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Ein Blick in die „Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel. Psychologische Prozesse in der Geldwirtschaft

Gier, Geiz und Verschwendung und Überlegungen zu möglichen Unterformen

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Georg Simmel

3.) Die Wertegewinnung durch das Geld und Geld in den Zweckreihen
3.1.) Verschwendung
3.2.) Geiz und Gier

4.) Kritische Auseinandersetzung

5.) Schlussfolgerung

Quellenverzeichnis

1.) Einleitung

Es hat allerhand Namen und im Volksmund „regiert es die Welt“: das Geld.

Die Lexika sind sich über seine Funktion allesamt einig: Geld dient als ein allgemeines Tausch- und Zahlungsmittel.1 Doch je mehr man sich mit dem Geld und der Geldwirtschaft beschäftigt, desto spürbarer wird, dass Geld einen größeren Einfluss auf die verschiedenen Gesellschaften ausübt, als seine doch recht banal klingende Erläuterung in Wörterbüchern erahnen lässt.

Vor allem die zugrunde liegenden psychologischen Prozesse, welche das Geld kausal bedingt, hat im vergangenen Semester mein Interesse geweckt. Werbe-Slogans oder auch sogenannte Catchy-Slogans zieren heutzutage wie selbstverständlich die Geschäfte, TV-Bildschirme oder Internetportale. Weil sie ein Massenphänomen geworden sind, überlegen die Wenigsten nach dem tieferen Sinn dieser Werbeträger. Doch was sagt unserem Inneren auf unbewusste Art und Weise eigentlich eine „Persil“-Werbung mit dem Satz: „Da weiß man, was man hat“. Und welche Zielgruppe vermag der Elektro-Markt „Saturn“ ansprechen, wenn er die ironische These aufstellt: „Geiz ist geil“?

Die zitierten Solgans sollen verdeutlichen, dass das Geld scheinbar einen globalen Zugriff auf unsere Psychologie gewonnen hat, dass ist unlängst an den Marketingstrategien in der Wirtschaft festzustellen. Warum ist das so? Stellen Menschen mit dem Geld auch Werte in Verbindung? In folgender Arbeit versuche ich Antworten auf diese und weitere Fragen herauszufinden. Dabei wird mir das Werk „Die Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel als essentielle Quelle dienen.

„Die Philosophie des Geldes“ ist eine nicht zu verkennende Wertschöpfung für die Soziologen der Modernen. In seinem Werk entwirft der Kritiker Simmel eine Alternative zur rein materialistisch verfahrenden Analyse der Geldwirtschaft, wie es üblicherweise von Soziologen seiner Zeit gehandhabt wurde. Simmel versucht unter anderem die zugrundeliegenden psychologischen Prozesse anzusprechen, welche zum Gebrauch von Geld dazugehören und deren Auswirkungen auf die allgemeine Kultur näher zu be- stimmen.

Die Auflistung der psychologischen Prozesse reicht in seiner gut 800 Seiten langen Studie weit: Von Geldgier über Geldgeiz, Verschwendung, asketische Anmut, moderner Zynismus bis hin zu Blasiertheit. Da die Betrachtung von jedem dieser Phänomene zu weitreichend wäre, konzentriere ich mich in folgender Arbeit ausschließlich auf die ersten drei der oben genannten psychologischen Prozesse.

Chronologisch betrachtet, werde ich zunächst auf Georg Simmel, seinen wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema der psychologischen Prozesse in der Geldwirtschaft und seiner Anerkennung in der Wissenschaft zu sprechen kommen. Im folgenden werde ich näher auf die Wertegewinnung durch das Geld eingehen, welche Simmel sehr anschaulich darstellt. Im weiteren Verlauf setzte ich mich kritisch mit den Merkmalen des Verschwenders, Geizigen und Gierigen auseinander, die in der „Philosophie des Geldes“ angesprochen werden. Um nicht nur Simmel zu zitieren, versuche ich herauszufinden, ob es noch Unterformen oder Aufsplittungen der Phänomene Verschwendung, Geiz und Gier gibt. Dabei versuche ich festzustellen, ob Simmel nur wichtige Grundlagen zur Thematik „psychologische Prozesse in der Geldwirtschaft“ geschaffen hat oder ob seine Überlegungen unverbesserlich sind.

2.) Georg Simmel

Am 1. März 1858 wird Georg Simmel als jüngstes von sieben Kindern des Fabrikanten Edward Simmel und dessen Frau Flora (geb. Bodenstein) geboren. Georg Simmel wird darauf in Berlin evangelisch getauft. Simmels Familie ist zu jener Zeit so vermögend, dass Georg nach dem Tod seines Vaters finanziell unabhängig bleibt. Er entschließt sich im Jahr 1876 für ein Studium der Geschichte und Philosophie an der Berliner Universität. Simmels erste Promotionsschrift nennt sich "Psychologisch-ethnologische Studien über die Anfänge der Musik." Diese Arbeit wird jedoch wegen formaler Fehler und mangelnder Genauigkeit der Thesen nicht angenommen. Auf Fürsprache seiner Gutachter akzeptiert die Fakultät jedoch die im Rahmen eines Wettbewerbs prämierte Abhandlung "Darstellung und Beurteilungen von Kants verschiedenen Ansichten über das Wesen der Materie" als Dissertation. 1886 wird Simmel mit der Schrift "Kantische Studien" im Fach Philosophie habilitiert und an der Berliner Universität zum Privatdozenten ernannt. Simmel wurde nicht nur durch seine Werke bekannt, sondern aus Quellen geht hervor, dass er wohl auch ein exzellenter Redner gewesen sein soll und darum zahlreiche Zuhörer in seine Vorlesungen hatte locken können.

Das Jahr 1890 stellt ein besonders bedeutsames Jahr für seine Arbeit als Soziologen dar. Denn mit der Schrift "Über soziale Differenzierung. Soziologische und psychologische Untersuchungen" begründet Simmel die Sozialpsychologie. Im gleichen Jahr heiratet er Gertrud Kinel, mit der Simmel ein Jahr darauf seinen ersten und einzigen Sohn Hans bekommt. In seinem Aufsatz von 1894 über "Das Problem der Soziologie", entwirft Simmel das Programm der Soziologie als selbständige Wissenschaft. In seinem Werk "Philosophie des Geldes" aus dem Jahr 1900, thematisiert Simmel die Vervielfachung unpersönlicher Beziehungen in modernen Gesellschaften und die zwiespältigen Konsequenzen für das Individuum. Jene Schrift gilt als Simmels Hauptwerk, auch wenn einige andere bedeutende Schriften folgen. Ein Beispiele dafür wäre der Aufsatz über "Die Großstädte und das Geistesleben" (1903). In diesem zeichnet Simmel idealtypisch das Bild beschleunigter Lebenszusammenhänge in der Moderne und erweist sich damit als ein scharfsinniger Gegenwartsanalytiker seiner Zeit. Und mit der Schrift von 1908, "Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung", etabliert Simmel mit seiner Formanalyse die Mikrosoziologie, die erstmals auch Objekte des Alltagslebens wissenschaftlich erörtert.

1911 wird Simmel die Ehrendoktorwürde von der Freiburger Universität für Staatswissenschaften verliehen. 1918 stirb Simmel in Straßburg.1

3.) Die Wertegewinnung durch das Geld und Geld in den Zweckreihen

Unmittelbar zu Beginn des dritten Kapitels (Unterpunkt II), stellt Simmel fest, dass Geld für den Menschen so ungemein wichtig ist, weil sie durch eben dieses Werte erlangen können. Auch wenn das Geld nur als Mittel zur Werteerlangung dient.2

Diese These ist von enormer Wichtigkeit für das Verständnis im weiteren Verlauf. Geld beschreibt Simmel, „[...] als das absolute Mittel und dadurch als Einheitspunkt unzähliger Zweckreihen [...] “ .3

Simmel versucht die Begrifflichkeit „Zweck“ anschaulich zu erläutern, da er relativ abstrakt im Raum zu schweben scheint. Laut Simmel hat jeder Mensch ein „erhebliches Quantum gespannter Energie“ und ihre allmähliche Entladung , die in eine ganz bestimmte Richtung lenkt, ist somit „[...] eine Konstellation, die sich formal identisch auch an nebensächlichen und verwerflichen Interessen verwirklicht.“ Diese reale, physisch-psychische Potentialität, wenn sie sich im begrifflichen Bewußtsein spiegelt, ist laut Simmel als Zweck gemeint.4

Der Wert des Endzwecks ist dabei stets absolut, der Wert der Mittel hingegen ist relativ zu betrachten.

Die Kreierung eines Endzwecks erfolgt daher durch eine spontane Willenstat. Die dazu benötigten Mittel werden jedoch allein durch theoretische Erkenntnis erlangt. Das bedeutet, unsere Bestrebungen sind relativ, unsere Endzweckidee hingegen ist wie erwähnt absolut. „Wenn der Endzweckcharakter des Geldes für ein Individuum diejenige Intensität übersteigt, in der er der angemessene Ausdruck für die Wirtschaftskultur seines Kreises ist, so entstehen die Erscheinungen der Geldgier oder des Geizes“.1

Simmel vergisst bei der Aufstellung dieser These einen wichtigen Punkt nicht: Sowohl Geldgier als auch Geldgeiz werden von verschiedenen Wirtschaftskreisen unterschiedlich stark oder schwach festgelegt. Er schreibt dazu „[...] weil eben dasselbe absolute Maß von Leidenschaft im Erwerben und im Festhalten des Geldes bei einer gewissen Bedeutung des Geldes durchaus normal und adäquat sein kann, bei einer anderen aber jenen hypertrophischen Kategorien angehören mag.“2

Er meint also, in einer Kultur, deren Wirtschaft modern und dynamisch ist und damit auch die Geldwirtschaft, liegt die Grenze der Geldgier beispielsweise eher sehr hoch. Während im Gegensatz dazu die Grenze der Geldgier in primitiven, weniger dynamischen Wirtschaftsverhältnissen eher tief liegt. Simmel führt dies weiter aus mit: „[...] wer in engen und wenig geldwirtschaftlich bewegten Verhältnissen als sparsam und rationell in Geldausgaben gilt, wird in großen Verhältnissen des schnellen Umsatzes, des leichten Verdienens und Ausgebens bereits als geizig erscheinen. Schon daran zeigt sich, was später noch deutlicher werden wird, daß Geldgier und Geldgeiz keineswegs zusammenfallende Erscheinungen sind, wenn sie auch die gleiche Grundlage, die Wertung des Geldes als absoluten Zweckes, teilen.“3

3.1.) Verschwendung

Unter Verschwendung verstehen wir im Allgemein ein schnelles Verbrauchen oder Ausgeben von etwas (wie beispielsweise Ressourcen, Geld usw.), dass im Normalfall länger Bestand hätte haben können. „Zu rasches Ausgeben“ klingt zunächst einmal wie das Gegenteil von „unnatürlich viel ansammeln“. Doch das Phänomen der Verschwendung ist paradoxer Weise dem Phänomen des Geizigen gar nicht so unähnlich, findet Simmel. Die Verwandtschaft beider Prozesse veranschaulicht der Soziologe anhand einem Beispiel aus der Zeit der naturalen Wirtschaft. Simmel meint, die geizige Konservierung der Werte mit deren Natur, war mit der begrenzten Möglichkeit der Aufbewahrung der landwirtschaftlichen Produkte nicht vereinbar. So brüstete sich beispielsweise Petrus Martyr mit Kakaosäcken, die den alten Mexikanern als Geld dienten, weil sie nicht lange angehäuft und verborgen aufbewahrt bleiben konnten wie es beim Geld der Fall ist.1 Aus diesem Grund wurde die Entstehung von Geiz ganz automatisch vermieden, da er erst gar nicht entstehen konnte. Und „ganz entsprechend beschränken naturale Verhältnisse die Möglichkeit und den Reiz der Verschwendung“.2

Simmel ist davon überzeugt, dass mit dem Typus der Verschwendung niemand gemeint ist, der sein Geld in natura sinnlos verschenkt, sondern der es zu sinnlosen Käufen verwendet. Der Moment des Reizes überdeckt beim Verschwender die Schätzung des Sachwertes des Geldes einerseits, der Gegenstände andererseits.3

Das Endglied der Zweckreihe ist beim Verschwender der Genuss. Schlussfolgernd bedeutet das: Für den Geizigen ist das Geld besitzen sein Selbstzweck, für den Verschwender ist Geld ausgeben sein Selbstzweck. Das bedeutet, für beide spielt das Geld also eine wesentliche Rolle in der Erfüllung ihres Selbstzweckes.4 Simmel schreibt dazu: „Es ist deshalb sehr deutlich zu beobachten, daß die Gleichgültigkeit gegen den Geldwert, der das Wesen und den Reiz der Verschwendung ausmacht, dies eben doch nur dadurch kann, daß dieser Wert als etwas Empfundenes und Geschätztes vorausgesetzt wird.“5

3.2.) Geiz und Gier

Die nächsten psychologischen Phänomene in der Geldwirtschaft welche ich näher betrachten möchte, ist der Geldgeiz und die Geldgier. Vom Phänomen der Verschwendung, lässt sich umgehend auf das Phänomen der Geldgier lenken. Denn genau dieselbe Maßlosigkeit die der Verschwender zum Ausdruck bringt, spiegelt sich ebenso beim Charakter des Geldgierigen wider. „Die bloße Möglichkeit, die sie statt des Genusses der Wirklichkeiten sucht, geht an und für sich ins Unendliche und findet nicht wie dieser, äußere und innere Gründe ihrer Einschränkung. Wo die Habsucht die ganz positiven, von außen kommenden Fixierungen und Haltpunkte fehlen, pflegt sie sich ganz formlos und mit wachsender Heftigkeit zu ergießen.“6

[...]


1 Ein Beispiel dafür wäre: Duden Schülerlexikon, Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim (2007) oder http://de.wikipedia.org/wiki/Geld (letzter Zugriff: 2. Oktober 2013).

1 Das gesamte Kapitel wurde wörtlich entnommen oder umgeschrieben aus: http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/SimmelGeorg/ (letzter Zugriff: 2. Oktober 2013)

2 Simmel, S. 333 f.

3 Simmel, S. 349.

4 Simmel, S. 338.

1 Simmel, S. 352.

2 Ebd.

3 Simmel, S. 352 f.

2 Ebd.

1 Simmel, S. 369.

3 Simmel, S. 370.

4 Ebd.

5 Simmel, S. 370 f.

6 Simmel, S. 371 f.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656919087
ISBN (Buch)
9783656919094
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294178
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Philosophisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
blick philosophie geldes georg simmel psychologische prozesse geldwirtschaft gier geiz verschwendung überlegungen unterformen

Autor

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Titel: Ein Blick in die   „Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel. Psychologische Prozesse in der Geldwirtschaft