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Friedrich Wilhelm IV. zur Zeit der 48er Revolution

Proklamation des preußischen Königs vom 21. März 1848: "An mein Volk und an die deutsche Nation"

Hausarbeit 2009 24 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Quellenkritik
2.1. Quellenbeschreibung
2.2. Innere Kritik
2.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung
2.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

3. Quelleninterpretation
3.1. Inhaltsangabe
3.2. Einordnung in den historischen Kontext
3.2.1. Staats- und Herrschaftsauffassung Friedrich Wilhelms IV
3.2.2. Vormärz und Restauration in Deutschland
3.2.3. Friedrich Wilhelm IV. während der Märzrevolution in Preußen und Deutschland
3.2.4. Konterrevolution und Ende der Nationalversammlung

4. Ergebnis und Ausblick

Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Der kurze Zeitraum von Anfang März 1848 bis zum 23. Juli 1849, dem Tag der endgültigen Kapitulation der letzten Revolutionäre in der Festung Rastatt, ist uns wegen des Versuchs die Länder des Deutschen Bundes durch eine liberale Verfassung, ausgearbeitet und verabschiedet durch eine erstmalig tagende gesamtdeutsche Nationalversammlung, in einem gesamtdeutschen Staat mit Grund- und Bürgerrechten zu vereinigen, als ein erfreulicher Abschnitt in der oft so dunklen deutschen Geschichte in Erinnerung geblieben. Die Ereignisse der wenigen Monate und die beschlossene Reichsverfassung der Frankfurter Parlamentarier haben das Denken vieler Liberaler und Demokraten in Deutschland grundlegend geprägt und letztendlich dazu geführt, dass die Verfassung von 1848 der Weimarer Verfassung und nicht zuletzt dem Grundgesetz der Bundesrepublik in wesentlichen Punkten als Vorbild gedient hat.[1]

Doch darf die Märzrevolution nicht als ein plötzliches Ereignis betrachtet werden, welches über Nacht in den Ländern des Deutschen Bundes einfiel. Die Wurzeln der Revolution liegen tiefer und sind vielfältig. Allein die Quellen des deutschen Liberalismus, der zusammen mit dem Nationalismus eine der wichtigsten Grundströmungen der Zeit darstellte und deren Ideen Einzug in das Denken vieler Bürger gefunden haben, liegen in der Aufklärung zur und vor allem auch nach der Zeit der Französischen Revolution.[2]

Das Verlangen nach politischen und ökonomischen Reformen, beeinflusst durch eben jene aufkommenden liberalen und nationalen Ideen im wirtschaftlich erstarkten Bürgertum oder die ungelöste Verfassungsfrage in Preußen, sind ebenso Ursachen für die Revolution, wie der Pauperismus in den unteren Bevölkerungsschichten, der als Zuspitzung der sozialen Frage, als sozioökonomisches Phänomen, der in Deutschland einsetzenden Industrialisierung, betrachtet werden muss.[3]

Von der Möglichkeit weitere Gründe für die Entwicklung der revolutionären Stimmung im Deutschen Bund anzuführen, um somit nochmals die Pluralität der Revolutionsursachen zu unterstreichen, wird hier abgesehen, um den Rahmen einer einleitenden Darstellung nicht zu sprengen. Wichtiger, vor allem im Zusammenhang mit meiner Quelle, der Proklamation des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV.: „An mein Volk und an die deutsche Nation“, vom 21. März 1848, erscheint mir eine intensivere Auseinandersetzung mit der Person des preußischen Monarchen im Vor- und Umfeld der Revolution, insbesondere in Preußen.

Friedrich Wilhelm IV. ist einer der weniger bekannten Hohenzollernkönige, dennoch mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit ein ganz besonderer. Nicht selten wurde er in der modernen Geschichtsschreibung als Künstler beschrieben, der das Betreiben von Politik, obwohl es ihm zuwider war, nur aus Pflichtgefühl tat.[4]

Er ist, trotz politischen Geplänkels und häufiger Unentschlossenheit in wichtigen Entscheidungsfragen, seinen Prinzipien und Wertvorstellungen immer treu geblieben und hat seine Staats- und Herrschaftsauffassung niemals revidiert.[5] Die Eindrücke, die bereits in der Zeit des preußischen Zusammenbruchs, insbesondere während der Flucht der Königsfamilie nach Ostpreußen, auf ihn einströmten, haben seine Einstellungen zu Revolutionen entscheidend geprägt.[6] Widerwillig musste er dennoch, mehr oder weniger durch die Berliner Bevölkerung gezwungen, spätestens nach dem 19. März 1848 politisch zurückweichen und sich durch seine liberalen und nationalen Bekenntnisse in der bereits erwähnten Proklamation vom 21. März und den Umritt durch Berlin in den schwarz-rot-goldenen Farben der Revolution, zumindest öffentlich an die Spitze der Revolution stellen.[7] Dass seiner Zustimmung zu den Idealen eines konstitutionellen Nationalstaats keine politische Überzeugung zu Grunde lag, sie vielmehr eine angepasste Reaktion auf die damaligen Umstände war, ist heute mehrfach belegt worden.[8]

Im Folgenden sollen nun der Verlauf und die vielfältigen Ursachen der Revolution, die bereits angeschnitten wurden, kurz dargestellt werden. Wichtig erscheint mir vor allem das Bestreben der deutschen Bevölkerung nach mehr Freiheiten im Sinne der Märzforderungen, sowie nach einem gesamtdeutschen Nationalstaat mit einer liberalen Verfassung mit der Staats- und Herrschaftsauffassung Friedrich Wilhelms IV. und seiner patriotisch-romantischen Vorstellung eines ständisch-gegliederten deutschen Reiches zu vergleichen. In diesem Zusammenhang wird noch genauer auf die Person des preußischen Monarchen einzugehen sein, der die Schmach und Demütigung der Revolutionstage in Berlin nie wieder vergessen hat.[9]

2. Quellenkritik

2.1. Quellenbeschreibung

Bei der vorliegenden Quelle handelt es sich um die Proklamation des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV: „An mein Volk und an die deutsche Nation", vom 21. März 1848, anlässlich der prekären Situation für das preußische Königshaus nach den Barrikadenkämpfen in Berlin vom 18. auf den 19. März. Sie ist ein Zugeständnis im Sinne der Märzforderungen, die überall im Deutschen Bund vom liberalen Bürgertum gestellt wurden. Die Quelle liegt in abgedruckter Form vor.

2.2. Innere Kritik

2.2.1. Sprachliche Aufschlüsselung

Zwei Begriffe finden sich in der Quelle, die hier kurz erläutert werden sollen.

Der erste Begriff ist das Wort „vorkehren“ (Z. 24), welches als Synonym für „herauskehren“ nur noch selten Verwendung im deutschen Sprachgebrauch findet.[10]

Das Wort constitutionell, hier im Zusammenhang „constitutioneller Verfassungen“ (Z. 40) verwendet, kommt von konstitutionell und bedeutet im Allgemeinen: verfassungsmäßig; an die Verfassung gebunden.[11] Hier dient es jedoch eher dem Sinn, der Verfassung, als einem schriftlich fundierten Vertrag Ausdruck zu verleihen.[12]

2.2.2. Sachliche Aufschlüsselung

- „Mit Vertrauen sprach der König vor fünfunddreißig Jahren in den Tagen hoher Gefahr zu seinem Volke, und sein Vertrauen ward nicht zu Schanden; der König, mit seinem Volke vereint, rettete Preußen und Deutschland von Schmach und Erniedrigung.“ (Z. 1-3): Friedrich Wilhelm IV. nimmt in dieser Einleitung seiner Proklamation Bezug auf den
- „Deutschland ist von innerer Gährung ergriffen und kann durch äußere Gefahr von mehr als einer Seite bedroht werden.“ (Z. 7-8): Hiermit weist der König darauf hin, dass Deutschland neben den inneren Unruhen auch noch Gefahr von außen drohe, insbesondere militärisch durch Frankreich, das mit seiner Februarrevolution und dem Sturz des Bürgerkönigs Louis-Philippe eine wahre Revolutionswelle in den deutschen Ländern und ganz Mitteleuropa auslöste.[13]
- „alten deutschen Farben“ (Z. 13): Allgemein sind mit den alten deutschen Farben hier irrtümlicherweise die Farben des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gemeint. Da dieses Reich aber keine nationale Einheit bildete, gab es in diesem Sinne auch keine Nationalfarben. Somit galten die kaiserlichen Farben des 1806 untergegangenen Reiches, abgeleitet von ihrem Wappen (schwarzer Doppeladler auf gelbem Grund) als Reichsfarben; also Gelb-Schwarz. Auf einen Irrtum ist es nun zurückzuführen, dass bei der Gründung der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft 1818 die Farben Schwarz-Rot-Gold als angebliche Farben des alten Deutschen Reiches auftauchen. Ausgehend von den Burschenschaften entwickelten sich die Farben Schwarz-Rot-Gold zu den Farben der liberalen National-bewegung in Deutschland.[14]
- „volksthümlichen Landesheeres“ (Z. 27): Die Aufstellung eines volkstümlichen Landesheeres meint prinzipiell die Aufhebung der Privilegien des Adels in diesem Bereich. Lange Zeit war es nur Adligen vorbehalten, hohe militärische Ämter zu bekleiden.
- „Bewaffnete Neutralitätserklärung“ (Z. 28): Generell wird damit das Bestreben von Staaten beschrieben, die bereit sind, ihre eigene Neutralität und Unabhängigkeit im Notfall bewaffnet zu verteidigen.[15]
- „Gebietes deutscher Zunge“ (Z. 31): Mit dieser Formulierung sind alle deutsch-sprachigen Gebiete gemeint.

3. Quelleninterpretation

3.1. Inhaltsangabe

In der Proklamation weist Friedrich Wilhelm IV. auf die prekäre Situation in Preußen und Deutschland im März 1848 hin. Hierbei bedient er sich eines Vergleiches mit der Situation Deutschlands vor 35 Jahren, als sein Vater Friedrich Wilhelm III. das deutsche Volk im Zuge der Befreiungskriege aufforderte, an seiner Seite gegen Frankreich und Napoléon zu kämpfen, es dadurch vereinigen und „Preußen und Deutschland von Schmach und Erniedrigung“ retten konnte (Z. 3).

Auch Friedrich Wilhelm IV. betont neben der inneren auch die äußere Gefahr und somit eine doppelte Gefahr, vor der sich Deutschland nur durch die „Vereinigung der deutschen Fürsten und Völker unter einer Leitung“ retten könne. (Z. 7-9).

Im Folgenden stellt er sich an die Spitze der deutschen Nationalbewegung, indem er sich bereit erklärt, die Leitung der bereits erwähnten Vereinigung zu übernehmen. Er räumt einem vereinigten Deutschland dadurch absolute Priorität ein, die er mit seinem Ausspruch: „Preußen geht fortan in Deutschland auf“ nochmals prägnant unterstreicht (Z. 11-14).

Als Organ einer preußischen Gesetzgebung wird von ihm der Vereinigte Landtag vorgeschlagen, der für den 2. April 1848 einberufen wurde. Wichtig in diesem Zusammenhang ist vor allem seine Aussprache für das Zusammentreten einer gesamtdeutschen Ständeversammlung, die über die Wiedergeburt eines neuen Deutschlands beraten sollte (Z. 16-20 u. Z. 36-38).

Neben den zwei Hauptpunkten, denen der preußische König hier besondere Priorität einräumt, zum einen der Aufstellung eines volkstümlichen Landesheeres, also einem Heer ohne Privilegien der adligen Schichten, wie es in Preußen bisher der Fall gewesen war, zum anderen einer bewaffneten Neutralitätserklärung (Z 26-28), gibt er im letzten Abschnitt mit einer Reihe von liberalen Zugeständnissen im Sinne der Märzforderungen auch seiner angeblichen Bekehrung zum Liberalismus Ausdruck. Die Einführung konstitutioneller Verfassungen, öffentlich und mündliche Rechtspflege oder eine volkstümliche, freisinnige Verwaltung, sind nur einige Beispiele, die hier genannt werden könnten (Z. 40-44).

[...]


[1] Wiegrefe, Klaus: Es lebe die Republik, in: Der Spiegel 07/1998, S. 45.

[2] Müller, Frank Lorenz: Die Revolution von 1848/49, Darmstadt 2002, S. 8-9.

[3] ebd., S. 26-29.

[4] Baumgart, Winfried: Friedrich Wilhelm IV. (1840-1861), in: Kroll, Frank Lothar (Hrsg.): Preussens Herrscher. Von den ersten Hohenzollern bis Wilhelm II., München 2000, S. 219.

[5] Schoeps, Hans-Joachim: Der Erweckungschrist auf dem Thron. Friedrich Wilhelm IV., in: Preußen, Friedrich Wilhelm von (Hrsg.): Preussens Könige, Gütersloh 1971, S. 171.

[6] ebd., S. 159.

[7] Blasius, Dirk: Friedrich Wilhelm IV. 1796-1861. Psychopathologie und Geschichte, Göttingen 1992, S. 130.

[8] Richter, Günter: Friedrich Wilhelm IV. und die Revolution von 1848, in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Bd. 36, 1987, S. 129.

[9] Blasius, Dirk: Friedrich Wilhelm IV. 1796-1861. Psychopathologie und Geschichte, Göttingen 1992, S. 128.

[10] Duden - Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete Auflage, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 2007, Art. „ vorkehren“.

[11] Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Bd. 11, Leipzig 1907, Art. „konstitutionell“.

[12] Aufruf des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm III. „An Mein Volk!“ (17.03.1813), in: documentArchiv.de (Hrsg.), unter: http://www.documentArchiv.de/nzjh/preussen/1813/an-mein-volk_friedrich-wilhelmIII-aufruf.html, letzter Zugriff: 27.01.2009.

[13] Schoeps, Hans-Joachim: Der Erweckungschrist auf dem Thron. Friedrich Wilhelm IV., in: Preußen, Friedrich Wilhelm von (Hrsg.): Preussens Könige, Gütersloh 1971, S. 164.

[14] Wentzcke, Paul: Die deutschen Farben. Ihre Entwicklung und Deutung sowie ihre Stellung in der deutschen Geschichte, in: Haupt, Hermann (Hrsg.): Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung, Bd. 9, Heidelberg 1927, S. 121 ff..

[15] Pierer's Universal-Lexikon, 4. Auflage, Bd. 11, Altenburg 1860, Art. „Neutralität“.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656901396
ISBN (Buch)
9783656901402
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v292918
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
friedrich wilhelm zeit revolution proklamation königs märz volk nation

Autor

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