Lade Inhalt...

Unterschiede in der Informationsverarbeitung. Cognitive Styles

von Aaron Matthiesen (Autor) Judith Brauer (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 20 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wahrnehmen und Interpretieren

3 Lernen

4 Voraussetzen von Wissen

5 Organisieren von Information

6 Denkstile
6.1 Denkformen
6.2 Bezugsrahmen
6.3 Feldabhängigkeit
6.4 Kategorisierung
6.5 Denkmuster

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Globalisierung nimmt immer mehr zu und wird gleichzeitig immer wichtiger.

Verschiedene Staaten auf der Welt handeln miteinander, arbeiten politisch zusammen und engagieren sich gemeinsam für die Umwelt. Auch der globale Tourismus nimmt immer weiter zu und wird immer beliebter. Dabei kommunizieren Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander. Bei dieser interkulturellen Kommunikation können schnell Missverständnisse entstehen. Um diese zu vermeiden, ist es wichtig, sich mit den Unterschieden in der Kultur zu befassen. Neben bekannten kulturellen Unterschieden, wie z. B. Unterschieden in Verhaltensweisen, gibt es auch Unterschiede in der Informationsverarbeitung.

Menschen verschiedener Kulturen nehmen Information unterschiedlich wahr und interpretieren sie unterschiedlich. Auch das anschließende Verarbeiten der Information, also das Lernen, verläuft unterschiedlich. Außerdem gibt es Unterschiede im Voraussetzen von Wissen, im Organisieren von Information und auch in den Denkstilen.

Es stellt sich die Frage, auf welche Weise diese Unterschiede von der Kultur bestimmt werden und wie man diese Unterschiede möglicherweise veranschaulichen kann, um sie zu vergleichen. Denn erst durch die Veranschaulichung und den Vergleich ist es möglich, die Unterschiede zu erkennen und darauf einzugehen, damit es nicht zu Missverständnissen und Problemen in der interkulturellen Kommunikation kommt.

2 Wahrnehmen und Interpretieren

Der erste Schritt der Informationsverarbeitung ist das Wahrnehmen und Interpretieren von Information. Schon im Wahrnehmen und Interpretieren gibt es kulturelle Unterschiede, was zunächst seltsam erscheint.

Denn zunächst liegt der Gedanke nahe, dass die Welt durch die Sinne wahrgenommen wird und die Sinne dabei zweifellos alles so wahrnehmen, wie es wirklich ist. Doch beim Wahrnehmen spielen nicht nur die Sinne eine Rolle, sondern auch die Verknüpfung zu psychologischen Bereichen, wie z. B. ÄAufmerksamkeit, Denken und Sprechen, Lernen, Erinnerung, Emotionen u.a.“ (Maletzke 1996: 48). Es wird nicht passiv, sondern aktiv wahrgenommen. Aus der großen Menge des Wahrgenommenen wird jeweils zwischen Wichtigem und Unwichtigem, Bedeutsamem und Belanglosem, in Figur und Grund unterschieden. Das bedeutet, dass der Mensch nicht alles mit gleicher Aufmerksamkeit wahrnimmt. Einigen Objekten schenkt er viel Aufmerksamkeit, er behält sie in Erinnerung, denkt darüber nach oder spricht darüber, während er andere Objekte nur ganz peripher oder auch gar nicht wahrnimmt. (ebd.)

Bei der Unterscheidung, inwieweit etwas wahrgenommen wird, ist die persönliche Erfahrung maßgebend. Diese wird von der gesamten Persönlichkeit bestimmt, welche wiederum von Sicht und Denkweisen geprägt ist. Die Sicht und Denkweisen werden von der materiellen und kulturellen Umwelt bestimmt. Die kulturelle Umwelt bestimmt also letztendlich, welche Bedeutsamkeit ein Objekt für einen Menschen hat. Mit welcher Aufmerksamkeit der Mensch etwas wahrnimmt, hängt von der Bedeutsamkeit für die Person ab. ÄWahrnehmen ist also nicht nur biologisch bedingt, sondern in hohem Maße sozial und kulturell überformt“ (ebd.). Also nehmen die Menschen je nach Kultur auf unterschiedliche Weise wahr. (ebd.: 48-49)

Veranschaulichen lassen sich die Unterschiede im Wahrnehmen und der Interpretation des Wahrgenommenen, wenn man in Figur und Grund unterscheidet. Das Unterscheiden von Figur und Grund kann man sich wie folgt vorstellen: Zeichnet man beispielsweise einen Kreis auf ein Blatt Papier, kann man das Innere des Kreises als Figur sehen, die sich vom Rest des Blatts abhebt. Der restliche Platz auf dem Blatt Papier wäre dann als Grund zu bezeichnen. (Stewart/ Bennett 1991: 25-26)

Lernen

Das folgende Beispiel zeigt, dass die Wahrnehmung von Figur und Grund, das Interpretieren von Information, von der individuellen Erfahrung und der Umwelt bestimmt wird: Für einen Touristen, der am Strand der Insel Guram spazieren geht, ist es schwierig, einen Stein zu erkennen, der von den Einwohnern der Insel als Werkzeug genutzt wurde. Alle Steine sehen auf dem ersten Blick gleich aus. Die Einwohner der Insel hingegen sehen auf dem ersten Blick, welche der Steine Werkzeuge sind. Je nachdem wie man eine Figur oder ein Objekt wahrnimmt, kann es auch noch weiter differenziert werden. Während ein Skiläufer vor dem Laufen den Schnee als Puderschnee oder Packschnee wahrnimmt, nimmt ein Nicht- Skiläufer nur Schnee wahr und unterscheidet nicht weiter. (ebd.: 26)

Auch die Erinnerungsfähigkeit beruht auf der Bedeutung bzw. Wichtigkeit von Objekten in einer Kultur. Hirten in Swaziland z. B. können sich an alle Details von Kühen erinnern, die sie zuvor nur einmal vor Jahren gesehen haben. Dagegen wären diese Hirten wahrscheinlich erstaunt darüber, dass z. B. Westeuropäer sich an Straßen erinnern können, die sie nur einmal gesehen haben. (Maletzke 1996: 49)

Auch die Wahrnehmung von Farben ist von der Kultur abhängig. Menschen unterschiedlicher Kulturen nehmen in einer bestimmten Situation unterschiedlich viele Farben wahr. Je mehr Bedeutung eine Farbe in dem Leben des jeweiligen Menschen hat, desto mehr Farbnamen gibt es dafür. Im Gegensatz zu Deutschen etwa, die nur die Farbe weiß für Schnee haben, können die Inuit dem Schnee mehrere Farben zuordnen. (ebd.: 50) Neben der Wahrnehmung durch Sehen wird auch die Wahrnehmung durch den Tastsinn kulturell bestimmt. So achtet man in Japan z. B. bei der Herstellung von Vasen darauf, dass die Vasen nicht nur gut aussehen, sondern sie sich auch gut anfühlen. Wenn sie sich gut anfühlen, bedeutet es, dass der Handwerker die Vase mit Liebe hergestellt hat, was der Käufer sehr schätzt. In Deutschland hingegen wird beim Kauf einer Vase nur auf das Aussehen geachtet. (ebd.: 52)

3 Lernen

Der Prozess, wahrgenommene Informationen zu verarbeiten, daraus eine Bedeutung zu erschließen und diese dann zuletzt auf neue Situationen übertragen zu können, wird gemeinhin als Lernen verstanden. Dieser Lernprozess wird jedoch von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst, nämlich sowohl von Denkstilen als auch von Lernstilen, die individuell vollkommen unterschiedlich sein können.

Im folgenden Kapitel sollen Unterschiede der kognitiven Abläufe beim Lernen erläutert werden, während auf Einflüsse psychologischer Merkmale, des Vorwissens oder der mentalen Fähigkeiten nicht weiter eingegangen wird.

Lernen

Als verschiedene Lernstile werden die individuell bevorzugten Formen des Lernens bezeichnet; man wählt oder vielmehr entwickelt unbewusst einen Lernstil, den man für sich persönlich als passend erachtet. Dieser eigene Stil lässt sich mithilfe von Fragen zu persönlichen Lernpräferenzen zuverlässig einordnen, welche von der jeweiligen lernenden Person beantwortet werden. Darin unterscheiden sie sich auch von den Denkstilen, welche sich durch Verhaltenstests ermitteln lassen. Lernstile können somit als angewandte Denktstile bezeichnet werden. (Jonassen/ Grabowski 1993: 233)

Das Ziel der Untersuchungen ist es, die auftretenden Unterschiede beim Lernverhalten nicht durch die unterschiedlichen Kompetenzen und mentalen Fähigkeiten der Lernenden, sondern durch die Unterschiede in den Lernprozessen zu begründen. Mit Wissen darüber soll durch eine Anpassung der Lehrenden eine bessere Förderung des einzelnen Lernenden ermöglicht werden. (Luo/ Kück 2011: 38)

Einige Theorien zu Lernstilen basieren auf Fragebögen in verschiedenem Umfang, so etwa das von Joseph Hill in den 1960er und 1970er Jahren entwickelten Style Mapping (Jonassen, Grabowski 1993: 235-241). Laut Hill ergibt sich der Lernstil aus vier Dimensionen:

- Der Weg, über den das Lernen am effektivsten ist, etwa über Hören, Lesen etc. (Symbols)
- Personen, deren Lernverhalten zur Orientierung dient (kulturelle Beeinflussung)
- Die Art, neue Informationen mit vorhandenen abzugleichen und zu verknüpfen, etwa durch Einordnen in Kategorien, das Vergleichen unter ausgewählten Gesichtspunkten, oder durch Herstellung von möglichst vielen Beziehungen der Sachverhalte
- Der Prozess der Übertragung von Informationen ins Gedächtnis

Insgesamt stellt Hill 28 Variablen auf, aus denen eine Kombination den jeweiligen Denkstil bestimmt. Ein Fragebogen, welcher zu jeder Variable jeweils acht Fragen mit je drei Antwortmöglichkeiten bietet, ermöglicht eine genaue Einordnung des persönlichen Denkstils. Eine Schlussfolgerung dieser Analysen, die belegen, dass Lernende sehr verschiedene Lernmethoden bevorzugen, ist, dass lehrende oder begleitende Personen sich auf die unterschiedlichen Anforderungen einstellen können und dies den Lernerfolg maßgeblich beeinflusst.

Voraussetzen von Wissen

Einen etwas anderen Ansatz verfolgt David Kolb bei seiner 1984 aufgestellten Einteilung in vier Lernstile. Laut ihm umfasst der Lernprozess vier Phasen: das Sammeln konkreter Erfahrungen, das reflektierende Beobachten, das Bilden eines Erklärungsansatzes und das Überprüfen dieses Ansatzes in der Praxis. Es gibt jedoch sowohl beim Sammeln von Erfahrungen (eher abstrakt oder eher konkret) als auch beim Verarbeiten der Erfahrungen (abstraktes Nachdenken oder praktisches Anwenden) unterschiedliche Typen. Aus der Kombination der beiden Herangehensweisen ergeben sich wiederum vier Lernstile bzw. Lerntypen:

- Divergierer, die Situationen bevorzugt konkret erleben, dann aber analytisch von mehreren Seiten betrachten
- Assimilierer, die Information bevorzugt in Form von abstrakten Konzepten aufnehmen und auch logisch durchdenken. Sie stellen daher eher (wissenschaftliche) Theorien auf, als sie praktisch umzusetzen.
- Konvergierer, die zur Begriffsbildung abstrakte Informationen bevorzugen, diese dann aber praktisch umsetzen
- Akkomodierer, die durch Ausprobieren Erfahrungen sammeln und diese Erfahrungen auch praktisch anwenden. (ebd.: 249-252)

Obwohl eine empirische Studie an der Universität Jena darauf hinweist, dass beim Lernverhalten von deutschen Studenten gegenüber dem chinesischer Studenten durchaus Unterschiede erkennbar sind, werden Lernstile seit Beginn der Forschung auf dem Gebiet zwar als Modelle zur Klassifizierung individueller Unterschiede, jedoch fast ausschließlich losgelöst von interkulturellen Aspekten betrachtet. (Luo/ Kück 2011: 38)

4 Voraussetzen von Wissen

Dadurch, dass Menschen je nach Kultur andere Informationen wahrnehmen und interpretieren, sind folglich auch die Wissensbestände von Kultur zu Kultur unterschiedlich. Das führt dazu, dass je nach Kultur unterschiedliches Wissen beim Gesprächspartner vorausgesetzt wird. Das folgende Beispiel von Heringer zeigt, wie bedenkenlos Wissen beim Gesprächspartner vorausgesetzt wird:

Ä‚Brauchst du noch das Auto heute Abend?‘ ‚Ich muss nochmal ins Büro.‘

‚Gehst du oder fährst du?‘“ (2004: 132)

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656926443
ISBN (Buch)
9783656926450
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294888
Institution / Hochschule
Fachhochschule Flensburg
Note
2,0
Schlagworte
Cognitive Styles Informationsverarbeitung Kultur Interkulturelle Kommunikation Wahrnehmung Denkstile

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Unterschiede in der Informationsverarbeitung. Cognitive Styles