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"Eine unbequeme Wahrheit". Al Gores Klima-Apokalypse ist stark übertrieben

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die moderne Apokalypse des Al Gore - Eine Einführung
2.1. An Inconvenient Truth - Der inszenierte Al Gore - Beschreibung
2.2. An Inconvenient Truth - Der inszenierte Al Gore - Analyse
2.3. An Inconvenient Truth - Der inszenierte Al Gore - Weitere Beobachtungen

3. An Inconvenient Truth - Die Erschaffung einer modernen Klima-Apokalypse

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Weltklimabericht: Uno schlägt Alarm - Klima-Apokalypse naht“1, „Bericht des UN-Weltklimarats - Apokalypse auf Akademisch“2, „Apokalypse im Trend“3, „Apokalyptische Prognosen - Vor UN-Klimakonferenz in Doha hagelt es Warnungen vor Klima-GAU“4 und „Alarmierende Szenarien: Forscher warnen vor Öl- und Klima-Apokalypse“5 sind einige der Überschriften, die in den letzten Jahren bei Spiegel Online, taz.de, Süddeutsche.de und FOCUS Online zu lesen waren. Einen Anteil daran, dass die globale Erwärmung und der damit einhergehende Klimawandel, in den Medien immer wieder mit einer drohenden Apokalypse in Verbindung gebracht wird, hat mit Sicherheit Al Gore. Der ehemalige US-Präsidentschaftskandidat ging vor einigen Jahren mit einem Diavortrag zum Thema Klimawandel weltweit auf Tour, mit dem er über tausendmal auftrat.6 2006 kam sein Vortrag unter dem Titel An Inconvenient Truth (2006)7 als Dokumentation in die Kinos. Der Film wurde zu einem großen Publikumserfolg und wird bis heute weltweit in Schulen gezeigt, wodurch er die Klimadebatte in einzigartiger Weise geprägt hat.8 2007 bekam Al Gore für sein Engagement zusammen mit dem IPCC (Klimarat der UN) den Friedensnobelpreis verliehen, während sein Film mit dem Oscar für die beste Dokumentation 2006 prämiert wurde. Doch Al Gores Vortrag entspricht bei genauerem Hinsehen kaum einer sachlichen, wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der globalen Erwärmung und ihren Folgen, sondern erweist sich an mehreren Stellen als alarmistische Übertreibung. Der ehemalige Vizepräsident will in erster Linie sich selbst als besonders bedeutsamen, wichtigen Menschen inszenieren und mit seiner konstruierten, modernen Apokalypse dem Zuschauer Angst machen. Zum Beweis dieser These werden sowohl das theatrale Schauspiel von Al Gore als auch die filmische Dramaturgie der Dokumentation anhand einiger ausgewählter Szenen analysiert und darüber hinaus im Anschluss einige der wissenschaftlichen „Fakten“ des Films widerlegt.

2. Die moderne Apokalypse des Al Gore - Eine Einführung

An Inconvenient Truth ist die Präsentation einer modernen Apokalypse, in deren Rahmen sich der ehemalige Präsidentschaftskandidat theatral in Szene setzt. Der Film besteht zum größten Teil aus einer abgefilmten Version von Al Gores Vortrag und steht dadurch dem Zusammenschnitt eines Theaterstücks sehr viel näher als einer gewöhnlichen Dokumentation. Aus diesem Grund erscheint eine Analyse im Rahmen der Theaterwissenschaft sinnvoll.

Bevor mit der Analyse begonnen werden kann, soll nun die Verwendung der Begriffe der „modernen Apokalypse“ und der „Theatralität“ genauer definiert werden.

Klaus Vondung entwickelt in seinen Texten Die Faszination der Apokalypse9 und Der Preis des Paradieses: Gewalt in Apokalypse und Utopie10 einen Begriff der modernen Apokalypse, der für diese Analyse als Grundlage dienen soll. Vondung beschreibt die moderne Apokalypse als einen Abkömmling der religiösen apokalyptischen Tradition, bei der es einige wesentliche Unterschiede gibt. So greift nicht mehr Gott in die Geschichte ein, um Erlösung zu bringen, sondern der Mensch selbst. Zudem wird in der modernen apokalyptischen Weltdeutung der Zustand der Erlösung nicht mehr als himmlisches Jerusalem vorgestellt, sondern als irdisches Paradies.11 Da Al Gore den Menschen zum Eingreifen ins Klimageschehen bewegen will und nicht mehr an Gott appelliert und zudem davon träumt, die Erde als irdisches Paradies zu erhalten bzw. wieder herzustellen, sind die Parallelen zu Vondungs moderner Apokalypse durchaus vorhanden. Hinzu kommt, dass Al Gore Bilder der religiösen apokalyptischen Tradition verwendet, wie zum Beispiel von Dürren, Überschwemmungen und Katastrophen, von denen er im Film unter anderem sagt, sie sähen aus wie bei der Wanderung durch das Buch der Offenbarung.12

Klaus Vondung beschreibt passend zum Thema die Angst vor der ökologischen Katastrophe und dem Klimawandel als eine der neuesten Untergangsängste unserer Zivilisation.13 Dabei verwendet er den Begriff der „kupierten Apokalypse“. Hiermit will er zum Ausdruck bringen, dass mit dem Auftreten der Atombombe die Apokalypse kupiert, also um ihr eigentliches Ziel, nämlich die Erlösung, gebracht wurde.14 So stellt es auch Al Gore dar, der im Scheitern bei der Bekämpfung des Klimawandels einen endgültigen Weltuntergang sieht, dem keine Erlösung folgen kann.

Der hier verwendete Theatralitätsbegriff wird in erster Linie anthropologisch verwendet, richtet sich also vor allen Dingen nach der Vorstellung vom Menschen als Darsteller seiner selbst.15 Die Theatralität als anthropologische Kategorie sieht bei jedem Menschen die Notwendigkeit, den eigenen Ausdruck zu kontrollieren, ein Selbst zu modellieren und dieses den Mitmenschen unter Einsatz des gesamten Körpers wahrnehmbar zu machen.16 Diese Form der Theatralität ist bei Al Gore sehr ausgeprägt, der sich und seinen Körper gezielt zu inszenieren und einzusetzen weiß, wie die Analyse zeigen wird.

2.1. An Inconvenient Truth - Der inszenierte Al Gore - Beschreibung

Es folgt nun eine Beschreibung der ersten knapp vier Minuten17 von An Inconvenient Truth. Auf diese Weise soll eine Einführung in den Aufbau des Films ermöglicht werden, der im Anschluss analysiert wird. Bei der Analyse kommen theater- als auch filmwissenschaftliche Parameter zum Einsatz. Stimme, Gestik und Mimik Al Gores werden in Hinsicht auf ihre Theatralität analysiert, besonders wichtige Einstellungsgrößen, Perspektiven und Lichtsetzung auf ihre filmdramaturgische Wirkung. Die Beschreibung der ersten vier Minuten berücksichtigt diese Herangehensweise und beschreibt besonders wichtige Teile des Films ausführlicher, während weniger wichtige nur kurz ausformuliert werden.

An Inconvenient Truth beginnt mit mehreren Aufnahmen eines Flusses in freier Natur. Das Tageslicht ist hell, die Umgebung wirkt unberührt und natürlich. Unterlegt werden die Bilder mit einer dezenten, etwas traurig klingenden Filmmusik und einem Off-Kommentar von Al Gore. Der ehemalige Vizepräsident spricht den Filmzuschauer direkt an. Hier ein Auszug:

You look at that river, gently flowing by. You notice the leaves rustling with the wind. You hear the birds... you feel the gras...It´s quiet. It´s peaceful. And all of a sudden it´s a gear shift inside you. And it´s like taking a deep breath and going, “Oh, yeah, I forgot about this.”

Es folgt die Nahaufnahme eines Laptopmonitors, auf dem ein Foto der Erde abgebildet ist. Vor dem Laptop ist Al Gores Arm zu sehen, der sich rechts aus dem Bild bewegt. Es gibt eine Überblendung zu einer Nahaufnahme vom Foto der Erde, währenddessen wird die Filmmusik ausgeblendet. Im Off, auf der Bühne stehend, erklärt Al Gore, dass dies das erste Bild unseres Planeten aus dem Weltall sei. Es folgen ein paar Nah- und Halbnahaufnahmen von einem amerikanischen Publikum, das konzentriert den Worten des ehemaligen Vizepräsidenten zuhört. Der Off-Kommentar wird in einen anderen Off-Kommentar, ebenfalls von Al Gore, übergeblendet. In beiden Fällen handelt es sich um Sätze, die er während seiner Dia-Vorführungen spricht. Erneut wird ein Publikum gezeigt. In diesem Fall sind es asiatische Menschen, die unter anderen Lichtverhältnissen, diesmal ist Tageslicht zu sehen, an einer weiteren von Al Gores Diashows teilnehmen. Erneut wird dezente, ruhige, etwas traurig klingende Filmmusik eingeblendet, die bis zum letzten Bild dieser Beschreibung weiter läuft.

Einige Nahaufnahmen zeigen ernste, konzentrierte Zuschauer. Nun wird erstmals Al Gore gezeigt, jedoch nur von hinten, in einer Halbtotalen auf einer weiteren Bühne vor Publikum stehend. Die Lichtverhältnisse ähneln denen des ersten Auftritts, da erneut kein Tageslicht zu sehen ist. Al Gore verbeugt sich leicht vor seinen Gästen. Es folgen ein paar Einstellungen, die vermutlich nach den Vorträgen in einem Foyer spielen. Wieder sieht der Filmzuschauer Al Gore nur von hinten, über dessen Schulter gefilmt wird. Die Menschen schauen ihn bewundernd an, einige machen Fotos. Danach zeigt die Kamera Al Gore, erneut von hinten, in einer chinesischen Universität stehend. Diesmal scheint er gerade seinen Vortrag beendet zu haben, denn das Publikum klatscht und macht Fotos. Es folgt eine Halbtotale von Al Gore, ein weiteres Mal nur von hinten gefilmt. Im Hintergrund, also im Off, hört der Filmzuschauer eine Ankündigung über einen Lautsprecher, der das Eintreffen Al Gores ankündigt. Das besondere an der Einstellung ist, dass ein Scheinwerferlicht direkt von vorne auf Al Gore scheint, so dass von diesem eine sehr deutliche Silhouette zu sehen ist. Der ehemalige Vizepräsident geht zügig auf das Licht zu. Danach folgt eine Aufnahme des Fußbodens, ein Schatten gleitet von links ins Bild und ist auf dem Fußboden sehr gut zu erkennen, erst dann folgt der richtige Al Gore, zum letzten Mal nur von hinten gefilmt. Im Hintergrund ist Publikum zu erkennen, Al Gore betritt folglich gerade die Bühne. Danach kommt die erste Aufnahme, die Al Gores Gesicht preisgibt, es ist eine Nahaufnahme von der Seite, in der er sich als Al Gore, der Mann der fast Präsident geworden wäre, vorstellt. Dies sorgt für einen ersten Lacher beim Publikum, das nun in einer Totale von oben gezeigt wird. Al Gore sagt, dass er dies überhaupt nicht komisch fände, schmunzelt dann jedoch selbst.

Es folgen ein paar, von Monitoren abgefilmte Aufnahmen, die Ausschnitte von Al Gores Wahlkampf zeigen. Danach folgt eine Nahaufnahme des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten, der auf der Rückbank eines fahrenden Wagens sitzt und einen Laptop aufklappt. Erneut wird ein Off-Kommentar von Al Gore eingeblendet. Darin sagt er, dass er diese Geschichte schon oft erzählt habe, jedoch glaube, dass er darin versagt habe, seine Botschaft erfolgreich zu vermitteln. Während dieser Worte folgt ein Schnitt zu einer seitlichen Großaufnahme von Al Gores Gesicht. Dieser schaut ernst und nachdenklich, beinahe traurig aus dem Fenster des Wagens. Dann werden Landschaftsaufnahmen eingeblendet. Der Film zeigt Eisschollen, die im Meer schwimmen, Bäume, Wasser, ausgetrockneten Boden. Dann folgen Schornsteine, die viel Rauch ausstoßen, ein brennendes Stück Land aus der Vogelperspektive. Erneut wird nun Al Gore gezeigt, der auch in dieser Aufnahme nachdenklich aus dem Autofenster blickt. Sein Gesicht ist noch größer zu sehen, die Kamera also noch etwas näher an ihn herangerückt. Ergänzt wird die Aufnahme durch die weitere Einblendung eines weiteren Off-Kommentars von Al Gore, in dem er sagt, dass er stolz auf seine lange Zeit in der Politik sei.

Es folgen zwei Aufnahmen von einem heftigen Sturm, der durch verwüstete Straßen zieht, danach eine Aufnahme von Menschen, die knietief im Wasser stehen und schreien. Dann ist ein Monitor zu sehen, auf dem das Satellitenbild eines Hurrikans abgebildet ist. Im Off hört man einen jungen Mann, der von einem nationalen Desaster spricht. Der Ton der Aufnahme klingt so, als handele es sich um den Mitschnitt eines Telefongesprächs. Dann folgt eine Großaufnahme von Al Gores Gesicht im Profil. Im Hintergrund sieht man einen Monitor, auf dem eine Nachrichtensendung läuft, in der gerade jemand von einem Helikopter aus einem überschwemmten Gebiet gerettet wird. Es folgt eine Detailaufnahme von Al Gores linkem Auge, das von vielen Falten geziert wird. Danach kommt eine Detailaufnahme seiner Hand, die mit einem Finger in Richtung Laptoptastatur zeigt. Im Off hört man währenddessen weitere Sätze des jungen Mannes, der um Hilfe bittet, und fordert, dass Busse nach New Orleans kommen sollen, um die Bevölkerung zu retten. Zeitgleich wird ein Laptopmonitor eingeblendet, auf dem „Hurricane Katrina August 29, 2005“ zu lesen ist. Noch einmal wird die Profilaufnahme von Al Gore eingeblendet, der nachdenklich nach unten blickt. Im Hintergrund sind auf dem Monitor überflutete Gebiete zu erkennen. Im Off ist weiterhin der junge Mann zu hören, der davon spricht, dass dies eine riesengroße Sache sei. Danach folgen ein paar weitere Aufnahmen vom abgefilmten Monitor mit einigen Nachrichtenausschnitten aus dem Überflutungsgebiet, die Menschen in Not zeigen. Es folgt eine Aufnahme des Laptopmonitors, es wird gerade eine Datei kopiert, dann erscheint eine Grafik.

Erneut kommt nun Al Gore per Off-Kommentar zu Wort. Er sagt, dass es in beiden politischen Lagern gute Menschen gäbe, die das Problem außen vor ließen, denn wenn sie es anerkennen würden, wäre die moralische Verpflichtung zu großen Veränderungen unausweichlich. Während dieser Worte wird erneut die Profilaufnahme von Al Gore eingeblendet, diesmal sieht man auf dem Monitor im Hintergrund zunächst ein weiteres überflutetes Gebiet, dann eine amerikanische Flagge im Wind wehen. Danach kommt erneut der junge Mann im Off zu Wort, der von der größten Krise des Landes spricht. Es folgt die letzte Aufnahme dieser Beschreibung. Al Gore sitzt wieder in einem Wagen. Diesmal ist die Kamera nicht im Auto, sondern außen. Al Gore ist kaum zu erkennen, da die Scheibe des Wagens stark spiegelt. Doch dann fährt das Fahrzeug an einem Gebäude vorbei, wodurch die Spiegelung gebrochen wird, so dass Al Gores Gesicht besser zu erkennen ist. Er schaut ernst und nachdenklich. Im rechten unteren Bildviertel wird nun der Titel An Inconvenient Truth eingeblendet.

2.2. An Inconvenient Truth - Der inszenierte Al Gore - Analyse

Die Theatral- und die Filmanalyse sollen diese ersten Minuten nun aufschlüsseln. Der Einstieg in den Film zeigt, wie beschrieben, ein paar Naturaufnahmen eines Flusses. Der Zuschauer des Films hört lediglich die Stimme von Al Gore aus dem Off und wird von diesem direkt angesprochen. Dadurch findet gleich zu Beginn des Films die Einbeziehung des Zuschauers statt. Mit Hilfe der melancholischen Filmmusik und des nachdenklichen Tonfalls erzeugt Al Gore eine bedrückende Stimmung. Er setzt seine Stimme gezielt ein, die Musik und die Bilddramaturgie helfen zusätzlich, um den Zuschauer in eine bestimmte Richtung zu lenken. Al Gores ruhige aber auch fordernde Stimme sowie seine Wortwahl ähneln der eines Hypnotiseurs. Auf diese Weise soll der Filmzuschauer nachdenklich gestimmt und seine Aufmerksamkeit gewonnen werden.

Die weiteren Bilder der Erde und des amerikanischen Publikums dienen einem Spannungsaufbau. Die Gäste sind interessiert und fasziniert, doch der Redner, den sie bewundernd ansehen, wird dem Filmzuschauer bewusst vorenthalten, wodurch Spannung entsteht. Nur in kleinen Schritten wird Al Gore dem Filmzuschauer präsentiert. Die Nahaufnahmen der begeisterten Menschen, die beeindruckt teilweise Fotos machen, vermitteln den Eindruck, dass Al Gore ein ganz besonders wichtiger, faszinierender Mensch sein muss, ähnlich einem Superstar. Er wird jedoch noch immer nicht gezeigt, wodurch sich die Spannung erhöht. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat wird in den ersten Aufnahmen, die ihn schließlich zeigen, nur von hinten gefilmt, was ihm eine besondere Größe verleiht. Al Gore steht oben auf der Bühne, während alle anderen unten vor ihm sitzen, ihm zuhören. Das macht ihn zur wichtigsten Person im Raum. Die Kamera blickt über seine Schulter in weitere, teils faszinierte, teils begeisterte Gesichter, was Al Gore noch interessanter und wichtiger erscheinen lässt und die Spannung bzw. das Bedürfnis, ihn endlich richtig erkennen zu können, noch einmal erhöht. Al Gore bewegt sich in diesen Aufnahmen nur dezent und langsam, manchmal gar nicht, dadurch strahlt er Ruhe und Besonnenheit aus. Seinem Körper verleiht dies einen erhabenen, mächtigen Ausdruck.

Besonders beeindruckend sind die beiden letzten Einstellungen, bevor Al Gores Gesicht zu sehen ist. Die vorletzte Aufnahme hat durch die surreale Lichtsetzung eine besonders intensive Wirkung. Al Gore geht durch einen dunklen, unbeleuchteten Gang in Richtung eines gleißenden Scheinwerferlichts. Dadurch wird seine Silhouette sehr stark betont und der Moment erhält eine leicht geisterhafte Wirkung. Dank seines zügigen Schrittes vermittelt Al Gore einen sehr entschlossenen, zielgerichteten und auch mutigen Eindruck. Es ist die erste Einstellung, in der er sich schnell bewegt, was ihn jedoch keinesfalls hektisch, sondern selbstbewusst erscheinen lässt.

Die letzte Aufnahme ist ebenfalls sehr beeindruckend arrangiert. Ein großer Schatten gleitet wirkungsvoll über den Boden, erst dann folgt der Körper des Al Gore. Bildlich gesehen wirft Al Gore also einen großen Schatten voraus. Dem Filmzuschauer wird so noch einmal über die Bildsprache vermittelt, dass es sich bei Al Gore um einen sehr wichtigen, eindrucksvollen Menschen handeln muss. Die Spannung hat an dieser Stelle ihren Höhepunkt erreicht, folglich ist es logisch, dass nun Al Gores Gesicht präsentiert wird. Durch seinen selbstironischen Spruch löst er diese Spannung zusätzlich auf und durch sein Schmunzeln sammelt er Sympathien beim Zuschauer. Die Totale des Publikums schafft ein Gefühl des Abstands, der Gelöstheit.

[...]


1 mbe/dpa: Weltklimabericht: Uno schlägt Alarm - Klima-Apokalypse naht. In: Spiegel Online, 02.02.2007, http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/weltklimabericht-uno-schlaegt-alarm-klima-apokalypse-naht-a-463865.html (24.7.2013), [S.1].

2 taz: Bericht des UN-Weltklimarats - Apokalypse auf Akademisch. In: taz.de, 18.11.2012, http://www.taz.de/!105772/ (25.7.2013), [S.1].

3 dpa: Apokalypse im Trend. In: Süddeutsche.de, 28.11.2008, http://www.sueddeutsche.de/wissen/klima-apokalypse-im-trend-1.834063 (24.7.2013), [S.1].

4 Michael Odenwald: Apokalyptische Prognosen - Vor UN-Klimakonferenz in Doha hagelt es Warnungen vor Klima-GAU. In: FOCUS Online, 26.11.2012, http://www.focus.de/wissen/klima/klimaprognosen/tid-28228/apokalyptische-prognosen-vor-un-klimakonferenz-in-doha-hagelt-es-warnungen-vor-klima-gau_aid_866043.html (24.7.2013), [S.1].

5 Markus Becker: Alarmierende Szenarien: Forscher warnen vor Öl- und Klima-Apokalypse. In: Spiegel Online, 08.11.2007 http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/alarmierende-szenarien-forscher-warnen-vor-oel-und-klima-apokalypse-a-515902.html (24.7.2013), [S.1].

6 Vgl. Hans von Storch/Werner Krauß: Die Klimafalle. Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung. München 2013, S. 63.

7 An Inconvenient Truth (dt. Eine unbequeme Wahrheit), USA 2006, R: Davis Guggenheim.

8 Vgl. Storch/Krauß: Die Klimafalle, S.63.

9 Klaus Vondung: Die Faszination der Apokalypse. In: Alexander K. Nagel/ Bernd U. Schipper/Ansgar Weyman (Hrsg.): Apokalypse. Zur Soziologie und Geschichte religiöser Krisenrhetorik. Frankfurt am Main [u.a.] 2008, S. 177-196.

10 Klaus Vondung: Der Preis des Paradieses: Gewalt in Apokalypse und Utopie. In: Reto Sorg/Stefan Bodo Würffel (Hrsg.): Utopie und Apokalypse in der Moderne. Paderborn/ München 2010, S. 33-45.

11 Vgl. Klaus Vondung: Der Preis des Paradieses, S. 36.

12 An Inconvenient Truth (dt. Eine unbequeme Wahrheit), USA 2006, R: Davis Guggenheim. DVD (Paramount Classics 2006), TC 00:35:49-00:36:36.

13 Vgl. Klaus Vondung: Die Faszination der Apokalypse, S. 193.

14 Vgl. ebd., S.192.

15 Vgl. Matthias Warstat: Theatralität. In: Erika Fischer-Lichte/Doris Kolesch/Matthias Warstat (Hrsg.): Metzler Lexikon Theatertheorie. Stuttgart/Weimar 2005, S. 359.

16 Vgl. ebd., S. 359.

17 TC 00:00:34-00:04:12.

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656899778
ISBN (Buch)
9783656899785
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292800
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Theaterwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
eine wahrheit gores klima-apokalypse

Autor

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