Lade Inhalt...

Die Bedeutung des Factoring für mittelständische Unternehmen

Hausarbeit 2015 19 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung

2 Begriffe Mittelstand und kleine / mittlere Unternehmen (KMU)

3 Factoring
3.1 Funktionen des Factorings
3.1.1 Dienstleistungsfunktion
3.1.2 Finanzierungsfunktion
3.1.3 Delkrederefunktion

4 Arten des Factorings
4.1 Echtes und unechtes Factoring
4.2 Offenes und stilles Factoring

5 Factoring aus Sicht des Mittelstands

6 Entwicklung und Trend des Factorings

7 Vor- und Nachteile des Factorings

8 Fazit

Abkürzungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internet- Quellen

Abbildungsverzeichnis

Interview

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Die Finanzierung mittelständischer, deutscher Unternehmen zeichnet sich seit jeher überwiegend durch die Aufnahme von Bankkrediten aus. Doch aufgrund der sich in den letzten Jahren immer gravierend wechselnden Marktverhältnisse sowie der steigenden Anzahl der Insolvenzen zeichnet sich eine Änderung in der Finanzierungsart mittelständischer Unternehmen ab. Eine dieser Finanzierungsmöglichkeiten ist das so genannte Factoring, welches in Deutschland schon seit den späten 50er Jahren als Finanzierungsmittel angeboten wird, jedoch bis heute erst nach und nach seinen Einzug feiert.

1.2 Zielsetzung

Den meisten Interessenten für Unternehmensfinanzierung ist das Factoring als Fremdfinanzierung bekannt. Das es eine alternative Möglichkeit neben dem klassischen Kontokorrentkredit gibt. Die theoretischen und komplexen Eigenschaften von Factoring sind schwer zu erfassen. Deshalb liegt der Fokus dieser Seminararbeit beim Ablauf des Factorings im Geschäftsalltag eines mittelständischen Unternehmens. Sie soll den Leser mit den Grundlagen des Factoring vertraut machen. Sowohl Funktionen als auch Formen des Factorings sollen beleuchtet werden. Durch den direkten Einblick in die Praxis, soll dem Leser ein leichterer Zugang zur Komplexität ermöglicht werden. Das detaillierte Interview mit Herrn XY, Geschäftsführender Gesellschafter der XY GmbH, ist der Grundstein für einen umfassenden Einblick bezüglich der Praxis des Factorings in Deutschland. Darüber hinaus enthält das abschließende Fazit einen Ausblick und eine Empfehlung, welche sich unmittelbar auf das Interview und auf den Entwicklungen und Trends des Factoring Geschäfts in Deutschland beziehen.

2 Begriffe Mittelstand und kleine / mittlere Unternehmen (KMU)

Der Begriff "wirtschaftlicher Mittelstand" stellt eine Besonderheit in Deutschland dar. In allen übrigen Ländern spricht man von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)1, das bedeutet in aller Regel einen rein statistisch definierten Teil der Gesamtwirtschaft. Für die Begriffe "KMU", "Mittelstand" und "Familienunternehmen" gibt es keine allgemein gültige Definition. Hinsichtlich der KMU finden in Deutschland hauptsächlich zwei Definitionen Anwendung: die des IfM Bonn und die der Europäischen Kommission. Hinsichtlich der Definition von Mittelstand bzw. Familienunternehmen nutzt das IfM Bonn eine eigene Definition, die diesen Begriff sehr eng fasst. Das IfM 2 hat den Umsatz p.a. und die Mitarbeiteranzahl als Größen definiert. Beide Kennzahlen müssen zutreffen, dass sie in die jeweilige Klasse eingeordnet werden können. Als alternative Größe zum Jahresumsatz gibt die EU-Kommission die Jahresbilanz als Kenngröße an.3 Bei der IfM sind es mit der Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz zwei Klassen, während bei der EU-Kommission noch die Jahresbilanzsumme als dritte Klasse hinzu kommt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schwellenwerte der Unternehmensgrößen 4

3 Factoring

Den Verkauf von Forderungen an Dritte nennt man Factoring.5 Die Veräußerung von Forderungen aus L+L an Factoring Gesellschaften, auch Factor genannt6, ist im zweiten Buch des BGB beschrieben. Der erste Paragraph für Forderungsankäufe ist § 453 BGB. Dieser ermöglicht den Rechtskauf und verweist auf Vorschriften, die zur Anwendung kommen. Dadurch wird das Factoring gesetzlich als ein Kaufvertrag gesehen.7 Nach dem Kreditwesengesetz werden Factoring Gesellschaften als Finanzdienstleistungsinstitute gesehen8 und unterstehen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die BaFin setzt eine vertragliche Grundlage über den laufenden Ankauf von Forderungen zwischen der Factoring Gesellschaft und dem Factoring Klient (Forderungsverkäufer) voraus. Ein Erkennungsmerkmal von Factoring ist der fortlaufende Gattungskauf, während ein einzelner Forderungskauf nicht als solches bezeichnet wird.9 Eine weitere Abgrenzung des Factorings ist, dass vom Factor keine langfristigen Forderungen angekauft werden.10 Das Wesentliche ist das Dreiecksgeschäft zwischen dem Unternehmen, welches seine Forderungen verkauft, dem Factor und dem Debitor, der die offenen Forderungen zu begleichen hat. Durch den Verkauf der Forderung resultiert beim Klienten ein schneller Geldeingang. Die Rechte und Pflichten der Forderung gehen auf den Factor über und der Debitor begleicht diese an den Factor.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Schema des Factorings11

3.1 Funktionen des Factorings

3.1.1 Dienstleistungsfunktion

Folgende Dienstleistungen bietet ein Factor an: die Bonitätsprüfung der Debitoren, Führung der Debitorenbuchhaltung, das Mahnwesen, Inkasso mit Rechtsfolge, weitreichende Beratungen und Aufstellung von Auswertungen.12

Diese Dienstleistungen dienen dem Zweck der Realisierung der Forderung und bedeuten für den Factoring Klienten eine Reduktion von Aufwendungen in der Verwaltung.13 Dies ist individuell nach Wunsch des Klienten mit dem Factor zu vereinbaren.

3.1.2 Finanzierungsfunktion

Die sofortige Auszahlung der Forderungssumme vom Factor an den Klienten ist der Hauptaspekt des Factorings. Dies erfolgt noch vor der Fälligkeit. Die ausbezahlte Summe liegt für gewöhnlich bei 80-90% der tatsächlichen Forderung. Erst nach Begleichung der Rechnung vom Debitor an den Factor wird der Restbetrag an den Klienten freigegeben und ausbezahlt.14

Die Einbehaltung von 10-20% der Forderungssumme dient der Factoring Gesellschaft als Sicherheit für eventuelle Skonti, die vom Debitor in Anspruch genommen werden oder für eventuelle Mängelrügen, die geltend gemacht werden.15 Dieser Finanzierungseffekt bedeutet für den Factoring Nehmer zum einen, dass er mit Zustellung der Rechnung seine Liquidität erhöht und zum anderen wird die Dauer der Kapitalbindung verkürzt. Die Ursache der Kapitalbindung sind Zahlungsziele, die den Debitoren gewährt werden.16

3.1.3 Delkrederefunktion

Der Factor übernimmt durch die Delkredere- oder Versicherungsfunktion das gesamte Ausfallrisiko einer Forderung bei Zahlungsunfähigkeit des Debitors, ohne dabei den Klienten in Regress zu nehmen. Bei mangelhafter Leistung hat der Debitor die Möglichkeit den Klienten in Haftung zu nehmen.17 In diesem Fall erfolgt kein Ankauf der Forderung seitens des Factors und eventuelle Auszahlungen werden vom Factoring Nehmer zurückgefordert.18 Die Abgrenzung der Delkrederefunktion des Factorings zur Warenkreditversicherung liegt ausschließlich am nicht vorliegenden Selbstbehalt. Sollte der Debitor die Forderung nicht bezahlen, müsste der Versicherungsnehmer im Fall einer Warenkreditversicherung den Ausfall bis zu einem bestimmten Teil selbst tragen.19

Aus der Zusammenstellung einzelner Funktionen, die zwischen dem Factor und dem Klienten vertraglich vereinbart werden, ergeben sich unterschiedliche Arten des Factorings. Im Wesentlichen sind dies echtes und unechtes Factoring, offenes und stilles Factoring oder Mischformen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Die drei Funktionen des Factorings20

4 Arten des Factorings

4.1 Echtes und unechtes Factoring

Der größte Unterschied zwischen echtem und unechtem Factoring ist die Übernahme des Delkredererisikos seitens des Factors.21 Das Risiko des Forderungsausfalls wird bei echtem Factoring vom Factor und bei unechtem Factoring vom Factoring Nehmer getragen.22 Zumindest beim echten Factoring ist zwischen dem Factor und Factoring Nehmer die Delkredere- und Finanzierungsfunktion vertraglich geregelt und vereinbart. Ist zusätzlich die dritte Funktion der Dienstleistung vom Factoring Nehmer erwünscht, spricht man von Full Service Factoring.23 Wird die Dienstleistungsfunktion nicht in Anspruch genommen, spricht man von Inhouse Factoring. Die Debitorenbuchhaltung sowie das Mahnwesen verbleiben beim Factoring Klient.24 Diese beiden Factoring Verfahren bilden zusammen mit dem Fälligkeitsfactoring weit über 90% der in Deutschland vorzufindenden Varianten. Das Fälligkeitsfactoring, auch Maturityfactoring genannt, unterscheidet sich zu den beiden zuvor genannten Varianten im Wesentlichen dadurch, dass die Finanzierungsfunktion nicht gegeben ist. Der Factor bezahlt die Forderungen an den Factoring Nehmer erst bei Fälligkeit aus.25 Alle drei Varianten des echten Factorings bilden die Mehrheit in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Anteil Factoring Varianten 2013 26

Unechtes Factoring hingegen wird nur selten von Factoring Gesellschaften angeboten. Denn es kommt oft zur Kollision mit dem deutschen Recht und Rechtsprechungen. Einer der Hauptgründe ist, dass unechtes Factoring von der Rechtsprechung als ein Darlehen angesehen wird. Dies wiederum kollidiert mit dem KWG und der dort definierten Funktion eines Factors. Darlehen dürfen laut KWG nur von Banken gewährt werden. Factoring Gesellschaften hingegen sind Finanzdienstleister und keine Banken.27

4.2 Offenes und stilles Factoring

Beim offenen Factoring wird der Debitor über die Abtretung schriftlich informiert. Zudem wird dem Debitor mitgeteilt, dass er die Forderung direkt an den Factor ausgleichen muss.28 Dies hat für die Factoring Gesellschaft den Vorteil, dass sie direkt mit dem Debitor den rechtlichen Bestand prüfen kann. Stilles Factoring hingegen bleibt dem Debitor gegenüber verborgen, weil er keine Information über die Abtretung erhält. Diese Variante wird zumeist vom Factoring Nehmer wegen der Befürchtung eines Imageverlustes beim Debitor bevorzugt. Der Factor wird die stille Variante nur bei guter Bonität des Klienten anbieten, weil das oben genannte Risiko der fehlenden Verbindung zum Debitor besteht.29

5 Factoring aus Sicht des Mittelstands

Die praktische Anwendung von Factoring im Geschäftsalltag wurde von Herrn XY in einem Interview erläutert. Er ist Geschäftsführer eines mittelständischen Automotive Zulieferer Unternehmens in Sömmerda. Das Unternehmen greift seit fünf Jahren auf diese Finanzierungsart zurück und ist daher reich an Erfahrungen im direkten Umgang mit Factoring.

Auf die Frage, weshalb sich die Firma XY für die Finanzierungsart Factoring entschieden hat, folgte die Antwort, dass es zum Zeitpunkt der Einführung und auch im Laufe der Geschäftsjahre als ein sicheres, verlässliches Finanzierungsinstrument und alternative Absicherung bezüglich Forderungsausfall darstellt. Des Weiteren ist es eine Möglichkeit zur Finanzierung des Unternehmenswachstums neben Kontokorrentkreditlinien. Es wird ein schneller Zufluss an liquiden Mitteln und somit eine Stärkung bzw. Verbesserung der Liquiditätslage erwirkt.

[...]


1 Vgl. Günterberg B. und Wolter H.J. (2002) S. 1.

2 Vgl. Günterberg B. und Wolter H.J (2002) S. 13 f.

3 Vgl. EU-Kommission, Die neue KMU Definition (2005) Anhang Artikel 2.

4 Vgl. http://ec.europa.eu/enterprise/policies/sme/files/sme_definition/sme_user_guide_de.pdf (zuletzt aufgerufen am 25.10.2014).

5 Vgl. Schneck, O. (2006) S. 173 ff. (174).

6 Vgl. Bette, K. (1999) S. 1.

7 Vgl. §453 BGB; Vgl. § 433 BGB; Vgl. Schulz, U.G. (2002) S.10.

8 Vgl. KWG § 1 abs. 1a Satz 2 Nr.9.

9 Vgl. Wöhe, G./Bilstein, J./ Ernst, D./ Häcker, J. (2013) S.357; Vgl. Bette, K. (1999) S.16.

10 Vgl. ebd.: Bette, K. (1999) .

11 Vgl. Schwellenwerte http://www.factorfinance.de/factoring-kompetenz/factoringberater/factoringschema/ (zuletzt aufgerufen am 05.11.2014).

12 Vgl. Bette, K. (1999) S. 21

13 Vgl. Bette, K. (1999) S. 21

14 Vgl. Bette, K. (1999) S. 17 ff. (19)

15 Vgl. Schneck, O. (2006) S. 173 ff. (178)

16 Vgl. Wöhe, G./ Bilstein, J./ Ernst, D./ Häcker, J. (2013) S. 357

17 Vgl. §453 BGB ff.

18 Vgl. Bette, K. (1999) S. 19 ff. (21)

19 Vgl. Harms H. (2010) S.229 ff. (230)

20 In Anlehnung an: Harms H. (2010) S.228

21 Vgl. Schulz U. G. (2002) S.2; vgl. Hagenmüller K.F./ Sommer H.J. (1987) S.28; Vgl. Bette K. (1999) S. 1.

22 Vgl. Schneck, O. (2006) S.175.

23 Vgl. Harms H. (2010) S.234; Vgl. Jahresbericht 2013 vom Deutschen Factoring Verband (2014) S. 7.

24 Vgl. Bette K. (1999) S.48.

25 Vgl. Jahresbericht 2013 vom Deutschen Factoring Verband (2014) ebenda.

26 In Anlehnung an: Jahresbericht 2013 vom Deutschen Factoring Verband (2014) ebenda http://www.factoring.de/sites/default/files/JB%202013.pdf (zuletzt aufgerufen am 10.11.2014).

27 Vgl. Bette K. (1999) S.1 & S.44 ff (67). Vgl. BaFin Merkblatt: Hinweise zum Tatbestand des Factorings (2009).

28 Vgl. Hartmann-Wendels, T./ Moseschus A. M./ Wessel M. (2014) S.8.

29 Vgl. Harms H. (2010) S.234; vgl. Bette K. (1999) S.38.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656935063
ISBN (Buch)
9783656935070
Dateigröße
789 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295358
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Factoring Mittelstand

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Bedeutung des Factoring für mittelständische Unternehmen