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Der schmale Grat zwischen Steuergestaltung und Steuerhinterziehung

von Christoph Werner (Autor) Veronika Winter (Autor) Dorit Welberg (Autor)

Studienarbeit 2013 39 Seiten

Jura - Steuerrecht

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise

2 Grundlagen
2.1 Erläuterung des Begriffs „Steuern“
2.2 Erläuterung der Besteuerungsverfahren
2.2.1 Besteuerung nach dem Territorialprinzip
2.2.2 Besteuerung nach dem Wohnsitzprinzip
2.3 Kurzdefinitionen steuerlicher Begriffe
2.3.1 Steuergestaltung
2.3.2 Steuerhinterziehung & Steuerflucht
2.3.3 Steueroasen
2.3.4 Selbstanzeige

3 Wann wird Steuergestaltung zur Steuerhinterziehung?
3.1 Steuergestaltung
3.1.1 Zufluchtsort Steueroase
3.1.2 Gestaltungsbeispiel: Ansässigkeit einer Kapitalgesellschaft in einer Steueroase
3.2 Steuerhinterziehung
3.3 Maßnahmen der Finanzbehörde zur Internationalen Besteuerung
3.3.1 Doppelbesteuerungsabkommen
3.3.2 Außensteuergesetz
3.3.3 Gestaltungsmissbrauch gem. § 42 AO
3.4 Die Selbstanzeige als Heilmittel der Steuerhinterziehung
3.4.1 Funktionsweise
3.4.2 Aufbau
3.4.3 Problematiken
3.5 Weltweiter Auskunftsverkehr als Schutzmantel der Steuerhinterziehung
3.5.1 Bankgeheimnisse ausländischer Banken
3.5.2 Anonymität von Steuersündern

4 Schlussbetrachtung
4.1 Zusammenfassung
4.2 Ergebnis
4.3 Ausblick

5 Schlussbetrachtung
5.1 Musteraufbau einer Selbstanzeige
5.2 Gesetzestexte

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem der Bürger nicht einen Artikel mit der Überschrift „Steuerhinterziehung“, „Ankauf von Steuersünder-CDs“, „Austrocknung der Steueroasen“ oder auch „Selbstanzeige als strafbefreiendes Mittel“ in den öffentlichen Medien entdeckt.

Stein des Anstoßes für die derzeit wieder lodernde Debatte um die Steuergestaltung und strafbefreiende Selbstanzeige ist das Vorgehen von Herrn Ulrich Hoeneß. Als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des Fußballvereins FC Bayern München ist Hoeneß nicht nur in Deutschland sehr bekannt. Im Frühjahr dieses Jahres wurde in den öffentlichen Medien bekannt, dass Hoeneß sich vermutlich der Steuerhinterziehung strafbar gemacht hat. Es war durchgesickert, dass Hoeneß eine Selbstanzeige für seine auf einem Schweizer Bankkonto gelagerten Millionengewinne durch Börsenspekulationen nicht, wie steuerrechtlich eigentlich vorgeschrieben, dem deutschen Finanzamt in seinen Steuererklärungen gemeldet hatte.

Wie die in den letzten Jahren immer wieder aufgetauchten Steuersünder-CDs, belegen, handelt es sich bei dem Vorfall Hoeneß keinesfalls um einen Einzelfall. Sämtliche Industriestaaten, vor allem Deutschland, haben mit dem Problem der Steuervermeidung und –hinterziehung zu kämpfen. Große Vermögenswerte werden in ausländische Steueroasen verschoben und somit an der deutschen Finanzbehörde vorbeigeschleust. Es kommt somit zu Steuereinbußen in immensen Höhen. Diese Gelder fehlen dem Staat zur Erfüllung seiner hoheitlichen Aufgaben.

1.2 Zielsetzung

Vor dem Hintergrund der oben angeführten Problemstellung soll diese wissenschaftliche Arbeit dem Leser die Grenzen der Steuergestaltung aufzeigen. Es soll eine Sensibilisierung für die Möglichkeiten der legalen Steuervermeidung und –optimierung erreicht werden. Dabei soll es zu einem Bewusstsein kommen, welch schmaler Grat zwischen der Steuergestaltung und der Steuerhinterziehung vorherrscht. Nebenher werden die nationalen und internationalen steuerlichen Verflechtungen erläutert. Dies soll dem Leser durch eine nähere Betrachtung der Optionen zur Steuergestaltung und -hinterziehung verdeutlicht werden. Zudem wird die Frage nach der moralischen Vertretbarkeit von Steuervermeidung durch internationale Geldtransaktionen und Steuervermeidungswege aufgeworfen und erläutert. Dabei wird u.a. auch die Rolle der Niedrigsteuerstaaten und der bislang noch bestehenden Bankgeheimnisse näher beleuchtet. Alles in allem soll diese Arbeit einen Überblick über die vielfachen Faktoren verschaffen, die die Steueroptimierung mit sich bringt, und zeigen, wie von finanzbehördlicher Seite der Steuerhinterziehung vorgebeugt bzw. wie mit reuigen Steuersündern umgegangen wird.

1.3 Vorgehensweise

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in vier Kapitel. Im Anschluss an die Einleitung werden im zweiten Kapitel zunächst die für die weitere Arbeit notwendigen steuerlichen Grundlagenbegriffe definiert und erläutert. Im Wesentlichen wird hierbei auf den Begriff „Steuern“ sowie auf die verschiedenen Verfahrensweisen der Besteuerung eingegangen.

In einem weiteren Schritt soll aufgezeigt werden, worin der Unterschied zwischen Steuergestaltung und der damit einhergehenden Steueroptimierung sowie dem willentlichen Steuergestaltungsmissbrauch besteht. Dabei wird u.a. auf die Mittel und angewendeten Methoden der Finanzbehörden für länderübergreifende Steuersachverhalte eingegangen sowie auf die nationale Gesetzgebung, die einige Gesetzesnormen aufweist, die die missbräuchliche Steuergestaltung regeln. Dies wird in Kapitel 3 näher erläutert. Daran angeknüpft werden die Problematiken der Selbstanzeige als Mittel der Rückkehr von Steuerbetrug in die Steuerehrlichkeit. Zuletzt wird in der wissenschaftlichen Arbeit das Fehlen von Auskunftsverfahren als Tarnung der Steuerhinterziehung erklärt.

Der Schluss umfasst noch einmal die zusammenfassenden Ergebnisse mit einem Ausblick auf sich daraus ergebende neue Fragestellungen und Problematiken.

2 Grundlagen

2.1 Erläuterung des Begriffs „Steuern“

Der § 3 der Abgabenordnung (AO), das Mantelgesetz des Steuerwesens, definiert den Begriff „Steuern“ wie folgt:

„Steuern sind Geldleistungen, die nicht eine Gegenleistung für eine besondere Leistung darstellen und von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden, bei denen der Tatbestand zutrifft, an den das Gesetz die Leistungspflicht knüpft; die Erzielung von Einnahmen kann Nebenzweck sein.“[1]

Dies ist die in der AO manifestierte Definition des Begriffes Steuern. Hieraus ist ersichtlich, dass die von den Finanzbehörden erhobenen Steuern dem erhebenden Staat u.a. auch als Einnahmequelle dienen können. Betrachtet man die heutigen Staatshaushalte der verschiedenen Nationen, ist deutlich erkennbar, dass die Erzielung von Einnahmen nicht wie oben beschrieben einen reinen Nebenzweck darstellt. Vielmehr dienen die vereinnahmten Steuerbeträge den modernen Staaten oftmals als Haupteinnahmequelle. Sie stellen somit eines der wichtigsten Instrumente zur Finanzierung eines „territorial abgegrenzten Staatswesens und anderer (supranationaler) Aufgaben“[2] dar.[3] Durch die vereinnahmten Beträge werden u.a. auch Ausgaben für das Gemeinwohl der Staatsbürger, wie z.B. für die Schaffung und Aufrechterhaltung von Infrastruktur, gedeckt.

2.2 Erläuterung der Besteuerungsverfahren

2.2.1 Besteuerung nach dem Territorialprinzip

Die Besteuerung nach dem Territorialprinzip, oder auch Territorialitätsprinzip, ist die traditionellste Art der Besteuerung. Ihre Wurzeln reichen in die Zeit der Französischen Revolution zurück.

Bei Anwendung des Territorialprinzips belastet der jeweilige Staat nur die Steuerquellen in seinem Territorium, d.h. nur auf die im eigenen Land erwirtschafteten Einkünfte und die im eigenen Land liegenden Vermögen werden Steuern erhoben.[4]

Bei dieser Art des Vorgehens komme es lt. Hans-Lothar Merten, Verfasser des Buches „Steueroasen 2013“ zu keinerlei Konflikten mit ausländischen Steuerbehörden. Als Begründung führt der Verfasser an, dass sowohl die Vermögensinhaber und deren Banken, die internationale Vermögen verwalten und Steuern optimieren wollen, mit diesem Vorgehen im legalen Bereich blieben, da diese Vermögen bereits vom jeweiligen Territorialstaat besteuert worden seien oder im Rahmen der Bankdienstleistungen (vgl. in Deutschland die automatische Einbehaltung und Abführung der Kapitalertragsteuern an die zuständigen Finanzbehörden durch die Banken) am Ort noch besteuert würden.[5]

Die Besteuerung nach dem Territorialprinzip findet jedoch hauptsächlich nur noch Anwendung im Rahmen der beschränkten Steuerpflicht. Damit sind Gesellschaften und natürliche Personen gemeint, die ihren Sitz bzw. Wohnsitz nicht im Territorialstaat innehaben, sondern in einem anderen Staat. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „Steuerausländern“, die im betroffenen Territorialstaat Einnahmen, z.B. aus der Vermietung einer dort gelegenen Immobilie oder durch ein dort gelegenes Kapitalvermögen mit Zinserträgen, erwirtschaften.

2.2.2 Besteuerung nach dem Wohnsitzprinzip

Neben der Besteuerung nach dem Territorialprinzip kennt das Steuerrecht noch die Besteuerung nach dem Wohnsitzprinzip. Dieses Prinzip wird auch gerne als Welteinkommensprinzip bezeichnet. Diese Art der Besteuerung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehr und mehr angewandt und ist heute das üblichste und gebräuchlichste Besteuerungsverfahren weltweit.

Wird die Besteuerung nach dem Welteinkommensprinzip durchgeführt, werden sämtliche Einkünfte, also sowohl die, die im Inland, als auch die, die im Ausland entstanden sind, der jeweiligen nationalen Besteuerung des Wohnsitzstaates unterworfen.[6]

Hans-Lothar Merten stellt in diesem Zusammenhang fest, dass die Tatsachen, was ein Staat auf legitime Weise besteuern darf, sich in den vergangenen hundert Jahren weltweit zunehmend zulasten der Bürger entwickelt habe.[7] Der Verfasser spielt hier auf die immer weiter verbreitete Besteuerung nach dem Wohnortprinzip an. Bei dieser Art der Besteuerung werden sämtliche Einkünfte, egal ob sie im Inland oder im Ausland erwirtschaftet wurden, steuerlich erfasst und am jeweiligen Sitz oder Wohnsitz der juristischen bzw. natürlichen Person besteuert.

2.3 Kurzdefinitionen steuerlicher Begriffe

2.3.1 Steuergestaltung

Die Begriffe Steuergestaltung bzw. Steuervermeidung sind Synonyme für das Bestreben des Steuerpflichtigen, bei der Gestaltung von Sachverhalten, die zur Erreichung eines wirtschaftlichen Zweckes dienen, die Option zu finden, welche der Verwirklichung eines belastenden Steuertatbestandes komplett vermeidet oder eine möglichst minimale Steuerbelastung nach sich zieht.[8] „Der Steuerbürger darf seinem ökonomischen Instinkt folgen und bewusst die Steuer vermeiden“[9], wenn die Gesetzgebung diese Möglichkeiten bewusst oder unbewusst durch gesetzliche Wertungswidersprüche, Besteuerungslücken, Änderungen und nicht durchdachte Steuergesetze eröffnet. Diese bewusste Gestaltung[10] wird durch Steuerplanung erreicht.

2.3.2 Steuerhinterziehung & Steuerflucht

Die Steuerhinterziehung umfasst die (vorsätzliche) Steuerverkürzung, das Erschleichen nicht gerechtfertigter Steuervorteile und die Zweckentfremdung steuerbegünstigter Sachen. Eine vorsätzliche Steuerverkürzung begeht, wer bewirkt, dass Steuern nicht, nicht in voller Höhe oder nicht rechtzeitig festgesetzt werden. Dies kann durch ein Tun (z.B. Abgabe einer falschen oder unvollständigen Steuererklärung) oder Unterlassen (z.B. Nichtabgabe der Steuererklärung) geschehen. Eine Erschleichung nicht gerechtfertigter Steuervorteile liegt vor, wenn der Täter sich Steuervergünstigungen, -befreiungen oder -vergütungen zu Unrecht gewähren oder belassen lässt. Die Steuerhinterziehung ist mit Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren oder mit Geldstrafe, in besonders schweren Fällen mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren bedroht. Der Täter kann Straffreiheit von einer Steuerhinterziehung – auch einer vollendeten – durch Selbstanzeige erlangen.

Der Begriff „Steuerflucht“ bezeichnet die Verlegung eines Wohn- oder Unternehmenssitzes ins Ausland. Durch diese Sitzverlegung soll es zu einer Steuerersparnis kommen, da der ausgewählte Sitzverlegungsstaat häufig nach günstigeren Steuerverhältnissen gewählt worden ist als es im ursprünglichen Ansässigkeitsstaat der Fall ist. Es handelt sich so, lt. Gabler, um eine Art „steuerlich motivierte Kapitalflucht“.[11] Durch die Sitzverlagerung kommt es i.d.R. zum Wegfall der unbeschränkten Steuerpflicht in der Bundesrepublik Deutschland. Die Steuerpflichtigen versprechen sich durch die Sitzverlagerung ins Ausland eine geringere Steuerbelastung und somit eine Verschonung ihrer Einkünfte und ihres Vermögens.

2.3.3 Steueroasen

Die Bezeichnung „Steueroase“ wird umgangssprachlich für Länder verwendet, die im Gegensatz zu anderen Ländern ein niedriges Steuerniveau aufweisen. Dieses niedrige Steuerniveau ist darauf zurückzuführen, dass in den betreffenden Staaten nur sehr geringe oder bisweilen sogar gar keine Steuern und Abgaben auf Einkommen und Vermögen der Steuerpflichtigen erhoben werden. Das geringe Steuerniveau, das in diesen Staaten vorherrscht, bietet sowohl Privatpersonen als auch juristischen Personen, wie z.B. einer GmbH, den Anreiz, ihre Einkünfte und ihr Vermögen in diese Länder zu transferieren. Dadurch kommt es zu einer Umgehung der höheren Besteuerung im Ursprungsland und somit letztlich zur gewollten Steuerersparnis.[12]

Beispiele für Länder mit einem sehr geringen Steuerniveau, die als Steueroasen bezeichnet werden, sind die Bermuda-Inseln, die Bahamas oder auch im europäischen Raum die Länder Liechtenstein, Monaco und die Schweiz.

2.3.4 Selbstanzeige

Die Selbstanzeige ist ein Begriff für die Anzeige von Steuerhinterziehung bei den Finanzbehörden. In Deutschland ist die Selbstanzeige im § 371 Abgabenordnung geregelt und sieht unter bestimmten Voraussetzungen Straffreiheit vor. Der Wortlaut des Gesetzes kann aus dem Anhang entnommen werden. In Kapitel 3.4 wird noch spezieller auf die Selbstanzeige eingegangen.

3 Wann wird Steuergestaltung zur Steuerhinterziehung?

Im Rahmen der Problematisierung der Steuergestaltung wird nun anhand von Beispielen die Möglichkeit der legalen und legitimen Steuergestaltung verdeutlicht.

Des Weiteren werden in diesem Zusammenhang die finanzbehördlichen Maßnahmen, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene getroffen worden sind, aufgeführt und näher erläutert.

Zuletzt wird ein Blick auf die bestehenden Bankgeheimnisse und Anonymitäten im Ausland geworfen.

Steuern werden von den Bürgern erhoben, die die jeweiligen Tatbestandsmerkmale für die Erhebung der jeweiligen Steuer erfüllen. Somit sind die Bürger durch die Festsetzung und Zahlung von Steuern finanziell belastet. Diese, von den Bürgern oftmals als negative finanzielle Belastung empfundene Steuererhebung birgt eine Unmenge an Konfliktpotential. In erster Linie werden dabei häufig die Aspekte der gerechten und der angemessenen Besteuerung angeführt. Durch die stetigen Diskussionen in den öffentlichen Medien kommt es bei den Bürgern häufig dazu, dass die Akzeptanz für die Steuererhebung nicht mehr gegeben ist und die Notwendigkeit für dieses Vorgehen oftmals nicht mehr wahrgenommen wird. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu einer „Steuerverweigerungshaltung“[13].

Als legale und legitime Mittel, um die Steuerbelastung für den einzeln Betroffenen möglichst gering ausfallen zu lassen, wenden viele Steuerpflichtige die Möglichkeit der Steuergestaltung und die damit verbundene Steueroptimierung an. Es kommt hier häufig dazu, dass sogenannte Steuerschlupflöcher, d.h. Lücken den vom Gesetzgeber erlassenen Regelungen, ausgenutzt werden.

Als illegales und illegitimes Mittel werden häufig Wege eingeschlagen, die willentlich und mit dem Bewusstsein gewählt wurden, Vermögen und Unternehmensstrukturen so zu gestalten, dass es zu einer bewussten Unterlassung der Besteuerung kommt. In diesem Zusammenhang spricht man von Steuerhinterziehung.

3.1 Steuergestaltung

Der Begriff der Steuergestaltung geht konform mit dem Begriff der Steueroptimierung. Beide Bezeichnungen sehen vor, dass die Steuerlast für den Steuerpflichtigen möglichst gering ausfällt. Lt. Gabler handelt es sich dabei um die Planung einer minimalen Steuerbelastung durch die Verfolgung steuerbilanzpolitischer Maßnahmen und sonstiger Gestaltungsmöglichkeiten. [14]

Steuerlich motivierte Planungsmöglichkeiten ergeben sich z.B. in der Wahl der Rechtsform der Gesellschaft, die Bestimmung des Standortes im Hinblick auf die unterschiedlichen Höhen der Hebesätze i.Z.m. mit der gewerbesteuerlichen Belastung oder auch aufgrund der vorherrschenden Globalisierung auf komplette Standortverlagerungen der Gesellschaften in Steuerländer mit sehr niedrigem Steuerniveau, den sogenannten Steueroasen.

Steuerpolitische Wahlrechte wirken sich auf die Steuerschuld unmittelbar oder mittelbar über eine Beeinflussung der Bemessungsgrundlage, des Steuersatzes oder beider Größen aus.[15]

Zu beachten ist jedoch, dass steuerpolitische Entscheidungen stets mit Ungewissheit einhergehen. Die Würdigung eines bereits realisierten Sachverhaltes oder eines zukünftig zu realisierenden Sachverhaltes durch die Finanzverwaltung ist nie gänzlich klar. In diesem Zusammenhang sei auf die sich stetig ändernde nationale und internationale Gesetzesentwicklung verwiesen.

3.1.1 Zufluchtsort Steueroase

Derzeit leiden viele Industriestaaten unter leeren Haushaltskassen. Sie schieben eine hohe Staatsverschuldung aus vergangenen Jahren vor sich her und sind aufgrund laufender Ausgaben, wie z.B. die Aufrechterhaltung der Infrastruktur, dazu genötigt, weiterhin Gelder zu investieren, die eigentlich nicht zur Verfügung stehen. In Folge dessen werden die Staatsschulden nicht minimiert, sondern steigen stetig an. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, entfachen immer wieder politische Diskussionen. Man möchte Wege und Möglichkeiten finden, wie neue Staatseinnahmen generiert und die leeren Staatshaushalte somit wieder aufgefüllt und die bestehenden Schulden abgebaut werden können. Häufig enden diese Diskussionen im Bestreben, die Steuern zu erhöhen und somit die eigenen Staatsbürger und Unternehmen finanziell noch stärker zu belasten.

Da jedoch die Steuerhinterziehung (vgl. Kapitel 3.2) in allen demokratischen Rechtssystemen eine Straftat darstellt, suchen die betroffenen Bürger und Unternehmensführer nach legalen Möglichkeiten, die ihnen die Möglichkeit bieten, Steuern zu sparen. Man wünscht sich eine möglichst geringe Steuerbelastung und im Gegensatz zur Steuerhinterziehung als illegale Handlung, wird häufig die Steuervermeidung als legal gültiger Weg eingeschlagen.[16]

In diesem Zusammenhang werden letztlich nicht nur Gestaltungsmöglichkeiten im eigenen Lande durchgegangen, sondern vielmehr wird auch ein Blick über die eigenen Landesgrenzen hinaus geworfen. Denn die Nachbarstaaten und auch die Staaten am anderen Ende der Welt haben steuerlich gesehen durchaus ihre Vorteile. Es gibt Länder, die keine oder nur geringe Steuern auf die Einkünfte, das Vermögen und die erwirtschafteten Gewinne vor Ort erheben. Wie bereits im Kapitel 2.3.3 beschrieben, werden diese Staaten als Steueroasen bezeichnet.

Derzeit gibt es rund 70 Steueroasen, die um die Gunst vermögender Personen und Unternehmen buhlen.[17] Die Oasen offerieren geringe oder gar keine Steuerbelastungen, um damit das Kapital und die Investitionen in ihr eigenes Staatsgebiet zu holen. Sie selbst profitieren dann nicht von den Steuereinnahmen, da diese ja mitunter gar nicht anfallen, sondern erfreuen sich daran, dass durch die durchgeführten Geldtransaktionen und die damit verbundene Verwaltung Gebühren anfallen. Zudem ist dies meistens mit einem Wachstum des Finanzsektors verbunden, der wiederum die Schaffung von Arbeitsplätzen nach sich zieht. Nicht zuletzt siedeln sich Unternehmen und Privatpersonen dort an, kaufen Grundstücke, Häuser, Yachten und sonstige Dinge. Dieses Vorgehen kurbelt wiederum die Wirtschaft der Steueroase an und bringt zudem noch, wenn auch vielleicht nur zu einem geringen Teil, Steuereinnahmen.[18]

„Unternehmen können Steueroasen z.B. durch folgende Vorgehen für sich nutzen:

- Das Unternehmen kann eine Tochterfirma für seine Auslandsgeschäfte in einer Steueroase gründen, um so Steuern auf repatriierte Gewinne zu vermeiden.
- Das Unternehmen kann Investitionen in Hochsteuerländern mit Krediten von Tochtergesellschaften finanzieren, die in Niedrigsteuerländern angesiedelt sind. Es fallen so im Hochsteuerland keine (oder weniger) Gewinne an, da Zinszahlungen für die Darlehen an die Tochter zu leisten sind.
- Leistungen, die innerhalb eines Konzerns erbracht werden, können so verbucht werden, dass Gewinne aus Hochsteuerländern abgezogen werden. Zum Beispiel kann das Verwertungsrecht an einem Patent in einer Steueroase liegen und das inländische Unternehmen zahlt für die Nutzung Lizenzgebühren an seine ausländische Tochter. Dies ist ein legaler Vorgang, solange marktübliche Preise gezahlt werden.“[19]

Vermögende Privatpersonen können ihre Steuerbelastung dadurch minimieren, dass sie ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt[20] in ein Niedrigsteuerland verlegen und sich weniger als 180 Tage im ursprünglichen, höherbesteuernden, Heimatland verbringen. Die folgende Formulierung zeigt treffend, worum es dabei geht: „Wer die Qual auf sich nimmt, 180 Tage im Jahr in Monte Carlo zu verbringen, braucht überhaupt keine Steuern zu zahlen.“[21]

Nun gibt es Steuerpflichtige und Unternehmen, die die Steueroasen auf legale Weise für sich und ihre Steueroptimierung zu Eigen machen. Das Vorgehen ist möglicherweise moralisch fragwürdig, da dem „Heimatstaat“ die Steuereinnahmen versagt werden und somit die benötigten Gelder für seinen Staatshaushalt entzogen werden, aber es ist durchaus legal.[22]

Allerdings gibt es natürlich auch zahlreiche schwarze Schafe, die diese Steuergestaltung in einer Steuerhinterziehung gipfeln lassen. Werden zum Beispiel große Geldbeträge eines in Deutschland ansässigen Bürgers auf einem Schweizer Konto gelagert und dort verzinst, ist dies ein legales Vorgehen. Kommt es jedoch soweit, dass diese in der Schweiz erwirtschafteten Zinsen nicht in der deutschen Steuererklärung angegeben werden, ist das ein illegales Vorgehen.

Im nun folgenden Kapitel wird an Hand eines Beispiels die steuerliche Gestaltung i.Z.m. einer Steueroase dargestellt.

[...]


[1] Vgl. NWB Redaktion, Wichtige Steuergesetze, 61. Auflage, Stand 1.1.2012, S. 9

[2] Vgl. Wikipedia, Stichwort „Steuern“

[3] Vgl. Gabler, Wirtschaftslexikon, Stichwort „Steuern“

[4] Vgl. Gabler, Wirtschaftslexikon, Stichwort „Territorialitätsprinzip“

[5] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 25

[6] Vgl. Gabler, Wirtschaftslexikon, Stichwort „Welteinkommensprinzip“

[7] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 25

[8] Vgl. Bader, Steuergestaltung mit Holdinggesellschaften, S. 120

[9] Flick, FS F. Klein, 1994, S. 335 f.

[10] Vgl. Vogel, DBA Kommentar, 2003, Art. 1 Rz. 89 (vgl. Bader, Steuergestaltung)

[11] Vgl. Gabler, Wirtschaftslexikon, Stichwort „Steuerflucht“

[12] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 39

[13] Vgl. Wikipedia, Stichwort „Steuern“

[14] Vgl. Gabler, Kompakt-Lexikon Unternehmensgründung: 2000 Begriffe nachschlagen, S. 374

[15] Vgl. Gabler, Wirtschaftslexikon, Stichwort „Steuerpolitik“

[16] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 31

[17] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 45

[18] Vgl. FAZ-Net, Stichwort „Wie funktioniert die globale Steuerflucht?“

[19] Vgl. Wikipedia, Stichwort „Steueroase“

[20] Vgl. Gesetzesanhang, §§ 8 ff AO

[21] Vgl. Merten, Steueroasen Ausgabe 2013, S. 31

[22] ebenda

Details

Seiten
39
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656904564
ISBN (Buch)
9783656904571
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293100
Institution / Hochschule
Fachhochschule der Wirtschaft Paderborn
Note
1,7
Schlagworte
grat steuergestaltung steuerhinterziehung

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Titel: Der schmale Grat zwischen Steuergestaltung und Steuerhinterziehung