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Jugendsprache. Ein Vergleich nach drei Aspekten

Hausarbeit 2014 11 Seiten

Soziologie - Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Vergleich unterschiedlicher Formen von Jugendsprache
2.1 Vergleich nach Geschlechtern
2.2 Regionaler Vergleich
2.3 Vergleich: Schriftsprache und Sprechsprache

3 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Untersuchung von Jugendsprache nach linguistischen Gesichtspunkten ist ebenso faszinierend wie komplex. Kaum ein anderer Bereich der Sprache ist nach wie vor solch einem schnellen immerwährenden Wandel unterworfen, bringt wie am Fließband abgewandelte und völlig neue Wörter hervor und verwirft jene, die noch kurz zuvor noch in aller Munde waren. Dies wird auch belegt durch das Erscheinen zahlreicher wörterbuchähnlicher Publikationen wie „Das neue Wörterbuch der Szenesprachen“: „Immer wieder werden alte Wörter aus dem Sprachgebrauch verdrängt. Wer heute etwas dufte oder famos findet, ist nicht up to date und muss seinen Wortschatz vielleicht etwas PIMPEN [Hervorhebungen im Original], damit er wieder FRESH ist“ (Bathen et al. 2009: 7).

Wer jedoch glaubt, es handele sich beim Phänomen der Jugendsprache um eine bestenfalls einige Jahrzehnte junge Erscheinung, der irrt: Formen von Sprache, die zunächst exklusiv in Gruppen junger Menschen entwickelt und verwendet wurde, ist so alt wie das Selbstverständnis dieses Gesellschaftszweiges.

Wie Jugendliche heute bedurften die Studenten im 18. Und 19. Jahrhundert der Bindung untereinander: Sie lief u.a. über die durch spezifische Verkehrsformen gestiftete Freundschaft. Zugleich bedurften die Studenten der Abgrenzung nach außen: also der Abgrenzung gegen die Philister1 [Hervorhebung im Original]

(Henne 1986: 5)

Ist das Motiv für den Gebrauch einer Jugendsprache heute noch ein Ähnliches, so haben sich doch die Gruppen, die sich ihrer bedienen, ebenso wie das Vokabular grundlegend gewandelt. Schließlich nehmen zahlreiche äußere Faktoren Einfluss auf diejenigen, die „ihre“ Sprache – selten bewusst – gestalten, und führen dazu, dass es vermutlich unmöglich ist, von einer annähernd einheitlich verwendeten Jugendsprache zu sprechen.

2 Vergleich unterschiedlicher Formen von Jugendsprache

Die folgende Ausarbeitung wird sich mit der Differenzierung innerhalb der Jugendsprache beschäftigen. Dabei geht sie insbesondere auf Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten hinsichtlich geschlechtsspezifischer und regionaler Besonderheiten und geschriebener gegenüber gesprochener Sprache ein.

2.1 Vergleich nach Geschlechtern

Geht man davon aus, dass unterschiedliche Faktoren bei der Bildung einer kleingruppenspezifischen Jugendsprache eine Rolle spielen, so liegt es nahe, zunächst festzustellen, ob Abweichungen bereits durch das Geschlecht der Jugendlichen bedingt sind.

Dass dies in der Tat der Fall ist, wird deutlich an den jugendsprachlichen Bezeichnungen für das jeweils andere Geschlecht.

Außerdem werden in den verschiedenen Gesprächssituationen jugendtypische Bezeichnungen von Frauen wie „Tussi, Torte, Törtchen, Schnecke, (Sahne)Schnitte, Kirsche, Schnalle“ von den männlichen Sprechern nur in der Abwesenheit der bezeichneten Frau oder für eine ihnen gänzliche unbekannte weibliche Person verwendet. Für die ihnen bekannten und vertrauten Mädchen werden die aufgeführten Bezeichnungen nicht angewendet, da diese Mädchen sich ansonsten abgewertet und diskriminiert fühlen könnten. Aus diesem Grund werden Bezeichnungen wie Tussi oder Torte auch niemals für die eigene Freundin gebraucht.

(Neuland 1987: 58-82, zit. in Chun 2007: 34)

Es findet allerdings auch gleichermaßen von männlichen und weiblichen Jugendlichen, die der Mittelschicht zuzuordnen sind, eine kategorische Ablehnung bestimmter Bezeichnungen wie Schnalle, Braut oder Keule statt, da diese als zu primitiv und abwertend betrachtet werden (Chun 2007: 35).

Jegliche –in der Regel nicht unmittelbar anwesende– Mitglieder einer anderen Gruppe durch Zuweisen von Begriffen zu kategorisieren und dabei vor allem automatisch zu bewerten ist geradezu unabdingbar für ein stärkeres Gruppenverständnis. Speziell das Abwerten von Personen und Personengruppen mithilfe oftmals spontaner, aber in ihrer Wertung unmissverständlicher Wortneuschöpfungen erzeugt eine gefühlte Aufwertung der eigenen Gruppe. Mit diesem Phänomen, speziell auf eine Mädchengruppe bezogen, setzt sich auch Janet Spreckels Forschungsarbeit auseinander, in der sie unter anderem akkurat aufschlüsselt, wie in der exemplarischen Mädchengruppe gehäuft neue Wörter gebildet und verwendet wurden. So ist dort die -obwohl sonst für Jugendsprachen als typisch angesehene- Derivation nicht zum Einsatz gekommen, sondern vielmehr unterschiedliche Formen von Komposita; es entstanden etwa Dorf-Ganschta, Öko-Kiffer, Öko-Fritten-Lied, oder Möchtegern-Eminem2. Außerdem werden Namen von Figuren, welche innerhalb der Gruppe bekannt und mit einer negativen oder auch positiven Konnotation belegt sind, auf Personen im Umfeld angewendet; diese erhalten dann zur Charakterbeschreibung Titel wie Pumuckl, Britney3 oder Obi Wan4.

Den Ursprung der vorwiegend auftretenden Wortfelder (Medien, Sozialstilistik, Nationalität, Sexualität/ Geschlechtsrollenbilder) sieht Spreckels in dem unmittelbaren Handlungs- und Wahrnehmungsfeld der Sprechakteure begründet.

Weiterhin werden laut der Untersuchung Mittel zur weiteren Verstärkung des Gesagten benutzt, beispielsweise vorangestellt das Adverb voll und nachgestellt die Interjektion ey. (Spreckels 2006: 380-387)

Einen direkten Vergleich mit Eigentümlichkeiten der Ausdrucksweise männlicher Jugendlicher lässt Spreckels Arbeit allerdings nicht zu, da unweigerlich Ungleichheiten aufgrund unterschiedlichen Alters und sozialen Umfeldes auftreten würden.

Jedoch liegt eine Projektarbeit von Silke Gehrkens (1999: 22-24) der Universität Hannover vor, welche explizit die Unterschiede in der Kommunikation hauptsächlich 14- bis 15-jähriger Schülerinnen und Schüler aufzeigt. Im Folgenden werde ich wichtige Ergebnisse anführen, obgleich es der 1999 verfassten Arbeit inzwischen an Aktualität mangelt.

Zunächst ist laut der Arbeit die überwiegende Mehrheit befragter Schülerinnen und Schüler selbst der Auffassung, dass sich die Sprache von Jungen und Mädchen unterscheidet. Die Auswertung schließlich zeigt, dass Jungen nicht per se auf deutlich aggressiveres oder vulgäreres Vokabular zurückgreifen, wohl aber ihr Umfang an Schimpfwörtern aus dem Sexualbereich größer ist. Die Mädchen verwenden dezentere Begriffe für Umschreibungen von gutaussehenden Jungen oder des Wortes Flirten, Jungen äußern sich auch offensiver, wenn sie von anmachen, klarmachen und aufreißen sprechen Das Ergebnis der Studie deckt sich in Teilen auch mit der Beurteilung, die Germanistik-Studentin und Autorin Stephanie Pauli in einem Interview gibt: „In der Jugendsprache zeigt sich, dass Jungs wohl eine Art sprachliches Imponiergehabe innehaben und versuchen, sich durch einen stärkeren Gebrauch vulgärer und aggressiver Begriffe zu profilieren. Mädchen hingegen sprechen meist etwas gedämpfter.“(Jellen 2011: s. p.)

2.2 Regionaler Vergleich

Im Rahmen ihrer umfangreichen, 1999-2002 durchgeführten Studie spricht Eva Neuland (2003: s. p.) im Zusammenhang mit Differenzierung innerhalb der Jugendsprache von „soziolinguistischen Variablen“ und hält unter anderem in den Untersuchungsergebnissen auch fest, dass jugendtypische Ausdrucksweisen regional gebunden seien; es habe sich sowohl ein Gefälle in Nord-Süd-Richtung als auch ein Unterschied in der Sprache Ost- und Westdeutscher Jugendlicher feststellen lassen.

Weniger direkt im Zusammenhang mit Jugendsprache, als vielmehr allgemein mit dem Phänomen der Auswirkung von Urbanisierung auf den Sprachgebrauch setzt sich Else Hofmann (1963: 226-227, zit. in Barbour/ Stevenson 1998: 114) am Beispiel der hessischen Stadt Wetzlar und dem nahe gelegenen Dorf Nauborn auseinander. Vor allem junge Frauen und Männer bemühen sich der Studie von 1963 zufolge, mit dem Dorfleben auch den Dorfdialekt abzulegen, um sich mit den Städtern ebenbürtig zu fühlen.

Ähnliche Feststellungen stammen auch von Schönfeld (1994: 521, zit. in Androutsopoulos 1998: 30), der beschreibt, dass in die in Berlin von Jugendlichen gesprochene Sprache von zugezogenen Jugendlichen „als Sprache der Hauptstadt aber auch wegen ihres umfangreichen saloppen Wortschatzes eingeschätzt [wurde]“. Weiterhin sei die weitgehende Aneignung des Wortschatzes von Zugezogenen im Erwachsenenalter deutlich zögerlicher erfolgt, da bei diesen Integrationswillen von innen und der Gruppendruck von außen eine geringere Rolle spielen.

[...]


1 Generelles Feindbild, etwa alle Nichtjugendliche an der Universität

2 Eminem: US-amerikanischer Rapper

3 Britney Spears: US-amerikanische Popsängerin

4 Obi-Wan Kenobi: Figur aus der Science-Fiction-Filmreihe Star Wars

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656927099
ISBN (Buch)
9783656927105
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v294889
Institution / Hochschule
Fachhochschule Flensburg
Note
1,0
Schlagworte
Jugendsprache Unterschiedliche Formen von Jugendsprache

Autor

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