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Globalisierung und Neoliberalismus. Entwicklungstendenzen und Varianten des Kapitalismus

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 11 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Neoliberalismus: Eine konzeptuelle Basis der Globalisierung

3. Definition und Spezifizierung der Globalisierung
3.1 Globalisierung in Zahlen
3.2 Voraussetzungen der Globalisierung..
3.3 Globalisierungsergebnisse

4. Corporate Governance in Deutschland und Großbritannien

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einführung

Die vorliegende Arbeit widmet sich einem Phänomen, das in jüngster Zeit im OECD-Raum zum Top-Thema des journalistischen, akademischen oder politischen Diskurses avanciert ist ‒ der Globalisierung. Das Ziel besteht einerseits darin, die Globalisierung zu erklären und andererseits ihre Wirkungen auf die nationalen Wirtschaftssysteme ‒ und zwar auf die nationalen Systeme der Corporate Governance (CG) ‒ an den Beispielen von Deutschland und Großbritannien explizit zu veranschaulichen. Dabei erweist es sich als interessant, zu prüfen, inwieweit und auf welche Art und Weise die Entwicklungstendenzen der globalisierten Finanz- und Kapitalmärkte sich in den Strukturveränderungen in Hinblick auf die ,,[…] Unternehmensfinanzierung und die damit zusammenhängenden Eigentumsstrukturen von Unternehmen […]“ (Hirsch-Kreinsen 2009: 227) auf nationaler Ebene niederschlagen.

Die neoliberal geprägten Wirtschaftssysteme bzw. ökonomischen Zusammenhänge, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der westlichen Hemisphäre entstanden sind, zeichnen für den Globalisierungsboom verantwortlich. Sie stehen aber gleichzeitig vor der Aufgabe, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Wirtschaftssysteme unterscheiden sich in Bezug auf die ökonomischen und politisch-institutionellen Arrangements sowie die historische und kulturelle Spezifik (vgl. Hall A./Soskice 2001: 1 ff.) der Länder, die im Endeffekt den unterschiedlichen ökonomischen Strategien der nationalen Regierungen bzw. der Unternehmer zugrunde liegen. Die diesbezüglichen Unterschiede und Ähnlichkeiten sollen im Rahmen dieser Abhandlung verdeutlicht werden.

Im ersten Teil dieser Studie werden die Definition und Präzisierung der Globalisierung vorgenommen. Hier wird auch der neoklassische Liberalismus (Neoliberalismus) und seine konzeptuelle Bedeutung für die Globalisierungsprozesse erläutert.

Im zweiten Teil wird gezeigt, welche Formen von Corporate Governance, die ihrerseits für varieties of capitalism von zentraler Bedeutung ist, in Deutschland und Großbritannien existieren und inwieweit sie ,,[…] zur internationalen Angleichung […]“ (Hirsch-Kreinsen 2009: 227) tendieren. Im Falle der Unterschiede ist gleichsam zu erörtern, wie stabil diese Systeme in Bezug auf die Globalisierungsherausforderungen sind.

2. Neoliberalismus: Eine konzeptuelle Basis der Globalisierung

Bevor mit der Definition der Globalisierung sowie der Analyse der jeweiligen empirischen Befunde begonnen wird, erweist es sich als sinnvoll, den konzeptuellen Rahmen festzulegen. Hierbei steht im Vordergrund, die historischen Wendepunkte in der Weltwirtschaft, die den Strukturveränderungen im Sinne der Globalisierung eine fruchtbare Basis bereitet haben, zu veranschaulichen.

Die Ölkrise von 1973 und die daraus resultierende Schuldenkrise Anfang der 1980er-Jahre führte zum Scheitern der keynesianischen Wirtschaftspolitik (vgl. Crouch 2011: 51) als auch zu einer Stagflation (kein oder geringes Wachstum, verbunden mit einem Abwertungsdruck auf nationale Währungen). Vor diesem Hintergrund haben sich die westlichen Industrieländer von der nach dem Zweiten Weltkrieg keynesianisch geprägten Wirtschaftsordnung distanziert.

Die Kernannahmen der Keynes Marktwirtschaften sind grundsätzlich instabil und anfällig für längere Phasen des Aufschwungs und Abschwungs. Phasen des Abschwungs sind auf eine unzureichende gesamtwirtschaftliche Nachfrage zurückzuführen.[1] Daher muss die gesamtwirtschaftliche Nachfrage bei Phasen der Rezession durch antizyklische wirtschaftspolitische Maßnahmen des Staates (v. a. durch Fiskalpolitik) angekurbelt werden und fordert zur Krisenvermeidung staatliches Handeln in Form antizyklischer Konjunkturpolitik. Dadurch begründet Keynes die Notwendigkeit staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft, um Krisen zu vermeiden. Die keynesianischen Ideen in Bezug auf das Verhältnis von Politik und Wirtschaft beeinflussten maßgeblich die Errichtung einer beschränkt liberalen Weltwirtschaftsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg, die auf der Offenheit der Märkte, aber gleichzeitig auf gewissen Regulierungsmechanismen zur Verhinderung von Krisen beruhte (vgl. Schirm A. 2007: 18 f.).

Ein Eingreifen des Staates in die individuelle Freiheit von Wirtschaftssubjekten (Individuen, Unternehmen etc.) wurde von den Neoliberalen sehr skeptisch und eher negativ gesehen („Laisser-faire-Politik“). Die staatlichen Eingriffe in die Ökonomie sind keine Lösung für wirtschaftliche Krisen, sondern ein Krisen auslösender oder verschärfender Faktor (ebd.). Der Staat sollte sich auf die Bereitstellung eng umschriebener öffentlicher Güter beschränken, und Wirtschaft sowie Markt sollten sich ohne staatliche Eingriffe frei gestalten.

Der Washington Consensus gilt in dieser Hinsicht als ein historischer Wendepunkt ‒ hier stehen die neoliberalen Ideen bezüglich der Liberalisierung der Handelspolitik, der Deregulierung von Märkten und Preisen, der Privatisierung öffentlicher Unternehmer etc. im Zentrum.

3. Definition und Spezifizierung der Globalisierung

In der Literatur lassen sich zahlreiche, indes nicht feststehende Definitionen der Globalisierung finden, die den Terminus ,,Globalisierung“ unscharf und missverständlich werden lassen (vgl. Schirm A. 2007: 66). Da das Phänomen im Grunde genommen mit grenzüberschreitenden, marktbezogenen Prozessen verbunden ist, soll hier auf die wichtigsten sozialwissenschaftlichen Definitionen der Globalisierung, die Bezug auf die ökonomischen Aspekte nehmen, fokussiert werden, um den Begriff präziser darstellen zu können.

Nach der weit gefassten Definition von Antony Giddens ist Globalisierung als eine […] räumliche und zeitliche Ausdehnung […], Intensivierung der sozialen Beziehungen […], Wechselwirkung zwischen den voneinander entfernten Orten“ (Hirsch-Kreinsen 2009: 220) zu verstehen. Ganz allgemein formuliert, meint Globalisierung laut Giddens, dass unsere Alltagsaktivitäten von Ereignissen beeinflusst werden, die weit entfernt von uns geschehen. Globalisierung verwandelt Raum und Zeit. Lokale Ereignisse werden immer stärker durch elektronische Kommunikation und Massenverkehr über die Erde hinweg miteinander vernetzt. Die Wechselwirkungen zwischen weltweit miteinander vernetzten Orten gestalten sich interdependent (vgl. Giddens, zitiert nach Hirsch-Kreinsen 2009: 220). Obwohl die Definition von Giddens mehrdimensional konstruiert ist, bedarf sie weiterer Präzisierungen, die nachstehend anhand weiterer Definitionen gegeben werden.

- Globalisierung umfasst den Begriff der Internationalisierung, d. h. den grenzüberschreitenden Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Menschen und Technologien (vgl. Weber, zitiert nach Jacoby/Meunier 2010: 355).[2]
- Unter Globalisierung versteht man Liberalisierungsprozesse. Das bedeutet, dass den Wirtschaftssubjekten Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden sollen, sich frei von staatlichen Einschränkungen in der Marktwirtschaft zu operieren (vgl. Hay, zitiert nach Jacoby/Meunier 2010: 355).

[...]


[1] Die Ursache von Wirtschaftskrisen liegt nach dem Keynesianismus in einer mangelnden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage.

[2] Die OECD definiert die Globalisierung ebenfalls ähnlich (vgl. OECD, zitiert nach Rohver 2008: 31).

Details

Seiten
11
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656904205
ISBN (Buch)
9783656904212
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293113
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Institut für Sozialwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
Globalisierung Varianten des Kapitalismus Corporate Governance Neoliberalismus

Autor

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Titel: Globalisierung und Neoliberalismus. Entwicklungstendenzen und Varianten des Kapitalismus