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Formen der Konfliktregelung und Peacebuilding

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Soziologie - Krieg und Frieden, Militär

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konflikt – Eine Definition

3. Konfliklösungsstrategien
3.1 Konfliktmanagement
3.2 Konfliktlösung
3.3 Konflikttransformation

4. Ethische Gesichtspunkte und Anwendungsgebiete

5. Fazit

Literaturangaben

1. Einleitung

„Ein Weg, einen Konflikt zu lösen, ist, ihn zusammen zu überwinden. Dann kann man ihn immer noch aus dem Weg räumen.“

(Joachim Panten (1947-2007), deutscher Aphoristiker und Publizist)

In Zeiten, die von Konflikten geprägt sind, sind organisierte Präventionsmaßnahmen unabdingbar, um den Frieden gewährleisten und aufrechterhalten zu können. Diese werden meist durch Drittparteien geregelt, die den Konfliktparteien unterstützend zur Seite stehen und darauf bedacht sind, weitere Eskalationen zu unterbinden und den sogenannten peacebuilding-Prozess voranzutreiben. Dazu stehen diesen von den in Konflikt stehenden Parteien unabhängige dritte Parteien je nach Konfliktphase unterschiedliche Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung.

In dieser Arbeit soll zunächst geklärt werden, wie sich der Begriff „Konflikt“ definiert und wodurch Konflikte zwischen zwei oder mehr Parteien entstehen und welche Folgen diese für beide Seiten nach sich ziehen können.

Anschließend wird auf die Typologie der Präventionsmaßnahmen weiterer Eskalationen von Konflikten eingegangen, wobei Konflikte nach unterschiedlichen Merkmalen in spezielle Kategorien differenziert werden und dementsprechend von Drittparteien und deren Interventionsmaßnahmen angesprochen werden können. Konfliktmanagement, Konfliktlösung und Konflikttransformation sind hier die zentralen zu betrachtenden Ansätze.

Dazu werden letztlich Lösungsansätze zur Deeskalationen oder gar Beseitigung von Konflikten entweder durch die Konfliktparteien selbst oder durch die angesprochenen Drittparteien aufgezeigt sowie deutlich gemacht, wann welcher Ansatz am besten geeignet ist, um Konflikte beizulegen.

2. Konflikt – Eine Definition

Um einen besseren Einblick in die Konfliktregelung ermöglichen zu können ist es sinnvoll, zunächst zu erläutern, wie sich ein Konflikt überhaupt definiert.

Konflikte entstehen grundsätzlich dann, wenn Ziele zwischen zwei oder mehr Parteien inkompatibel erscheinen und sich gegenseitig ausschließen, wie zwei Staaten, die Anspruch auf das gleiche Land oder zwei Nationen, die Anspruch auf den gleichen Staat erheben. Auch immaterielle Aspekte wie ethnische und religiöse Uneinigkeiten können die Grundlage für Konflikte bilden (vgl. Tries und Reinhardt, 2008, S. 34). Wenn Ziele inkompatibel sind entstehen Widersprüche. Je grundlegender das Ziel, wie etwa Grundbedürfnisse und Interessen, desto frustrierter ist jeder Handelnde oder jede Partei, die ihre Ziele nicht erreichen kann. Diese Frustration kann in Aggression umschlagen in Form von verbaler und/oder physischer Gewalt nach außen: Hass und Gewalt können sich gegen jene richten, deren Ziele erfüllt wurden und damit die eigenen unerreichbar gemacht haben. Ziel dieser Gewalt ist dann, dem anderen Schaden zuzufügen. Dieser Sachverhalt kann sich zu einer Spirale kriegerischen Tätigkeiten wie Racheakten beider Parteien ausweiten, die letztlich über die eigentlichen Ziele der Verteidigung und Zerstörung hinausgehen.

Interessengegensätze äußern sich also in unterschiedlichem Maße und bedingen gleichermaßen das Verhalten der Konfliktparteien. Zwischen diesen drei Aspekten eines Konflikts – den Interessen, den Widersprüchen und dem letztlich dadurch begründeten Verhalten – besteht somit ein unlösbarer Zusammenhang.

Konflikte machen vorhandene Unterschiede deutlich. Trotzdem ist nicht jede Situation zwischen Menschen oder Gruppen mit unterschiedlichen Meinungen auch direkt ein Konflikt. Ein objektiver Unterschied zwischen den Beteiligten hat also nicht direkt einen Konflikt als Ergebnis. Zu dessen Entstehung muss vielmehr dieser objektive Unterschied von den Parteien auch subjektiv wahrgenommen werden und die vermeintliche Unvereinbarkeit der Interessen deutlich werden (vgl. Bundeszentrale für politische Bildung [bpb], 2012).

Obgleich diese subjektiven Unterschiede auch als Möglichkeit gesehen werden können, den eigenen Horizont zu erweitern und einen Einblick bzw. ein weitreichendes Verständnis für den Gesichtspunkt des Gegenübers zu schaffen, werden sie meist als „win-lose-Situation“ wahrgenommen (vgl. Fisher et al, 2000, S. 4). Dies führt zu Konkurrenz zwischen den Parteien. Unter Umständen wird beim Versuch, die andere Partei von der eigenen Stellung zu überzeugen oder sich schlichtweg gegen sie durchzusetzen, Druck ausgeübt oder Drohungen ausgesprochen. Diese Konfliktsituationen können sich dann weiter ausweiten und zum Kampf führen, der sich letztlich zum Krieg ausweiten kann (vgl. Baros & Jaeger, 2004, S. 224 f.). Dieser Verlauf von Konfliktdynamiken oder Eskalationsprozessen muss dabei jedoch nicht zwingend linear verlaufen. Vielmehr verlaufen Konflikte oftmals asynchron und können sich in Richtung und Dauer der Eskalation stark unterscheiden (vgl. ebd. S. 226 f.).

Um diesen Arten der Eskalation von Konflikten entgegenzuwirken lassen sich verschiedene Präventions- und Deeskalationsmaßnahmen anwenden, auf die im Folgenden genauer eingegangen werden soll.

3. Konfliklösungsstrategien

Unter Konfliktregelung versteht man den Prozess des Austragens, der Bearbeitung und bestenfalls der Lösung eines Konflikts. Genauer gesprochen liegt das eigentliche Ziel darin, die einem Konflikt zugrunde liegende Differenz der beteiligten Konfliktpositionen – sei es zwischen Menschen auf Mikroebene oder zwischen ganzen gesellschaftlichen Gruppen oder Staaten auf der Makroebene – zu verringern oder gar zu beseitigen und somit letztlich die Art, mit der ein Konflikt ausgetragen wird, insofern zu verändern, dass die zum Erreichen der eigenen Ziele eingesetzte Gewalt minimiert und Schaden begrenzt wird.

Diese Bemühungen, gewaltsame Eskalationen zu verhindern, sind somit grundlegend als ethisch positiv zu werden, da gleichermaßen auch immer der Versuch Hand in Hand geht, das Leid von Menschen zu verringern oder zu beseitigen, obgleich dieser Versuch der Konfliktlösung letztlich nicht prinzipiell ein „gutes Ende“ für beide Parteien zu bedeuten hat. Denn eine Lösung kann letztlich nur eine Beseitigung der Differenzen zwischen den Partien bedeuten, die nicht zwangsläufig für beide Seiten positiv sein muss (vgl. Meyer, 2011, S. 49f.).

Um in tief verwurzelten Konflikten zwischen Parteien eine Lösung zu finden, die für die Parteien gleichermaßen akzeptabel ist, wird der Fokus auf die sogenannte interaktive Konfliktlösung gerichtet. Diese interaktiven Konfliktlösungen sind am besten zu beschreiben als „Interventionen durch inoffizielle Drittparteien, mit denen Dialog, Konfliktanalyse und Problemlösung“ (Sommer und Fuchs, 2004, S. 482) zwischen den Vertreterinnen und Vertretern der Parteien, die miteinander in Konflikt stehen, gefördert werden soll.

Diese Drittparteien müssen dabei ganz bestimmte „Skills“ und Flexibilität mitbringen, um sich optimal an das entsprechende Stadium eines Konflikt anpassen und ihre Interventionsmaßnahmen bestmöglich darauf abstimmen zu können, um eine schnelle Lösung zu erzielen. In sogenannten „Workshops“ versuchen ausgesuchte und auf dem jeweiligen Gebiet geschulte Vertreter dabei, Ursachen und mögliche Lösungsansätze zu finden, die auf den Konflikt zugeschnitten sind. Durch den Austausch von Ideen und Erfahrungen wird auf diese Weise versucht, neue Lösungen für den expliziten Konflikt zu erarbeiten (vgl. Maiese, 2003).

Entsprechend dem aktuellen Fortschritt – oder dem Ausmaß der Eskalation – eines Konflikts lassen sich entsprechende Möglichkeiten sehen, einen Konflikt anzugehen und aufzulösen bzw. die Deeskalation zu beschleunigen und mögliche Anwendungen von Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Interessen vorzubeugen. Es handelt sich bei der Konfliktregelung also um Ergebnisorientierte Strategien, die auf eine „win-win“-Lösung für beide Seiten abzielen. Auf diese Weise soll der Konflikt transformiert werden, sodass Interessen verhandelbar werden und Gewalt beendet wird.

Die unterschiedlichen Interventionsmöglichkeiten durch Drittpartei werden im Folgenden explizit betrachtet.

3.1 Konfliktmanagement

Als Eskalation wird grundsätzlich die Verschärfung eines Konfliktverlaufs bezeichnet. Friedrich Glasl hat sich dieser Verläufe angenommen und ein neunstufiges Modell entwickelt, das er als „Kaskadenmodell der Konflikteskalation“ bezeichnet und mit dessen Hilfe sich der aktuelle Fortschritt eines Konflikts einordnen lässt. Ferner unterteilt Glasl die einzelnen Stufen der Eskalation in drei Ebenen. Wichtig ist dabei, dass beim Erreichen der jeweils nächsten Eskalationsebene „das eigene Verhalten und das des Gegners […] weiter eingeengt“ (Glasl, 2004, S. 234) wird, weil dem Gegenüber immer weniger Handlungsalternativen zur Verfügung stehen. Er unterscheidet zwischen geringer Eskalation, in der beide Parteien prinzipiell noch gewinnen können (win-win), mittlerer Eskalation, in der schon nur noch eine Partei gewinnen kann, während die andere verliert (win-lose) und hoher Eskalation, in der beide Seiten nur noch als Verlierer aus dem Konflikt heraustreten können (lose-lose).

Für jede Konfliktphase ergeben sich somit spezifische Interventionsmöglichkeiten durch die angesprochenen, unabhängigen Drittparteien, die letztlich eine Verbesserung von Wahrnehmung, Einstellungen und Verhaltensweisen der einzelnen Parteien erreichen sollen und den Verlauf des Konflikt verändern und zum Positiven wandeln sollen. Diese werden außerdem im Normalfall erst dann zurate gezogen, wenn Diplomatie auf offizieller Ebene gescheitert ist.

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668563247
ISBN (Buch)
9783668563254
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295015
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
krieg frieden konflikt konfliktlösung peacebuilding konfliktmanagement konflikttransformation

Autor

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Titel: Formen der Konfliktregelung und Peacebuilding