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Selbstreguliertes Lernen in der dualen Berufsausbildung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund selbstregulierten Lernens
2.1 Relevante Begriffe selbstregulierten Lernens
2.2 „Selbstreguliertes Lernen“ und seine modelltheoretische Einordnung

3 Exemplarische Studien zum „Selbstregulierten Lernen“
3.1 Rosendahl: Selbstreguliertes Lernen in der dualen Ausbildung
3.2 Fischer: Coaching in berufsbildenden Schulen
3.3 Perels, Dignath & Schmitz: Is it possible to improve mathematical achievements by means of self-regulation strategies?

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Schüler in seiner Rolle als Individuum spielt, nachdem in den 1970 Jahren ein Paradigmenwechsel erfolgte, eine große Rolle in der Lernpsychologie. Nicht nur allein die äußeren Einflussfaktoren spielten im Lernprozess eine Rolle, sondern zunehmend auch die intrinsischen Faktoren jedes Einzelnen, wie Reischmann feststellte (Reischmann, 1999).

Dennoch geht der Ursprung noch viel weiter in der Zeit zurück. Johann Amos Comenius postulierte in seiner Didactica Magna bereits die immense Wichtigkeit des selbstbestimmten Lernens. Aufgegriffen wird die Selbstbestimmtheit von Rousseau in seinem Werk „Émile oder über die Erziehung“. Auch er stellt die Idee des selbstbestimmten Lernens und Erfahrens in den Fokus. Doch erst um die Wende zum 20. Jahrhundert wird die Idee einer breiteren Masse zugänglich. Kerschensteiner, Montessori und Dewey publizieren und verbreiten ihre Ideen und Standpunkte zum Thema „selbstreguliertes Lernen“ (Vgl. Götz, 2011; 150f.).

Dass es sich beim Prozess des Lernens nicht um eine abgeschlossene und irreversible Aktion handelt, spielt es auch in der beruflichen Bildung eine fundamentale Rolle. Die „Selbststeuerung des Verhaltens und Lernens“ (Mietzel, 2007; 187) wird in anderen Untersuchungen auch als „selbstreguliertes Lernen“ bezeichnet (Rosendahl, 2010; 11) und soll zentrales Element dieser Arbeit sein. Gerade als zukünftig Lehrender ist es wichtig sich mit diesem Punkt intensiv auseinanderzusetzen und auch in die Stundenplanung mit einzubeziehen. In der Berufsschule ist eine breitere Altersheterogenität gegeben und der Lehrende trifft auf eine große Varianz an Lerntypen und Schülern. Die anthropogenen und soziokulturellen Determinanten sind breiter gefächert als in der allgemeinbildenden Schule und beeinflussen ebenfalls die Lernsituation des Einzelnen.

Außerdem wird das selbstregulierte Lernen nicht nur von Bildungsexperten mit der Veröffentlichung neugestalteter Rahmenlehrpläne gefördert und gefordert, sondern auch durch den gesellschaftlichen Wandel. Dieser führte zu einem sich immer mehr ausweitenden Dienstleistungssektor und zu einer Verringerung der Beschäftigten im Industrie- und Agrarsektor. Besonders im Dienstleistungssektor ist es nötig sich stets selbst auf den aktuellen (Forschungs-)stand zu befinden und Innovationen zügig kennen- und verstehen zu lernen. Deutlich wird dies besonders in der nachfolgenden Abbildung. Hier zeigt sich die exponentielle Zunahme der Publikationen bei PsycINFO und ERIC zum Thema „selbstreguliertes Lernen“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Anzahl der Publikationen zum Thema „selbstreguliertes Lernen“ je 1.000 Publikationen in der entsprechenden Datenbank (nach Götz, 2011; 150).

Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Abschnitt, welcher versucht die mit dem Thema des selbstregulierten Lernens in Verbindung stehenden Begriffe und Theorien kurz zu beleuchten und eine Verständnisbasis für die sich anschließende ausführlich beleuchtete Untersuchung Rosendahls über das selbstregulierte Lernen in der dualen Berufsausbildung zu schaffen. Ein Resümee wird anhand der erzielten Ergebnisse Rosendahls, sowie der zuvor erläuterten Theorie eine Handlungsanweisung für die eigene, zukünftige Tätigkeit die Arbeit abschließen.

2 Theoretischer Hintergrund selbstregulierten Lernens

Lernen ist ein nicht beobachtbarer, sondern ein sich zu erschließender Prozess, so Mietzel (Vgl. Mietzel, 2007; 33). Es gibt drei Lerntheorien: klassisches Konditionieren, operantes Konditionieren und das Beobachtungslernen. Alle drei betrachten den vielschichtigen Prozess des Lernens etwas anders. Olver zitiert Bruner dazu folgendermaßen: „Die Beziehung zwischen dem, der unterrichtet, und dem, der unterrichtet wird, ist nie ohne Bedeutung für den Lernerfolg“ (Olver in Bruner, 1974; 102).

2.1 Relevante Begriffe selbstregulierten Lernens

Lernen

Prozess, der zu relativ stabilen Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential führt und auf Erfahrung aufbaut. Lernen ist nicht direkt zu beobachten. Es muss aus den Veränderungen des beobachteten Verhaltens erschlossen werden.

Veränderungen im Verhalten oder im Verhaltenspotential ist lernbedingt, wenn:

Veränderungen auf Erfahrung und/oder Übung des Organismus zurückgehen Veränderung muss überdauernd, dass heißt längere zeit verfügbar (stabil) sein.

(Vgl. Mietzel, 2007; 13ff.)

Den Prozess der Verhaltensänderung lässt sich grafisch wie folgt darstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Verlauf des Lernprozesses (nach Mietzel, 2007; 33)

Durch die oben angeführten Merkmale lässt sich Lernen von Reifung und Prägung abgrenzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Abgrenzung von Lernen, Reifung und Prägung

Lernen und das Zentrale Nervensystem

Durch Lernen werden keine neuen Synapsen gebildet. Lernen, so Rosendahl, beruht „auf der Plastizität der Synapsen und Dendriten. Diese Plastizität umfasst u. a. Aktivierung oder Abbruch von Verbindungen zwischen Nervenzellen, Aufhebung (Demaskierung) hemmender Verbindungen, Erhöhung der Transmitterausschüttung, Erhöhung der Reaktion auf dasselbe Ausmaß von Transmittersubstanz, Veränderungen der synaptischen Dichte sowie Verzweigung und Verdickung der Dendriten. Nicht ein, sondern mehrere dieser Vorgänge sind an den verschiedenen Formen des Lernens beteiligt“ (Rosendahl, 2010; 23).

Kognitive Gedächtnismodelle

Das Modell Atkinson und Shiffrin aus dem Jahr 1968 setzt sich aus drei „Komponenten [zusammen. Diese sind das] sensorische Register, [der] Kurzzeit- und Langzeitspeicher“ (Rosendahl, 2010; 24). Eine vereinfachte schematische Darstellung des Modells gestaltet sich folgendermaßen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Schematische Darstellung des Modells nach Atkinson und Shiffrin

Lerntheorien

Wie bereits angeführt gibt es drei verschiedene Lerntheorien. Das klassische Konditionieren beruft sich auf einen kontiguitätspsychologischen Ansatz, d. h. es existiert eine zeitlich-räumliche Nähe zwischen dem Reiz und der sich anschließenden Reaktion. Beim operanten Konditionieren wird ein verstärkungstheoretischer Ansatz verfolgt. Das Hauptaugenmerk wird hier auf die Folgen eines Verhaltens gelegt und beim Beobachtungslernen ist der sozial-kognitive Ansatz von zentraler Bedeutung. Hier wird die Frage fokussiert welche Bedeutung die Wahrnehmung für einen Lernprozess besitzt.

2.2 „Selbstreguliertes Lernen“ und seine modelltheoretische Einordnung

Wie definiert sich „Selbstreguliertes Lernen“?

Der Begriff des selbstregulierten Lernens geht auf Mandl und Weinert zurück und sie formulieren dazu. Das selbstregulierte Lernen ist „weder ein präzise definierter wissenschaftlicher Begriff noch eine einheitlich gebrauchte alltagssprachliche Bezeichnung“ (Mandl & Weinert, 1982; 97). Der Begriff „selbstreguliertes Lernen“ begegnet bei der Recherche dem Suchenden auf unterschiedlichsten psychologischen Feldern: Allgemeine Psychologie, Pädagogische Psychologie sowie in der Entwicklungspsychologie. Schreiber konstatiert 1998, dass „viele der Begrifflichkeiten, die dem Phänomenbereich des selbstregulierten Lernens zugeordnet werden können (z. B. selbstgesteuertes, autonomes, selbstbestimmtes, selbstorganisiertes, autodidak-tisches Lernen), sind theoretisch nicht fundiert und werden teilweise nur allgemein verwendet“ (Schreiber, 1998; 9). Götz definiert selbstreguliertes Lernen als „eine Form des Erwerbs von Wissen und Kompetenzen, bei der Lernen sich selbstständig und eigenmotiviert Ziele setzen sowie eigenständig Strategien auswählen, die zur Erreichung dieser Ziele führen und durch Bewertung von erfolgen bezüglich der Reduzierung der Ist-Soll-Differenz Ziele und Aktivitäten im Hinblick auf eine Erreichung des Soll-Zustandes prozessbegleitend modifizieren und optimieren (Götz, 2011; 146). Auch Leutner und Leopold können im Rahmen ihrer Untersuchung nur feststellten, dass die verschiedene Begrifflichkeiten sich überlappen und nicht klar von einander abgrenzen (Leutner & Leopold, 2003; 43).

Rosendahl definiert aus diesem Grunde selbstreguliertes Lernen wie folgt. Anhand eines Regelungsprozesses erfolgt die „zielgerichtete Steuerung in einem offenen System (von Cube, 1982,;17) und „damit setzt Regelung die Existenz eines Soll-Wertes, also Steuerung, voraus und nicht etwa umgekehrt“ (Rosendahl, 2010; 19). Bezugnehmend auf Dehnbostel führt Rosendahl weiter aus, dass „für die Lernenden [...] sich [...] [die] Selbststeuerung vor allem darin nieder, dass sie Ziele und Inhalte des Lernprozesses in einem bestimmten Rahmen selbstständig bestimmen, ebenso die Methoden, Instrumente und Hilfsmittel zur Regulierung des Lernens“ (Rosendahl, 2010; 19). Dass diese Ansicht mit der Ansicht der KMK[1] kongruent ist zeigt sich an folgendem Auszug des Lehrplans für die Berufsschule in der Ausbildung zum Hotelfachmann/ zur Hotelfachfrau. Darin heißt es, u. a.: „im Zusammenhang mit dem Erwerb fundierter fachlicher Qualifikationen sind insbesondere folgende Kompetenzen zu vermitteln:

selbstständiges, analytisches und vernetztes Denken

Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein

Team- und Kommunikationsfähigkeit

Fähigkeit zur Nutzung technischer und organisatorischer Mittel

Bereitschaft zur ständigen Fortbildung

Methodenkompetenz für die selbstständige Wissenserweiterung“

(KMK, 2003; 6).

Die angepriesene Selbstregulation schließt jedoch nicht eine Zwischenevaluation des Lehrenden aus, d. h. ein Reflexion des Lernens ist zwingend erforderlich, da die Lernenden sehr wohl an ihrem persönlichen Lernfortschritt interessiert sind. Exemplarisch lässt sich hier die Portfolioarbeit im Unterricht heranziehen. Die einzelnen erstellten Elemente dessen bedingen einer Kontrolle durch den Lehrenden im Verlauf dieses freien, selbstregulierten Lernens, um etwaigen Fehlentwicklungen vorzubeugen oder diese auszubessern. Mittels Feedback zu den einzelnen Werkstücken lässt sich dies sehr gut umsetzen und durch das den Schülern eigene Portfolio der Lernfortschritt dokumentieren und aufzeigen. Im Zusammenhang mit dem selbstregulierten Handeln formuliert Götz „ein Bündel an Fähigkeiten und Fertigkeiten für die Initiierung und Aufrechterhaltung selbstregulierten Lernens“ essentiell sind (Götz, 2011; 146). Diese Kompetenzen sind:

[...]


[1] Kultusministerkonferenz

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656902942
ISBN (Buch)
9783656902959
Dateigröße
795 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293077
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Psychologie
Note
2.0
Schlagworte
Psychologie Lernen und Lehren duale Ausbildung

Autor

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Titel: Selbstreguliertes Lernen in der dualen Berufsausbildung