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Sprache und Sprachreflexion im Rahmenlehrplan und Schulbuch in der DDR

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Schulbuch als Untersuchungsgegenstand
2.1 Merkmale des Schulbuchs
2.2 Funktionen des Schulbuchs
2.2.1 Außerschulische Funktionen
2.2.2 Allgemein-didaktische Funktionen von Schulbüchern

3. Die Schulbuchforschung
3.1 Schwerpunkte der Schulbuchforschung
3.2 Methoden der Schulbuchforschung

4. Untersuchung der Sprache und Sprachreflexion in der DDR
4.1 Aufbau des Schulbuchs „Muttersprache“ von 1960 und 1983 im Hinblick auf Sprachreflexion und Sprachbewertung
4.2 Die „Muttersprache“ der DDR in Klasse
4.3 Rahmenlehrplan von 1958 und
4.4 Beispielaufgaben aus dem Schulbuch „Muttersprache“ von 1960/1985 zur Sprache und Sprachreflexion

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Schulbuch ist im Allgemeinen ein Lehrwerk, das von den Schülern in der Schule genutzt wird. In der heutigen Schulbuchforschung ist der Gegenstand Schulbuch klar abgegrenzt. Ein Schulbuch ist für den Unterricht entwickeltes Lehr-, Lern- und Arbeitsmittel, entweder in Buch- oder Broschüreform.[1] Das bedeutendste Argument ist der Gebrauch insbesondere für den Schulgebrauch. Ferner hat ein Schulbuch die Aufgabe, den Lehrplan eines Faches in einer gewissen Schulart zu erfüllen, wobei es wenigstens den zu behandelnden Stoff eines ganzen Schuljahres oder eines Halbjahreskurs beinhaltet. Da es von den Schülern nicht nur in der Schule genutzt wird, sondern auch zu Hause, ist es ein Leitmedium. Die Fülle an verschiedenen Schulbüchern impliziert die Schulbuchanalyse.

Diese Seminararbeit untersucht die Sprache und die Sprachreflexion im Rahmenlehrplan sowie im Schulbuch der DDR. Dabei wird zuerst auf das Schulbuch als Untersuchungsgegenstand eingegangen, indem die Merkmale und Funktionen in einem Schulbuch kenntlich gemacht werden. Ferner wird die Schulbuchforschung im Allgemeinen definiert und erläutert und mit Hilfe von Schwerpunkten und Methoden der Schulbuchforschung eingegrenzt. In einem weiteren Kapitel wird dann speziell die Sprache und die Sprachreflexion in der DDR untersucht, indem der Aufbau des Schulbuchs von 1960 und 1983 kenntlich gemacht und verglichen wird. Als nächstes soll geklärt werden, was die Muttersprache leisten soll und wie diese Aufgaben von der Lehrkraft umgesetzt werden sollen. Um die Bestimmungen im Rahmenlehrplan mit den Umsetzungen im Unterricht analysieren zu können, wird in Punkt 4.3 der Rahmenlehrplan von 1951 und 1981 im Hinblick auf Sprache und Sprachreflexion beschrieben sowie miteinander verglichen. Des Weiteren werden Aufgaben und Übungen aus den Büchern „Muttersprache“ von 1960 und 1983 vorgestellt, so dass eine abschließende Untersuchung zur Sprachreflexion erfolgen kann.

Zur Schulbuchforschung gibt es ausreichend Literatur, speziell auch für die Thematik der Sprache und Sprachreflexion in Schulbüchern. Basis bilden hier die Aufzeichnungen von Laubig, Bamberger und Rauch als theoretische Grundlage. Die Methode erklärt sich gut mit Hilfe von Doll, Walter Wiater und Olechowski. Nicht minder von Bedeutung sind die Erkenntnisse von Bodo Friedrich, die Sprache und Sprachreflexion in Schulbüchern veranschaulichen. Für eine angemessene Analyse werde ich die Bücher vom Autorenkollektiv von 1960 und 1983 heranziehen. Die Arbeit schließt mit einer kurzen Zusammenfassung und einer Auswertung der Analysen.

2. Das Schulbuch als Untersuchungsgegenstand

Die heutige Theorie des Schulbuchs sollte sich der Aufgabe stellen, die politisch-sozialen und die pädagogisch-didaktischen Bestimmungsgrößen der Entfaltung, Benutzung und Auswirkung von Schulbüchern zu erfassen und diese Faktoren in ihrer wechselseitigen Anlehnung sehen.[2] Das Schulbuch unterstützt den Lehrer den zu vermittelnden Stoff beizubringen. Denn die Ausführungen des Lehrers ermöglichen den Schülern eine gute Aufnahme des Wissens. Wichtig ist, dass das Schulbuch förderliche Möglichkeiten und Strukturen bietet, um die Lehrfunktion dieses Buchs zu vermitteln. Mit der Zeit haben sich die Aufgaben eines Schulbuches verändert. Die Gründe sind zum einen geschichtliche Konzessionen und zum anderen die Zielvorstellungen der Bildung. Nicht minder orientieren sie sich an den vorgegeben Unterrichtszielen und an den Lehrplänen. Das Schulbuch gehört nach Richard Bamberger zur vierten bedeutenden Literaturgattung, in der nicht nur der Inhalt gegeben ist, sondern auch eine spezielle Form im Zusammenhang auf die methodische Darstellung für den Schüler entwickelt wird.[3] Der Inhalt ist für die Rezipienten, also der Schüler, didaktisch reduziert. Mit Hilfe inhaltlicher Anpassung an die kognitive Voraussetzung eines Schülers und durch die methodische Aufbereitung der Texte, kann das Verständnis dieser erleichtert und eine bestmögliche Wirkung erzielt werden.[4]

2.1 Merkmale des Schulbuchs

Ein Schulbuch kann als solches bezeichnet werden, wenn als Zeichenträger Papier verwendet wird und gebunden ist. Ferner stellt es ein Unterrichtswerk Lerninhalte systematisch geplant und methodisch dar. Dennoch weisen auch andere Bücher diese Merkmale auf, folglich ist zu erwähnen, dass ein Schulbuch „sich am institutionalisierten Lernen zwischen 6 und 18 Jahren im Rahmen der allgemeinbildenden Schule oder des Berufsschulwesens beschränken“[5]. Meist ist ein Schulbuch auf einen ganzen Jahrgang bezogen, wobei sich diese nach der Schulart unterscheiden.[6] Ein weiteres Merkmal des Schulbuchs ist die Vermittlung von Erfahrungen im Medium der Sprache, in der das Deuten von Bildern ebenso gelernt werden muss, wie das Lesen und Verstehen von Texten. Das Schulbuch speichert und dokumentiert zudem Erfahrungen und ist stets leicht verfügbar. Auch ist es unabhängig von Raum und Zeit.[7] Außerdem sagt Rauch, dass die Zulassung und Genehmigung öffentlich kontrolliert wird. Ein Schulbuch ist ferner ein „Leitmedium“. Dabei stellt sich die Frage, wie oft das Schulbuch im Unterricht verwendet wird und ob das Schulbuch als „Leitmedium von Kultusverwaltungen“[8] gefordert wird. Ein markantes Merkmal des Schulbuchs ist der Zusammenhang an das Schulfach. Denn nicht für jedes Fach wird die gleiche Form verwendet.

2.2 Funktionen des Schulbuchs

Die Funktionen eines Schulbuches können nach außerschulischen und didaktischen Funktionen unterschieden werden, wobei die didaktischen Funktionen nochmals in allgemeindidaktische und in spezielle Funktionen innerhalb des Sachunterrichts differenziert werden.[9]

2.2.1 Außerschulische Funktionen

Zu den außerschulischen Funktionen zählt die kulturelle Funktion des Schulbuchs, die politische Funktion und die ökonomische Funktion. Die kulturelle Funktion ist gekennzeichnet durch die öffentliche Darstellung, was in unserer Gesellschaft als korrekte Vorstellung von der Welt gelten soll und anerkannt ist.[10] Es werden bestimmte Themen als Erziehungsfunktion für die Schüler genutzt, andere jedoch, wie zum Beispiel die Bundeswehr nicht gelehrt werden. Ferner soll das Schulbuch einen Anreiz zur anderen Literatur geben und das Interesse zum Lesen aktivieren.

Nicht minder werden in Schulbüchern nach Rauch und Wuster politische Ziele verfolgt, welches durch die historische Schulbuchforschung zum Nationalsozialismus, nachgewiesen worden ist.[11] Die politische Funktion legitimiert sich zum einen durch Lernanforderungen und zum anderen durch das Schulbuch selbst. Die dritte und letzte außerschulische Funktion ist die ökonomische Funktion, in der das Schulbuch die „Blüte“ seiner Jahre verloren hat. Ferner sind die Kosten der Schulbücher für den Lehrer nicht nennenswert, da dieser von den Gebühren der Anschaffung befreit ist.

2.2.2 Allgemein-didaktische Funktionen von Schulbüchern

Es gibt zahlreiche allgemein-didaktische Funktionen des Schulbuches. Die Informationsfunktion besagt, dass der Lehrplan Aufgaben gibt, die der Lehrende im Unterricht umsetzen soll. Das Schulbuch hat die Funktion die Informationen des Lehrplans zu übermitteln. Dabei soll das Schulbuch Sachwissen, Verfahrensweisen, Norm- und Wertwissen vermitteln. Des Weiteren sichert das Schulbuch eine gewisse Vollständigkeit. Es wäre für den Lehrenden daher nicht einfach, ohne ein Schulbuch, über einen längeren Zeitraum zu unterrichten.[12] Eine weitere Funktion des Schulbuchs ist die Steuerungsfunktion. So kann es vorkommen, dass sich die Lehrer weitestgehend nach den Schulbüchern richten und die Lerhplanvorgaben außer Acht lassen. Weiter kann das Schulbuch auch Einstellungen und Werte der Schüler beeinflussen. Der Lehrer hat die Aufgabe den Schülern Rationalität, Objektivität und Problemoffenheit zu lehren. Dabei beziehen sich Rauch und Wuster auf Lichtenstein-Rother von 1971.[13] Die Übungs- und Kontrollfunktion ist die Motivation für Lernende und ergibt sich aus den variablen Übungen und Aufgaben im Schulbuch. Ein reiches Sortiment an Aufgaben sollte daher gegeben sein:

ein unterschiedliches Angebot an verschieden Methoden zur Lösung der Aufgaben. mannigfache Arbeitsformen (Einzel- oder Gruppenarbeit) und das Angebot zur Lösung der Aufgaben mit ungleichen Materialien, wie zum Beispiel Plakaten und Zeitungsausschnitten. Die interkulturelle Funktion bezieht sich auf die Entwicklung der Ausländerpädagogik. Die Themen in den Büchern greifen somit auch auf die Kultur ausländischer Lebenssituationen auf und vermitteln den Schülern ohne Migrationshintergrund eine andere Kultur.[14] Die Nutzung des Schulbuchs kann beispielsweise nicht nur in der Hauptschule genutzt werden, sonder auch in der Realschule und im Gymnasium. Es werden dabei verschiedene Schularten verbunden. Die letzte wichtige Funktion ist die Funktion der Fächerintegration zu nennen. Dabei wird ein integrativer Unterricht durchgesetzt, indem Formen und Inhalte der Außenbeziehungen des Sachunterrichts zu anderen Fächer der Grundschule Verwendung finden. Die Funktionen des Schulbuchs in DDR werden auf Information, Steuerung, Ergebnissicherung; Koordinierung, Stimulation und Rationalisierung beschränkt.[15]

3. Die Schulbuchforschung

3.1 Schwerpunkte der Schulbuchforschung

Schulbücher haben trotz des zahlreichen Medienzuwachs eine große Bedeutung für Schüler und Unterricht. Jörg Doll schreibt, dass Schulbücher auch eingesetzt werden, um Lehr- und Lernprozesse zu bilden.[16] Es wurden unterschiedliche Systeme für die Schulbuchforschung in den Jahren entwickelt, die mit der Zeit an Differenzierungen zunahmen. Beiträge zur Schulbuchforschung gab auch Werner Wiater preis, der das Schulbuch als „indirektes Mittel der staatlichen Beeinflussung des Schulwesens“[17] beschreibt. Er unterteilt die Schulbuchforschung in fünf Bereiche:

1. Schulbuchforschung als Teil der kulturhistorischen Forschung
2. Schulbuchforschung als Teil der Medienforschung
3. Schulbuchforschung unter fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Aspekten
4. Schulbuchforschung als Textanalyse-Forschung und
5. Schulbuchforschung als Teil historischer Quellenforschung.[18]

In Punkt 1 von Wiater geht es um das Schulbuch als Quelle für die Mentalitätsgeschichte, worin Lieder und Bilder aus der Vergangenheit und Gegenwart verglichen werden. Ferner werden Aspekte, wie Erziehung und Orientierung von Kindern und Jugendlichen durch Schulbücher im Wandel der Zeit aufgegriffen. Punkt 2 geht auf die Konzeption des Schulbuchs in der Vergangenheit und Gegenwart ein sowie das Schulbuch als Medium im Kontrast zu anderen Unterrichts- und Schulmedien. Nicht von minderer Bedeutung ist in Punkt 3 des Faches Deutsch aufgezählt, dass alle Bereiche der Unterrichtsfächer eine zentrale Rolle spielen, wie zum Beispiel der „Wandel der Familie“ und Volk und Nation“. Des Weiteren werden im vorletzten Punkt Analyseschwerpunkte auf Lesbarkeit und Schülerangemessenheit geprüft sowie die Lernformen. Der letzte Analyseschwerpunkt liegt in der historischen Forschung, in der man Erkenntnisse über Herrschaftsinstrumente des Staates und des Zeitgeistes gewinnt.[19]

[...]


[1] Vgl. Laubig, M./Peters, H./Weinbrenner, P (1986).: Methodenprobleme der Schulbuchanalyse. Bielefeld, S. 7.

[2] Vgl. Laubig/Peters/Weinbrenner, 1996, S. 33.

[3] Vgl. Bamberger, Richard: Methoden und Ergebnisse der internationalen Schulbuchforschung im Überblick. In: Olechowski, Richard (Hg.) (1995): Schulbuchforschung. Frankfurt a. M. u.a., S. 46.

[4] Vgl. Bamberger, 1995, S. 47.

[5] Rauch, Martin / Wurster, Ekkehard (1997): Schulbuchforschung als Unterrichtsforschung. Frankfurt a. M. u. a., S. 25.

[6] Vgl. Rauch, Martin / Wuster, Ekkehard, 1997, S. 26 f.

[7] Vgl. ebd., S. 26

[8] Ebd., S. 27.

[9] Vgl. ebd., S. 29.

[10] Vgl. ebd., S. 29.

[11] Vgl. ebd., S. 30.

[12] Vgl. ebd., S. 34.

[13] Vgl. ebd., S. 34.

[14] Vgl. ebd., S. 38.

[15] Vgl. Bamberger, 1995, S. 69.

[16] Vgl. Doll, Jörg [u.a.] (Hgg.) (2012): Zur Geschichte und zu den Forschungsansätzen der Schulbuchforschung. In: Schulbücher im Fokus. Nutzung, Wirkung und Evaluation. New York, S. 20.

[17] Wiater, Werner: Das Schulbuch als Gegenstand pädagogischer Forschung. URN: urn:nbn:de:bvb:384-opus4-58 , S. 3 [Stand: 23.10.2013].

[18] Ebd., S. 3-5.

[19] Vgl. ebd., S. 3-5.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656935971
ISBN (Buch)
9783656935988
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295486
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Deutsche Philologie
Note
1,3
Schlagworte
sprache sprachreflexion rahmenlehrplan schulbuch

Autor

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Titel: Sprache und Sprachreflexion im Rahmenlehrplan und Schulbuch in der DDR