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Ökonomische Perspektive auf das Thema Wasserressourcen-Management

Theoretische Ansätze

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einfluss externer Effekte auf den Markt
2.1 Die Pigou-Steuer
2.2 Das Coase-Theorem

3. Güter
3.1 Abgrenzung der Gemeingüter
3.2 Die Tragik der Allmende

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Einfluss auf das Marktgleichgewicht

Abbildung 2 : Übersicht Abgrenzung Güter (Eigendarstellung nach Helfrich 2009, S. 24)

1. Einleitung

Wasserressourcen-Management ist ein breit gefächertes Thema, das Wissen aus vielen verschiedenen Bereichen fordert und weit über die Geographie hinausgeht. Grundlegendes Wissen aus den Bereichen der Politikwissenschaften, der Biologie und der Volkswirtschaft ist essentiell um Prozesse und Systeme des Wasserressourcen-Managements zu verstehen. Diese Arbeit vermittelt in erster Linie grundlegendes Wissen aus der Volkswirtschaft und erklärt theoretische Ansätze, die man wissen muss, um sich tiefergehend mit dem Thema Wasserressourcen-Management beschäftigen zu können.

Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Einflussfaktoren auf das Marktgleichgewicht. Es wird der Frage nachgegangen: Welche Möglichkeiten gibt es, ein Marktversagen zu beseitigen und das Marktgleichgewicht wieder herzustellen? Hier werden zwei unterschiedliche theoretische Ansätze näher erläutert.

Im zweiten Teil geht es um Gemeingüter und die Tragik der Allmende. Hier wird zunächst theoretisch der Begriff des Gemeinguts geklärt und anschließend die Problematik der Gemeinressourcen und deren Ausbeutung. Am Beispiel der Bedrohung der Fischbestände in den Weltmeeren werden Lösungsansätze in Form der acht Gestaltungsprinzipien von Elinor Ostrom erarbeitet.

2. Einfluss externer Effekte auf den Markt

In der neoklassischen Theorie der Volkswirtschaftslehre spricht man von einem Marktgleichgewicht, wenn Angebot und Nachfrage sich exakt ergänzen. Hier spricht man auch von einem Pareto-Optimum (Varian 2010, S.15), das heißt es gibt keine Möglichkeit den Status-Quo zu verbessern ohne dabei eine andere Eigenschaft zu verschlechtern. Dieses Markt-gleichgewicht kann aber unter anderem durch externe Effekte gestört werden und zu einem Marktversagen führen.

Abbildung 1: Einfluss auf das Marktgleichgewicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Marktgleichgewicht

Ein externer Effekt ist nach Eberhard Fees „eine Auswirkung wirt-schaftlicher Aktivitäten auf Dritte.“ (Gabler Wirtschaftslexikon). Das wichtigste Merkmal externer Effekte ist, dass sie keine Auswirkungen für den Verursacher haben, da zwischen dem Verursacher und dem Betroffenen keine vertragliche Beziehung besteht. Verursacher erzeugen dabei Nutzen- oder Gewinneinbußen an anderer Stelle, die nicht entschädigungspflichtig sind. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen positiven und negativen externen Effekten (Varian 2010, S. 645 ff.).

Bei einem positiven externen Effekt steigt der Nutzen des Betroffenen mit dem Niveau des externen Effekts. Zum Beispiel fliegen die Bienen eines Imkers zur benachbarten Obstplantage und bestäuben dort die Pflanzen. Dies führt zu einem höheren Ertrag des Plantagenbesitzers. Allgemein gesagt profitieren bei positiven externen Effekten andere ohne etwas dafür bezahlt zu haben. Daher wird bei positiven externen Effekten zu wenig vom Gut produziert was am Beispiel der Forschung veranschaulicht werden kann. Niemand wird Geld in die Forschung stecken, wenn im Anschluss das erforschte Produkt von jedem kopiert und verwendet werden darf. Deshalb hat der Staat die Patente erfunden, die ein Kopieren der Erfindung verbieten (Varian 2010, S. 645 ff.).

Bei einem negativen externen Effekt geschieht das genaue Gegenteil. Dort sinkt nämlich der Nutzen des Betroffenen mit dem Niveau des externen Effekts. Ein Beispiel ist das einer Chemie-Fabrik. Eine Chemie-Fabrik leitet erlaubter Weise ungeklärtes Abwasser in einen Fluss. Dadurch erzeugt es flussabwärts eine verminderte Wasserqualität und beeinträchtigt unter anderem die Fischerei oder verursacht höhere Kosten zur Trinkwasseraufbereitung in einem Wasserwerk. Da die Chemie-Fabrik für die Verschmutzung des Wassers nicht belangt wird, produziert sie immer mehr Abwasser. Allgemein wird daher bei negativen externen Effekten immer mehr von dem Gut produziert, als eigentlich effizient wäre (Varian 2010, S. 645 ff.).

Das Problem in beiden Fällen ist, dass ein Preis für diese Güter nicht existiert bzw. nicht gebildet werden kann und damit der Nutzen nicht pareto-optimal verteilt werden kann. Diese Störung des Marktgleichgewichts und die damit verbundenen externen Effekte können aber durch Internalisierung der externen Effekte - das heißt die Kosten, die einem anderen entstehen werden mit in die Kalkulation aufgenommen - wieder beseitigt werden. Die daraus entstehende Wohlfahrt kann durch zwei Ansätze erhöht werden. Zum einen durch einen staatlichen Eingriff, sprich einer Auferlegung einer sogenannten Pigou-Steuer. Zum anderen durch private Verhandlungen dem sogenannten Coase-Theorem (Varian 2010, S. 645 ff.).

2.1 Die Pigou-Steuer

Im Falle eines negativen externen Effekts kann der Staat diesen durch eine Pigou-Steuer beseitigen. Durch eine Steuer, die ein Produkt verteuert, kann dessen Produktion verringert werden und die Steuer wirkt wie eine Erhöhung der Produktionskosten. In dem Beispiel der Chemie-Fabrik würde das heißen, dass die Fabrik für die Umweltverschmutzung eine Steuer zahlt, die genau so hoch ist, wie der Schaden, der durch diese Umweltverschmutzung entsteht. Dadurch senkt die Fabrik ihre Umweltverschmutzung auf ein für die maximale Wohlfahrt notwendiges Level. Durch die geringere Produktion der Chemie-Fabrik steigt der Gewinn des Wasserwerks. Kritisch zu betrachten ist an dieser Lösung, dass nicht alle Beteiligten etwas von dem gesteigerten Gewinn haben. Während die Chemie-Fabrik keinen Gewinn erzielt, teilen sich der Staat und das Wasserwerk den Gesamtgewinn zur Erzielung des Pareto-Optimums. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Bemessung der Steuer. Dazu müsste man genaue Datenerhebungen haben wie hoch die Umweltverschmutzung der Chemie-Fabrik ist und inwieweit diese Verschmutzung den Gewinn des Wasserwerks beeinträchtigt. Bei einem positiven externen Effekt kann analog zur Pigou-Steuer eine Pigou-Subvention ausgezahlt werden. So kann im Fall der Forschung einem Forscher genau so viele Subventionen gezahlt werden wie seine Erfindung anderen eingebracht hat. Dies führt zu einer vermehrten Forschung und damit zu einer Maximierung der Wohlfahrt (Varian 2010, S. 656).

2.2 Das Coase-Theorem

In seinem bahnbrechenden Artikel „The Problem of Social Cost“ beschreibt Coase (1960) wie externe Effekte auch durch private Verhandlungen beseitigt werden können. Er schildert den Vorgang an dem Beispiel des Viehzüchters und des Bauern, deren Grundstücke unmittelbar nebeneinander liegen. Das Vieh des Viehzüchters zerstört einen Teil der Ernte des Bauern, wobei der Schaden des Bauern mit der Größe der Viehherde ansteigt. Da der Bauer für den verursachten Schaden nicht entschädigt wird, entsteht hier ein negativer externer Effekt (Enderle und Nolte, 1999).

Der Bauer könnte nun gerichtlich auf Schadenersatz klagen und womöglich gewinnen. Ebenso könnten die beiden Beteiligten aber auch versuchen in einem privaten Gespräch das Problem zu lösen. Es wird angenommen, dass es dem Bauer monatlich 500 € (Schaden durch Vieh) wert ist, dass das Vieh von seinem Grundstück fern bleibt. Die größere Fläche mit dem Grundstück des Bauern erbringt dem Viehzüchter aber einen Gewinn von 1.000 € im Monat. Setzt der Bauer nun gerichtlich durch, dass das Vieh eingezäunt wird, steigt sein Erlös durch die Ernte um 500 €. Der Viehzüchter hat davon aber gar nichts, weil sein Grundstück nun kleiner ist und er nicht mehr so viele Tiere halten kann – sein Erlös ist 0 € (Enderle und Nolte, 1999).

Doch die Verhandlung kann wie angenommen auch außergerichtlich geschehen und beide Parteien könnten zu einer effizienteren Lösung kommen, das heißt eine Lösung die beiden etwas bringt. Zum Beispiel könnte der Viehzüchter dem Bauer monatlich 500 € Entschädigung zahlen. Der Viehzüchter würde dann immer noch 500 € (1.000 € Gewinn – 500 € Entschädigung) Gewinn machen. Natürlich kann der Bauer besser verhandeln und eventuell eine Entschädigung von 750 € fordern. Wichtig ist lediglich, dass die Entschädigung irgendwo zwischen 500 € und 1.000 € liegt, andernfalls wäre eine gerichtliche Einigung günstiger, da sonst ein Beteiligter Verlust machen würde (Enderle und Nolte, 1999).

In dem Artikel „Das Coase-Theorem“ von Enderle und Nolte 1999 kritisieren sie den Einsatz des Coase-Theorems in der heutigen Zeit. Unter anderem nennen sie die Transaktionskosten, die Ronald Coase komplett ausgeschlossen hat, als Kritikpunkt. So würden in der heutigen Zeit Verhandlungen zweier oder mehrerer Parteien keinesfalls reibungslos ablaufen, denn jede Partei wird versuchen das Bestmögliche heraus zu handeln. Teure Anwaltskosten bei den Verhandlungen würden demnach eine Übereinkunft verhindern (Enderle und Nolte, 1999).

Ein weiterer Kritikpunkt sind die Machtverhältnisse in dem System. So hat der Viehzüchter, sprich der Verursacher der externen Effekte, die maximale Verhandlungsmacht und kann demnach den Bauern bzw. den Geschädigten erpressen. Es würde dann zwar ein pareto-effizientes Ergebnis folgen, aber mit einem für den Bauern schlechtes Geschäft (Enderle und Nolte, 1999).

3. Güter

Als Gut im Allgemeinen bezeichnet man in der Wirtschaftswissenschaft alle Mittel, die der Bedürfnisbefriedigung dienen (Becker 2006, S. 8). Wirtschaftsgüter werden durch ihre Knappheit, deshalb auch knappes Gut genannt, definiert. Ein Gut ist nicht zu jeder Zeit an jedem Ort in der gewünschten Menge und Qualität verfügbar (Gabler Wirtschaftslexikon).

3.1 Abgrenzung der Gemeingüter

Gemeingüter werden auch Kollektivgüter oder im englischsprachigen Gebrauch „Commons“ genannt. Man unterscheidet zwischen dem öffentlichen Gut, dem Klubgut, dem Allmendegut und dem privaten Gut. Diese Güter können mit Hilfe der Kriterien der Ausschließbarkeit und der Rivalität abgegrenzt werden (Helfrich 2009, S. 24).

Laut Helfrich sind „[Commons] ein gemeinsames Erbe, das, was einer Gemeinschaft überliefert wurde oder was im Ergebnis kollektiver Produktion entstand. [...]. Ohne sie gibt es keinen sozialen Zusammenhang, keine Gemeinschaft“ (Helfrich 2009, S. 24). Gemeingüter sind die gemeinsamen materiellen Güter und das gemeinsame Wissen der Menschen. Das Wegnehmen der Gemeingüter hätte eine Zerstörung der sozialen Beziehungen und der Gemeinschaft zur Folge und würde demnach die Zerstörung dieser Gemeingüter nach sich ziehen (Helfrich 2009, S. 24).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 : Übersicht Abgrenzung Güter (Eigendarstellung nach Helfrich 2009, S. 24)

Die Eigenschaft der Ausschließbarkeit ist bei öffentlichen Gütern nur sehr schwer zu erreichen. So schützt ein Deich alle Menschen, ganz gleich ob Steuerzahler oder nicht. Sowie alle von einer sauberen Umwelt profitieren, sogar Umweltsünder. So sind öffentliche Güter nicht ausschließbar. Zu der Eigenschaft der Ausschließbarkeit kommt nun noch das Kriterium der Rivalität. Man unterscheidet rivale (teilbare) Güter von nicht-rivalen (nicht teilbaren) Gütern. Bei nicht-rivalen Gütern wird die Nutzung des Gutes durch einen Menschen bei der Nutzung desselben Gutes durch einen anderen Menschen kaum beeinträchtigt oder verhindert. So kann Jedermann frische Luft einatmen, aber nicht jeder die gleiche Banane essen, denn eine Banane ist ein rivales Gut. In diesem Fall müsste die Banane geteilt werden und jeder könnte nur einen kleinen Teil bekommen (Ostrom 2011, S. 108/109).

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656902478
ISBN (Buch)
9783656902485
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293024
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Department Geographie
Note
2,0
Schlagworte
ökonomische perspektive thema wasserressourcen-management theoretische ansätze

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