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Arten der Heterogenität in Schule und Unterricht. Ein Blick auf Österreich

Examensarbeit 2015 17 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist Heterogenität?
2.1 Milieus innerhalb der Heterogenität
2.2 Die Schule als Organisationsmilieu

3 Sozio-ökonomische Ungleichheit
3.1 Leistungsunterschiede - Manifestierungen sozio-ökonomischer Ungleichheit
3.1.1 PISA als Leistungsmessinstrument der sozialen Ungleichheit
3.1.2 Auswirkungen des PISA-Leistungstests auf die Heterogenitätsdebatte
3.2 Bildungssprache

4 Geschlechterbedingte Heterogenität
4.1 Sex, sex category, gender und omnipräsente Kategorie
4.2 Koedukation und dessen Auswirkungen auf das österreichische Bildungssystem
4.3 Geschlechterbedingte Benachteiligung innerhalb der heutigen Schule

5 Migrationsbedingte Heterogenität
5.1 Migrationsbegriff und Geschichte
5.2 Migrationsbedingte Benachteiligung im österreichischen Schulsystem

6 Behinderungsbedingte Heterogenität
6.1 Modelle des Behinderungsbegriffs
6.2 Behinderungsbedingte Benachteiligung in Österreich

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Heterogenität, bzw. der Umgang damit, hat sich mittlerweile als pädagogischer Dauerbrenner fest etabliert. Mein Interesse liegt nun darin darzustellen, was unter diesem Begriff verstanden wird und welche Arten, besser gesagt Milieus, im Kontext der Schule unterschieden werden können. Daraus werden für die hier vorliegende Proseminararbeit folgende Fragen abgeleitet werden:

- Welche Milieus der Heterogenität gibt es und wie wirken sich diese im Allgemeinen aus?
- Mit welchen Hilfsmitteln kann die soziale Benachteiligung gemessen werden und wie sehen diese Benachteiligungen in Österreich aus, bzw. wird die Schule als Institution derzeit der Heterogenität gerecht?

Weiters werden behandelt:

Mit Hilfe des Buches von Tanja Sturm "Lehrbuch Heterogenität in der Schule" sollen die Milieus erklärt und mit weiteren Quellen vervollständigt werden. Danach folgt ein Blick auf die sozio-ökonomische Ungleichheit und die PISA-Resultate Österreichs und die damit verbundenen Auswirkungen. Im Kapitel "Geschlechterbedingte Heterogenität" werde ich versuchen die wichtigsten Begriffe zu klären und kurz stereotype Vorstellungen in der Schule aufzeigen. Die Differenzdimension der migrationsbedingten Heterogenität soll einen geschichtlichen Überblick erhalten und die Benachteiligung von MigrantInnen im österreichischen Schulsystem sichtbar machen. Letztendlich soll dasselbe für die Differenzdimension der behinderungsbedingten Heterogenität geschehen, jedoch ohne die Historie mit einzubeziehen.

2 Was ist Heterogenität?

Heterogenität als Begriff stammt aus der Zusammensetzung der beiden griechischen Wörter heteros (verschieden) und gennaō (erzeugen).[1] Es bedeutet also lediglich „Ungleichartigkeit“ im weiteren Sinn und diese setzt voraus, dass von einem homogenen Bezugspunkt ausgegangen wird. Verschiedenheit und ihre Merkmale, sind also nun zuerst Begriffe, die an einen Maßstab gebunden sind und einen festen Bezugspunkt erfordern. Erst der Vergleich macht die Heterogenität sichtbar. Im schulischen Kontext wird eine gewisse Homogenität gewollt, allerdings nicht verstanden als absolute Gleichheit, sondern als Streuung von der homogenen Norm.[2] Das bedeutet, dass man im schulischen Kontext selbstverständlich niemals von vollständig homogenen SchülerInnen ausgeht, da von diesen aus praxisrelevanten Gründen nicht ausgegangen werden kann.

2.1 Milieus innerhalb der Heterogenität

Hetero- und Homogenität kann mit Hilfe des Milieubegriffs erklärt werden. Ein Milieu ist in erster Linie ein soziales Umfeld, in der eine Person lebt und die ihn oder sie beeinflusst.[3] Besonders relevant ist hierbei der Milieubegriff Bourdieus, welcher ein bekannter Wissenschaftler innerhalb der Sozialisationsforschung ist und ein multidimensionales Modell des sozialen Raums erstellt hat. Dieser Milieubegriff unterscheidet zwischen ökonomischen, kulturellen und sozialen Kapital.[4] Mit Multidimensionalität ist gemeint, dass sich Milieudimensionen, wie zum Beispiel die generationelle und die geschlechtliche Zugehörigkeit, überlagern.[5] Milieus werden in zwei mögliche Formen unterschieden, einerseits das generalisierte Wissen, welches allen zu jeder Zeit zur Verfügung steht, so wissen bereits Volksschulkinder was zum Beispiel ein Buch ist, und andererseits das konjunktive oder handlungspraktische, kommunikativ-generalisierte Wissen, welches ein Erfahrungswissen ist, das aus der Kommunikation mit anderen Personen oder Gegenständen generiert wird. Überdies verbinden (konjugieren) die Peers eines bestimmten Milieus ihr handlungspraktisches Wissen, sodass untereinander Kommunikation erst stattfinden kann.[6]

2.2 Die Schule als Organisationsmilieu

Öffentliche sowie private Schulen sind Institutionen, die dem Unterricht von SchülerInnen in organisierter Art und Weise dienen. So definiert das Schulunterrichtsgesetz: "Zur Erfüllung der Aufgabe der österreichischen Schule gemäß §2 des Schulorganisationsgesetzes regelt dieses Bundesgesetz die innere Ordnung des Schulwesens als Grundlage des Zusammenwirkens von Lehrern, Schülern und Erziehungsberechtigten als Schulgemeinschaft".[7] Die Schule als Unterrichtsinstitution unterliegt somit formalen Regeln, dem Gesetz. Beispielsweise ist explizit festgelegt zu welcher Uhrzeit der Unterricht für alle SchülerInnen beginnt und endet.

Alle schulischen Mitglieder gehören nun zwar eigenen Milieus an, den sogenannten "sozialen Milieu", in dem sie selbst agieren, beeinflusst werden und beeinflussen, aber die Schule selbst besitzt ebenfalls eines, und zwar ein Organisationsmilieu. Organisationsmilieu und soziales Milieu sind immer aufeinander bezogen und stehen miteinander in Wechselwirkung.[8] In der Schule werden systemisch gesehen Benachteiligungen deshalb selbst hervorgebracht. Diese werden in den folgenden Kapitel erläutert.

3 Sozio-ökonomische Ungleichheit

"Unter "sozialer Ungleichheit" wird [...] unterschiedliche Teilhabemöglichkeiten von Personen und Personengruppen an wichtigen (und knappen!) gesellschaftlichen Ressourcen (zB Besitz oder Einkommen, höhere Bildung oder hohes Ansehen / Prestige) verstanden".[9] Die soziale Ungleichheit hat somit eine Schlüsselrolle in der Erlangung von Bildung inne. Die Ursachen sozialer Ungleichheit sind in erster Linie wirtschaftlicher Natur. In der Soziologie geht man heutzutage größtenteils davon aus, dass die soziale Ungleichheit aus dem kapitalistischen Wirtschaftssystem erwächst, wobei die soziale Marktwirtschaft, wie sie zB in Europa und besonders in Österreich gelebt wird, diesem Phänomen bis dato entgegenwirkt.[10] Nichts desto trotz trägt das österreichische Bildungssystem durch seine starke Selektion zur sozialen Ungleichheit bei und führt zu einer geringen Bildungsmobilität der Bevölkerung. Zuletzt ist, wie im vorigen Kapitel beschrieben, das Milieu in dem SchülerInnen aufwachsen, von hohem Interesse, wenn es um die Klärung der sozio-ökonomischen Frage geht. SchülerInnen, die in absoluter oder relativer Armut aufwachsen, also entweder kein Geld zum physischen Überleben oder zur Teilnahme an sozial-gesellschaftlichen Ereignissen haben, verfügen über niedrigere Leistungen in ihrer Bildungslaufbahn, erzielen niedrigere Schulabschlüsse und erlangen seltener akademisches Bildungsniveau.[11]

3.1 Leistungsunterschiede - Manifestierungen sozio-ökonomischer Ungleichheit

In Österreich sind bekanntermaßen die Leistungsunterschiede der SchülerInnen stark vom sozio-ökonomischen Hintergrund der Eltern abhängig.

3.1.1 PISA als Leistungsmessinstrument der sozialen Ungleichheit

An dieser Stelle bleibt festzustellen, dass das bisherige Schulsystem Deutschlands, welches dem österreichischen sehr ähnelt, der Heterogenität nicht gerecht wird und dadurch bestimmt ist, größtmögliche Homogenität herzustellen. Bisher wurde davon ausgegangen SchülerInnen an die Institution der Schule anzupassen. Entspringen die Leistungen nicht der Erwartung, so erfolgt durch das System eine Bestrafung in Form von Selektion durch Sitzenbleiben. Weiters halten LehrerInnen Fachunterricht gemäß Lehrplan und prüfen Leistungen nur punktuell ab. Der Umfang der individuellen Förderung ist rein von der Lehrkraft abhängig. Diese Unterrichtsform führt in Form von Nachhilfeunterricht zu hohen Kosten auf privater Seite.[12] Letzten Endes produziert das Schulsystem wiederum Ungleichheit in der Gesellschaft.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Schulleistungen von SchülerInnen nach höchstem Bildungsabschluss der Eltern[13]

In dieser Grafik des bifie sind die PISA-Leistungen des Jahres 2006 von SchülerInnen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaft anhand von Punktezahlen beschrieben. Die Grafik geht von dem höchsten Bildungsabschluss des Eltern aus und verdeutlicht die Relevanz des Bildungsgrads der Eltern und damit auch deren sozioökonomischen Leistungsfähigkeit, bzw. deren Wichtigkeit in Österreich. Kinder von Eltern, die lediglich den Pflichtschulabschluss absolviert haben sind ca. um 100 Leistungspunkte unter der von Kindern von Akademikern angesiedelt.

[...]


[1] Ingveide Scholz, Pädagogische Differenzierung (Göttingen / Oakville 2010).

[2] Tanja Sturm, Lehrbuch Heterogenität in der Schule (München 2013). im Folgenden zit. als Sturm, Lehrbuch Heterogenität.

[3] Bibliographisches Institut GmbH, Milieu, das, online unter <http://www.duden.de/rechtschreibung/Milieu/> (24. Januar 2015).

[4] Jutta Ecarius, Marcel Eulenbach, Thorsten Fuchs, Katharina Walgenbach, Jugend und Sozialisation, Bd 3: Basiswissen Sozialisation (Wiesbaden 2011).

[5] Arnd-Michael Nohl, Konzepte interkultureller Pädagogik: Eine systematische Einführung. In: Tanja Sturm, Lehrbuch Heterogenität in der Schule (München 2013) 166.

[6] Sturm, Lehrbuch Heterogenität.

[7] JUSLINE GmbH, §2 SchUG Erfüllung der Aufgabe der österreichischen Schule, online unter <http://www.jusline.at/> (24. Januar 2015).

[8] Arnd-Michael Nohl, Konzepte interkultureller Pädagogik: Eine systematische Einführung. In: Tanja Sturm, Lehrbuch Heterogenität in der Schule (München 2013) 36f.

[9] Peter Büchner, Stichwort: Bildung und soziale Ungleichheit. In: Tanja Sturm, Lehrbuch Heterogenität in der Schule (München 2013) 66.

[10] Sturm, Lehrbuch Heterogenität.

[11] Käthe Knittler, STATISTIK AUSTRIA Bundesanstalt Statistik Österreich, Intergenerationale Bildungsmobilität: Bildungsstruktur junger Erwachsener im Alter von 15 bis 34 Jahren im Vergleich mit jener ihrer Eltern, online unter <www.statistik.at> (24.01.2015).

[12] Sturm, Lehrbuch Heterogenität.

[13] Claudia Schreiner, Ursula Schwantner, PISA 2006: Österreichischer Expertenbericht zum Naturwissenschafts-Schwerpunkt. Grafik: Leistungen nach höchstem Bildungsabschluss der Eltern, online unter <https://www.bifie.at/buch/815/6/1> (28.01.2015).

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656899365
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292751
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,0
Schlagworte
arten heterogenität schule unterricht blick österreich

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