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Kindheit im Wandel familiärer Lebensformen

Verschwinden einer Lebensphase

Hausarbeit 2015 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Begriffserklärungen
2.1 Kindheit
2.2 Familie

3. Familie im Umbruch
3.1 Strukturwandel der Gesellschaft
3.2 Familialer Wandel

4. Kindheit im Wandel
4.1 Überblick: vom Mittelalter bis zur Bildungsreform
4.2 Die moderne Kindheit
4.3 Kindheit „früher“ und „heute“ im Vergleich

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Draußen toben? Mit der Freundin „Himmel und Hölle“ spielen? Auf Bäume klettern? Vorbei. Unsere Kinder hocken drinnen, behütet von besorgten Eltern, und erleben keine Abenteuer mehr. Dabei lernen Kinder am besten, während sie die Welt erobern. (Hauser/ Schaper 2007, S.1)

Genau um diese Veränderung soll es in der vorliegenden Arbeit „Verschwinden einer Lebensphase – Kindheit im Wandel familiärer Lebensformen“ gehen. Es soll allerdings keine reine Aufzählung der Neuerungen in der Kindheit werden, sondern wir wollen uns vor allem damit beschäftigen, nach dem „Wieso“, „Weshalb“ und „Warum“ zu fragen. Aus diesem Grund beginnt die Arbeit mit Begriffserklärungen zu den Wörtern „Kindheit“ und „Familie“. Beides sind Wörter aus unserem täglichen Sprachgebrauch, doch eine griffige Definition haben wir nicht im Kopf. Dies soll hier in Punkt 2 geändert werden. Der dritte Punkt beschäftigt sich mit der Familie. Da Kinder ein Teil der Familie sind, schauen wir uns hier genauer an, welche Veränderungen die Institution Familie im historischen Verlauf mit sich brachte und vor allem, welche Auslöser hierfür verantwortlich sind – Stichwort gesellschaftlicher Wandel. Erst wenn wir klären, wie und durch welche Umgestaltungen sich die familialen Strukturen gewandelt haben, können wir auch den Wandel der Kindheit verstehen.

In Punkt 4 soll es sich vorerst um die historische Entwicklung der Kindheit drehen. Da wir den Rahmen dieser Arbeit überspannen würden, wenn wir alles ausführlich unter die Lupe nehmen, wird es hier einen kleinen Querschnitt des kindlichen Lebens im Mittelalter, in der Epoche der Aufklärung, während der reformpädagogischen Bewegung, der Weimarer Republik, in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Nachkriegszeit und während der Bildungsreform der 60er und 70er Jahre geben. Nachfolgend befassen wir uns mit der Kindheit heute. Hier werden wir Feststellungen dazu machen, was heute im Mittelpunkt der Lebensphase steht und welche Lebenswelten es für ein Kind in der heutigen Zeitgibt. Anschließend vergleichen wir die Kindheit „früher“ mit der Kindheit „heute“. Hierzu nutzen wir die Informationen, die uns über das kindliche Leben im Mittelalter zur Verfügung stehen und setzen sie ins Verhältnis zum Kinderleben ab dem Jahr 2000.

Im abschließenden Fazit werden noch einmal die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst und die anfängliche Frage, ob die Lebensphase Kindheit verschwindet, beantworten.

2. Begriffserklärungen

2.1 Kindheit

„Kind und Kindheit waren und sind nicht eindeutig definierbar, auch wenn verschiedene Lexika Definitionen vorgeben. Laut Brockhaus wird jeder Mensch von der Geburt bis zur Geschlechtsreife als Kind bezeichnet. Kindheit ist somit eine wichtige Phase, die vor allem durch geistig-seelische und körperliche Entwicklung gekennzeichnet ist.“ (Alberts; Heine 2009, S.6)

Die Geburt ist natürlich ein feststehendes Datum und damit ist ein genauer Beginn der Kindheit laut dieser Definition klar festgelegt, doch die Geschlechtsreife tritt bei jedem Kind zu einer unterschiedlichen Zeit ein, da sie eng mit dem jeweiligen Entwicklungsstand zusammen hängt. Aber auch diese Problematik greift die Begriffserläuterung auf: „Das Problem, das Alter als Definitionskriterium zu nennen wird deutlich, wenn man das genaue Alter bis wann ein Mensch Kind sei, bestimmen soll. Die überwiegende Mehrheit der Kinder zählt sich selbst bis zum elften Lebensjahr noch zum Kind und empfindet sich im 13. Lebensjahr als Jugendliche(r). Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen früher und später Kindheit. Neugeborene (bis zum zehnten Lebenstag), Säuglinge (bis zum ersten Lebensjahr), Kleinkinder (zweite bis dritte Lebensjahr) und Kindergartenkinder (dritte bis sechste Lebensjahr) werden der frühen Kindheit zugerechnet, während Schulkinder (siebte bis 14. Lebensjahr) der späten Kindheit angehören.“ (Alberts; Heine 2009, S.6)Nehmen wir also zum Vergleich eine Definition, die vordergründig auf die Eigenschaften von Kindern eingeht: „Kinder sind Menschen […], die an Lebenszeit und Jahren jung, an Kraft und Größe klein, an Wissen und Können arm, dafür überreich an Lernfähigkeiten und Entwicklungsmöglichkeiten sind, die zur Selbstversorgung und Fortpflanzung noch nicht fähig, rechtlich minderjährig, unter Aufsicht gestellt und abhängig sind, die wegen ihrer unabgeschlossenen Entwicklung nach den sozialen Normen ihrer jeweiligen Umwelt noch nicht als „mündig“, als „reif“, als „ausgewachsen“: eben noch nicht als erwachsen gelten.“ (Brinkmann 2008, S.5)

2.2 Familie

Auch das Wort „Familie“ gehört zu unserem täglich verwendeten Wortschatz. Doch was ist eine Familie? Mutter, Vater, Kind? Bildet dann also eine alleinerziehende Mutter mit ihren zwei Kindern keine Familie?

Die deutsche Soziologin Rosemarie Nave-Herz, die vor allem in der Familiensoziologie forscht, stellt drei Merkmale von Familie auf: „1. Die biologisch-soziale Doppelnatur aufgrund der Übernahme der Reproduktions- und zumindest der Sozialisationsfunktion neben anderen, die kulturell variabel sind, 2. ein besonderes Kooperations- und Solidaritätsverhältnis; denn über die üblichen Gruppenmerkmale hinaus (wie z.B. gemeinsames Ziel, begrenzte Zahl, Struktur, Wir-Gefühl) wird in allen Gesellschaften der Familie eine ganz spezifische Rollenstruktur mit nur für sie geltenden Rollendefinitionen und Beziehungen (z.B. Vater/Mutter/Tochter/Sohn/Schwester usw.) zugewiesen;[…], 3. die Generationsdifferenzierung. Es darf insofern hier nur die Generationsdifferenzierung (Also das Eltern- bzw. Mutter- oder Vater-Kind-Verhältnis) und nicht auch die Geschlechtsdifferenzierung, also nicht das Ehesubsystem, als essenzielles Kriterium gewählt werden, weil es zu allen Zeiten und in allen Kulturen auch Familien gab (und gibt), die nie auf einem Ehesubsystem beruht haben oder deren Ehesubsysteme im Laufe der Familienbiographie durch Rollenausfall, infolge von Tod, Trennung oder Scheidung, entfallen ist. Damit bilden alleinerziehende Mütter und Väter sowie Nichteheliche Lebensgemeinschaften mit Kindern auch Familiensysteme.“ (Nave-Herz 2009, S.15)

„Für sie [Nave-Herz] ist die Familie eine Verbindung, in der Eltern oder ein Elternteil mit ihren bzw. seinen Kindern zusammenleben, zumeist in einer Haushaltsgemeinschaft. Nave-Herz unterscheidet Drei-Generationen-Familie (Großeltern, Eltern, Kinder), Eltern-Familie und Ein-Eltern-Familie, hier wiederum die Mutter- und die Vater-Familie.“ (Rolff/ Zimmermann 2001, S. 19)

3. Familie im Umbruch

3.1 Strukturwandel der Gesellschaft

„Wenn man dem Wandel der Kindheit auf die Spur kommen will, reicht es nicht aus, dass man beobachtet, beschreibt und deutet, was Kinder tun, erleben, denken und fühlen, solange nicht dem individuellen Verhalten der Kinder die gesellschaftlichen Lebensverhältnisse gegenüber gestellt werden, in denen diese Kinder leben, erleben, denken, fühlen und heranwachsen.“ (Brinkmann 2008, S.4)

Aus diesem Grund soll es in diesem Abschnitt um strukturellen Wandel der Gesellschaft gehen. Es gibt natürlich viele verschiedene Faktoren und Auswirkungen auf die Gesellschaft. Daher erfassen wir hier nur einen kleinen Ausschnitt an Entwicklungen, die für die Kindheit als Lebensphase bedeutend sind.

„In den letzten 40 Jahren hat die deutsche Gesellschaft einen tiefgreifenden strukturellen Wandel erlebt. […] Wie kaum eine andere Entwicklung hat der demographische Wandel unsere Gesellschaft verändert und wird es künftig noch stärker tun. […][Beispielsweise waren 1950] gerade einmal 15 Prozent der westdeutschen Bevölkerung 60 Jahre und älter. Aktuell sind es rund 26 Prozent, im Jahr 2030 wird mehr als jeder dritte Bürger älter als 60 Jahre sein.“ (Bruttel 2012, S. 1)

Die drei großen Industrialisierungswellen in Deutschland haben aber auch noch andere Auswirkungen, als nur das Älterwerden der Gesellschaft. Auch der Anteil von Kinderlosen steigt und es gibt weniger Familien mit mehr als einem Kind als noch vor ein paar Jahren. Auch ist zu beobachten, dass es immer mehr Single-Haushalte gibt – aktuell sind es rund 40 Prozent aller Haushalte. Weiterhin wächst der Trend der Frauenerwerbstätigkeit. Natürlich gibt es noch Unterschiede dahingehend, ob eine Frau (bereits) Mutter ist oder nicht, aber nach heutigem Stand gehen mehr als zwei Drittel der Frauen arbeiten. Im Jahr 1980 waren es knapp 50 Prozent der Frauen. Ebenfalls festzustellen ist der Fakt, dass sich der Anteil von Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft an der Gesamtbevölkerung seit den 70er Jahren verdoppelt hat – er liegt bei rund neun Prozent. Die letzte Auswirkung der Industrialisierung, die hier genannt wird, ist nicht weniger wichtig als die anderen. Es geht um die soziale Differenzierung. Soziale Schichten entwickeln sich zunehmend auseinander. Salopp gesagt: die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. (vgl. Bruttel 2012, S.1f)

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Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656934929
ISBN (Buch)
9783656934936
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295503
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Schlagworte
kindheit wandel lebensformen verschwinden lebensphase

Autor

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Titel: Kindheit im Wandel familiärer Lebensformen