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Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zu Rechten und Bedürfnissen als wichtige Faktoren

Akademische Arbeit 2010 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Rechte von Kindern
2.1 Rechte nach der UN-Kinderrechtskonvention
2.2 Rechte nach dem SGB VIII

3 Bedürfnisse von Kindern
3.1 Bedürfnispyramide nach Maslow
3.2 Grundbedürfnisse von Kindern

4 Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen
4.1 Ökonomisch- räumliche und soziale Lebenswelt
4.2 Geistige Lebenswelt

5 Biografiearbeit in unterschiedlichen Altersstufen

6 Für die Biografiearbeit relevante Besonderheiten in der kindlichen Entwicklung

7 Abkürzungsverzeichnis

8 Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

1 Einleitung

Biografiearbeit mit Kindern hat ihre Wurzeln Anfang der 80er Jahre in den USA, Großbritannien und den Niederlanden. In Deutschland ist es seit Ende der 80er Jahre bekannt (Lattschar/ Wiemann, 2008, 24).

Um Biografiearbeit mit Kindern durchzuführen, ist es notwendig, die Rechte von Kindern (Kapitel 2) und die Bedürfnisse der Kinder (Kapitel 3) anzusehen. Darauf aufbauend erfordert Biografiearbeit mit Kindern das Betrachten der Lebenswelt von Kindern (Kapitel 4), um anschließend Biografiearbeit mit unterschiedlichen Altersstufen (Kapitel 5) näher zu erläutern und schließlich die für die Biografiearbeit relevanten Besonderheiten der kindlichen Entwicklung (Kapitel 6) herauszustellen.

2 Rechte von Kindern

Rechte von Kindern sind in verschiedenen Gesetzen verankert: In Deutschland sind Kinderrechte im Grundgesetz, im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Kindschaftsrecht und im achten Sozialgesetzbuch geregelt. Auf internationaler und transnationaler Ebene sind Kinderrechte in der UN- Kinderrechtskonvention, in der Europäischen Charta über die Rechte des Kindes und in dem Haager Minderjährigen Schutzabkommen (Rätz-Heinisch/ Schöer/ Wolff/ 2009, 38ff) festgeschrieben. Für die Darlegung der Rechte sollen nur für dieses Thema relevante Gesichtspunkte erläutert werden; zunächst nach der UN- Kinderrechtskonvention (Kapitel 2.1) und anschließend aus dem achten Sozialgesetzbuch (Kapitel 2.2).1

2.1 Rechte nach der UN-Kinderrechtskonvention

Gemäß Artikel 8 Abs. 1 der UN-Kinderrechtkonvention verpflichten sich die Vertragsstaaten, „…das Recht des Kindes zu achten, seine Identität, einschließlich seiner Staatsangehörigkeit, seines Namens und seiner gesetzlich anerkannten Familienbeziehungen, ohne rechtswidrige Eingriffe zu behalten.“ Weiter heißt es in Abs. 2: „Werden einem Kind widerrechtlich einige oder alle Bestandteile seiner Identität genommen, so gewähren die Vertragsstaaten ihm angemessenen Beistand und Schutz mit dem Ziel, seine Identität so schnell wie möglich wiederherzustellen.“ (BMFSFJ, 2007, 11f)

2.2 Rechte nach dem SGB VIII

Da Kinder Träger von Grundrechten sind und das SGB VIII aufbauend auf die Grundrechte formuliert ist, kommen hier die Rechte der Kinder gut hervor. Wichtiger Kernpunkt im SGB VIII ist die Berücksichtigung des Wunsch- und Wahlrechts der Kinder, Jugendlichen und Familien. Diese gesetzlich verankerte Beteiligung und Mitbestimmung, bzw. Partizipation ist in folgenden Paragraphen besonders sichtbar (Rätz- Heinisch/ Schöer/ Wolff, 2009, 44ff):

- § 1 Recht des jungen Menschen auf Förderung der Entwicklung und Erziehung zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit
- § 5 Wunsch- und Wahlrecht der Kinder, Jugendlichen und Personensorgeberechtigten,
- § 8 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
- § 27 Hilfen zur Erziehung
- § 36 Mitwirkung, Hilfeplan (ebd).

Kinder sind Subjekte im Hilfeprozess und haben eine rechtliche Subjektstellung (ebd). Der sozialpädagogische Grundsatz der Kinder- und Jugendhilfe heißt: „Betroffene sind nicht Objekte staatlichen Handelns, sondern Jugendhilfe ist Unterstützungstätigkeit zur Selbstverwirklichung nach eigenen Vorstellungen.“ (Münder/ Tammer zit. in: Rätz- Heinisch/ Schöer/ Wolff, 2009, 45).

3 Bedürfnisse von Kindern

Es gibt verschiedene Betrachtungsweisen von Bedürfnissen. Zum Einen soll die Bedürfnispyramide nach Maslow (Kapitel 3.1) dargestellt werden und zu Anderen die Grundbedürfnisse von Kindern (Kapitel 3.2) aufgezeigt werden.

3.1 Bedürfnispyramide nach Maslow

Abraham H. Maslow stellte Gesetzmäßigkeiten bei der Entwicklung menschlicher Bedürfnisse fest. Dabei können sich höhere Bedürfnisse erst einstellen, wenn die niedrigeren hinreichend befriedigt sind. Hierbei sind sie nach folgender Hierarchie angeordnet (Hobmair, 1997, 270):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Bedürfnispyramide nach Maslow (Hobmair, 2003, 270)

3.2 Grundbedürfnisse von Kindern

Brazelton/ Grennspan (2008, 7f) sprechen von sieben Grundbedürfnissen von Kindern, die jedes Kind braucht, um gesund aufzuwachsen, gut zu lernen und glücklich zu sein.

1. Das Bedürfnis nach beständigen liebevollen Beziehungen
2. Das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit, Sicherheit und Regulation
3. Das Bedürfnis nach Erfahrungen, die auf individuelle Unterschiede zugeschnitten sind
4. Das Bedürfnis nach entwicklungsgerechten Erfahrungen
5. Das Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen
6. Das Bedürfnis nach stabilen, unterstützenden Gemeinschaften und nach kultureller Kontinuität
7. Das Bedürfnis nach einer sicheren Zukunft.

Kellmer Pringle (1975, 43ff) spricht von fünf Grundbedürfnissen:

1. Das Bedürfnis nach Liebe und Geborgenheit
2. Das Bedürfnis nach Sicherheit
3. Das Bedürfnis nach neuen Erfahrungen
4. Das Bedürfnis nach Lob und Anerkennung
5. Das Bedürfnis nach Verantwortung

Alle Bedürfnisse müssen ein ganzes Leben lang befriedigt werden. Je nach Entwicklungsstadium bekommen sie unterschiedliche Bedeutungen und werden lediglich in ihrer Art und Weise der Befriedigung verändert (ebd).

4 Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen

Da Biografie immer etwas mit der Gesellschaft und der Lebenswelt zu tun hat, ist es wichtig, sich die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen anzusehen. Lebenswelt kann im doppelten Sinne verstanden werden: Zum Einen die ökonomisch- räumliche und soziale Lebenswelt und zum Anderen die geistige Lebenswelt (Klingenberger, 2003, 99). Beide Lebenswelten sollen in Kapitel 4.1 und 4.2 aufgeführt werden.

4.1 Ökonomisch- räumliche und soziale Lebenswelt

Die Lebensphase Kindheit unterliegt einem ständigen Wandel. Der Schonraum Kindheit wird immer kleiner. Die heutige Lebenswelt von Kindern ist durch unterschiedliche Veränderungen gekennzeichnet (Klingenberger, 2003, 32).

Die primäre Lebenswelt von Kindern ist die Familie. Viele Kinder leben häufiger als früher in alternativen Familienformen und erleben ebenfalls häufiger einen Wechsel der Familienkonstellation durch Trennung oder Scheidung. Die Anpassung an die neue Konstellation erfordert von Kindern und Jugendlichen die Bewältigung von Veränderungen im Alltag und in den sozio-emotionalen Beziehungen. Diese Leistungen können sowohl Chance für die kindliche Entwicklung sein, sie können aber auch zu psychosozialen Belastungen und zu Lern- und Entwicklungsverzögerungen führen. Hinzu kommt die gestiegene Erwerbstätigkeit der Mütter und die damit verbundene eingeschränkte gemeinsame Familienzeit (BMFSFJ, 2005, 52ff).

„… Biografien von Kindern und Jugendlichen sind heute weitgehend institutionell strukturiert.“ (ebd, 58). Durch die Schaffung spezieller kindlicher und jugendlicher Lebensräume, werden die Lebenswelt der Kinder und die Lebenswelt der Erwachsenen voneinander getrennt. Durch die Inanspruchnahme verschiedener institutioneller Angebote, entsteht nicht nur der Begriff der „Terminkindheit“ (ebd), sondern auch die Anforderung, zwischen unterschiedlichen räumlichen und sozialen Settings zu switchen. Dies erfordert einerseits eine kognitive Integrationsleistung von Kindern, aber beinhaltet auch zunehmende Erfahrungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig zeigen sich Tendenzen der Auflösung der altersspezifischen Lebenswelt, so werden z.B. Kinder schon sehr früh in relevante Entscheidungen miteinbezogen.

[...]


1 „Kinderrechtskonvention ist die Bezeichnung für das am 02.09.1990 in Kraft getretene internationale ,Übereinkommen der Vereinigten Nationen über die Rechte der Kinder`, das von 191 Staate ratifiziert wurde .… 1992 wurde sie von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert.“ (Ratz-Heinisch/ Schöer/ Wolff, 2009, 49).

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656910411
ISBN (Buch)
9783656910428
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293619
Note
Schlagworte
biografiearbeit kindern jugendlichen rechten bedürfnissen faktoren

Autor

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