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Sprachentwicklung bei Kindern im Vorschul- und Kleinkindalter

Hausarbeit 2013 15 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Voraussetzungen für Sprache

3 Vorsprachliche Phase

4 Die Sprachentwicklung und ihre Phasen
4.1 Erste Phase
4.2 Zweite Phase
4.3 Dritte Phase
4.4 Vierte Phase
4.5 Fünfte Phase

5 Störungen der Sprachentwicklung, ihre Ursachen und Auswirkungen

6 Sprachförderung

7 Zusammenhang zwischen Sprache und Denken

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wortschatzzuwachs im Verhältnis zum Alter (Oksaar, 1987, S. 187)

Abbildung 2: Fortführung Wortschatzzuwachs im Verhältnis zum Alter (Oksaar, 1987, S. 188)

1 Einleitung

Ein wichtiger und interessanter Teil der Entwicklungspsychologie ist die Ausbildung der Sprachfertigkeit im Kindesalter. Was wäre ein Kind ohne die Fähigkeit zu sprechen? Es könnte sich nicht ausdrücken, hätte Schwierigkeiten Kontakt aufzunehmen und könnte auch sonst nur mit Mühe kundtun was in ihm vorgeht. Jedes Elternteil wartet gespannt auf das erste Wort ihres Kindes. Dieses großartige Ereignis ist jedoch nur eine kleine Etappe auf dem Weg zu einer ausgereiften, komplexen Sprache. Schwerpunkt dieser Arbeit soll also die Sprachentwicklung bei Kindern im Kleinkind- und Vorschulalter, d.h. im Alter von zwei bis sechs Jahren, sein. Eine zentrale Stellung wird die Frage einnehmen, wie entscheidend diese Sprachentwicklung für den gesamten Entwicklungsprozess der Kinder ist und welche Auswirkungen mögliche Sprachentwicklungsstörungen dabei haben, können. Ich habe mich für diese Fragestellung entschieden, da es klar ist, dass die Sprachentwicklung nur ein Teil der gesamten körperlichen und geistigen Entwicklung ist und sich mir dabei die Frage stellte, inwiefern der Spracherwerb auch mit anderen auszubildenden, wichtigen Fähigkeiten einhergeht, wie sie sich gegenseitig beeinflussen und welche Rolle die Sprache in diesem Komplex spielt. Auf der anderen Seite ist es interessant zu erfahren, was geschieht, wenn die Entwicklung der Sprache nicht normal verläuft. Es gilt herauszufinden, ob in diesem Fall auch die Gesamtentwicklung des Kindes negativ betroffen ist. Um die zentrale Fragestellung nach und nach zu umschreiben und letztendlich zu beantworten, ist die Arbeit wie folgt gegliedert: Den Einstieg bilden die Voraussetzungen für den Spracherwerb, um zu zeigen was erst einmal Grundlage sein muss, um sprechen zu können und die Sprache zu erlernen. Darauf folgt die vorsprachliche Phase, denn Kinder besitzen schon wichtige Fähigkeiten bevor sie anfangen zu sprechen. Es schließen sich die fünf wichtigen Phasen der Sprachentwicklung im Alter von ein bis sechs Jahren an, die entscheidende Punkte des Spracherwerbs beinhalten. Hauptaugenmerk liegt dort auf der Ausbildung des Wortschatzes, dem Erlernen der Satzstruktur und Grammatik sowie schlussendlich dem Aussprechen von korrekten Sätzen. Einen weiteren Punkt bilden die Sprachstörungen, die in Bezug auf das Thema aufgezeigt werden müssen, da bei Ausbildung der Sprache auch Schwierigkeiten auftreten können. Deren Ursachen und Auswirkungen werden ebenfalls behandelt. Um solche Sprachauffälligkeiten zu minimieren oder sogar ganz zu vermeiden, werden anschließend Möglichkeiten der Sprachförderung vorgestellt. Des Weiteren wird erläutert, welcher Zusammenhang zwischen der Sprache und dem Denken besteht. In diesem Themengebiet spielt der bekannte Entwicklungspsychologe Jean Piaget eine entscheidende Rolle. Den Abschluss bildet ein Fazit, welches die Beantwortung der Fragestellung, eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte der Arbeit, sowie einen Bezug zum Lehrberuf, beinhalten wird.

Zu Beginn möchte ich jedoch darauf eingehen, was Sprache im Allgemeinen überhaupt bedeutet. Sprache dient als Kommunikation, damit Menschen in der Lage sind, sich etwas mitzuteilen. Sie unterscheidet den Menschen außerdem eindeutig von den Tieren. „Gesprochene Sprache besteht zunächst aus Lauten. Im Mund-Nasen-Rachenraum, dem Ansatzrohr, wird mit der Zunge, den Lippen oder den Zähnen der im Kehlkopf erzeugte Ton so verändert, dass einige Dutzend Konsonanten und Vokale entstehen.“ (Szagun, 2013, S. 17). Je besser ein Mensch in der Lage ist, klare Worte zu fassen, desto einfacher fällt es ihm, von anderen akzeptiert bzw. verstanden zu werden. Besonders bei Kindern ermöglicht die Sprache den Kontakt zur Umwelt, zu den Eltern und Spielkameraden und bringt es mit sich, diese auch zu verstehen. Um sich korrekt ausdrücken zu können, muss sich die Sprache im Laufe der Zeit jedoch noch weiterentwickeln. Dieser komplexe Prozess, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, soll Hauptgegenstand dieser Arbeit sein. Zwar ist die sprachliche Entwicklung nur ein Teil der Gesamtentwicklung des Kindes, doch dass sie eine wichtige Rolle dabei spielt und mit anderen Faktoren zusammenhängt, soll diese Arbeit ebenfalls zeigen. Es ist zu beachten, dass es unmöglich ist, die Sprachentwicklung in, für alle Kinder geltenden, Phasen einzuteilen. Zwar durchlaufen sich normal entwickelnde Kinder ähnliche Prozesse, aber es kann zu Abweichungen kommen, da jedes Kind individuelle Umwelteinflüsse und kognitive Fähigkeiten besitzt. Auch zwischen Jungen und Mädchen unterscheidet sich die Schnelligkeit der Sprachentwicklung. Frauen erlernen die Sprache schneller als Männer (vgl. Szagun, 2013, S. 180ff.). Manchmal legen Kinder auch kleine Pausen ein, um an anderen Stellen der Entwicklung sprunghafte Fortschritte zu machen. Jedes Kind hat aber sein eigenes Tempo um sich die verschiedenen Teile der Sprache anzueignen. Der im Volksmund geläufige Spruch „Deutsche Sprache – Schwere Sprache“ ist in Bezug auf den Spracherwerb aus mehreren Perspektiven richtig. Zum einen ist es eine erstaunliche Leistung der Kinder, wie sie sich in relativer kurzer Zeit ihre Muttersprache aneignen. Erscheint doch der Erwerb der Sprache als ein sehr weit gefasster, extrem komplexer Prozess. Auf der anderen Seite ist es für die Kinder auch eine große Herausforderung dies ohne große Probleme zu schaffen. Immer wieder gibt es einige Kinder die Schwierigkeiten mit dem Erlernen der Sprache haben. Dies bezieht sich nicht nur auf die deutsche Sprache als Muttersprache, sondern kann auch auf jede andere Sprache bezogen werden. Manche Kinder schaffen es bis ins hohe Alter nicht, sich eine verständliche bzw. richtige Sprache anzueignen. In dieser Arbeit soll es aber erst einmal vorrangig um die Kinder gehen, bei denen die Sprachentwicklung normal verläuft.

2 Voraussetzungen für Sprache

Damit sich die Sprache bei Kindern überhaupt entwickeln kann, sind bestimmte Voraussetzungen nötig. Zuerst einmal ist entscheidend zu wissen, dass es den Kindern angeboren ist, das Sprechen zu lernen (vgl. Tracy, 2007, S. 66). Hinzu kommt, dass das Kind eine Stimme besitzen muss, um überhaupt in der Lage zu sein, Worte zu bilden. Aber es gelten auch noch andere wichtige Faktoren die das Sprechen überhaupt ermöglichen. Bevor das Kind die ersten Worte sprechen kann, muss es diese zuvor gehört haben. Deshalb ist ein gesundes Gehör extrem wichtig, um verständlich kommunizieren zu können. „Das Wunder des Sprechenlernens beginnt mit dem Hören, denn die Ohren sind der Regelknopf, mit dem wir unsere Sprechorgane einstellen.“ (Butzkamm & Butzkamm, 2004, S. 48). Gehörlose Kinder sind schwierig zu verstehen und die Ausbildung ihrer Sprache ist sehr umständlich (vgl. ebd.). Ein weiterer, sich daraus erschließender, wichtiger Punkt ist die Notwendigkeit einer sprechenden Umwelt. Wenn das Kind die Worte erst hören muss, bevor es sie sprechen kann, bedeutet das gleichermaßen, dass eine viel kommunizierende Umwelt nötig ist, da ein Kind nur so genügend Worte aufnehmen kann, um einen großen Wortschatz und dementsprechend eine differenzierte Sprache zu erreichen. „Unbestritten braucht der Spracherwerb allgemeine Voraussetzungen der Wahrnehmung, der Kognition und der sozialen Kognition.“ (Nußbeck, 2007, S. 44). Die Sprache steht also auch in engem Zusammenhang zum Denken, worauf im späteren Verlauf der Arbeit noch eingegangen wird. Als letzte Voraussetzung der Sprache gelten die höchst funktionalen „[…] Wahrnehmungs- und Speicherstrategien, die ebenfalls nicht erworben werden, auch wenn sie sich im Lauf der Entwicklung ändern.“ (Tracy, 2007, S. 71). Ein Kind ist in der Lage, erstaunlich viele Wörter aufzunehmen und abzuspeichern um sie später selbst benutzen zu können.

3 Vorsprachliche Phase

Bevor die eigentliche Sprachentwicklung analysiert wird, ist es wichtig einen kurzen Blick auf die vorsprachliche Phase zu werfen. Sie bezeichnet den Teil der sprachlichen Entwicklung, der vor dem ersten verständlichen Wort des Kindes geschieht. Bereits im Leib der Mutter ist das Baby in der Lage, etwas von der sprachlichen Umgebung wahrzunehmen (vgl. Hoffmann, Leimbrink, Quasthoff, 2011, S. 255). Schon bei der Geburt besitzen die Säuglinge Fähigkeiten, die für die Sprachentwicklung entscheidend sind. Sie können z.B. Sprache und Nichtsprache voneinander trennen, ebenso wie Fremd- und Muttersprache, außerdem können sie Stimmlagen unterscheiden und die Stimme der Mutter erkennen (vgl. Klose, Kritzer, Pretzsch, 2009, S. 13).

Obwohl das Kind vor dem ersten Lebensjahr Worte wahrnehmen kann, ist es nicht in der Lage eigene Wörter zu sprechen. Im ersten Monat drückt sich das Baby lediglich durch Schreien aus, bis zum vierten Monat durch Geräusche, die als Gurren bezeichnet werden und bis es die ersten Worte zu sprechen beginnt, lallt das Kind, was eine entscheidende Phase zum Spracherwerb darstellt (ebd., S. 13f.).

4 Die Sprachentwicklung und ihre Phasen

Die nun aufgeführten Phasen umschließen die Jahre eins bis sechs und stellen damit den wichtigsten Teil der Sprachentwicklung beim Kind dar, in dem die Grundlagen für einen guten sprachlichen Ausdruck gelegt werden. Es ist nicht unbedingt nötig, die Entwicklung in fünf Phasen darzustellen, es wären auch andere Einteilungen möglich. Eine einheitliche Teilung des Spracherwerbs in bestimmte Abschnitte ist bisher nicht aufgetreten. Wie schon in der Einleitung erklärt, können die kommenden Prozesse nur als Richtwerte angesehen werden, da es individuelle Unterschiede zwischen den Kindern gibt. Entscheidende Bestandteile der Sprache, wie der Wortschatz und die Grammatik, eignen sich junge Menschen unterschiedlich schnell an (vgl. Szagun, 2013, S. 159). Es wurde festgestellt, dass besonders bei Jungen und Mädchen Unterschiede vorhanden sind. „Mädchen hatten eine schnellere Sprachentwicklung als Jungen.“ (ebd., S. 181). Die nun folgenden Phasen umschließen zudem ausschließlich den normalen Entwicklungsverlauf der Sprache. Entwicklungsgestörte Kinder können hierbei nicht berücksichtigt werden.

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656898443
ISBN (Buch)
9783656898450
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292749
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
2,7
Schlagworte
Sprache Sprachentwicklung Kinder Kleinkind Grundschulalter Entwicklung des Kindes Psychologie

Autor

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Titel: Sprachentwicklung bei Kindern im Vorschul- und Kleinkindalter