Lade Inhalt...

Verbesserung der Konzentrationsleistung durch Jonglieren

Eine Einzelfallstudie

Seminararbeit 2014 21 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Definitionen
2.1.1 Konzentrationsleistung
2.1.2 Jonglieren

3 Methodisches Vorgehen
3.1 Überblick und Hypothesen
3.2 Charakterisierung und Akquise der Probandin
3.3 Untersuchungsdesign und –verfahren
3.3.1 Konzentrationstests allgemein
3.3.2 Der Konzentrations-Leistungs-Test – Revidierte Fassung (KLT-R)
3.3.3 Jonglieren üben
3.4 Statistisches Vorgehen

4 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse
4.1 Eingangstest
4.2 Ausgangstest
4.3 Ein- und Ausgangstest im direkten Vergleich
4.3.1 Die quantitative Konzentrationsleistung im Vergleich
4.3.2 Die qualitative Konzentrationsleistung im Vergleich
4.3.3 Die Leistungskonstanz bzw. die Fehlerverteilung im Vergleich
4.4 Zusammenfassung der Ergebnisse

5 Schluss

1 Einleitung

Konzentration ist wichtig. Wer sich nicht konzentrieren kann, ist nicht leistungsfähig, und wer nicht leistungsfähig ist, der hat es in einer Leistungsgesellschaft schwerer als andere. Deshalb wird häufig nach Möglichkeiten gesucht, diese wichtige Fähigkeit zu verbessern. Bestenfalls werden hierfür Methoden gesucht, deren Verwendung auch noch Spaß macht. Die Wirkungshoffnung „Konzentrationsverbesserung“ steht jedoch je nach Kontext entweder im Vordergrund (u. U. die Schule) oder sie ist lediglich ein positiver Nebeneffekt (Freizeit). In beiden Fällen könnte sich das Jonglieren als eine gute Möglichkeit hervortun.

Ob die Jonglage langfristig die Konzentrationsfähigkeit verbessert, kann in dieser Seminararbeit leider nicht untersucht werden. Stattdessen stellt sie die Frage, ob sich die Konzentrationsleistung als momentaner Zustand durch das relativ kurzzeitige Üben der Drei-Ball-Jonglage steigern lässt. Im Folgenden soll dementsprechend in einer Einzelfallstudie überprüft werden, ob und gegebenenfalls inwieweit sich die Konzentrationsleistung dadurch verändert.

2 Theoretischer Hintergrund

Das Jonglieren hat eine lange Geschichte. Laut Kelber-Bretz (2002) waren die ersten Jongleure Spaßmacher, die sich und andere vergnügten. „Als älteste Abbildung von Jongleuren gilt ein Fresko aus der Zeit um 2040 vor Christus, das in den altägyptischen Grabkammern von Beni Hassan gefunden wurde und mit Bällen jonglierende Frauen zeigt“ (Gaal, 1999, 18). Und bis heute lassen sich Menschen immer wieder von dieser Bewegungskunst faszinieren.

Aber was macht die Faszination des Jonglierens aus? Vielleicht weil Erfolgserlebnisse beim Jonglieren schnell möglich sind und es dennoch eine komplexe Bewegungsfertigkeit ist, die sich auch für extreme Herausforderungen wie dem Herumwerfen laufender Motorsägen anbietet (Kelber-Bretz, 2002; Gaal, 1999). Dass dafür Konzentration notwendig ist, erscheint logisch. Konzentration als eine Voraussetzung ermöglicht also offensichtlich das Jonglieren. Und ist es auch umgekehrt? Kann das Jonglieren die Konzentrationsleistung über das Jonglieren hinaus verbessern?

Neben dem Spaßfaktor, der dem Jonglieren innewohnen soll, werden ihm vielfach positive Wirkungen nachgesagt. Oberschachtsiek (2009) meint, es fördere das Rhythmusgefühl, die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Gaal (1999) schreibt, es ist als Bewegungskunst sehr gut dazu geeignet, die Konzentration als Teil einer differenzierten Körperwahrnehmung und eines erweiterten Körperbewusstseins zu erhöhen. Neben der Konzentration werden viele weitere aufgezählt. Auch nach Ehlers (2005, 118), dessen Lernsystem in dieser Einzelfallstudie verwendet wird, „werden [u.a.] Konzentration und Entspannung gleichermaßen geschult“.

Als Begründungszusammenhang wird häufig die durch die Überkreuzbewegungen entstehende gleichzeitige Stimulation der linken und der rechten Gehirnhälfte herangezogen, was das geistige Potenzial vergrößern soll (u.a. SKILL-Autorenteam, 2001 in Müller 2003). Auch verschiedene Übungen – wie die „liegende Acht“ –, die ihre theoretische Grundlage in der Kinesiologie haben, folgen dieser Annahme. Bewegungsgrundlagen im dreidimensionalen Bereich sollen das zweidimensionale Lernen ermöglichen, weshalb Übungen entwickelt wurden, die sich auf diesem Wege positiv auf die Gehirnintegration und die neuronale Effizienz auswirken sollen, was u.a. eine Steigerung der Konzentration mit sich bringt (Müller, 2003).

2.1 Definitionen

2.1.1 Konzentrationsleistung

„Das Wort ‚Konzentration’ stammt bekanntlich aus dem Neulateinischen und bedeutet soviel wie Verdichtung, Sammlung, Zusammenfassung, Gruppierung um einen Mittelpunkt“ (Düker, Lienert, Lukesch & Mayrhofer, 2001, 7).

Während sich die Aufmerksamkeit immer auf das Wahrnehmen bezieht, ist Konzentration ein Aspekt des Arbeitens (Westhoff & Hagemeister, 2005).

Nach Westhoff und Hagemeister (2005, 17) unterscheiden wir „[a]m konzentrierten Arbeiten [...] die folgenden beiden Aspekte:

(1) die möglichst zügige Auswahl und Bearbeitung von Informationen und
(2) Fehler in bewusst und absichtsvoll auszuführenden Handlungen, die wir eigentlich gut beherrschen.

Treten Störungen von außen oder innen auf, so können

(1) die möglichst zügige Auswahl und Bearbeitung von Informationen gestört werden, so dass man länger braucht, und
(2) Konzentrationsfehler auftreten“.

Konzentration kann entweder als momentaner Zustand oder als Persönlichkeitsmerkmal verstanden werden. Die drei Kriterien Stabilität, Generalität und Universalität sind bezeichnend für Persönlichkeitsmerkmale. Als solches ist die Konzentrationsfähigkeit über längere Zeit stabil, die Ausprägung zeigt sich über verschiedene Situationen hinweg und jeder Mensch kann darin eingeordnet werden (Westhoff & Hagemeister, 2005). In dieser Studie wird die Konzentrationsleistung als der momentane Zustand zu den Testzeitpunkten vor und nach einem einwöchigen Übungsprozess der Jonglage verstanden. Auf eine Interpretation bzw. Diskussion hinsichtlich einer Veränderung der Konzentration als Persönlichkeitsmerkmal wird verzichtet.

2.1.2 Jonglieren

Unter Jonglieren wird in dieser Studie die Drei-Ball-Jonglage verstanden. Dabei wird versucht, mit beiden Händen drei Bälle abwechselnd (kann bei Tricks variieren) in die Höhe zu werfen. Da es sich bei der Probandin dieser Studie um eine Anfängerin handelt, werden außerdem hinführende Übungen zur sogenannten Kaskade miteingeschlossen.

3 Methodisches Vorgehen

3.1 Überblick und Hypothesen

Die Frage, der in dieser Hausarbeit nachgegangen wird, ist, inwieweit sich das regelmäßige Üben der Jonglage auf die Konzentrationsleistung der Probandin auswirkt. Es handelt sich dementsprechend bereits um eine gerichtete Hypothese. Das Herausarbeiten weiterer möglicher Forschungshypothesen ist nicht das primäre Ziel. Bei dem Versuch wurde davon ausgegangen, dass – in Anlehnung an die Empfehlung des Autors des verwendeten Systems (siehe 3.3.3) – hierfür eine tägliche Übungszeit von mindestens 10 Minuten gegeben sein sollte.

Alternativhypothese: Durch das Jonglieren verbessert sich die Konzentrationsleistung der Probandin.

Nullhypothese: Durch das Jonglieren verändert sich die Konzentrationsleistung der Probandin nicht oder sie verschlechtert sich.

3.2 Charakterisierung und Akquise der Probandin

Die Probandin stammte aus dem Bekanntenkreis des Autors. Sie ist weiblich und war zum Zeitpunkt der Untersuchung 24 Jahre alt. Sie war Studentin für ein Lehramt an Mittelschulen mit Hauptfach Mathematik und Didaktikfächern Deutsch, Geographie und Sport an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Sie befand sich im neunten Hochschul- bzw. im siebten Fachsemester. Beim Lesen von komplizierten wissenschaftlichen Texten falle es ihr schwer, sich zu konzentrieren. Neben dem Studium arbeitete sie zehn Stunden pro Woche in einem Büro. Hier war die Haupttätigkeit Telefonieren. Zusätzlich gab sie zwei Stunden pro Woche Nachhilfe in den Fächern Mathematik und Deutsch. Der Versuchszeitraum befand sich weder direkt nach, während noch vor einer außergewöhnlich arbeits- oder lernintensiven Phase ihres Alltags.

Sie erklärte sich auf Nachfrage freiwillig zur Teilnahme an der Untersuchung bereit. Die Motivation, das Jonglieren zu erlernen, war vorhanden. Konkrete Vorerfahrungen hierfür bestanden keine. Sie erlangte noch keine Fertigkeiten in diesem Bereich.

3.3 Untersuchungsdesign und –verfahren

Bei der Untersuchung handelt es sich um ein einfaktorielles Experiment mit univariatem ‚within-subject’-Design. Für den Ein- und Ausgangstest wurden zur Testung der Konzentrationsleistung die beiden Parallelversionen der revidierten Fassung des Konzentrations-Leistungs-Tests (KLT-R) verwendet. Die Kontrolle relevanter Störvariablen geschah über die Durchführung der Tests an jeweils gleichen Wochentagen (montags in zweiwöchigem Abstand), zu gleichen Uhrzeiten (Beginn: 8:20 Uhr und 8:16 Uhr) und bei gleichen Umgebungsbedingungen ohne Lärm (eigene Wohnung der Probandin in Stille) und andere äußere Störquellen (Gniewosz, 2011b).

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656947097
ISBN (Buch)
9783656947103
Dateigröße
812 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295752
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Sportwissenschaft
Note
unbenotet
Schlagworte
Sport Sportwissenschaft Sportpsychologie Konzentration Konzentrationsleistung Konzentrationsleistungstest Leistungstest KLT-R Jonglage Jonglieren Dreiball-Jonglage

Autor

Zurück

Titel: Verbesserung der Konzentrationsleistung durch Jonglieren