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Das Wochenbett als natürliche Krise

Ein Plädoyer für eine vertrauensvolle, unterstützende Begleitung auf dem Weg zur Mutterschaft

Bachelorarbeit 2013 42 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Eine Familie entsteht
2.1 Vom Liebespaar zum Elternpaar
2.2 Funktionelle Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen
2.2.1 Mutterschutz und Elternzeit
2.2.2 Der Trend zur institutionellen Kinderbetreuung
2.2.3 Begleitung und Unterstützung während Schwangerschaft, Ge- burt und Wochenbett
2.2.4 Erziehungsberatung und Eltern-Kind-Kurse
2.3 Vertrauensvolle Unterstützung: Die Doula

3 Die emotionale Stabilität der Mutter
3.1 Was bedeutet emotionale Stabilität der Mutter?
3.2 Emotionen und Hormone
3.3 Das Wochenbett als natürliche Krise
3.4 Der Einfluss der emotionalen Stabilität auf die Entwicklung des Mut- tergefühls
3.4.1 Muttergefühl - Was ist das?
3.4.2 Selbstwertgefühl als Mutter
3.4.3 Zufriedenheit im Alltag?
3.5 Der Einfluss der emotionalen Stabilität der Mutter auf die Entwick- lung und das Verhalten des Kindes
3.5.1 Die emotionale Stabilität der Mutter überträgt sich auf ihr Kind
3.5.2 Die emotionale Stabilität der Mutter beeinflusst die Entwick- lung des Kindes

4 Begleitung durch eine Doula - Warum?
4.1 Die Mutter bemuttern
4.2 Stärkung der Intuition
4.3 Vertrauen schafft Sicherheit
4.4 Lernen am Leben - Stärkung der mütterlichen Fähigkeiten im Wo- chenbett
4.5 Beispiel einer hilfreichen Unterstützung: Das Ruheritual

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

”UndjedemAnfangwohnteinZauberinne.“

Hermann Hesse

Die erste Zeit mit einem Kind besitzt einen eigenen Zauber und ist meist durch das Gefühl des Glücks und der Freude geprägt. Es ist jedoch auch eine Zeit großer Veränderungen und Herausforderungen, welche nicht immer leicht zu bewältigen sind und einer guten Unterstützung bedürfen (Schöne und Herrmann 2011). Früher war es in der Zeit des Wochenbettes üblich, dass Mitglieder der Familie, meist Großmütter oder Tanten, zur Unterstützung des jungen Elternpaares beitru- gen (Ahnert 2010). Durch die Auflösung der Großfamilien verliert dies mehr und mehr an Bedeutung, was dazu führt, dass hohe Anforderungen an das junge Eltern- paar gestellt werden (Largo 2011).

Durch meine eigenen Erfahrungen als auszubildende Hebamme und als Mutter kann ich die oben genannten Aspekte bestätigen, was maßgeblich zur Themenwahl der vorliegenden Bachelor-Arbeit beigetragen hat.

Mit 13 Jahren stand für mich mein Wunschberuf fest: ich wollte Hebamme wer- den. Fasziniert war ich vor allem von dem gewaltigen Erlebnis der Geburt und von der Verwandlung der Frau zu einer Mutter. Ich blickte voll Vertrauen auf diesen natürlichen Vorgang und verspürte eine große Sicherheit im Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern. Während eines Praktikums auf einer Entbindungsstation erlebte ich viele schöne Geburten mit, sah jedoch auch immer wieder, wie unsicher, ängstlich und sorgenvoll viele junge Mütter in ihrer neuen Situation waren. Mit Beginn meiner Hebammenausbildung stellte ich fest, dass ich selbst schwanger war. Dies erforderte nun eine ganz neue Auseinandersetzung mit dem Thema der Geburt und der Mutter- schaft und erweiterte meine Sicht darauf erheblich. Ich fühlte mich in der Rolle der werdenden Mutter zum größten Teil sehr sicher, erlebte jedoch auch immer wieder die herausfordernden Stimmungswechsel und Situationen voller Angst und Sorge. Glücklicherweise hatte ich großes Vertrauen in meine Fähigkeit, auf natürliche Wei- se ein Kind zu gebären und war mir auch sehr sicher, was ich wollte und was nicht. Außerdem hatte ich eine gute ärztliche Unterstützung und eine Hebamme, welche mich schon in der Schwangerschaft begleitete. Durch meine Sicherheit und mein Vertrauen durfte ich eine wunderbare, komplikationslose Geburt erleben und hatte auch im Wochenbett mit keinen großen körperlichen Beschwerden zu kämpfen. Al- lerdings war meine emotionale Situation im Wochenbett sehr instabil und ich fühlte mich alleine. Mein Partner hatte nicht die Möglichkeit, mich so umfassend zu un- terstützen, wie ich es benötigt hätte. Familie und Freunde wohnten zu weit entfernt von uns. Trotzdem fühlte ich mich durch das Erlebnis der Geburt sehr stark, was sich positiv auf mein Selbstwertgefühl als Frau und Mutter auswirkte.

In den ersten Jahren als Mutter machte ich häufig die Erfahrung, dass andere Mütter mich um Rat fragten, wenn sie das Gefühl hatten, dass sie im Umgang mit ihrem Kind an Grenzen stießen. Dies verwunderte mich, da ich meist die jüngste Mutter in meinem damaligen Umfeld war. Da ich mich selbst um mein Kind kümmern wollte, beendete ich die Ausbildung zur Hebamme nicht. Stattdessen besuchte ich den weni- ger zeitaufwendigen Kurs zur Elternberatung für die frühe Kindheit am Institut f ü r Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie in Stuttgart. Dadurch erweiterte ich meine Kompetenz im Bereich der Beratung von Eltern und mein Berufswunsch entwickelte sich weiter. Besonders einschneidend waren Geburtserlebnisse bei nahen Freundin- nen und bei meiner Schwester, welche ich teilen und begleiten durfte. Hierbei spürte ich sehr enge Verbindungen zu den Müttern und erlebte, wie stärkend eine vertrau- te Frau, welche selbst ein positives Empfinden zu einer natürlichen Geburt hat, bei diesem Ereignis ist.

Meine oben geschilderten Erfahrungen motivierten mich dazu, in der vorliegenden Bachelorarbeit den Fokus speziell auf das Wochenbett zu legen. Die Geburt, welche ja dem Wochenbett vorausgeht, ist für den Beginn der Mutter-Kind-Beziehung sehr entscheidend. Aus diesem Grund ist eine maximal gute Betreuung durch erfahrene Hebammen und eine Geburt mit minimalen technischen oder medizinischen Eingrif- fen von großer Wichtigkeit. Auch sollte die Geburt so gut wie möglich reflektiert und verarbeitet werden, damit die Mutter und der Vater sie in positiver Erinnerung be- halten und damit sie beide bei zukünftigen Herausforderungen aus diesem Erlebnis Kraft und Sicherheit schöpfen können. Die Geburt ist ein ungeheuer kraftvolles und

1 Einleitung

zauberhaftes Ereignis. Doch werde ich in dieser Arbeit dieses Thema weitgehend ausklammern, da es ein sehr umfassendes Themengebiet ist. (Verweisen möchte ich hier auf zwei Bücher: Die selbstbestimmte Geburt von Ina May Gaskin und DoulaWissen rund um die Geburt von Melanie Schöne und Dunja Herrmann.)

Durch die eingangs genannten Aspekte der heutigen Herausforderungen für junge Familien interessieren mich vor allem folgende Fragen:

- Welche Unterstützung und Begleitung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett existieren in Deutschland?
- Worin besteht die Vulnerabilität der Wochenbettzeit?
- Aus welchen Gründen ist eine vertrauensvolle unterstützende Begleitung während der ersten Zeit mit einem Kind von Bedeutung?

Um diese Fragestellungen zu bearbeiten gliedert sich die vorliegende Arbeit in drei Abschnitte:

Der erste Abschnitt beinhaltet das Thema der Entstehung einer Familie, sowie eine sachliche Zusammenstellung verschiedener Angebote zur Unterstützung einer Familie während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Im zweiten Abschnitt werden verschiedene Aspekte zur emotionalen Situation der Mutter erläutert. Dabei wird die emotionale Stabilität und ihre Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche der Mutterschaft und der Mutter-Kind-Beziehung vertie- fend dargestellt.

Diesem wird sich der dritte Abschnitt anschließen, indem die Möglichkeit der Be- gleitung durch eine Doula (altgr.: Dienerin) während der Zeit des Wochenbettes und deren Vorteile aufgezeigt werden. Besonders die positiven Auswirkungen auf emo- tionaler Ebene im Bereich der Mutter-Kind-Beziehung finden hier Beachtung und Anerkennung.

Anmerkung:

Da die Veränderungen beim ersten Kind am bedeutendsten sind, wird das Hauptau- genmerk dieser Arbeit darauf gerichtet sein. Dabei liegt mein besonderes Interesse auf der emotionalen Situation der Mutter, jedoch werde ich spezielle psychische Vor- belastungen aus Gründen des Umfanges nicht berücksichtigen. Vielmehr möchte ich darauf aufmerksam machen, dass ganz normale und gesunde Frauen in der Zeit des Wochenbettes bedürftig sind und eine gute, hilfreiche Unterstützung benötigen. Ob- wohl ein Kind in den meisten Fällen mit Vater und Mutter aufwächst, wird in der vorliegenden Arbeit der Schwerpunkt auf der Mutter-Kind-Beziehung liegen, da die Mutter auf biologischer Ebene in den ersten Monaten enger mit dem Kind verbun- den ist, als der Vater. Trotzdem soll an dieser Stelle betont werden, dass der Vater von Geburt an eine sehr wichtige Bezugsperson für das Kind ist oder sein sollte (vgl. Ahnert 2010, 70ff).

2 Eine Familie entsteht

2.1 Vom Liebespaar zum Elternpaar

Wird aus einem Liebespaar ein Elternpaar, entsteht aus der Paarbeziehung eine Dreierbeziehung, eine sogenannte Triade: Vater-Mutter-Kind (Ahnert 2010). Die Eltern stehen nun vor der Herausforderung, sich in zwei Rollen zurecht finden zu müssen. Einerseits begegnen sich Mann und Frau als Paar, andererseits befinden sie sich nun als Eltern in der gemeinsamen Verantwortung für ihr Kind.

Wie oben erwähnt, gehen mit der Geburt des ersten Kindes die meisten Veränderungen einher. Die Vergangenheit des Paares scheint zu verschwinden, da der neue Alltag sich völlig von dem vergangenen unterscheidet. Dabei sind die jungen Eltern mit ungewohnten Herausforderungen konfrontiert (Weidemann-Böker 2007). Denn auch Kurse zu Säuglingspflege oder Erziehung können die spätere reale Situation nur sehr begrenzt darstellen: Das Leben mit einem Kind kann man nicht auf der Gedankenebene vorbereiten, man muss es erleben.

Die Betreuung von Säuglingen ist somit für viele Eltern eine ganz neue Erfahrung. Häufig hatten sie noch nie näheren Kontakt zu so kleinen Menschenwesen und sind dadurch zu Beginn sehr verunsichert. Zu dieser Verunsicherung tragen auch die zahlreichen Erziehungsratgeber und Internetseiten bezüglich verschiedenster The- men der Betreuung und Erziehung bei:

”DieMengeanInformationenmachtes immer schwieriger, den Überblick zu erhalten.“ (Blom 2005, S. 22). Außerdem ver- lieren viele Eltern durch ihre intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Elternsein das Gefühl

”...ausIntuitionodereinemnatürlichenWissenherausKindergroßzu-

ziehen.“ (Blom 2005, S. 22). Viele Paare haben eine Vorstellung von dem, was sie sich in ihrer Familie, von ihrem Partner und von sich selbst wünschen, müssen dann jedoch häufig damit zurecht kommen, dass ihre Vorstellungen von der Realität stark abweichen. Hierfür sind meist die Rahmenbedingungen wie finanzielle Situation, Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder, mangelnde Unterstützung im Alltag, ein völlig veränderter Tagesablauf u. ä. verantwortlich (Weidemann-Böker 2007).

Trotz aller Herausforderungen, die die beschriebene neue Situation an das Elternpaar stellt, bereichert die Elternschaft das Leben und die Paarbeziehung. Die gemeinsamen Aufgaben bieten zahlreiche Möglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und können zu einer neuen Ebene des Verständnisses für den Partner führen. Außerdem ist es eine große Bereicherung, ein Kind aufwachsen zu sehen und es auf einem Stück seines Lebensweges begleiten zu dürfen.

2.2 Funktionelle Aspekte und rechtliche Rahmenbedingungen

2.2.1 Mutterschutz und Elternzeit

In Deutschland wird die rechtliche Regelung zum Mutterschutz im Mutterschutzgesetz (MuSchG) des Sozialgesetzbuches SGB V, § 24 c und § 24 d festgelegt. Der Mutterschutz beginnt sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin und endet acht Wochen nach der Geburt. In dieser Zeit ist eine werdende Mutter von der Arbeit freigestellt und erhält Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse. Außerdem unterliegt sie verschiedenen Schutzmaßnahmen.

Im SGB 2, § 15 sind die rechtlichen Rahmenbedingungen zum aktuellen Modell von Elterngeld und Elternzeit (BEEG) beschrieben. Die Elternzeit beginnt nach dem Mutterschutz und endet spätestens mit Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes. In dieser Zeit bleibt der Arbeitsplatz der Mutter erhalten, sie kann jedoch auf Wunsch auch schon früher wieder in ihren Beruf einsteigen. Seit dem 1. Januar 2007 wird für die ersten zwölf Lebensmonate des Kindes das sogenannte Elterngeld vom Staat bezahlt. Nimmt der Partner zusätzlich zwei Monate Elternzeit, verlängert sich der Anspruch auf Elterngeld von 12 auf 14 Monate. Die Monate können zwi- schen den Eltern auch unterschiedlich aufgeteilt werden. Vorteil des Elterngeldes ist, dass sich die finanzielle Situation durch die Geburt eines Kindes nicht so drastisch verändert.

2.2.2 Der Trend zur institutionellen Kinderbetreuung

Die gesellschaftliche Situation bezüglich der Betreuung von kleinen Kindern hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland sehr verändert, wobei hierbei signifikante Unterschiede zwischen der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik Deutschland zu beachten sind (Ahnert 2010). Von einer fast ausschließlich mütterlichen oder innerfamiliären Betreuung geht der Trend immer mehr in Richtung institutioneller Betreuungsformen, auch für sehr kleine Kinder (Ahnert 2010). Diese Entwicklung folgt dem Wunsch vieler Mütter, möglichst kontinuierlich im Berufsleben zu bleiben; für die Betreuung und Erziehung der Kinder wird immer weniger Zeit eingeplant. Die Form der Betreuung ist sehr unterschiedlich und hängt vor allem stark von der Situation des jeweiligen Bundeslandes ab. Für die Betreuung sehr kleiner Kinder sind die Möglichkeiten sehr verschieden und reichen von reinen Kleinkindkrippen bis zu altersgemischten Kindertagesstätten. Auch das Modell der Tagesmutter ist weit verbreitet und wird von offizieller Seite finanziell unterstützt, sofern die Tagesmutter eine entsprechende Fortbildung vorweisen kann.

2.2.3 Begleitung und Unterstützung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett

ÄrztlicheBegleitung

Erfährt eine Frau in Deutschland, dass sie schwanger ist, so wird sie in aller Regel sehr früh einen Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (Gynäkologe) auf- suchen. Dieser bestätigt per Ultraschall die Schwangerschaft, errechnet anhand der letzten Periode der Frau und der Maße (per Ultraschall) des Embryos den voraus- sichtlichen Entbindungstermin und informiert die werdende Mutter über die weite- re Vorgehensweise. Alle vier Wochen findet eine sogenannte Vorsorgeuntersuchung statt, es werden verschiedene Blutuntersuchungen und insgesamt drei Ultraschallun- tersuchungen durchgeführt (Maris 2003). Am Ende der Schwangerschaft werden die Vorsorgeuntersuchungen alle zwei Wochen durchgeführt, hier werden auch die kind- lichen Herztöne über CTG (Herzton-Wehen-Schreiber) kontrolliert (Maris 2003). Wird der errechnete Entbindungstermin überschritten, werden die Kontrollen alle zwei Tage vorgenommen. Schwerpunkt der ärztlichen Schwangerschaftsbegleitung liegt auf der Kontrolle der kindlichen Entwicklung, der mütterlichen Gesundheit und auf dem Erkennen von Komplikationen. Bei der Geburt assistiert der Arzt der Hebamme und übernimmt die Arbeit, falls Komplikationen auftreten und spezielle medizinische Eingriffe notwendig werden.

Die Hebamme

Nur wenige Frauen wissen, dass eine Hebamme auch in der Schwangerschaft für alle nötigen Vorsorgeuntersuchungen befähigt ist, ausgenommen die Ultraschallunter- suchungen. Manche Frauenärzte arbeiten mit Hebammen zusammen und wechseln sich mit den Vorsorgeuntersuchungen ab. Im Gegensatz zu einem Gynäkologen, der in allen Gebieten der Frauengesundheit ausgebildet ist, liegt der Schwerpunkt der Hebammenausbildung auf der Physiologie und Biologie der natürlichen Geburtshilfe. Eine Hebamme weiß, dass ein Kind zu bekommen ein natürlicher Vorgang ist, den die Frau in aller Regel durch ihre eigene Kraft, mit entsprechender Unterstützung durch gut geschulte Hebammen, meistern kann (Gaskin 2012). Der Fokus einer Hebam- me liegt demnach auf der Unterstützung und Stärkung der Frau. Natürlich müssen Hebammen sehr aufmerksam auf mögliche Komplikationen schauen und Risiken für Mutter oder Kind kennen und erkennen. Ist eine Frau gesund und besteht kein vor- hersehbares Risiko, so kann die Geburt durch eine Hebamme begleitet werden und muss nicht notwendigerweise in einem Krankenhaus stattfinden. Für außerklinische Geburten gibt es in Deutschland verschiedene Modelle. Auch nach der Geburt beglei- tet die Hebamme die Mutter und das Neugeborene. Über 14 Tage kommt sie täglich und steht der jungen Familie beratend zur Seite. Treten über diesen Zeitraum hinaus Probleme auf, kann sie erneut zu Rate gezogen werden (Stadelmann 2002). Der Hebammenberuf ist in Deutschland stark gefährdet. Vor allem freiberufliche Heb- ammen haben durch sehr hohe Versicherungsbeiträge und bürokratische Vorgaben mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Von einer angemessenen Entlohnung kann man bei diesem Beruf nicht sprechen, obwohl die Verantwortung, die eine Hebamme trägt, sehr hoch ist. Gerade die Hausgeburtshilfe ist stark bedroht, viele Hebammen sehen sich gezwungen, nur noch in der Vor- und Nachsorge tätig zu sein und die Geburtshilfe auszuklammern (zu finden unter: www.hebammenverband.de).

Haushaltshilfe

Im Wochenbett gibt es für die junge Familie die Möglichkeit, eine Haushaltshilfe zu beantragen, wenn der Vater nicht zu Hause sein kann. Die Kosten werden dann von der Krankenkasse übernommen. Ist der Vater jedoch zu Hause, gibt es für die Familie bis auf die Hebamme, welche einmal am Tag kommt, keine Unterstützung von offizieller Seite. Aus diesem Grund ist es ratsam, schon vor der Geburt bei Freunden, Bekannten oder Verwandten nach Unterstützung zu fragen und diese gut zu organisieren. Die Unterstützung kann vor allem im hauswirtschaftlichen Bereich angesiedelt sein. Denn gerade in der ersten Zeit mit einem Kind brauchen die jun- gen Eltern und ihr Kind Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und sich in diese neue Situation einzufinden.

2.2.4 Erziehungsberatung und Eltern-Kind-Kurse

Eine weitere Möglichkeit der Unterstützung für junge Familien bieten Beratungsstellen. Hier können Schwierigkeiten oder Probleme im Umgang mit dem Kind, in der Paarbeziehung oder in anderen Bereichen mit einem Berater oder einer Beraterin besprochen und gemeinsam gelöst werden. Im Wochenbett ist die Nutzung solcher Angebote durch die geringe Mobilität, die hohe Belastung im Alltag und das häufig fehlende Problembewusstsein stark eingeschränkt. So werden Beratungsstellen oft nicht bei anfänglichen Schwierigkeiten aufgesucht, sondern erst in einem Stadium der extremen Überforderung (Brisch 2008).

Eine weitere gute Möglichkeit der Unterstützung besteht darin, an einem Eltern- Kind-Kurs teilzunehmen. Hierzu gibt es ganz unterschiedliche Angebote, die vom Konzept her sehr variieren und möglichst darauf geprüft werden sollten, in welcher Weise die Bedürfnisse von Kindern wahrgenommen, respektiert und gefördert wer- den. Da es meist ein fester Termin einmal wöchentlich ist, sollte der Stressfaktor für Mutter und Kind gut zu meistern sein. Schön ist, dass man in solchen Kursen an- dere Eltern trifft, die sich in ähnlichen Situationen befinden, die Kursleitung meist eine pädagogische Ausbildung aufweist und man vieles durch Gespräche lernen und verstehen kann. Auch der soziale Kontakt ist für viele Eltern in der ersten Zeit mit einem Kind sehr wichtig, denn häufig sind junge Familien, besonders der betreuende Elternteil, sehr isoliert.

2.3 Vertrauensvolle Unterstützung: Die Doula

Zu früheren Zeiten gebaren Frauen ihre Kinder im Kreis von einer Hebamme und weiteren geburtserfahrenen Frauen. Auch die Schwangerschaft und die Zeit des Wo- chenbettes wurde durch das Wissen und die Erfahrung anderer Frauen begleitet und unterstützt. Diese Tradition ist im europäischen Raum weitgehend in Vergessenheit geraten und durch die medizinische Begleitung in den Hintergrund gerückt. Jedoch gibt es seit einiger Zeit ein wachsendes Interesse an dieser Art der zusätzlichen Un- terstützung vor allem während der Schwangerschaft und der Geburt, welche den Na- men Doula trägt. Laut Schöne und Herrmann (2011) ist die Doula eine geburts- erfahrene Frau, welche sich um die Bedürfnisse der werdenden Mutter kümmert. Sie kann die Eltern schon in der Schwangerschaft begleiten und ergänzt während der Geburt das Geburtshelferteam.

Da die Hebammen in einem Krankenhaus meist mehrere Frauen gleichzeitig betreu- en, können sie nicht durchgängig bei einer Gebärenden anwesend sein. Auch der Schichtwechsel führt häufig zu einem Wechsel der Bezugsperson. Hier ist die Beglei- tung durch eine Doula eine Möglichkeit, die Kontinuität der Begleitung während der Geburt zu wahren. Aber auch in der Hausgeburtshilfe wird eine Begleitung durch ei- ne Doula gerne wahrgenommen und als Bereicherung empfunden (Gaskin 2012).

Die Doula hat in der Regel keine medizinische Ausbildung und übernimmt auch kei- ne Verantwortung im Bereich der Geburtshilfe. Sie stellt demnach keine Konkurrenz zu der Hebamme dar. Durch ihre positive Einstellung zu einer natürlichen Geburt stärkt sie jedoch die Zuversicht und das Vertrauen der Mutter und des Vaters in den Geburtsvorgang. Durch ihre Kenntnisse der Geburtsphasen kann sie konkrete Hilfe- stellungen geben und den werdenden Vater zur Mithilfe anleiten, wenn dies benötigt wird. Dabei achtet sie sehr darauf, die Intimität der Eltern zu schützen. Auch nach der Geburt kann die Doula als Gesprächspartnerin die Erlebnisse mit den Eltern reflektierend verarbeiten und Hilfestellungen im Umgang mit dem Neugeborenen geben.

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Details

Seiten
42
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656915683
ISBN (Buch)
9783656915690
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v293921
Institution / Hochschule
Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter – Bildungswissenschaft
Note
Schlagworte
Kindheitspädagogik Mutter-Kind-Beziehung Wochenbett Doula

Autor

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Titel: Das Wochenbett als natürliche Krise