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Basel III. Auswirkungen der neuen Regelungen auf Kreditinstitute (Stand 2013)

Akademische Arbeit 2013 29 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und damit einhergehende Veränderungen der Bilanzstruktur
2.1 Auswirkungen aufgrund der neuen Eigenkapitalanforderungen
2.2 Auswirkungen aufgrund der neuen Liquiditätsvorschriften
2.3 Auswirkungen aufgrund der Einführung einer Leverage Ratio und der neuen Regelungen für den Derivatehandel
2.4 Sonstige Auswirkungen

3 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

In dieser Arbeit wird auf die tatsächlichen Auswirkungen der Basel-III-Regelungen eingegangen. Da Änderungen der Geschäftspolitik im Regelfall auch unmittelbar zu Änderungen der Bilanzstruktur und umgekehrt führen, werden diese zu Zwecken der Übersichtlichkeit und Vollständigkeit zusammen dargestellt.

Generell sollten die Auswirkungen von Basel III aber nicht nur für jeden Geschäftsbereich isoliert betrachtet und diesbezüglich Anpassungen vorgenommen werden. Es ist vielmehr aufgrund der Wechselwirkungen zu empfehlen, auch die Änderungen auf Gesamtbankebene zu betrachten, um so geeignete und nachhaltig erfolgreiche Maßnahmen zu ergreifen.[1] Diese Zusammenhänge werden in Abbildung 1 noch einmal verdeutlicht.

Grundsätzlich ist zu empfehlen, die Notwendigkeit von umfangreichen Anpassungen nicht nur als erzwungenen, zusätzlichen Aufwand, sondern als große Chance anzusehen. So können schon lange notwendige Änderungen verschiedener Geschäftsbereiche oder sogar des gesamten Geschäftsmodells in die durch Basel III erzwungenen Veränderungsprozesse integriert werden, um sich so optimal für zukünftige Herausforderungen zu wappnen und Synergieeffekte bei der Umstellung zu nutzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Wirkungskreislauf Basel III

Quelle: Eggers, H./Hortmann, S. 2011, S. 51.

Da es sich bei der Nennung vieler Auswirkungen um Erwartungen in der Zukunft handelt, ist bei den Ausführungen immer ein gewisser Unsicherheitsfaktor zu berücksichtigen.

Worin sich nahezu alle Analysten einig sind, ist die Tatsache, dass Kreditinstitute, welche frühzeitig auf die Änderungen durch Basel III eingehen und rechtzeitig geschäftspolitische Maßnahmen ergreifen, zu den Gewinnern zählen werden. Denn nur durch frühzeitiges Agieren können Wettbewerbsvorteile gesichert werden. Dies hat zur Folge, dass Kreditinstitute, welche sich erst sehr spät mit den Folgen von Basel III auseinandersetzen, erhebliche Wettbewerbsnachteile erfahren können, da sich in gewissen Geschäftsbereichen schon die innovativen Mitbewerber etabliert haben. Damit wird der Zugang für die „Nachzügler“ erheblich erschwert.[2]

Die Auswirkungen werden in den folgenden Ausführungen zu Zwecken der Übersichtlichkeit den Oberbegriffen Eigenkapital, Liquidität, Leverage Ratio, Derivatehandel sowie sonstigen Auswirkungen zugeordnet. Damit soll eine Verbindung zu den einzelnen Maßnahmen des Baseler Regelwerks hergestellt werden. Da eine konkrete Abgrenzung der Auswirkungen nicht vollständig möglich ist, wird es teilweise zu fließenden Übergängen und Überschneidungen kommen. Dies lässt sich aufgrund der übergeordneten Betrachtungsweise und des Einbezugs von Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Maßnahmen nicht vollständig vermeiden. Die Auswirkungen auf die Bilanzstruktur werden im Folgenden nur sehr allgemein dargestellt. Ein detailliertes Eingehen auf die Veränderungen einzelner Bilanzposten unter Einbezug der verschiedenen Rechnungslegungsstandards würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen.

2 Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und damit einhergehende Veränderungen der Bilanzstruktur

2.1 Auswirkungen aufgrund der neuen Eigenkapitalanforderungen

Die Verschärfung der Kapitalanforderungen hat neben der Einführung der neuen Liquiditätsstandards die größten Auswirkungen auf die Geschäftspolitik und Bilanzstruktur.

Bei vielen Banken mit bisher ausreichender Kapitalausstattung führen die neuen Anforderungen zum Teil zu enormen Engpässen beim Kernkapital bzw. der gesamten Eigenkapitalausstattung. Die Neuerungen sollten daher sowohl bei der Steuerung des Neukunden- als auch des Bestandskundengeschäfts berücksichtigt werden. Schon heute gilt es, die Neuerungen zu berücksichtigen. Denn bei Neugeschäftsabschlüssen gehen die Laufzeiten zum Teil schon über die Zeitpunkte des Inkrafttretens der Basel-III-Regelungen hinaus und haben damit direkte Auswirkungen auf das Erreichen der geforderten Quoten.[3] Zusätzlich verschärft sich das Problem der Refinanzierung für Banken durch Wechselwirkungen mit Solvency II. Dies ist der neue Regulierungsrahmen für Versicherungen, in welchem u. a. die Eigenmittelvorschriften für Versicherungsunternehmen erhöht werden.[4] Die europäischen Versicherungen gehören schon seit Jahren zu den größten Investoren auf den Finanzmärkten. Durch die für Versicherungen zukünftig geltenden Regelungen von Solvency II ist zu erwarten, dass diese sich als Fremdkapitalgeber der Banken zurückziehen werden. Da es sich dabei um Beträge von mehreren Billionen Euro handelt, ist dies ein nicht unerheblicher Faktor, der schon frühzeitig berücksichtigt werden muss.[5]

Gemäß Roland Berger Strategy Consultants stehen die Banken vor einem zusätzlichen Dilemma. „Um zusätzliches hartes Kernkapital aufzubauen, müssen sie eine stattliche Eigenkapitalrendite erwirtschaften – doch zugleich sind sie gehalten, ihr Geschäftsmodell zu fokussieren und vielleicht gerade jene Geschäftsfelder einzuschränken, die derzeit noch überproportional zur Eigenkapitalausstattung beitragen.“[6] Auf den nachfolgenden Seiten soll gezeigt werden, dass dieses Dilemma aufgrund von Wechselwirkungen in der Praxis immer wieder auftritt und gewisse Bankgruppen vor enorme Herausforderungen gestellt werden.

Zur Gestaltung der Eigenkapitalquote sind verschiedene Handlungen zielführend. Zum einen können zur Erhöhung der Eigenmittel das Kernkapital erhöht und die Abzugsposten reduziert werden. Kreditinstitute, welche nach HGB bilanzieren, können beispielsweise zur Erhöhung des harten Kernkapitals Reserven nach § 340 f HGB in Reserven nach § 340 g HGB umwandeln.[7] Diese Vorsorgereserven im Ergänzungskapital werden somit in hartes aufsichtliches Kernkapital umgewandelt, was eine Veränderung der Eigenkapitalstruktur darstellt.

Auch können stille Einlagen in Stammkapital umgewandelt werden. Ein Beispiel dafür stellt u. a. die Landesbank Baden-Württemberg dar. Dort wurden stille Einlagen des Landes Baden-Württemberg, des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart in Stammkapital umgewandelt. Grund dafür war, dass stille Einlagen gemäß Basel III zukünftig nicht mehr als hartes Kernkapital angerechnet werden dürfen, da diese nicht unbeschränkt zur Absicherung von Verlusten zur Verfügung stehen. Zur Einhaltung der Mindestkapitalquote für hartes Kernkapital wurde somit die Wandlung in Stammkapital notwendig.[8]

Die klassischste Variante zur selbstständigen Stärkung des Eigenkapitals ist die Gewinnthesaurierung.[9] Sparkassen bleibt beispielsweise gar keine andere Wahl, da diese Anstalten des öffentlichen Rechts sind und somit keinen oder nur sehr eingeschränkten Zugang zum Kapitalmarkt haben. Daher ist es entscheidend, dass diese ihre Ertragskraft stärken und somit durch Einbehaltung von Gewinnen kontinuierlich ihre harte Kernkapitalquote in den nächsten Jahren aufbauen. Für ertragsschwache Institute bzw. Institute, welche bisher nur über eine geringe Eigenkapitalquote verfügen und durch Gewinnthesaurierungen nicht in der Lage sind, die geforderten Mindestquoten zu erreichen, kann dies weitreichende Folgen haben.[10] Sie werden entweder Einlagen ihrer Träger benötigen, welche die Anforderungen an hartes Kernkapital erfüllen, somit also langfristig im Institut gebunden sind, oder es wird Zwangsfusionen mit anderen Sparkassen geben, welche über eine ausreichende Kapitaldecke verfügen. Die Auswirkungen auf die Geschäftspolitik bei letzterer Variante wären enorm. Aber auch Kapitalerhöhungen bei börsennotierten Kreditinstituten sind, wie in letzter Zeit durch diverse Kreditinstitute schon durchgeführt, ein beliebtes Mittel zur Erhöhung des harten Kernkapitals.

Gemäß der Studie von msgGillardon und dem Handelsblatt planen 63 Prozent der befragten Institute, ihr hartes Kernkapital durch Kapitalerhöhungen zu steigern. Dies soll durch die Emission von Aktien bzw. für Nichtaktiengesellschaften durch vergleichbare Kapitalerhöhungen erfolgen.[11] Problematisch ist allerdings die Tatsache, dass durch die Einbehaltung von Gewinnen zur Stärkung des harten Kernkapitals die Renditen für Investoren sinken, was wiederum die Finanzierung für Kreditinstitute über Kapitalmärkte erschweren kann.[12]

Darüber hinaus können die Abzugsposten reduziert werden. Dies kann zum einen durch den Abbau von Beteiligungen geschehen. Je nachdem um welche Art von Beteiligung es sich handelt, hat dies ganz unterschiedliche Auswirkungen auf die Bilanzstruktur sowie auf die Geschäftspolitik. Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, aktive latente Steuern durch Nutzung von Wahlrechten nicht zu bilden.[13]

Da hybride Kapitalinstrumente gemäß Basel III nicht mehr dem aufsichtlichen Eigenkapital zugerechnet werden dürfen, besteht nun Bedarf an alternativen Instrumenten. So stellt die Ausgabe sogenannter „CoCo Bonds“ (Contigent Convertible Bonds) eine Alternative dar. Dabei handelt es sich um Zwangs- bzw. Pflichtwandelanleihen. Diese kombinieren zum einen die Eigenschaften hybrider Kapitalinstrumente mit der zusätzlichen Eigenschaft der Verlustabsorption. Tritt ein vom Emittenten bei der Ausgabe der Anleihe festgelegtes Ereignis ein, kann dieser sich vorbehalten, die CoCo Bonds mit einem Kapitalabschlag oder durch Ausgabe von Stammaktien zu tilgen. Ein solches Ereignis kann beispielsweise das Unterschreiten einer festgelegten Eigenkapitalquote unter eine gewisse Grenze sein. Jene Eigenschaft hat den Vorteil, dass sie die Tier-1-Kapitalquote erhöht und trotz in der Regel höherer Zinskupons günstiger ist als hartes Eigenkapital.[14]

Diese Art der Kapitalerhöhung stellt eine mögliche Form des sogenannten „bail-in capital“ dar. Voraussetzung bei allen Varianten ist, dass die ausgegebenen Bonds die Option aufweisen, dass sie durch den Eintritt von fest definierten Ereignissen durch den Emittenten in hartes Kernkapital umgewandelt werden können.[15] Daher ist zu erwarten, dass diese Form der Kapitalbeschaffung für Kreditinstitute zukünftig wesentlich an Bedeutung gewinnen wird.

Neben den genannten Vorgehensweisen ist zusätzlich zu empfehlen, die Risikoaktiva zu reduzieren, da Änderungen dieser durch die Berechnungsmethodik der Eigenkapitalquoten direkten Einfluss auf die Quoten nehmen. Das Hauptaugenmerkt liegt dabei in der eigenkapitalschonenden Gestaltung der Aktivseite der Bilanz. Als erstes sollten riskante Positionen abgebaut werden. Denn bei gleichhohem Eigenkapitalvolumen steigt die Eigenkapitalquote beim Abbau bestehender Kredite und bei Beschränkung der Neukreditvergabe. Somit wird eine aktive Kreditportfoliosteuerung immer wichtiger.[16] Problematisch ist allerdings die Tatsache, dass gemäß Basel III für Kredite mit schlechtem Rating, also schlechter Bonität, eine höhere Eigenmittelunterlegung notwendig ist als für Kredite mit guter Bonität, also gutem Rating. Dies könnte die Banken dazu verleiten, Kredite überwiegend an Schuldner mit guter Bonität zu vergeben, wenn die Kosten der Eigenkapitalunterlegung höher sind als die zusätzlichen Zinserträge aufgrund der schlechteren Ratings. Damit würden Unternehmen mit schlechter Bonität immer größere Schwierigkeiten bekommen, Kredite zu erhalten.[17]

Eine Auswirkung der neuen Liquiditätsvorschriften wird u. a. sein, dass Banken ihre Geschäftsaktivitäten von der originären Kreditvergabe auf das Provisionsgeschäft verlagern.[18] Auf diesen Punkt wird im Abschnitt zu den Auswirkungen der neuen Liquiditätsvorschriften noch einmal genauer eingegangen. Dieser Effekt kann sich durch die bereits genannte höhere Eigenkapitalunterlegung für Kredite bei schlechten Bonitäten noch einmal verschärfen. Ein Lösungsansatz für Schuldner mit schlechter Bonität wäre beispielsweise, statt ein Bankdarlehen aufzunehmen, Unternehmensanleihen auszugeben.[19] Aber auch die Aufnahme von Mezzanine-Kapital stellt eine Alternative für die Unternehmen dar. Dieses ist wiederum auch für Banken interessant. Denn diese können individuell strukturiertes Mezzanine-Kapital über Beteiligungsgesellschaften ausgeben und somit einen zusätzlichen Geschäftszweig aufbauen.[20] Die Einschränkung der Kreditvergabe und die Ausweitung des Provisionsgeschäftes würde dazu führen, dass die Forderungen auf der Aktivseite sinken und der Kapitalbedarf der Bank zurückgeht, somit die Verbindlichkeiten auf der Passivseite zurückgehen, was zu einer Verkürzung der Bilanz führt. Die Bilanzsumme würde sinken, was wiederum positive Effekte auf das Erreichen der Basel-III-Anforderungen hat. Die Leverage-Ratio würde beispielsweise steigen, denn deren Höhe hängt unmittelbar mit der Höhe der Bilanzsumme zusammen. Es ist daher zu erwarten, dass aufgrund der Verlagerung von Geschäftsaktivitäten Erträge aus Provisionsgeschäften in Zukunft eine deutliche höhere Bedeutung erhalten werden.

[...]


[1] Vgl. Fiedler, R./Mahlknecht, M. 2013, S. 81; Eggers, H./Hortmann, S. 2011, S. 51-52.

[2] Vgl. Sandeep, V./Taylor, L. 2010, S. 5; Handelsblatt/msgGillardon (Hrsg.) 2012, S.8-9; Anner, A. 2011, S. 9; KPMG (Hrsg.) 2011, S. 1.

[3] Vgl. Handelsblatt/msgGillardon (Hrsg.) 2012, S. 11.

[4] Vgl. Centrum für Europäische Politik (Hrsg.) 2007, S. 1.

[5] Vgl. Deutsche Bank Research (Hrsg.) 2011, S. 3, 11.

[6] Roland Berger Strategy Consultants (Hrsg.) 2011, S. 3.

[7] Vgl. Unsfeld, E./Kühne, J./Maier, S. 2011, S. 15-16; Deutscher Sparkassen- und Giroverband (Hrsg.) 2011, S. 18.

[8] Vgl. Handelsblatt (Hrsg.) 2012.

[9] Vgl. Gilhaus, J. 2012, S. 38.

[10] Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (Hrsg.) 2011, S. 6.

[11] Vgl. Handelsblatt/msgGillardon (Hrsg.) 2012, S. 20.

[12] Vgl. Maier, S. 2011, S. 14-16.

[13] Vgl. Unsfeld, E./Kühne, J./Maier, S. 2011, S. 15-16.

[14] Vgl. Klee, C. 2012, S. 52.

[15] Vgl. Barfield, R. et al. 2011, S. 2.

[16] Vgl. Klee, C. 2012, S. 53.

[17] Vgl. Maier, S. 2011, S. 14-16.

[18] Vgl. Handelsblatt/msgGillardon (Hrsg.) 2012, S. 24.

[19] Vgl. Results Deutsche Bank (Hrsg.) 2011, S. 22-23.

[20] Vgl. Commerzbank AG (Hrsg.) 2011, S. 1.

Details

Seiten
29
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656902836
ISBN (Buch)
9783656906889
Dateigröße
609 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293073
Note
Schlagworte
basel auswirkungen regelungen kreditinstitute stand

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Titel: Basel III. Auswirkungen der neuen Regelungen auf Kreditinstitute (Stand 2013)