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Kanaksprak. Entwicklung eines Ethnolekts

Bachelorarbeit 2014 37 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhalt

Abstract

Kanaksprak - Entwicklung eines Ethnolekts

1. Einleitung

2. Die Gastarbeiter kommen
2.1. Der Begriff Gastarbeiter
2.2. Gastarbeiterdeutsch als Pidgin?
2.3. Merkmale des Gastarbeiterdeutsch
2.4. Gastarbeiterdeutsch als Foreigner Talk

3. Kanaksprak
3.1. Definition der Kanaksprak:
3.2. Synonyme
3.3. Kanaksprak - Entwicklung des Begriffs
3.4. Charakteristika
3.4.1. Integration von Ausdrücken aus Herkunftssprachen:
3.4.2. Grammatische Veränderungen:
3.5. Multiethnolekt der 2./3. Generation
3.5.1. Merkmale

4. Modell ethnischer Merkmale im Deutschen
4.1. Primäre Stufe
4.2. Sekundäre Stufe
4.3. (Poly-) ethnische Marker
4.4. Tertiäre Stufe: Vom Crossing zur Deethnisierung
4.4.1. Zur Verwendung von Kanaksprak unter deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund
4.5. Kanaksprak als Jugendsprache
4.6. Deethnisierung

5. Fazit

6. Ausblick

7. Appendix: Transcription conventions

8. Quellen

9. Abbildungsverzeichnis

Abstract

Kanaksprak - Entwicklung eines Ethnolekts.

Thomas Ehmann

The content of this thesis traces the historical development of ethnic and polyethnic ways of speaking German and outlines the various transformations of its indexical meaning. The development of ethnic markers in German has its origins in the so-called Gastarbeiterdeutsch, a German variety, which originated in the 1960s and is spoken by the first generation of migrant workers in German speaking countries. The following generations of these migrant workers have a multilingualism that really stands out for their special blend: The mother tongue (Turkish, Serbo-Croatian, Arabic, etc.) is acquired at home, the standard language is German (mediated by school and media consumption) and finally the vernacular (in this thesis referred to as Kanaksprak, ethnolektales Deutsch, Türkendeutsch, Kiezdeutsch), which is in daily language contact, such as with friends or siblings, used.

Through data analysis the language change from a pidgin language toward a de-ethnicization, which refers to the ´undoing´ of social boundaries aiming to protect the integrity of (presumed) ethnic-cultural traditions, is described. A conceptual model, which is subdivided in three stages, covers this path of language change. The first stage includes all aspects of the beginning of ethnic ways of speaking by adolescents in Turkish-dominated milieus, the subject of the second stage is the stylization of ethnolectal varieties of German in mass media and their subsequent appropriation in the everyday communication of the recipients. The medial representations of Kanaksprak can be understood as hybrids that combine elements from the sociolinguistic reality of migrant youth with stereotypes for "broken German" and idiosyncratic elements, which are more or less embedded in stereotypical representations of ethnic backgrounds. Fragments of Kanaksprak will be incorporated into various everyday situations in a jokingly-expressive purpose. Finally the third stage describes the de- ethnicization process and the used data analysis shows how German adolescents apply their everyday language use to it.

1. Einleitung

Die Entwicklung ethnischer Marker im Deutschen hat ihren Ursprung im Gastarbeiterdeutsch, welches in den 1960er Jahren entstand. Die folgenden Generationen der Gastarbeiter weisen eine Mehrsprachigkeit auf, die durch ihre besondere Mischung auffällt: Die Muttersprache (Türkisch, Serbokroatisch, Arabisch, etc.) kommt von ´zuhause´, die Standardsprache ist Deutsch (durch Schule und Medienkonsum vermittelt) und schließlich die Umgangssprache (hier bezeichnet als Kanaksprak, ethnolektales Deutsch, Türkendeutsch, Kiezdeutsch), welche im täglichen Umgang, etwa im Freundeskreis oder mit Geschwistern, benutzt wird. Diese Sprache des Alltags, die man auch als jugendsprachlichen Multiethnolekt bezeichnen kann, wird in der folgenden Arbeit anhand ihrer Entstehungsgeschichte aus linguistischer Sicht, aber auch unter Berücksichtigung soziokultureller Aspekte analysiert.

2. Die Gastarbeiter kommen

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1960er Jahre, kamen die ersten Gastarbeiter nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz. Die sogenannte ´Goldene Zeit´1, in der ein signifikanter wirtschaftlicher Aufschwung stattfand, ist auch den Gastarbeitern zu verdanken, welche durch ihren Arbeitseinsatz einen wesentlichen Teil zum diesem Aufschwung beigetragen haben. Die Arbeitslosenzahlen sanken kontinuierlich und das reale Wirtschaftswachstum erreichte bis zu sechs Prozent. Da nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über 100.000 österreichische Arbeiter auswanderten, entstand die Nachfrage nach zusätzlichen Arbeitskräften. In der Schweiz und in Deutschland wurden Anwerbe-Abkommen mit Italien und Spanien vereinbart, in Österreich verlief der erste Versuch, Arbeiter abzuwerben, erfolglos. Das sogenannte Raab-Olah-Abkommen2 führte schließlich auch für Österreich zum Erfolg: Anwerbe-Abkommen wurden mit der Türkei 1964 und mit Jugoslawien 1966 erzielt. Vor dieser Übereinkunft war die Zulassung von ausländischen Arbeitskräften kein leichtes Unterfangen, da die Sozialpartner jeden Arbeiter einzeln prüfen und bewilligen mussten.

Vom Land in die Stadt - Eine kulturelle Umstellung

Nun bekam das boomende Nachkriegsösterreich endlich seine benötigten Arbeitskräfte, während es in der Türkei zu einer Kettenmigration3 kam. In Ankara leitete man das Gesuch um Arbeitskräfte direkt in eine der ärmsten Provinzen, Yozgat, von dort in die Kleinstadt Akdağmadeni, weiter. Bis in die 1990er migrierten Menschen aus der Gegend nach Wien, um dort Geld zu verdienen und so ihren Familien zu helfen. Von den heute etwa 130.000 in Wien lebenden Türken und Kurden stammen 10% aus Akdağmadeni, bezieht man die Provinz Yozgat mit ein, kommt man sogar auf 33%.4

Aus ärmlichsten Verhältnissen in eine reiche, westliche Großstadt umzuziehen, bringt vielen Migranten nicht nur Probleme in sprachlicher Hinsicht. So müssen sie sich in einem neuen Kultur- und Sprachraum orientieren, aber sich auch auf neue Normen, Gesetze und auf alles, was zum Leben in einer Großstadt dazugehört, einstellen. Davon sind immerhin ca. 80% der Gastarbeiter betroffen.5

Die Gastarbeiter wurden also aktiv ins Land geholt, um dem wirtschaftlichen Aufschwung "standzuhalten". Bis zum Jahr 1973 stieg die Anzahl der Gastarbeiter in Österreich auf ungefähr 230.000 Personen. Danach wurde ein Aufnahmestopp verhängt - die Zahl ausländischer Bürger blieb aber aufgrund von Familienzusammenführungen konstant.6

2.1. Der Begriff Gastarbeiter

Der Ausdruck Gastarbeiter ersetzte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Begriff des Fremdarbeiters, welcher durch die NS-Zeit stark negativ besetzt war. Fremdarbeiter waren meist Zwangsarbeiter (Zivilpersonen und Kriegsgefangene), die aus besetzten Ländern rekrutiert wurden und in Industrie, Landwirtschaft und Verwaltung diejenigen Männer ersetzten, die zum Kriegsdienst eingezogen worden waren.7

So nannte man ab den 1950er Jahren ausländische Arbeitnehmer Gastarbeiter. Kritik an diesem Kompositum übte man schon damals, als dass der Bestandteil Gast - als irreführend bzw. widersprüchlich gilt (Gäste lässt man nicht arbeiten). Aufgrund der schlechten Arbeitsund Unterkunftsbedingungen gilt der Begriff auch als verschleiernd. In den 1970er Jahren wurde versucht, den Ausdruck Gastarbeiter durch Arbeitsmigrant zu ersetzen.8

2.2. Gastarbeiterdeutsch als Pidgin?

Eine rein grammatische Analyse des Gastarbeiterdeutsch (GAD) zeigt viele Gemeinsamkeiten mit klassischen Pidginsprachen auf, es sind aber auch soziale Entstehungsbedingungen, die für die Kategorisierung herangezogen werden: Viele Pidgins entstanden im Zuge von Kolonialisierung. Pidgin entsteht zwar in multilingualen Situationen, erfordert aber eine Entwicklung der Umstrukturierung (= Hybridisierung) von Sprachen, aus der neue Sprachen/ Varietäten hervorgehen (Dittmar 1997:238). Das GAD der ersten Generation gilt des Weiteren als Lernersprache, daher geht man auch von einem fossilisierten Stadium der Sprache aus.

Dass die Diskussion über den Status von Gastarbeiterdeutsch als Pidginsprache durchaus berechtigt ist, zeigt ein Vergleich mit der bestehenden Ursprungstheorie der Pidginsprachen9:

Subjektpronomen - Negation - Vergangenheitsmarker - Verb - Objekt

Diese Formel kann auf Pidginsprachen übertragen werden, wie folgende Auflistung zeigt:

- Tok Pisin: mi no bin lukim em
- Chinese Pidgin English: mai no hav si
- Srana Tongan: mi no ben si en
- Haiti Creole: m pa te wè li
- Papiamento: mi n` a mir` e

Folgender Satz zeigt, dass sich das GAD nahezu optimal in diese Liste einfügen lässt:

- GAD: Ich nix haben gesehen diese (Mann).10

2.3. Merkmale des Gastarbeiterdeutsch

Das GAD weist eine Vielzahl von Features einer Pidginsprache auf und besitzt eine eigene Norm: Es existiert kaum Flexion, Präpositionen sind nur wenige in Gebrauch, das limitierte Vokabular forciert Übergeneralisierungen, das Übergewicht von Substantiven ist auffällig und grammatikalisch kann man GAD als "reduziert" bzw. "vereinfacht" beschreiben.11

Syntax/ Morphologie:12

- Ausfall des Artikels

- Wir kommen aus [ der ] Türkei.
- Ich verstehe [ einen ] Teil, net alles.

- Ausfall von Verbformen, insbesondere der Kopula

- Dagegen [ ist ] kein Italiener mehr, wir nur Deutsche spreche.
- Kind alles [ist/sind ] in der Türkei geboren.

- Mangelhafte Bildung abgeleiteter Verbformen

- Ich hab damals mit Auto fahre.

- Ausfall von Personalpronomina und deiktischen Ausdrücken

- [ Im ] Januar war [ ich ] drei Jahr [ hier ].

- Ausfall von Präpositionen

- Jetzt gehe alle [ zu ] deutsche Familien, [ mit ] deutsche Kinder spiele.

- Ausfall von Flexionsmorphemen

- Mein[ e ] Frau ist drei Jahr[ e ] in Deutschland.

- Infinitiv als invariantes Substitut

- Abend esse und jeden Tag warm esse. (Ich habe Abendessen und jeden Tag warm zu essen bekommen.)

- Wortstellung

- Wenn viele Türke kumme, zusammen mehr spreche Türkisch.

- Negation:

Jedes Element im Satz kann mit nix („nichts“) negiert werden, wenn es unmittelbar auf den Negationsträger folgt:

- Ich nix mit Kopf arbeit (Jugoslawe)
- Niks gut Wetter (Griechin)

- Analytische Phrasen:

- nix Arbeit = „arbeitslos“
- viel Arbeit = „fleißig“

- Paraphrasierte Adverbiale:

- andere Platz = „anderswo/ woanders“

- Dekomposition von Verben:

- tot machen = „töten“, „ermorden“

2.4. Gastarbeiterdeutsch als Foreigner Talk

Unter Foreigner Talk versteht man "die spezifische Sprechweise von Muttersprachlern in Interaktion mit Anderssprachigen, die durch grammatische und/ oder paralinguistische Modifikation gekennzeichnet ist" (Csehó 2009:161). Folgend werden die Merkmale dieses Xenolekts dargestellt:

- Sätze werden kurz gehalten.
- Keine Verwendung von Nebensätzen.
- Meiden von Flexionsendungen, Artikel und Kopulaverben (Du einkaufen, Fahrrad kaputt, das schön).
- Umschreibungen (nix Arbeit).
- Verwenden von Basiswörtern (tun, machen, Dings).
- Einbauen von fremdsprachlichen Ausdrücken (amigo, Kollega).
- Artikulation ist überdeutlich, Lautstärke erhöht, Tempo verlangsamt.

3. Kanaksprak

Im folgenden Kapitel gehe ich auf die Sprache der 2. und 3. Generation der Einwanderer ein. Einer Definition und Begriffsbeschreibung folgt ein Überblick über die Entwicklung ethnischer Sprechweisen. Abschließend wird eine mögliche Deethnisierung behandelt.

3.1. Definition der Kanaksprak:

Der Begriff Kanaksprak ist die informelle Bezeichnung einer Jugendsprache, welche überwiegend von bilingual aufgewachsenen, meist türkischstämmigen Heranwachsenden der zweiten oder dritten Migrantengeneration gesprochen wird.

3.2. Synonyme

Parallel zum Begriff "Kanaksprak" werden noch einige andere Begriffe verwendet, welche zwar als synonym zu verstehen sind, sich aber deutlich voneinander unterscheiden und auf den ersten Blick keine Analogie aufweisen: Eine ethnische Einschränkung weist "Türkendeutsch" (Dirim & Auer 2004) auf; "Kiezdeutsch" (Wiese 2012) bezeichnet die Alltagssprache, die im "Kiez" gesprochen wird (vs. Standarddeutsch).

3.3. Kanaksprak - Entwicklung des Begriffs

In dem Buch Kanak Sprak - 24 Mißtöne vom Rande der Gesellschaft wird der Begriff ´ Kanaksprak ´ erstmals von Feridun Zaimoğlu (1995) verwendet. Aus der ursprünglich pejorativen Fremdbezeichnung ´Kanake´ (im Deutschen ein rassistisch gemeintes Schimpfwort für Menschen türkischer oder arabischer Abstammung) entwickelte sich auch eine Form der Selbstbezeichnung von meist jugendlichen Migranten. Durch die "Aneignung" des Begriffs geht der negative Charakter verloren und wird zum Ausdruck einer eigenen Identität: Junge Migranten verwenden den Begriff bewusst, um ihre Rolle als gesellschaftliche Außenseiter auszudrücken. Der Begriff bringt einerseits eine negative Stereotypisierung, andererseits kann man die Verwendung von Kanaksprak" auch als Rückeroberung eines negativen Begriffs, also als Geusenwort verstehen. Andere Beispiele für solche als Selbstbezeichnung positiv umgedeutete Schimpfwörter sind Ausdrücke wie Yankee, schwul oder etwa Çapulcu.13

Als sprachwissenschaftlicher Begriff kommt Kanaksprak bei Rosemarie Füglein (2000) vor: In ihrer Diplomarbeit "Kanak Sprak - Eine ethnolinguistische Untersuchung eines Sprachphänomens im Deutschen" wird der Begriff in die wissenschaftliche Literatur eingeführt. Auch Androutsopoulos (2007) verwendet den Ausdruck Kanaksprak. Der ehemalige Sprecher des Institut für Deutsche Sprache Werner Kallmeyer14 beschreibt die Kanaksprak als „ Elemente von reduziertem Deutsch und anderen Formen deutsch-türkischer Sprachmischung durchsetzt. “

3.4. Charakteristika

Ein auffälliges Charakteristikum ist das Vorkommen in urbanen Gegenden, wie die Schauplätze der bisherigen Untersuchungen zeigen: Berlin ( Kern & Selting 2006), Hamburg (Dirim & Auer 2004), Mannheim (Keim 2007) und Freiburg (Auer 2003) dienten bisher als Orte, die es zu untersuchen galt. Keine dieser Städte fällt in eine niedrigere Kategorie als in die der ´Großstadt´.

Äquivalente der Kanaksprak weisen viele Gemeinsamkeiten auf - Migrationshintergrund der meist jugendlichen Sprecher, Einfluss von Sprachen der Herkunftsländer, grammatische Besonderheiten, Vorkommen in Großstädten, - und wurden schon in verschiedenen Ländern beschrieben, z.B. Rinkebysvenska in Schweden (Kotsinas 1992, Bijvoet 2003, Fraurud 2003), Straattaal in den Niederlanden (Appel 1999) und der Copenhagen Multiethnolekt in Dänemark (Quist 2005). Die Parallelen werden in folgender Auswahl von Beispielen sichtbar:15

3.4.1. Integration von Ausdrücken aus Herkunftssprachen:

Straattaal: Welke sma? (<sma>: "Mädchen", surinamesischer Ursprung) welches Mädchen?

Rinkebysvenska: Har du para, lan? (<para>: "Geld"; <lan>: " Mann/Alter", Türkisch) hast du Geld, Alter?

Copenhagen Multiethnolekt: Har du ikke set de der kız?

(<kız>: "Mädchen", Türkisch)

Hast du nicht gesehen sie dort Mädchen?

Kanaksprak: Komm her, lan. (<lan>: " Mann/Alter", Türkisch)

3.4.2. Grammatische Veränderungen:

Die folgenden Beispiele16 zeigen, dass eine abweichende Wortstellung gleichmäßig in den Äquivalenten der Kanaksprak auftritt: Das Verb steht hier nicht an zweiter, sondern an dritter Stelle. Es folgt einem Adverbial und dem Subjekt:

Rinkebysvenska:

"Igår jag var sjuk." - Gestern ich war krank. Kopenhagen Multiethnolekt:

"Normalt man går på ungdomsskolen."

- Normalerweise man geht zu Ergänzungsschule. Kanaksprak:

"Morgen ich geh Arbeitsamt."

3.5. Multiethnolekt der 2./3. Generation

Die meisten Sprecher der Kanaksprak gehören der zweiten oder dritten Generation von Einwanderern (Gastarbeitern) an und sind bereits in dem Land geboren und aufgewachsen, in welches ihre Eltern einst migrierten. Aufgrund der finanziellen Lage der Eltern wachsen sie in multiethnischen Wohnvierteln auf, welche für (ehemalige) Gastarbeiter finanzierbar, weil günstiger, sind. Die Jugendlichen benennen ihre Viertel meist ´Ghetto´. Von einer Ghettoisierung möchte man in den Verwaltungen der Städte oft nichts hören, mutet die Bezeichnung ´Ghetto´ für Viertel wie zum Beispiel Berlin-Wedding oder Berlin-Neukölln übertrieben an, scheint es unbestritten, dass diese Bezirke soziale Brennpunkte darstellen. Der Prozentsatz der ausländischen Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren lag im Jahr 2006 jeweils bei über 40%. Der gesamtberliner Durchschnitt von 12.44% ausländischer Jugendlicher liegt weit darunter.17

Die Kinder wachsen mit der Muttersprache ihrer Eltern auf (z.B. Türkisch, Serbisch, Bosnisch, Kroatisch, Kurdisch, Arabisch oder Persisch), kommen in Peer-Group-Situationen und in der Schule aber auch in Kontakt mit der deutschen Standardsprache, in der sie Kompetenzen zur Beherrschung entwickeln, um ihren Alltag bewältigen zu können. In den multiethnischen Wohnvierteln, die einen Schmelztegel mit unterschiedlichen sprachlichen Hintergründen darstellen, werden aus den vorkommenden Ressourcen eigene sprachliche Stile und Strukturen kreiert. Wiese (2006:248) sieht darin eine Funktion als lingua franca. Somit dient die Kanak Sprak nicht nur der Kommunikation zwischen Menschen unterschiedlicher (sprachlicher) Herkunft im Migrationsland, "sondern auch dazu, einen Standpunkt zur Mehrheitsgesellschaft bzw. eine Gruppenidentität auszudrücken" (Wittenberg & Paul 2008:98).

3.5.1. Merkmale

In der Analyse der multiethnischen Wohnviertel Mannheims durch Inken Keim (2001) wird die Ingroup-Interaktion deutsch-türkischer Jugendlicher analysiert, welche eine massive Sprachmischung aufweist. Überdies ist unter Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft eine "Stadtteil-Sprache" in Gebrauch, die in der standardnahen Alltagssprache verwurzelt ist und diverse prosodische, phonologische und grammatische Merkmale offenbart. Diese werden auch bei Füglein (2000) und Auer (2003) beschrieben und dort als "Kanaksprak" bzw. "Türkenslang" charakterisiert.

Zusammenfassung der in der Literatur vorkommenden Merkmale: Phonetik/ Phonologie:

Koronalisierung des stimmlosen palatalen Frikativs (z.B. ich → isch); Reduktion von /ts/ zu /s/ ;

Nichtvokalisierung von auslautendem /r/;

Fehlen von stimmlosen glottalen Plosiven;

Kürzung langer Vokale wie in [ ban ] für Bahn.

Morphosyntaktische Merkmale:

Auslassen von Artikeln (z.B. hast du Fahrrad ?);

Auslassen von Präpositionen in Phrasen der Richtung (z.B. ich gehe Bahnhof);

Auslassen von anaphorischen und suppletiver Pronomen (z.B. als ich [sie] kennengelernt hab);

Wortstellung/Verbzweitstellung wird verletzt (jetzt ich bin 18); Genus- und Kongruenzfehler (eine Haus, einer Deutscher)

Lexikalische und diskursorganisatorische Merkmale:

Häufiges Vorkommen spezifischer Ausdrücke und Diskursmarker, z.B. korrekt, konkret, krass, weißt du, verstehst du, alter, ich schwör.

Die Merkmale überschneiden sich teilweise mit jenen des Gastarbeiterdeutsch, welche jedoch nicht mit den Varietäten der 2. bzw. 3. Generation gleichzusetzen sind. Die angeführten morphosyntaktischen Vereinfachungen sind nicht ausnahmslos als Interferenzen der jeweiligen Muttersprache erklärbar und sind daher auch nicht als Folgen ungesteuerten Spracherwerbs anzusehen18 (Auer 2003:257ff). Sie offenbaren hohe Variabilität und stehen in Konkurrenz zu den standardsprachlichen Formen. Das Repertoire der Jugendlichen verfügt über mehrere Codes, welche sie "zu Zwecken der Selbst-Stilisierung als ethnische Gruppe situationsspezifisch einsetzen" (Auer 2003:259). Die von Keim (2001) untersuchte Mädchengruppe in Mannheim wies ein Repertoire mit diesen Komponenten auf:

Standarddeutsch,

ein Türkisch-deutscher Mischstil, eine "Stadtteilsprache",

Elemente des Mannheimer Stadtdialekts,

sowie Elemente eines stilisierten Gastarbeiterdeutsch.

Das stilisierte Türkendeutsch wird dabei nur unter speziellen Bedingungen verwendet: In Konfliktsituationen mit Deutschen und in metapragmatischen Anmerkungen innerhalb der Gruppe. Bei Eksner wird die stilisierte Varietät als "intentionally employed situational register" beschrieben (2005:107).

Der Unterschied zu Sprechern des Gastarbeiterdeutsch besteht darin, dass Kanaksprak - Sprecher die Standardvarietät beherrschen und diese verwenden, sofern es die Situation erfordert. Des weiteren sprechen auch deutsche Muttersprachler ohne Migrationshintergrund Kanaksprak, wie im von Peter Auer (2003:257ff) entwickelten Modell veranschaulicht wird. Dieses Modell, auf das hier im folgenden eingegangen wird, teilt sich in eine primäre, sekundäre und tertiäre Stufe und beschreibt die Entwicklungsstufen der Kanaksprak (bei Auer: "Türkendeutsch").

4. Modell ethnischer Merkmale im Deutschen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Modell ethnischer Marker im Deutschen (Auer 2013:12)

4.1. Primäre Stufe

In den frühen 1990er Jahren finden sich erste Belege ethnischer, sozial etablierter Sprechweisen in den Tonaufnahmen türkischstämmiger Jugendlicher. Tertilt (1996) analysierte diese Sprechweisen in seiner "Ethnographie einer Jugendbande", in welcher die Frankfurter Straßengang "Turkish Power Boys" (TBB) bereits erhebliche Merkmale der heutigen Kanaksprak verwendeten:

Transkription der Aufnahme von Tertilt (1996):

1 aber SCHWUler eh

2 zum beispiel bei MIR; kam sogar BULlen; BULlen;

[b] [b]

3 weiß du was die gesacht ham zu mir. Ø

4 MACH (t) WEITer.

[ei] [ʁ]

5 un sin(d) WEGgegang.

[z] [g.ge.g]

6 !BULln!.

7 dˀ wi wIr warn grAde soˀ eˀ beim HAUn; [ʁ]

8 haˀ warn me deˀ haˀme unten theAterplatz.

9 in der toiLETte;

10 hammer gesch (h) la (h) gen,

11 kommen die BULln rein- (--)

12 erst ham die gedacht (da) =is was LOS ne,

13 ham=die=gemeint was MACHT ihr. (--)

14 <pp<wieso.>> ne wir haun den auf die FRESse (h); [z]

15 ham=die=gemeint wieSO, (-)

16 SCHWUle.

17 hater gem (h) eint (h) macht WEITer is wieder RAUSgegang

[ʁ]

18 iSCHWÖRS;

Abbildung 2: Tertilt (1996)

Phonetische Merkmale dieser Erstbelege sind:

2. Zeile: starke Stimmhaftigkeit der Obstruenten (Bullen)

3. Z.: auslautende Clusterschwächungen (weiß du)

4. Z.: Monophthongierungstendenz bei Diphthongen [ei]

Zeile 4/ 7/ 17: [R] als stimmhafter uvularer Frikativ (NICHT GEROLLT), Position egal, ob im Anlaut (17.) oder Auslaut (4.)

5. Z./ 14. Z.: starke Stimmhaftigkeit d. stimmlosen alveolaren Frikativ [zint]/ [freze]. In letzterem Beispiel ist eine dialektale Färbung erkennbar, welche jedoch nicht stark ausgeprägt ist.

Grammatikalische Merkmale:

1.Z. fehlende indefinite Artikel (aber [ein] Schwuler eh)

8.Z. Auslassen einer Präposition (unten [in/am] Theaterplatz);

10.Z. Auslassen eines Pronomens (hammer [ihn, einen] geschlagen) Gleichzeitig finden sich auch standardkonforme Verwendungen von

Artikeln (die Bullen),

Präpositionen (in der Toilette, auf die Fresse) und Anaphern (wir haun den auf die Fresse).

In Zeile 18 wird die heute "stereotypische Floskel ischwör(s) verwendet. Sie weist eine vollständige Assimilierung des wortfinalen an den wortinitialen Frikativ zwischen Pronomen und Verb auf (ich schwörs → ischwörs), die schon zu dieser Zeit auf eine Entwicklung zum univerbierten Diskursmarker hindeutet" (Auer 2013:14). Weiters kommen die später bekannt gewordenen Floskeln korrekt und krass schon bei den Turkish Power Boys vor (Auer 2005:258f). Ihre ethnische Zugehörigkeit (Türken) definierte die TBB, wobei die Gruppe auch nicht-türkische Mitglieder hatte ( Italiener, Jugoslawen und Marokkaner). Sie wurden aufgrund ihres Ausländerstatus von der Gruppe akzeptiert , jedoch erforderte diese Akzeptanz spezielle soziale Lizensierungen. Durch das in den 1990er Jahren quantitative Übergewicht an türkischstämmigen Jugendlichen in deutschen Großstädten ist es sehr wahrscheinlich, dass diese primären ethnischen Marker in den von Türken beherrschten Gemeinschaften entstanden sind. "´Ausländer sein´ bedeutete damals in metonymischer Verengung in erster Linie ´Türke sein´ " (Auer 2013:14).

4.2. Sekundäre Stufe

Zu der Zeit als primäre ethnische Marker erstmals beschrieben wurden, also Mitte der 1990er Jahre, setzte eine Entwicklung ein, die diese Merkmale durch die Medien zu einem sekundären ethnischen Stil kodierten. Mediale Enkodierungsformen für ethnische Sprechweisen wurde von Androutsopoulos (2007) untersucht. Aus seinen Arbeiten ging dieses Modell hervor:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Modell zu medialen Enkodierungsformen ethnischer Sprechweisen (Androutsopoulos 2007)

Die Kategorisierung von Sprechstilen zu Sprechern des ethnolektalen Deutsch, stützte sich einerseits auf die Generalisierung tatsächlich vorkommender Merkmale, andererseits wurden frei erfundene Merkmale hinzugefügt. Durch diverse Comedy-Shows im deutschen Fernsehen, sowie durch Hip-Hop- bzw. Rapmusiker, wurde in den Medien das Bild eines jugendlichen Ausländers geschaffen, welcher als männlich, aggressiv und kriminell dargestellt wurde (und zum Teil heute noch wird). In den Comedy-Varianten wird dem Fernsehpublikum ein ungebildeter, am Rande der Gesellschaft stehender Typ vorgespielt, dessen Alltag in Deutschland durch ständige kulturelle und soziale Fehlinterpretationen geprägt ist. Die Rapmusiker hingegen, versuchen sich als Identifikationsfiguren für diese Jugendlichen darzustellen. In ihren Texten geht es um ´Ausländersein´, das Leben im ´Ghetto´ und am Rande der Gesellschaft. Sie erzählen (verkaufen) ihre eigene Geschichte und thematisieren den sozialen Aufstieg, welcher mit finanzieller Unabhängigkeit gleichgesetzt wird. Diesen haben sie, so lautet es in ihren Texten, angeblich durch kriminelle Aktivitäten erreicht.

In den Medien wurde auch eine andere Variante des ethnolektalen Deutsch kodiert, die nichts mit der als Konstrukt erkennbaren Sprache der Komödianten zu tun hat, sondern den Anspruch stellte, die tatsächlich existierende Form der Kanaksprak darzustellen. In einem vieldiskutierten Artikel des Spiegel-Magazins, der Titelgeschichte "Die verlorene Welt"19, wurden Aussagen von Schülern der Rütli-Schule in Berlin-Neukölln zitiert, die nicht nur aus sprachlichen, sondern vor allem auch aus sozialen Gründen die Rütli-Schule in das Zentrum der medialen Aufmerksamkeit rücken ließ.

Auszug aus Spiegel 14,2006:

Aufklärung? Bildung? Lernen, für Zensuren, vielleicht sogar fürs Leben? Was soll der Scheiß?

So reden die Bewohner dieser Welt. Ey, Mann, ey. Nutte. Killer. Krass. Es gibt viele "sch"- und "ch"-Laute in dieser Sprache, kaum noch ganze Sätze. Dreckische Deutsche, so reden sie.

In dieser Welt, mitten und vielerorts in Deutschland, geht es nur noch um einen Wert: Respekt. Respekt bekommt, wer cool und wer stark ist, wer die richtige Kleidung trägt, die richtige Sprache spricht, die richtige Musik hört, wer die richtigen Freunde und die richtige Bande hat. Respekt bekommt, wir die eigene, also die türkische oder libanesische Schwester vor Sex und Liebe und diesem großen glitzernden Westen schützt und selbst deutsche Schlampe fickt.

Ohne Artikel. Wie sie eben reden.

Abbildung 4: Spiegel 14,2006:23

Diese Enkodierungen ließen einige sprachliche Merkmale, wie etwa die ch -Koronalisierung, zu ethnischen Stereotypen werden. Sie fanden sich schlussendlich auch in den Comedy- Varianten wieder und erlangten dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad in der Gesellschaft.

Das prominenteste Merkmal ist die Koronalisierung des palatalen Frikativs in der Silbenkoda.

Ursprünglich handelt es sich um ein dialektales Merkmal, welches im Mitteldeutschen (Gebiet zwischen Benrather Linie im Norden und Speyerer Linie im Süden) weit verbreitet ist und im Jahr 2006 durch die Popgruppe Grup Tekkan, "deren einziges rekurrentes ethnisches Merkmal diese Koronalisierung war" (Auer 2013:17), bekannt wurde. Ein zweites ethnisch enkodiertes Merkmal ist das Fehlen der Artikel.

4.3. (Poly-) ethnische Marker

Aus den Daten der Studie über Hamburger Jugendliche von Dirim & Auer (2004:74ff) geht eine Transformation von einem monoethnischen Stil hin zu einem polyethnischen Stil hervor. "Der Prozess wurde vermutlich durch die mediale Enkodierung befördert, die trotz der Bezeichnung ´Türkendeutsch´ in der Regel nicht an einer bestimmten ethnischen Kategorisierung der Sprechertypen interessiert war, sondern über ethnische Gruppen hinweg generalisierte; sicher wurde er aber auch durch die ethnische Diversifizierung der Großstadt- ´Ghettos´ in den 90er Jahren voran getrieben, die sich aus den großen neuen Flüchtlings- und Asylbewerbergruppen dieser Zeit ergab /Balkankriege, afghanische und iranischen Flüchtlinge etc.)" (Auer 2013:18). Anstatt dem ´Türken´ wurde nun der ´Ausländer´ mit den ethnischen Merkmalen in Verbindung gebracht; die damalige Dominanz der Türken zeigt sich jedoch in den von Hamburger Jugendlichen verwendeten Anredeformen und Diskursmarkern:

Lan (> ulan), dt. Hey!; Kerl!;

o ğ lum, dt. (mein) Sohn;

abi (> a ğ abey), dt. (älterer) Bruder;

moruk, dt. Alter; alter Knacker; alter Mann/ alte Frau can ı m, dt. Liebste; mein Schatz

k ı z ı m, dt. (meine) Tochter, Mädchen valla (hi), dt. Bei Gott!; Wahrhaftig!

und tamam, dt. abgemacht; okay; schon gut; fertig; einverstanden; wurden allesamt aus dem Türkischen ins ethnolektale Deutsch entlehnt.20

Bisher fehlt es an empirischen Untersuchungen, um genau bestimmen zu können, welche Gruppen sich dem polyethnischen Stil anschlossen; sicher ist jedoch, dass es verschiedene Gruppen sind, die an dem (selektiven) Prozess teilnehmen. Wie stark der Einfluss jeweils ist, kann noch nicht gesagt werden.

4.4. Tertiäre Stufe: Vom Crossing zur Deethnisierung

Seit der Jahrtausendwende kommt es auch durch deutsche Jugendliche ohne Migrationshintergrund zur Verwendung stereotypisierter ethnischer Merkmale. Diese Jugendlichen haben oft nichts mit den Immigrantenmilieus zu tun und grenzen sich sogar aktiv von ihnen ab. Der Gebrauch der Merkmale ist stets zitathaft, wie folgende Untersuchung zeigt: In der von Deppermann (2007) untersuchten Peer-Group von deutschen Jugendlichen wurden die Kanaken oft thematisiert: Immer wieder wurden Witze erzählt und Geschichten über Erfahrungen mit Kanaken ausgetauscht, sowie zu Kanaken in Bezug stehende Lokalitäten (Clubs, Restaurants oder fremde Städte), Kleidung oder Musikrichtungen bewertet. Orte, welche von Kanaken aufgesucht werden, wurden vermieden und abgewertet. Eine heftige Kritik innerhalb der Peer-Group war es, andere Mitglieder der Gruppe mit Kanaken zu vergleichen ("du siehst aus wie ein K.; du sprichst wie ein K."). Der Status in der Gruppe war damit bedroht. Kanaken waren allgemein verachtet und manchmal gefürchtet. Diese Ablehnung galt jedoch nicht jedem männlichen Jugendlichen türkischer oder arabischer Herkunft; einige von ihnen wurden respektiert und als Peers akzeptiert. Die deutschen Jugendlichen berichteten auch von positiven Erfahrungen mit ihnen; die einzelnen positiven Zuschreibungen wurden jedoch nicht auf alle Kanaken verallgemeinert. Die Identitäts- Attribute, mit denen die deutschen Jugendlichen die Kanaken beschrieben, waren jenen aus den in Comedy-Shows stilisierten Sprechern der Kanaksprak sehr ähnlich21:

Kanaken verwenden Mobiltelefone, um zu zeigen, wie wichtig und beliebt sie sind.

Sie haben einen unverwechselbaren Stil sich einzukleiden und tragen außerdem nur bestimmte Marken.

Sie sind aggressiv und gewalttätig; es wurde von mehreren Schlägereien berichtet, welche stets von Kanaken provoziert wurden. Diese wurden als "grundlos vom Zaun gebrochen" dargestellt. Die Deutschen hatten Angst und fühlten sich körperlich unterlegen.

Die Leistungen in der Schule sind schwach. Bildungsdefizite, die einhergehen mit schlechten Noten, lassen sie oft die Klasse wiederholen, führen zu Schulabbruch und rufen Schwierigkeiten bei der späteren Arbeitssuche hervor. Den deutschen Jugendlichen war dies eine Genugtuung und Rache für die eigene körperliche Unterlegenheit.

Kanaken werden oft mit Drogenhandel und Kleinkriminalität in Verbindung gebracht. Sie wurden als Angeber ohne Moral, als lächerlich und als nicht vertrauenswürdig beschrieben.

4.4.1. Zur Verwendung von Kanaksprak unter deutschen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund

Die Beobachtungen Deppermanns beruhen auf 23 Sequenzen stilisierter Kanaksprak, welche er aus seinem Korpus, bestehend aus etwa 30 Stunden Audioaufnahmen, entnahm. Aufgrund der Resultate gliederte er die Verwendung ethnischer Marker in zwei Kategorien:

4.4.1.1. Zitate

Die deutschen Jugendlichen unterhalten sich über türkische Jungen, die in ihrem Viertel leben. Als sich Denis auf Hawaks (= andere Bezeichnung für Kanaken) bezieht, die angeblich in Knuts Klasse sind, versteht Knut nicht, wer oder was damit gemeint sein könnte (Zeile 03, 05). Denis zitiert daraufhin einen Hawak, um eine Hilfestellung zu geben (Zeile 08, 09).

01 Denis: du hast ja auch <<len> vOll die kO:mischen hAwacks

02 bei dir in de gruppe ey,> (-)

03 Knut: ja wer bei mIr?

04 Denis: = ä h also in de kl:- (.) in de klAsse, (-)

05 Knut: isch hab kein: hAwack -

06 (1,0)

07 Bernd: [ höh ö -]

08 Denis: [ kenns]te der eine spAst der immer so <<all>komisch labert,> 23

09 << f, gepresste Stimme, kontinuierlich sinkende Intonation >

H Ö Y Aldär höy OAldäröy kr ↓ Assöy ,>

10 hh. he. (-)

11 Frank: <<len> is=hald ↑ Uldra den kerle wEIß=u,> (-)

12 Knut: wEn meinst=en dU ? (1,0)

Abbildung 5: Transkription aus Deppermann 2007:332f

Bis Zeile 08 verwenden die Jugendlichen den von ihnen bevorzugten Wir-Code. Dieser Code wird meist in informellen Freizeitunterhaltungen unter Jugendlichen verwendet, sofern keine Erwachsenen anwesend sind. In Zeile 09 zitiert Denis einen Hawak, der angeblich Knuts Klasse besucht: "HÖY Aldär höy OAldär öy kr↓Ass öy". Denis formuliert das Zitat nicht nur metapragmatisch (siehe Zeile 08), er verändert zudem seine Stimme um die Abweichung zu unterstreichen. Denis spricht dabei mit gepresster Stimme, die Intonation kontinuierlich fallend, bis sie beinahe die untere Grenze von Denis´ Intonationsbereich erreicht. Die artikulierten Töne klingen "ungenau": Die Vokale werden weiter hinten realisiert ( [ ɒ ] statt [ a ]; [ ɵ ] statt [ ɛ ]); der Fortis-Plosiv [ t ] wird lenisiert zu einem [ d ], und / r / wird als [R] realisiert. Die Lexik enthält mit den Worten krass und alder zwei Code-Marker der Kanaksprak. Franks Aussage (Zeile 11) bestätigt Denis´ Code-Switching auf besondere Art und Weise: Auch er verwendet stilisierte Kanaksprak, ändert jedoch die Perspektive, indem er die Rolle (Stimme) eines anonymen Sprechers einbringt. Er stimmt so mit Denis´ Aussage überein, welche die Identität des zitierten Sprechers charakterisieren sollte.22

Folgend wird die vollständige Liste der Features stilisierter Kanaksprak in Gesprächen deutscher Jugendlicher dargestellt (vgl. Deppermann 2007):

Phonetik/ Artikulation:

apikales [r]; Reduktion von /ts/ → /s/; Koronalisierung von [ç] → [ʃ];

Lenisierung der Fortis-Plosive ([t] → [d]; [k] → [g]); Vokale werden weiter hinten realisiert

Phonologie/ Qualität der Intonation:

Dehnung der Vokale;

gepresste/ krächzende Stimme; rumpeln,

Syntax:

Übergeneralisierte Verwendung von den als Pronomen/ Artikel; Fehler in Kongruenz;

Inversion der Wortstellung in Hauptsätzen: SV → VS, Verletzung der Verbklammer;

Fehlen syntaktischer Strukturen (ein-Wort-Sätze) Lexik:

exzessive Verwendung von stereotypischen Markern wie krass, korrekt, konkret, alder;

Türkische Wörter ( z.B. lan, tam, ç ay (dt.Tee), ç uki; Übersetzung: siehe oben)

Semantik:

semantische Erweiterung wertender Adjektive;

Verwendung von Präfixen wie ultra - als wertende Adjektive Phraseologie:

beleidigende Sprüche; Drohungen

4.4.1.2. Fun-Code

Die überwiegende Anzahl stilisierter Kanaksprakäußerungen in Deppermanns Korpus bezeichnet er als "playful assessments" (2007:339), welche hier als Fun-Codes angeführt werden. Diese Fun-Codes werden als unseriöse und scherzhafte Bemerkungen kontextualisiert. Stilisierte Kanaksprak wird demnach meistens als Fun-Code verwendet und kommt in scherzhaften Unterhaltungen vor, was auch in der folgenden Transkription ersichtlich wird. Die Buben standen während ihrer Unterhaltung neben einem Schilift und unterhielten sich über die Mädchen, die sie gerade gesehen hatten. In der Frage welche der Mädchen am attraktivsten sei, sind sich Frank und Denis nicht einig (Zeile 01- 08). In Zeile

12 wechselt Denis in stilisierte Kanaksprak, Bernd und Frank steigen prompt darauf ein:

01 Frank: hey die blond knut, (.)

02 des war en traum oder ? (.)

03 Denis: <<lacht> die ANdere, > (.)

04 die - (-) ziemisch

05 < BR ↑ AUNE,(.) die war GEIL ey.>

06 Frank: och komm - (.)

07 die blond war - (-)

08 ä BRETT war des e [ geR Ä ::T (.)

09 [((unverständlich)) (---)

10 Bernd: ja, (.)

11 schieb ma=n a:rsch wieder hoch, (---)

12 Denis: <<len, lacht> aldär - (.) KONkret,

13 (.) ober - (.) KRASS.> (.)

14 Bernd: is ultraKRASS. (.)

15 Frank: <<len, h> den is <<f> u:ltragEIl,> (.)

16 aldär, (.)

17 den hab isch schon gesä:hn LETZte

18 [ ja::hr, (.) hey aldär.> (.)]

19 Denis: [ TA::M ey::, ] total TA::M . (.)

20 [ ta::m (ha:h.) ]

21 Frank: [ ta:m TSCHU ] cki aldär. (.) <<p> tschU:cki;>

22 Wuddi: mayer - (-) mein bein mal - (-) an deinem - (.)

23 fußda vorbei dass isch (nacken) könnte.

24 ((Autotür ist verschlossen))

25 Bernd: vierzsch mack kost=es. (-)

26 Frank: tschucki, (.) <<len> TA:M- (.) altär.>

27 (1.2)

28 alex ? (.) schmeißt mal mei cassett an=em ?

Abbildung 6: Transkription aus Deppermann 2007:339f

Die Zeilen 12 bis 16 enthalten prototypischen Äußerungen der Kanaksprak: Sie bestehen ausschließlich aus den stereotypischen Elementen konkret, krass, ultra und aldär; einhergehend mit phonetischer Code-Markierung (apikales [r]; Vokale werden weiter hinten realisiert; teilweise gepresste Stimme) und werden als Ein-Wort-Äußerungen verwendet. Sie sind in keinen syntaktischen Rahmen eingebettet. Durch Verwendung dieser Features ist ein code-switching eindeutig markiert, obwohl weder metapragmatische, noch kontextuelle Anzeichen vorhanden sind, welche eine Erwartung dieser hervorrufen würde. "Die stilisierte Kanaksprak wird vom Sprecher eindeutig vom eigenen, unmarkierten Wir-Code getrennt, indem die Äußerungen in distinktive Segmente verpackt werden" (Deppermann 2007, 341).

In den Äußerungen Franks (siehe Zeile 15 - 18) finden sich einige zusätzliche Features stilisierter Kanaksprak: langsame Aussprache von langen Vokalen, das Pronomen den statt die und Kongruenzfehler bei Adjektiv-Substantiv Kombination (letzte Jahr, Zeile 17 - 18).

27

Außerdem werden auch Wörter türkischer Herkunft benutzt (Zeile 19 - 21 und 26): Tam ist

eine Abkürzung von tamam (dt. okay; schon gut; einverstanden) und tschucki, was sich von ç ok iyi (dt. sehr gut) ableitet.23

Denis´ Lachen (Zeile 12) deutet auf eine spielerische, scherzhafte Verwendung stilisierter Kanaksprak hin, in welcher die Meinungsverschiedenheit, bezüglich der Attraktivität der Mädchen, fortgeführt wird. Die gesamte Auseinandersetzung der Buben ist geprägt von einer Abfolge verschiedener Codes, die eine "entschärfende" Rolle spielen und von Deppermann (2007:341) als poetisch beschrieben werden : "In this context, code-switching can be seen as a poetic variation. It introduces a new aesthetic resource which is in line with the playful and mainly rhetorical character which the competition has had from the outset. If we take a closer look at the succession of codes, the poetic character of the competition becomes evident":

Frank beginnt in umgangssprachlichem Deutsch (en traum, 01-02), Denis verwendet ein mittlerweile konventionelles Element der Jugendsprache (geil, 05), Frank widerspricht ihm, indem er neue Elemente der Jugendsprache einbringt (brett, gerät, 06-08 [Jugendsprachliche Bezeichnungen für Mädchen/Frauen]), Denis leitet daraufhin eine Sequenz stilisierter Kanaksprak ein (12-18), welche schlussendlich mit Worten türkischer Herkunft endet (tam, tschucki, 19-21 [Übersetzung siehe oben]).

Die verbale Auseinandersetzung der Buben ist geprägt von konkurrierenden Segmenten, die zunehmend vom Standarddeutsch abweichen. Es ist kein Zufall, dass stilisierte Kanaksprak für Beurteilungen ("assessments") verwendet wird: "Assessing terms are one of the most productive lexical fields in German youth slang" (Androutsopoulos 1998: 434). Neue Begriffe werden schnell zu Ingroup-Marker; durch Ausbreitung verlieren sie jedoch ihre Unverwechselbarkeit und stehen aus diesem Grund unter ständigem Wandel. Kanaksprak wird so zu einer von vielen Quellen für jugendlichen Sprachgebrauch, welcher von sogenannter code-competition charakterisiert ist:

Umgangssprachliches Deutsch (Zeile 01-04)

Konventionelle Jugendsprache (Zeile 05)

Innovative Jugendsprache (Zeile 06-08)

Stilisierte Kanaksprak (Zeile 12-18) ↓

Stilisiertes Türkisch (Zeile 19-21; 26)

Abbildung 7: Code-competition (Deppermann 2007: 342)

Die Verwendung von stilisierter Kanaksprak unterliegt thematischen und lexikalischen Auslösern ("Trigger"). Thematische Trigger sind stereotypische Themen, wie zum Beispiel Gespräche über Mädchen (siehe oben). "Beim lexikalischen Triggering löst die normale Verwendung von "Türkendeutsch"-Stereotypen wie krass, korrekt, konkret usw. eine ethnolektale Imitation aus. Der Hörer wiederholt dabei das Wort mit ethnolektalem Akzent oder bettet die Imitation in einen charakteristischen Spruch ein" (Androutsopoulos 2001:330). Kanaksprak beschränkt sich hauptsächlich auf Ingroup-Interaktionen, kommt also in öffentlichen Interaktionen nicht vor - sie findet auch keine Verwendung gegenüber Sprechern mit ethnisch-markierter Deutsch-Kompetenz verwendet. "Stilisiertes "Türkendeutsch" wird also nicht als so genannter "Foreigner Talk" eingesetzt" (Androutsopoulos 2001:330).

4.5. Kanaksprak als Jugendsprache

Das Auftreten von Jugendsprache ist ein weltweites Phänomen und dient den jungen Heranwachsenden einerseits als Abgrenzung vor der Welt der Erwachsenen, andererseits trägt sie zur Selbstfindung/ Selbstdefinition von Jugendlichen bei. Verwendung findet sie unter Gleichaltrigen, den sogenannten Peer Groups.

Die heutige Jugendsprache ist als komplexes sprachliches Register zu verstehen.24 Aus diesem Verständnis stellte Hermann Ehmann (1996) folgende Thesen auf25:

1. Es gibt nicht die eine Jugendsprache, weil es die Jugendsprache, weil es die Jugend als homogene Gruppe nicht gibt. Vielmehr existieren mehrere Jugendsprachenvarietäten nebeneinander, die sich wiederum gegenseitig inspirieren (Szene - Sprache, Musikerjargon, Schüler- bzw. Studentensprache …); sie sind auch stets ein seismographischer Reflex des jeweiligen gesellschaftlichen Umfeldes.
2. Es gibt nicht die Jugendsprache an sich, wohl aber jugendspezifische Besonderheiten, die sich in sprachlicher, grammatischer, lautlicher und wortbildungsspezifischer Hinsicht deutlich von der Standardsprache abheben.
3. Es gibt nicht die Jugendsprache als mehr oder weniger komplettes Sprachsystem, sondern lediglich das schnelllebige, sich nicht zu einer festen Struktur verdichtende Sprechen von Jugendlichen.

Die Thesen lassen sich auch auf die Kanaksprak übertragen: Jugendliche mit Migrationshintergrund bilden ebenso wenig eine homogene Gruppe wie andere Jugendgruppen. Die Varietät kann als Reflex des gesellschaftlichen Umfeldes betrachtet werden, wie bereits in Kapitel 3.5. Multiethnolekt der 2./3. Generationausführlich erläutert wurde. Ebenfalls existieren jugendspezifische Besonderheiten, die sich in phonetisch/phonologischer, sowie in morphosyntaktischer Hinsicht von der Standardsprache unterscheiden (z.B. Lexikalische und diskursorganisatorische Merkmale).

4.6. Deethnisierung

Die polyethnische Jugendsprache entwickelte sich in den letzten Jahren zu einem "late modern youth style" und wird als deethnisiert beschrieben (Cheshire et al. 2011, Madsen 2011, Rampton 2011). "Das würde implizieren, dass die soziale Bedeutungshaftigkeit dieser Sprechweisen als Index für polyethnisches "Ausländersein" verloren ginge, d.h. auch die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft, die den Stil nicht verwenden, würden ihn nicht mehr mit "Ausländersein" assoziieren" (Auer 2013:19). Dieser Stil wird von allen Jugendlichen, also auch den (im Falle der Kanaksprak: deutsch-) monolingualen, verwendet. Rampton bezeichnet diese Entwicklung in seiner Studie über London als "contemporary urban vernacular". Dass der jugendsprachliche polyethnische Stil von erwachsen gewordenen Sprechern beibehalten wird, war noch keine Grundlage für etwaige Untersuchungen. Vermutlich ist diese pauschale Hypothese in dieser Form schwer beizubehalten (im Sinne Karl Poppers), da nicht nur das Lebensalter, sondern viele andere Faktoren, wie z.B. soziale (Neu-) Positionierung, eine Rolle spielen.

5. Fazit

Die Entwicklung der Kanaksprak ist ein schönes Beispiel für die Entstehung einer Varietät. Sie bereichert die Sprachlandschaft des Deutschen und zeichnet sich durch besonders schnelle und vielfältige Entwicklung aus. In den letzten 20 Jahren entwickelte sie sich von einem Untergrund-Jargon hin zu einer Varietät, welche durch mediale Transportation allgemeine Bekanntheit erlangt hat und schlussendlich auch von monolingual aufgewachsenen Deutschen als Varietät in ihr Repertoire aufgenommen wurde. Die Dynamik der Kanaksprak verdankt sie vor allem den vielen polyglotten Sprechern und den diversen sprachlichen Einflüssen durch diese.

6. Ausblick

Die immer stärker werdenden globalen Migrationsbewegungen tragen weltweit sprachliche Konsequenzen, die vor allem in den ökonomisch prosperierenden Metropolen spürbar sind. Vertovec (2007) bezeichnet die sich herausgebildeten Sprachkontaktsituationen als superdiversity. Einige Forscher, darunter Jan Blommaert (2010), haben bereits damit begonnen, Grundzüge einer Soziolinguistik der Globalisierung auszuarbeiten. Die Soziolinguistik steht damit nicht nur vor einer Herausforderung, sie kann auch beweisen, dass die Sprachwissenschaft sich nicht im Elfenbeinturm der Gesellschaft befindet.26

7. Appendix: Transcription conventions

[ ] segments of talk spoken in overlap

= latching, contraction of syllables

(.) gap between utterances (< 0.25 seconds)

(-) pause 0.25-0.5 seconds

(--) pause 0.5-0.9 seconds

(1.0) pause measured in seconds

: prolongation of a sound

strEssed stressed vowel/syllable

deep-falling intonation

; falling intonation

- level intonation

, rising intonation

? high-rising intonation

(unclear) dubious hearing

<<f> > forte, loud

<<p> > piano, soft voice

<<all> > allegro, faster than surrounding segments of speech

<<len> > lento, slower than surrounding segments of speech

<<cresc> > crescendo, getting increasingly louder

<<high> > comment on the way a segment is spoken

((sleeps)) description of activities

bold face stylized Kanaksprak

8. Quellen

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9. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Modell ethnischer Marker im Deutschen (Auer 2013:12) 16

Abbildung 2: Tertilt (1996) 17

Abbildung 3: Modell zu medialen Enkodierungsformen ethnischer Sprechweisen

(Androutsopoulos 2007) 19

Abbildung 4: Spiegel 14,2006:23 20

Abbildung 5: Transkription aus Deppermann 2007:332f 24

Abbildung 6: Transkription aus Deppermann 2007:339f 27

Abbildung 7: Code-competition (Deppermann 2007: 342) 29

[...]


1 Vgl. zu den folgenden Ausführungen: Medienservicestelle (2011): Geschichte der Zuwanderung von GastarbeiterInnen. <http://goo.gl/ZOkZPR>

2 Am 28. Dezember 1961 wurde von den österreichischen Sozialpartnern der Grundstein für die darauffolgenden Abwerbe-Aktionen von Gastarbeitern gelegt: Der damalige Präsident der Wirtschaftskammer und frühere Bundeskanzler Julius Raab schloss ein Abkommen mit dem damaligen ÖGB-Präsident und späteren Innenminister Franz Olah, welches als Raab-Olah-Abkommen bekannt ist.

3 Kettenmigration bezeichnet einen Strom von Menschen, welche gesammelt auf die Suche nach besseren Arbeits- und Lebensbedingungen gehen. Dieses Phänomen tritt weltweit auf.

4 Vgl. Gepp, Josef (2014): "Die Stadt der Wiener Türken" In: Falter 21/2014 , S.18

5 Vgl. Bade, Klaus Jürgen/Jochen Oltmer (2004): Normalfall Migration. (ZeitBilder, Bd. 15). Bonn. S. 127-132 .

6 Vgl. Medienservicestelle (2011): Geschichte der Zuwanderung von GastarbeiterInnen. <http://goo.gl/ZOkZPR>

7 Vgl. Apostolopoulos, Niclas (2014): Wichtige Begriffe zur nationalsozialistischen Zwangsarbeit. Entnommen aus: < http://goo.gl/kWpgDF >

8 Vgl. Hoffmann, Ludger (2014): Kleines ABC: Migration & Mehrsprachigkeit. <http://home.edo.uni- dortmund.de/~hoffmann/ABC/Arbeitsmigr.html>

9 Aus: Sebba (1997:70f)

10 Eigenes Beispiel

11 Vgl. Klein(1975:82f)

12 Beispiele entnommen aus: Dittmar, N., & Klein, W. (1975: 178ff) 7

13 Der türkische Ministerpräsident Recep Tayip Erdoğan nannte die Demonstranten, die für die Erhaltung des Gezi-Parks in Istanbul im Juni 2013 auf die Straße gingen, Çapulcular (Plünderer). Die Demonstranten verstanden es, nach dieser Beschimpfung eine Bewegung zu schaffen und so noch mehr Menschen, die sich für den Erhalt des Parks einsetzten, zu mobilisieren. ´Çapulcu´ wurde zum Inbegriff des Widerstandes. Um international auf sich aufmerksam zu machen, wurde der Begriff auch ins Englische übersetzt und so dauerte es nicht lange, ehe das Motto der Bewegung geboren war: Keep çapulling!

14 Kallmeyer, Werner (2000): Mannheimer Sprachwissenschaftler erhalten Forschungsgelder in Millionenhöhe. <http://goo.gl/BPtgjv> [28.04.2014]

15 Beispiele aus Wiese (2012: 109ff)

16 Vgl. Wiese (2012:109ff)

17 Vgl. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Monitoring Soziale Stadtentwicklung (2000): Bevölkerungsentwicklung in der Metropolregion Berlin 2002-2020 mit Schwerpunkt Bevölkerungsprognose für Berlin. <http://goo.gl/tI70PZ> [2. September 2014]

18 Im Türkischen existiert z.B. kein definiter Artikel, und der indefinite (bir) wird viel seltener verwendet als im Deutschen. (In den angeführten artikellosen Beispielen würde er in der türkischen Übersetzung fehlen.)

19 Vgl. Berg, Stefan et al. (2006): Die verlorene Welt. In: Spiegel Ausgabe 14/2006:22ff 20

20 Vgl. Auer (2013:18f)

21 Vgl. Deppermann (2007:331)

22 Vgl. Deppermann (2007:333)

23 Vgl. Deppermann (2007:341)

24 Vgl. Schlobinski, Peter; Gaby Kohl & Irmgard Ludewigt (1993:12)

25 Entnommen aus: Ehmann, Hermann (1996): Oberaffengeil. Neues Lexikon der Jugensprache (=Beck´sche Reihe, Bd. 1170). München. S.23

26 Aus: Selting et al. (1998)

Details

Seiten
37
Jahr
2014
ISBN (Buch)
9783656902140
Dateigröße
655 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292865
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Schlagworte
Sociolinguistics Gastarbeiterdeutsch Kanaksprak Türkendeutsch

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Titel: Kanaksprak. Entwicklung eines Ethnolekts