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Second-Screen-Nutzung. Entwicklung am deutschen Fernsehmarkt

Hausarbeit 2015 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Zugangswege
2.3 Szenarien der Parallelnutzung

2 Erkenntnisse der Medienforschung

4 Nutzertypen

3 Second Screen am deutschen Fernsehmarkt
3.1 Angebote öffentlich-rechtlicher Sender
3.2 Angebote privater Sender
3.3 Angebote Dritter

8 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Genutzte Geräte der Parallelnutzug nach Alter in 2014

Abbildung 2: Szenarien der Parallelnutzung von TV und Internet 2014

Abbildung 3: Entwicklung der Parallelnutzung 2001-2014

Abbildung 4: Aufmerksamkeitsschwerpunkte bei der Parallelnutzung

Abbildung 5: Gründe für die Parallelnutzung

Abbildung 6: Parallelnutzung nach Themen

Abbildung 7: Second-Screen-Angebot "Unter Gaunern" auf Facebook

Abbildung 8: Screenshot App "App -Der Film"

Abbildung 9: Screenshot App "RTL INSIDE"

Abbildung 10: Screenshot Web-Anwendung "Dschungelcamp INSIDE"

Abbildung 11: Screenshot Web-Anwendung "Prosieben Connect"

Abbildung 12: Second-Screen-Angebot "ProSieben" auf Facebook

Abbildung 13: Second-Screen-Angebot "Germany's next Topmodel“ auf Facebook

1 Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den bisherigen Erkenntnissen der Second-Screen- Nutzung am deutschen Fernsehmarkt und dem Mehrwert, der sich aus dieser ergeben soll. Außerdem werden Anforderungen und Möglichkeiten, die sich für Anbieter und Werbetreibende daraus ergeben, genauer durchleuchtet. Dafür werden als erstes Grundlagen geschaffen. Second-Screen -, Parallelnutzung und Social TV werden unterschieden und eine eingehende Betrachtung der Nutzungsweise rundet die Grundlagenschaffung ab. Anschließend werden Erkenntnisse der Medienforschung betrachtet, z.B. wie die Aufmerksamkeitsschwerpunkte der TV-Zuschauer verteilt sind und welche Themen für die Second-Screen -Nutzung am besten geeignet sind. Im Anschluss erfolgt eine Einteilung der Nutzer in sechs verschiedene Typen und deren jeweilige Motivation für die Nutzung eines zweiten Bildschirms wird erläutert. Danach erfolgt eine Betrachtung der aktuellen Lage am deutschen Fernsehmarkt. Angebote öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehsender sowie Angebote von Dritten werden anhand von Beispielen analysiert. Zu guter Letzt wird ein Fazit gezogen, in dem die gewonnenen Erkenntnisse noch einmal resümiert werden.

2 Grundlagen

Im Folgenden werden die Begriffe Second-Screen - und Parallelnutzung und Social TV voneinander abgegrenzt. Da in der Literatur oft keine Unterschiede gemacht werden, ist es für diese Arbeit besonders wichtig, ebendiese zu erkennen. Anschließend wird erläutert, welche Geräte für die Nutzung eines zweiten Bildschirms favorisiert werden. Zu guter Letzt werden die Szenarien der Second-Screen -Nutzung aufgezeigt. Dann werden die gängigen Zugangswege anhand statistischer Werte aufgezählt.

2.1 Begriffsabgrenzung

Second-Screen- und Parallelnutzung

Zunächst muss zwischen den beiden Begriffen Second-Screen - und Parallelnutzung unterschieden werden: Second Screen ist zu deutsch erst einmal ein zweiter Bildschirm . Second-Screen -Nutzung beschreibt die TV-bezogene Nutzung eines zweiten Geräts, zumeist handelt es sich dabei um internetfähige Smartphones, Tablets, Laptops oder PCs. Wenn in dieser Arbeit von Second Screen die Rede ist, handelt es sich also immer um eine vom aktuellen Programm inhaltlich abhängige Benutzung eines zweiten Geräts. Die Parallelnutzung hingegen ist nicht unbedingt thematisch auf das aktuelle Programm bezogen. Das heißt, dass unabhängig von der gerade laufenden Sendung oder Werbung im Internet gesurft wird.[1]

Social TV

Social TV ermöglicht es dem Zuschauer, sich mit anderen über Fernsehsendungen auszutauschen. Das ist auch vor oder nach der Ausstrahlung möglich. Die Zuschauer treffen sich also virtuell mit Freunden oder in der jeweiligen Internetgemeinschaft um Meinungen und Gefühle zu teilen. Dies geschieht entweder über Smart-TVs [2], Smartphones, Tablets, Laptops oder PC s. Die Rezipienten interagieren entweder mittels sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter miteinander oder diskutieren auf Blogs, Foren, Chats oder mittels geeigneter Apps. Die soziale Interaktion kann sich positiv auf die Sehbeteiligung auswirken und so den Erfolg einer Sendung steigern. Social TV bietet Fernsehmachern die Möglichkeit auf eben genannten Kanälen zu werben und auch Umfragen zum laufenden Programm zu machen.

Der Unterschied zur Second-Screen- Nutzung liegt folglich im rein sozialen Charakter. Da oft nicht über den Smart-TV, sondern mittels einem zweiten Bildschirm interagiert wird, sind die Übergänge der Begriffe fließend.[3]

2.2 Zugangswege

In welcher Form eine Parallel- oder auch Second-Screen -Nutzung stattfindet, untersuchte eine Onlinestudie von ARD und ZDF in 2014. Wie in Abbildung 1 dargestellt, nutzen von 811 Befragten insgesamt 41 Prozent einen Laptop, 38 Prozent ein Smartphone, 22 den stationären PC, 19 ein Tablet und nur zwei den Fernseher selbst. Das Smartphone ist mit 65 Prozent der Favorit der 14-29-Jährigen, während die 30-49-Jährigen sich absteigend mit Laptop, Smartphone und Tablet beschäftigen. Der Fokus der Generation 50 Plus liegt auf Laptop und stationärem PC.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Genutzte Geräte der Parallelnutzug nach Alter in 2014

(Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie [2014]).

2.3 Szenarien der Parallelnutzung

Laut der ARD-ZDF -Onlinestudie von 2014 mit 1434 Befragten bezeichnet sich knapp ein Drittel als Second-Screen -Nutzer. 26 Prozent davon recherchieren im Internet über die laufende Sendung, 12 Prozent thematisieren diese in ihrer Online-Community. Durchschnittlich nutzen ca. 4,4 Prozent – in absteigender Reihenfolge – das Internet wie folgt:

- Kommentieren der Sendung auf der Internetseite des Fernsehsenders
- Kommentieren auf der Facebook - oder Twitter- Seite des Fernsehsenders
- Beteiligung an einer Online-Abstimmung zum Thema
- Online-Diskussion mit Experten, Machern oder Gästen der Sendung
- Nutzung von fernseheigenen Apps wie „Prosieben Connect“ oder „RTL inside“.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Szenarien der Parallelnutzung von TV und Internet 2014

(Quelle: ARD/ZDF Onlinestudie [2014a])

2 Erkenntnisse der Medienforschung

Nachfolgend werden einige interessante Statistiken aufgezeigt, die für Second-Screen - und Parallelnutzung relevant sind. Als Basis für die nachfolgenden Studienergebnisse sollte im Hinterkopf behalten werden, dass eine von der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) durchgeführte Umfrage von 2014 besagt, dass die Deutschen im Schnitt 221 Minuten am Tag fernsehen.[6]

Die Abbildung 3 zeigt die Entwicklung der Parallelnutzung von Internet und Fernsehen in den Jahren 2001 bis 2014. Wie die Befragung der 14- bis 49-Jährigen erkennen lässt, ist die Parallelnutzung in den letzten Jahren stark angestiegen. Beispielsweise ergab sich vom Jahr 2004 bis 2014 eine Steigerung von 22 auf 75 Prozent. Der Anteil der Befragten, die TV und Internet parallel nutzen hat sich also mehr als verdreifacht. Auffallend ist dabei außerdem, dass der Anteil, der nur selten beide Medien gleichzeitig nutzt, sich nur verdoppelt hat, während der Anteil, der dies häufig tut, um mehr als das Vierfache angestiegen ist.[7] Das bedeutet, dass die volle Aufmerksamkeit der Nutzer in den durchschnittlich 221 Minuten pro Tag nicht mehr nur dem Fernsehprogramm – und somit auch der Werbung – gilt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Entwicklung der Parallelnutzung 2001-2014

(Quelle: Statista [2014].)

In 2013 wurde eine weitere Studie zu dem Thema erhoben. Dabei wurden Parallelnutzer gefragt, auf welchen Bildschirm sie sich überwiegend konzentrieren. Grundlage war die Nutzung eines Second Screens am Abend zuvor. Die Abbildung 4 zeigt die Ergebnisse der Studie. 34,7 Prozent konzentrierten sich eher auf den Second Screen und 27,5 Prozent eher auf den Fernseher. 37,8 Prozent gaben an, beidem die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken.[8]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Aufmerksamkeitsschwerpunkte bei der Parallelnutzung

(Quelle: Statista [2014a].)

Auf die Frage nach den Gründen gaben die Befragten, die parallel zum TV ein Smartphone nutzen, zu 73 Prozent an, sich von Werbespots ablenken zu wollen. 66 Prozent begründen den Griff zum Smartphone mit der Ablenkung von langweiligen Sendungen. Bei 52 Prozent läuft der Fernseher nur im Hintergrund. 43 Prozent beschaffen sich weitere Informationen zum laufenden Programm und 23 Prozent wollen während der Übertragung Ergebnisse weiterer Sportveranstaltungen erfahren. Die untenstehende Grafik zeigt diese Ergebnisse. Außerdem ist erkennbar, dass es sich bei den ersten drei genannten Gründen eher um Parallelnutzung ohne Bezug zum Programm handelt. Der Teil, der sich während der Second-Screen -Nutzung mit dem Programm beschäftigt, ist im Vergleich niedriger. Diesen Umstand gilt es für Fernsehmacher und Werbetreibende zu ändern.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Gründe für die Parallelnutzung

(Quelle: Statista [2014b]).

Die nächste Studie beschäftigte sich mit der Frage, welche Sendungen Parallelnutzer dazu bewegen, sich auf dem Second Screen mit dem aktuellen Programm zu beschäftigen. Abbildung 6 zeigt, dass knapp 30 Prozent der Befragten dies bei Quiz-Shows, Musik-, Politiksendungen und Soaps tun. Mit circa 25 Prozent liegen Koch-, Reise-, Show-, Wissens-, und Boulevardsendungen knapp dahinter. Ein Fünftel beschäftigt sich während der Ausstrahlung von Serien, Nachrichten und Dokumentationen mit der Sendung. 16 Prozent der Befragten beschäftigen sich während der Laufzeit mit Spielfilmen. Quizshows sind vermutlich deshalb beliebt und auch geeignet für Second Screens, weil die Nutzer die Antworten in Suchmaschinen suchen oder auch mittels fernseheigener Apps selbst mit raten können. Bei Musiksendungen liegt die Motivation vermutlich darin, Meinungen über soziale Netzwerke auszutauschen oder mittels Voting über das Schicksal von Kandidaten mitbestimmen zu können.[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Parallelnutzung nach Themen

(Quelle: Statista [2014c]).

4 Nutzertypen

Laut dem in 2013 erschienenen TNS CONVERGENCE MONITOR, einer Studie von TNS Infratest an der 1503 Probanden zwischen 14 und 64 teilnahmen, nutzen knapp 28 Prozent parallel zum Fernsehen zumindest gelegentlich das Internet (421 Probanden). 68 Prozent (286 Probanden) dieser Parallelnutzer – also knapp 19 Prozent aller Befragten kommunizieren via E-Mail oder Chat. 21 Prozent tauschen sich in sozialen Netzwerken über das laufende Programm aus (88 Probanden). 28 Prozent informieren sich über gerade Gesehenes (117 Probanden) und 26 Prozent informieren sich über Inhalte gesehener Werbespots (109 Probanden), wobei Mehrfachnennungen möglich waren. Bezüglich der parallelen Nutzung von Fernsehen und Internet gaben die Befragten an, nur etwa 12 Minuten lang zeitgleich das Internet zu nutzen.[11]

Diese zwölf Minuten dienten der IP Deutschland GmbH, dem Vermarkter von RTL, als Grundlage einer neuen Befragung bezüglich Nutzungstypen. Die Befragung von 1.674 Testpersonen zwischen 14 und 59 Jahren, die Second Screen Angebote nutzen, ergab sechs verschiedene Nutzertypen:

Der Begeisterte

Der Begeisterte nutzt vor allem die Second-Scree n-Angebote der Fernsehmacher zur Recherche, für den Austausch von Meinungen und für Votings. Die Mediennutzung und vor allem die TV-Nutzung liegen allgemein höher als bei anderen Nutzern. Die Motivation dahinter liegt in der Teilhabe an der öffentlichen Meinung.

Der Kommunikator

Der Kommunikator nutzt nicht nur TV- Apps sondern auch soziale Netzwerke um ein Teil der öffentlichen Meinung zu werden. Dabei ist der emotionale Aspekt allerdings ausgeprägter als der rationale. Der Kommunikator nutzt während dem Fernsehen meist nur das Internet und ist männlich.

Der Überbrücker

Wie der Kommunikator ist der Überbrücker meist männlich. Ihm geht es bei der Nutzung von einem Second Screen darum, uninteressante Inhalte des laufenden TV-Programms zu überbrücken.

Der Wissenssammler

Viele der Wissenssammler sind Mütter mit Kindern, die arbeiten. Die Nutzung eines Second Screen ist eher rational ausgelegt um Informationen zu recherchieren. Dies geschieht sehr häufig über Suchmaschinen.

Der Gemeinschaftssuchende

Diese Nutzer sind meist sehr jung, zwischen 14 und 19 Jahre alt. Der Grund für die Nutzung eines Second Screen liegt bei ihnen darin, gemeinsam das Programm zu erleben und Emotionen zu teilen.

Der Gelegenheitsnutzer

Gelegenheitsnutzer gehören zu älteren Frauen ab 50 Jahren. Sowohl Medien als auch Second Screens werden nur vereinzelt genutzt und auch nur zur Überbrückung von wenig interessanten Inhalten.

Laut der IP Deutschland GmbH beschäftigen sich die Second-Screen -Nutzer am häufigsten mit dem TV-Programm bei Quizshows. Danach folgen Musik- und Politiksendungen, Soaps und Kochshows. Dabei nutzen sie vorrangig Suchmaschinen, danach folgen soziale Netzwerke und TV-eigene Internetauftritte und Apps. Diese Erkenntnisse decken sich weitgehend mit den Ergebnissen der Statista-Studie (siehe Abbildung 2 und 6). Untersuchungsgegenstand waren dabei unter anderem die Formate „Berlin – Tag & Nacht“, „Das Supertalent“, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ und „Wer wird Millionär“. IP widerspricht außerdem Studien, die besagen, dass Second-Screen -Nutzung keinen oder einen negativen Effekt auf die Werbewirkung hat. Bei den untersuchten Sendungen erinnerten sich nur 24 Prozent der Befragten, die ausschließlich ferngesehen haben, an die Werbung. Bei gleichzeitiger Second-Screen -Nutzung stieg die Werbeerinnerung auf 30 Prozent an. Auch die Werbeerinnerung bei Parallelnutzung lag mit 21 Prozent nur knapp darunter.[12]

3 Second Screen am deutschen Fernsehmarkt

Der deutsche Fernsehmarkt generierte in 2012 Einnahmen von 13 Milliarden Euro. Er spaltet sich auf in den öffentlich-rechtlichen und den privaten Sektor, welcher von der RTL Group S.A und der ProSiebenSat.1 Media AG beherrscht wird.[13]

Nach den privaten vertreten nun seit einiger Zeit auch die öffentlich-rechtlichen Sender die Ansicht, dass die Ablenkung durch einen zweiten Bildschirm nicht unterschätzt werden darf. Zumal Studien zeigen, dass die Parallelnutzung weiter steigt. Gerade für Privatsender stellt dies ein Problem dar, weil diese sich hauptsächlich durch Werbeeinnahmen oder Abonnements (z.B. Sky Deutschland AG) finanzieren. Diese Werbeeinnahmen steigen, je höher die Einschaltquote ist. Allerdings muss auch die Werbeerinnerung hoch sein, da diese für Werbetreibende einen entscheidenden Faktor darstellt. Mittels Untersuchung weisen dies die großen Sender, wie z.B. Pro7, auf ihrer Homepage aus.[14] Um für Werbetreibende und auch Zuschauer attraktiv zu bleiben, setzen Fernsehsender deshalb immer mehr auf Second-Screen -Angebote. Im Folgenden werden nun Angebote öffentlich-rechtlicher und privater Sender behandelt, sowie Angebote von Dritten.

3.1 Angebote öffentlich-rechtlicher Sender

Zu den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten gehören ARD, ZDF, die Dritten Programme, Kooperationspartner wie Arte und die digitalen Kanäle von ARD und ZDF. Diese finanzieren sich größtenteils durch Rundfunkbeiträge. Die Erlöse daraus lagen in 2012 bei rund 4,7 Milliarden Euro.[15]

ARD und ZDF bieten Second-Screen- Angebote im Sport an. Während der Fußball-Weltmeisterschaft konnten sich beispielsweise Fußballbegeisterte die „Sportschau FIFA WM-App“ herunterladen oder auch den Internetauftritt und die App der ZDFmediathek nutzen. Erhältlich war die App für Smartphone und Tablet. Dabei konnte zeitgleich zu laufenden Spielen auf Informationen, Neuigkeiten und Highlights aus verschiedenen Kameraperspektiven anderer Spiele zugegriffen werden.[16]

Die neue Serie der ARD „Unter Gaunern“ bietet auch einiges an Second-Screen- Angeboten. Auf der serieneigenen Facebookseite werden Second-Screen-Nutzer dazu animiert, live zu kommentieren und diskutieren, wie in Abbildung 7 dargestellt wird. Zudem kommentieren nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Macher der Serie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7: Second-Screen-Angebot "Unter Gaunern" auf Facebook

(Quelle: Unter Gaunern [Facebook]).

Auf der ARD-Website gibt es ein umfassende Hintergrundinformationen zur Serie, die Rezipienten nutzen können. Videos und witzige Szenen sollen den Zuschauer eng am Programm halten.[17] Ein weiteres Second-Screen- Angebot des ZDF ist die Smartphone -Anwendung „Quizduell im Ersten“, die zu der App -Show „Quizduell“ gehört. Der Mehrwert der Anwendung liegt darin, dass die Zuschauer online gegen die Kandidaten im Studio antreten können. Technische Probleme führten im letzten Jahr dazu, dass die App erst beim achten Anlauf reibungslos funktionierte.

Wie in Abbildung 6 bereits aufgezeigt, nutzen 30 Prozent der Befragten Second-Screen- Anwendungen während der Ausstrahlung von Quizshows. Ein Video der ARD Mediathek erklärt das Konzept von „Quizduell“ folgendermaßen: Die App -Gemeinde repräsentiert das Team Deutschland, das gegen das Studioteam, das aus zwei Personen besteht, antritt. Der Vorteil der App-User besteht in der Schwarmintelligenz. Das heißt, dass die Falschbeantwortung eines Einzelnen durch genug richtige Antworten anderer aufgewogen werden kann. Wenn das Team Deutschland das Quizduell gewinnt, locken die Fernsehmacher mit einer Verlosung unter den teilnehmenden Second-Screen -Nutzern. Die Macher von Quizduell wollen durch die permanente Interaktion verhindern, dass auf andere Programme umgeschaltet wird.[18]

Die Erstausstrahlung der zweiten Staffel war am 02.02.15. Obwohl in der ersten Sendung keine nennenswerten technischen Schwierigkeiten auftraten, war die Einschaltquote gering. „Quizduell“ hatte lediglich 1,6 Millionen Zuschauer zu verzeichnen, das entspricht einem Marktanteil von 7,9 Prozent. Zum Vergleich liegt der durchschnittliche Anteil der ARD bei 11,4 Prozent. Trotz der niedrigen Zuschauerzahlen nutzten immerhin 100.000 von Ihnen die Second-Screen-App „Quizduell im Ersten“, was einem Anteil von ungefähr sechs Prozent entspricht.[19]

Außerdem startete ZDF in 2014 erstmals den Versuch, eine Second-Screen-App in einen Spielfilm zu integrieren. Der Horrorfilm handelt von einer App namens „Iris“, die nach einer durchfeierten Nacht plötzlich auf dem Smartphon e der Hauptdarstellerin installiert ist. Iris weiß alles, überwacht die Hauptdarstellerin rund um die Uhr und infiltriert ihre Umgebung, bis es zu einem Mordfall kommt. Der Zuschauer soll sich vor Beginn die Anwendung „App – der Film“ herunterladen und bei Beginn des Films starten, wie in untenstehender Grafik zu sehen ist. Die App erkennt anhand akustischer Signale wieweit die Geschichte fortgeschritten ist. Nutzer sehen auf dem zweiten Bildschirm Filmsequenzen aus anderen Perspektiven, Handyvideos und Chatverläufe. Insgesamt ergibt sich dabei allerdings kein nennenswerter Mehrwert, sondern eher eine Ablenkung vom Geschehen. Ein weiteres Manko, das auch viele Zuschauer auf Twitter während der Erstausstrahlung kritisierten, war die fehlende Interaktion unter den Nutzern. Wie unter dem Punkt „Nutzertypen“ angesprochen, ist die soziale Vernetzung eine der Motive für die Second-Screen -Nutzung.[20]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8: Screenshot App "App -Der Film"

(eigene Darstellung: Screenshot).

In einem Selbstversuch mit einem iPhone 5S kam es zu technischen Störungen, welche auch in mehreren Onlinequellen angesprochen wurden. Die App erkennt selbst bei voller Lautstärke nicht, an welcher Stelle der Story sich der Film gerade befindet.

3.2 Angebote privater Sender

Die zwei großen privaten Anbieter auf dem deutschen Fernsehmarkt sind die ProSiebenSat.1 Media AG und die RTL Group S.A.. ProSiebenSat.1 Media erreichte unter den privaten Sendegruppen von Januar bis September 2014 einen Marktanteil von 19,4 Prozent und die RTL Gruppe 19,3 Prozent.[21]

RTL und Pro7 bieten zwei bekannte Second-Screen -Angebote an, auf die nun näher eingegangen wird. RTL verknüpft in der App „RTL INSIDE“ seit 2012 Zusatzinformationen zum zeitgleich laufenden Programm mit der Option, sich direkt mit anderen über die aktuelle Sendung auszutauschen oder Videoclips anzusehen. Die sogenannte Check-In -Funktion, die rechts oben in Abbildung 9 dargestellt ist, ermöglich es dem Nutzer unverzüglich auf Facebook, Twitter oder im RTL-Chat zuzugreifen und Eindrücke, Emotionen und Meinungen auszutauschen.[22]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9: Screenshot App "RTL INSIDE"

(eigene Darstellung: Screenshot).

Um die Bekanntheit des Second-Screen- Angebots von RTL zu steigern, verwandelt sich das RTL -Logo im sendereigenen Programm in das „RTL INSIDE“ Logo. Dies animiert den Zuschauer dazu sich die Anwendung herunterzuladen oder auch auf der RTL Website die INSIDE -Funktion zu nutzen. Die untenstehende Grafik zeigt einen Screenshot des INSIDE -Angebots auf der RTL -Website. Nahezu jede Sendung verfügt über diese Funktion. Dort kann direkt auf Videos – und mittels Check-in auf Facebook, Twitter und den Chat zugegriffen werden. Dafür ist eine Anmeldung erforderlich. Gleichzeitig gelangt RTL dadurch an Nutzerdaten, die mittels statistischer Auswertung eine zusätzliche Verbesserung des Angebots und bessere Werbeplatzierungen ermöglichen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 10: Screenshot Web-Anwendung "Dschungelcamp INSIDE"

(Quelle: INSIDE [2015]).

Zusammen mit den anderen Second-Screen -Angeboten von RTL, wie RTL NOW und Clipfish stiegen die mobilen Abrufe für „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ auf 2,5 Millionen an und erreichen so von den gesamten Online-Abrufen (21,9 Millionen) knapp 16 Prozent.[23]

Das Second-Screen -Angebot von Pro7 kann ebenfalls mittels App oder Internetseite genutzt werden. Der Unterschied beim Internetzugriff liegt darin, dass Pro7 für sein Angebot „Prosieben Connect“ eine eigene Website geschaffen hat. Wie in Abbildung 11 dargestellt, ist der Aufbau ähnlich wie bei „RTL INSIDE“. Das laufende und folgende Programm wird in der linken Spalte angezeigt. Die rechte Seite ist für Videos reserviert, die beispielsweise die Vorschau zur nächsten Sendung zeigt. Der Chat „Social Talk“ ist in die Programmleiste integriert und kann zwar von jedem Nutzer gelesen werden, um selbst zu kommentieren muss jedoch eingecheckt werden. Nach der Anmeldung ist es möglich, die Chatanzeige nach Twitter -, Connect -Kommentaren oder nach Nachrichten von Freunden zu filtern. Bei Klick auf „Wer ist eingecheckt“ werden alle Nutzer angezeigt, die gerade online sind und auch Freunde, die sich mit einem verbunden haben. Zusätzlich werden noch Gewinnspiele und Live-Streams angeboten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 11: Screenshot Web-Anwendung "Prosieben Connect"

(Quelle: Connect [2015]).

ProSieben nutzt auch soziale Netzwerke wie Facebook, um Second-Screen-User beim Programm zu halten. Auf der Facebookseite „ProSieben“ werden täglich mehrere Videos und Gewinnspiele zum aktuellen Programm gepostet, wie in untenstehender Grafik gezeigt. Außerdem werden den Facebook -Fans Fragen zu Themen gestellt, die z.B. in der Sendung „Galileo“ oder „red! Stars, Lifestyle & More“ behandelt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 12: Second-Screen-Angebot "ProSieben" auf Facebook

(Quelle: ProSieben [Facebook]).

Natürlich ist „Prosieben“ auf Facebook auch mit diversen Fan-Seiten der Prosieben- Sendungen verlinkt. Die Seite von „Germany’s Next Topmodel“, deren Staffel gerade wieder begonnen hat, postet im Stundentakt Fotos, Artikel und Videos. In fast jeden Post ist eine Frage integriert, die die Facebookfans fleißig diskutieren, wie unten gezeigt.[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 13: Second-Screen-Angebot "Germany's next Topmodel“ auf Facebook

(Quelle: Germany’s next Topmodel [Facebook]).

SevenOneMedia, einem Unternehmen der ProSiebenSat.1 Media AG, untersuchte 2012 die Wirkung von Social TV auf dem Second Screen am Beispiel der Musikshow „The Voice of Germany“. Die kumulierte Nettoreichweite der Sendung erreichte einen Wert von ca. 14 Millionen Zuschauern zwischen 14 und 49 Jahren.

Das Second-Screen- Angebot „Connect“ auf der Internetseite von „The Voice of Germany“ lieferte neue Informationen, Videos, Quizfragen und Abstimmungen zur Show. Außerdem konnten sich die Nutzer mit Facebook- Freunden und via Twitter elementen austauschen. Die Anwendung war auch für Tablets und Smartphones erhältlich. Das Angebot hatte einen Zugriff von knapp 270.000 Nutzern zu verzeichnen. Außerdem ergab die Umfrage, dass 81 Prozent der Connect -Nutzer sich fast jede Folge der Sendung ansahen. Von denjenigen, die Connect nicht nutzen, sahen nur 66 Prozent fast jede Folge. 37 Prozent der Connect-User nutzten die Chatfunktion. Ein sendungsbegleitendes Tracking während der Ausstrahlung zeigte, dass gezielte Hinweise durch Moderatoren oder die sogenannten Bauchbinden (Einblendung von Informationen am unteren Bildrand) die Zugriffszahlen auf das Second-Screen -Angebot extrem ansteigen lassen. Die Gesamtauswertung der Untersuchung zeigt, dass die Rezeption der Zuschauer durch Second-Screen -Angebote steigen kann, wenn das Angebot einen Mehrwert beinhaltet. Die Studie ergab auch keine Hinweise darauf, dass Second-Screen -Angebote vom TV-Programm ablenken. Im Gegenteil: „The Voice of Germany Connect“ schafft weitere Optionen für Werbeinhalte durch eine anwachsende Zuschauerbindung.[25]

3.3 Angebote Dritter

Second-Screen -Angebote von Dritten sind meistens Social-TV -Angebote. Eine Umfrage in 2013 ergab, dass Second-Screen -Angebote Dritter bekannter sind als sendereigene Anwendungen. Couchfunk wurde mit 3,1 Prozent am meisten genutzt, dann foltgen mit 2,3 bis 2,1 Prozent die Anbieter Waydoo, Wywy, Zapitano und TunedIn. Sendungsbezogene und sendereigene Anwendungen liegen mit zwei Prozent dahinter. Interessant ist allerdings, dass TunedIn und Zapitano im Sommer 2014 beinahe zeitgleich Insolvenz anmelden mussten.[26] Auch Wywy schaltete in 2014 seine App ab und setzt den Fokus jetzt auf Echtzeit-Erkennung von TV-Werbung mit synchronem Einkauf von Online-Werbung.[27] Waydoo stellte seinen Dienst ebenfalls ein.

Couchfunk unterstützt Live-TV, bisher laufen allerdings nur Sendungen von 21 öffentlich-rechtlichen Anstalten, wie z.B. ZDF, Arte oder Das Erste. Sendungstipps und Kommentare können in sozialen Netzwerken geteilt werden, das TV- und Kinomagazin informiert über das angebotene Programm. Zudem gibt es die Möglichkeit sich an bestimmte Sendungen erinnern zu lassen. Die App i st kostenlos erhältlich für iPhone und iPad, Android, Windows 8 und Windows Phone 8. Neben der oben beschriebenen „Couchfunk App“ gibt es auch noch die „TV App Live“, „TV Programm App“, „Fußballfunk App“ und die „Videostars App“.[28] Bei Drittanbietern wie Couchfunk können TV-Spots mittels Second Screen noch intensiver und zeitgleich zur Ausstrahlung beworben werden.

8 Fazit

Diese Arbeit beschäftigte sich mit der Fragestellung, wie sich die Second-Screen -Nutzung am deutschen Fernsehmarkt in den letzten Jahren entwickelt hat und welche Konsequenzen Nutzer, Fernsehmacher und Werbetreibende daraus ziehen sollten. Die Erkenntnisse aus der Medienforschung zeigen einen Aufwärtstrend der Parallelnutzung eines zweiten Bildschirms. Auch die Zahlen der Second-Screen- Nutzung zeigen, dass die Angebote der Fernsehsender von den onlineaffinen Zuschauern, die sich für das Programm begeistern, in Anspruch genommen werden. Gerade Sendungen, die ein hohes Interaktionspotenzial haben, wie z.B. Quizshows oder Musiksshows, werden als attraktiv für Second-Screen -Nutzung angesehen. Die Start-Ups wie Waydoo, Wywy, Zapitano und Co wurden nach anfänglichem Aufschwung jedoch schnell ad acta gelegt. Das könnte daran liegen, dass die Nutzerzahlen nicht so hoch lagen, wie es sich die Werbetreibenden von solchen Drittangeboten erhoffen. Es ist außerdem vorstellbar, dass für Unternehmen, die bei Sendeanstalten im TV werben, die Schaltung von zusätzlicher Werbung auf sendereigenen Anwendungen als lukrativer angesehen wird. Gerade Privatsender wie Pro7 oder RTL verstärken ihr Second-Screen -Angebot immer mehr, da sie auf Finanzierung durch Werbung angewiesen sind. Hingegen wirken die Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender noch wenig ausgefeilt, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass sie überwiegend durch die Rundfunkgebühren finanziert werden. Obwohl das Anbieten von Second Screen momentan noch keinen so hohen Stellenwert in der Vermarktung von Sendungen und Werbeplätzen hat, sind die Vorteile, die langfristig dadurch entstehen, nicht zu unterschätzen. Es eröffnet neue Wege für die Distribution von Inhalten und erweitert gestalterische Möglichkeiten durch crossmediales Erzählen. Für Werbetreibende kann das synchrone Schalten von Werbung auf zwei Bildschirmen rentabel sein: um auf die C hat funktionen zugreifen zu können müssen sich die Nutzer registrieren. Dies bietet einen tieferen Einblick in die Zielgruppenstruktur, was wiederum eine gezieltere Werbestreuung ermöglicht.[29]

[...]


[1] Vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie [2014], S. 408.

[2] Auch Hybrid-TVs genannt. Ein Smart-TV zeichnet sich durch Internetfähigkeit aus. Er unterstützt speziell für das Fernsehen entwickelte Internetanwendungen, wie zum Beispiel Video on Demand. (http://www.flachbild-tv.info/SmartTV.html , abgerufen am 02.02.15)

[3] Vgl. Social TV [2015], o.S.

[4] Vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie [2014], S. 411.

[5] Vgl. ARD/ZDF Onlinestudie [2014a].

[6] Vgl. Statista [2014d].

[7] Vgl. Statista [2014].

[8] Vgl. Statista [2014a].

[9] Vgl. Statista [2014b].

[10] Vgl. Statista [2014c].

[11] Vgl. Geißlitz [2013].

[12] Schwegler [2013].

[13] Vgl. Statista [2012].

[14] Vgl. SevenOneMedia [2015].

[15] Vgl. Statista [2012].

[16] Vgl. ARD/ZDF-Onlinestudie [2014].

[17] Vgl. Unter Gaunern [2015].

[18] Vgl. Das Erste [2015].

[19] Vgl. Tusch [2015].

[20] Vgl. Ebner [2014].

[21] Vgl. Statista [2014e].

[22] Vgl. RTL [2015].

[23] Vgl. Bodemer [2014].

[24] Vgl. ProSieben [Facebook].

[25] Vgl. SevenOneMedia [2012], S. 2-10.

[26] Vgl. Loeffler [2014].

[27] Vgl. Hüsing [2014].

[28] Vgl. Couchfunk [2015].

[29] Vgl. Digital Affairs [2012].

Details

Seiten
26
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656936923
ISBN (Buch)
9783656936930
Dateigröße
5.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v295842
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius Idstein
Note
1,0
Schlagworte
second screen social tv parallel parallelnutzung fernsehen fernsehmarkt tv tv-markt web 2.0 medientrends zweiter Bildschirm pro7 RTL Sat1 ARD ZDF ökonomie medien medienökonomie

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