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Kongo unter der Herrschaft Leopold II.

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorgeschichte

3 Leopolds Bemühungen um den Kongo

4 Berliner Konferenz 1884

5 Freistaat Kongo
5.1 Die koloniale Trinität
5.1.1 Der Staat
5.1.1.1 Die Force Publique
5.1.2 Die Kirche
5.1.3 Die Wirtschaftsunternehmen
5.2 Ausbeutung und Verbrechen an der Menschheit
5.2.1 Elfenbein
5.2.2 Kautschuk

6 Die Congo Reform Association

7 Das Ende der Herrschaft Leopold II. über den Kongo

8 Schluss

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In dieser Arbeit wird die Geschichte des État Indépendant du Congo von seiner Entstehung und Gründung im Jahre 1885 bis zu seiner Übernahme durch den belgischen Staat 1908 dargestellt. Während dieser Zeit war Leopold II., König der Belgier, der unumschränkte Machthaber über die von ihm gegründete Kolonie. Gerade dieses Machtverhältnis weckte mein Interesse am Freistaat Kongo. Leopold II. war die einzige Person, die über eine Privatkolonie verfügte, die zudem um ein vieles größer war als sein eigenes Königreich.

Ich möchte klären, wie es Leopold II. möglich war ein derart großes und reiches Gebiet wie den Kongo an sich zu reißen. Deshalb werde ich zunächst auf seine Bemühungen um die Herrschaft über das Kongogebiet bis zu der Gründung seines Kongo- Freistaates eingehen.

Anschließend werde ich anhand der Verwaltungsform und Ausbeutungsmethoden die Besonderheit des Leopoldschen Systems erklären und erläutern wieso diese Kolonie seinen Besitzer zu einem der reichsten Männer der Erde machte. Abschließend beschreibe ich die Entstehung der Congo Reform Association und des weltweiten Protests gegen Leopolds Herrschaft über den Kongo, der schließlich die Übertragung der Ein-Mann-Kolonie an den belgischen Staat zur Folge hatte.

Ein Hindernis bei der Verwirklichung der Arbeit bildete die unbefriedigende Quellenlage.

Gerade in der deutschen Sprache sind die meisten Texte über Leopolds Herrschaft im Kongo in allgemeinen Büchern über den Kolonialismus zu finden und füllen dort auch nur wenige Seiten. Leopolds Herrschaft über den Kongo wird in den Kapiteln zum belgischen Kolonialismus weitestgehend als eine Art Fußnote behandelt. So diente mir das meiner Meinung nach einzige Buch, dass in deutscher Sprache die Geschichte des Kongos unter der Herrschaft Leopolds zusammenhängend erklärt, ´Schatten über dem Kongo – Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen´ von Adam Hochschild[1], als wichtigste Quelle. Schon der Titel verrät, dass es mit dem Bewusstsein über die Herrschaft des Königs der Belgier im Kongo nicht weit her ist. Exemplarisch ist der Autor dann auch ein Amerikaner. Im Französischen gibt es zwar einige wenige Werke, die das Thema behandeln, doch sind diese schwer zugänglich.

2 Vorgeschichte

Mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 begann das Zeitalter des Sklavenhandels. Schwarze Sklaven aus West-Afrika wurden in die spanischen Kolonien der Neuen Welt importiert. Schon bald trafen die Europäer auf afrikanische Häuptlinge, die ihnen ihre eigenen Untertanen breitwillig verkauften. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich eine unersättliche Nachfrage nach afrikanischen Sklaven. Während des 16.-18.Jh. wurde der Sklavenhandel im Zeichen des europäischen Kolonialismus ein weltweites Phänomen.

Weil die afrikanischen Mittelsleute die Gefangenen eigenständig zu den Schiffen brachten, wussten die Europäer bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts noch so gut wie nichts über das Innere Afrikas. Wirtschaftliche Faktoren minderten schließlich die Einträglichkeit des Sklavenhandels und förderten somit seine Beendigung.[2]

Mit dem Beginn des klassischen Imperialismus in den 1880er Jahren begann der Wettlauf der europäischen Mächte[3] um die Aufteilung Afrikas und der Kolonialismus erlebte seinen Höhepunkt. Beflügelt wurden sie von der Gier nach Reichtümern. Die Europäer sahen sich aber gerne von höheren Motiven, wie Zivilisation[4], christliche Missionierung oder Abschaffung der Sklaverei, getrieben.[5]

3 Leopolds Bemühungen um den Kongo

Auch Leopold II., seit 1865 König der Belgier[6], wollte sich ´sein Stück am afrikanischen Kuchen sichern´. Es kam ihm auf einen möglichst großen Profit und Macht an. Belgien war für seine Ambitionen zu klein[7] und seine königliche Gewalt wich allmählich der Macht eines gewählten Parlaments. Als König eines kleinen Landes, das kein Interesse an Kolonien zeigte, nutzte er für seine Ambitionen humanitäre Beweggründe. Die afrikanische Urbevölkerung, so die Meinung der Europäer, litt unter zahlreichen Übeln: an grausamen Stammesfehden, Unterernährung, Krankheiten, Unwissenheit, Aberglauben, Sklavenhandel[8] und Angst.[9]

Der König veranstaltete im September 1876 einen Kongress von Entdeckern und Geographen unter seiner Schirmherrschaft in Brüssel. Dieser beriet über den Weg ins Innere Afrikas, sowie über Orte für Versorgungs-, Wissenschafts- und Befriedungsstationen, um mit ihrer Hilfe den Sklavenhandel abzuschaffen, Frieden zu schaffen und für eine unparteiische Schiedsinstanz zu sorgen. Durch Leopold II. Beeinflussung verlief die Reihe von Stützpunkten durch das Kongoflussbecken und somit durch das Gebiet, welches den König am meisten interessierte. Die Kongressteilnehmer gründeten die ´Internationale Afrikanische Gesellschaft´, die ihren Hauptsitz in Brüssel hatte und zu deren erstem Präsident Leopold gewählt wurde, um die humanitären Ziele zu verwirklichen. Die neue Organisation wurde in ganz Europa begrüßt.[10]

„Den einzigen Teil unseres Erdballs für die Zivilisation öffnen, wo sie noch kaum eingedrungen ist; die Finsternisse durchstoßen, die ganze Völker umhüllen: das ist – ich wage es zu sagen – ein würdiger Kreuzzug für unser Jahrhundert des Fortschritts.“[11]

Leopold wollte das riesige Gebiet des Kongo, das bislang von keiner europäischen Macht beansprucht wurde, zu seiner Kolonie machen. Der Kongo bildete zusammen mit seinen Nebenflüssen ein riesiges natürliches Transportsystem[12] und die Einwohner stellten keine militärische Bedrohung dar. Unter dem Deckmantel der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft[13] warb Leopold II. um Henry Morton Stanley[14] und beauftragte ihn 1879 mit der Leitung einer Expedition in das Gebiet des Kongobeckens.[15] Dort sollte er einen Stützpunkt in der Nähe der Flussmündung, eine Straße zur Umgehung der Katarakte und an den Ufern des beschiffbaren Flussteils Handelsstationen errichten.

Während fünf Jahren arbeitete Stanley für Leopold im Kongo. Er schloss zahlreiche Verträge[16] mit Häuptlingen des Kongo ab und unterwarf sie somit der uneingeschränkten Herrschaft Leopolds.[17] Dabei kaufte er Gebiete für einen Spottpreis, ohne dass die Häuptlinge wussten, was sie unterschrieben. Zudem beauftragte der König ihn, alles Elfenbein aufzukaufen, das er bekommen konnte und Zölle zu errichten.[18] Während Leopold II. so ein Handelsmonopol im Kongo erhielt, erklärte er in Europa, dass er sei dabei sei den Kongo dem Freihandel zu öffnen.

Durch die Arbeit Stanleys im Kongo begannen sich nun weitere Länder für den Kongo zu interessieren. Portugal erneuerte seine alten Ansprüche auf das Land rings um die Kongomündung. Dabei wurde es von Großbritannien unterstützt um dem französischen Interesse entgegenzuwirken. Leopold II. musste nun einen der größeren Staaten dazu bringen seine Kolonie anzuerkennen. Damit würde die Wahrscheinlichkeit wachsen, dass andere Länder dem ebenfalls zustimmten.[19]

Leopold II. setzte einen Mittelsmann mit guten Verbindungen zum weißen Haus in den USA ein. Am 22. April 1884 folgte die diplomatische Annerkennung des Anspruchs von König Leopold II. auf den Kongo durch die USA.[20] In Frankreich ging Leopold II. ähnlich vor.

Die Franzosen fühlten sich durch Leopolds Ansprüche auf den Kongo nicht bedroht. Ihre einzige Sorge bestand darin, dass der König, wenn er Bankrott ging, den Kongo an Großbritannien, den ärgsten Konkurrenten der Franzosen, verkaufen würde. Leopold II. räumte Paris ein Vorverkaufsrecht ein und im Gegenzug stimmten die Franzosen seinem Anspruch zu.[21] Auch Bismarck wurde durch einen Mittelsmann des Monarchen überzeugt. Für ihn war es besser der Kongo gehörte dem kleinen Belgien und stand somit auch deutschem Handel offen, als wenn er Frankreich, Portugal oder England in die Hände fiel.[22]

[...]


[1] Vgl. Hochschild, Adam: Schatten über dem Kongo, Die Geschichte eines der großen, fast vergessenen Menschheitsverbrechen, Stuttgart 2000.

[2] Proteste gegen den Sklavenhandel wurden zuerst in England 1785 laut. Neben dem Christentum spielte vor allem der schwindende wirtschaftliche Einfluss der Kolonien in Amerika im Vergleich zu den ostindischen Kolonien, wo kein Sklavenhandel herrschte, eine Hauptrolle. Vgl. o.V.: Artikel „Sklavenhandel“, in: Brockhaus Enzyklopädie, Band 20, Mannheim 1993, S.356-359.

[3] Spanien, Portugal, Großbritannien, die Niederlande, Frankreich, Belgien, das Deutsche Reich und Italien waren beteiligt.

[4] Lange bevor die ersten Europäer den Kongo betraten, gab es im Kongo schon ein Königreich, dessen Herrscher der ManiKongo war und dessen Bevölkerung 2-3 Millionen Menschen umfasste. Bei dem Königreich handelte es sich um einen voll ausgebildeten Staat, eines der führenden Staatswesen Afrikas. Vgl. Hochschild, S.16f.

[5] o.V.: Artikel „Imperialismus“, in: Brockhaus Enzyklopädie, Band 10, Mannheim 1989, S.408-410.

[6] Vgl. o.V.: Artikel „Leopold II.“, in: Brockhaus Enzyklopädie, Band 19, Mannheim 1990, S.287f.

[7] Vgl. Gunther, John: Afrika von Innen, Ein dunkler Kontinent wird hell, Zürich 1957, Seite 639.

[8] Seit 1820 drangen muslimische Afrikaner von Sansibar aus in den Kongo und dezimierten durch Menschenraub und Versklavung die Bevölkerung. Vgl. Gunther, S.638.

[9] Vgl. Wartenweiler, S.17f.

[10] Vgl. o.V.: Das Schlachthaus, Die düstere Kolonialgeschichte des Kongo, in: Geschichte, Nr. 11, 2003, S 10; Christmann, Helmut: Kolonialgeschichte, München, 1975, S.135; Hochschild, Seite 63ff. und Gunther, S. 640.

[11] Leopold II. in seiner Eröffnungsrede vor dem geographischen Kongress 1876, zitiert nach: Ansprenger, Franz: Kolonisierung und Entkolonisierung in Afrika, Stuttgart 1982, S. 13.

[12] 14000 Kilometer schiffbare Gewässer, vgl. Gunther, S.634.

[13] die sich nach ihrer Gründung nur noch einmal traf und Leopold als Präsident bestätigte.

[14] Dieser hatte den afrikanischen Kontinent von Ost nach West von 1874-77 durchquert, wobei er dem Kongofluss gefolgt war und ihn kartographisch erfasst hatte. Vgl. Gunther, S.639.

[15] Leopold wollte weder das der belgische Staat noch europäische Großmächte sein Vorhaben, sich eine Kolonie anzueignen, bemerkten. Deshalb wahrte er den Schein eines rein philanthropischen Unternehmens und schuf weitere Deckorganisationen, wie das Komitee für die Erforschung des Oberen Kongo oder die Internationale Gesellschaft des Kongo. Vgl. Hochschild, S.93f.

[16] „Stanley hat nach englischen Quellen über vierhundert, nach belgischen gar mehr als fünfhundert solcher ´Verträge´ zustande gebracht.“ Zitiert nach: von Paczensky, Gert: Weiße Herrschaft, Eine Geschichte des Kolonialismus, München 1979.

[17] Vgl. o.V.: Das Schlachthaus, S.10.

[18] Vgl. Hochschild, S.101ff. und Wartenweiler, Fritz: Kongo, zwischen gestern und heute, Zürich 1961, S.16.

[19] Vgl. o.V.: Das Schlachthaus, S.11.

[20] Vgl. Hochschild, S. 111ff.

[21] Vgl. Hochschild, S. 118.

[22] Vgl. Hochschild, S. 119f.

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638306652
Dateigröße
759 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29038
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Kongo Herrschaft Leopold

Autor

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Titel: Kongo unter der Herrschaft Leopold II.