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Samuel Becketts "Endspiel" und Slawomir Mrozeks "Striptease". Ein Vergleich zweier Freiheitskonzepte im Absurden

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Index

1. Einleitung

2. Der Freiheitsbegriff im Absurden Theater
2.1 Samuel Becketts “Endspiel”
2.1.1 Sartres Existentialismus
2.1.2 Zusammenfassung von “Endspiel“
2.1.3 Freiheit in “Endspiel“
2.2 Slawomir Mrozeks “Striptease”
2.2.1 Die politische und kulturelle Situation in Polen Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts
2.2.2 Zusammenfassung von “Striptease“
2.2.3 Freiheit in “Striptease“

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Samuel Beckett und Slawomir Mrozek sind beide Paradebeispiele des Absurden Theaters des 20. Jahrhunderts. Doch neben Form und Stil ihrer Theaterstücke behandeln einige ihrer Werke auch eine ähnliche Thematik: das Zusammenspiel von Freiheit und Gebundensein, Macht und Ohnmacht.

Im Folgenden werde ich Samuel Becketts “Endspiel“ und Mrozeks “Striptease“ in Hinblick auf diesen Gesichtspunkt miteinander vergleichen und anhand philosophischer, sowie gesellschaftlicher Eigenheiten dieser Zeit erläutern, auf welche Weise der Freiheitsbegriff in genannten Werken definiert und symbolisiert wird.

2. Der Freiheitsbegriff im Absurden Theater

2.1 Samuel Becketts “Endspiel”

2.1.1 Sartres Existentialismus

Als Begründer des Existentialismus war Jean-Paul Sartre der Ansicht, der Mensch verfüge über keine ihm gegebene Natur oder Essenz, sondern schaffe sich sein Wesen selbst und sei somit prinzipiell frei in seinem Handeln und der Entwicklung seines Charakters. Diese Philosophie schließt sowohl die Existenz eines Gottes, als auch einen Determinismus aus.

Letzterer besagt, „dass unsere Handlung[en] nichts sind als Wirkungen, die von Ursachen ausgehen“ (Reitberger). Diese Ursachen sind laut Sartre jedoch auf Dinge zurückzuführen, die noch nicht existieren; der Vorstellung von etwas, das besser ist als das, worüber man gerade verfügt. Das eigene Elend bekommt also allein dadurch eine negative Konnotation, dass in der eigenen Vorstellung ein Zustand möglich ist, der den aktuellen übertrifft. Somit wird eine Handlung nicht aus einem die Vergangenheit betreffenden Motiv, sondern der möglichen, noch nicht existierenden Zukunft hervorgebracht. Aus dieser Vorstellung heraus erfolgt erst eine Wertung, die den Menschen zu einer Veränderung seiner Umstände motiviert.

Diese Freiheit der Gedanken schließt außerdem eine Beschränkung durch äußere Umstände aus. So sei der Mensch allein dafür verantwortlich, ob er die ihm angeborenen Eigenschaften, wie Rasse oder soziales Milieu, trotz Erschwerung des Erreichens des eigenen Zieles als unüberwindbar oder als Stolperstein auf dem angestrebten Weg bewertet. So sagt Sartre selbst: „‚Ein Felsblock, der einen erheblichen Widerstand darstellt, wenn ich ihn wegrücken will, ist dagegen eine wertvolle Hilfe, wenn ich ihn besteigen will, um die Landschaft zu betrachten. An ihm selbst ist er neutral.‘“ (ebd.)

Ebenso wie die Gegenwart habe auch die Vergangenheit sowohl ein Element der Unveränderlichkeit, die Existenz der getroffenen Entscheidungen und Tatsachen, sowie „‚ein veränderliches Element par excellence, die Bedeutung dieser Tatsachen im Bezug auf die Totalität [des Seins]‘“ (ebd.). Im Gegensatz zum ersten Element, bleibe das zweite nach dem Tod nicht erhalten. Stattdessen übergebe man nach seinem Abscheiden das Urteilen über das eigene vergangene Leben in die Hände der anderen.

2.1.2 Zusammenfassung von “Endspiel“

“Endspiel“ ist ein1957 in London uraufgeführtes absurdes Theaterstück von Samuel Beckett, in welchem dieser sich mit der Grenzsituation der Existenz zwischen Leben und Tod auseinandersetzt.

Die Protagonisten des Einakters befinden sich in einem dunklen Raum. Hamm, blind, betagt und gelähmt, sitzt auf einem Sessel neben seinem Diener Clov, welcher wiederum nur stehen und nicht sitzen kann und Hamms senile, sowie beinlose Eltern Nagg und Nell, rotten in zwei Mülltonnen dahin. Die Welt um sie herum scheint Opfer einer Katastrophe geworden zu sein, weswegen sie möglicherweise die letzten überlebenden Menschen sind, wenn sie auch körperlich zu zerfallen scheinen.

Das Stück beginnt damit, dass Clov seinen Meister durch das Abnehmen eines Tuchs von dessen Kopf weckt. Die beiden zetern miteinander darüber, weshalb Clov Hamm trotz seiner schlechten Behandlung noch nicht verlassen hat. Als dieser tatsächlich gehen will, meldet sich Nagg zu Wort und fordert seinen Brei.

Zu Clovs weiteren Aufgaben gehört die Versorgung Hamms mit Beruhigungsmitteln, das Anlegen eines Katheters, das Herumschieben des Sessels seines Meisters nach dessen Belieben und das Anfertigen eines Stoffhundes. Während er stumpf den ihm gegebenen Anordnungen folgt, konversieren die beide über die Bedeutung ihrer Existenz und ob diese zu beenden oder beizubehalten sei.

Im Verlauf des Stücks erzählt Hamm Nagg, den er mit einer Praline zum Zuhören bestochen hat, eine von ihm erfundene Geschichte. Dieser Vorgang endet jedoch in hasserfüllten Beschimpfungen zwischen Vater und Sohn.

Clov hingegen geht seinen Aufräumarbeiten nach und stellt bei der Überprüfung von Nells Puls fest, dass diese anscheinend dahingeschieden ist. Diese Neuigkeit wird von Hamm, den es viel mehr interessiert, was genau draußen vor sich geht, ohne weiteres hingenommen.

Als Clov feststellt, dass die immer wieder von Hamm geforderten Beruhigungsmittel leer sind, beschließt dieser, sterben zu wollen. Meister und Diener entlassen einander, woraufhin Clov jedoch an der Tür stehen bleibt und Hamm auf seinem Sessel verharrt. Der Vorhang schließt sich.

2.1.3 Freiheit in “Endspiel“

“Endspiel“ porträtiert Freiheit und Gefangenschaft in einer Welt, in der Unterdrückung nicht durch höhere Instanzen, sondern äußere Umstände ausgeübt wird.

Das Gebundensein – hier mit einem einzigen Raum an einen festen Handlungsort – wird in den einzelnen Charakteren auf verschiedene Weisen verkörpert.

Hamm ist physisch an seinen Sessel gefesselt und blind, was ihn beides von Clov abhängig macht. Dennoch befindet sich Hamm in einer Machtposition Clov, sowie seinen Eltern gegenüber. Clov ist körperlich zwar anscheinend mobil, jedoch psychisch an seinen Herrn gebunden und somit nicht imstande, diesen zu verlassen. Er äußert desöfteren den Wunsch, zu sterben oder zumindest zu gehen, indem er davon spricht, „[es könne] zu Ende gehen“ (Beckett) und er „sehe [s]ein Licht, das stirbt[]“ (116), jedoch tut er dies nicht. Stattdessen such er Vorwände, zu bleiben, unter anderem jenen, dass er nicht wisse, „wie der Speiseschrank aufgeht“ (113). Ein weiterer Grund für sein Gebundensein ist, dass Hamm eine Vaterfigur für ihn darstellt (131) und Clov sich ihm gegenüber deswegen zu Dank und auch einer „Art großes Mitleid“ (154) verpflichtet fühlt. Trotz seines Verharrens an Ort und Stelle äußert er, er fühle sich „im Geiste“ bereits „fern und tot“ (151).

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656911852
ISBN (Buch)
9783656911869
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293661
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Absurdes Theater Samuel Beckett Slawomir Mrozek Theater Endspiel Striptease Freiheit Freiheitsbegriff Beckett Mrozek 20. Jahrhundert

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Titel: Samuel Becketts "Endspiel" und Slawomir Mrozeks "Striptease". Ein Vergleich zweier Freiheitskonzepte im Absurden