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Machiavellis staatsphilosophische Überlegungen. Motive zu „Il Principe“

Essay 2014 8 Seiten

Philosophie - Philosophie der Neuzeit (ca. 1350-1600)

Leseprobe

Einleitung

Die Fertigstellung der ersten Fassung unter dem ursprünglichen Titel „De Principatibus“ wird auf ca. 500 Jahre datiert. Es wurde posthum 1532 gedruckt. Niccolò Machiavelli (3. Mai 1469 - 22. Juni 1527) legt mit diesem Werk einen der einflussreichsten Texte in der Geschichte der politischen Philosophie vor. Er entwickelt darin eine Gebrauchs-anweisung für den politischen Statuserhalt in unterschiedlichen Szenarien und gibt angehenden sowie regierenden Herrschern einen Katalog von Empfehlungen an die Hand, wie sie ihren Einflussbereich halten, erweitern oder zusammenführen können. Seine Überlegungen stützen sich auf historische Beispiele sowie auf seine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen, die er insbesondere als Staatssekretär der Republik Florenz macht. Machiavelli beschreibt im „De Principatibus“ eine Systematik der ablaufenden Prozesse beim Ererben, Erwerben, Erobern, Übernehmen, Ausbauen, Konsolidieren und Verlieren von Macht und versucht die Mechanismen des Machterhalts für verschiedene Staats- und Regierungsformen zu operationalisieren (vgl. Il Principe, S. 242). Dabei konzentriert er sich auf die territorialen Fürstentümer Italiens, weshalb er seine Abhandlung wohl auch „De Principatibus – über die Fürstentümer“ nennt. Erst später erhält das Werk den Titel „Il Principe – Der Fürst“. Selten ist ein Autor so kontrovers diskutiert worden wie Machiavelli. Während er für die einen jemand ist, der tyrannische Usurpationen gutheißt, ist er für die anderen ein Gegner der Tyrannen, deren Machenschaften er unverhohlen aufdeckt. Einmal gilt er als Zerstörer der Sitten, ein andermal zählt er zu den Aposteln des Freiheitsethos. Kritiker Machiavellis gebrauchen den Begriff des „Machiavellismus“ (vgl. ebd., S. 246). Mit diesem Dysphemismus beschreiben sie die von Machiavelli entwickelten Gebote der politischen Notwendigkeit, die losgelöst von aller moralischen Verpflichtung ebenso rücksichtslos wie skrupellos agiert (vgl. ebd., S. 249). Machiavelli gilt deshalb vielen als der Teufel schlechthin. Sein Name steht synonym für eine kalte, berechnende, sarkastische Intelligenz. Befürworter halten dagegen, Machiavelli plädiere nicht für eine Entmoralisierung der Politik, sondern beschreibe einen Konflikt von zwei verschiedenen Moralen, in dem sich Herrscher befinden. Es gehe zum einen um den Statuserhalt eines Fürsten in seinem Herrschaftsbereich und damit um den Erhalt des Territoriums als Ganzes und zum anderen um die personale Moral des Einzelnen. Machiavelli legt den Focus auf die Obliegenheiten eines Regenten. Um herauszufinden, ob Machiavelli einerseits tugendhafte Motive um die Einigung Italiens (vgl. ebd., S. 244) oder andererseits sarkastische Ressentiments gegenüber den Medicis zum Verfassen seiner Gedanken veranlasst haben, ist eine Auseinandersetzung sowohl mit dem historischen Kontext als auch mit seiner Analyse der Herrschaft unumgänglich.

Hauptteil

Niccolò Machiavelli erhält als Sohn eines florentiner Advokaten eine solide Schulausbildung, lernt früh die Werke von Aristoteles, Boethius, Cicero und Claudius Ptolemäus sowie die Sieben Freien Künste kennen (vgl. Hoeges 2000, S. 132). Er wächst auf in einem Florenz der Medici-Hegemonie und wird konfrontiert mit den Manipulationen und Intrigen dieser Politik. Er lernt den franziskanischen Bußprediger Girolamo Savonarola kennen, der sich 1494 nach der Vertreibung der Medici-Dynastie aus Florenz durch den französischen König Karl VIII. als Heilsbringer an die Spitze einer Volksregierung setzt. Machiavelli spürt die Folgen des Einmarsches der Franzosen im sogenannten Ersten Italienischen Krieg, in dem Karl VIII. seine Ansprüche in Norditalien und im Königreich Neapel durchsetzen will (vgl. Bourde 1971, S. 139). Dieses Eindringen zerstört das ohnehin labile inneritalienische Gleichgewicht. Die geringe Souveränität und Geschlossenheit der italienischen Mächte als ein Mosaik unzähliger größerer und kleinerer Fürstentümer und Republiken, die sich in einem permanenten Konkurrenzkampf (bellum omnium contra omnes) befehden, treten zutage. Die großen europäischen Monarchien nutzen Italien als Objekt ihrer Interessen. Italien wird zum Austragungsort ihres Kampfes um die Vorherrschaft in Europa. 1495 erobert Karl VIII. Neapel, wobei er zunächst von Mailand, dann auch von Florenz unterstützt wird. Machiavelli erlebt, wie Papst Alexander VI. zum Schutze seiner eigenen territorialen Interessen 1495 die Heilige Liga schmiedet und als eine Allianz bestehend aus seinem Kirchenstaat, Kaiser Maximilian I., Ferdinand II. von Aragón, dem Herzogtum Mailand sowie der Republik Venedig gegen Karl VIII. führt (vgl. Il Principe, S. 13). Damit wird die Republik am Arno isoliert und es bilden sich innerhalb von Florenz Gegensatzpaare heraus, die einerseits die Oligarchie der Medici zurückführen, andererseits die Volksregierung etablieren wollen. Der junge Machiavelli erfährt vom Aufstieg Savonarolas als den Kopf dieser Volksregierung. Er erlebt, wie von Savonarola aufgehetzte Jugendliche im Namen Christi durch Florenz ziehen und Symbole der „Verkommenheit der Menschen“ wie heidnische Schriften und Luxusgegenstände einsammeln und in „Verbrennungen der Eitelkeiten“ vernichten und er erlebt den Fall und das Ende Savonarolas 1498 auf dem Scheiterhaufen (vgl. ebd., S. 47). Im selben Jahr wird Machiavelli Staatssekretär der Zweiten Kanzlei des Rats der Zehn („Dieci di pace e di libertà“) der Republik Florenz und ist für die Verteidigungs- und Aussenpolitik zuständig. Dieses Amt ermöglicht ihm, eine empirische Wissenschaft über die gesellschaftlichen Mechanismen zu betreiben. Er untersucht dabei auch, wie und wozu sich Menschen politisch bewegen lassen. Machiavelli erfährt ein zerrissenes und zerstrittenes Italien, auf dessen Terrain Franzosen und Spanier sich gegenüber stehen, um ihre Interessen durchzusetzen, auf dessen Boden sich kaiserliche Ghibellinen und päpstliche Guelfen bekriegen (vgl. ebd., S. 167) und in einem Land, wo opportunistische, regionale Feudalherren anscheinend kein Interesse an einem gesamtitalienischen Staatsgebilde haben.

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Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656949350
ISBN (Buch)
9783656949367
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295628
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Schlagworte
Machiavelli Der Fürst Il Principe Staatsphilosophie Politik Renaissance Neuzeit

Autor

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Titel: Machiavellis staatsphilosophische Überlegungen. Motive zu „Il Principe“