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Einführung in die Rechts- und Sozialphilosophie. Der Naturzustand nach Thomas Hobbes

Vorlesungsmitschrift 2011 4 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

In dieser Sitzung führten wir an, dass nach Thomas Hobbes jeder Mensch im Naturzustand zunächst das Recht auf alles hat, da es allen gleichermaßen angehört. Von seiner Freiheit kann der Mensch allerdings nur Gebrauch machen, wenn ihm etwas allein eigentümlich ist.

Im weiteren Verlauf haben wir die sich daraus ergebene Paradoxie des Naturzustandes behandelt. Wir stellten fest, dass sie eine rechtliche Paradoxie sei, weil in einer Gemeinschaft in der alle ein Recht auf alles haben, nicht mehr zu erkennen wäre, was rechtens und was nicht rechtens wäre. Aus diesem Grund können die Menschen sich nicht in einem natürlichen Friedenszustand befinden, da die Freiheit des Rechts für Alles, diesem gleichzeitig entgegenwirken würde. Die Menschen sind also, solange sie sich im Naturzustand befinden, in einer Disharmonie der Handlungsfreiheit. Da in so einem Fall jeder im Prinzip das Recht hätte zu entscheiden, auf was er selbst ein Recht habe, würde das möglicherweise mit den Rechten eines anderen Menschen im Widerspruch stehen. Als Beispiel wurde hier Eigenjustiz genannt. Das würde allerdings zu vielen individuellen Rechtsentscheidungen führen, die sich unter Umständen auch widersprechen könnten. Im 11. Paragraphen widmet sich Hobbes dieser Problematik. Im 12. Paragraphen ist vom Kriegszustand die Rede. Zum einen ist dieser ein Zustand der rechtlichen Struktur, zum anderen ist er nicht unbedingt gleichzusetzen mit einem Zustand gewaltsamer Auseinandersetzung. Er kann ebenso gewaltfrei sein ohne ein Friedenszustand zu sein, da die Bedrohung einer gewaltsamen Auseinandersetzung dennoch besteht.

Im Naturzustand hätte jeder das Recht Gewalt anzuwenden, weil kein allgemein gültiges Gesetz bestehen würde, das diese verhindert. Es muss allerdings nicht so sein, dass sich ihre Rechte widersprechen und sie deshalb Gewalt anwenden, aber es wäre durchaus möglich. Aufgrund des Prinzips des Rechts des Naturzustandes, ist der Friedenszustand in solch einem gedachten Naturzustand, prinzipiell unmöglich; ungeachtet der bösen Natur des Menschen.

Hobbes wollte nun wissen, wie man dem entgegenwirken kann und beantwortete es damit, dass man dafür gegen die Wurzel dieses Übels wirken, also, den Zustand des Naturzustandes verlassen müsse.

Anschließend bezogen wir uns auf Paragraph 14 in dem ein Recht auf Herrschaft beschrieben wird, da im Naturzustand ebenfalls jeder das Recht habe sich selbst zu erhalten und sich somit andere Menschen zu Nutze machen dürfe. Da auch der Beherrschte ein Recht darauf habe seinen Herrn zu beherrschen, stößt man auf das Recht des Stärkeren. Dieses Recht verdeutlicht ebenfalls die Widersprüchlichkeit des Naturzustandes.

Als Kontraktualist hat Hobbes hier die Ansicht, dass es die Pflicht des Menschen sei, diesen Zustand zu verlassen. Es gibt aber kein Recht auf staatliche Herrschaft und daher muss es erst noch gegründet werden. An dieser Stelle kommt Hobbes auf die Idee, diese Problematik durch einen Vertrag zu realisieren. Hier lassen sich angeborene und erworbene Rechte unterscheiden. Das Recht des Vertrags wäre demnach ein erworbenes, das Recht auf Leben, ein angeborenes. Um einen Vertrag gründen zu können benötigt man schon im Naturzustand ein Rechts auf Vertragsschließung, da man ansonsten nicht den Übergang zu einem staatlichen Zustand herbeiführen könnte. Daher geht Hobbes vom Naturzustand in einen kontraktuellen Zustand über, weil er in ihm die Grundlage des Vertragsrechts begründet sieht. Dieser Zustand kann als das Bindeglied zwischen dem Natur- und dem Bürgerzustand gesehen werden.

Die Vernunft, glaubt Thomas Hobbes, duldet keinen Widerspruch. Es wäre ein Gebot der rechten Vernunft, sich rechtlich, wie durch einen Vertrag, um Frieden zu bemühen. Hier merkte der Professor an, dass sich im Naturzustand alle Rechte aus dem Recht auf Selbsterhaltung ableiten lassen und, dass es daher die Pflicht sei, sich als Rechtssubjekt zu behaupten und sich nicht unterdrücken zu lassen.

Für Hobbes ist die Sicherung des Rechts unabdingbar, da uns die Vernunft auffordert, den Rechtsfrieden zu suchen, weil dieser die Sicherung des Rechts auf Selbsterhaltung beinhaltet. Dafür ist es notwendig, dass jeder auch die Rechte des anderen achtet. Das wiederum bedeutet, dass sie auf das Recht auf alles verzichten müssen. Schließlich liegt da der Ursprung des Unfriedens.

Man kann also festhalten, dass schon im Naturzustand die Suche nach Frieden verwurzelt ist und man sich ihm auch schon durch Verträge und Vereinbarungen nähern kann. Allerdings muss zu diesen Vereinbarungen und Verträgen auch ein Recht bestehen.

Es geht also vielmehr um die Rechte als um die angeborene Freiheit. Dieses Recht auf Verträge liegt dem natürlichen Recht zugrunde, so Hobbes. Die Menschen müssen die Bedingungen eines solchen Vertrages akzeptieren. Denn Frieden bedeutet, eigene Rechte einschränken und sich um den Frieden bemühen. Des Weiteren kann man seine eigenen Rechte auf andere übertragen, um weitere Unternehmungen hinsichtlich eines solchen Vertrages zu machen. Dies steht im dritten Paragraphen erläutert. Dieses Gesetz drückt aus, dass der Einzelne seine Rechte aufgeben oder jemandem übertragen muss. Außerdem beinhaltet dieser Gedanke die Notwendigkeit der Einführung des Privateigentums als Bedingung eines friedlichen Zustandes, da man sonst, keinen Gebrauch seiner Freiheit hätte.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656915133
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293775
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Philosophische Fakultät
Note
Schlagworte
Rechtsphilosophie Hobbes Naturzustand Recht

Autor

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Titel: Einführung in die Rechts- und Sozialphilosophie. Der Naturzustand nach Thomas Hobbes