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Veränderung durch das Honoraranlageberatungsgesetz in Deutschland. Einführung individueller Depotpreismodelle

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 18 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1. Das Honoraranlageberatungsgesetz

2. Die Honorarberatung in Deutschland
2.1 Das Geschäftsmodell Honorarberatung
2.2 Die Alternative zur Honorarberatung - Änderung der Depotmodelle

3. Individuelle Depotmodelle aus Sparkassensicht

4. Individuelle Depotmodelle aus Beratersicht

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterschiede in der Beratung

Abbildung 2: Honorarberater-Typen

Abbildung 3: Wie funktioniert die Honorarberatung

Einleitung

Die vorliegende Arbeit beinhaltet die Thematik der Einführung des Honoraranlage- beratungsgesetzes und deren Umsetzung in Deutschland sowie die Einführung individueller Depotpreismodelle als Alternative zur Honoraranlageberatung. Nach der sogenannten Eurokrise, die unter anderem die Staaten-, Wirtschafts- und Ban- kenkrise beinhaltete, mussten Politiker und Verbraucherschützer im Sinne der An- leger etwas verändern. Eine Vielzahl von Anlegern haben durch die Insolvenz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008, während der Finanz- und Bankenkrise, einen Großteil ihres Vermögens durch Falschberatung verloren. Auch die europäische Staatenkrise 2011, mit der Beinahe-Insolvenz eini- ger Länder (u.a. Irland, Griechenland, Portugal), trug zum Grundgedanken bei, das investierte Vermögen von Anlegern am Kapitalmarkt besser zu schützen.

Aufgrund dieser Ereignisse führte die Bundesrepublik Deutschland zum 01.08.2014 die Honoraranlageberatung ein, damit der Anleger, dass für ihn passendste Finanz- instrument (Anlageprodukt) erwerben kann und nicht das provisionsreichste aus Berater- bzw. Bankensicht. Eine Umsetzung dieses Gesetzes würde aus Banken- perspektive aber eine Vielzahl von Veränderungen erfordern, da bei Anwendung der Honoraranlageberatung die Gesamtstruktur für diesen Geschäftsbereich des jeweiligen Bankhauses sich ändern müsste. Dies ist für viele kleinere Bankhäuser nicht zu leisten, da in der Gesetzgebung nicht zwischen Klein- oder Großbank un- terschieden wird.

Aus diesem Grund führen deutsche Banken vermehrt individuelle Depotpreismo- delle ein, um eine Alternative zur Honoraranlageberatung anbieten zu können. Die- se Alternative gilt als Mischform zwischen der provisionsbasierten- und der Hono- raranlageberatung. Dahinter "verbergen" sich Depotmodelle mit sogenannten „All- in-Fees“ (Pauschalgebühr), die für mehr Kundentransparenz sorgen sollen.

Es wird daher zunächst das Honoraranlageberatungsgesetz und das Geschäftsmodell der Honoraranlageberatung betrachtet. Im weiteren Verlauf wird die Einführung der individuellen Depotmodelle, jeweils aus den verschiedenen Perspektiven heraus, beleuchtet, um die einzelnen Vor- und Nachteile des Geschäftsmodells kurz gegenüberzustellen und anschließend ein Fazit zu ziehen.

1. Das Honoraranlageberatungsgesetz

Zum 01.08.2014 wurde in Deutschland das Honoraranlageberatungsgesetz eingeführt1. Das Ziel dieses Gesetzes ist es, neben der bislang in Deutschland üblichen provisionsbasierten Anlageberatung, eine Honoraranlageberatung einzuführen, damit dem Kunden das passende Anlageprodukt empfohlen wird.2 In Deutschland sind bislang nur zehn Institute im offiziellen Honorar-Anlageberater- Register registriert. Der größte und bekannteste Anbieter ist die Quirin-Bank, die seit 2007 Honoraranlageberatung anbietet und bislang etwa 9000 Kunden berät.3

Ein Kunde muss zwingend vor der Beratung erfahren, ob es sich um eine provisionsbasierte oder um eine Honoraranlageberatung handelt, da sich diese voneinander unterscheiden. Bei der provisionsbasierten Anlageberatung fließen dem Berater von dritter Seite Zuwendungen bzw. Provisionen zu,4 diese entfallen bei der Honoraranlageberatung.5

Abbildung 1: Unterschiede in der Beratung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. o.V., Verbund deutscher Honorarberater (2014)

Wie in Abbildung eins dargestellt, liegt hierin auch der größte Unterschied begrün- det. Bei der Honoraranlageberatung entscheidet der Anleger eigenständig, bei der provisionsbasierten Anlageberatung versucht der Berater den Anleger in seinem Sinne zu beeinflussen, da die eigene Vergütung davon abhängig ist.6 Um über- haupt eine Honoraranlageberatung erbringen zu dürfen, muss sich ein Kreditinstitut zwingend in den organisatorischen, funktionalen als auch den personellen Kompo- nenten von der provisionsbasierten Anlageberatung im Unternehmen unterschei- den.7

Differenziert wird auch zwischen zwei Beratertypen bei der Honoraranlagebera- tung, dem Honorar-Anlageberater und dem Honorar-Finanzanlageberater. Der Hauptunterschied besteht in der Regulierung der jeweiligen Beratertypen in der Gesetzgebung und damit einhergehend in der Differenzierung ihrer Produktpalet- te.8

Relevant für die deutschen Bankhäuser ist der Honorar-Anlageberater. Dieser wird über das Kreditwesengesetz (KWG) reguliert, da die Wertpapierhandelsgesetz (WpHG)-Mitarbeiteranzeigeverordnung berührt wird, da das Kreditinstitut mitteilen muss, für welchen Bereich der Anlageberatung der jeweilige Anlageberater beschäftigt ist, ob provisions- oder honorarbasiert.9

Abbildung 2: Honorarberater-Typen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Kerschner, S. (2013), S. 1ff.

In der Abbildung zwei werden die Gegensätze der beiden Honorarberater-Typen noch einmal visualisiert. Entscheidend ist, dass sich beide gegenüber dem provisionsbasierten Anlageberater einen größeren Marktüberblick verschaffen und das Vermögen über verschiedene Emittenten (Anbieter) anlegen müssen.10

2. Die Honorarberatung in Deutschland

In Großbritannien ist die Provisionsberatung seit 2013 verboten, auch in Australien oder den Niederlanden darf nur noch die Honoraranlageberatung erbracht wer- den.11

In Deutschland erfreuen sich Politiker und Verbraucherschützer an diesem Ge- schäftsmodell, doch bei den Anlegern stößt das Konzept bislang auf wenig Enthu- siasmus. Die schon erwähnte Quirin-Bank hat ein numerisches Kundenwachstum von etwa drei Kunden pro Woche, aber das zu verwaltende Vermögen stagniert seit 2012.12

Für das geringe Kundenwachstum und der mangelnden Begeisterung bei den Kunden werden drei potenzielle Gründe genannt. Zum einen gibt es ein psycholo- gisches Problem, weil Kunden für eine Dienstleistung bezahlen sollen, die andere Anbieter kostenfrei anbieten. Des Weiteren haben Kunden Angst doppelt bezahlen zu müssen, offiziell für die Beratung und im Hintergrund für die heimlichen Provisi- onen an den Berater bzw. sein Unternehmen. Ein weiterer Faktor liegt in der Erwar- tung begründet, dass ein zu geringer Nutzen aus einer Honoraranlageberatung resultiert.13

Schon im Jahr 2013, also ein Jahr vor der Einführung des Honoraranlagebera- tungsgesetzes, ergab eine Studie des Fraunhofer-Instituts Münchens gemeinsam mit der Unternehmensberatung Q_Perior, dass nur jede fünfte Bank an das Ge- schäftsmodell der Honoraranlageberatung glaubt, da die Banken einerseits zu we- nig über ihre Kunden wissen und zum anderen keine Zahlungsbereitschaft bei die- sen erkennen können.14 Eine Honoraranlageberatung wird zumeist im Stundentakt berechnet und kostet durchschnittlich 150 Euro, eine einheitliche Gebührenordnung ist derzeit nicht vorhanden.15

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sieht extreme Probleme für kleine und mittlere Kreditinstitute, weil diese organisatorisch aufgrund mangelnder Res- sourcen nicht strikt zwischen Provisions- und Honoraranlageberatung trennen kön- nen. Zudem wurde die Honoraranlageberatung bislang nur bei größeren Kunden- vermögen in Anspruch genommen, da Anleger auch dann das Honorar für die Be- ratung zahlen müssen, wenn sie nicht investieren. Nach BdB-Angaben prüfen die Banken dieses Modell, aber derzeit sei kein Interesse an der Umsetzung auszuma- chen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und auch die genossenschaftli- che Bankengruppe sehen die Zukunft weiterhin bei der Anlageberatung mit Provi- sionsvermittlung.16

2.1 Das Geschäftsmodell Honorarberatung

Durch die Einführung des Honoraranlageberatungsgesetzes haben sich erste Geschäftsmodelle entwickelt, denen generell gute Chancen eingeräumt werden, unter der Bedingung, dass zukünftig ein gesetzlicher Zwang zur Honorarberatung eingeführt wird.17 Dass der Gesetzgeber dieses forcieren könnte, zeigen die Beispiele aus Großbritannien und den Niederlanden.18

Wie in der folgenden Abbildung drei dargestellt, ist das Ziel der Honorarberatung, den Vermögensaufbau zu fokussieren und keine Verträge zu verkaufen, so wie allgemein angenommen bei der provisionsbasierten Anlageberatung.19 Entgegen dieser Abbildung sind zumeist als Zielgruppe vermögende Kunden mit einem Mindestvolumen ab 100.000 Euro avisiert.20

Dies widerspricht jedoch dem Grundgedanken des Vermögens-Aufbaus, da sich in diesem Fall die Honoraranlageberatung als Baustein für die VermögensOptimierung positionieren würde.

[...]


1 Vgl. Honoraranlageberatungsgesetz (2013), BGBl. I 38, S. 2390ff.

2 Vgl. Begner, J. (2014), S.1ff.

3 Vgl. Kirchner, C. (2014), S. 1.

4 Vgl. Honoraranlageberatungsgesetz (2013), BGBl. I 38, S. 2390ff.

5 Vgl. Begner, J. (2014), S.1ff.

6 Vgl. o.V., Verbund deutscher Honorarberater (2014).

7 Vgl. Honoraranlageberatungsgesetz (2013), BGBl. I 38, S. 2390ff.

8 Vgl. Kerschner, S. (2013), S. 1ff.

9 Vgl. Honoraranlageberatungsgesetz (2013), BGBl. I 38, S. 2390ff.

10 Vgl. Kerschner, S. (2013), S. 1ff.

11 Vgl. Freiberger, H. (2011), S. 1ff.

12 Vgl. Kirchner, C. (2014), S. 1.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. o.V., Kölner Stadtanzeiger (2013).

15 Vgl. o.V., Kölner Stadtanzeiger (2014).

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. Kirchner, C. (2014), S. 1.

18 Vgl. Kerschner, S. (2013), S. 1ff.

19 Vgl. o.V., Faire Banker (2014).

20 Vgl. Kerschner, S. (2013), S. 1ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656944591
ISBN (Buch)
9783656944607
Dateigröße
794 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296064
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Note
1,3
Schlagworte
Honoraranlageberatungsgesetz Honorarberatung in Deutschland Honorarberatung Depotmodelle Individuelle Depotmodelle

Autor

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Titel: Veränderung durch das Honoraranlageberatungsgesetz in Deutschland. Einführung individueller Depotpreismodelle