpflichtnahme des Einzelnen und eine personale Selbstverpflichtung zur Wahrung der Berufsethik ab. Das Konzept der gestuften Verantwortung, wie es Funiok (2002) darlegt, vereint hingegen beide Ansätze und geht von einer Durchdringung und Überlappung aus und konstatiert eine wechselseitige Abhängigkeit der verschiedenen Ebenen ethischer Verantwortung (Thomas, 2000).

2.3. Relevanz Journalistischer Ethik

Nach dem die historische Entwicklung der Journalismus-Ethik umrissen wurde, wird nun die Begründung geliefert, weshalb überhaupt ein Bedarf für eben dieses besteht. Brosda (2010) sieht das Fundament aller Ansätze der Journalismus-Ethik in der Erkenntnis, Ädass Journalismus eine gesellschaftliche bzw. öffentliche Aufgabe zu erfüllen hat, derentwegen er gesellschaftlich ausdifferenziert wurde“ (Brosda, 2010, S.259). Er stellt über die Massenmedien Öffentlichkeit her und sorgt für den Austausch von Informationen und Meinungen und trägt somit fundamental zum Funktionieren einer Demokratie bei2 (Schicha, 2003). Die konkreten Aufgaben sind laut Schicha (2003) hierbei

- Ädie Informationsfunktion (Nachrichtenvermittlung),
- die Bereitstellung relevanter Themen für den öffentlichen Diskurs (Agenda-Setting),
- die Bildungs- und Sozialisationsfunktion (Vermittlung von Werten),  die Integrationsfunktion (Suchen gemeinsamer Ziele),
- die Korrelationsfunktion (Meinungsbildung),
- die Artikulationsfunktion (aller gesellschaftlichen Kräfte)
- sowie die Kritik- und Kontrollfunktion“ (Schicha, 2003, S.2).

Da für diese bedeutenden Aufgaben nicht der Maßstab der allgemeinen Moral angesetzt werden kann, braucht Journalismus eine ‚eigene‘ Ethik, die durchaus auch den generellen sittlichen Normen widersprechen kann. Sie soll zwischen dem generellen Publikationszwang des Journalismus und den Auswirkungen journalistischer Handlungen abwägen (Brosda, 2010). Darüber hinaus sieht Brosda (2010) den Journalismus als zu einflussreich und zu grundlegend für die Demokratie, um ihn uneingeschränkt den Erwartungen der Gesellschaft auszusetzen: ÄJournalismus ist zu mächtig, zu demokratiekonstitutiv und potentiell sogar zu lukrativ, um ihn […] sich selbst zu überlassen“ (Brosda, 2010, S. 262-263). Auch Müller-Schöll und Ruß-Mohl (1994) sehen die Gefahr, dass der Journalismus instrumentalisiert wird, und betonen, dass wenn ethische Grundsätze im journalistischen System selbst verankert sind, der Journalismus am besten vor übergreifenden Steuerungsversuchen z.B. durch die Politik geschützt ist.

ÄEthikbedarf im Journalismus haben wir also nicht deshalb, weil es keine anderen Steuerungsinstanzen gäbe, sondern gerade weil ein intaktes und von den Journalisten selbst weithin akzeptiertes System professioneller Normen am ehesten die Gewähr dafür bieten könnte, daß der Journalismus seine Autonomie wahren kann.“ (Müller-Schöll & Ruß-Mohl, 1994, S. 274)

[...]


1 Herausgeber des Time und Life Magazins

2 Schicha (2003) sieht die Gewährleistung eines Diskurses der Meinungen als konstituierendes Merkmal einer freiheitlichen Demokratie.

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656895893
ISBN (Buch)
9783656895909
Dateigröße
821 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289350
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Publizistik
Note
1,0
Schlagworte
Medienethik Journalismus Pressekodex Journalismusethik Ethikkodex Deutschland Frankreich England USA internationaler Vergleich

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Titel: Journalismus-Ethik. Ein internationaler Vergleich von rechtlichen Regulierungen und regulativen Institutionen der Ehrenkodizes