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Die Darstellung der Occupybewegung in den Medien. Eine Diskursanalyse

Hausarbeit 2012 30 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen und wissenschaftliche Grundlagen
2.1. Nähere Erläuterung der Forschungsfrage
2.1.1.Auswahl des Untersuchungsgegenstandes
2.1.2. Methodisches Vorgehen
2.2.Grundbegriffe der Diskursanalyse
2.2.1. Diskurs und Diskursanalyse
2.2.2. Aussage/Äußerung
2.2.3. Kollektivsymbolik
2.2.4. Deutungsmuster
2.3. Analytische Kategorien eines Diskurses
2.3.1. Diskursfragment/Diskursstrang/Diskursverschränkung
2.3.2. Diskursebene und Diskursposition
2.3.3. Diskursive Gemeinschaften und Eliten
2.3.4. Diskursereignis

3. Diskursanalyse: Die Darstellung der Occupybewegung in der „Welt“ und im „ND“
3.1. Kurzer Überblick über die wichtigsten Aussagen der analysierten Artikel
3.1.1. „Die Welt“
3.1.2. „Neues Deutschland“
3.2. Inhaltliche Gegenüberstellung
3.2.1. Von Hipstern bis Obdachlose
3.2.2. Viel Kritik, wenig Lösungsvorschläge - Die Kritik an der Bewegung
3.2.3. Positive Effekte und Zukunftsperspektiven der Bewegung
3.2.4. Strukturelle und sprachlich/stilistische Auffälligkeiten bei der Berichterstattung über die Bewegung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen.

1. Einleitung

Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der Occupy Wall Street Bewegung. „Wir sind 99%“, lautete das Motto der Demonstrant*innen, die sich dieser Bewegung anschlos- sen. Was anfänglich als Kritik am amerikanischen Finanzsystem gedacht war, fand inner- halb weniger Wochen Dutzende weiterer Anhänger in der ganzen Welt. Nicht nur in den USA, sondern auch in vielen anderen westlichen Industrienationen begannen die Proteste gegen das Finanzsystem und den Bankern und Spekulanten. Diese waren nach Auffassung vieler erst Schuld daran, dass so viele Menschen Haus und Hof verloren haben.. Besonders in krisengebeutelten Staaten, welche unter der Schuldenkrise besonders zu leiden hatten, wie z.B. Spanien oder Griechenland, gingen viele junge Menschen auf die Straße. Doch auch die Forderungen der Demonstrant*innen in der arabischen Welt, die schließlich durch ihre Proteste ganze Monarchien zum Einsturz gebracht haben, fanden sich in den Flyern der Occupyaktivist*innen wieder, besonders in Deutschland. Die Kernforderungen lauteten nun nicht mehr nur Umverteilung der wirtschaftlichen Ressourcen und strengere Überwa- chung der Finanzmärkte, sondern auch mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten der Bevölke- rung, die Bekämpfung von nationalistischem Gedankengut sowie die Wahrung der Grund- und Menschenrechte. Außerdem wurde zu einer umfassenden Kritik an der Globalisierung und den damit verbundenen Folgen für Mensch und Umwelt aufgerufen.1 Zudem gab es noch ein Dutzend weiterer Themen, welcher sich die Aktivist*innen angenommen haben. Was die Kapitalismuskritik betrifft, so haben es sich viele Aktivist*innen sehr einfach ge- macht, wenn sie die Schuldigen der Finanzkrise an der Börse und in den Banken suchen, anstatt auch wirtschaftspolitische Entscheidungen der Regierungen näher unter die Lupe zu nehmen. Aber hier würden die Meinungen wohlmöglich zu weit auseinander klaffen, so dass es einfacher ist, Personen wie Josef Ackermann, den personifizierten Raubtierkapita- lismus, zu dämonisieren.

Wie dem auch sei. Bei einer solchen Bandbreite an Ansichten und Forderungen ist es nicht sehr weit hergeholt, wenn man davon ausgeht, dass auch Menschen die zu solchen De- monstrationen gehen, aus den unterschiedlichsten sozialen Milieus kommen. Wie kann es aber sein, dass eine Bewegung, deren Anhänger ebenso heterogen wie die von Ihnen for- mulierten Forderungen sind, eine so große Dynamik aufweist? Und wie konnte sich diese Bewegung innerhalb so kurzer Zeit auf mehreren Kontinenten ausbreiten? Einen großen Anteil daran haben sicherlich die Medien, welche sehr schnell und zu Anfang auch sehr ausführlich über die Geschehnisse rund um die Occupycamps und Demonstrationen berichteten. Wenn man die Berichterstattung über mehrere Monate verfolgt hat, könnte man den Eindruck gewinnen, dass die Journalisten diese breite Protestbewegung sogar herbeigesehnt und demzufolge der Bewegung größere Einflussmöglichkeiten zugeschrieben haben, als sie in der Realität eigentlich hatte und hätte haben können.

Aber auch negative Berichterstattung über die Camps und die Aktivist*innen blieben na- türlich nicht aus. Insgesamt lässt sich - ohne dies groß in einem Langwieriegen For- schungsprozess genau nachweisen zu müssen - beobachten, dass die Bewegung insgesamt sehr kontrovers diskutiert wurde. Betrachtet man aber die bunte Zusammensetzung der Aktivist*innen und Demonstrant*innen und deren Forderungen, so scheint es nicht über- raschend, dass sich dies auch in der Art der Berichterstattung der Medien widerspiegelt. Interessant ist aber nun zu untersuchen, wie die Argumentationslinien bezüglich der Frage, wie die Bewegung zu bewerten ist, in den Medien im Einzelnen aussehen. Kann man da- von ausgehen, dass sich Zeitungen, entsprechend ihrem Lager, welchem sie zugeordnet werden, eher Occupykritisch oder Occupysolidarisch zeigen? Ist also ein eher linkes Nach- richtenmagazin solidarisch mit den Aktivist*innen während ein Konservatives sich von ihnen distanziert? Welchen Stellenwert wird der Bewegung insgesamt beigemessen, d.h. kann sie wirklich Einfluss nehmen auf politische Entscheidungsprozesse oder ist sie nur eine Modeerscheinung? Dies sind die Fragen die ich im Rahmen meiner Diskursanalyse, in welcher ich zwei Nachrichtenmagazine aus unterschiedlichen politischen Lagern gegen- überstellen möchte, versuchen werde zu beantworten. Aber zunächst werde ich auf die genaue Methodik, sowie einige theoretische Aspekte der Diskursforschung eingehen.

2. Methodisches Vorgehen und wissenschaftliche Grundlagen

2.1. Nähere Erläuterung der Forschungsfrage

2.1.1.Auswahl des Untersuchungsgegenstandes

Für die weltweite Verbreitung der Occupy Wall Street (OWS) - Bewegung kann man wohl die Medien zum Hauptverantwortlichen erklären. Nachdem am 17. Oktober 2011 dazu aufgerufen wurde, den Zuccotti Park in New York zu besetzen, verbreitete sich die Pro- testbewegung wie ein Lauffeuer in der gesamten Welt.2 In sämtliche Tageszeitungen und politischen Magazinen schmückten junge Demonstrierende, die mit Plakaten zur Beset- zung der Wall Street aufriefen, die Titelblätter. Aus diesem Grund erschien es mir interes- sant, in Form einer Diskursanalyse zu untersuchen, wie die Bewegung genau dargestellt wurde. Um meine Forschungsfrage „Wie wird die Occupy Bewegung in den Medien dar- gestellt?“ näher betrachten zu können, habe ich mich für eine Gegenüberstellung zweier großer deutscher Tageszeitungen entschieden. Um auch unterschiedliche Positionen zu repräsentieren, habe ich Zeitungen aus verschiedenen politischen „Lagern“ gewählt. Mit der Zeitung „Die Welt“ soll das bürgerlich-konservative Lager repräsentiert werden. Die Zeitung „Neues Deutschland“ (ND), welche hingegen auf dem Titelblatt damit wirbt, sie sei eine „sozialistische Tageszeitung“ und der außerdem eine starke Nähe zur Linkspartei nachgesagt wird, soll der „Welt“ gegenübergestellt werden.3 Da beide Zeitungen aller- dings über kein Online Archiv aller Printausgaben verfügen, werde ich mich auf Artikel beschränken, welche sich in der Online Ausgabe finden lassen.4 Auch wenn die Printaus- gaben und die Onlineausgaben in vielen Fällen inhaltlich sehr stark voneinander abwei- chen, denke ich, mit „Welt“ und „ND“ dennoch zwei Zeitungen gefunden zu haben, bei denen sich ein relativ klares Bild darüber abbilden lässt, wie sich die Zeitungen zu der Be- wegung positionieren. Insgesamt habe ich aus beiden Zeitungen jeweils neun Artikel aus- gewählt, da ich der Auffassung war, dass diese den Diskurs sehr gut widerspiegeln.

2.1.2. Methodisches Vorgehen

Zunächst einmal gilt es, die Onlinearchive nach Artikeln und Kommentaren zu durchsu- chen, die für die Forschungsfrage interessant sind. Hier bei habe ich den Zeitraum auf ein Jahr festgelegt. Mit der Besetzung des Zuccotti Parks begann das mediale Interesse an der Bewegung, sodass ich den Zeitraum von Mitte September 2011 bis Ende Oktober 2012, also dem einjährigen Jubiläum der Bewegung, gewählt habe. Während die Berichterstat- tung im Sommer 2012 eher spärlich ausfiel, nahm sie im September/Oktober wieder stark zu. Häufig versuchten die Autoren der Artikel ein Resümee aus einem Jahr OWS zu zie- hen. Anhand dieser Artikel ließ sich aus meiner Sicht noch einmal sehr gut nachvollziehen,

wie sich die Zeitungen zu den Protesten positionieren, so dass ich den Oktober 2012 noch in den Untersuchungszeitraum eingeschlossen habe. Ausgelassen habe ich Artikel, die sich nur auf den Bericht aktueller Ereignisse, wie beispielsweise der Räumung eines Camps beziehen, sich aber nicht inhaltlich mit den Protesten auseinandersetzen. Außerdem habe ich Artikel aussortiert, die in der „Welt am Sonntag“ und der „Welt kompakt“ erschienen sind, oder von denen man aufgrund ihrer Länge annehmen konnte, dass sie dort erschienen sind. Ob sich der Artikel inhaltlich mit der Occupy Wall Street Bewegung in den USA oder der Occupy Bewegung in Deutschland auseinandersetzt, habe ich nicht differenziert, auch wenn sich die Bewegungen inhaltlich stark voneinander unterscheiden. Die von den Autoren formulierte Kritik ist im Allgemeinen an die Occupy Bewegung gerichtet und es wird nicht immer ganz klar, ob sie sich nun nur gegen spezifische Proteste in einzelnen Ländern oder gegen die gesamte Bewegung gerichtet ist. Aus der Zeitung „die Welt“ habe ich insgesamt neun Artikel in einem Zeitraum vom 13.10.2011 bis zum 17.09.2012 ausge- wählt. Zunächst habe ich auch aus der Zeitung „Neues Deutschland“ neun Artikel in einem Zeitraum vom 19.10.2011 bis zum 18.09.2012 ausgewählt. Nach der Analyse habe ich jedoch einen Artikel wieder aussortiert, da er mir doch nicht relevant erschien. Insgesamt komme ich also auf 17 Artikel, die ich miteinander verglichen und näher betrachtet habe.

Die ausgewählten Artikel wurden dann von mir zunächst einmal hinsichtlich ihrer Kern- aussagen und der verwendeten Symbolik analysiert. Im nächsten Schritt habe ich sie nach Kategorien der Diskursanalyse wie z.B. Diskursverschränkungen oder Diskursereignissen durchsucht. Im letzen Schritt habe ich mir die Artikel nochmal im Gesamten betrachtet und sie auf Tendenzen in Richtung einer Solidarisierung mit oder Distanzierung von der Bewe- gung untersucht. Bei der Verschriftlichung werde ich zunächst einen Überblick über die wichtigsten inhaltlichen Aussagen beider Zeitungen in chronologischer Reihenfolge geben, bevor ich dann auf die einzelnen Kategorien zu sprechen komme. Ein weiterer interessan- ter Aspekt, welchen ich im Rahmen dieser Forschungsarbeit analysieren möchte ist die Darstellung der Aktivist*innen in den bei den beiden Tageszeitungen. Zunächst einmal habe ich aber alle für die Diskursanalyse wichtigen Begriffe kurz definiert und zusammen- gefasst.

2.2.Grundbegriffe der Diskursanalyse

2.2.1. Diskurs und Diskursanalyse

Um erklären zu können was der Politikwissenschaftler nun im Einzelnen bei einer Dis- kursanalyse erforscht, ist es unerlässlich, zunächst einmal auf den Begriff des Diskurses näher einzugehen, auch wenn sich dies im Rahmen einer Hausarbeit nur schwer ausrei- chend bewerkstelligen lässt. Im alltäglichen Sprachgebrauch taucht der Begriff des Diskur- ses eher selten auf, dabei beschreibt er ein seiner Ursprungsform im angelsächsischen nichts anderes, als ein Gespräch zwischen verschiedenen Personen. Im französischen hin- gegen wird der Begriff eher als eine Art gehobene Rede oder Vortrag verstanden.5 Auch in der Politikwissenschaft findet man eine breite Bandbreite an Definitionsvorschlägen für den Diskursbegriff, z.B. folgende: „Diskurs ist eine verknüpfte Menge von Aussage- Einheiten mehrerer Sprecher zum gleichen Thema, die eine erkennbare zeitgeschichtliche Entwicklung aufweisen und in der Regel über Text - oder Textstückkorpora zugänglich werden.“6 Für meine Diskuskursanalyse erschien allerdings der folgende Definitionsver- such am geeignetsten, welcher auf den Grundlagen Michele Foucaults eher sprachwissen- schaftlichen Diskursbegriff, basiert.

In der Diskursforschung ist unter einem Diskurs ein Konglomerat aus kollektiven Bedeu- tungszuschreibungen gemeint, welcher sich aus einer Reihe an Aussagen einzelner Subjek- te zusammensetzt und so reproduziert werden kann. Durch die Reproduzierung bestimmter Aussagen entstehen so Deutungsmuster, die für einen bestimmten Zeitraum stabil bestehen bleiben und damit eine Art Ordnung des Wissens innerhalb einer Gesellschaft institutiona- lisiert wird.7 Also vereinfacht: ein Diskurs ist ein System, welches Wissen von einem Kol- lektiv strukturiert und ordnet, oder wie es der Historiker Achim Landwehr zusammenfas- sen würde: soziale Prozesse, bei denen Wirklichkeit konstruiert wird.8 Bei einer Diskurs- analyse stellt der Diskurs als solcher also den Untersuchungsgegenstand dar, der im Rah- men der Analyse rekonstruiert wird. Dabei ist bei der Analyse weniger von Bedeutung, welche Aussagen im Einzelnen getroffen werden, sondern vielmehr, nach welchem Muster das Wissen geordnet ist.9 Dabei ist es wichtig, sich einzelne Fragmente des Diskurses näher zu betrachten und zu ordnen, was wiederum eine genauere Klärung einzelner Begriffe voraussetzt, was in diesem Teil der Hausarbeit passieren wird.

[...]


1 Vgl.: http://www.occupyduesseldorf.de/wp/wer-wir-sind/manifest/, abgerufen am 04.01.2013 3

2 Vgl.: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-03/occupy-wall-street-jubilaeum-festnahmen, aufgerufen am 13.12.2012

3 „Die Welt“ erscheint im Verlag „ xel Springer G“, „Neues Deutschland“ erscheint im Verlag „Neues Deutschland Druckerei und Verlags GmbH“, der Linkspartei gehört ein großer Anteil an diesem Verlag.

4 Welche Onlineartikel auch in den Printausgaben erschienen sind, ließ sich leider nicht immer ganz eindeutig ermitteln, daher habe ich bei allen Artikeln die Onlineversion als Quelle angegeben

5 Vgl. Keller, Reiner (2007): Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen. 4. aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.13

6 Jung, Matthias (2011): Diskurshistorische Analyse - eine linguistische Perspektive. In: Keller, Rei- ner/Hirseland, Andreas/Schneider, Werner/Viehöfer, Willy (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band1: Theorien und Methoden. 3., erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS. S. 54 7 Vgl. Keller, Reiner (2011): Wissenssoziologische Diskursanalyse. In: Keller, Reiner/Hirseland, Andre- as/Schneider, Werner/Viehöfer, Willy (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band1: Theorien und Methoden. 3., erweiterte Auflage. Wiesbaden: VS. S. 140 ff.

8 Vgl. http://docupedia.de/zg/Diskurs_und_Diskursgeschichte, aufgerufen am 04.01.2013

9 Vgl. Keller, Rainer (2011): Wissenssoziologische Diskursanalyse. In: Keller, Reiner/Hirseland, Andre- as/Schneider, Werner/Viehöfer, Willy (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band1: Theorien und Methoden. 3., aktualisierte Auflage. Wiesbaden: VS. S. 124

Details

Seiten
30
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656945116
ISBN (Buch)
9783656945123
Dateigröße
1020 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v296334
Note
1,0
Schlagworte
darstellung occupybewegung medien eine diskursanalyse

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