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Entspannungsmethoden für Kinder

Fachbuch 2015 17 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhalt

1. Veränderte Kindheit

2. Stress bei Kindern

3. Prävention

4. Der Dualismus „Spannung“ und „Entspannung“

5. Voraussetzungen für Entspannung

6. Psychophysiologische Wirkung

7. Entspannung als Ritual

8. Autogenes Training

9. Entspannungsgeschichten

10. Dynamische Entspannungsübungen

11. …was tut sonst noch gut?

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Veränderte Kindheit

Wir leben heute in einer übertechnisierten Welt. Massen an auditiven und visuellen Reizen strömen auf uns Menschen und im Besonderen auch auf unsere Kinder ein.

Dagegen werden Situationen, in denen Kinder einmal in sich gehen und ihren eigenen Körper und ihre Gefühle wahrnehmen können, seltener. Dabei sind sie oft überfordert von Lärm, Hektik und den Anforderungen, die an sie gestellt werden.

Betrachtet man den Alltag von Kindern im Grundschulalter, so lassen sich diese oftmals grob in zwei Gruppen einordnen. Die erste Gruppe hat einen straff durchorganisierten und geplanten Tages- bzw. Wochenablauf mit vielen Terminen und Verpflichtungen. Die Kinder finden dabei wenig Zeit, sich zurückzuziehen und nach ihren eigenen Wünschen zu spielen. Die andere Gruppe wird auf Grund mangelnder Zeit oder mangelnden Interesses von seiten der Eltern einen Großteil des Tages sich selbst überlassen, was häufig dazu führt, dass diese Kinder durch die Vernachlässigung externe Reize zur Beschäftigung wie beispielsweise PC- und Videospiele, Internet und Fernsehen nutzen. (vgl. Petermann, 2005)

Durch den vermehrten Konsum elektronischer Medien wird das Sammeln von eigenen, direkten Erfahrungen teilweise durch indirekte Sekundärerfahrungen verdrängt. Interaktion und Kommunikation sind für den Medienkonsum nicht erforderlich.

Im städtischen Leben fehlen größtenteils Freiräume zum Spielen im Umkreis des Wohn- und Lebensraumes. Die Spielzeit der Kinder verlagert sich mehr und mehr in die Wohnungen, wodurch die Erfahrungs- und Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt sind und sich die Möglichkeit zum Erleben der eigenen Körperlichkeit verringert. (vgl. Winkler, 1998, S. 19)

Für viele Kinder und Jugendliche ist es in unserer heutigen Gesellschaft nicht selbstverständlich, durch intuitive oder gezielt herbeigeführte Ruhe und Besinnung einen Ausgleich zu Stress, Hektik und dem hohen Maß an auditiven und visuellen Reizen zu schaffen. (vgl. Petermann, 2005)

Auch der Wandlungsprozess den die Lebensform Familie in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat, hat Auswirkungen auf die Sozialisation und die individuelle Aneignung von Fähigkeiten und Fertigkeiten der Kinder mit sich gebracht. Zu diesem Wandlungsprozess gehört vor allem die große Vielfalt an Familienkonstellationen, die Zunahme der Eineltern-Familie, die verringerte Geburtenrate und die erhöhte Müttererwerbstätigkeit. Oftmals wird von Kindern mehr und mehr frühe Selbstständigkeit und Mündigkeit erwartet.

(vgl. Winkler, 1998, S. 18)

Tendenzen zur Etablierung von Schnelllebigkeit und Zeitmangel sind im Freizeitbereich, aber auch in der Schule zu beobachten. Bestimmte Schulstrukturen, wie z.B. Fachunterricht mit wechselnden Lehrkräften, denen für die Vermittlung ihres Unterrichtsstoffes manchmal nur eine Schulstunde pro Woche zur Verfügung steht, sowie ein teilweise forciertes einheitliches Arbeitstempo, setzen einen Teil der Schüler unter Zeitdruck und gehen oftmals mit einer permanent vorhandenen Anspannung einher. (ebd. S. 21)

2. Stress bei Kindern

Das System von Anspannung und Entspannung ist für uns Menschen ein natürliches und notwendiges Regulationsmuster. Entfällt die Fähigkeit zur Entspannung, so wird Stress zu einer besonderen Belastung, die nicht mehr ausgeglichen wird und vor der sich der Mensch nicht mehr ausreichend schützen kann.

Stehen Kinder unter Dauerstress oder –angst, können sie meist nicht gut lernen. Langfristig entwickeln sie nicht selten Schulunlust, und unterschiedliche Formen von Störverhalten. (vgl. Krowatschek, 2009, S. 10)

Es gibt einen Teil der Kinder, die Konzentrationsprobleme, psychische oder sogar physische Stresssymptome, wie z.B. Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Nervosität, Ängste, Wutausbrüche, und Schulprobleme zeigen (vgl. Salzberg-Ludwig et al., 2002).

Auch aus repräsentativen Gesundheitsstudien, aktuell aus der größten deutschen Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KiGGS) der Bundesregierung, geht eine Zunahme von psychischen und Verhaltensstörungen hervor. Danach zeigen schon etwa 10% der deutschen Kinder im Grundschulalter solche Auffälligkeiten. Bei Jugendlichen lagen die Zahlen noch höher. (vgl. http://kiggs.de)

Die Ursachen für Störungen, die in solchen Untersuchungen aufgezeigt werden, sind wohl sehr komplex und kompliziert. Auch machen die Untersuchungsergebnisse keine Aussagen zur Entspannungsfähigkeit von Kindern. Jedoch kann man davon ausgehen, dass zumindest bei einem Teil der untersuchten Kinder, ein Zusammenhang zwischen Verhaltensauffälligkeiten und der Fähigkeit zur Entspannung besteht (vgl. Salzberg-Ludwig et al., 2002).

Andererseits ist die Schule teilweise auch Verursacher von kindlichem Stress. Manche Schüler sind dem Druck, den Leistungs- und Beurteilungskriterien auf sie ausüben nicht gewachsen. Durch Erwartungen der Eltern und der Gesellschaft allgemein kann dieser Druck noch erhöht werden.

Entspannungsverfahren können helfen, diesem Druck zu begegnen und einen Ausgleich zu schaffen.

3. Prävention

Im Rahmenplan Grundschule (1995, S. 266) werden als Aufgaben und Ziele der schulischen Gesundheitserziehung u.a. die Prävention und Korrektur gesundheitsfeindlicher Einstellungen und Gewohnheiten genannt. Gesundheit wird hier als physische, psychische und soziale Befindlichkeit gesehen, die einem lebenslangen Lernprozess, der ständig durch verschiedene Bedingungen beeinflusst und relativiert wird, gleicht. Präventive Gesundheitserziehung in der Schule braucht einerseits gute Vorbilder, andererseits eine Gestaltung des Lebens- und Lernumfeldes, die auf die Befriedigung kindlicher Grundbedürfnisse zielt.

Präventives Handeln versucht, spezifisch oder unspezifisch das Auftreten von Störungen und Erkrankungen zu verhindern. Risikofaktoren sollen dabei reduziert und Schutzfaktoren auf- oder ausgebaut werden, um negativen Zuständen, wie beispielsweise dauerhafter Anspannung, Ausgleich zu verschaffen. Je früher präventive Maßnahmen eingesetzt werden, umso effektiver zeigt sich die Wirksamkeit (vgl. Hurrelmann / Settertobulte, 2002).

Gerald Caplan stellte eine dreistufige Strategie zur Prävention vor, welche nach Hurrelmann und Settertobulte modifiziert wurden: Die Primärprävention oder präventive Intervention, die Sekundärprävention oder kurative Prävention und die Tertiärprävention oder rehabilitative bzw. kompensatorische Intervention. Während es in der ersten Präventionsart ein Schutz aufgebaut werden soll, bevor eine Störung eintritt, gehen die zweite und die dritte Strategie auf schon entstandene Störungen ein und versuchen, diese abzuwenden oder zu minimieren und eine weitere negative Entwicklung zu vermeiden. (vgl. ebd.)

Sind bei einzelnen Personen einer Gruppe schon Störungen oder negative Zustände aufgetreten, müsste mit diesen gezielt interventiv gearbeitet werden (= selektive Prävention).

Im Schulunterricht sollte Prävention einen festen Platz haben. Schon im 1997 von der WHO entwickelten Konzept mit dem Thema „Gesundheitsfördernde Schule“ wurden u.a. folgende Ziele formuliert:

Das gesundheitliche Verantwortungsbewusstsein der Schüler und ihres sozialen Umfeldes soll geschult werden.

Den Schülern soll Wissen über eine gesunde Lebensführung vermittelt werden.

Den Schülern soll die Möglichkeit erhalten werden, ihre Potenziale auszuschöpfen.

(vgl. WHO, 1997. In: Petermann / Natzke, 2004. S. 429)

Betrachtet man beispielsweise die Ergebnisse des LBS-Kinderbarometers, so wurden diese Ziele noch nicht vollständig erreicht. In der Untersuchung wurde, neben vielen anderen Aspekten, auch das subjektive Wohlbefinden der Kinder in ihren wichtigsten Lebensbereichen (Familie, Freundeskreis, Schule, Wohnumfeld) untersucht. Der Schulbereich schneidet im Vergleich zu den anderen Bereichen am schlechtesten ab. Zwar gab die Hälfte der befragten Kinder an, sich in der Schule gut oder sehr gut zu fühlen, aber immerhin 13% der Befragten gab an, sich in der Schule eher schlecht, schlecht oder sogar sehr schlecht zu fühlen. Generell nimmt das schulische Wohlbefinden mit zunehmendem Alter ab. ( vgl. www.hessenstiftung.de)

Ein Viertel bis ein Drittel der Kinder leiden zudem an einer Angst, in der Schule zu versagen und den Leistungsanforderungen nicht gerecht zu werden. Manche von ihnen reagieren darauf mit Bauch- und/oder Kopfschmerzen. Andere zeigen eher emotionale Reaktionen und entsprechende Verhaltensweisen, z.B. Aggressivität (vgl. Krowatschek/Zuzak, 1995, S. 11). Dementsprechend empfinden diese Kinder die Schule als einen großen Stressfaktor.

Die Ziele schulischer Präventionsarbeit sind unterschiedlich. In der Anfangsphase der Schulzeit soll vor allem einer dauerhaften Anspannung und Stress entgegengewirkt, sowie die Konzentrationsfähigkeit erhöht werden.

Gelingt es der Lehrkraft, Entspannungsübungen in einem vertrauensvollen, wertungsfreien Raum regelmäßig durchzuführen, stellen sich die meisten jüngeren Schulkinder schnell darauf ein und erleben diese als angenehmen Zustand, Auflockerung und Abwechslung zum „normalen“ Unterricht.

4. Der Dualismus „Spannung“ und „Entspannung“

Rhythmus ist das Grundmuster des Lebens. Rhythmisches Geschehen ist die Bewegung zwischen zwei Polen. Das Prinzip der Polaritäten (=Dualismus) taucht in vielen Bereichen des menschlichen Daseins auf. Wir atmen ein und atmen wieder aus. Das Eine macht das Andere notwendig.

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Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656916239
ISBN (Buch)
9783656916246
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294025
Note
Schlagworte
Entspannungsverfahren Stressabbau Grundschule Unterricht Autogenes Training Prävention Fantasiereisen Schulkinder

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Titel: Entspannungsmethoden für Kinder