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Veränderte Strategien im Einzelhandel. Eine Antwort auf veränderte Rahmenbedingungen

Betrachtung des deutschen Einzelhandels

Diplomarbeit 2004 97 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Zielsetzung und Gegenstand der Arbeit
1.2 Vorgehensweise und Aufbau

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Sortiment
2.2 Betriebstypen
2.3 Betriebstypen des Einzelhandels
2.4 Marken

3. Vorstellung der marktbeherrschenden Unternehmen im deutschen Einzelhandel
3.1 Vollsortimenter
3.2 Discounter
3.2.1 Aldi-Gruppe
3.2.2 Schwarz-Gruppe
3.2.3 Norma
3.3 Drogeriemärkte

4. Aktuelle Situation im Einzelhandel
4.1 Rahmenbedingungen
4.1.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
4.1.2 Demographische Rahmenbedingungen
4.1.3 Politisch- Rechtliche Rahmenbedingungen
4.1.3.1 Pfand auf Einweggetränkeverpackungen
4.1.3.2 Wegfall des Rabattgesetzes und der Zusatzverordnung
4.1.3.3 Liberalisierung der Ladenschlusszeiten
4.1.3.4 Baunutzungsverordnung
4.1.4 Technologische Rahmenbedingungen
4.2 Situationsanalyse der Betriebsformen im LEH

5. Analyse der Discounter-Strategie am Beispiel des Marketing-Mix’ Marketing-Mix der Discounter
5.1 Analyse Marketing Mix
5.1.1 Produktpolitik
5.1.2 Kommunikationspolitik
5.1.3 Preispolitik
5.1.4 Distributionspolitik
5.2 Zusammenfassende Betrachtung des Erfolgs der Discounter

6. Reaktion der klassischen Handels auf den Erfolg der Discounter
6.1 Kräfte des Branchenwettbewerbs
6.1.1 Bedrohung durch neue Anbieter
6.1.2 Verhandlungsmacht der Lieferanten
6.1.3 Verhandlungsmacht der Abnehmer
6.1.4 Bedrohung durch Ersatzprodukte
6.1.5 Rivalität in der Branche
6.1.6 Zusammenfassung der Wettbewerbsanalyse
6.2 Wege aus der Krise
6.2.1 Aktionspolitik
6.2.1.1 Wesen der Aktionspolitik
6.2.1.2 Dauerpreis
6.2.2 Verhältnis zu den Herstellern
6.2.2.1 Konditionenpolitik
6.2.2.2 Kooperationsinstrumente
6.2.2.3 Eigenmarken des Handels
6.2.2.4 Forderungen des Handels an die Hersteller
6.2.3 Neue Strategien des Handels
6.2.3.1 Sortimentspolitik
6.2.3.2 Positionierung

7. Zukunftsszenario
7.1 Szenarien
7.2 Entwicklungsmöglichkeiten für den klassischen LEH

8. Fazit

Anhang: Literaturliste, Abbildungsverzeichnis, Korrespondenz

1. Einleitung

„Geiz ist geil“ – dieses oft strapazierte Motto des Saturn-Elektronikmarktes haben sich die Verbraucher in den letzten beiden Jahren sehr zu Herzen genommen. Der Umsatz des Einzelhandels (EH) ohne Kfz und Tankstellen sank in 2002 um 2,1 % (real 2,5 %) gegenüber 2001[1]. Das Jahr 2002, das erste Jahr des Euro, wurde für den EH das "schlechteste Jahr seit dem Krieg"[2]. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) konnte sich dahingegen eindrucksvoll vom Negativtrend des EH absetzen, wenn auch das Wachstum, verglichen mit dem anderer Konsumausgaben, unterdurchschnittlich ausfällt[3]. Abb.1 zeigt die Umsatzsteigerungen des LEH gegenüber den Umsatzverlusten des EH:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Veränderungen im Umsatz von EH und LEH in Prozent zum Vorjahr

Quelle: ifo-Schnelldienst 11/ 03, S. 10, und: ACNielsen Universen 1996-2003

Im LEH geht das Plus vor allem auf das Konto der Betriebsformen auf größerer Fläche und der Discounter. Werden die Umsätze der Discounter von den LEH-Umsätzen abgezogen, ergibt sich, wie Abb. 2 zeigt, für das Umsatzwachstum des LEH ein anderes Bild:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Umsatz des LEH ohne Discounter in Prozent zum Vorjahr

Quelle: ACNielsen Universen 1996-2003

Die Discounter erhielten einen enormen Schub mit der Einführung des Euro. Sie haben die Verunsicherung des Verbrauchers bei der Einführung des Euro genutzt, um sich als einzig vertrauenswürdiger Handel zu profilieren. In 2002 sind 10 Prozent der Kaufkraft für Fast Moving Consumer Goods (FMCG) vom traditionellen LEH zu den Discountern abgewandert[4]. Um den Verbraucher zurückzugewinnen, startete der klassische LEH einen bisher nicht gesehenen Preiskampf, der ihn in die jetzige Krise manövrierte. Diese Krise wird durch den Verlust von Marktanteilen des klassischen LEH und dem Wachstum der Discounter einerseits und der anfangs untauglichen Abwehrstrategien des klassischen LEH andererseits charakterisiert. Der klassische LEH setzte auf Preisnachlässe, brachte damit jedoch eine Preiserosion in Gang, die vielfältige, im Folgenden beschriebene Auswirkungen hatte.

Die seit der Euro-Einführung eingetretene Verunsicherung der Verbraucher hält immer noch an, wenn auch aktuell eher aus Gründen, die im politisch-rechtlichen Bereich liegen. So lange die Verunsicherung andauert und der Verbraucher keine wirtschaftliche Verbesserung am eigenen Leibe erfährt, werden die Discounter auch weiterhin überdurchschnittliche Wachstumsraten verzeichnen können.

Aktuell ist die Wachstumsdynamik der Discounter etwas gebremst, mittlerweile haben die traditionellen Handelsunternehmen ihre Preisaktionen reduziert und sich mit anderen Maßnahmen auf die veränderte Situation, die Kaufzurückhaltung des Verbrauchers, eingestellt. Für 2003 können u.a. die Metro und die Rewe wieder ein positives Betriebsergebnis melden. Im EH insgesamt ist jedoch erst 2004 wieder mit einem Umsatzwachstum von ca. 1 % zu rechnen[5].

Das anhaltende Wachstum der Discounter und die existenzbedrohende Krise traditioneller Betriebsformen des Handels wie dem Supermarkt, macht deutlich, daß sich im deutschen Handel ein grundlegender Strukturwandel abzeichnet[6]. Wie Abb. 3 zeigt, findet eine Verschiebung der Betriebsformen zu den großflächigen Anbietern und den Discountern hin statt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Anteil der Betriebstypen am Gesamtumsatz des LEH

Quelle: LZ-Special 03/ 03, S. 8

Der Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt ist zwar längst vollzogen, die traditionellen Handelsunternehmen beharren jedoch oft noch auf etablierten Beschaffungssystemen, wohingegen die erfolgreichen Discounter diese anders und letzten Endes erfolgreicher gestalten.

Traditionelle Handelsunternehmen haben in den letzten beiden Jahren vor allem durch Preisschlachten und Rabattaktionen von sich reden gemacht. Dennoch trugen die vielfältigen Preisnachlässe nicht zu einer Umsatzsteigerung bei. Die Branche ist von ständigem Konkurrenzkampf, verbunden mit einer hohen und beständig steigenden Konzentration, gekennzeichnet. Noch gibt es eine Vielfalt an regionalen Handelsunternehmen, es ist aber anzunehmen, daß sich deren Anzahl im Rahmen der andauernden Konzentration verringern wird*.

Neben der Konzentration bestimmten folgende Erscheinungen die Entwicklung des LEH in den letzten zehn Jahren:

- Verschiebung der Verhandlungsmacht zugunsten des Handels
- Spezialisierung und Differenzierung der Betriebsformen
- der Preis bleibt weiterhin Kaufanreiz Nummer Eins und bildet oft das wichtigste Differenzierungsmerkmal
- Wachstum der Filialunternehmen
- stürmisches Wachstum der Discounter in den letzten beiden Jahren
- Internationalisierung der Handelsunternehmen

Leidtragender dieser Veränderungen in der deutschen Einzelhandelslandschaft war bisher und wird auch weiterhin der kleinflächige traditionelle LEH sein, denn er kann mit den neuen Betriebsformen nicht mehr kostendeckend konkurrieren.

1.1 Zielsetzung und Gegenstand der Arbeit

In dieser Arbeit soll geklärt werden, welche Betriebsformen des deutschen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) erfolgreich am Markt agieren, warum sie erfolgreich sind und wie andere versuchen, am Markt erfolgreich zu bleiben oder zu werden. Dazu werden die unterschiedlichen Betriebsformen erläutert, die Strategien hinter Erfolg oder Mißerfolg genannt und die wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen analysiert. Weiterhin werden die Bestrebungen des traditionellen Handels, den Kunden von den Billiganbietern zurückzugewinnen, erläutert.

Der Fokus liegt auf den unterschiedlichen Strategien der Handelsunternehmen des traditionellen LEH und der Discounter, vornehmlich seit der Einführung des Euro. Sie werden am Beispiel eines vergleichbaren Sortiments betrachtet, das der FMCG. Untersucht werden dabei Handelsunternehmen, die deutschlandweit agieren und über eine signifikante Marktbedeutung verfügen. Ausnahmen sind die ergänzend beschriebenen Drogeriemärkte, diese haben meist eine regionale Struktur. Nicht näher eingegangen wird auf Non-Food-Märkte wie Baumärkte oder Spezialfachmärkte wie Media-Markt.

Ziel der Arbeit ist es, zu erklären, wie die Discounter so erfolgreich werden konnten, wie sie es z.Zt. sind, und die Schwierigkeiten der traditionellen Handelsunternehmen darzustellen, sich dem Wachstum der Discounter entgegenzustemmen.

1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit

Zu Beginn der Untersuchung erfolgt die Beschreibung der marktrelevanten Unternehmen. Danach wird analysiert, wie sich die Betriebstypen des LEH im Markt behaupten.

Einschränkend muß bemerkt werden, daß es vor allem bei den Discountern schwierig ist, aktuelle und zuverlässige Zahlen zu erhalten, da fast alle als Discounter fungierende Unternehmen bei der Veröffentlichung von Geschäftszahlen sehr zurückhaltend sind. Leider muß oft Bezug auf Zahlen aus 2002 genommen werden, da die Umsatzzahlen, Marktanteile u.ä. für das Gesamtjahr 2003 noch berechnet werden und erst später in 2004 erhältlich sind.*

Um die Arbeit so aktuell wie möglich zu halten, werden hier oft Zeitungen und Zeitschriften der Lebensmittelhandelsbranche zitiert. Bei der Schnelligkeit, mit der z.Zt. Entscheidungen im Markt getroffen und revidiert werden, wäre eine weitgehende Beschränkung auf theoretische Literatur nicht zweckmäßig gewesen.

Im Hauptteil der Arbeit der Arbeit werden die Veränderungen im deutschen Einzelhandel in den letzten Jahren analysiert, viel Raum wird der Untersuchung der Rahmenbedingungen gewidmet, weil sie entscheidenden Anteil am Erfolg der Discounter haben. Am Ende der Arbeit wird ein Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung im deutschen Einzelhandel gegeben.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 Sortiment

Ein Sortiment ist die Vielfalt der Waren, die vom Handelsbetrieb als eine nachfrage- und auswahlgerechte Angebotsgesamtheit angeboten wird. Dabei werden zwei Sortimentsdimensionen unterschieden: Sortimentsbreite und Sortimentstiefe. Ein breites Sortiment charakterisiert eine Vielzahl an Warengruppen, ein enges Sortiment hingegen umfaßt nur wenige Warengruppen. Unter Sortimentstiefe wird die Zahl gleichartiger Artikel verstanden. Ein tiefes Sortiment drückt ein großes Angebot in einer Warengruppe aus, während ein flaches Sortiment nur wenige Artikel innerhalb einer Warengruppe anbietet[7].

Das hier betrachtete Sortiment an FMCG umfaßt sogenannte “Schnelldreher”, d.h., diese Artikel zeichnen eine hohe Umschlaggeschwindigkeit aus. FMCG sind Artikel des täglichen Bedarfs, vor allem Lebensmittel, aber auch Toiletten- und Hygieneartikel und konsumnahe Non-Food-Artikel. Unter die FMCG fallen somit fast alle Verbrauchsgüter[8].

2.2 Betriebsformen

Über die Betriebsform stellt sich ein Handelsunternehmen dem Markt, sie ist das Gesicht, das ein Verbraucher von einem Handelsunternehmen kennenlernt. Die Betriebsform muß gepflegt werden, um vom Verbraucher unverwechselbar und mit einem gewünschten Image verknüpft wahrgenommen zu werden. Oft muß sich die Wahl der Betriebsform jedoch auch nach den örtlichen Gegebenheiten, der Kaufkraft und der Käuferstruktur sowie den Bauvorschriften richten. Mit der Festlegung der Betriebsform legt ein Handelsunternehmen zugleich einen bestimmten Sortimentschwerpunkt und ein Image fest.

In dieser Arbeit wird hauptsächliches Augenmerk auf den deutschen Einzelhandel gelegt, als einzige Betriebsform des Großhandels soll hier der Cash & Carry (C&C) erläutert werden, da C&C nicht nur generell im Einzelhandel, sondern auch im Portfolio des größten deutschen Handelsunternehmen, der Metro, eine gewichtige Rolle spielt.

C&C bezeichnet einen Großhandel, der nach dem Prinzip der Selbstbedienung ein breites Sortiment an Konsumgütern, vor allem FMCG, anbietet. Der Käufer, meist mit gewerblichem Hintergrund, hat Barzahlung zu leisten und für den Abtransport der erworbenen Waren zu sorgen. Cash & Carry- Märkte stellen eine Versorgungsalternative für unabhängige Händler dar, die keiner Einkaufsgemeinschaft angehören[9]. C&C werden von mehreren Handelsunternehmen betrieben. Die größten sind die Metro-C&C- Märkte und die Selgros/ Fegro- Märkte der Rewe.

2.3 Betriebsformen des Lebensmitteleinzelhandels

Hauptsächlich erfolgt die Einteilung aufgrund der Fläche und der Art des Angebots. Die angebotenen Waren können identisch sein. Erklärt werden hier wiederum nur die Betriebsformen des deutschen Einzelhandels, die hauptsächlich mit FMCG handeln.

Der oft erwähnte „traditionelle LEH“ setzt sich aus allen anderen Betriebsformen, exklusive der Discounter zusammen und schließt die meist eigentümergeführten Spezialverkaufsstellen wie Bäcker und Fleischer ein.

Die Unterscheidung in großen Verbrauchermarkt und SB- Warenhaus fällen Handelsunternehmen oft mehr nach dem Sortiment als nach dem Flächenargument. Die hier erfolgte Einteilung nach Fläche entspricht der Definition von ACNielsen.

Die Entwicklung der Betriebsformen bezüglich Anzahl und Umsatz zeigen Abb. 4 und 5. Dabei ist festzustellen, daß die Anzahl und Umsätze der großen Vollsortimenter stagnieren oder durch geringe Zuwachsraten charakterisiert sind, während die Werte für die Discounter und die Drogeriemärkte eine stetige Aufwärtsbewegung aufweisen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Anzahl der Betriebsformen

Quelle: ACNielsen Universen 2000-2003

Convenience Store (Nachbarschaftsläden)

Darunter sind die traditionellen, sogenannten „Tante-Emma-Läden“ zu verstehen. Es handelt sich um einen kleinflächigen, meist inhabergeführten Einzelhandelsbetrieb, der ein begrenztes Sortiment an Lebensmitteln und gängigen Haushaltswaren zu einem eher hohen Preisniveau anbietet[10]. Typisch sind Flächen unter 400 m². Zu ihnen werden auch Tankstellen mit Lebensmittel- Sortiment gezählt.

Supermärkte

Diese bieten eine größere Auswahl an FMCG, meist ergänzt durch Frischwaren und andere Artikel des kurzfristigen Verbrauchs. Ein Supermarkt beginnt ab einer Fläche von 400 m². Viele Supermärkte werden von Kaufleuten betrieben, die sich einer Genossenschaft wie der Edeka, Rewe oder Spar angeschlossen haben. Damit ist meist auch das Sortiment vorgeschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Entwicklung der Betriebsformen, Umsatz in Mill. Euro

Quelle: ACNielsen-Universen 2000-2003

Verbrauchermärkte

Ein Verbrauchermarkt ist ein großflächiger (ab 800 bis 4.999 m²) Einzelhandelsbetrieb, der ein breites Sortiment an Nahrungs- und Genußmitteln und ein breites und flaches Angebot an Gebrauchs- und Verbrauchsgütern überwiegend in Selbstbedienung anbietet. Die Verkaufsform ist die Selbstbedienung, die Geschäftsform meist Filialbetrieb. Die Preispolitik orientiert sich entweder an einer Dauerniedrigpreis- oder an einer Sonderangebotspolitik[11]. In der Regel wird ein Standort gewählt, der eine leichte Erreichbarkeit mit Abtransportmöglichkeiten gewährleistet.

Oft erfolgt noch eine Einteilung in große (1.500-4.999 m²) und kleine (800-1.499 m²) Verbrauchermärkte[12].

Selbstbedienungswarenhaus

Das SB- Warenhaus ist eine großflächige Betriebsform (ab 5.000 m²) mit einem umfassenden Sortiment, bei dem Lebensmittel den Schwerpunkt bilden. Die Waren werden meist in Selbstbedienung angeboten, oft existieren auch Thekenbereiche. Häufig wird das Stammsortiment an FMCG um Artikel aus dem Bereichen Consumer Electronic und Textilien erweitert. Die Preispolitik stellt auf Dauerniedrigpreispolitik oder auf Sonderangebotspolitik ab[13].

Vollsortimenter, klassischer/ traditioneller Handel

Der Begriff des Vollsortimenters ist sehr unscharf. Er bezeichnet nicht einen Typ der Betriebsform, sondern wird als Oberbegriff für die Gesamtheit der SB- Warenhäuser, der Verbrauchermärkte und der Supermärkte verwendet. Der Begriff Vollsortimenter soll unterstreichen, daß diese Betriebsformen ein „volles“, also breites Sortiment an Lebensmitteln bereithalten, das hauptsächlich aus Markenartikeln besteht. Durch diese Bezeichnung wird eine Trennung gegenüber den Discountern erreicht, da diese ein beschränktes Sortiment führen.

In dieser Arbeit werden die Vollsortimenter mit dem restlichen LEH zum klassischen oder traditionellen LEH zusammengefaßt. Eine Unterteilung wäre aufgrund des uneinheitlichen Erscheinungsbildes und der geringen Marktmacht des restlichen LEH wenig sinnvoll und würde zu einer endlosen Aufsplittung führen.

Warenhaus und Fachmarkt

In einem Warenhaus werden Artikel aus zahlreichen Branchen angeboten, meist liegt der Fokus auf Bekleidung, Mode und Hausrat, diese Bereiche werden jedoch fast immer durch eine Lebensmittelabteilung ergänzt. In der Regel werden auf mehreren Etagen breite und überwiegend tiefe Sortimente mit hohem Preisniveau verkauft. Anders als in den anderen Betriebsformen liegt in einem Warenhaus die Serviceintensität eher hoch. Die Verkaufsfläche eines Warenhauses beginnt bei 3.000 m². Das Lebensmittelangebot ist lediglich supplementärer Natur.

Ein Fachmarkt bietet ein breites und meist auch tiefes Sortiment aus einem Warenbereich. Prominente Beispiele sind Schuh-Fachmärkte oder auch Elektronik-Fachmärkte wie Media-Markt. Meist ist die Servicequalität zugunsten des niedrigen Preisniveaus beschränkt.

Drogeriemärkte

Ein Drogeriemarkt führt im Allgemeinen ein problemloses, schnell umschlagendes Markenartikelsortiment mit Schwerpunkt im Bereich der Gesundheits- und Körperpflegemittel in Selbstbedienung oder vorwiegend Selbstbedienung. Vielfach liegen dabei die Verkaufspreise unter den empfohlenen Verkaufspreisen der Hersteller[14]. Die ausschließlich als Filialbetriebe auftretenden Drogeriemärkte können Teil eines größeren Unternehmens sein, meist operieren sie jedoch allein am Markt. In den letzten Jahren ist der Anteil der Eigenmarken am Angebot stetig gestiegen.

Discounter

Discounter bieten ein enges, auf schnellen Umschlag ausgerichtetes Sortiment zu niedrigen Preisen mit rudimentärem Service an. Charakteristisch ist eine hohe Werbeintensität und eine permanente Dauerniedrigpreispolitik ebenso wie der hohe Anteil an Eigenmarken. Lebensmitteldiscounter werden fast ausschließlich im Filialprinzip betrieben. Durch unterschiedliche Konzepte haben sich zwei Typen von Discountern im LEH herausgebildet: Hard- und Softdiscounter. Harddiscounter sind dem Discountprinzip wie oben beschrieben treu geblieben, Softdiscounter haben mehr den Charakter eines Verbrauchermarktes und bieten ein breiteres und auch tieferes Sortiment und mehr Service, meist führen sie auch Markenartikel[15].

2.4 Marken

Eine Marke ist ein „in der Psyche des Konsumenten verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von einem Produkt oder einer Dienstleistung“[16]. Im Handel ist unter einer Marke der Handelsname für ein Produkt oder der Herstellername des Produkts zu verstehen. Das schließt Marken ein, die in die Pflege ihres Namens investieren und Marken, die keinerlei Markenpflege betreiben. Die Marke erfüllt für den Verbraucher, den Benutzer des mit der Marke gekennzeichneten Produkts, mehrere Funktionen. Sie gewährt ihm Orientierungshilfe, ist Mittel zur Schaffung von Identifikation mit dem Produkt. Einer erfolgreich etablierten Marke wird Vertrauen entgegengebracht, bei höher bewerteten Marken tritt eine Qualitätsvermutung ein, d.h., der Verbraucher schließt aus gemachten Erfahrungen auf die Qualität unbekannter Produkte desselben Namens. Die Marke kann auch eine Image- oder Prestigefunktion im sozialen Umfeld haben[17]. Im Handel wird grob zwischen Eigenmarken des Handels und Herstellermarken der Industrie unterschieden. In den letzten Jahren konnten Eigenmarken ein kontinuierliches Wachstum verzeichnen.

Handelsmarken/ Eigenmarken

Oft werden diese beiden Begriffe nebeneinander verwendet, sie stehen aber für ein und denselben Gegenstand: „Waren- oder Firmenkennzeichen, mit denen Handelsbetriebe Waren versehen oder versehen lassen, wodurch sie als Eigner oder Dispositionsträger der Marke auftreten“[18]. Alle Vermarktungsentscheidungen liegen in der Verantwortung des Handelsunternehmen. Voraussetzung für eine Eigenmarke ist, daß das gewerbliche Schutzrecht beim Handelsunternehmen liegt. Eigenmarkenprodukte werden fast ausschließlich nur in dem Handelsunternehmen geführt, das die Herstellung beauftragt hat. Ausnahmen sind hier die kleinen Kaufleute, die sich über einen C&C (s.o.) mit Waren versorgen. Eigenmarken zeichnen sich durch einen meist deutlichen Preisvorteil gegenüber Herstellermarkenartikel aus. Sie sind primär in Produktkategorien mit geringem Innovationsgrad zu finden und werden häufig als Folger in bereits erschlossene Segmente eingeführt. Um vom Verbraucher angenommen zu werden, muß ihre Qualität der der Markenprodukte zumindest ebenbürtig sein und ein geldwerter Vorteil bestehen. Nur in wenigen Fällen läßt die Verpackung Rückschlüsse auf den Hersteller zu, meist wird lediglich das Handelsunternehmen als Hersteller angegeben.

Eigenmarken können unterschieden werden in Gattungsmarken, Klassische Handelsmarken und Premium-Handelsmarken[19].

International steht der Begriff „Private Labels“ für Eigenmarken.

Gattungsmarken

Sind auch als No-Names, namenlose Produkte, Weiße Ware oder Generika bekannt. Gattungsmarken stellen eine Variation der Eigenmarke von Handelsunternehmen dar[20]. Die Marke wird über mehrere Warengruppen gespannt, so daß letztlich so verschiedene Produkte wie Vollmilch und Toilettenreiniger die selbe Marke tragen. Prominente Vertreter sind „ja!“ von Rewe und „tip“ von Metro. Gattungsmarken stellen heute das preisgünstige Einstiegssegment dar. Eingeführt wurden sie, um den klassischen Handel im Preiskampf mit den Discountern zu stärken. Als Hersteller tritt das jeweilige Handelsunternehmen auf, für den Kunden ist der eigentliche Produzent nicht ersichtlich. Eine negative Nachricht, z.B. ein Testbericht, der für ein Artikel der Gattungsmarke schlecht ausfiel, schlägt sich im Image der gesamten Gattungsmarke nieder. Durch die neutrale, wenig ansprechende Gestaltung der Verpackung wird dem Verbraucher zuallererst Preisgünstigkeit signalisiert, das Vertrauen in die Produktqualität ist eng an das Vertrauen, das dem anbietendem Handelsunternehmen entgegengebracht wird, gekoppelt. Gattungsmarken sind am erfolgreichsten bei Artikeln, deren Kauf für den Verbraucher ein sehr geringes wahrgenommenes Risiko bedeutet.

Herstellermarken

Bei der Herstellermarke liegt im Gegensatz zu den Eigenmarken das gewerbliche Schutzrecht und damit auch die Verantwortung für das Produkt beim jeweiligen Hersteller. Eine Herstellermarke tritt oft als Marke an sich auf, das mit der Marke versehene Produkt ist ein Markenartikel, welcher „das Versprechen beinhaltet, auf den Kundennutzen ausgerichtete unverwechselbare Leistungen standardisiert in gleichbleibender oder verbesserter Qualität zur Erfüllung gegebener Erfordernisse anzubieten“[21]. Der Nutzenvorteil für den Verbraucher liegt in der Sicherheit, mit der er das Markenprodukt verbindet. Die Verantwortung für die Marke und für das Marketing des Produktes liegt beim Hersteller, der meist ein Image mit seinem Produkt verbinden möchte.

Das Produkt kann nach den Vorgaben des Herstellers distribuiert werden, oft geschieht dies jedoch nach Maßgabe des Handels. Er setzt den Markenartikel als Marketinginstrument ein.

Industriemarken

Als Industriemarken werden die Marken bezeichnet, die von unbekannten, namenlosen Unternehmen hergestellt werden. Da der Hersteller nicht über sein Produkt bekannt ist, tritt er, anders als bei der Herstellermarke, zugunsten seines Produktes in den Hintergrund. Der Hersteller eines Industriemarkenproduktes ist einfach auszumachen, weil er namentlich auf der Verpackung erwähnt ist. Aufgrund der Unbekanntheit und der Vielfalt der Industriemarken verschwimmen diese jedoch für den Verbraucher und bilden nur noch ein Abbild der Warenvielfalt des anbietenden Handelsunternehmen. Industriemarken stehen häufig in der Gefahr der Auslistung, können sie doch leicht durch ein gleiches Produkt eines anderen Herstellers oder durch Eigenmarken des Handelsunternehmens ersetzt werden. Der Trend spricht gegen die Industriemarke und für die Eigenmarke. Industriemarken sind meist nicht exklusiv an ein Handelsunternehmen gebunden.

Segmentmarke

Die Segmentmarke ist eine Eigenmarke, die für eine bestimmte Warengruppe definiert wurde. Für diese Warengruppe, dieses Segment, kann sie passend gestaltet werden. Der Gefahr, durch eine Überdehnung der Marke wie bei der Gattungsmarke ein Image der Beliebigkeit und Billigkeit aufzubauen, kann so entgangen werden. Eine Segmentmarke kann, wenn sie entsprechend geführt wird und eine hervorragende Qualität repräsentiert, für den Verbraucher eine hohe Kompetenz in einem Segment ausdrücken. Beispielhaft sind hier die Eigenmarken der Drogeriemärkte zu nennen, auch die meisten Lebensmitteldiscounter arbeiten erfolgreich mit Segmentmarken. Die Gefahr, daß schlechte Nachrichten auf das gesamte Eigenmarkensortiment durchschlägt, kann so minimiert werden.

Im Design der Verpackung lehnen sich Segmentmarkenprodukte meist an Markenprodukte an.

Quasimarke

Quasimarken sind unbekannte Marken bzw. Aktionsware ohne langfristigen Markenaufbau. Die Produkte rangieren eher im Low-End- Bereich. Oft sind solche Produkte in den Aktionsangeboten von Discountern oder Baumärkten zu finden[22]. Quasimarken können sehr schnell vom Markt verschwinden, aber auch jahrelang intermittierend angeboten werden. Oft ist die Quasimarke nur ein Phantasiename, den der Importeur auf die Ware drucken läßt. Die Qualität der Produkte ist meist unsicher zu beurteilen. Hier dient wiederum die jeweilige Einstellung des Verbrauchers zum Handelsunternehmen als Kaufentscheidungshilfe.

3. Handelsunternehmen

Hier werden die größten überregional im deutschen Markt für FMCG agierenden Handelsunternehmen beschrieben. Die Handelsunternehmen können grob nach ihren Betriebstypen in Vollsortimenter und Discounter unterschieden werden. Manche Handelsunternehmen sind in ihrem Marktauftritt gespalten, neben ihren Vollsortimentern betreiben sie einen Discounter, was ihnen in dem jetzigen Trend zum Discounter zu gute kommt.

3.1 Vollsortimenter

Metro

Das unter dem Namen Metro-Group firmierende Handelsunternehmen ist nicht nur Deutschlands größter Einzelhändler, es ist europaweit die Nummer zwei und weltweit die Nummer fünf.

Die Metro-Group als strategische Management- Holding ist ein Vorreiter des modernen Handels. Mittels frühzeitiger „Entschlackung“ des Portfolios, der konsequenten Konzentration auf die verfolgten Geschäftsfelder und der zielstrebigen Expansion, die den Aufkauf mancher Wettbewerber einschloß, ist die Metro zu einem „Big Player“ aufgestiegen. 1998 sortierte die Metro 250 eigene Unternehmen in einem Demerger aus ihrem Portfolio aus und faßte diese in einer Verwertungsgesellschaft, der Divaco, zusammen. Die Metro wollte nur noch die Unternehmen weiterführen, die in der Lage seien, Spitzenpositionen einzunehmen und außerdem internationalisierungsfähig sind[23].

Im Portfolio der Metro sind die jetzigen vier Geschäftsfelder Cash & Carry, Lebensmitteleinzelhandel, Nonfood-Fachmärkte und Warenhäuser mit insgesamt sechs Vertriebslinien, die selbständig am Markt tätig sind: Real SB-Warenhaus GmbH, Metro Cash and Carry International GmbH, Extra Verbrauchermärkte GmbH, Media-Saturn Holding GmbH, Praktiker Bau- und Heimwerkermärkte AG und die Kaufhof Warenhaus AG[24].

Die Betriebsformen der Metro im Lebensmitteleinzelhandel (LEH) sind ausschließlich Vollsortimenter. „ Extra “ stellt die Verbrauchermarktschiene und das „Sorgenkind“ der Metro dar. Mehrere Extra-Märkte werden von der Metro im Zuge der neuen Unternehmensstrategie in „Real“- SB-Warenhäuser umgewandelt, da Extra bisher den Renditevorstellungen der Metro nicht entsprechen konnte[25].

Real ist ein Selbstbedienungs-Warenhaus mit 247 Filialen[26] in Deutschland. Real ist in Deutschland Marktführer im SB-Warenhaus-Bereich[27].

Metro Cash & Carry ist ein Selbstbedienungs-Großhandel. Mit den Metro Cash & Carry-Märkten, die international unter den Markennamen Metro und Makro geführt werden, ist die Metro Group Weltmarktführer in diesem Segment.

Auf Media Markt/ Saturn, die Praktiker- Baumärkte und die Sparte Warenhäuser der Galeria Kaufhof soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Rewe

Die Rewe (Vereinigung der Lebensmittel-Großhandels-Genossenschaften von Rheinland und Westfalen) ist weder ein reiner Vollsortimenter, noch ein reines Handelsunternehmen. Die Rewe ist ursprünglich eine Genossenschaft. Sie wurde in den 1970ern um die Filialunternehmen „ HL “, „ miniMal “, „ toom “ und dem Discounter „ Penny “ erweitert. Etwa ein Drittel der Geschäfte gehören selbständigen Rewe-Kaufleuten, die ihre ca. 3.000 Märke vorwiegend unter „ Rewe-Der Supermarkt “ und „ Rewe-Nahkauf “ führen[28]. Darüber hinaus betreibt die Rewe u.a. einen Großhandel, Cash & Carry Märkte unter den Namen Selgros/ Fegro, toom- Baumärkte, idea-Discountdrogerien und Klee-Gartencenter. Die Rewe- Handelsgruppe umfaßt die Geschäftsfelder Lebensmittelhandel Deutschland, Fachmärkte, Touristik und Ausland[29].

Seit Mitte der 1990er Jahre verfolgt Rewe das Ziel, sich durch eine möglichst starke Position in der Touristikbranche zu diversifizieren. Heute gehören zur Rewe mehrere bekannte Reiseunternehmen wie die DER-Gruppe und LTU, die inzwischen etwa 12 % zum Konzernumsatz beitragen[30]. Das Kerngeschäft bleibt jedoch der Lebensmittelhandel, der mit über 80% zum Konzernergebnis beiträgt[31]. 2002 mußte die Rewe einen Umsatzrückgang gegenüber 2001 von 2,4% verbuchen[32], für das Jahr 2003 erwartet sie einen „Rekorderlös“[33].

Durch endlos viele Verschachtelungen und Beteiligungen ist die Rewe einer der im Zahlenwerk unübersichtlichsten deutschen Konzerne[34].

Edeka

Die Edeka- (Einkaufsgenossenschaft der Kolonialwarenhändler) Gruppe ist ein freiwilliger Zusammenschluss selbständiger Einzelhandelskaufleute des LEH. Sie betreibt ausschließlich Vollsortimenter. Neben den 7.600 Geschäften der Mitglieder zählen die von den Großhandelsbetrieben geführten 2.500 Regiebetriebe zum Edeka- Einzelhandel. Regiebetriebe sind in Verantwortung der Edeka betriebene Filialen. Die sieben regionalen Großhandelsbetriebe der Edeka beliefern und lenken die angeschlossenen Einzelhändler. Komplettiert wird das Einzelhandels-Engagement der Gruppe durch Beteiligungs- und Kooperationsgesellschaften[35]. Edeka legt Wert auf regionale Bedeutung, sie betreibt viele Filialen auch im ländlichen Raum, in die es andere Mitbewerber selten zieht und verkauft dort auch regionale Marken. Die kleinsten Geschäfte stellen die Edeka-Nachbarschaftsläden dar, die unter dem Namen „Gut & Nah“ geführt werden[36], weitere, der Flächengröße nach aufsteigende Vertriebsformen sind die unter Edeka-Aktivmarkt laufenden Supermärkte, die Edeka-Neukauf - Verbrauchermärkte und die SB-Warenhaus ähnlichen Edeka-Center.

Die Edeka ist Deutschlands umsatzstärkster Lebensmittelhändler, sie nimmt für sich in Anspruch, Deutschlands wichtigster Absatzkanal der Markenartikelindustrie[37] zu sein. Edeka hält eine Mehrheitsbeteiligungen an der AVA (Allgemeine Handelsgesellschaft der Verbraucher AG), Bielefeld, die bundesweit u.a. Marktkauf - und Dixi - Märkte betreibt. Der Anteil an der AVA ist jüngst auf 78,67 % erhöht worden[38]. Weiter hält die Edeka am SB-Warenhaus-Betreiber Globus seit Januar 2003 eine stille Beteiligung von 10 %[39].

Da das Geschäft regional von den Großhandelsgesellschaften gesteuert wird, gestaltet sich der Auftritt der Edeka in den Regionen unterschiedlich. Auch die Auslandsexpansion ist den Großhandelsgesellschaften überlassen und verläuft dementsprechend unübersichtlich[40]. International ist die Edeka erfolgreich aktiv in Österreich und Dänemark[41].

Kaiser’s Tengelmann

Auch die in Familienbesitz befindliche Tengelmann Unternehmensgruppe hat einen Discounter, den Softdiscounter Plus, im Portfolio, welcher großen Anteil am Überleben des Unternehmens hatte. Dieses hat nach einer bedenklichen Schieflage eine Roßkur hinter sich gebracht[42]. Zwischen 1999 und 2001, kurz vor dem Ruin stehend[43], mußte sie eine Portfoliobereinigung vornehmen und eine Anzahl unrentabler Supermarkt-Standorte schließen oder abstoßen[44]. Die Tengelmann Gruppe konzentriert sich heute auf die vier Kerngeschäftsfelder Lebensmittel-Discounter (Discounter Plus), Bau- und Heimwerkermärkte (Baumarktkette Obi), Textil- und Nonfood- Märkte (Kik) sowie die nordamerikanische Einzelhandelskette A&P (The Great Atlantic and Pacific Tea Company), an der sie eine Mehrheitsbeteiligung hält. Hinzu kommen die ausschließlich in Deutschland betriebene Drogeriekette kd (Kaiser’s Drugstore) und die Supermärkte Kaiser’s und Tengelmann[45]. International erfolgt die Expansion hauptsächlich mit Plus und Obi mit der Stoßrichtung Osteuropa und Spanien/ Portugal[46]. Die Tengelmann- Gruppe besitzt einige Werke, von denen sie sich im Zuge der noch andauernden Umgestaltung des Konzerns trennen wird[47].

Spar AG

Die deutsche Spar Handels- AG ist in ihrer Struktur der Rewe und der Edeka ähnlich. Unter dem Dach der Spar arbeiten rund 3.000 selbständige Einzelhändler, dennoch ist Spar keine Genossenschaft. Daneben führt die Spar konzerneigene Filialbetriebe. Eine Besonderheit ist der Discounter Netto, der die einzige Vertriebsschiene der Spar darstellt, die derzeit Gewinn abwirft[48]. Netto ist geographisch zweigeteilt, Netto Schels mit Sitz im bayrischen Maxhütte ist eine 100%ige Tochter der Spar, an der Netto Stavenhagen ist die Spar mit 50% beteiligt, die anderen Anteile liegen bei der dänischen Dansk Supermarked. Die Übernahme der Spar 1997 durch den französischen ITM (Intermarché) Entreprises S.A. war ein Novum im deutschen EH, da es die bisher erste Übernahme eines deutschen Handelsunternehmen durch ein ausländisches darstellte[49].

Die Spar AG ist heute ein Sanierungsfall, der jetzige Eigentümer muß das deutsche Geschäft subventionieren. Mit der dringend notwendigen Umgestaltung der Spar gehen häufige Strategieänderungen einher. Noch 2000 sollten alle Eurospar -Märkte in Intermarché -Märkte umgewandelt werden, aber schon ein Jahr später wurde dieses Vorhaben aufgrund der desolaten Finanzlage gestoppt. Außerdem wurde die Drogeriekette „kodi“ und die eigenen C&C- Märkte veräußert. Eine permanente Überprüfung der Standorte wird auch weiterhin zu Bereinigungen führen[50]. So will sich Spar nun bis 2004 vollständig von den Regiebetrieben Intermarché und Eurospar trennen[51].

Noch konzentriert Spar sich auf die drei Geschäftsfelder Selbständiger Spar- Einzelhandel, Regiebetriebe und den Discounter Netto.

Ende 2003 wurde eine stärkere Regionalisierung der Spar beschlossen, was eine Abkehr von der bisher verfolgten Strategie der Zentralisierung bedeutet[52].

Dohle-Gruppe

Die Siegburger Dohle-Gruppe ist ein mittelständisches Handelsunternehmen, das hauptsächlich regional operiert. Ihre 87 Hit- Verbrauchermärkte sind bundesweit vertreten, die Marktfrisch-Supermärkte nur regional. Das Hauptverbreitungsgebiet ist Süd- und Westdeutschland. Zur Dohle-Gruppe gehören mehrere, meist kleinere regionale Kooperationspartner und Regiebetriebe. Der größte Partner ist das Fuldaer Familienunternehmen Tegut. Tegut und die Dohle-Gruppe haben in 2003 eine weitgehende Zusammenarbeit beschlossen, um durch Kostenreduzierungen und Konditionenverbesserungen[53] ihre Profitabilität zu erhöhen und ihre jeweilige Existenz sicherzustellen, denn die Umsätze bei Hit stagnierten zuletzt[54], Tegut mußte gar einen Umsatzrückgang von 5 % in 2002 hinnehmen[55]. Die gesamte Dohle-Gruppe konnte aktuell ein Umsatzplus von 4,8 % auf vergleichbarer Fläche in den ersten neun Monaten 2003 gegenüber 2002 verzeichnen[56].

Wal-Mart Deutschland

Der Versuch des weltgrößten Handelsunternehmen, in Deutschland Fuß zu fassen und die einheimische Konkurrenz das Fürchten zu lehren, kann man als klassischen Fehlschlag bezeichnen. 1997/ 98 übernahm das weltgrößte Handelsunternehmen 21 Wertkauf- Filialen und 74 Interspar- Märkte. Anfangs hieß es, man werde jedes Jahr 50 neue Wal-Mart folgen lassen[57]. Die Realität sieht heute jedoch anders aus. Die Umgestaltung der meist verschlissenen Standorte in moderne Wal-Mart Supercenter kommt nur schleppend voran und die Expansion findet so gut wie nicht statt[58]. In Deutschland betreibt Wal-Mart nur einen Vertriebstyp – das Supercenter, ein SB-Warenhaus. Die deutschen Wal-Mart-Niederlassungen spielen im deutschen Einzelhandel eine untergeordnete Rolle. Das könnte sich zwar durch einen finanziellen Kraftakt der Muttergesellschaft schnell ändern, Berichte, daß die Metro übernommen werde solle, erwiesen sich aber bisher als unbegründet.

Durch ihren Markteintritt 1999 und die vollmundigen Erklärungen, den deutschen Einzelhandel umwälzen zu wollen, löste Wal-Mart eine Panikreaktion im deutschen LEH aus, der in einem Preiskampf gipfelte, unter dem besonders die traditionellen Handelsunternehmen litten. Wal-Mart konnte davon in keiner Weise profitieren, da es nicht mit den im Preiskampf erfahrenen deutschen Discountern mithalten konnte und kann.

Aktuell macht sich Wal-Mart Gedanken über seine Eigenmarkenpalette und will diese mehr den deutschen Gepflogenheiten anpassen, da man erkennen mußte, daß die im amerikanischen Markt funktionierende Eigenmarkenpolitik nicht unverändert übernommen werden kann[59].

[...]


[1] Vgl.: Strukturwandel im Handel beschleunigt sich wieder, Ifo-Schnelldienst 11/ 03, S.10

[2] "Schlechtestes Jahr seit dem Krieg", Newsletter der IMC-AG, URL: http://www.imc-ag.com/newsletter/index/1041894000.html#h6 [10.12.03]

[3] Vgl.: Metro-Handelslexikon, S. 7

[4] Aldi läßt sich nicht mit Aldi-Mitteln schlagen, LZ 17/ 03, S. 54

[5] Vgl.: Strukturwandel im Handel beschleunigt sich wieder, a.a.O., S. 21

[6] Haller, S., Handelsmarketing, S. 39

* Die fünf größten deutschen Lebensmitteleinzelhändler vereinten 1980 nur rund 26 % des Gesamtumsatzes der Branche, zehn Jahre später waren es 45 % und in 2000 bereits 62 %. Für 2010 wird ein Wert von rund 82 % prognostiziert (Metro-Handelslexikon, Seite 12)

* Vgl. E-Mail von Frau Haeckel von der Lebensmittelzeitung vom 12.01.04 , im Anhang

[7] Vgl.: Haller, S., a.a.O., S. 111 ff

[8] Vgl.: Jauschowetz, D., Marketing im Lebensmitteleinzelhandel, S. 15

[9] Vgl.: Haller, S., a.a.O., S. 35

[10] Haller, S., a.a.O., S. 37 f

[11] Vgl.: Haller, S., a.a.O., S. 37

[12] Vgl.: Universen 2003 - Daten zum Handel in Deutschland, Untersuchung der ACNielsen,

URL: http://www.acnielsen.de/download/universen_2003.pdf [25.10.03]

[13] Vgl.: Haller, S., a.a.O., S. 39

[14] Vgl.: ACNielsen Universen 2003, S. 29

[15] Vgl.: Haller, S., a.a.O., S. 105

[16] Meffert, H., Marketing. Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung, S. 847

[17] Vgl.: ebenda, S. 847 f

[18] Bruhn, M., et al., Handelsmarken – Entwicklungstendenzen und Perspektiven in der Handelsmarkenpolitik, S. 10

[19] Vgl.: Meffert, H., a.a.O., S. 872

[20] Vgl.: Bruhn, M., et al., a.a.O., S. 10

[21] Bruhn, M., et al., a.a.O., S. 9

[22] Vgl.: Bruhn, M., et al, a.a.O., S. 225 f

[23] Vgl.: Metro kann Divaco nicht zu den Akten legen, Lebensmittel-Zeitung (LZ) 19/ 03, S. 2

[24] Vgl.: Die Metro-Group – Strategie, URL: http://www.metrogroup.de/servlet/PB/-s/s3k4kco50jyg0xeox165id8su8zpwh/menu/1000083_l1/index.html [08.11.03]

[25] Vgl.: Extra tritt zahlreiche Großflächen an Real ab, LZ 09/ 03, S.6

[26] Geschäftsbericht 2002, Konzernabschluß der Metro-Goup, S. 44

[27] Vgl.: Die Metro-AG - Real: URL: http://www.metrogroup.de/servlet/PB/-s/s3k4kco50jyg0xeox165id8su8zpwh/menu/1001973_l1/index.html [15.10.03]

[28] Vgl. : Die Rewe-Gruppe : URL : http://www.rewe.de/frameset.asp?lang=DE&ebene0=Gruppe&ebene1=REWE-Gruppe [10.10.03]

[29] Vgl.: Liedtke, R., Wem gehört die Republik 2003, S. 368

[30] Vgl.: Die Rewe-Gruppe - Touristik, URL: http://www.rewe.de/frameset.asp?lang=DE&ebene0=Touristik&ebene1=Unternehmen&ebene2=Struktur&content=Unternehmen304%2Easp [10.10.03]

[31] Die Rewe-Gruppe, URL: http://www.rewe.de/frameset.asp?lang=DE&ebene0=Handel&ebene1=Unternehmen [10.10.03]

[32] Vgl.: Top 30 – Die größten Handelsunternehmen der Branche 2002, LZ 12/ 03, S. 60 ff

[33] Vgl.: Rewe erwartet Rekorderlös, LZ 42/ 03, S. 12

[34] Vgl.: Liedtke, R., a.a.O., S. 373

[35] Vgl.: Die Edeka-Gruppe, URL: http://www.edeka.de/Content/EdekaGruppe/gruppe.jsp?area=2 [10.10.03]

[36] Vgl.: Edeka sieht für kleine Märkte keine Zukunft, LZ 02/ 04, S. 6

[37] Vgl.: Edeka scheut neue Tiefstpreise nicht, LZ 21/ 03, S.6

[38] Edeka erhöht AVA-Anteil, Newslelter der IMC-AG, URL: http://www.imc-ag.com/newsletter/index/1070319600.html#h3 [11.12.03]

[39] Vgl.: Edeka behauptet sich, LZ 12/ 03, S.62

[40] Vgl.: Carrefour kauft von Edeka Südwest in Frankreich zu, LZ 31/ 03, S. 6

[41] Vgl.: Die Edeka-Gruppe, URL: http://www.edeka.de/Content/EdekaGruppe/gruppe.jsp?area=2 [10.10.03]

[42] Vgl.: Haub macht neuen Anlauf, LZ 40/ 03, S.1 ff

[43] Vgl.: Wir haben es bewiesen, Interview mit Karl-Erivan Haub, LZ 31/ 03, S. 4

[44] Vgl.: Tengelmann sucht Erfolg im Ausland, LZ 31/ 03, S. 4

[45] Vgl.: Liedtke, R., a.a.O, S. 457

[46] Vgl.: Tengelmann baut europaweit auf Billigläden, Financial Times Deutschland, 04.11.02,

URL: http://www.ftd.de/ub/di/1036349126572.html [21.10.03]

[47] Vgl.: Tengelmann trennt sich von Wissoll, LZ 25/ 03, S. 14

[48] Vgl.: ITM gibt Spar ehrgeizige Ziele vor, Newsletter der IMC-AG, URL: http://www.imc-ag.com/newsletter/index/1070924400.html#h4 [10.12.03]

[49] Vgl.: Liedtke, R., a.a.O., S. 432

[50] Vgl.: Von Aufstieg und Abstieg, LZ 21/ 03, S. 42

[51] Vgl.: ITM gibt spar ehrgeizige Ziele vor, Newsletter der IMC-AG, URL: http://www.imc-ag.com/newsletter/index/1070924400.html#h4 [10.12.03]

[52] Vgl.: Spar läßt Einzelhändlern mehr Spielraum, LZ 47/ 03, S. 6

[53] Vgl.: Dohle mit Tegut einig, LZ 32/ 03, S. 1

[54] Vgl.: Discounter lassen nicht nach, LZ 46/ 03, S. 1

[55] Vgl.: Dohle mit Tegut einig, a.a.O.

[56] Vgl.: Dohle-Gruppe sondiert russischen Markt, LZ 44/ 03, S. 6

[57] Gesunde Mischung, Wirtschaftswoche 37/ 01, S. 82

[58] Wal-Mart kommt nicht vom Fleck, LZ 25/ 03, S. 4

[59] Vgl.: Wal-Mart jetzt smarter, LZ 45/ 03, S. 59

Details

Seiten
97
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638307321
Dateigröße
955 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29142
Institution / Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Note
2,3
Schlagworte
Veränderte Strategien Einzelhandel Antwort Rahmenbedingungen Betrachtung Einzelhandels

Autor

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Titel: Veränderte Strategien im Einzelhandel. Eine Antwort auf veränderte Rahmenbedingungen