Lade Inhalt...

Soziale Arbeit im Wandel. Perspektiven und Risiken der zunehmenden Ökonomisierung

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.. Einleitung

2. Ökonomisierung im Bereich der sozialen Arbeit
2.1 Ursachen
2.2 Beeinflussende Faktoren

3 Soziale Arbeit im Wandlungsprozess
3.1 Perspektiven
3.2 Risiken

4... Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Profession der sozialen Arbeit in der Bundesrepublik Deutschland sieht sich im aktuellen Zeitgeschehen einer Vielzahl struktureller Umgestaltungen und neuen Anforderungen gegen­übergestellt. Durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen wie dem demografischen Wandel und der Globalisierung entsteht im Arbeitsbereich des Sozialen ein wachsender Ökono­misierungsdruck, welcher unter anderem mit der Einführung diverser Begriffe und Strategien aus der Betriebswirtschaft einhergeht (Lutz 2008:3). Die soziale Arbeit ist dabei als Ganzes sowohl in ihren Leistungen, als auch in ihren Strukturen und Zielsetzungen betroffen (Frieß 2006:14).

In Deutschland entstand im Laufe der letzten Jahre eine vielseitige Debatte über die bestehende Problematik, welche sich dabei besonders mit den Auswirkungen der Ökonomisierung auf die soziale Arbeit als Profession und auf die davon unmittelbar Betroffenen beschäftigt (Dahme, Wohlfahrt 2006:28). Die Relevanz zur Untersuchung des Phänomens der Ökonomisierung in­nerhalb der sozialen Arbeit zeigt sich besonders deutlich anhand der bestehenden Diskussionen und differenzierten Meinungen bezüglich der Thematik. So sehen viele Beteiligte den Wandel der sozialen Arbeit in einem kritischen Licht und fürchten die Entstehung und Verfestigung gra­vierender Schwierigkeiten, während andere Parteien der Ökonomisierung vielfältige Möglich­keiten zur Bereicherung der Profession zusprechen (Buestrich, Wohlfahrt 2008:17).

Die aktuelle Entwicklung wirft die Frage auf, inwiefern der Tätigkeitsbereich der sozialen Arbeit im Zuge der neuentstandenen Gegebenheiten und Herausforderungen beeinflusst wird. Welche positiven Fortschritte und welche kritischen Aspekte bringt eine „Verbetriebswirtschaftlichung“ im Bereich des Sozialen mit sich? Lassen sich wirtschaftliche Zielsetzungen ohne weiteres mit dem Leitbild der sozialen Arbeit vereinbaren, oder entsteht durch Einflüsse wie dem eines wach­senden Kostendrucks eine verminderte Qualität der angebotenen Leistungen?

Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage nach den Chancen und Risiken, welche sich im Zuge der Ökonomisierung für die Profession der sozialen Arbeit innerhalb der Bundesrepublik Deutsch­lands ergeben, anhand einer eingehenden Analyse zu beantworten und entstehende Veränderun­gen näher zu untersuchen. Dabei werden zunächst die Begrifflichkeiten der sozialen Arbeit und der Ökonomisierung in diesem Kontext definiert, um die grundlegenden Ursachen des Phäno­mens der Ökonomisierung zu beschreiben. Die mit der Ökonomisierung einhergehenden Neue­rungen innerhalb der Profession der sozialen Arbeit werden anhand von ausgewählten Konzep­ten und ihrem Einfluss analysiert. Diese Seminararbeit beschränkt sich dabei auf die Wirkung des sogenannten „Neuen Steuerungsmodells“ und der damit einhergehenden Strategie einer „ak­tivierenden sozialen Arbeit“, welche im Zuge der zunehmenden Ökonomisierung entwickelt wurden (Seithe 2012:225ff.). Anschließend erfolgt eine eingehende Betrachtung der grundlegen­den Veränderungen innerhalb des Berufsfeldes der sozialen Arbeit, welche sich durch die Beein­flussung der zuvor genannten Konzepte entwickelt haben. Daraufhin befasst sich diese Arbeit in ihrem Analyseteil mit der Untersuchung von positiven Aspekten, welche eine Verbetriebswirt- schaftlichung für die soziale Arbeit mit sich bringt. Es wird verdeutlicht, welche Chancen zu einer Verbesserung und einem Fortschritt sich innerhalb der Profession der sozialen Arbeit erge­ben und inwiefern das Berufsfeld von wirtschaftlichen Kriterien profitieren und sich dadurch weiterentwickeln kann. Im Anschluss daran erfolgt eine kritische Betrachtung der entstehenden Risiken und Gefahren der Ökonomisierung für die soziale Arbeit. Diese äußern sich unter ande­rem in Form eines erhöhten Konkurrenz- und Wettbewerbsdrucks und dem daraus resultierenden Streben nach Effizienz und Effektivität, wodurch sich sowohl für die Mitarbeitenden, als auch für die betroffenen Klienten und Klientinnen eine Reihe von neuen Herausforderungen ergeben (Lutz 2008:4).

Abschließend werden in einem Fazit die Ergebnisse des Analyseteils in Bezug auf die Eingangs­frage nach den entstehenden Perspektiven und Risiken der Ökonomisierung im Bereich der sozi­alen Arbeit zusammengefasst. Ziel ist es, zu verdeutlichen, welche positiven Aussichten und welche kritischen Aspekte sich im Zuge der bestehenden Entwicklung ergeben, und inwieweit sich die soziale Arbeit in ihren Arbeitsweisen und Funktionen durch diese verändert hat.

2. Ökonomisierung im Bereich der sozialen Arbeit

Um die angestrebte Betrachtung der Perspektiven und Risiken der aktuellen Veränderungen im Bereich der sozialen Arbeit innerhalb der Bundesrepublik Deutschlands durchzuführen, wird zu­nächst eine Klarheit über die in diesem Zusammenhang verwendeten Begrifflichkeiten der „sozi­alen Arbeit“ und der „Ökonomisierung“ geschaffen.

Als Profession der sozialen Arbeit wird das gesamte praktische Berufsfeld sozialpädagogischer Leistungen unter der Prämisse gesellschaftlicher Vorstellungen und Forderungen verstanden, welche von den dort Beschäftigten in Form verschiedener Maßnahmen umgesetzt und angeboten werden (Thole 2012:21). Das Berufsgebiet der sozialen Arbeit entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts und weist heutzutage ein breites Spektrum an Aufgabenfeldern auf, wobei es haupt­sächlich eine Klientel betreut, welche Hilfe und Unterstützung in verschiedenen problematischen Lebenslagen benötigt (Seithe 2012:26). Der sozialen Arbeit kommt also die Aufgabe zu, zur

Bewältigung von verschiedenen Konflikten und dabei zu einer Ermöglichung besserer Lebens­bedingungen für die Mitglieder der Gesellschaft beizutragen.

Im Kontext dieser Seminararbeit wird die Profession der sozialen Arbeit als eine wohlfahrts­staatliche öffentliche Instanz verstanden, welche in ihrer Funktion und Zielsetzung reproduktive und personenbezogene Fürsorgemaßnahmen leistet (Kessl 2013:26ff.) Ausgebildete Sozialarbei­ter und Sozialarbeiterinnen bilden dabei das ausführende Organ, wobei diese im Zuge ihrer Tä­tigkeit vermittelnd zwischen Interessen des Staates und denen ihrer Klientel agieren (Ritscher 2007:18f.). Die einzelnen Subdimensionen und detaillierten Aufgabenbereiche des Berufsgebie­tes sozialer Arbeit werden innerhalb dieser Hausarbeit nicht näher abgegrenzt, da sich die Rele­vanz bezüglich der Forschungsfrage auf den Bereich der Profession als Ganzes bezieht.

Um den Begriff der Ökonomisierung genauer zu definieren, sollte zunächst erwähnt werden, dass dieser eng mit dem Gedanken einer vermehrten Einflussnahme der Gesetze und Logiken des wirtschaftlichen Marktes auf die Gesellschaft im Gesamten verknüpft ist (Grams 2000:78f.). Dabei weist die Tendenz einer sogenannten „Ökonomisierung“ gegenwärtig im Zusammenhang mit mehreren gesellschaftlichen Sektoren und Branchen eine zunehmende Relevanz auf (Wer- ling 2013:142). Doch was verbirgt sich hinter diesem modernen Phänomen im Zusammenhang mit der Profession der sozialen Arbeit, und inwiefern sieht diese sich damit konfrontiert?

Hier meint der Begriff der Ökonomisierung einen wachsenden Einfluss marktwirtschaftlicher Kriterien und Strukturen auf den Praxisbereich des Sozialen (Frieß 2006:14). Grundsätze und Prinzipien der Betriebswirtschaft erhalten einen relevanten Einzug in die Profession sozialer Ar­beit, wodurch sich diese vermehrt an marktpolitischen Zielsetzungen in Form von Kostensen­kungen und Effizienzsteigerungen orientiert (Albert 2006:26). Des Weiteren umfasst der Begriff der Ökonomisierung im hier relevanten Kontext die Entwicklung eines Konkurrenzdenkens zwi­schen den öffentlichen und den privaten Dienstleistungsanbietern sozialer Arbeit, da mit ihm die Entstehung von Marktverhältnissen im sozialen Bereich einhergeht und ein exakteres Manage­ment vorhandener Ressourcen erforderlich wird (Hielscher et al. 2013:15ff.).

Die Ökonomisierung schafft also eine zunehmende Wichtigkeit von neuen, an Wirtschaftskrite­rien ausgerichteten Betrachtungsweisen im Bereich der sozialen Arbeit innerhalb der Bundesre­publik Deutschlands.

Der Befund dieser Erkenntnis wirft die Frage nach den zugrundeliegenden Gegebenheiten für diesen Prozess auf. Im nächsten Forschungsabschnitt wird darum eine eingehende Betrachtung der diesem Phänomen zugrundeliegenden Ursachen vorgenommen, um anschließend dessen

Folgen für den aktuellen Wandel innerhalb der Sozialarbeit zu begründen und näher zu beleuch­ten.

2.1 Ursachen

Der einleitend thematisierte Wandel innerhalb der Profession der sozialen Arbeit in der Bundes­republik Deutschland hin zu einer fortschreitenden Ökonomisierung beinhaltet eine Vielzahl auslösender Faktoren. Im Folgenden werden die Motive für die Entstehung dieses Prozesses dar­gelegt und anhand von ausgewählter Fachliteratur erläutert.

Als Hauptgrund für die Entstehung einer zunehmenden Ökonomisierung im Bereich des Sozia­len wird der generelle Bedeutungszuwachs eines marktpolitischen Denkens und der daran orien­tierten Führungsstrategien innerhalb der modernen Gesellschaft hervorgehoben, wodurch As­pekte wie Gewinnmaximierung und Wettbewerbsfähigkeit in den Fokus der Politik geraten und als Grundkonzept für die Orientierung der Aufgaben des Staates wirken (Seithe 2012:94).

Bei der Untersuchung der wachsenden Ökonomisierung im Bereich der sozialen Arbeit zeigt Gaitanides auf, welche Prozesse in ihrem Zusammenwirken zu veränderten Strukturen und Be­dingungen der Sozialarbeit führen (2000:125). Eine tragende Rolle übernimmt dabei die fort­schreitende gesellschaftliche Globalisierung, in deren Rahmen es zu Innovationen im Bereich der Mikroelektronik, und infolgedessen zu einer erhöhten wirtschaftlichen Wettbewerbssituation kommt (ebd.:126). Dies spielt unmittelbar mit dem Leitbild neoliberalistischer Grundsätze zu­sammen, welche sich durch eine erhöhte Standortkonkurrenz, internationale Entgrenzungen und einer damit einhergehenden kostensparende Politik im Bereich der Systeme wohlfahrtsstaatlicher Unterstützung auszeichnen (Wolf 2007:1160). Die politische Zielsetzung ist geprägt durch das Streben nach sinkenden Kosten innerhalb des sozialen Sektors und der Einführung von Metho­den, welche für dessen Aufgaben und Arbeitsweisen eine gesteigerte Wirkkraft sicherstellen sollen (Werling 2013:142).

Die Zunahme ökonomischer Kriterien für die Relevanz sozialer Dienstleistungen begründet sich des Weiteren nicht nur durch finanzielle Aspekte, sondern auch hinsichtlich entstehender Folge­probleme von Veränderungen, welche die Mitglieder der bundesdeutschen Gesellschaft betref­fen, wie beispielsweise dem demografischen Wandel oder einem generellen Anstieg von subjek­tiven Individualisierungstendenzen (Gaitanides 2000:126).

Die Ergebnisse der rezitierten Forschungsliteratur verdeutlichen ein Zusammenspiel verschiede­ner ineinandergreifender Ursachen, welche den fortschreitenden Ökonomisierungstrend des So­zialen verstärken und begründen.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656900498
ISBN (Buch)
9783656900504
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292880
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Erziehungswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Soziale Arbeit Wandel Chancen Risiken Soziale Arbeit im Wandel Erziehung Erziehungswissenschaften Ehrenamt Ehrenamtliche Arbeit Dienstleistungsarbeit Verwirtschaftlichung Verwirtschaftlichung soziale Arbeit Ehrenamt in der sozialen Arbeit Georg-August-Universität Göttingen Pädagogik Hausarbeit Seminararbeit Ökonomisierung Ökonomisierung soziale Arbeit Profession soziale Arbeit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Soziale Arbeit im Wandel. Perspektiven und Risiken der zunehmenden Ökonomisierung