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Welche Fachkräfte braucht die Jugendhilfe?

Seminararbeit 2004 18 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Recherchenverlauf

3. Die Fachlichkeit in der Jugendhilfe

4. Welche Fachkräfte beschäftigt die Jugendhilfe? - Auswertung des Fragebogens -

5. Zukunftsvisionen von Ausbildungen in der Kinder- und Jugendhilfe – von der Fachschule bis zur Universität
- Eine Auswertung des Fachforums -

6. Die Sprachlosigkeit überwinden! - Neue Wege für die Fachkräfte in der Jugendhilfe
- Eine Auswertung des Fachforums -

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

Der 12. Deutsche Jugendhilfetag in Osnabrück war mit der Thematik „leben lernen“ sowohl ein Fachkongress wie auch eine Fachmesse nicht nur für, sondern auch mit Veranstaltern[1] aus dem Gesamtspektrum der Kinder- und Jugendhilfe.

Für die Universität Osnabrück bedeutete dies, dass in einer Seminarveranstaltung von Frau Prof. Müller-Kohlenberg einzelne Themenschwerpunkte des Jugendhilfetages herausgearbeitet wurden und vertiefend Betrachtung fanden. In diesem Rahmen habe ich mich mit einer Arbeitsgruppe dafür entschieden, die „Fachkräfte in der Jugendhilfe – Welche Qualifikationen benötigen sie?“ zu eruieren und in dieser Ausarbeitung als Diskussionsgrundlage für dieses weitläufige Thema zur Verfügung zu stellen.

Durch eine gezielte Fragebogenaktion und die Teilnahme an Fachforen konnten wir uns ein Bild machen, dass sowohl durch die Bestandsaufnahme, welche Fachkräfte zur Zeit in verschiedenen Jugendhilfeeinrichtungen tätig sind, wie auch durch den Ausblick bezogen auf die Zukunftsvisionen in den Ausbildungsstellen durch neue Ausbildungsformen für die Fachkräfte in der Jugendhilfe, geprägt wurde.

Wenn wir als Fachkräfte in der Jugendhilfe Kindern und Jugendlichen bei ihrer Sozialisation helfen wollen und sowohl begleitend wie auch fördernd unsere Aufgaben wahrnehmen, bleibt nicht aus, dass wir uns fragen müssen, wie es um unsere Fachlichkeit steht und welchen Einfluss unsere Professionalisierung für die jungen Menschen hat, da die Beziehungsarbeit zur Jugend ein Schwerpunkt ist, um überhaupt eine Förderung zur Selbstständigkeit und zur eigenverantwortlichen Persönlichkeit in unserem gesellschaftlichen Kontext zu ermöglichen und effektiv anzubieten.

2. Recherchenverlauf

Zur Bearbeitung haben wir einen Fragebogen entwickelt und diesen persönlich mit Vertretern der Einrichtungen der Jugendhilfe wie auch Ausbildungsstellen die sich mit einen Stand auf dem Markt der Jugendhilfe präsentierten, durchgearbeitet. Diese standardisierte Befragung haben wir bei 15 Einrichtungen und 5 Ausbildungsinstituten durchgeführt.

Ferner haben wir an zwei Fachforen teilgenommen, die sich mit den Themen „Zukunftsvisionen von Ausbildungen in der Kinder- und Jugendhilfe“ und „Die Sprachlosigkeit überwinden! Neue Wege für Fachkräfte in der Jugendhilfe“ beschäftigten.

Beim zweiten Fachforum war ich aktiver Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion und vertrat als Mitarbeiter einer Jugendhilfeeinrichtung und Sprecher der Heim-AG, Weser-Ems-Süd die Rolle eines Vertreters der freien Jugendhilfe.

3. Die Fachlichkeit in der Jugendhilfe - ein theoretischer Diskurs

Nach Krause haben Frauen und Männer, die im Bereich der Jugendhilfe tätig werden wollen, oftmals den Wunsch, eine sozial wichtige Aufgabe zu übernehmen und dies mit Engagement auszuüben. Viele von ihnen wollen Verantwortung übernehmen, so dass soziale Probleme durch ihre Tätigkeit einen sozialen Ausgleich finden. Mit ihrer positiven Grundhaltung zu jungen Menschen zeigen sie Interesse für den anderen. Ihr Engagement gekoppelt mit einer gewissen Neugier und Experimentierfreude setzen sie sich so für den Jugendlichen ein und wollen ihn fördern und fordern.[2]

Allerdings geht es dabei nicht mehr um die diakonische Aufopferung von vergangenen Zeiten oder um eine „geistige Mütterlichkeit“. Krause macht dies daran fest, dass besonders in städtischen Räumen kaum noch jemand bereit ist, als Pflegeeltern oder ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendhilfe tätig zu werden. Auch die SOS-Kinderdörfer beklagen einen starken Rückgang von Interessierten und geeigneten Personen für ihren Arbeitsbereich in der stationären Jugendhilfe für die sie sogenannte „Dorf-Mütter“ suchen.

Mitarbeiter in der Jugendhilfe sind heute zuallererst Fachleute, die Krause als „sozialpädagogische Fachkräfte“ bezeichnet, „die es verstehen, professionell Hilfe zu gestalten, ohne sich dabei als Person völlig vom Geschehen vereinnahmen zu lassen.“[3]

Die Professionalisierung findet zum Beispiel in folgenden Ausbildungsstellen statt:

Fachschulen > Erzieherausbildung

Fachhochschulen > Dipl.Sozialpädagogen/Dipl.Sozialarbeiter

Universitäten > Dipl.Pädagogen

Die Aufteilung dieser Berufe bezogen auf die Anzahl von Tätigen in der Jugendhilfe, hier im speziellen in der Erziehungshilfe, macht folgende Statistik[4] des Statistischen Bundesamtes per 31.12.1998 deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Mitarbeiter in der Jugendhilfe, die die Ausbildung zum Erzieher durchlaufen haben, sind mit 37,4 % die größte Gruppe der professionelle Mitarbeiter. Die Personen, die an der Fachhochschule studierten, sind allerdings mit 28,8 % ebenfalls als bedeutend anzusehen. Alle anderen Ausbildungszweige sind in der Jugendhilfe zwar vorhanden, aber nicht signifikant.

Die obige Erhebung macht ebenfalls deutlich, dass eine Professionalisierung in der Jugendhilfe vorhanden ist, da es nur 7,8 % Mitarbeiter gibt, die noch keine Ausbildung haben bzw. den Praktikantenstatus wahrnehmen.

Verfolgt man den Trend in der Bundesrepublik stellt Castello fest, dass 2002 schon 65.000 Mitarbeiter im Bereich der Jugendhilfe tätig sind und dass eine weitere Expansion stattfinden wird, wobei Castello den Beruf „Erzieher“ als prägendes Spektrum besonders in der stationären bzw. teilstationären Jugendhilfe sieht.[5]

Allerdings fordert Fthenakis, dass in die Professionalisierung der Fachkräfte investiert werden sollte. In Anlehnung an die meisten EU-Länder bedarf es nach Fthenakis in der mittelfristigen Perspektive eine Anhebung des Niveaus der Erzieherausbildung auf ein Fachhochschulniveau mit einem modernen Gesamtkonzept der Professionalisierung.[6]

Bei dem Konzept zur weiteren Professionalisierung darf aber auf keinen Fall aus den Augen verloren werden, dass wir es hier mit einer zweischneidigen Angelegenheit zu tun haben, da es häufig keine Teilung der Wünsche und Bedürfnisse der jungen Menschen parallel zur professionellen Arbeitsteilung gibt. Ich denke, dass es immer da destruktiv wird, wo die „Helfer“ emotionale Bedürfnisse befriedigen sollen, aber mit Versachlichung und Arbeitsteilung reagieren. Die Jugendlichen dürfen nicht in die Rollen des Hasen zwischen die Igel geraten, indem sie nie finden, was sie suchen, weil durch Schichtdienst, Mitarbeiterfluktuation oder Wechsel der Zuständigkeiten der Jugendliche weiterverwiesen wird. Wie soll ein junger Mensch, der von seinen Eltern getrennt leben muss, eine tiefere emotionale Bindung aufbauen, wenn er in Einrichtungen der Jugendhilfe jährlich mehr als zehn Erwachsene als professionelle Betreuer erleben muss?

Die Strategie der Professionalisierung beruht auf der Annahme, dass alle durch die Gesellschaft angerichteten emotionalen Schäden und Probleme rational durch geeignete Experten gelöst werden können. Dieses ist nach Schmidbauer ein Irrtum, der sich noch weiter verschleiert, da es diesen Experten hervorragend gelingt, immer neue Erklärungen dieser Probleme zu finden, und neue Methoden zu entwickeln, die angebliche „Fortschritte“ aufweisen sollen.[7]

[...]


[1] Nur zur Vereinfachung beim Lesen wählen wir die männliche Schreibweise.

[2] Krause, Hans-Ulrich; 2002; S. 120

[3] ebd.

[4] ebd.; S. 121

[5] Castello, Armin; 2004; S. 267

[6] Fthenakis, Wassilios; 2004; S. 233

[7] Schmidbauer, Wolfgang; 1996; S. 24

Details

Seiten
18
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638309974
ISBN (Buch)
9783638748483
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v29506
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Erziehungs- und Kulturwissenschaften
Schlagworte
Welche Fachkräfte Jugendhilfe

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Titel: Welche Fachkräfte braucht die Jugendhilfe?