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Improvisation im Musikunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 13 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Improvisation im Musikunterricht

1. Einleitung

2. Grundlagen - Musikwissenschaftliche und curriculare Ansichten
2.1. Improvisation in der Musikwissenschaft
2.2. Improvisation in den Lehrplänen
2.3. Zwischenfazit und Fortführung der Fragestellung

3. Untersuchung - Über die Berechtigung der Improvisation in der Musikdidaktik

4. Fazit - Musikpädagogische Improvisation gegen musikwissenschaftliche

Improvisation?

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sucht man zur Frage „Was ist Improvisation?“ Literatur, so stößt man vor- nehmlich auf Artikel, die sich mit dem Prozess Improvisation auseinander- setzten und versuchten dem - dem Namen nach - zufälligen Zustande- kommen von Musik eine Struktur zuzuordnen. Alle Aufsätze hatten gemein- sam, dass sie musikalische Fähigkeiten, vor allem auf dem Instrument, als Voraussetzung für improvisatorische Vorgänge anführten. Eine Tatsache, die an sich einleuchtend ist, doch in einem Widerspruch zu musikpädago- gischen Ansichten steht und, falls diese musikwissenschaftliche Perspekti- ve auch auf die Didaktik übertragen werden sollte, damit die Verwendung der Improvisation im Musikunterricht infrage stellt.

Schließlich werden in den meisten Fällen improvisatorische Ansätze gerade dazu benutzt, musikalische Grundlagen zu schaffen, das heißt, dass sie zu einem Zeitpunkt eingesetzt werden, zu dem davon ausgegangen werden muss, dass ein Großteil der Schülerinnen und Schüler über wenig oder keine musikalische Erfahrung, geschweige denn Fähigkeiten am Instru- ment verfügt.

Ich werde zunächst die musikwissenschaftliche Perspektive darstellen, um anschließend auf Grundlage der Verwendung und Forderung der Improvisation in den Lehrplänen für die Grundschule versuchen, musikpädagogische Ansichten und Ansätze zur Improvisation dieser musikwissenschaftlichen Perspektive gegenüber zu stellen.

2. Grundlagen - Musikwissenschaftliche und curricula- re Ansichten

2.1. Improvisation in der Musikwissenschaft

Wie also wird Improvisation in der Musikwissenschaft beschrieben? Es gibt einige Aufsätze, die sich der Improvisation unter diesem Gesichtspunkt und damit in vielen Fällen auch einem ästhetischen nähern. So wird Improvisation beschrieben "als kreative Ausdrucksweise, die vom gespeicherten Wissen des Unbewussten zehrt" (Hall 1992: 25).

Die MGG beschreibt Improvisation als „eine Handlung, die in wesentlichen Aspekten als unvorhergesehen […] erscheint - und zwar nicht nur für die von der Handlung betroffene(n) Person(en), sondern auch für die handeln- de(n) Person(en).“(Blume/Finscher) Diese noch allgemein gehaltene Defini- tion wird auch auf die musikalische Improvisation übertragen: „Von musika- lischer Improvisation kann in diesem Zusammenhang gesprochen werden, wenn das klangliche Ergebnis in wesentlichen Aspekten unvorhergesehen oder unvorhersehbar […] sowohl für den Ausführenden als auch für den Hörer ist.“(Blume/Finscher)

Auf den ersten Blick steht dieses Verständnis von Improvisation im Widerspruch zu Halls Aussage, die bei Behne (vgl. Behne 1994: 116) Unterstützung findet. Beide führen an, dass zur Improvisation das Zurückgreifen auf gelernte Muster gehört. Diese Muster werden sowohl im Umgang mit dem Instrument, als auch bei der Melodiefindung abgerufen.

Wenn es sich also bei Improvisation um die Verwendung gelernter und damit vorhandener Muster handelt, wie können dann musikalische Ereignisse unvorhergesehen eintreten? Ich möchte zur Klärung näher auf Behnes Improvisationsverständnis eingehen.

Der Improvisation liegt eine kognitive und eine aktive/motorische Komponente zugrunde. Eine in Gedanken vorgestellte Melodie wird durch die motorischen Fähigkeiten auf dem Instrument umgesetzt (vgl. Behne 1994). Letztere setzt eine langjährige Praxis auf dem Instrument voraus, in der sich Bewegungsmuster eingespielt haben, die in der Improvisation abgerufen werden können. Aber auch das musikalische Denken benötigt Grundlagen, die in erster Linie durch musikalische Erfahrungen gebildet werden. Dabei ist es gleich, ob sie beim eigenen Musizieren welcher Form auch immer oder beim Musikhören gemacht wurden.

Improvisation kommt nun dadurch zustande, dass der Musiker sich ein Schema herausgreift, es ausführt und danach oder währenddessen eine Entscheidung für seine nächste Aktion trifft (vgl. ebd.). An dieser Stelle setzt meiner Ansicht nach die Unvorhersehbarkeit der Improvisation an: Die ein- zelnen Bausteine mögen für den Spieler bekannt sein, er muss um sie wis- sen, da er sie sonst nicht anwenden kann. Doch in welcher Abfolge und ob überhaupt, entscheidet er spontan und deshalb aufs Ganze betrachtet, in jedem Fall für den Zuhörer, unvorhergesehen. Dies macht aber auch deut- lich, „dass Improvisation eigentlich ein paradoxer Vorgang ist: Improvisation lebt von fixen Mustern, Stereotypen, Schemata (die dem Anfänger noch fehlen), aber sie verliert den Charakter des Improvisatorischen, wenn der Hörer diese Muster erkennt, oder wenn sie in seiner Wahrnehmung zu sehr dominieren.“(Behne 1994, S. 119)

Behne führt hier auch einen ästhetischen Aspekt der Improvisation an. Diese zeichnet sich nicht durch einen Wiedererkennungswert, sondern eher durch ein hohes Maß an Abwechslung aus, das aber nur mit dem vorhandenen Grundwissen erreicht werden kann.

Ich halte fest, dass Improvisation ein Vorgang ist, der abwechselnd aus Entscheidungen und Aktionen besteht, wobei das spontane Treffen dieser Entscheidungen für das überraschende Moment der Improvisation verantwortlich ist. Ebenso ist dafür aber auch das Repertoire an Aktionen nötig, dessen Umfang die Variabilität bestimmt.

2.2. Improvisation in den Lehrplänen

Ich möchte zunächst einführend einen Blick auf exemplarisch ausgewählte Lehrpläne für die Grundschule werfen, um zu sehen, ob überhaupt und in welcher Weise die Improvisation dort auftaucht. Die Wahl dieser drei Bun- desländer erfolgte zufällig. Als einziges Kriterium könnte die Tatsache ange- führt werden, dass alle drei Länder bereits mit Kompetenzfeldern arbeiten. Im Lehrplan des Landes Nordrhein-Westfalen für die Grundschule sind im Kompetenzbereich „Musik machen“ "Mit der Stimme improvisieren" sowie "Mit Instrumenten improvisieren und experimentieren"(Nordrhein- Westfalen. 2008, S. 88) als Schwerpunkte aufgeführt. Unter anderem mit ihrer Hilfe sollen „basale Fähigkeiten“ im Umgang mit Instrumenten aufge- baut werden, die stimmliche Improvisation „fördert Kreativität“.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656896036
ISBN (Buch)
9783656896043
Dateigröße
374 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v289351
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Musikpädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Musikpädagogik Musik Unterricht Schule Lehramt

Autor

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Titel: Improvisation im Musikunterricht